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Schloß Sonneck.

B] Roman von Felix Nabor.

„Schtttt oder Trab/ fragte Viktor.

„Star liebsten ein kleiner Galopp. Mr können Unsere Renner prüfen — wollen Sie?"

Viktor verbeugte fich im Sattel. „Zu Befehl, gnädiges Fräulein/

Ein Blick herüber und ein Helles Lachen. Dann zoo Alic: ihrem Braunen die Gerte über die Flanken und das Tier fchoß davon. Bei Viktors „Freya" genügte ein Schenkeldruck und ste war trotzdem eine Kopflänge bormtS. Viktor freute fich im Stillen, daß sein Roß das bessere war, obwohl der Braune wahr­scheinlich das Doppelte von „Freya" gekostet hatte.

Alice fcmb Gefallen an dem scharfen Ritt. Be­sonders freute sie fich auf das Aufsehen, das sie er­regen mußten, wenn sie so zusammen durchs Dorf ritten. Das war eigentlich der Grund, toarum sie diesen Ritt in Szene setzte: ihre Eitelkeit verlangte nach einem Triumph, nach einem Sieg. — Nun ge- *vß sie ihn. Wer konnte wissen, was folgte? — Sie hatte nicht Lust, in einem kleinen Rest zu verblühen; sie sehnte sich nach Glanz und Pracht, nach einem Llön^nden Leben und den rauschenden Festen der Residenz an der Seite eines vornehmen Gatten. Vik- . onnei^ wäre ihr eben recht gewesen. Er war ein scyoner Mann, besaß einen alten adeligen Ra- men, war ern flotter, lebenslustiger Offizier — und wenn auch das alte Wappenschild" der Sonnecks etwas verblaßt war: Papa besaß Geld genug, um es auf- tzufrischen.

Alice von Sonneck? - Das wäre ein Klang, das bedeutete etwas in der Welt!

Hinter ihrer niederen Stirn jagten sich tausend Gedanken. Warum sollte ihr nicht gelingen, was sie plante? Das Geld ist eine stärkere Macht als ein adliger Name. Alice wollte sich den jungen Offizier Kobern — und im Vorgefühl ihres Sieges warf ste Holz den Kopf in den Nacken. — —

Jß m.

Samstag dev 29. 3ull 19(1.

* fuIüaerM Zeitung

- 2. Blatt.

Druck und Verlag der zuldaer Actiendruckerei hi Zalda.

38. Jahrgang.

mit Unter»

aus nicht; aber wir müsse« ihrer Mißdeutung

„Havannas", sagte Viktor, das ist Ja

st er, Gruppen von Männern und Weibern bildet« sich auf der Straße und besprach« eifrig dar große Ereignis.

Jnpvischen erreichten VRor und Mce die Brücke, die sich am Ende des Dorfes mit mächtigen Nein» bogen schwerfällig üb« dm Fluß spannte. Dort teilte sich die Straße: die zur Recht« führte dem Laufe deS Fluss« folgend, zu dm Fabrtkgckäudm, die zur Link« wand sich zum Schlosse Sonneck empor.

Auf ber Brücke hielt« beide ihre Pferde an. Mce, deren Wang« glühtm, reichte Viktor die Hand. „Es war großartig", sagte ste. „Schade, daß der Ritt schon zu Ende ist. So könnte ich eine Ewigkeit fortreit«. Ich hoffe, daß eS nicht der letzte Ritt ist, dm wir zusammm macht«."

Vikwr erwiderte kurz dm Druck. „Auf Wieder- fchm, gnädiges Fräulein", sagte er mehr aus Höf- lickLeit als auS Ueberzeugung. „War mir ein gro­ßes Vergnügen! Morgen! 'Morgen!' Mce lachte ihn an und ritt langsam d« Fabrik zu.

Viktor nahm die Zügel kurz. „So", sagte er, „jetzt geht'? hübsch langsam. Wir komm« imm« noch früh genug — das Donnerwetter wird nicht ausbleibm."

Der Weg führte tn ein« klein« Kurve zum Hü­gel empor, unter schattigen Linden dahin, derm Blätter leise zittertm. Der Hackst hatte ihn« schon das Todeszeichm aufgedrückt.

Obm lag das Schloß, ein alter »au mit hohem, steilem Giebeldach und groß« Fenstern, in dmm goldme Flamm« brannten. Die weiß« Mau em leuchtet« wie Marmor auS dem dunkl« Grün d« Bäume hervor, ganz in Sonnmstrahl getaucht. Ganz am Ende deS Bergrückens schob sich ein grau« Turm gegm das T<ll vor wie ein trotziger Wacht«. Um seinm schlanken Leib schlang der Efm seine grimm Rank« und übet den breit« Rücken rieselte das Sonnenlicht nied«.

DaS war Schloß Sonneck. D« junge Offizl« hob grüßend die HandN „Meine Heimat — ich grüß, dich!" —

er leise zu Mama, die bestätigend nickt», - (Fortsetzung folatX

entgegmtreten. So, wie die Sache in der Tages- presse dargestellt wird, kann sie bei urteilsschwach« Cetan die Ansicht erweck«, als ob Berlin die frei­gebige Wohltäterin, die opferfreudige Nährmutter des rreußssch« Staats wäre, zu der die armm „Provin- zm" in Dankbarkeit und Ehrfurcht aufblicken müßt«. So liegt denn aber die Sache nicht. Berlin gibt viel weil es noch mehr bekommt. Berlin leistet eine hohe Einkommmfteuer, weil es viel Einkommen hat; ober dieses Einkommm stammt keineswegs auS den Taschen der Berliner allein, sondern zum großen Teil aus ber „Provinz". Ja, man kann ruhig sagen: zum größten Teil.

In Groß-Berlin wohn« sehr viele reiche Leute. In ben fein«« Vororten sind ste noch zahlreicher vertret«, als in d« eigentlichen Stadt Berlin. Wo ist bet Besitz «worben wordm? Diesenigen wohlhaben- ben Familien, die feit Generationen in Groß-Berlin wohnen, bilden die Mind«hett. Die Mehrzahl tft seit dem Aufschwung, in den letzt« vier Jahrzehnten, zugezogm, und hat aus d« Provinz ein schönes Ver­mögen mitgebracht. Wir haben ja fortwährend und überall die Erscheinung, daß diejenigen, die etwas vor sich gebracht hab«, der Anziehungskraft d« grö- ß«m Städte unterworfen sind, also vor allem der stärksten Anziehungskraft d« größt« Stadt, und daL gilt sowohl von Rmtnem, die behaglich ihre Zins« verzehr« möchtm, als auch von ben unternehnmngS- lustig« Elementen, die in den intensiv« Geschäfts- betrieben ber Weltstadt ihr Kapital, ihr Talent aufs «giebigste auszunutzm gedenken.

Die Erwerbstättgkett in Berlin ift freilich sehr intensiv, sowohl im Handel mit Geld und Warm, als in bm verschiedensten Zweigen der Industrie. Ab« wie könnte daS Geschästsleben so umfangreich und so gewinnbringend fein, wenn nicht der ganze Staat und sogar das ganze Reich das lohnmde Ab­satzgebiet hübet«! Die Zentralisation wird imm« stücket durchgeführt, und bm Vorteil davon hab« die Großstädte, vor allem Berlin. Die Groß­bank«, die imm« mehr die Hebt«« und mitt» l«m Bankgeschäfte ausschalten, haben zumeist ihre Zentralen in Berlin. Dort gelangt d« Gesamtge­winn zur Deklaratton und Versteuerung. Tausende von Aktiengesellschaften, Gmoffmschast« usw. bomb zilieren in Berlin, während ihr Geschäftsbettieb ganz ob« teilweise „draußen" sich abwickelt. An der Ber­lin« Börse kauf« und bedaufen nicht bloß Berliner; der Profit bei dem riesig« Börsmumsatz steigert das Einkommm und die Einkommensteuer ber Berlin«. WaS Industrie und Großhandel von Berlin und üb« Berlin in die „Provinz" abfetz«, ist gewalttg. Aber auch der sog. Kleinhandel hat enorme Umsätze in die Provinz und zieht große Gewinne auz der Provinz. Nicht umsonst überschwemmen die Berlin« Warm­haus«, Spezialgeschäfte, Versanbgeschäste usw. daS ganze Land mit ihr« Katalog« und sonstig« Re- Kamm, sowie mit Agenten und Fllialm. Schon allein die 10 Pfd.-Postpakete sorgen für einen stet« Zufluß von Millionen zu dem steuerfähigm Einkom- men Groß-Berlins.

Ob unb Inwieweit der Tribut, dm die „Provinz" an die Hauptstadt freiwillig leistet, b«echügt und heil­sam ist, brauch« wir hi« nickst zu erörtern. Es han­delt sich nur um die Tatsache, daß zu d« steuulichen Leffwngsfähigkeit SB «lins auch die anderen Landes- teile, sogar die angeblich so sehr rückständig« öst­lichen Provinzen ganz erheblich beitragen. Groß- Berlin schenkt dem Staate nichts, sondern gibt ihm nur die gesetzmäßige Quote von dem Profit, b« es aus dem ganz« Staate und Reiche zieht unb den es nicht bloß seinem Fleiße, sondern zum Telle auch ber Vorzugsstellung Berlins als Staats- und Reichs- Hauptstadt verdantt.

Also nur keine Prahlerei und nur keine Macht­gelüste auf Grund der gerechten Steuerlefftung«! Der „Wasseckopf" wird vom Körper ernährt.

K Das Einkommen der Berliner.

Professor SllberAett hat ausgerechnet, wie stack b« Anteil Groß-Berlins an bat Ertrag der preu­ßisch« Einkomm enstener sei. Roch wcht 9 Prozent ber Bevölkerung Preußens sitzt in Groß-Ber­lin unb sie bringt 25 Prozent bet StaatSeinkommm- ft euer auf, nämlich 72% Millionen von 214 Mil­lion«. . , t

DaS Ergebnis dieser Untersuchung in bat „Sta­tistischen Monatsbericht" wirb tu b« Berliner Presse in etwas protzigem Tone totebet gegeben. Da heißt es, sogar das Rheinland stehe nur 10% Million« hinter Groß-Berlin tn der Steueckroft pirück; tmb ebenso

Der Major tat sehr erstaunt, ließ eS fich von Viktor öffn« und war entzückt üb« die dicken, sorg- fällig in Staniol gehüMm Havanna», die tote kleine silberne Kanonenrohre nebenetaanb« lag«.

Zärtlich fuhr « mit dm Fingern darüber Hw. ,Ä", sagte «,t,baS SweiMarö^

Gehrock unb Lackschuh«, tadckloS gekleidet, saß in steif« Haltung am Dsch und Pickte die Schultern bei bm Wort« seine» Later». „Kinderei«', faßte

wochen-Rundschau.

stj Fulda, 28. Juli 1911.

diesem Fahre stellen die Hundstage cm bie Presse keine übermäßigen Anforderungen. De Ilundschauler hat nicht notig, zur Erganzung de raoesereignisse in die Tiefe der weltgeschichtlichen Erfahrungen hinabzusteigen. Neue ker Streit um Marokko, bte verschiedenen Revolu- tzömhen in Amerika, dann die Türker unb Persien leiten nach wie vor alles in Atem.

Aus unseren Kolonien in Afrrka find rn dieser Woche zwei Hwbspostm zu uns gelangt. In Deutsch-Südwestafrika, in dem soge­nannten Caprivizipfel, ist eine aus 40 Trägern und Soldaten bestende Patrouille von den Eingeborenen niedergemetzelt worden. Ihr Anführer, DistrÄs- lommrssar v. Frankenberg, soll sich glücklrch über die englische Grenze gerettet haben; doch steht von ihm noch eine amtliche Meldung aus. Fn Qeutsch- Ostafiika sind Karawanen farbiger Händler von Eingeborenen überfallen und gleichfalls niederge­macht worden. Da bei dieser Gelegenheit auch auf deutsche Polizeipatrouillen, die wahrscheinlich den llebersallenen zu Hilft kommen wollten, geschossen wurde, so wird ein Einschreiten der deutschen Schutz­truppe notwendig werden, um die Uebeltater zur Verantwortung zu ziehen. Eine besondere poli­tische Bedeutung wird seitens der deutschen Regre- runq beiden Vorfällen nicht zugemessen; man hofft, daß das bloße Erfcheinen der deutschen Schutztrup- peii in den dortigen Gebieten und die Bestrafung der Schuldigen genügen wird, um die Ruhe wieder herzustellen.

Neben diesen Ereignissen nimmt der schwarze Erdteil unser Interesse hauptsächlich wegen ber Marokkofrage in Anspruch. Die Presse, nicht nur die auswärtige, sondern auch die deutsche, hat sich dieses Themas in liebevoller Werse ange­nommen und manche Blätter geben sich ben An- schein, als ob sie über die zwischen dem deutschen Statssekretär v. Kiderlen-Wächter und dem fron- zösischen Botschafter Cambon stattfindenden ge­heimen Besprechungen gut unterrichtet wären und tischen ihren Lesern allerhand Märchen auf, sodaß sich nicht nur die „Nordd. Allg. Ztg." zu der ^Er­klärung gezwungen sah, daß über den gegenwärti­gen Stand der zwischen der deutscherr und bet fran­zösischen Regierung wegen der Lage in Marokko schwebenden Verhandlungen keine amtlichen ober halbamtlichen Mitteilungen in der Presse gemacht werden könnten, daß daher ein Urteil Über die mög- lichen Ergebnisse der Verhandlungen zum minde- sten voreilig sei, sondern auch das fianzösische aus­wärtige Amt sich veranlaßt sah, eine offiziöse Mah- nnng zur Zurückhaltung an die Pariser Presse zu richten. Man soll ruhig abwarten, wie sich bte Dinge weiter entwickeln. Die russischen Blatt«, bte Deutschland feindlich gesinnt sind, regen sich auch dar gewaltig darüber ans, daß Frankreich sich in ruhige Besprechungen über die Marokkofrage em- lläßt und womöglich von Deutschland Bedingrmgen frittieren lasse, und daß Frankreichs Freund, Eng­land, nicht gleich mit kräftiger Hand dazwischen Mre und dem deutschen Michel eins auf ben Kopf Hebe. Daß Englanb in Marokko wichtige Wirt- ffchaftliche Interessen hat, ist nicht, zu leugnen Um so mehr ist anzuerkennen, baß die mglffche Regre- jcung sich vis jetzt der größtmöglichen Zurückhaltung befleißigt hat. Doch auch hier sucht die deutsch­feindliche Presse die Regierung gegen Deutschland aufzuhetzen, und sie glaubt, eine gute Unterlage für ihre Ausführungen in ben Worten des Schatzkanz­lers Lloyd George zu finden, der vor einigen Tagen Erklärte, baß Großbritannien unter allen Umständen feinen Platz und fein Ansehen unter ben Groß- Mächten aufrecht erhalten wissen wolle. Jetzt haben zwischen den englischen Staatsmännern unb dem tn London anwesenden britischen Botschafter in Paris Besprechungen stattgefunden, aus denen man fthließen will, baß bie Verhandlungen zwischen Derrn v. Kiderlen-Wächter und dem Botschaft« Uambon eine kritische Wendung genommen haben. Doch sind dies alles nichts als leere Vermutungen.

Die Anwesenhett französisch« und spanisch« Truppen in Marokko gibt immer neuen Anlaß zu Zwischenfällen. Nachdem d« erste- Fall Boisset glücklich beigelegt war, ist jetzt ein französisch«

Deutsches Reich.

* Die Novelle zum preußischen Einkommen« ftenergefett, die eine der wichtigsten Arbeiten in ber nächsten Session des Landtages bilden wird, Wird nach den bisherigen Regierungserklärungen keine wesentlichen Aenberungen der bish«igen Grund­sätze, die fich bewährt haben, bringen. ES kann sich bei der Novelle daher nur um eine gleich­mäßigere, also in den Hähern Einkommensklassen

Nun kam die Villa tn Sicht, ein prunkend« Bau auf dem Rück« de» Hügels; von dort aus konnte man das ganze Teck mit dem sich lang zu beiden Sei­ten des Flusses hinstreckmdm Dorft und die rauchen- dm Schlote d« Fabrikgebäude überblick«. Ein breti«, bckiest« Weg führte ht groß« Serpentinen zur Villa empor. Unter dem hohm, schmiedeeisern« Einfahrtstor stand breitspurig ein untersetzt« Mann mit stackem Embonpobtt. Eine fmgerbkte Uhckekte ringelte sich behaglich üb« die straff gespannte Weste und unter dem schlappigm Panama sah ein rotes Vollmondgesicht mit mächtigem Doppelkinn und glitzernd« SCragtefn ht dm hell« Taz hinein: Leo Bergmann, d« reiche Fabrikant tmb d« Herr deS Tales!

Beim Anblick ber beiden Retter verzog sich sein Gesicht zu einem brettm Lachen. „Tenfesmädel", sagte «. „DaS hat sie fein gemacht. Mit Viktor von Sonneck Galopp retten! Wmn's ber Alte drob« erfährt, läuft ihm bte Galle übet'

Er schwenkte bm Panama und rief: „Bravo, scharmant!"

Mce grüßte mit b« Reitgerte, als sie an ihrem Bat« vorüberflog. Viktor neigte etwa» föruckich dm Kopf. „Wollm Sie hi« absteigm?" fragte er Alice.

„Rein", gab sie zurück. „Ich reite zur Fabrik." Sie wollte im Dorfe an Viktors Seite gesehen wer­den; nicht um ein Vermög« hätte sie sich dies« Triumph mtgchm lassen.

Viktor wurde eS unbehaglich. Im Grunde ge­nommen hatte « ja eine kolossale Dummheit begangen. Wenn Papa das erfuhr, würde es ein richtiges Don­nerwetter absetz«. — Aber jetzt war es zu spät — da flogen sie schon dem Dorfe zu.

Alice zeigte eine lachende Mime unb rief dem jung« Offizier beständig nichtsftgende Worte zu; sie wollte vor all« zeig«, wie vertraut sie mtt ihm war.

So ritten sie durchs Dorf. Eine Schar Kind« stob schrelmd auseinander, ein paar Hunde kläfft« hinter ihn« drein, das ganze Dorf ward plötzlich lebendig. 3leu qieriae Gesichter fuhren an die Fen-

;egen dm jetzigen Zustand vermchrte Einteilung >er Steuerstufen handeln, die ht den Kreisen der Großkapitalisten auf Widersprach stoßen, sonst aber beifällig ausgenommen wird. Es sind in der Presse bereits btele Vorschläge gemacht worden, wie eine gerechtere Einteilung ber Steuerklassen er­zielt werden kann unb hauptsächlich wird eine hohe Besteuerung des „reinen" Kapitals empfohlen, das nicht durch gewerbliche Unternehmungen in Anspruch genommen ist, sondern von seinem Inhaber lediglich zur luxuriösen Nutznießung verwandt wird. So be­gründet eine solche Uebersluß-Steu« auch wäre und so sehr sie auch dem Empfinden weiter Kerise ent­sprechen würde, so schwierig dürste aber auch ihre technische Gestaltung sein.

'4- Die Bekämpfung des Schmuses in Wort und Bild ist jetzt im Berliner Polizeipräsidium zentrali­siert worden. Durch diese Zentralisierung ist eine energischere und einheitlichere Bekämpfung des Schmutzes in Wort und Bild ermöglicht. Es schweben augenblicklich V«handlungen zwischen der preußischen Regierung unb den Regierungen bet Bundesstaaten, um auf diesem Gebiete eine „Reichs­zentrale" zu schaffen, der bie Aufgabe obliegen wirb, die Bckämpfung des Schmutzes tn Wort und Bild einheitlich zu regeln.

-j- Deutsches Eisenbahnwesen. Die erste große Gesamtdarstellung des deutsch« Eisenbahnwesens, sowie bet technisch« Einrichtungen, des Verwal- wngs-, Verkehrs- und Finanzwesens wird demnächst «scheinen. Das Weck ist unt« Förderung des preu­ßischen Eismbahnmmisters, des bayerisch« Ver- kehrsminlsters unb ber übrig« deutschen Eisenbahn- zmtralbehördm zustande gekommen; es ist redigiert vom Geh. DberregierungSrat Hoff, dem Präsiden­ten des Elfmbahnzentralamts in Berlln. Das ge­samte Weck zerfällt in 39 Abschnitte, von dm« jedes ein besonderes Gebiet des deutschen Eisenbahnwesens behandelt. Eine Abteilung ist muh dm Eisenbahnen in den deusschm Kolonien gewidmet und vom Gehei- m« Oberbaurat im Reichskolonialamt Balzet bear­beitet. DaS Weck begegnet dem größten Interesse der fremd« Eisenbcrhnverwaltnngen. ES wird dat­um zugleich in «glischer, französischer unb spanischer Sprache erscheinen. Die japanische Regierung hat bereits eine größere Anzahl bet Wecke in englischer Sprache bestellt.

Offizier von spanischen Trupp« ftstgmommm und beschimpft, bann aber von dem Kommandeur d« spanischen Truppen fteigelassen worden. Dre fianzösische Presse fordert mtt Entschiedenheit bte Abberufung des Leiters b« spanischen Expedition, des Obersten Sylvestre. Doch auch dies« Zwischenfall wirb sich auf gütlichem Wege erledigen lassen.

Im englischen Unterhause kam eS am Montag bei der erneuten Beratung der Vetobill, die bekanntlich vom Oberhaus wesentliche Ambe- tungen erfahren hat, zu stürmischen Szenen, bte sich gegen den Premierminister Asquith richteten. Ruft, wie Verrät«, Feigling, tönten ihm aus den Banken ber Oppositionellen entgegen. Die liberale Regte- rung wird sich aber durch dieses beispiellose Vorgehen einer Anzahl Oppositioneller in ihrem Vorgehen nicht beeinfluss« lassen, sondern wird darauf dttn- qen, daß d« König von seinem Recht der Neuer- Nennung ein« genügenden Anzahl Peers Gebrauch macht, um so bie Annahme ber Vetobill auch tut Oberhmtse durchzusetzen.

In Konstantinopel sind am Sonntag und Montag gelegentlich der Nationalfeier zur Er- ftmerung an bie Begründung des modernen otto- manischen Staates an v«schied«en Orten große Brände ausgebroch«, ben« der größte Ten von Konstantinopel, sowie mchrer« in der Nahe ge­legener Orte, wie Skutari, zum Opfer gefallen tft. Tausende von Häusern sind niedergebrannt, über hunderttaus«d Mensch« obdachlos, der &fab« tn Konstantinopel allein wird auf über 40 Millionen Francs beziffert. Auch verschiedene Meüschm sind bei dem Brande umgekommen; ebenso tst der Kriegs- Minister Mahmud Schefiet Pascha durch em« her- abstürzend« Balken v«letzt worden, sodaß « mehrere Tage bas Bett hüt« mußte. Da bas tut- fische Reich im Inne« noch nicht recht gefefttgt ift unb nach außen von Feind« bedroht ist, so totrb verschiedentlich bte Befürchtung ausgesprochen, daß die Brandkatasttophe leicht zu einer politisch« Kaia- strophe führen könne. Sämtliche auswarttge Staa- tat sprachen dem Sultan ob« b« türk. Regierung ihr Beileid zu b« furchtbaren Katastrophe aus, unb auch ber deutsche Kaiser sandte an ben Sultan em «herzlichen Worten gehaltenes Beileibstelegramm.

Der Albanesenausstand ist noch tnmtet nicht beigelegt; doch scheint nach den letzt« Mel- düng« eine Wendung zum Bessern dahm einge­treten zu fein, baß bte Malissoren, wahrscheinlich mtS bem Grunde, well sie von Montenegro lerne Hilft mchr erwarten konnten, auf bie Bedingungen für ihre Unterw«sung, bie bie tückische Regierung nicht bewillig« konnte, freiwillig verzichtet«. , ,

Die Revolution in ber Negerrepublik Haiti, die den Sturz des bisherig« Präsident« Stmon herbeigefühck hat, hat bte deutsche Regierung, dem Beispiel d« S3«einigten Staaten folgend, veran- laßt, zur Wahrung der deutschen Interessen unb zum Schutze der dort taftnblichen Deutschen den Kreuz« Ri-pmeu" nack Dort-au-Prince zu «tftnden.

Sert werden unb zwar hn Frühjahr nächsten ces, wenn bie Vollendung ber neuen Dread­noughts eS ermöglicht, diese B«ändernng vorzu- nehm«, ohne die Flotte ht den englischen Gewässern zu schwäch«. BtS jetzt hat England nur sechs Schlachtschiffe im Mtttellandischen Me« und vier 14 000 Tons Schiffe d« Duncan-Klasse mit vier Zwölf-Zoll- und zwölf ' s-Zoll-Geschützen, während die beiden letzten, Trin und Swistshure, nur 11800 Tons hock«. Die ' rangung

der Mtttelmeerflotte beträgt somit 79 800 Tonn« und die Zahl b« Geschütze 100, durch bie Ver­stärkung wück bie Flotte auf 130000 Tonnen unb 144 Geschütze gebracht werden.

♦ * Tätigkeit ber italienisch« Kammer. Da» Sckretariat der ttalimifchm Kammer gibt betannt,

DaS Mahl war zu Ende. Sian hatte gut und reichlich gegessen unb dazu schwer« Rotwein ge­tarnten, der Me Gesicht« erhitzte. Die Familie war ganz unter sich: Bautz von Sonneck, RiüergutSbe- sitz« unb Major a. D., Elga, seine Gemahlin, Sixt von Sonneck, du älteste Sohn, Gesandtschafts-Attache, bei irgmb einer amerikanischen Botschaft, Vikwr und seine Schwest« Hilde.

Auf bm Abend erwartet« ste noch Baron Wei­tz «Hof« von Schloß Honck«g, ber regelmäßig he» überkam, um mtt dem Mchor unb bem Pfarrer des Dorfes ein« Tarock zu schlag«. DaS war die ein­zige Unterbrecfemg tat ewig« Einerlei des einsam« Seitens auf Schloß Sonneck.

Herr #. Sonneck war in ausnehmend guter ßarite, well Viktor gekommen war unb ihm persönlich feine Glückwünsche überbracht hatte. Dem hatte er «an» besonders WS Herz geschloffen unb feine Anwesenheit machte ihn glücklich, gab bem Tage ein« hell« Glanz. I

Wahrend nach bem Mahle bie Speisen abgetra­gen wurden, entfernte fich Viktor für ein« Augen- blick und kam bann mtt einem Kistchen zurück, das « Papa präsentierte. „(Ein kleines Angebinde zum Go- burtstag, Papa', sagte er.

Ausland.

* ♦ Die „Taufe deS fiel« Gedankens".

Flace bei Macon in Frankreich vollzog bet sozialisti­sche Bürgermeister an einem Neugeboren« folgende „Taufe": „Sei Willkomm«, Maria Phllibetta, tn bet groß« Familie der vom tckigiösm Dogma be­fielt« Denket. Im Nam« bet Universalprinzipien des freien Gedankens, im Namm der glorreichen Re­volution von 1789, bet Mutter ber Menschen- unb Bürgerrechte, im Namm der fianzöstschen demokra- tffchen Laimrepublik taufe ich Dich unb lege Dir fol­gende drei Gebote auf: Du sollst Deine Heimat, Dein« Vater und Deine Mutter ehr« und ihnen bien«; Du sollst mit allen Deinen Kräften die Ge- rechttgkeit tmb Wahrheit verteidig«; Du sollst nichts m der Welt mehr fiirchtm, als Deinem Rächst« Ueb» les anzutun!" — Im Ministerium Caiklaux stnd von 16 Ministern 12 Freimaurer!

* * Die englische Mittelmectskotte soll ver­stärkt werden. Mtt Rücksicht auf bte Vergtö- rung ber italienischen unb österreichischen Flotte, so berichtet der „Dailü Erpreß", sollen auch die

In Persien tehrt--------„

stützung der Russen ta sein Land zurück. Man hat leider Veranlckssung, anzunehmen, daß bet Munster­präsident der konstitutionellen Regierung, Sepehdar, mtt ihm unter einer Decke steckt. DaS Parlament hat d« Her« Minssterptäsideaten erber einfach ab- gesetzt. Man hat auch gegm die Herantuckenden Truppen mobll gemacht. Ab« wenn der Bachtraren- Häuptling Segar-Ass« in dm Kamps etagrelft, ist es mtt bet Herrlichtett des Exschahs auS.