uldaer W Zeitung
verantw. Redakteur
Fulda, Dienstag den 25. Juli 1911
Erstes Blatt
38. Jahrgang.
V10 167.
Monatrbellager „Klldaer GeschichLsblätter"
Anzeigen: Vie ein. fpaltig« petttjtiie oder deren Baum 15 p|g_ BeNomendiepetikzeil, Pfg., bei wieder»
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Lernsprecher Ur. y.
wochenbeilagc „Illustrierte Sonntagrzeitung"
«rschtinl täglich mit Lnraahme der Sonn» wd Leiertage, viertel» pihrllchervrzngrprri« -hne vrlngerlohn und vestellgeldinZuldaso» »le auswärts 1.50 UIL
Die rücksichtslose Agitation der Gesinnungs«
ten Schäden haben zur gmndsätzltchen Anerkennung der Ersatzpflicht durch Portugal geführt. Hebet die Höhe der von Deutschland geforderten Ersatzsumme bestehen der .Poft" zufolge, noch Meinungsverschte-
tuttg des Hansabundes zu den zollpolitischen Fragen noch immer nicht eine offizielle Klärung erfahren habe, daß man aber aus verschiedenen Steuerungen von Hansabundrednern nur den Schluß ziehen könne, daß dir gegenwärtige Hansabundleitung in den Fragen der Schutzzollpolitik den bekannten negativen Standpunkt des Linksliberalismus teile. Jntereffant ist ferner die Feststellung, daß ein Versuch des Zentral- verbandrs, von der Hansabundleitung eine Stellungnahme zu der Forderung eines stärkeren geschlichen Schutzes der Arbeitswilligen zu erzielen, ergebnislos verlaufen ist. Trotz aller Bemühungen hat der Zentralverband cs nicht erreichen können, daß die Leitung des Hansabundes fich zu einer bestimmten Stellungnahme entschloß, sodaß der Zentralverband eine positive Mitarbeit des Hansabundes in dieser Frage nicht mehr erhoffen zu können glaubte und eine Denkschrift über dm Schutz der Arbeitswilligen selbständig ausgearbeitet hat. Zur Frage des Schutzzolles wird in dem Rnndschreibm ausdrücklich betont, daß der Zen- tralverbaud .niemals gewillt gewesm ist und niemals gewillt sein wird, in eine weitere Erhöhung der
in Anwesenheit mehrerer Landtagsabgeordneter be- schlvssen, eine Eingabe an den Landtag gegen den von der verstärkten Handels- und Gewerbekvmmission des Abgeordnetenhauses angenommenen Antrag H ammer zu richtm. Auf Grund dieses Antrages sollm bekanntlich die von Konsumvereinen in jeder Form gewährten Rabatte als Einkommen versteuert werden. Die Versammlung bittet die Abgeordneten bnngenb, biefem Anträge bie Zustimmung zu versagen.
)-( Das Befinde« des Prinzregrnten von Bayern, worüber von verschiedenen Seiten ungünstige Nachrichten in Umlauf gesetzt werden, ist gut trotz der fürchterlichen Hitze. Prinzregent Luitpold wohnte am Sonntag vormittag in Hohenschwangau der hl. Messe bei, die bei prächtigem Wetter im Schloßhofe abgehalten wurde. Nach der hl. Messe nahm der Prinzregent die üblichen Vorträge entgegen. Um 2 Uhr fand die Tafel auf der Terrasse des Schlosses statt. Die Waldluft Hohenschwangau hat bisher einen unverkennbar guten Einfluß auf das Allgemeinbefinden des Prinzregenten ausgeübt, weshalb er in diesem Jahre seinen Aufenthalt in Hohenschwangau länger auszudehnen gedenkt als in früheren Jahren. Geheimrat Dr. med v. Angerer hat das Hoflager von Hohenschwangau verlassen.
Lebmsmittelzölle einzuwilligen".
)( Gegen die Rabattversteuerung. Auf dem in
men.
Der össentlichm Sitzung, die um 8*4 Uhr schließt, folgt eine geheime.
Gegen die Einberufung des Ludwig Joseph Weinbach als Feldhüter zur Probedienstleiftung hatte
, Das Militär verläßt die Kirche eines Jatho-Predrgers.
Stadtverordneten-Versammlung
Fu lda, 25. Juli 1911.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten
0 Deutschland und Marokko. Der französische Botschafter Cambon stattete, wie das „B. T." erfährt, dem Staatssekretär v. Kiderlen-WSch- tcr am Montag nachmittag einen Besuch ab. Zwi- schm dem Staatssekretär und dem Botschafter fand 'eine längere Unterredung statt.
— Die Verhandlungen Deutschlands mit Portu
gal über die Anerkennung der deutschen Schaden- ... .
ersatzansprüche für bie mehreren beutschm I Köln tagenben ordentlichen Genossenschaftstag des Staatsangehörigen während der Revolution zugefüg-1 Verbandes westdeutscher Konsumvereine wurde
Deutsches Reich.
** Berlin, 24. Juli 1911. Der Kaiser unterem gestern abend und heute vormittag längere Spaziergäuge an Land. Tas Wetter hat sich aufgeklärt. Morgen mittag soll die „Hvhenzollern" die Heimreise zunächst bis Bergen äntreten.
her noch nicht zusammmberufm worben, obgleich von der Stadtverorbnetenversammlung seinerzeit der 15. Mai als Endtermin für bie Einreichung bet Offerten bestimmt worden sei. Oberbürgermeister Dr. Antoni: Am 15. Mai als Schlußtermin für die Einreichung der Offerten seitens der Firmen, die sich um die Ausführung des Elektrizitätswerkes bewerben wollen, ist festgehalten tvorden. Die eingegangenen Bewerbungen wurden dem von dem Magistrat bestimmten Sachverständigen in Darmstadt unterbreitet. Infolge von Unterhandlungen, bie zwischen den Unternehmern und dem Sachverständigen zum Zwecke der nötigen Aufklärung geführt werden mußten, zog sich die Erledigung bis zum 14. Juli hin. Heute morgen ist das Gutachten aus Darmstadt jedoch bereits eingetroffen. Ich habe sofort seine Vervielfältigung veranlaßt. Die Mitglieder des Elektrizitäts- tverksausschusses werden nachher beim Nachhausekom- men dieses Gutachten und eine Einladung zur ersten Ausschuß-Sitzung vorfinden.
2. Verpachtung eines Streifens der Petersberger- straße. Diese Angelegenheit hat die Versammlung bereits am 26. Juni beschäftigt. Die Stadt hat vor Jahren von gabritant Neitzert einen Gelände-Streifen von 44 Quadratmeter Größe zum Preise von 10 Mark für den Quadratmeter erworben, um die unschöne Verengerung der Petersoergerstraße kurz hinter der Einmündung der Heinrichstraße zu beseitigen. Da jedoch diese Korrektur der Straßenführung zunächst unterbleiben wird, hat Fabrikant Neitzert den Antrag gestellt, daß ihm das seinerzeit verkaufte Geländestück, das jetzt in den Bürgersteig einbezogen ist, pachtweise von der Stadt überlassen werde, damit et es in seinen Vorgarten einziehen könne. Als Pachtgeld ist eine Jahressumme von 17,60 Mark, also der 4prozentige Zinsertrag der Kaufsumme in Aussicht genommen. Die Stadtverordnetenversammlung hat in der Sitzung vom 24. Juli verlangt, daß Fabrikant Neitzert durch den Vertrag zur späteren Herstellung des jetzigen Zustandes des Straßenteils verpflichtet wird. Es ist inzwischen bauamtlich festgestellt worden, daß bet Streifen zurzeit gepflastert ist. Der Vertrag finbet in diesem Sinne die Zustimmung der Versammlung.
3. Fluchtlinienplan über den von der Frankfurt— Bebraer Eisenbahn, der HohenzoAernstraße, des oberhalb des Restaurants Hohenzoklern liegenden Verkoppelungsweges, des Gutsbezirks Ziehers und den der Wörth- und Wittichstraße begrenzten Gemarkungsteil. Der Plan, der der Versammlung bereits einmal vorlag, wird in der Form, die die Fluchtlinienplankommission vorschlägt, genehmigt. Stdtv.' D u x fragt im Anschluß an diesen Gegenstand an, ob bie jetzigen Erdaushebungen an der projektierten Hohenzollern- straße, die vom Restaurant Hohenzollern zum Kasernengelände führt, auf Kosten der Stadt vorgenommen würden. Oberbürgermeister Dr Antoni: Die Abtragung des ganzen dortigen Geländes ist dem Unternehmer Händler übertragen, der den Boden zur Ziegelsteinfabrikation ausnutzt. Der Stadt entstehen durch die Aushebung keine Kosten, sie erzielt vielmehr einen kleinen Gewinn. Die Hohenzollemstraße wird zurzeit nicht gebaut, obgleich es der Militärfiskus wiederholt nahe gelegt hat.
4. Freigabe-Urkunde und Nachstandserklärnngen. In vier Fällen wird dem Anträge gemäß die Genehmigung erteilt.
5. Festsetzung des Fluchtlinienplanes an der Westseite der Johannisstraste bis zur Hornungsbrücke und Aufhebung des zurzeit bestehenden Planes für diesen Straßenteil. Ifm dem Anlieger Jos. Kircher einen Ausgleich dafür zu bieten, daß an der Westseite dieser Straße der Anlieger Karl Amdt mit einer Ecke über die Baulinie hinausgerückt ist, soll der jetzige Fluchtlinienplan aufgehoben und dem Arndtschen Grundstück ein Vorgarten von 4 Meter Breite gegeben werden, während sonst die Vorgärten an der Johannisstraße nur 3 Dieter Breite zu haben brauchen. Dadurch wird vermieden, daß die Straße an der Ziegel- müble eine unschöne Verengerung erfährt.
6. Umwandlung einer Lehrcrstelle an der städt. Volksschule in eine technische Lehrerinnenstelle und Festsetzung des Grundgehaltes für dieselbe. Durch
stehers, Stdtv. Rang.
Stdtv. Schwarz bittet den Vorsitzenden mit Rücksicht auf bie herrschende Hitze nur die dringlichen Punkte der Tagesordnung zur Beratung zu stellen. Dieser Bitte wird entsprochen. Verhandelt wird über folgende Punkte:
1. Verlängerung des Vertrages mit dem Hotelbesitzer Müller wegen Entnahme elektrischer Energie von der Zentrale im Stadtsaal. Die Versammlung stimmt der Verlängerung des Vertrags ohne Debatte zu. Der Referent Stdtv. Fritz stellt, da der Vertrag auf bie Errichtung eines städt. Elektri311at s - Werkes Bezug nimmt, an den Oberbürgermeister die Frage nach dem augenblicklichen Stand dieser Angelegenheit. Der Elektrizitätswerks-Ausschuß sei bis-
Ausland.
*♦ Spanier und Franzosen in Marokko. Leutnant Thiriet ist zum zweitenmal festgenom- m e n ! Der „Agenee Havas" wird untertn 21. Juli aus Elksar gemeldet: Als der französische Leutnant Thiriet heute ftüh nach dem gestrigen Zwischenfall in sein Lager zurückkehren wollte, wurde er auf dem Wege dorthin von einem Kaid des Polizeitabors in Larrasch, der von mehreren Soldaten begleitet war, angehalten und gezwungen, in die alte dem Kaid Bendcman von den Spaniern abgenommene Kaserne bei Darghailan zu treten, wo er festgehalten wurde.— Als der Kosularagent B 0 isset von diesem neuen Zwischenfall hörte, begab er sich an Ort und Stelle und bat um Aufklärung. Leutnant Bregalli, der Führer des Postens erwiderte, man habe den Offizier und seine Ordonnanzen verhaftet, weil man sie für Deserteure gehalten habe. Er fügte hinzu, daß er feinen Hauptmann von dem Zwischenfall benachrichtigt habe. Nach einer Stunde Wartens kam der Befehl des Hauptmanns, Thiriet ftoizulaffc». SBäbicnb dieser Zeit hatte ein Soldat den Dolmetscher Boissets in dessen Gegenwart gestoßen und geschlagen'.
** Im englischen Unkt häufe kennzeichnete gestern ungewöhnliche Unruhe und Erregung die Eröffnung der Debatte über den Vorschlag, daß daß das Hans übet die A bänder nngsanträge der Lords zur Vetobill beraten soll. Als Asquith, von seinen Anhängern stürmisch begrüßt, sich zur Abgabe einer Erklärung erhob, wurde der Ruf „Verräter" von einigen Plätzen der Oppofiüon vernommen. Der Lärm wurde daraufhin so stark, daß Asquith trotz der energischen Mahnung des Sprechers an die unionistischen Mitglieder nicht sprechen konnte. Endlich vertagte der Sprecher, da die Ruhestörungen nicht aufhörten, die weitere Verhandlung auf heute. — Der König hat im Buckinghampalast Balfour, Lansdowne und Premierminister Asquith in Audienz empfangen.
** Den Religiorisunterricht entzogen hat der i t a- lienische Staatsrat den Volksschulen. Der Religionsunterricht soll nicht mehr obligatorisch sein und darf nicht mehr während der Klassenstunden erteilt werden. Diese Entscheidung wird selbstver- ständli tj von der katholischen Presse stark bekämpft.
** Die Revolution auf Haiti. Die Revolutionäre haben General Thomas gefangen genommen und enthauptet. Alle Regierungstruppen sind ans Porte au Priuce zurückgezogen. Die Aufständischen haben die presbyterianische Kirche und eine französische Klostcrschule geplündert.
den Tod des Lehrers Weber ist an der städt. Volksschule für Mädchen (dompfarrliche Schule) eine Lehrerstelle frei geworden. Lehrer Weber war bie einzige männliche Lehrkraft an unfern Mädchenschulen. Jetzt soll in Durchführung der schon sonst hier geübten Regel, an den Mädchenschulen nur Lehrerinnen zu beschäftigen, die Lehrerstelle in eine Lehrerinnenflelle umgewandelt werden. Oberbürgermeister Dr. Antoni: Auf Grund einer Vereinbarung mit der Schulinspektion soll auf die freie Stelle eine technische Lehrerin berufen werden, bie also vor allem in Hanbarbeiten, sodann im Turnen und im Hcms- haltungswesen Unterricht geben kann. Eine solche Lehckrast wirb sich dem Sttlnbenplane sehr gut einstigen lassen. Die vom Magisttat schon lange gewünschte Aufnahme des Haushaltungsunter- richts wird durch diese Anstellung zu ermöglichen sein. Zudem wird das Grundgehalt für eine technische Lehrerin nur 1000 Mk. betragen, während es sich für eine andere Lehrerin auf 1200 Mk. belaufen würde. Zulage und Mietsentschädigung stehen auch
der Maßnahme veranlassen würde, für die jedoch die erwähnten pädagogischen Gründe sprechen. Stdtv. Kapp begrüßt die in Aussicht gestellte Aufnahme des Haushaltungsunterrichts, der in vielen andern Städten mit großem Erfolg erteilt werde. Da hier viele Mädchen vorhanden seien, deren Mutter des Erwerbes wegen tagsüber dem Hause fern blieben unb denen daher jede Unterweisung in häuslichen Geschäften wie w-licken Stopfen usw abgebe, fei bie Einfuhruirg des Unterrichts besonders begrüßenswert Der Magi- ftratsantrag auf Umwandlung der Lehreritelle unb Anstellung einer technischen Lehrerin wird angenom
2Ins Kirche und Schule.
* Rom, 24. Juli 1911. Das Befinden des Papstes. Wie die ,Kölu. Volksztg? aus Rom meldet, wurden die für Montag angesagten Audienzen bis auf weiteres aufgeschoben, da der Papst, der sich nicht schonen ivollte, feit einigen Tagen an Heiserkeit und einer Schwellung der Halsdrüsen leidet. Auch die Bronschien sind etwas angegriffen. Der Papst liegt nicht zu Bett. Die anvauernde große Hitze hat den Heiligen Vater etwas angegriffen, w daß er die Gartenspaziergänge seit zwei Tagen eingestellt hat.
aenoffen Jathos hat am letzten Sonntag tu der denhetten. .
»rotestantsschen Luisenkirche zu CharloUenburg zu + (He Ei»gtbor«euaufmhr tn Deutschsüdwest« ” °------' aftila wurde, wie erst jetzt bekannt wird, vor emtgen
Wochen in Bethanien rasch unterdrückt. Vor einigen Wochen, so wird amtlich der ,Südwestasrik. Ztgck geschrieben, wurden vom Eingeborenengericht in Bethanien fünf Hottentotten zum Tode und vier zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die Eingeborenen, welche sich arbeitslos in Bethanien Herumtrieben und verschiedenen Ansiedlern als Arbeiter zugewiesen werden sollten, haben sich zugestandenermaßen zu« sammengetan, um die Weißen in Bethanien zu er« morden und einen Aufruhr zu erregen. Sie hatten zu diesem Zwecke ein Gewehr, einen Karabiner und Patronen gestohlen. An den zum Tode Verurteilten ist am 12. Juni in Bethanien das Urteil durch Strang vollzogen worden.
* Auch ent Kämpe gegen „Köln". Unter dieser Rubrik schreibt die „Köln. Vztg.": Die Kämpfer gegen bie „Kölner Richtung' haben nun Sukkurs erhalten von einer Seite, die ihnen bisher wohl kaum noch betannt war. Wir halten es für unsere publizistische Pflicht, diesen Mitkämpfer einem größeren Publikum vorzustellen. Es ist der in Mels erscheinende Sargcmserländer, Allgemeiner Anzeiger für den Bezirk Sargans unb Umgebung. Obligatorisches amtliches Publikationsmittel der Gemeinden Mels (Weiß- tanne), Villers-Wangs, Ragaz, Pfäfers (Valens, Vasön, Vättis), Flums, Quarten. Im besagten „obligatorischen Publikationsmittel" nimmt (Nummer vom 15. Juli 1911) „ein ganz alter Oberländer" „Zur Kölnerei" bas Wort, aber kräftig. Er versichert eingangs: „Bekanntlich haben sie zu Köln am Rhein brunten schon halb 20 Jahre das Weihwasser durch Kölnisch Wasser ersetzt; warum nicht? — Es riecht ja weit besser unb macht dem Teufel kein Grimmm." ! Weiter erfährt man: „Der deutsche Katholizismus der Kölner Richtung trägt ein fein lackiertes ganz dün-
SYnttfö.
Ein liberales Blatt, das um „8 Uhr abends" erscheint, geht noch einen Schritt weiter und bringt I den § 167 des Et. ®. B. zum Abdruck, gegen den ' die Offiziere durch „vorsätzliche Störung" des GottiSdienstes sich vergangen Haden sollen. Da erhebt fich nun die Frage: Ist ein Kirchendesucher < -mingen, eine Predigt, die ihm Anstoß bereitet, . . zu Ende anznhören, oder darf er sich entfernen auf die Gefahr hin, daß sein Aufstehen und Fortgehen eine gewisse Unruhe Hervorruft? Man sollte denken, daß alle „liberalen" Elemente, die fo sehr auf die individuelle Freiheit pochen und von irgendwelchen priesterliche« Vorrechten nichts wissen wollen, für die Bewegungsfrecheit der Kirchenbesucher ein« tveien mürben. Aber weit gefehlt. Dem „aufgeklärten" Prediger soll man unweigerlich bis zu Ende geduldig anhören, wenn er auch die bestehende Rechtsordnung, einen loyalen Gerichtshof, das Bebmntms der Kirche, die Bibel und das Wort Gottes angreift, statt die Gemeinde in christüchern Grifte zu belehren und zu erbauen. Ja, wenn mal eine Gruppe von freisinnigen Leuten unter die Kanzel eines orthodoxen Geistlichen geraten sollte mb der ihnen eine Kampsrede gegen die „Auf« .lärung" hielte, bann würde die liberale Presse das Verlassen der Kirche gewiß als berechtigten Protest gegen bat Mißbrauch der Kanzel gelten lassen!
Wir mischen «ns nicht in die inneren Auflegen- heften der anderen Retigions-Geiueinschasten. Aber daS Herr ist eine staatliche, nationale Einrichtung, und vorn Gesichtspunkte der militärischen Interessen müssen wir den Offizieren Recht geben, wenn sie der Ansicht find, daß eine „Predigt", welche die destchende ReckMordmmg, die gesetzmäßige Autorität und die Grundlagen des christlichen Glaubens be- kämpft, nicht geeignet ist zur Erbauung und Er« zichmig der Soldaten. Wollen bieJathosreunde bie protestantischen Kanzeln zum Tummelplätze ihr» Agitation gegen das Kirchenregiment und das kirch« liche Bekenntnis machen, so sollten sie doch wemg- stens während der Anwesenheft von lommanbierien Truppenteilen anstelle der umstürzenden Beredssmkeft eine aufbauende Predigt treten lassen.
Wie hat man früher aus die katholischen „Hetz- apläne geschoften, und zwar in derselben Presse, die jetzt die protestantischen „Hetzpastoren" verteidigt und verherrlicht, auch wenn sie die pflichtbewußten Offiriere zum Ausmarsch aus der Kirche zwingen.
einem aufregenden Zwischenfall geführt. I
Der dortige liberale Prediger Kraatz glaubte bei der ersten Besteigung der Kanzel nach seiner Rückkehr aus den Ferien seine Gemeinde mft einer Polemik gegen das Spruchkollegium der evangelischen Landeskirche „erbauen" zu sollen. Zu dem Gottes- dienste waren auch mehrere Kompagnien Soldaten unter Führung von Offizieren erschienen, da die Luisenkirche vom Militär gastwelse benutzt zu werden vfleat Herr Prediger Kraatz ließ sich durch bte Anwesenheit der Soldaten nicht stören. Er hielt eine Predigt", bie besser in das .Berliner Tage« blatt" oder in bie ,Vossische Zeitung" gepaßt hätte, als auf eine landeskirchliche Kanzel. Als er für Jatho und gegen das rechtskräftige Urteil polemi« inerte, merkte er nach seinem eigenen Geständnis schon eine gewisse Unruhe bei den Offizieren. Er ließ sich aber in seinem Konzept nicht stören, sondern wies die Berufung auf Bibel unb Gotteswort zurück. Auch von orthodoxer Seite, fo führte er aus, werde die Bibel nicht mehr als ein Werk Gottes angesehen; fie fei ein Menschenwerk von Gott inspiriert, aber es lasse sich nicht seststellen und es sei ein rein subjektives Empfinden, zu sagen, wo das Menschenwerk beginne und bie göttliche Inspiration auf höre: Als Herr Kraatz diese „Snbjellwi- fät" vorbrachte, standen die Offiziere auf und v e r- ließen mit den Mannschaften die Kirche.
Herr Kraatz ist natürlich sofort in der jüdisch- liberalen Presse zu Wort gekommen und hat dort bie Bemerkung gemacht, bie Offiziere hätten sich ja, wenn ihnen seine Aenßerungen nicht gefielen, höheren Orts beschweren Immen, aber sie hätten keineswegs das Recht gehabt, „einen Gottesdienst auf solche ostentative Weise zu stören." Wir halten diese An- sicht des Jatho-Predigers nicht für logisch und nicht für berechtigt. In demselben Augenblick, wo er sich darüber beklagt, daß „höheren Orts" über eine Beschwerde gegen bie Lehre Jalho's entschieden worden ist, redet er selbst von dem Beschwerdeweg. Wären die Offiziere mit ihren Leuten still sitzen geblieben bis zum Ende der Predigt, um bann ihre Beschwerde gegen den Prediger einzureichen, so würde gegen sie der Vorwurf der „Denunziation" erhoben worden fein, wie gegen die Ankläge Jathos, und wenn der Prediger Kraatz ,chöher«»^Oets' «rurt-M worden wäre, so hätten feine Freunde wieder Stoss gehabt zu Protestpredigten im Namen bet protestantischen Gewissens« unb Lehrfreiheit, gerade wie im Falle
ne« Kreuzlein ohne Christus". Die „Correfpondance de Rome" wird gerade zur rechten Zeit „ein dem Hl. Vater "nahestehendes Blatt" genannt und ben deutschen Bischöfen ein Mißtrauensvotum erteilt, indem fie die „schweigenden Bischöfe" genannt werden. Schließlich erklärt der „ganz alte Oberländer", er werde zum römischen Papst stehen und „nicht zu den preußischen Schnorrern". Da wird doch endlich einmal eine kernige Sprache geführt! Wir sind ganz niedergeschmettert. Einigermaßen zum Tröste gereicht es uns nur, daß die führenden katholischen Blätter auch der Schweiz: das „Luzerner Vaterland", die „Züricher Neuen Nachrichten" und die „Schweizerische Kirchenzeitung" zu der von dem „obligatorischen Publikationsmittel" so Mels zu gründlich verdonnerten „Soin er ei" stehen.
)( Bei einer Landtagsersatzwahl in Günzburg a. D. in Bayern erlag das Zentrum einem bauernbündlerischen Kandidaten. Letzterer, Bürgermeister Theodor Dirr von Anhofen erhielt mit 2269 Stimmen die Majorität. Der Zentrumskandidat Saumweber von Günzburg vereinigte auf feine Person 2087 Stimmen. Für den banern- bündlerischen Kandidaten waren die liberalen Wähler des Wahlkreises einstimmig eingetreten. Die Sozialdemokraten haben ebenfalls für den bauernbündlerischen Kandidaten ihre Stimmen abgegeben. Bei der Wahl im Jahre 1907 erhielt das Zentrum 2514 Stimmen, der Bauernbund 1602 und die Sozialdemokratie 161 Stimmen. Das Zentrum hat also 427 Stimmen verloren, während der Bauernbund 607 Stimmen gewann — Ob dieses Wahlausfalles herrscht bei den Liberalen aller Schattierungen großer Jubel, unb man zeigt gleich mit allen zehn Fingern auf die Reichstagsersatzwahl in Düsseldorf hin, wo man dieses „erfreuliche' Ergebnis nachahmen müsse.
C Dem Zentralverband deutscher Industrieller hatte der Hansabunddirektor Ri eß er nachgesagt, daß er mit den Konservativen eine Verständigung über die beiderseitigen Schutzzollwünsche herbeigefühtt habe. Der Zentralverband habe diese Behmiptung bereits durch das Wolsf'sche Telegraphenbüro als unrichtig bezeichnet. Der Zentralverband kommt auf diese Angelegenheit nochmals zurück und nimmt darin zur gegenwärtigen Schutzzollpolitik Stellung. Zunächst wird nochmals festgestellt, daß die Rießer- schen Behauptungen über eine Abmachung der Schwerindustrie mit den Konservativen über zollpolitische Fragen, absolut unzutreffend, daß vielmehr irgendwelche Abmachungen über die beiderseitigen Schutzzollwünsche mit Herrn v. Heydebrand oder der konsewativen Partei weder vor noch nach dem Hansa- tage getroffen worden sind. In dem Rundschreiben wird bann weiter darauf hingewiesen, daß die Hal-
tetiammlung,- die um 7> 2 Uhr begann, nahmen 19
Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war ________ ________ ......... „ „ , ,
durch den Oberbürgermeistec Dr. Antoni und den der technischen Lehrerin zu. Die kleine Ersparnis
Ersten Beigeordneten H a l b 1 e i b vertreten. An der ist auch beachtenswert, wenn sie uns auch nicht zu Sitzung nahm ferner Stadtbaumeister Fuhrmann ' ™ teil. Den Vorsitz führte der Stellvertreter des Vor-