Einzelbild herunterladen
 

-ul-aer W Zeitung

Monakbellage: „Zuldaer Geschichttblatter"

Lrlchetlll täglich mtt Lurvahwt der Sonn» »nd Leierlage, viertel» phrNchervtzugsprel, »Hut vriugerlohn und vtfteLgeld in Zulda so» wie muwöttt 1.5O3HI.

vrranw. Redalteur

i.v.r X. totßltt;.

■i SSÄ. Mchmdellage: „Illustrierte Sonntagsjettung"

Anreigen: Die et» fpaltige Petitzelle oder deren Barns ,s pfg. Reklamen diepetitzeUe PfS-, bei Wieder­holungen «irdeuispr.

Babati gewährt.

Rotation,druckunü Verlag der Luldaer Ak. LeudruSerei in Zulda Zerusprecherllr.».

Erstes Blatt

Fulda, Samstag den 22. Juli 1911

165.

38. Jahrgang

Deutsches Reich

♦♦

der „beschleunigte Gang der Geschäfte" so schnell auf­braucht. Es gibt nur eine richtige Antwort auf das Motuprorio des PapsteS: der Anschluß an die Organi­sationen der freien Gewerkschaften zum Kampf für die Verkürzung der Arbeitszeit."

So urteilt über die Verlegung der Feiertage ein Blatt jener Partei, die über die angebliche Verderb­lichkeit dieser katholisch-kirchlichen Einrichtungen wahre Jeremiaden gesungen. Nun hat der Papst, was am wenigsten auf feiten der sozialdemokratischen Spekulattonsdrescher erwartet wurde, den Bedürf­nissen unserer Tage Rechnung getragen, und der erste, der wiederum Steine wider Rom schleudert, ist die gleiche sozialdemokratische Presse. Es mag geschehen, was geschehen will — gehetzt wird auf alleFälle!

Wo und soweit aber infolge des päpstlichen Mo- iuproprio wirklich ein Mehr von Arbeits- und Ver­dienstgelegenheit geschaffen wird — und wir wollen diese Wirkung, die der Papst beabsichtigte, gewiß nicht gering anschlagen — da sind die Arbeiter an dem wirtschaftlichen Vorteil gewiß ebenso beteiligt wie die Unternehmer und alle anderen schaffenden Stände überhaupt. Es gehört die ganze Unehrlichkeit der sozialdemokratischen Verhetzung dazu, um eine gerade aus Wohlwollen für die eriverbs- tiitigen Stände erwachsene päpstliche Maßregel zu einem Attentat auf sie umzufälschen.

Ausland.

_ ** "Arreichische Abgeordnetenhaus hat mit 38/ von 429 Stimmen Dr. Sylvester zum Prä­sidenten gewählt. *

** Die Polen und die Deutschen in Oester­reich. Der zum Obmann des Polen klubs ge­wählte ehemalige Finanzminister Dr. Ritter von Bilinski hielt nach seiner Wahl eine bemerkens- werte Rede, in der er u a. sagte:

„ "Ar Polenklub hält an seiner bisherigen dynasti­schen Polltlk fest. Er werde vom Frhr. v. Gaulsch die Verwirklichung des 1901 beschlossenen Kanalgeletzes verlangen, denn damit stehe und falle er. Dann fuhr Ritter von Bilinski fort, sei es richtig, daß die Deutschen aus der Regierungsmehrheit nicht ausge- schlossen werden dürfen, was sich aus ihrer historischen Stellung im Habsburgerreiche und aus dem Gange der auswärtigen Politik des Reiches ergebe. End­lich kommt dabei auch unser spezieller Standpuntt in Betracht, da unsere eigenen Interessen mit denen der Deutschen am wenigsten kollidieren. Vielleicht müssen wir dabei auch in Rücksicht ziehen, daß ein freund- schastliches Verhältnis unsererseits zu den Deutschen auch dazu beitragen könnte, das Schicksal unserer Volksgenossen in Preußen erträglicher zu ge­stalten. Endlich müssen wir auch von unserem Stand- punkle aus das Verlangen der Deutschen nach Objek­tivität in der Verwaltung unterstützen."

Weiter trat Ritter von Bilinski dafür ein daß auch die Tschechen zur Regierungsmehrheit herangezogen werden.

** Neber „Korruption der Chriftlichsozialen" faselt zurzeit die liberale Presse, weil der Vizebürgermeister Hierhammer von Wien gern auf den Gemeinde­jagden jagte. Als die Christlichsozialen seinerzeit die Mehrheit im Wiener Rathaus erlangten, haben sie vom Bürgermeister bis hinunter zum letzten Stadt­rat auf die Hälfte der Gehälter verzichtet, welche früher die Liberalen sich zuerkannten, und dabei ist es bis auf den heutigen Tag verblieben. Den Steuerzahlern wurden dadurch in den letzten Jahren mehrere Millionen erspart. Das ist die angebliche Korruption, die man den Christlich- sozialen vorgeworfen hat. Die liberale Presse soll doch ihre Korruptionsriecherei anderswo ausüben.

** Mit dem Aufstande in Albanien soll es nach englischen Meldungen wieder bedenklich aussehen. Es wird ^behauptet, daß die Lage sowohl in Nord- wie in Südalbanien für die türkische Regierung sehr c r n st ist. Biele südalbanische ©täbte haben dringend um.Truppenverstärkungen gebeten, da die Banden dort an Zahl und Verwegenheit zunehmen. Auch ini Norden sieht es schlimm aus. Die Straße von Prisrend nach Skutari ist von Mirgisen besetzt, und zwischen Djakowa und Ipek Hausen aufrühre- riche Banden unbehindert.

*v Zur Lage in Persien. Aus Omtschali zurück­kehrende Reisende berichten, der Exschah Moham­med Ali habe gestern sein Lager 15 Kilometer von Asterabad aufgeschlagen und werde heute vor den Toren der Stadt eintreffen. Mohammed Ali ordnet die turkmenischen Truppen, die ihm stündlich in großer Zahl zuströmen.

** Die Revolution auf Haiti hak so ernste For­men angenommen, daß sich die amerikanische Re­gierung genötigt gesehen hat, dem Aufklärungs­kreuzer „Chester", der sich gegenwärtig im Manöver befindet, Befehl zu erteilen, nach Hatti in See zu gehen. Die Anarchie ‘auf Haiti feiert wahre Tri­umphes die Fremden sind ernstlich be­droht. Der amerikanische Kreuzer 3. Klasse „Des- meines", sowie das Kanonenboot „Perioria" haben Order erhalten, nach San Juan auf Porteriko zu gehen. Haiti ist in den Händen der Rebellen. Ter Sieg der Insurgenten ist ein vollendeter. Ein Tclegramni ans Porte au Prince besagt, daß die Plünderung in Cap Hattien infolge der energischen Maßnahmen des revolutionären Komttees einge­stellt wurde. Die Regierung ordnete die Blockade des Forts Siberts an, die aber unwirffam ist, da die Regierung nur ein Kriegsfahrzeug besitzt.

0 Zum Stand der Berhandlnngen über die Marokkoangelegenheit ist man dem „Echo de Paris" zufolge in „unterrichteten deutschen Kreisen" davon überzeugt, daß in etwa 10 Tagen das Abkommen in feinen Grundlinien fertig sein wird und zwar auf folgender Grundlage: Die Heeres, und Verwaltungsreorganisation in Ma- rolko bleibt Frankreich Vorbehalten, in wirtschaft­licher Beziehung sollen Deutschland und Frank­reich in Marokko zusammenarbeilen unter sicherer Bürgschaft für Deutschlands wirtschaftliche In­teressen. Endlich soll ein Austausch von Gebietsteilen an der Grenze von Kongo '>nd von Kamerun erfolgen. — Es entzieht sich unserer Kentnis, inwieweit diese Mitteilung des Pariser Blattes den Tatsachen entspricht. Bei dem un­verbrüchlichen Stillschweigen, das von beiden ver­handelnden Teilen beobachtet wird, kann es sich jedenfalls nur um um eine Mutmaßung des ge- nannten Blattes handeln. Das geht auch daraus hervor, daß das französische Ministerium des Aeußern eine Note veröffentlichen läßt, in der erklärt wird, daß alle in der Pariser Presse ver­öffentlichten Informationen oder Berichte über die diplomatischen Verhandlungen nicht auf amt­lichen Benachrichtigungen beruhten. Bemerkens­wert ist jedoch, daß diese offiziöse Wote sich nur darauf beschränkt, die Autorschaft der Nachrichten abzuweisen, ohne jedoch jene Nachrichten als un­richtig zu bezeichnen. — Ein anscheinend offiziöser Artikel der „Köln. Ztg." macht die Treibereien der französischen Presse für den langsamen Fortgang der französisch-deutschen Verhandlungen verantwortlich und wendet sich gegen den leiden­schaftlichen Ton auch eines Teiles der deutschen Presse.

* Zeutrumkpolitik im Reichstage 1910,11. Der fünfte Band der laufenden Legislaturpeiiode ist so­eben, vom Abg. Erzberger versaßt, im Verlag der.Germania' erschienen (Preis 2,50 Mark). Der­selbe behandelt in übersichtlicher Weise den Sessions­abschnitt vom 22. November 1910 bis 31. Mai 1911. Von allen Parteien heißumstrittene Gesetze, die im kommenden Wahlkampfe eine große Rolle spielen werden, hat die vergangene Legislaturperiode zur Verabschiedung gebracht. Es ist darum für jeden Zentrumsanhänger, vor allem aber für die Redner in den Versammlungen, die Leiter der Orts- und Kreiskomitees und die Vorstände der Vereine von großer Wichtigkett, über die Mitarbeit der Zentrums- sraktion an diesen Gesetzen und ihre Stellungnahme zu denselben stets und sofort orientiert zu sein. Unter den vielen intereffanten Kapiteln heben wir die hervor, welche die Verfaffung in Elsaß-Lothringen, die Militärvorlage, die Lage der Reichsfinanzen und die Zuwachssteuer behandeln. Ein besonderer Abschnitt ist der Ä eich sv er sichern» gsordnung gewidmet; da werden die vielen Fortschritte, die daS neue Gesetz bringt, systematisch ausgezählt und erläutert; dann wird das Verhalten der Sozialdemo­kratie einer eingehenden Kritik unterzogen und jedem Leser alles Material zur Widerlegung der sozial- demokratischen Angriffe geboten.

---- Erhebungen über die Jugendpflege werden augenblicklich vom Kultusministerium veranstaltet. Es soll festgestellt werden, wie groß in den einzelnen Kreisen die Anzahl der Jugendheime ist, wieviel Jugendliche sich zu patriotischen Jugendvereinigungen zusammengeschloffen haben und im Anschluß an welche Schulen das eventuell geschehen ist, schließlich wieviel Jugendlich« sich an sonstige Vereine ange­schloffen haben, die in vaterländischem Sinne ge­leitet werden. Auf Grundlage dieser Erhebungen soll die Förderung der Jugendpflege nach einheit­lichen Gesichtspunkten betrieben werden. Bekannt­lich sind die verschiedenen Fonds, die in den ein- zelnen Ministerien für diesen Zweck zur Verfügung standen, kürzlich dem Kultusministerium zur einheit­lichen Verwendung übergeben worden.

f. Die kürzlich errichtete Arbeitszentrale für di« Privatbeamtendersicherung hat Kommissionen ein­setzt, die chre Tätigkeit durch Einsetzung von Arbeits­ausschüssen aufaenommen haben. .Die Kommission,

Aus Mrche und Schule.

* Aschaffenburg, 22. Juli 1911. In einet Ver­sammlung der verschiedensten Vereine, des kathol. Arbeitervereins, des kath. Gesellenvereins, des chriftl. Bauernvereins, des Postpersonals, des Eisen­bahnpersonals, der kath. Mitglieder der chriftl. Ge­werkschaften wurde beschlossen, sich mit einer Ein- gabe an den hochwürdigsten Herrn Bischof von Würzburg zu wenden, daß im Bereiche unserer Diözese die Feiertage wie bisher gehalten werden. Der hochwürdigste Herr Diözesanbischof möge den Weg betreten, den das päpstliche Motu proprio selber weist, wenn es sagt: Wenn ferner die Bischö-e in irgend einer Nation oder Gegend es für gut er­achten, eines der aufgehobenen Feste b e i z u he­tz a l t e n, mögen sie darüber dem Heiligen Stuhl Kenntnis geben.

o Koloniale Unruhen.

Fast gleichzeittg sind aus unseren afrikanischen Ko­lonien zwei Hiobsnachrichten eingetroffen, die geeignet find, hinsichtlich der Sicherheitszustände in unserem Schutzgebiet mit Sorge zu erfüllen. In Deutsch-Ost­afrika ist eine Karawane niedergemetzelt worden, in Müdwestafrika hat ein Ueberfall der Eingeborenen auf die Kolonne Frankenberg stattgefunden. Wäre der -Reichstag zurzeit versammelt, so würden >vir zweifel- los ausgedehnte und heftige Kolonialdebatten aus Anlaß dieser beiden Vorkommnisse zu gewärtigen ha­ben. An der Sachlage wäre freilich damit nichts ge- ändert, nur der Vorteil würde sich vielleicht ergeben, daß man über die beiden Ereignisse nähere authen- stfche Mitteilungen erhielte. Augenblicklich tappt man völlig im Dunkeln; über das Schicksal der Kolonne Frankenberg ist man völlig in Ungewißheit und auch über den Ueberfall in Deutschostafrika ist man vielfach auf Vermutungen angewiesen. Obwohl seit ben ersten alarmierenden Nachrichten aus Südwest be­reits einige Tage verstrichen sind, ist das Reichs- kolontalamt bis zur Stunde über das Schicksal des Herrn v. Frankenberg und der ihm unterstehenden Polizeitruppe ohne jegliche amtliche Nachricht.

Es erklärt das Ausbleiben des telegraphischen Berichts über die Expedition v. Frankenberg in einer Mitteilung an die Nationalzeitung daraus, daß die ^gemeldete Katastrophe sich mehrere Tagereisen von der ^nächsten Poststation abgespielt haben müsse. Obcn- ibrein fei ein telegraphischer Dienst von Schuckmanns­burg aus nicht möglich, weil dort überhaupt kein Post- .Verkehr sei. Dieser werde über Sesheke in englischem Mebieie geleitet, aber auch hier fei keine Telegraphen­station. Die Unteroffiziere, die einen Heliographen bedienen verständen, hätten wahrscheinlich den Tod gefunben. Man ist also nach wie vor einzig auf die 'erste englische Nachricht angewiesen, wonach die Ex- peditionstruppe v. Frankenberg niedergemetzelt wor­den sei. Wir bezweifeln keineswegs den Eifer des Kolonialamts, den Sachverhalt so schnell wie möglich festzustellen, aber wir meinen doch, es würde zur Be­ruhigung der Oeffentlichkett beitragen, wenn das K o- r o n i a l a m t mitteilen würde, welche S chrtt t e Hs getan habe, um das Schicksal der Kolonne Fran- kenberg zu ermitteln. Es kann doch nicht so schwer fein, die Gewährsmänner der englischen Meldung ausfindig zu machen und festzustellen, auf welchen posi­tiven Tatsachen ihre Mitteilungen beruhen. Hierüber ^Klarheit zu verschaffen, wäre unseres Erachtens der Gouverneur von Südwestafrika doch wohl in der -Sage. Solange man die Einzelheiten und nlkheren illmftänbe des Vorfalls in Südwest nicht kennt, läßt .die englische Meldung auch keine weiteren Rückschlüsse -zu Wir halten es daher nicht minder für verfrüht, wenn der „Vorwärts" die Unruhe in Südwest auf das Herumfpringen der Kulturpioniere mit den Ein­geborenen, auf die Arbeiterfrage, die Land- und Dia­mantenspekulation und den militärischen Betätigungs­drang im Ovamboland zurückführt, als wenn von an­derer Seite bereits Stimmen nach Vermehrung der -^utztruppen laut werden.

In D e u t s ch o st a f r i k a sind genügende Schutz- Kuppen vorhanden und doch hat die Niedermetzelung .'einer Karawane stattfinden können. Auch hier fehlen bestimmte Einzelheiten. Das Berliner Kolo­nialamt ist nicht geneigt, diesem Vorkommnis eine fernste Bedeutung beizumeffen. Man glaubt, daß das .Erscheinen der Truppen in dem betreffenden Gebiet Allein schon genügen werde, um die Autorität der Deutschen Regiemng zu wahren und die Plünderer iber Karawane zur Rechenschaft zu ziehen, lieber, die beabsichtigten militärischen Operationen ist noch nichts bekannt. Der Expedition werden im gangen etwa 100 -Gewehre zur Verfügung stehen, die oon sachverstän­diger kolonialer Seite im „Berl. Tagebl." als eine für afrikanische Verhältnisse ganz bedeutende Kriegsmacht zu bezeichnen sind. Zweifellos ist, soweit bis jetzt eine Beurteilung möglich ist, das Ereignis in Ost- .afrika als weniger bedeutend zu bewerten, da es sich sticht direkt gegen die deutsche Regierung richtet und Reibereien zwischen Karawanen in Ostafrika nicht zu den Seltenheiten gehören sollen. E i n Umstand ist beiden Vorkommnissen gemeinsam; bei beiden hat man es mit Gegnern zu tun, die im Besitz zahlreicher .'Gewehre waren, ein Beweis, daß der Waffenschmug- fget sowohl in Südwest wie in Ostafrika nach wie vor fbesteht. Bei den Maßnahmen zur Vorbeugung gegen ^derartige Unruhen in Kolonien wird daher in erster Mni« das Augenmerk darauf zu richten sein, daß diesem Waffenschmuggel ein Ende bereitet wird.

{):( Die Neuordnung der kirchlichen Festtage.

Das neue päpstliche Motruproprio „Supremi fdisciplinae" über die Einschränkung der kirchlichen 'Festtage erregt begreiflicherweise in weiten Kreisen fgroßes Interesse und wird in der Presse lebhaft be- -sprochen. An dieser Besprechung einer kirchlichen, wenn auch in das bürgerliche Leben eingreifenden An­gelegenheit beteiligt sich die nichüatholische Presse mit bemerkenswertem Eifer — weit eifriger jedenfalls, als sch katholische Organe mit protestantisch-kirchlichen Angelegenheiten beschäftigen. Bei gewissen Blättern ist solcher Eifer gewiß nicht tendenzlos; sie fcheinen freilich nicht zu merken, welch große Bedeutung sie damit dem von ihnen bet (hupft en Papsttum und Ka­tholizismus auch für die moderne Welt wider Willen gugestehen. In der sozialdemokratischen Presse wird ber Feiertagserlah des hl. Vaters zum Gegenstand 'neuer Gehässigkeiten gemacht. Da lieft man u. a.: ) „In der Feiertagssrage hat also der Papst vor ben Anschauungen der kapitalistischen Geld- Männer kapituliert. Diese Tatsache wird die katho­lische Arbeiterschaft mächtig aufrülteln. In der LebenS- -ftage des Proletariats: in der Frage der Verkürzung der Arbeitszeit durch Feierstunden und Feiertage hat ber Vatikan völlig versagt. Und bald wird sich selbst j>er rückständigste katholische Arbeiter sagen: Rur durch Selbsthilfe erringe ich mir die nötige Muße für Wieder- (herstelluna und Sammlung meiner Arbeitskräfte die

Lokales.

Fulda, den 22 Juli 1911.

** Eine regelmäßige Sitzung der Stadtverord- neteu-Versammlung findet am Montag, den 24. Juli 1911, abends 1/»8 Uhr, statt. Auf der Tagesorb, nung stehen folgende Punkte: 1. Verlängerung del Vertrages mit dem Hotelbesitzer Müller wegen Ent nähme elektrischer Energie von der Zentrale tra Stadtsaal (Fritz). 2. Nachweisung über den Stant der Spareinlagen und Rückzahlungen bei ber stabt Sparkasse (Kapp). 3. Verpachtung emes Stressens der Petersbergerstraße (Rang). 4 Fluchttmienplari über den von der Frankiurt—Bebraer Eisenbahn, der Hohenzollernstraße, des oberhalb des Restau­rants Hohenzollern liegenden Verkoppelungsweges, des Gutsbezirks Ziehers und den der Wörth- und Wittichstraße begrenzten Gemarkungsteil (Schwarz). 5. Etatsüberschreitungen zu Titel II, IV, V, IX, XII deS Lausbaltsetats (Kapp). 6. Aufhebung der

Berlin, 21. Juli 1911. Im Anschluß an die Truppenschau in Mainz trifft der Kaiser am 14. August zu zweitägigem Besuche bei dem Prinzen­paar Friedrich Karl von Heffen auf Schloß Fried- richshof in Kronberg ein.

die Grundzüge für den Ausbau der Invalidenver­sicherung ausarbeiten soll, und deren Vorsitzender Professor Dr. Moldenhauer (Köln) ist, setzte Unter­ausschüsse ein, die sich mit den Grundlagen des Aus­baus der Invalidenversicherung, der Frage der finanziellen Belastung für Arbeitgeber und Ange­stellte und der hiermit in Zusammenhang stehenden Verteilung der Angestellten und Arbeitgeber auf die verschiedenen Gehaltsklassen beschäftigen. Die zweite Kommission, die eine Lösung des Privatbeamten- Bersicherungsproblems unter Mitwirkung der pri­vaten Lebensversicherungsgesellschaften anstrebt, und deren Vorsitzender Regierungsdirektor von Basp (München) ist, bildete ebenfalls Unterausschüsse.

** Die bekannte Erklärung des Kardinal-Staats­sekretärs in Rom über den nichtoffiziellen und nichtoffiziösen Charakter der ,Correspondanee de Rome" wird von der italienischen Presse sehr be­achtet. So ruhig und gemäßigt die Erklärung des Kardinal-Staatssekretärs aussieht, sie wurde in ihrer Tragweite auch in Italien vollständig begriffen. Der .(Sortiere della Sera" schreibt, es handele sich um eine sehr bedeutungsvolle Kundgebung; die Desavouierung der ,Correspondanee de Rome", die als direkte Auslassung des hl. Stuhles gegolten, sei nun auch von einer noch höheren Stelle, als der Nuntius in München es ist, erfolgt. Ja, der ,Corriere della Serw geht noch weiter und bezeichnet die Erklärungen des Nuntius und Kardinalstaats­sekretärs als „einen schönen Sieg der deutschen Katholiken, mit denen man keine Scherze treiben tann".

* Zur Düsseldorfer Reichstagsersatzwahl hat der konservative Provinzialverein in Düsseldorf ein gemeinsames Vorgehen aller rechts­stehenden Parteien angeregt; es haben bereits einige Besprechungen stattgefunden, und es ist sicher, daß eh: Kandidat der rechtsstehenden Parteien als Zähl­kandidat aufgestellt wird. Konservative, Freikonser- vative, Bund der Landwirte, Deutschsoziale, Evan­gelischer Volksverein gehen zusammen und werden sich auf’einen Kandidaten einigen, um ben Sieg des Sozialdemokraten in Düsseldorf zu verhindern. — Ja, wenn es den Herren wirk­lich darum zu tun ist, warum wollen sie denn nicht gleich im ersten Wahlgang für den vom Zentrum aufgestellten Kandidaten stimmen?

* Msgr. Beuigni ist dem ,Mioruale d'Jtaliw zu­folge zu längerem Urlaub aus Rom abgereist. Dem ,Bav r. Courier' wird „aus gut informierten Kressen fledoch rnicht ans der Münchener Nunzialur) verläßlich mitgeteilt, daß die Stellung Msgr. Benig- nis schwer erschüttert und ernstlich mit einer baldi­gen Amtsveranderung zu rechnen ist." Ten .Kon­stanzer Nachr.', einem Organ der badischen Zenlrums- Partti, imrb „von unterrichteter Seite" geschrieben: „Die.Correspondance Cc sJiome', welche jüngst einen heftigen Angriff gegen die deutschen Katholiken rich­tete, ist unbestritten das Organ des Mons. Benigni. Ihre Informationen werden in Italien falt gar nicht beachtet, nur daun und wann wird ihren die Ehre einer Zitieruna zuteil. Wenn das geschieht, findet man sie im ,(Sortiere della Sera" (Mailand), in der.Sta npa' (Turin) und in ber ,Ttibuna' (Rom), eo ist es nach bei der .Geheimzitkular-Angelegen­heit" geschehen.

* Die Goldfunde in Deutsch-Südwsstafrika, von denen neulich die Rede war, haben zu einem Presse- ftreit über die Haltung der beteiligten Kolonialge- fellschaft, der „South West Afriea Co.", geführt. Es wurde nämlich darauf hingcwiefen, daß diese Gesellschaft, nachdem infolge dieser f,Gold"-Meldun- gen die Aktien der Kaoko-Land- und Minengesell- schaft gestiegen waren, von den Aktien größere Mengen verkauft hat. Dazu wird jetzt von feiten der angegriffenen Gesellschaft geschrieben: Richtig ist, daß die South West Africa einen Teil ihres Besitzes an Anteilen der Kaoko Land- und Minen­gesellschaft veräußert hat, und zwar ist diese Ver­äußerung durch Abstoßung eines größeren Betrages und optionsweise Hingabe eines zweiten Postens er­folgt. Diese Besitzverminderung erscheint aber ver­ständlich, wenn man berücksichtigt, daß die South West Aftica Co. Ende 1909 von den insgesamt be­gebenen 41 000 Anteilen der Kaoko-Gesellschaft im Nennwert von je 200 Mark fast drei Viertel, näm­lich 30 000 Stück, gleich 6 Millionen Mark, im Portefeuille hatte, welche mit etwa 35 Prozent zu Buche stehen. Es kann der Direktion der South West Aftica Co. nicht verdacht werden, wenn sic ben auf das Doppelte des Buchwertes gestiegenen Preis der Kaoko-Anteile benutzte, um ihren großen Bestand daran zu verringern." — Das Interesse des Pub­likums an den Jndustriewerten wird durch solche Streitfälle kaum gehoben werden.

# Stuttgart, 21. Juli 1911. In der gest­rigen Sitzung der wütttembergischen Ersten Kammer legte der Erbprinz von Hohenlohe- Langenburg anläßlich der Beamtenbesol- dungsvorlage energisch Verwahrung dagegen ein, daß eine Vorlage von einschneidender Be­deutung dem Hause in einer Form und zu einem vorgerückten Zeitpunkt vorgelegt werde, wodurch die verfassungsrechtliche Mitwirkung der Ersten Kammer in erheblichem Maße beschränkt wird, da den Gegnern die Möglichkeit, abweichende Beschlüsse zu fassen, dadurch genommen sei. Ministerpräsident Dr. v. Waitzsäcker betonte in seiner Erwiderung, daß sich der Beschwerde des Erbprinzen der Finanzausschuß nicht angeschlossen habe, daß alle gesetzgebenden Faktoren sich in einer Zwangslage befunden hätten, daß die Einbringung der Vorlage nicht eher erfolgen konnte, und daß die Vorarbeiten dazu bereits im Herbst 1908 von einer besonders eingesetzten Kommission in Angriff genommen worden seien. Im übrigen erklärte sich das Haus mit der Be- soldungsoorlage grundsätzlich einverstanden