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latetieisbruiuM Verlag der LÄteer A» «eebnutad in Fnlbe ßetnfPrecher Vr. 9.

Fulda, Samstag den 29. Juli 1911*

Erstes Blatt.

Jtf 171.

38. Jahrgang.

noch immer um die Ausdehnung der Zugeständ-

Dampfer „Prinz Sigismund' übermittelt und au ein fremdes Kriegsschiff adressiert.

niffe. die Deutschland im Austausch gegen ten Per» JK9t auf seine politischen Interessen von Marokko r™ uns fordert. Diese Zugeständniffe können auch m m^n bD*L Austauschen tragen, da im Geiste des Berlmer Kabinetts die Abtretung der Deutschen Kolonie Togo und gewis. ll?r . *r 1 $ ® A"Peruns an Frankreich die übertriebenen Ansichten kondensieren würde, die man .betreffs der Kongokolonie an uns stellt. Die Un- r redungen zwischen unserem Botschafter und Herrn

Kiderlen sind in den letzten Tagen zwar etwa­ch erzl ich er geworden, aber sie haben die Sache ^ftht viel gefördert."

wird der BundeSrat dem Kaiser die Vorschläge zur Ernennung von 23 Mitgliedern zur ersten Kammer machen. Mit Bildung der beiden Kammern hört dann der LandeSauSschuß endgiltia z» besteh« ans. DaS Gesetz ist, soweit es sich aus di« Wahlen be­zieht, bereits mit dem Tage seiner Verkündung in Kraft getreten. Der übrige aus di« VerfaffungS« änderung bezüglich« Teil wird durch kaiserliche Order in Kraft gesetzt, er tritt jedoch spätestens mit dem 1. Januar nächsten JahreS in Geltung. Man nimmt an, daß di« Inkraftsetzung so früh wie mög­lich erfolge« soll, sobald alle Vorbereitungen zur Ueberführung in den neuen Zustand getroffen sind. Der Statthalter wird dann die drei Bevollmächtigten zum Bundesrat ernennen, und hiermtt ist dann die neue Verfassung für die Reichslande endgiltig durchgesührt.

# Straßburg 27. Juli 1911. Auf dem in Mühl­hausen abgehaltenen Parteitag der sozialdemokrati­schen Partei Elsaß-Lothringens, wo außer dm Dele» giertm der Kreisvereine und ben Delegierten des Zentralvorstandes auch Vertreter der badischm, würt- tembergischm und ftanzösischm Sozialdemokratie zu- gegen waren, wurde in dem Referat des Parteivor­standes über die Landtagswahlm Stellung gegen dm Nationalbund genommen, der nur die Mißwirtschaft der Notablmherrschaft echalten und auf kulturellem Gebiet dm Sieg des KlerikalismuS herbeiführm wolle. Es wurde ein umfangreiches Aktionspro­gramm festgelegt und beschlossen, ohne Rückst^ auf andere Parteien in allen ausstchtsoollen Kreisen Kan­didaten aufzustellen. Die Feststellung der Stichwahl­parole solle dem Zmtralvorstande überlass« bleiben. — Der Lothringer Block beschloß auf seinem Parteitag, bei ben Wahlen selbstänbig vorzugehen und weder mit dem Amtrum noch mit dem Nationalbund zu paktieren; doch dürfm diesem die Mitglieder bei Blocks im einzelnen beitreten.

O Hanau, 29. Juli 1911. (Telegr.) Der Vorstand der nationalliberalen Partei in Hanau hat die Aufstellung eines eigenen Kandidaten für den Landtagswahlkreis Hanau befchloffen.

Ausland

** Der neue Generalissimus der französischen Armee. Der Kriegsminister hat den Posten eines Oberkom­mandierend m der französischen Armee, den bisher General Michel innehatte (vergl. Nr. 169), dem Ge­neral Pau angeboten; Pau hat aber, wie eine offi­ziöse Note besagt, unter Hinweis auf sein hohes Alter den Posten abgelehnt. Pau ist 64 Jahre alt. Man glaubt allgemein, daß andere Gründe ihn zu seinem Entschlüsse bestimmt haben. Nunmehr hat der neue Generalissimus der französischen Armee, General Jossre, der im 59. Lebensjahre stehl, den Posten übernommen.

•* Die 17. Interparlamentarische Konferenz, die vom 3. bis 6. Oktober in Nom statt findet, hat folgende drei Hauptoorträge auf ihre Tagesordnung gesetzt: 1) Herrenhausmitglied Professor Zorn- Deutschland : Internationale obligatorische Schieds­gerichtsbarkeit. 2) Baron d'Estournelles-Frankreich: Beschränkung der Heer- und Flottenlasten. 3) Früherer Ministerpräsident Bernaert» Belgien: Verbot des Luftkrieges. Kurz vor der Interparlamentarischen Konferenz wird in Rom auch der Friedenskongreß abgehalten werden.

** Griechisch-türkischer Zwischenfall. Die türkische Polizei verhaftete einen Angestellten deS griechischen Konsulats, der angeblich Lose für die griechische Flotte verkauft hatte, und folterte ihn in barbarischer Weise. Wie der ärztliche Be­fund ergab, waren dem Unglücklichen spitzige Rohr­federn unter die Fingernägel getrieben worden, um von ihm die Namen der Losverkäufer zu erfahren. Die griechische Regierung ladet die Botschafter der übrigen Mächte zu einem gemeinsamen Protest gegen die Gewaltätigkeit der Türkei ein.

** Ter Kampf gegen die Trusts entbrennt in Amerika wieder mit größerer Schärfe. Der Attorneygeneral Wickersham kündigte an, daß das Justizministerium eine sofortige Strafver­folgung aller Trusts und Monopole beab­sichtige, die sich nicht auflösen oder Maßnahmen treffen, um dem Shermanschen Antitrustgesetze zu gehorchen, entsprechend der Auslegung, die es in dem Prozeß gegen die Standard-OU-Gesell- schaft und in anderen Fällen durch den Obersten Gerichtshof erfahren hat.

** Die revolutionäre Bewegung in Ehina greift rapid um sich. In einer in der Provinz massenhaft verteilten Proklamation heißt es: »Die Dynastie muß verjagt werden, da sie mit dem Aus­lande unter einer Decke steckt und darauf ausgeht, China den interessierten europäischen Mächten und Japan in die Hände zu spielen. Die forcierten Bahnbauten der Regierung haben nur den Zweck, die Möglichkeit zu schleunigen Militärtransporten gegen das nationalgesinnte Volk zu schaffen.* Ins­besondere seien Rußland, England und Amerika für China gefährlich. Man befürchtet, daß der- artige Aufrufe neuerdings zu Exzessen gegen die Fremden führen könnten, weshalb die Konsuln ent­sprechende Schritte zur Vorbeugung getan Haden. In Mulden hat der Tat der mongolischen Fürsten beschloffen, einen Massenprotest der Bevölkerung gegen Rußland und die Regierung vorzudereiten.

** Die Revolution i« der Negerrepublik Haiti scheint bedrohliche Formen anzunehmen. Der amerikanische Kreuzer.DeSmoines" erhielt ein drahtloses Telegramm, das gemeinsam von den Konsuln Deutschlands, Amerikas und San Domingos auf Jeremie auf Haiti abgesendet worden war und folgenden Inhalt hatte: „Bom- bardement steht bevor. Sofortige Absen­dung des.Kanonenbootes „Petral" zum Schutze der fremÄft Staatsbürger erbeten.- Das draht­lose Telegramm wurde durch d-n deutschen

Deutscher Reich.

** «w interessante Feststellung. Die ,9tafL Korr.', da» offizielle Organ bet Partei, hatte in einer Polemik mit bet »Deutschen Tageszig." behaup­tet, daß bet der Abstimmung über die elf «t» lothringisch« Lerf«ffung»vorlagr bk Stimme» der Sozialbemokraten ersten» gar nicht nötig gewesen feien, und baß zweiten» die Regierung sich irid^ an bie Sozialdemokratie gewandt habe. „Um nicht schließlich eine umfang­reiche nationalliberale Legende auflommen zu (offen', stellt nun bet .Vorwärts' folgende» fest:

.3« den privaten Verhandlungen mit den Ver­tretern der Regierung sind die sozialdemokra­tisch «n Kommisfionsmitglieder zugezogen worden. Die Forderungen, die sie zu vertreten hatten, waren vorher genau festgestellt worden. An erster Stelle stand das allgemeine, gleiche, geheim« und direkte Wahlrecht. Dieses Wahlrecht zu geben, fiel der Regierung unend­lich schwer, namentlich mit Rücksicht auf die Konse­quenzen, die für Preußen sich daraus ergeben mußten. Die Regierung mußte aber die Verfaffungsvorlage unter allen Umständen haben, wenn ihr ohnehin ge­ringes Ansehen in den Reichslanden nicht völlig er­schüttert werden sollte. Ohne die Sozialdemokraten war aber auf eine Mehrheit nicht zu rechnen, denn auch ein Teil des Zentrums hätte bann gegen bie Vor­lage gestimmt, und damit wäre sie gefallen. Wenn also der Leiter der.Nationallib. Korrespondenz" sagt: Es wurden 212 Stimmen für, 94 gegen abgegeben, selbst wenn also sämtliche 53 .Genossen" zur Stelle gewesen und gegen die Entwürfe gestimmt hätten, wären immer noch 159 Stimmen für unb 147 Stimmen gegen die Reform gewesen, so beweist er damit bloß, daß er auch nicht eine blaffe Ahnung davon hat, wie sich die Dinge in Wirklichkeit abgespielt haben."

+ Zum dem Fall dis Pastors Kraatz von der Luisenkirche in Chariottenburg wird der,Pofll mit- geteilt, daß dem Kaiser von der Militärbehörde ein eingehender Bericht über den peinlichen Vorgang erstattet werben wird. — Aus der Mitte der Mit­glieder der Kirchenvertretnng der Charlottenburger Luisengemeinde soll an diese ein Antrag eingegangen sein, den Vertrag zu kündigen, wonach die betreffende Truppe das Recht hat, das Gotteshaus zu besuchen. Ob dem Anträge stattgegeben wird, bleibt zunächst abzuwarten. Die Angelegenheit ist aber von allgemeiner und erheblicher Bedeutung. Daß die Soldaten veranlaßt werden, den Gottes­dienst zu besuchen, ist durchaus richtig und selbst­verständlich. Wenn aber das Heer einen gewissen Zwang in dieser Beziehung ausübt, so muß «S darauf bedacht sein, die Soldaten nur an solchen Gottesdiensten teilnehmen zu lasten, bei welchen die evangelische Lehre rein gepredigt wird. Es kann den Soldaten nicht zugemutet werden, anstelle der Lehren Christi von der Kanzel moderne unchristliche ober widerchristliche Tagesweisheiten zu hören. Des­halb werden, fordert die .Deutsche Tagesztg/ mit Reckt, bie in Betracht kommenden Kommando­behörden in einzelnen Fällen und im allgemeinen prüfen müffen, ob sie nicht ihrerseits den Gast- üertrag mit denjenigen Kirchgemeinden kündigen, wo die Gefahr vorliegt, daß in den Predigten nicht das reine Evangelium gelehrt wird.

-e- Unterstützung von mittellosen Deutschen im Ausland zur Erfüllung der Wehrpflicht. Im Haus­halt des Auswärtigen Amts war früh« ein Posten von 100 000 Mark enthalten, aus dem mittel­lose im Ausland lebenbe Deutsche Unterstützungen er­halten sollten, um ihnen bie Erfüllung ihrer Militär­pflicht in bet Heimat zu erleichtern. Diese Unterstütz- ungen bestehen in Beihilfen zur Reise, zum Unter* suchungsarzt unb für ben Fall der Tauglichkeit zur Weiterreise bis zu dem her Reichs grenze zunächst ge­legenen BezickSkommando. Im Fall ber Untauglich­keit werben auch bie Mittel zur Rückreise nach dem im AuSlanb liegenden Wohnort gewährt. Ferner erhalten auch mittellose Mannschaften des Beurlaub- tenstande» Reiseentschädigungen zur Ableistung von Hebungen. Die Benutzung dieses Fonds ist nun an­dauernd eine fe geringe gewesen, daß sich seine Höhe gegenwärtig nur auf 10000 Mark beläuft. Im Reichstag ist ble Angckegenhett erörtert worben, als durch ben Rechnungsausschuß feftgestellt wurde, baß nur in einer ganz geringen Zahl von Fällen Unter- stützunsgen aus dem Fonds gezahll feien. Man nimmt an, daß im Ausland das Bochandensein dieses Fonds zu wenig betannt ist. Unb aus diesem Grunde ist angeregt, die Kenntnis Über den Fonds unb feine Bedeutung unter den Deutschen im Ausland auf jede mögliche Weife gn fördern.

Q Fremdländische Arbeiter in Deutschland. Der letzte Bericht der Fremdarbeiter-Zentrale hat er­geben, daß im letzten Jahr« in der deutschen Land­wirtschaft und Industrie 688354 fremdländische Arbeiter beschäftigt waren. Den größten Anteil an dieser Zahl habm die P o l e n mit 323 326 Arbeitern, eS folge» di« Ruthenen mit 82092 Arbeitern, die Ungar« mit 23209, die Italiener mit 39672, Niederländer und Belgier mit 53995 und Deutsch« auS Rußland und Oesterreich mit rund 66000. Den größten Anteil dieser fremd­ländisch«» Arbeiter verbraucht die Landwirtschaft. DaS Verhältnis ist folgendes: Pole» in der Land- wirtschaft 281813, in der Industrie 30891; Ru­thenen in der Landwirtschaft 47190, in der Indu­strie 29840; Italiener m der Landwirtschaft 70, in der Industrie 86000.

+ DaS Inkrafttreten der elsaß-lothringische« Str- saffungSsrag«. Nachdem der Bundesrat in seiner letzten Sitzung vor den Ferien die Wahlkreisein- tetlung für Elsaß-Lothri»gen verabschiedet hat, und diese vom Kaiser vollzogen und im Reichsgesetz« blatt veröffentlicht ist, wird demnächst durch kaiser­liche Order unter Gegenzeichnung des Statthalters ein« Wahlordnung erlassen werden. Damit sind dann di« wesentlichsten Vorbereitungen für die Wahlen getroffen, bie ft» Herbst stattfinben dürften. Auch für di« Wahle» zur ersten Kammer werden einige Wahlowmmgen erlasse» werden, nach denen die Körperschaften, die einen Vertreter in die erst« Kammer entfärben, dessen Wahl vollziehen. Sobald die Wahl«» lur ersten Kammer stattaefunden haben.

lieber ben Fortgang ber Berliner Verhandlungen schreibt der Pariser ,Temps': Wenn wir recht berichtet sind, dreht bas Gespräch

Lokaler.

Fulda, de» 29. Juli 1911.

H Wasserverbrauch.

An unseren Ausführungen zu diesem Thema kn Nr. 163 b. M. ist von Einzelnen bemängelt toorben, daß ble Zahlen der Waffermenge für Kanalspülung zu hoch gegriffen feien. Selbst angenommen, wenn auch nicht zugegeben, wir wären in diesem Punkt nicht ganz zuverlässig unterrichtet worden, ändert dies kaum etwas an unseren Feststellungen. (Der Augenschein an bet Kläranlage beweist übrigens, baß es nicht angebracht ist, bei bet Spülung bet seitheri­gen Weise Wasser zu sparen.) Wenn man auch von allen kulturell« gemeinnützigen Zwecken der Wasser­leitung absehen wollte, wenn man für Kanalspülung für Bmnnen, für Straßensprengung usw. gar kein Wasser der Leitung entnehme» würbe, ja wmn man sich auf ben naiven Standpunkt stellte, es könne au8 der Wasserleitung wie aus einem Bierfaß das letzte Lüer verkauft werden, wen« man auch dw Verluste durch Beine Rohrbrüche, durch mangelhafte Waffu- meffer nicht berckstchtigen und selbst von emet, bringenb notwendigen Reserve für den Fall eine» Brautes absehen wollte, so hätten wir ttotz alledem - großen Wassermangel.

Die Erfahrungen an anderen Orten lehren, daß zu, besonders heiße» Zetten ber Waffebebars bet Verbrau­cher sich um mehr als bas Doppelte beS Durchschnitt» erhöht. Der tägliche Durchschnitt ber bezahlten Was­sermenge betrug im ersten Quartal 1911 in hiesiger

** Die Rede des englischen Premier­ministers

wirb in ber gesamten Presse eifrig erörtert- Nach, tem kurz vor der im Unterhause gehaltenen Minister- «de bas .Reutersche Büro' unb bie .Westminster Gazette' den Preßtreibereien entgegengetreten warm unb daraus hingewiesen hatten, daß kein neuer Fak­tor aufgetaucht sei, der die Verhandlungen zwischm Frankreich unb Deutschland stören könnte, daß ferner die britische Regierung keine Intervention in Er­wägung ziehe, konnte man sicher sein, daß Asquith das Gleiche sagen werde. Er gibt zwar zu, daß bie SlaroSofrage von Schwierigkeiten starrt, aber — unb das ist von besonderer Bedeutung — England denke Kuß erhalb Marokkos in andern Tellen West­afrikas nicht daran, eine Einmischung in territoriale Abmachungen zu versuchen, bie zwischen Frankreich und Deutschland für zweckmäßig erachtet werd«, und Wiederholt verstchette er, baß England eine Verstän­digung zwischen ben beiben Parteien ernsthaft wün­sche. Natürlich habm Worte, die Asquith in seiner Eigenschaft als englischer Premierminister spricht, ein ganz anderes Gewicht als offiziöse Auslassungen. Und so ist bie Rede Asquiths geeignet, bie nächsten Tage ben Gerüchten über Verstimmungen, vor allem über bie Absicht Englands, in die Verhandlungen zwischen Dmtschland und Frankreich störend einzugreifm, den »Boden zu mtziehen.

Die Rede des englischen Ministerpräsidmten be­stätigt die von uns an dieser Stelle betonte Auffas­sung, baß zu Beunruhigungen keinerlei Anlaß vor­liegt. Und in diesem Sinne wird bie Erklärung auch in ber gesamten Berliner Presse, soweit sie zu ihr bereits Stellung genommen hat, beurteilt Selbst die o st', bie sonst sehr ost an alldeutschen Anwand- imgen leibet, ist von der Erklärung Asquiths durch- zus befriedigt. Und das kann man auch in der Tat ein. Denn nicht einmal, sondern zweimal beteuerte )er englische Premierminister, baß England den auf­richtigen Wunsch hegt, daß zwischen Deutschland und Frankreich ein friedlicher, ehrenvoller, beide Teile be- sriebtgmder Ausgleich zustande kommen möge. Aber nicht das allein. Herr Asquith erklärt auch ausdrück­lich, er halte es für „vollständig möglich", daß ein sol­cher Ausgleich gefunden werden könne, ohne daß da- hurch britische Interessen geschädigt werden. Und er fügte hinzu, daß England sich in bie deutsch-fran­zösischen Besprechungen nicht einmischt und daß, wenn auch die Marokkofrage felbst „von Schwierigkeiten" starrt, England nicht daran bente, „eine Einmischung in territoriale Abmachungen zu versuchen, die von ben Näher Interessierten für zweckmäßig erachtet werden."

Die gegenteiligen Behauptungen der deutsch-feind­lichen englischen und französischen Blätter wies As­quith nachdrücklich als „eine böswillige Erfindung ohne eine Spur von Begründung" zurück. Wenn Herr Asquith in seiner Erklärung gleichzeitig auch die Interessen Englands in Marokko hervochob und be­tonte, daß England, wmn eine Vereinbarung zwischen Deutschland und Frankreich über Kompensationen außerhalb Marokkos nicht zustande kommen, feinen aktiven Anteil an der Erörterung der Lage neh- men müsse, so ist das sein gutes Recht unb wir sind die letzt«, die in dieser Bemerkung etwas erblickm könn­ten, bas dm beruhigend« Eindruck der Erllämng auch nur im geringsten abzuschwächen geeignet wäre. Mit der AsquitWhm Erllämng sind mit einem Schlage alle Befürchtungen ausgeräumt, die man viel­leicht bezüglich der Haltung Englands zur Marokko- ,frage nach ber bekannten Rede Lloyd Georges hegm konnte.

Zum wmigsten konnte man nach ben Aeußerungen ber englischen und französischen Blätter sehr wohl zu Per Ansicht kommen, daß England das so häufig von ihm in Anspruch genommene Kontrollrecht über bie ganze Well auch in bet Marokkosrage ausüben wolle »unb zwar konnte man um so eher zu dieser Ansicht komm«, als englische unb französische Blätter bchaup- iteten, daß England eine etwaige Abtretung von Tei- Im der französischen Kongokolonie nur unter gewissen Bedingungen zu geben werbe. Wir haben zwar all biefen Alarmrnelbungen von vornherein keinen Glau­ben beigemessen, begrüßen aber gleichwohl die Er- Bärung Asquiths, die mit jenen Behauptung« im bmkbar schärfften Widerspmch steht.

i Die Erllämng Asquiths, daß England nicht daran bente, eine Einmischung in territoriale Abmachungen .außerhalb Marokkos zu versuchm, wirb ben Präten- Ittonen unb Hoffnungen gewisser französischer Kreise Mn für alle Mal ein Ende machen unb dadurch auf ben Gang ber Verhandlungen zweifellos eine for­dernde Wirkung ausüben. Freilich hat England bis­her stets, wie seine Geschichte lehrt, au8 dem Streit anderer als lachender Dritter feinen Nutzen zu ziehen gewußt, aber die Erklrung Asquiths zeigt, daß Eng­land in der Marollostage mit dieser seiner Politik gebrochen hat. Und wir haben nicht dm minbeften Srunb, an ber Aufrichtigkeit ber Worte Asquiths .irgend welchm Zweifel zu hegm. Was Herr As­quith gesagt, ist alles, was man vom deutschen Stand­punkt aus billigerweise erwarten unb verlangen kann.

* Landwirte, haltet Euer Bieh!

Ei» angesehener Landwirt schreibt über die heu­rig« Wetterkalamität folgendes in der „Augsburger Postzeitung:

Wie so manche Menschen scheint sich auch Mut- ter Natur feit emigen Jahren gerne in Extremen zu bewegen: Im Jahre 1910 strömte wochenlang ber Regen vom Himmel, keine Fuhre Heu konnte unberegnet in bie Scheune gebracht werden, das in Menye auf Wiesen und Felder« stehende Futter ist an titele» Orten gänzlich verdorben worden. Im Jahre 1911 erleben wir das Gegenteil: seit Wochen Kwir eine» wolkenlosen Himmel, die Sonne t Tag auf Tag mitleidlos auf bie dürstende Erde herunter unb em trockener warmer Wind zieht bie letzte Feuchtigkeit aus ban Boten. Während in Südbayern bie Heuernte unb ber erste Kleeschnitt in Quantität unb Qualität befriedigend ausgefallen ist, hat ber Ertrag in Nordbayern nur wenig ent­sprochen. Ueberall aber ist die Grummeternte und ter zweite Kleeschnitt so gut wie verloren, wenn nicht in den nächsten Tagen schon ehr ergiebiger Regen eintritt. Die Aussichten hierzu sind rndessen gering, das Barometer steigt Wetter, kommen einige Wol­ken am Himmel aus, so find fie rasch wieder durch den Wind zerstreut Die Folgen ter anhaltenden trockenen Witterung find schon allenthalben bemerk­bar: viele Landwirte verlieren den Kops und sangen jetzt schon an, ihre Viehbestände zu verringern, sie furchten eine Futternot unb verkaufen daher, was entbehrlich erscheint. Die Preise, welche für solches Vieh er­zielt werden, sind in der Regel gar nicht entsprechend, Die Zufuhr des gering genährten Viehes zu ba| Hauptschlachtmärkte« in Bayern ist nahezu ausge­schlossen, da zurzeit alle Viehhöfe von Bedeutung wegm Maul- unb Klauenseuche gegen jeden Abtrieb gesperrt sind, ter Verkauf solcher Tiere daher an diesen Plätzen nur zu niedrigsten Preisen möglich ist. Der Exporthandel wich sich diese Notlage nicht entgchen lassen und wie im Vorjahre in den Tälerrt des Lech, ter Wertach und ter Iller die futterarm« Gegenten bald auffuchen, um daS Vieh aufzukaufen und dahin abzusetzen, wo auch für geringere Quali­täten lohnende Preise Winten. Im Jahre 1910 haben in ben Ueberschwennuungsgebieten viel« Bauern burch ihr« Kopflosigkeit viele Tausend Mach verlor«; sie vechauften um jeden Preis, obgleich sie in ter Zeitung lesen könnt«, daß auch für ge­ringste Fleischsorten überall in Deutschland bie höchsten Preise erzielt werte« könnt«. Der Zweck dieser Zeilen ist ter, die Lcuchwirte zu bitten, ja nichtubereilt zu handele«. Unsere Bieh- bestänte vertrag« eine weitere Verminderung nicht Zum Verschleudern ter War« ist eS immer noch Zett, wenn die letzte Hoffnung aus Futtertierurehrung geschwund« ist Ein Tag mit ausgiebig« Nieder­schlägen kann das Bild verändern, mit tem frisch sprossenden Grün bet Wies« kehrt auch bie Hoff­nung wieder bei »ns ein. Da, wo die Wiesen aus­gebrannt sind und die Kleefelder kahl stehen, muß bei tem ersten Nieterschlag daran gegangen werten, Grünfutter auszusäen. Unser Genossenschaftswesen ist freute auf tem Lande so wett ausgebildet, daß bte Beschaffung von Saatwicken «nd Futterroggen über­all schnell durchgesichrt werten tarnt. Sollte freilich der Anbau von Futtergewächs« burch die Dürre unmöglich gemacht werten, daun müßten eben diese Bereinigung« daran geh«, sich rechtzeitig, mtt KrastsnttermittÄn einzuteckem Sehr beruhigend würde auf all« Landwirte einwirken, wenn toott seit« der Verkchrsanstalten heute schon bekannt ge- qeten werd« könnte, daß bei einem Notstand er­hebliche Frachtermäßigung« auf Futtermittel ge­währt werten.

Noch einmal soll dringend davor gewarnt wer­den, das Bich voreilig abzustoßen- Die Manl- unb Klauenseuche fordert täglich große Opfer, komutt hiezu noch eine Dezimierung unserer Bestände durch dm Berkaus nicht schlacht«tser Tiere, so tmrb bie Frage einer geregelten Fleisch- «nd Milchversorgung ter Bevölkerung immer schwieriger, bteUeidrt sogar unlösbar.