Leitung
* fuldaer
Ausland
an«
Reklamen» und Anzeigenteil.
ff
(Fortsetzung folgt.)
* Todessturz. Bei einer Besteigung der Aiguille du Plan in Savoyen, die von zwei Touristen in 93e«' gleitung eines Führers unternommen wurde, löste sich ein Felsblock los und erschlug den Trä« g e r. Kurze Zeit später glitt der eine der beiden Touristen aus und stürzte in einen Abgrund. Der Verunglückte konnte noch nicht aufgefunden werden.
* Streikkrawalle in Portugal. Die Streikbe- wegung nimmt kein Ende. Neuerdings streiken die Arbeiter der Konservenfabrik, sodaß eine Kommission der Fabrikanten Vorsichtsmaßregeln zum Schutz gegen etwaige Unruhen verlangte. In Vianna Älemtejo streiken die Feldarbeiter. Bei Assumar wurden zwei große Sendungen geschmuggelter Waffen beschlagnahmt.
warmer Sonnenschein lag über allem Land, verborgene Quellen rauschten. Die Erinnerung blickte sie aus schönen Märchenaugen an — und leise traten sie hinein ins heilige Land. —
* Ein Revolverduell auf offener Straße. In der italienischen Stadt Trapani hat gestern abend der Kaufmann Ferro den Advokaten Ali, einen Bruder des Abgeordneten Ali, auf offener Straße zum Zweikampf aufgefordert. Die Forderung wurde sofort ausgetragen. Sowohl der Kaufmann wie der Advokat zogen ihre Revolver und gaben aufeinander vier Schüsse ab. Beide ®uc" t e n stürzten 1 o t zu Boden.
Amt Geisa und Umgebung.
* Bacha, 27. Juli 1911. Auf bisher noch nicht aufgeklärte Weise ist in einem Gasthof des benachbarten Röhrigshof ein daselbst wohnender, ausländischer Arbeiter gestorben. Ob die übermäßige Hitze, zu starker Genuß von Alkohol, oder Verletzungen, welche ihm gewaltsam beigebracht wurden, seinen Tod herbeigesührt haben, dürfte ine wertere Untersuchung ergeben.
* Stadtlengsfeld, 27. Juli 1911. Hotelbesitzer und Metzgermeister Ferd. Müller Hierselbst verkaufte von seinen an der Bahnhofstraße belegenen Grundstücken ein solches in Größe von 1000 Quadratmetern an Gastwirt und Bauunternehmer Schlotz- hauer in Dorndorf. Der Preis beträgt 1,30 Mack pro Quadratmeter. Schlotzhauer beabsichtigt, an genanntem Platze ein Wohnhaus zrr errichten: mit dem Bau desselben soll schon in allernächster Zeit begonnen werden.
* Gerstungen, 27. Juli 1911. Auch in der Werra beginnt ein großes Fischsterben. Wenn auch die anhaltende Hitze und die dadurch verursachte Erwärmung des Wassers die Hmiptursache des Sterbens lein mag, so hat doch ganz entschieden auch einen nicht geringen Anteil der jetzt besonders wahrnehmbare Salzgehalt des Werrawaffers.
* Kieselbach, 22. Juli 1911. Die hiesige Sprengstoff-Fabrik beabsichtigt, drei bei der Fabrik gelegene Wiesengrundstücke trocken zu legen. Zu diesem Zweck wird sie das Bachbett, welches jetzt die Mitte der Grundstücke durchschneidet, unmittelbar an die Staatsstraße verlegen.
* Aus Thüringen, 27. Juli 1911. Der leichtsinnige Umgang mit Petroleum hat in Eisenach wieder großes Unheil angerichtet. Die neun Jahre alte Schülerin Lydia Kästner versuchte in der elterlichen Wohnung Feuer anzumachen. Sie benutzte hierbei Petroleum und wurde von den emporzüngelnden Flammen erfaßt. Sie starb an den erlittenen Verletzungen. — In der Jenaer Militärschwimmanstalt ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Als der Gefreite Richard Rößle in die Gefahr des Ertrinkens geriet, wollte ihm der Hornist Fied- fcer zu Hilfe kommen. Auch er ging jedoch unter, so daß beide in den Fluten versanken. Beide Lei-
vermischtes.
* Im Zeitalter des Streiks! In der Landgemeinde Mackenfelde in Pommern mußten die Pfingst-
ja 1T0.
Freitag tat 28. 3ili 1911.
3S. Jahrgang.
2. Bläh.
Mit Verlag der $wlbaet ldievbnt««tel ie Zulda.
Pflicht ruft/
Viktor hielt ihre Hand fest und blickte ihr tief in die Augen. .Adieu, Iris. Wir sehen uns noch, nicht?"
„Ich weiß nicht", sagte sie, machte ihre Hand frei und ging durch den Garten.
Mce führte einen ihrer beliebten Lufthiebe aus. „Ra, diese Leutnants!" sagte sie, „immer hinter den Mädels her! Immer ein kleiner Flirt!"
„WaS soll man denn sonst tun, gnädiges Fräulein?" gab Viktor lachend zurück. _ „Es gibt nichts Schöneres, als der Schönheit huldigen."
Alice bezog es auf sich. „Sie Schmeichler", sagte sie und versuchte ein wenig rot zu werden, was ihr indes nicht gelang. „Werden Sie mich ein Stück begleiten?---*
„Aber mit größtem Vergnügen." Er schlang sich in ben Sattel und ritt zu ihrer Linken.
Sie kamen an einer freundlichen Schenke vorbei. „Wie wärt» mit einem Glas Wein ober einem Kog- md?* fragte Alice, bemüht, den Offizier möglichst lange an sich zu fesseln. Viktor meinte, ein Glas Rotwein könnte nicht schaden. Er rief den Wick heran, ließ sich zwei Gläser Wein reichen und kredenzte eines der Reiteckn. „Bitte, gnädiges Fräulein!"
„Danke." Sie nippte an dem Glase, gab es dann zurück und holte ein silbernes Etui aus dem Dreß. „Zigarette gefällig? —'
Viktor nahm eine Papyros, bot geuet an und tat ein paar Züge. „Famos, Preis gepfeffert, was?"
Mce nickte leichthin. „Darauf kommt 8 ja nicht an", sagte sie, blies ben Rauch in die Lust und ckch- fefe sich höher auf, als wollte sie damit die Größe ihre- Reichtums anbeuten. Viktor fand ihr Benehmen abgeschmackt. Dieses Protzen mtt dem Geld war ihm unausstehlich. Aber so waren die Bergmanns immer. Sie wollten es in allem dem Adel gleichtun, und das Geld hatten sie ja wohl dazu, aber
chen sind geborgen. Rößle stammte ans Münchenbernsdorf, Fiedler aus Jena. — Beim Baden in der Werra ertrank in Kaiseroda ein 22 Jahre alter junger Mann namens August Scharfenberg.
sonst war auch nichts vornehm an ihnm. Man hielt sie in der exquisiten Gesellschaft, in die sie vergeblich einzubringen versuchten, für Parvenüs und lachte über ihre Aufgeblasenheit. Darin war auch Alice chrem Vater gleidj. Immer prunkte sie mit ihrem Reichtum und tat sich was auf ihre Extravaganzen zu gut. Zwar hatte sie jahrelang ein Pensionat in Genf besucht und sich gute Formen angelernt, aber diese „Dressur", wie es Viktor nannte, hatte weder ihrer Gestalt eine gefälligere Form, noch ihrem Charatter eine Verwandlung zu geben vermocht. Ihre Bewegungen waren eckig und plump, und wenn Viktor ihre großen Hände bckrachtete, mußte er unwillkürlich an ein Bauernmädchen denken. Sie war in allem die Tochter ihres Vaters; selbst die im Pensionat aufgetragene äußerliche Politur schliff sich im beständigen Veckehr mit ihrem Vater wieder ab und machte einem unweiblichen, burschikosen Wesen Platz.
Sie teerten die Gläser, gaben sie dem knixenden Wick und Viktor bezahlte.
„Nun kann ich mich nicht einmal revanchieren", sagte Alice. „Ich habe kein Pockemonnaie eingesteckt. Wollen Sie nicht heute abend zum Souper lammen? f Es wird hübsch, denke ich."
Ich wckß nicht. — Wir haben heute selber ein Fest
„Na — dann vielleicht zum Sest?" —
Er hob die Schultern. „Es ift ungewiß, ob ich abkommen kann."
„Ra also — dann nicht. Natürlich geht die eigene Familie vor. —"
Vistor fand es nicht takwoll, daß Sllice einlud, nachdem doch hinlänglich bekannt war, wie bte betben Häuser miteinander standen. Er war etwas ver- stimmt darüber, warf die ausgebrannte Zigarette weg und loderte die Zügel. Alice tat npch ew paar Züge, um zu renommieren; sie konnte das Rauchen nicht vertragen und wußte zum voraus daß es ihr zu Mittag sterbensübel sein würde. Aber sie wollte: dem Leutnant imponieren. Schließlich warf sie aber doch die Papyros weg und wandte sich zu Vistor. „Nun wären wir ja so weit — und könnten um« kehren."
Von der Sttaße herüber fiang lautes Pferdege- trmnpel und riß sie aus ihren Träumen. Gleich darauf bog eine Reiterin in den Fahrweg ein und kaff: auf die beiden zu. „Ah — Mce Bergmann", sagte Bittor. „Und hkih zu Roß. Ist das ihr neuester Sport?" ,
„Ja, das Radeln hat sie, als gar zu plebejisch, ausgegeben."
„Hopp — da ist sie." Viftor schlug die Hacken zusammen und verbeugte sich. „'Morgen, gnädiges Fräulein! 'Morgen. — —"
Die junge Dame im blauen Reitdreß, das von einem blauen Schleier umwundene Zhlinderhütchen keck auf dem Kopfe, führte mit der Reitgerte einen sausenden Lufthieb aus. „'Morgen, Herr Leutnant! Schon auSgeschlafen?--Und in zärtlichem tete
a tete, wie ich sehe. Ach Gott, diese Leutnants, wie haben's die schön! Ich wollte, ich wäre auch einer."
„Sehr schmeichelhaft! Gnädiges Fräulein wären stramme Figur. Famoser Witz — werd' ihn im Kasino erzählen/
„Meinetwegen", sagte Mce Bergmann lachend.
Vistor zupfte den Schnurrbart hoch und unterzog Roß und Reiteckn einer kurzen Prüfung. Alice machte fetne gute Figur zu Pferd. Sie war zu üppig, zu schwer. Auch das Gesicht mit den wasser- blauen Augen, der gestülpten Rase und dem Ansatz zum Doppelftnn war nicht gerade schön. „Ganz der Alte", dachte Viktor. Desto mehr Gnade schien ihr Pferd in seinen Augen zu finden. „Hm — gar nicht übel, der Braune", sagte er. „Renner, was?"
„Nein — so hoch versteig ich mich nicht. Eigentlich bin ich noch Schülerin."
„Ach so —/ Sie erwartete offenbar eine Schmeichelei. Da sie aber ausblieb, wandte sie sich an ihre Cousine. „Papa erwartet dich, Iris. Willst du dich
als Leiche geborgen werden. Er war beliebt bei seinen Kollegen und seinem Arbeitgeber.
* Von der Lech«, 25. Juli 1911. Wie gewaltig die Preise für Fischereipacht gestiegen sind, zeigt die Verpachtung der Lahn von Wetzlar ms Selters. Während für diese Strecke bisher ohne jede weitere Bedingung nur 600 <M, gezahlt wurden, wurden bei der Neuverpachtung 3900 <M, erzielt. Dabei darf der Pächter nur die Angelfischerei betreiben und muß jährlich 300 M für Brut auf der Sttecke einsetzen. . ___
* Diez, 26. Juli 1911. Durch den Fahrmann von der Oraniensteiner Lahnfähre wurde heute früh ein 19jähriges Mädchen, das. in Oranienstein bedienstet war, in einem bedauernswerten Zustand aus der Lahn gezogen. Wie festgestellt wurde, ist das Mädchen bereits gestern abend 11 Uhr tn selbst- mörderischer Absicht an einer tiefen Stelle tn bte Lahn gesprungen, scheint aber wieder anderen Sinnes geworden zu fein; denn es suchte wieder den Fluten zu entkommen. Es gelang der Lebens müden jedoch, nur das Ufer zu erreichen, wo sie sich an einem hervorstehenden Stein, bis zum Halse im Wasser liegend, sesthielt und dann um Hilfe rief. Aber alle Hilferufe verhallten ungehört, bis heute stütz der Fährmann auf die Unglückliche aufmerksam wurde und chre Rettung aus dem Wasser bewerkstelligte. Das Mädchen hatte also sieben Stunden lang im Wasser gelegen und Todesqualen erduldet. Als man die Gerettete nach dem Grunde ihrer schauerlichen Tat fragte, antwortete sie: „Ach, ich habe den Willi so gern!" Nach ihrer Verbringung ins Oraniensteiner Lazarett verfiel das Mädchen in Bewußtlosigkeit, aus der es bts letzt noch nicht wieder erwachte. Ob es mit dem Leben davonkommen wird, ist sehr fraglich- .Der lunge Mann, wegen dessen die Unglückliche ms Wasser ging, war Zeuge der Rettung geworden.
Aus »berufen u- ben heft, «entfern.
* Marburg, 28. Juli 1911. Wie verlautet, soll der Oderregiemngsrat bei der Posener Regierung, Hassenpflug, zum Kurator derhiesigen Universität in Aussicht genommen sein. Hassenpflug ist ein Sohn des früheren hessischen Ministers Ludwig Hassenpflug. — Ein junger Mann aus einem Dorfe der Umgegend, dem sein Schatz untreu geworden, hatte dem Mädchen einen Brief geschrieben, der verschiedene Bedrohungen enthielt. Dieser- halb unter Auflage gestellt, wurde et vom hiesigen Schöffengericht zu 100 Mack Geldstrafe berurtetlt. Ein teurer Brief!
* Ziegenhain, 27. Juli 1911. Dem früheren Bahnunterhaltungsarbeiter Adam Schneider, genannt Stehl, zu Allendorf im Kreise Ziegenhain ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden.
* Frankenberg, 28. Juli 1911. Auf behördliche Veranlassung hält Dr. meb. Gätjen im Rathaussaale su Frankenau am nächsten Sonntag einen Vortrag über „Tuberkulose und beten Bekämpfung" Da die Tuberkulose im Zusammenhang mit der großen Verbreitung der Heimarbeit im Kreise Frankenberg eine verbreitete Kankheit ist und alljährlich viele Opfer fordert, wird der Vockrag jedermann (auch Frauen) seht empfohlen. Eintckttsgeld wird nicht erhoben.
♦ Frankenau, 28. Juli 1911. Das Bahnprojekt Frankenau-B ad-Wil dun gen scheint noch eine Beine Erweiterung zu erfahren. Jnteres- siecke Kreise planen eine Verlängerung über Wildun- gen-Braunau-Zwesten durchs Sch w a l m t a l nach Singlis ober Bocken. Gerade der Schwalmgmnd mit seiner blühenden Landwirtschaft, seinen großen Ortschaften und einigen Bergwerken begrüßt das beabsichtigte Unternehmen aufs freudigste. Gleichzeitig wäre mit der Bahn eine kurze Verbindung zwischen der Main—Weser-Bahn und unserer Gegend geschaffen. Auch der südliche Ederkreis des, $8albertet Ländchens, dem jede Schienenvetbindung bislang noch fegü, mürbe durch die erwähnte Bahnlinie neu aufgeschlossen, was insbesondere inbezug auf ben großer, Holzreichtum bet waldeckschen Domanial-Waldungen von großem Vorteil sein könnte. Hoffentlich regen sich die beteiligten Faktoren in der Sache; die Bahnbaugesellschaft aus Berlin wird gewiß die Vorarbeiten sachlich prüfen.
* Wabern, 27. Juli 1911. Die bisher dem Zie- geleibesitzer Keim hier gehörigen Dampfziege - l ei ist jetzt auf eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung übergegangen, deren Gesellschafter der bisherige Besitzer und Gutsbesitzer Schüler zu Felsberg sind. Die Gesellschaft will ben Betrieb erheblich vergrößern und bas Arbeitsgebiet erweitern. Es sollen Lehm- unb Tonwaten in jeder Ack gefertigt werden. Für unfern Ort bedeutet das Werk einen sehr wertvollen Betieb, bet vielen Personen Arbeitsgelegenheit bietet.
* Wehrda, 26. Juli 1911. Hier fiel eine Frau beim Heuholen durch einen Fehltritt so unglücklich vcm Boden herunter, daß sie beide Arme brach. Die Bedauemswecke wurde sofort in die Klinik nach Marburg transportiert, wo auch noch innere Verletzungen festgestellt wurden. An ihrem Auskommen wird gezweifelt.
* Fritzlar, 26. Juli 1911. Am 1. August d. Js., von 8 Uhr vormittags ab bis gegen 10 Uhr vormittags findet im Gelände Fritzlar—Geismar- Haddamar ein Schießen mit scharfer Mu- nition statt. Allgemeine Schußrichtung: Exerzierplatz bei Fritzlar nach der hellen Wacke. Die in und durch das Gelände zwischen Fritzlar-Geismar- Hadamar führenden Chausseen und Wege sind am genannten Tage durch Posten gesperrt.
NESTLE
Altbewährte Nahrung ' für Kinder und Kranke
* Fleischnot-Jnterpellatton tn uqterreioj. Interpellationen wegen der Fleischnot beantw^tend, letzte der Ministerpräsident Frhr. v. Gautsch bte Rechtslage gegenüber Ungarn auseinander und stellte fest daß keinerlei Gehennabkommen mtt Ungarn bestehe. Er sei bemüht, wegen der wette- fett Einfuhr argenttntschen FketscheS In den nächsten Tagen mündliche Berhandlmtgen Mit Ungarn einzuleiten. Auch wurden wegen der Ausnützung näher gelegener Fleifchbezugsquellen Mit Ungarn Verhcmdlungen eingeleitet. Frhr. >v. Gautsch kündigte eine Tarifermäßigung für Fleischsendungen nach großen Konsumorten auf Staatsbatznen an sowie Maßnahmen gegen die Ileischteueruug und besprach eingehend die Aktion zur Hebung der inländischen Vichzucht.
** Ein ehemaliger ReichstagsPrSsidutt unter IRurotcL Wie aus Budapest gemeldet wird, svurde der Abgeordnete Papp, ein Mitglied der Justhk-Partei, laut gerichtlichem Beschluß unter Kuratel gestellt. Papp, der 84 Jahre alt ist, war des öftern Präsident des ungarischen Abgeordnetenhauses.
** Die Angst vor einer deutschen „Invasion" bat jetzt, wie es scheint, auch die B e lg i e r ersaßt. Im Senat erklärte der Kckegsminifter auf eine in der letzten Sitzung von liberalen Senatoren gestellte Anfrage, betr. die Landesverteidigung, daß alkesEr- forderliche geschehen sei und daß die Festungen der Maas im Falle eines Einmarsches fremder Truppen ernstliche Hindernisse böten. Die a l lgern e i n e D i e n st p f l i ch t jetzt einzuführen, sei un- möglich. Die Heereskriegsstürke von 178 (XX) Manu sichere die Verteidigung des Landes. — Es sind picht die Katholiken, sondern die liberalen Politiker Belgiens, die aus Vorliebe zum republikanischen Großblort Frankreich immer gegen Deutschland hetzen. .
* Papstschloß in Avignon ein Barretö- rheater. Die Stadtverwaltung von Avignon vermietete das hsstorifche Schloß der Päpste um 2000 Franks (!) jährlich an einen Varietöbesitzer. — Das ift die neueste Großtat der französischen Kulturkämpfer.
*♦ Serbische Anleihen. Dem Blatt /Politika' zufolge führen der zurzeit in Abbazia weilende serbische Fknanzminister und der serbische Gesandte in Paris, Wesnttsch, Verhandlungen über eine neue serbische Anleihe in Höhe von 240 Millionen Mark.
Aus dem Rachbargebkete.
' * Bad Salzschlirs, 26. Juli 1911. Das Bad ist in diesem Jahre so start besucht, wie noch nie zuvor. Die Zahl der Kurgäste beträgt 4149, biejentge der 'abgegebenen Sol- und Moorbäder 38 722.
< * Buchenau (Kreis Hünfeld), 27. Juli 1911. Am
23. Juli feierte der Kriegerverem Kirchspiel Buchenau sein diesjähriges Stiftungsfest, gleichzeitig war damit die F e i e r d e s 3 0 0 j a h r t g e n Bestehens d e s Schenckfchen Schlosses perkumden. Die Artillerie-Kapelle von Fulda führte die Musik während des Festmahles tm Schlosse aus. Rach dem Festzug begrüßte der Vorsitzende, Freiherr Schenk zu Schweinsberg, die FestversaulM- lung. Er gedachte der Zeit, da sem Schloß 1611 Erbaut wurde und feiner Vorfahren, die fett 1629 in Buchenau gelebt und dock ihre Ruhe gesuiiden. Sodann stiftete Herr Freiherr v. Schenck ein Denkmal für den Krtegerveretn Buchenau, das im Jahre 1913 enthüllt werden M Landrat von Jerm brachte ein Hoch auf ine ftetherrltche Familie Schenck. Im Namen des Krtegerverems sprach zum Schluß Lehrer Schon, um den Dank für das schöne Fest und das gestiftete Denkmal darzu-
Mikippsthal (Kreis Hersfeld), 27. Juli 1911. Beim Baden in der Werra e r t r a n k der hier mit Montierung der eleftrischen Lichtleitung beschäftigte Monteur Sellbach ans Wildungen. Selltoch, der schwimmen konnte, rmrß von einem Herzschlag ge- 'irosfen worden sein, er verschwand unter dem Wasser vor den Augen der Mitbadenden und konnte nur
Schloß Sonneck.
„j Roman von Felix Nabor.
„Herr von Sonneck!" flang ihm eine stifche Stinnne entgegen.
Das Bild gewann Leben. Es atmete, lächelte, rebete und schlug die seinen Wimpern nieder.
Iris du?" ckef Viktor, schwang sich vom Rosse, Icklöma die %fiel um den Arm und trat auf die IchErmcktkAocke zu. „IM, du bist die Pcknzes- fln Dornröschen? Tack ich noch-du °8-n?
Eine Reine, schlanke, weiße Hand streckte sich chm entgegen. „Wenn es auf mich anftmmtt - mtt Freuden", sagte Irene Bergmann, bie Richte des Vtllen- hesitzers.
! Ein Leuchten ging über das Gesicht des jungen Offiziers. Er drückte die «eine Hand und sagte. -Also, gute Kameraden rote früher! Und Bruderschaft mit du und du! Himmel, welch fchoner Tag! Das hätte ich mir nicht träumen lassen."
1 „Kommst du von Hause?" fragte sie.
„9Jein, aus bet Garnison. Papa feiert nämlich Deute seinen Gebuckstag."
„Richtig — gerade wie bei uns. Onkel Bergmann hat heute auch Gebuckstag, und da wollte ich ihm einen Strauß Rosen holen."
Vittor nickte. „Da wird's woP hoch hergehen hei euch?" fuhr er fort. „Darf ich pflücken helfen?" ppne ihre Antwort abzuwarten, nahm er ihr das »ierkiche Messer aus der Hand und begann, einzelne Röschen abzuschneiden.
.< „Gib acht, Viktor — es sind Dornen dran!" sagte Iris.
! „Wirklich? Ra, weißt du, die fürcht' ich nicht. Es kostet höchstens ein paar Tropfen Blut. Und sein Blut zu vergießen ist du Soldat allzeit bereit, fei es für ben König, sei es — für schöne Frauen--«
„Ach, Viktor - früher warst int nicht so galant/ „Nein — ton haben uns tüchtig durchgewallt, so lange wir kleine Jungens waren — ba8 beifrt: ich, natürlich. Du warst immer ein famoseS Mädel."
_„3g, früher — als wir noch Kinder waren. —"
ficken wegen Wiederherstellungsarbeiten tm Schul- hause auf zwei Wochen ausgedehnt werden und soll- tm auf behördliche Anordnung dafür die Sommer- ferien in Wegfall kommen. Die Eltem der Kind« glaubten aber mit Rücksicht auf bie Ernte ihre Kind« nicht gut entbehren zu können, und behielten größtenteils, als der jetzige Ferientermin eintrat, ~ VuJ“ufe'. Sie hielten sich zur
Selbsthilfe für berechtig^ weil die vorangegangene Emstellung des Unterrichts nicht von ihnen verschuldet war.
* Der Aviso „Grille", eines der ältesten Schisse der deutschen Kriegsflotte, hat den Auftrag erhalten sich von Wilhelmshafen, wo er stationieck ist, nach Danzig begeben, um dort zum Abwracken verkauft zu werden. Er wird somit aus der Flottenliste gestrichen. Das Schiff diente in den letzten Jahren noch als Spezialschiff bei Vermessungen an der deutschen Küste.
* Auf dem Truppenübungsplatz Weißenburg in Posen fanden beim Regimentsexerzieren zwei Leute des Grenadier-Reg. zu Pferde Nr. 8 einen nicht krepierten Zünder. Trotz der strengsten Verbote und trotz des erst hier kürzlich passierten schweren Unglücks, bei dem ein Arbeiter durch die Explosion eines Geheimzünders zerfetzt worden war, nahmen die Grenadiere den Zünder auf und schmuggelten ihn in das Barackenlager. Am Nachmittag wollten die beiden Leute chn entladen. Der Zünder explodierte, beide Soldaten sind furchtbar verletzt. Dem einen sind beide Hände abgerissen. Ob die Leute am Leben erhalten werden können, ist zweifelhaft.
* Von der Straße weggestohlen wurde in Ber- [ i n in Abwesenheit des Chauffeurs ein elegantes Auto im Werte von 40 000 Mark.
* Dem verstorbenen Bahnbrecher der praktischen Verwertung der Elektrizität und Gründer des Schuckeck-Etablissements, Kom.-Rat Schuk- k e r t, wird in Nürnberg ein Denkmal errichtet. Die städtischen Kollegien haben sich damit einverstanden erklärt, daß es in der Anlage bei der Christuskirche, unfern von den Siemens-Schuckeck- Werken, seinen Platz findet.
* Kanonenschietziibungen gegen Flugzeuge. Auf Veranlassung des Kriegsamtes in Washington sind mit Kanonen - Schießversuche gegen Flugzeuge angestellt toorben. Die Versuche haben alle Erwartungen übertroffen; selbst bei Flügen in größter Höhe fielen die Ergebnisse vorzüglich aus.
Da standen sie plötzlich im Jugendlande. Gol-1 nicht ein wenig beeilen?" Das klang höflich, aber bene Pforten sprangen auf, ein Paradies erblühte, doch wie ein Befehl.
- -- - - — " - ' Eine Glutwelle übergoß Irenens Gesicht. „Adieu,
Viktor", sagte sie und reichte ihm die Hand. „Die