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Fulda, Freitag den 28. Juli 1911

38. Jahrgang

Erstes Blatt

17

für oder gegen die Alischrist ist geteilt.

Huslanö

Republik

worden

m 14

** Kriegsvorbereitungen gegen den Exschah. In Teheran werden Expeditionen gegen Mohamed Mi und Salar ed Dauleh ausgerüstet. Die Bachtiaren sollen versprochen haben, sogleich 2000 Reiter auszu­schicken; Moiz es Saltaneh, ein Parteigänger SattarS und Bagirs, soll zum Führer der Expedition und zu­gleich zum Gouverneur von Asterabad und Masan- deran ernannt werden. Wie verlautet, beabsichtige die Regiemng, die Hllfe des berüchtigten kaukasischen Terroristen Scheidar Chan in Anspruch zu nehmen. Auf das Haupt Mohamed Alis ist ein Preis gesetzt, Mörder werdm angeworben. Stündlich wird die Einnahme von Kermanschah durch Salar ed Dau­leh erwartet. In Hamadan find die Behörden ge­flohen, die Bürger haben den Prinzen gebeten, in die Stadt etnzuziehen. Die Zahl der Anhänger Moha­med Alis scheint im Wachsen zu sein.

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volkswirtschaftliches und Soziales

* Der internationale Beraarbeiterkongreß in London beschloß, daß die Beschäftigung von Kindern unter 14 fahren in der Bergwerkindu­strie durch Gesetz vollständig zu verbieten sei, ebenso die unterirdische Beschäftigung jugendlicher Per­sonen unter 16 Jahren. Auf Antrag der britischen Bergarbeiter nahm der Kongreß eine Resolution an, worin er sein tiefstes Bedauern darüber ausdrückt, daß die Zahl der Grubenunfälle mit und ohne töd­lichem Ausgang und unter Tag in den verschiedenen Bergbau treibenden Ländern noch immer im Stei­gen begriffen sei. Der Kongreß fordert die Regie­rung auf, unverzüglich gesetzgeberische Maßnahmen zu treffen, um ein größeres Maß von Sicherheit für die Bergarbeiter herbeizuführen. Namens der Deutschen sprach zu dem Gegenstand der sächsische Landtags, abgeordnete Krause vom Bergarbeiterverband. Er führte aus, daß von 1889—1909 im deutschen Berg­bau 1330 340 Bergleute verunglückt seien, davon allein 2405 tödlich. Diese Ziffern seien ein Schand­fleck für Deutschland und der Kongreß müsse flam- menden Protest erheben, damit die Massengräber der verunglückten Bergleute verschwänden.

X lieber dir angeblich« Riedermetzekung der Patronill« Frankenberg im Eaprivizipsel liegt eine neue telegraphische Meldung des Gouverneurs vor, wonach es bis jetzt noch mH gelungen ist, über die angeblichen Vorgänge im Caprivizipjel Aufklärung zu schaffen. Der Gouverneur hat jedoch sür dm Fall, daß sich die Gerüchte doch noch bestätigen sollten, alle Vorbereitungen treffen lassen, um dre Unruhestifter nachdrücklich zur Rechenschaft zu

Michael in Aschaffenburg und Pfarrer L. Hartung von Ebenhausen,

* Rom, 27. Juli 1911. Im Befinden des Papste» schreitet die Besserung fort. In seinem Studierzimmer empfing er heute den Kardinalstaats- sckretär zum Vortrag. Mehrere Souveräne ließen auf diplomatischem Wege Erkundigungen über das Be­finden des Papstes einztehen.

* Rom, 27. Juli 1911. Das nächste Konsi­storium wird vom Papst auf die ersten Tage des JahreS 1912, kurz nach Beendigung der italienischen Jubiläumsseierlichkeiten, einberufen werden. Es soll vier Tage währen und 20 Kardinäle — 10 italienische und 10 außeritalienische, darunter ein deutscher — werden an ihm teilnehmen. Die Neu. besetzung der leerstehenden französischen Erzbischof, sitze bildet dm Hauptpunkt deS Konsistoriums. Dr« Erzbischöfe, die von Westminster, Paris und New- York, werden während der Tagung des Kcnsisto. riumS zu Kardinälen ernannt werden.

** Kein Frauenstimmrecht in der Portugal. Nach dem ersten Siege einer Frauen- rechtlerin, nach den provisorischen Bestrmmungen, Öen die Lissaboner Frauenrechtlerinnen aus die rahme einer diesbezüglichen Bestimmung in die Verfasiung. Diese Hoffnuna ist jetzt zunichte ge- macht, da die Kammer jene Bestimmung strich, in der den Frauen Erziehung zu politischen Rechten garantiert werden sollten.

** Die Reorganisation der russischen Polizei. Der ruffische Ministerrat hat beschlossen, in der ReichSduma eine Vorlage zur Reorganisation der Polizei einzubringen. Die Einrichtung einer Ge- meindepolizei wurde abgelehnt. Die ganze Polizei mit Ausnahme der Polizei des kaiserlichen Hofes und der Forstpolizei wurden dem Ministerium des Innern unterstellt. Die Gendarmerie wurde mit der übrigen Polizei vereinigt, doch wurde ihre militärische Organisation beibehalten. Eine Erhöhung der Gehälter wurde eingeführt, statt der jetzigen 85 Millionen wird die Polizei - n iunft 58 Millionen Rubel erfordern, wovon Mionen den Stadtgemeinden znr Last fallen.

f. Balkon und Fensterdchmn t in Fulda.

Schon öfter hat die „Fuld. Ztg." zum fleißige» Schmücken der Ballone, Fenster und Vorgärten an- geregt und zwar, wie der Augmschein lehrt, nich ohne ®rfolg. Auch der hiesige Gartenbauverem hat sich in dieser Angelegenheit unstreitig viele Verdienste erworben. In seiner letzten Versammlung hat er eine dreigliedrige Kommission ernannt, die einmal Umschau halten sollte, was unsere Stadt an Blumen- schmuck in diesem Jahre aufzuweisen hat. Die Kom- Mission hat sich alsbald an ihre nicht gerade leichte Arbeit gemacht und bei fast tropischer Temperatur 76 Straßen unserer Stadt von einem bis zum andern Ende durchwandert und hat dabei auch nicht die klei- nen Gäßchen übergangen. Was bei der ersten Be- sichtlgung dieser Art herausgekommen ist, dürste viel­fach überraschen: Fulda ist auf dem Wege, eine Garten- und Blumenstadt zu werden. ES konnten als erwähnenswert notiert werden 6 ©ar­ten anlagen und Ziergärten, 82 wohlgepflegte Vor­gärten, 53 Häuser mit zumteil prächtigem Balkon- schmuck, 10 mit hervorragendem Fassadenschmuck und 235 Häuser, die an den Fenstern einen üppigen Blu­menflor aufwiesm. Zu bemerken ist, daß wohl die dreifache Zahl Häuser Fmsterschmuck aufwies, der aber nicht als besonders erwähnenswert verzeichnet werden konnte, teils weil der Schmuck im VerhAtntS zur Größe des Hauses zu geringen Umfang hatte, teils nicht genügend gepflegt war. Dasselbe gilt auch von den Vorgärten und Balkons. Die langandauernde heiße Temperatur und der Wassermangel lassen eS erklärlich erscheinen, daß sehr viele Vorgärten über­gangen werden mußten und nicht mitgezählt wurdm, weil ihr Zustand zu dürftig war. Sonderbarer- weise trifft dies in großem Maßstabe auf die H ein- richstraße zu, die in ihrem langen Straßenzuge auf beiden Seiten Vorgärten aufzuweisen hat, die vielfach zu wünschen übrig lassen. Besonders ist auch der Kommission der gänzlich verwahrloste Zustand des vor einem Jahre neuangelegten Vorgartens am kgl. Amtsgerichte in der Königstraße auf- gefallm. Seit der Anlegung dieses Vorgartens hat noch keine gärtnerische Hand dortselbst etwas getan, sodaß der Vorgarten dem sonst schönen Amtsgerichts­gebäude nicht zur Zierde gereicht. Weiter wurde von der Kommission der kahle und öde Zustand an der Mauer südlich des Domes bemängelt. Die allerdings unschöne Hecke wurde im vergangenen Jahre entfernt und seitdem ist der holperige Boden liegen geblieben btS auf den heutigen Tag. Für die vielm Fremden, die dort vorüberkommen, bietet der vernachlässigte Platz kein schöner Anblick. Am besten wäre dort wohl eine eingefaßte Anlage am Platze, ähnlich der, die an der Mauer des Stiftes Wallen­stein entlang führt, bann würde auch das BedürfniS- häuSchen nicht gar so frank und frei dastehen. Er­freulich ist, daß die Anregungen in der „Fuld. Ztg." betr. die Instandhaltung des vorstädtischen Friedhofes am Wege zum Frauenberge auf gu­ten Boden gefallm sind. Es wurden mehrere Wagen voll Unkraut und Gestrüpp dort entfernt, sodaß die Angehörigen der dort Ruhendm nun die Gräber in besserm Zustand bringen und auch leichter erhaltm können. Auf ihrer zweitägigm Wanderung konnte die Kommission die vielm durchgängig hübschen Vor- gärten am Wallweg bewundern, die doch sämtlich minder bemittelim Bewohnern gehörm. Manche bes­ser situierte Einwohner könnten sich hieran ein Bei­spiel nehmen, wie überhaupt die Beobachtung gemacht wurde, daß manches unscheinbare Häuschen, wir dmkm da an die Tränke, das Eichsfeld, die Langen- brückestraße, Kronhofftraße, KSnigstraße usw. - einen schönm, wohlgepflegtm Blummschmuck auf- wieS, während vielfach große, stattliche Häuser jeder Pflanzen- und Blumenschmuckes bar sind. Die präch- tigen Kletterrosen Crimson Rambler sind vielfach als Hausschmuck anzutreffen, hier und da auch die leuch- imde ClemattS. Schön macht sich eine Epheuwand, wie eine solche z. B. in der Lindenstraße anzutreffen ist, oder eine Wand- und Vorbaubekleidung mit dem schnellwüchsigen wildm Wein. In einer Sitzung der Schaukommission und des Vorstandes des Gartenbau­vereins am Mittwoch abend wurde nach einer inter­essanten Aussprache über die Befichttgungsergebntffe nachstehende Entscheidung getroffen. Es wurde aus­drücklich Verwahrung gegm jene Bemerkung im „Fuld. Kreisblatt' eingelegt, daß die Kommissions- Mitglieder die von Berufsgärtnern angelegtm Gatten und Ballonbepflanzungen ignorieren würden Bon wem der gärtnerische Schmuck angelegt sei, hat l der Besichtigung gar nicht interniert und wurde auch nicht iin geringsten besprochen. Die Hauptsache ist, daß Wtt in Fulda viele schöne Vorgätten, geschmückte Bal- kone und Fenster haben, daß die HauSinhaber und Mieter hierfür Verständnis besitzen und dafür aufcer an Mühe und Arbeit auch materielle Opfer bringm. Anerkannt wurde, daß in den lehtm Jahren in dieser Beziehung hier viel geschehm ist und wohl in Zu-

veutsches Reich.

** Berlin, 27. Juli 1911. Der Kaiser hat den Dultan der Türkei telegraphisch gebeten, eine Spende skon 20000 Mark für die Abgebrannten in Kon-

sieben.

)( Die Lehrerinnen gegen die Lateinschrift. In den Kreisen der deutschen Lehrerinnen ist eine leb­hafte Agitation gegen den Lateinschristzwang in die Wege geleitet, und eS werden Unterschriften in großer Zahl zu Eingaben an den Reichstag gesammelt. Die Stellungnahme der Lehrerkreise in dem Kamps

stantinopel mtgegenzunehmm. Aus der Nordlands­reise überreichte der Kaiser dem Konsul Mohr seine jährliche Spende von taufenb Kronen zum Baufonds der Domkirche in Droniheim. (In der Dom- firche wurdm seit Hakan V. mehrere Könige gesalbt und gekrönt.)

-f- Der nLchstjührige Reichsbaushaltseta dürste, einer Berliner Korrespondenz zufolge, insofern eine formelle Aenderung dringen, als in ihm zum ersten Male ein Sonderetat für die allgemeine Finanzverwaltung eingestellt werden wird. In diesem sollen die großen durchlaufenden Posten zum Vorschein kommen, deren Gegenüberstellung den Gesamtetat über­sichtlicher machen würde.

+ Die Gültigkeit deS Ausnahmetarifs für Düngemittel und Rohmaterialien der Kunst- düngererzeugung wird der ,Nordd. Allg. Ztg/ zufolge ms einschließlich den 80. April 1917 für den Binnen- und Wechselverkehr der preußisch-hessi­schen und der oldenburgischen Staatsbahnen, der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen und der Militäreisenbahn verlängert. Eine weitere Be­kanntmachung darüber, welche Bahnen sich noch der Maßnahme anschließen werden, steht in Aussicht.

-4- Die Reichsversickerungsordnung hat soeben, während der Nordlandreise die Unterschrift die K a i s e rS erhalten, sodaß der Verkündigung des Gesetzes nichts mehr entgegensteht. Es wird als besondere Nummer des Reichsgesetzblattes in den ersten Tagen des August erscheinen, da bei dem Umfang des Gesetzes von 1809 Paragraphen eine frühere Veröffentlichung nicht möglich ist. Gleich­zeitig wird auch das zugehörige Einführungsgesetz veröffentlicht werden. Mit dem Tage der Verkün­digung des Gesetzes treten zunächst nur die Be­stimmungen über die Angestellten der Kranken­kassen in Kraft, über die int Einführungsgesetz be­sondere Vorschriften erlassen sind.

O Zu den vom Reichstag in seinem letzten Ta- gungsabschnttt zu erledigenden Vorlagen wird auch ein Gesetzentwurf über die HandelSbezie- Hungen zu England gehörm. Das Gesetz vom Dezember 1909, das unsere Handelsbeziehun­gen zu Großbritannien regelt, erreicht mit dem 31. D^ember d. I. die Grenze seiner Wirksamkeit. Es muß daher noch vor Ablauf des Jahres eine Neuregelung erfolgen, die aller Wahrscheinlichkeit nach darin bestehen wird, daß der Bundesrat wie­derum auf zwei Jahre ermächtigt wird, den Ange­hörigen und den Erzeugnissen Großbritanniens so­wie denjenigen der brtttschen Kolonien die Vorteile einzuräumen, die fettens des Deutschen Reiches den Anghörigen und den Erzeugnissen des meistbegün- ftigten Landes gewährt werden.

*♦ Französische Frechheit. Bei der Begrüßungs­feier der französischen Arbeitervertreter im Berliner Gewerkschaftshause hielt der GewerkschaftlerIvetot — natürlich Sozialdemokrat — eine Rede, in der es u. a. hieß:

„Welcher Wahnsinn ist es, daß ein Volk dem andern Gebiete streitig machen will! Wenn die Resterungen es versuchm sollten, die Völker gegeneinander aufzu- Hetzen und eine Nation gegen die andere in den Kampf zu treiben, so werden wir zeigen, daß die Völker schönere Aufgaben zu erfüllen haben. Versucht es nur einmal, ihr Schafsköpfe, ein Volk gegen das andere auszuhetzen, ein Volk gegen das andere zu be­waffnen! Ihr werdet sehen, ob nicht die Völker einen ganz anderen Gebrauch von den Waffen machen werden, die ihr ihnen in die Hand gebt! (Stürmischer minuten­langer Beifall bei den Deutschen.) Wartet ab, ob die Völker nicht einen andern Feind bekämpfen werden, als ihr glaubt" (Erneuter stürmischer Beifall.)

Nicht ganz mit Unrecht meint die ,Poftt, der Franzose habe seine deutschen Genossen zum Narren halten wollen, es habe der französische Dele­gierte nur sagen wollen, es sei Wahnsinn, daß Deutschland von dieser Welt auch noch ein Stück haben wolle, anstatt sie ganz und ohne Widerrede den Framosen und Engländern zu überlassen. Die ,Berl. Neue st. Nachr.' fügen dann hinzu, daß die Versicherung, im Kriegsfälle würden die Arbeiter Hoch» und Landsverrat üben, und der Beifall, den diese Versicherung namentlich bei den Deutschen ge» funben habe, sehr lehrreich sei und eine nützliche Erinnerung für den Wahlkampf bilden würden. — Recht kräftig saßt die.Deutsche Tagesztg.' den „frechen Franzosen" an, indem sie u. a. bemerkt:

„Schon das törichte Echimpfwott, baS dieser freche Franzose gegenüber ben Regierungen anwandte, würde durchaus zu dem versuche genügen. Ihm auf amtlichen Wege bessere Manierm betzubringen. Die unerhötte Drohung an die Adresse der Regierungen ober sollte mehr als hinreichender Anlaß sein, diesem ungebetenen und ungehobelten Gaste schleunigst zu zeigen, wo der Zimmermann daS Loch gelassen hat!"

Avetot Ist nunmehr vom Berliner Polizei­präsidenten auf Grund seiner Rede auSgewlesen worden.

(*) Rur Evangelische scheinen vollgültige Sachsen zu fein, wenn man folgendes Inserat lieft, daS in der pfälzischen Homburger Zeitung' (Nr. 272) er- schienen ist:

„Evangelische Sachsen auS dem Königreich, der preußische« Provinz Eachsm und ben Ernestinischen Landen (Thüringer Herzog- und Fürstentümer), die ge­sonnen sind, einem Eachsenvereine in Homburg beizutreten, werden gebeten ic. tc. . . Der Verein soll unter Umständen die Westpfalz einschließlich des Saar­brücker Landes umfassen. Der Einberufer".

Werden im hellen Sachsen nur die Protestanten als vollgMige Landsleute angesehen? Wahrschein­lich betrachtet der „Einberufer" seine katholischen Landsleute — eS dürste doch auch solche geben — nicht für würdig, in einen Sachfenverein »^ge­nommen zu werden. ES liegt hier doch einer der von liberalen Zeitungen sonst so gewissenhaft auf- g'pütte« Fälle konfessioneller Abschließungsbe- ebungen vor. Da eS sich indessen um ein nicht- katholischeS Produkt handelt, dürsten die „toleranten" liberalen Blätter auS eigenem nicht auf ben Fall aufmerksam werden, deshalb fei er ihnen zur ent­rüsteten" Glossierung hiermit vorgelegt.

Aus Ulrche und Schule.

** Fulda, 28. Juli 1911. Zur Ergänzung un­serer gestrigen Meldung über Veränderungen im Fuldaer Diözesanklerus, die zum 3. August an- geordnet sind, teilen wir noch mit: Kaplan Schau b-Großauheim wird als Kooperator nach WehberS (Rhön) versetzt, Neupriester Anton Wohlgemuth als Kaplan nach Großauheim. Neupriester Richard Möller als Kaplan nach Fritzlar. Der bisherige Stadtkaplan Führ ist nicht nach Weimar, sondern nach Jena versetzt worden. Nach Weimar ist Kaplan Dr. Dörr verseht. Kaplan Faulstich«Amöneburg ist als 2. Kaplan nach Kassel, Pfarrei St. Elisabeth, versetzt. Kaplan Dr. Müll er«Kassel ist infolge Krankheit beurlaubt.

♦ Bamberg, 27. Dull 1911. DaS Befinden des Herrn ErzbrschofS, der seit einiger Zeit nierenleidend ist, hat sich verschlimmert. Der Ober- Hirt liegt zu Bett und ist sehr schwach.

* Würzburg, 27. Juli 1911. Angewiesen wurden Diozesanpriester Jos. KösteruS als Kaplan nach Fladungen; Pfarrvikar O. Schnorr bei St. MlchaA in Aschaffenburg als Kaplan nach Mell­richstadt und ExposituS I. N. Dolbatsch in Gefäll als Pfarreiverweser nach Unteretthal (unter Zu­rücknahme der Anweisung deS ErposituS Fr. Martin in Rück). — Die Stadtpfarrei Aub wurde dem Pfarrer B. Herrmann in Theinheim verliehen, das Benefizinm in Dettelbach dem Pfarrer St. Büttner in AugSfeld — Kanonisch inftituiert wurden am 19. I. M. Pfarrer Val. Reuß auf die Pfarrei St.

)( England beruhigt sich.

Es ist erfreulich, daß die Nervosität, die durch die Rede des englifchen Schatzkanzlers sich m der Marokkofrage breit gemacht hat, so schnell wieder einer getollten Beruhigung gewichen ist. Erhall,, dazu beigetragen hat die konsequente Haltung der deutschen Presse, die sich auch durch die alarmierende Haltung der englischen Hetzpresse mcht davon abbringen ließ, daß Deutschland gewisse Ansprüche geltend machen müsse. Vorgestern noch betonte ein führendes deutsches Blatt, daß Deutschland an der Grenze seiner Nachgiebigkeit angelangt sei. Unter der Überschrift „Imponderabilien schrieb Nämlich die ,Mln. Ztg." unter Hmweis aus die Rede des englischen Schatzkanzlers:

„Jedenfalls ist das deutsche Volk nicht ge- willt, sich von fremden Mächten vergewaltigen zu lassen, deren Geschichte uns gelehrt hat, daß der Staat nur bestehen kann, wenn er gewillt ift, feine Rechte und Ansprüche nachdrücklichst zuverterdrgen. In London und Paris möge man sich hüten, an die Imponderabilien zu rühren, dre jetzt Deutschland bewegen."

Diese Haltung der deutschen Presse hat an­scheinend gewirkt, denn schon kommt man tn Eng- sand zur Vernunft. Die Londoner Presse, die noch tim Mittwoch morgen Deutschland gegenüber m her Marokkcffraae einen herausfordernden Ton an» schlug, fühlt wenigstens in ihrem amtlichen Teil jefet offenbar das Bedürfnis, abzuwigeln. Im scharfen Gegensatz selbst zu dem rechtsliberalen. „Daily Lhronrcle", der die deutschen Interessen m Nord- westafrika konsequent ableuanet und infolgedessen deutsche Entschädigungsansprüche überhaupt sur uw berechtigt erklärt, schreibt heute die ministerielle „West­minster Gazette":

„Während es sich von selbst versteht, daß dre Ma- rokkosrage eine sehr vorsichttae Behandlung erfordern wird lehnen wir entschieden den olar- Äierenden Ton ab, mit dem die Frage rn ge­wissen Kreisen behandelt wird. Wrll Frankreich rn Marokko ebenso freie Hand gewinnen, nne wir sie m «earwten erlangt haben, so wird Deutschland fa8n» natürlich ein Aeauivalent oerlangen, und Frankreich rvttd ihm das auch zugeflehen. Da- mit ist natürlich nicht gesagt, daß frankrerch auf An­hieb alles bereinigt, was Deutschland fordert.

Der englische Premierminister Asquith gab gestern im Unterhause zur Marokkofrage die Erklä­rung ab, daß England vorläufig an den Besprechun- aen zwischen Deutschland und Frankreich keinen An- tell nehme. England wolle sich.nicht in die terri­torialen Abmachungen in Westafnka emmrschm Es habe aber für richtig gehalten, zu erHaren, daß Eng­land aktiven Anteil nehmen werde, wenn Vereinbarungen nicht zustande kommen soll­en.

Die Marokkofrage, so führte der Ministerpräsident au8, starrt von Schwierigkeiten. Wir denken nicht daran, eine Einmischung tn territoriale Abmachungen in anderen Teilen von West- tifrila zu versuchen, die von den näher interessierten Parteien für zweckmäßig erachtet werden. Die Be­hauptung, daß wir unS in dieser Werse eingemischt und den Verhandlungen zwischen Frankreich und Deutschland präjudizrett hätten, ist tatsächlich eine böswillige Er­findung, ohne eine Spur von Begründung. Wir haben es von Anfang an für richtig gehalten, klar zu legen, daß, wenn eine Vereinbarung der erwähnten Art nicht zustande kommt, wir einen attiven Anteil an der Erörterung der Lage nehmen müßten. Die Erklärung, die ich vor mehr als drei Wochen hier abgegeben habe, und die kürzliche Rede des Schatz- kanzlerS haben dies, wie ich hoffe und glaube, voll­ständig klargestellt, daß wir keine beherrschende oder übermütige Stellung beansprnchen, sondern nur die Stellung einer Partei, die an jeder möglichen Entwickelung und auch daran interessiert ist, daß eine Lösung der gegenwärtigen Schwierigkeiten zesunden werde.

In Berliner diplomattsihen Kreisen werdm die offiziösen Stimmen aus London über die inter­nationale Lage und insbesondere über die Stellung Englands zu den dmffch-sranzösischen Verhandlungen über Marokko mit lebhafter Befriedigung ver- nttchnet. Es wird erklätt, daß sich darnach die An- fchauungm der mglischm Regierung erfreulicherweife mit der deutschen Anschauung betten.

Es war übrigens Zelt, daß wieder eine Beruhig­ung eintrat, denn die Preßhetze hatte die Kriegs- furcht In England bis zum Wahnsinn gesteigert. Die englischen Raten für Versicherungen gegen Ver­siffte im Falle eines deutsch-englischen Krieges sind pon Dimstag bis Donnerstag um fast 100 Pro­zent gestiegen. Am Dienstag verlangten Lloyds (eine englische KttegSverficherung) 60 bis 80 Schil­ling für 100 Pfund für die nächstm drei Monate. Am Donnerstag wurdm schon 150 Schilling für 100 Pfd. Verlangt.

Auch die ernstere französische Presse Krtc Donnerstag eine gemäßigtere Sprache. Nur i Hetzblatt „Mattn" setzte seine feindseligen Aus­fälle gegen Deutschland fort.

Die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt pffiziös: „Gegenüber ben im Auslande verbreiteten Gerüchten über Landungen deutscher Mannschaften tn Agadir Ist nach dm oon dort vorliegenden amt­lichen Meldungen festzustellen, daß lediglich ein« Reihe von Tagm hindurch insgesamt 50 Offiziere sind Mannschaften unbewaffnet zwei Stundm zum Spazierengehen an Land geschickt