Jß 162.
Mittwoch 6« ,9. lull MI.
38. Jahrgang.
Deutsches Reich.
* Der Bolksverein für daS katholische Deutschland Lat iebt das vierte Heft dieses Jahres herausgegeben. Ls ist ein Gebmkbtott'zur Jahrhundertfei« des gro- tzen Bischofs v. Kettel«, eine K eitel er-Nu mm er, die den deutschen Katholikm so recht vor Augen führt, was Bischof Ketteler ihnen gewesen tft. Was wir cuf sozialem Gebiete schon erreicht haben, haben wir in seiner Schule gelernt, ist im Bekenntnis zu seinem Programm, unter Berufung auf sein Vorgehen durch- aesetzt. Das Heft behandelt deshalb: 1. den Anteil der Katholiken an der Sozialpolitik des Reiches; 2 Bischof Ketteler als sozialer Erwecker der deutschen Katholiken; 3. Kettelecs Entwurf zu einem politischen Programm und zuletzt in einem Feuilleton des gro- ßen Bischofs Sterbestündlein. — Die Mitgliederzahl des Volksvereins, iiber deren Rückgang im Frühjahr gewisse Leute glaubten ein Freudengeschrei anstimnien zu können, ist bis Ende Mai wieder auf 682 989 gestiegen, der vorübergehende Rückgang anläßlich der Jahresabrechnungen ist also schon wieder ausgeglichen. Hoffentlich werden die 700 000 noch in diesem Jahre erreicht.
* Der Hansabund schwenkt ein. Dem Direktorium des Hansabundes scheint es doch bei den vielen Austritten angesehener Großindustrieller bange zu werden. In einer Konferenz in Berlin nahm das Direktorium eine Entscheidung an, welche zwar den ausgetretenen Herren Rötger und Konsorten Unrecht gibt, aber doch gegenüber der Sozialdemokratie die bisher vermißte ablehnende Stellung einnimmt. Denn in der einstimmig angenommenen Resolution heißt es: „Eine irgendwie geartete Unterstützung oder Förderung der Sozialdemokratie kann für den Hansabund niemals in Frage kommen, insbesondere auch nicht bei bett Wahlen einschließlich der Stichwahlen. Der Hansabund verharrt vielmehr bei dem im Präsidialbeschluß vom 24. November 1910 festgestellten und auf dem Hansatag vom 12. Juni 1911 wiederholten Grundsätze, daß er die Sozialdemokratie, da sie sich außerhalb der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung stellt, ebenso zu bekämpfen hat, wie das seitens der in ihm vertretenen bürgerlichen Parteien geschieht! — Also die Sozialdemokratie will der Hansabund seht bekämpfen, nicht nur bei den Hauptwahlen, sondern auch bei den Stichwahlen. — Wir wollen einmal abwarten, ob er diese Parole auch beachtet, wenn eS sich um eine Stichwahl zwischen Zentrum und Sozialdemokratie handelt.
Amt Geisa und Umgebung.
* Bacha, 19. Juli 1911. Im nahm Nippa ist am Samstag der aus Beton hergestellte, etwa zwei Meter weite Kanal, welcher das Wasser des Nippa- flüßchens unter dem Merksbahnhof der Gewerkschaften Ransbach und HeimboldShausm talabwärts führen soll, auf eine Länge von etwa 12 Meter in sich zu- samniengebrochen. Für die Fertigstellung der beidm Werke bedeutet dies eine unangenehme Verzögerung.
* Stadtlengsfeld, 19. Juli 1911. In dem nahen von Mosengeilschen Walde brach ein Waldbrand aus, der jedoch gelöscht werden konnte, ehe großer Schaden entstanden war. — Wie gemeldet, wollte man auch in der Felda ein Fischsterben beobachtet haben. Die Untersuchung der Angelegenheit ergab jedoch, daß es sich bei den in Stadtlengsfeld gefundenen Kadavern um — Heringe handelt. Es ist doctselbst, jedenfalls weil die Fische schlecht geworden sind, eine ganze Tonne Heringe in die Felda geworfen worden.
* Ostheim (Rhöngebirge), 19. Juli 1911. Bei einem kühnen Sprung ins Flußbad zog sich hier der Schuhmacher Stöckel dadurch, daß er heftig gegen einen Stein stieß, eine schwere Kopfverletzung zu.
* Kaltennordheim, 19. Juli 1911. Postamtsvor- suher Hobert in Camburg ist zum 1. August nach Kaltennordheim versetzt.
:::: Buttlar, 18. Juli 1911. Gestern wurde hier das Ergebnis der Submission zur Erbauung einer zweiten Schule testgestellt. Angebote waren wie folgt abgegeben: Für Erd«, ©lauter» und Tüncher-Arbeiten: Jos. Hahn «Buttlar 12,458 Ml, M. Knauf.Borsch 13,586 Mk., W. Will- Geisa 13,953 Mk., Krops-Unterbreitsbach 15,177 Mk' Zimmer-Arbeiten: I. Ebert-Hünfeld 2972Mk., F. Hohmann-Buttlar 3079 Mk., K. Ezell-Buttlar
fulüaer
Zeitung«
2. Blatt.
Vruck und Verlag der zuldaer rlettendruSere in zulda.
3472 Mk.,J.Hahn«BuMar 2080 Mk. Schreiner- Arbeiten: F. Jos. Manuel«Buttlar 1997 Mk., A. Ezell-Grüsselbach 2038 Mk., I. Hahn.Buttlar 2080 Mk. Glaser-Arbeiten: F. Jos. Manne!« Buttlar 605 Mk., A. Ezell - Grüsstlbach 623 Mk., I. Hahn«Buttlar 658 Mk. Anstreicher-Arbeiten: F. Rexroth-Pferdsdorf 471 Mk., I. Thier« gart«Geisb 494 Mk., L. Jakob«Geisa 517 Mk., I. Hahn-Buttlar 571 Mk., L. SpieS-Bacha 671 Mk. Schlosser.Arbeiten: P.Abel-Bultlar 1013Mk., J.Hahn-Buttlar 1030 Mk., R. Ruhl-Buttlar 1049 Mk. Klempner-Arbeiten: A. Schön-Vacha 508 Mk., S. Schäfer-Buttlar 524 Mk., R. Kammandel-Geisa 561 Mk., R. Kaiser«Leimbach 573 Mk., I. Hahn- Buttlar 643 Mk.
* Oechsen, 19. Juli 1911. Von den streikenden Bergarbeitern auf dm Schächten „Hei- ligenmühle* und „Marimgart* habm 20 die Arbeit zu den alten Bedingungen aufgmommm, die Fremdm jedoch sind zum größten Telle nach Westfalen zurückgefahren.
* AuS Thüringen, 19. Juli 1911. Das umfangreiche Dampfsäge- und Schneidewerk von Konstantin Grosch in Weimar ist nachts fast vollständig niedergebrannt. Die umfangreichen Holzvorräte sind größ- tmtells verschont geblieben. — In diesem Jahr wird in ganz Thüringen über sehr geringen Ertrag der Heidelbeerernte geklagt. Man führt die Mißernte auf die anhaltende Trockenheit der letztm Zell und auf die Fröste in der EntwiÄungsperiode der Heidelbeeren zurück. Auch Pilze gibt es infolge der Trockenheit nur sehr wenig. — In einet Sitzung von Stadt- räten und Gemeindebeamtm aus verschiedenm Städten des Großher^ogtums wurde beschloffm, das Staatsministerium zu ersuchen, dm Entwurf einer Städteordnung, der von den Oberbürgermeisternder größeren weimarischen Städte mifgestellt toor dm ist, wegen seiner rückständigen und unzeitgemäßm Bestimmungen zurückzuweism und zu verhüten, daß der Entwurf Gesetzeskraft erlangt, well in ben weitesten Kreisen die Vorlage abfällig beurteilt worden ist.
Aus Oberhessen u. den heff. Aemlern.
A Marburg, 19. Juli 1911. Ein bekannter Gelehrter, der Kgl. Oberbibliothekar Prof. Dr. Georg Wenker, hat gestern das Zeitliche ge- segnet. Der Verstorbene, im Jahre 1858 in Düsseldorf geboren, kam im Jahre 1878 als Hilssbibliothekar an die hiesige Kgl. Universitäts» bibliothek und im Jahre 1897 wurde er zum Oberbibliothekar und bald darauf auch zum Professor ernannt. Seine Hauptarbeit ist der Sprach« alias für das gesamte Deutsche Reich, der im Jahre 1885 von ihm in Angriff genommen wurde. Er war Inhaber des Roten Ädlerordens 4. Kl.
* Treysa, 18 Juli 1911. Die Wohnungskalamität, die am hiesigen Orte feit Jahren herrschte (Mangel an besseren Wohnungen), scheint jetzt durch den Bau einiger schönen im villenartigen Stile errichteten Gebäude behoben zu sein. Durch die Errichtung der Reubruten werden über 20 Wohnungen frei und hoffentlich wird auch ein Herabgehen der hohen Mieten herbeigeführt.
A Ellnhausen bei Marburg, 18. Juli 1911. Emen unglücklichen Ausgang nahm hier ein Familienzwist. Der m ben 50er Jahren stehende Tönchermeister Schmidt lebt feit einigen Jahren mit seiner Frau und seinen erwachsenen Söhnen in Streitigkeiten. Als Schmidt am Samslag angetrunken nach Hause kam, schlug ihn seine Frau mit einem Stück Holz auf den Kopf, sodaß er zu Boden stürzte. Man trug ihn später ins Haus, zog jedoch erst gestern einen Arzt zu Rate, der dann feststellte, daß Schmidt einen Schädelbruch davongetragen hatte. Schmidt ist dann auch bald darauf gestorben.
* Frankenberg, 19. Juli 1911. Im Dorfe Rieder«Orke brannte die Scheune des Landwirts Bock nieder. Bock hatte sich erst vor kurzem, nachdem er sein Gut in Herzhausen infolge der Errichtung der Talspeere veräußert hatte, in Nieder-Orke angekauft.
* Rauschenberg, 18. Juli 1911. Eine aufregende Szene spielte sich im Forstort Roßberg ab. Ein
Landwirt aus Kirchhain wollte dort Reisig laden und hatte den Wagen unmittelbar an dem steilen Ufer der Wohra aufgestellt, di« an dieser Stelle ziemlich tief ist. Durch da? Zurückgehen deS Pferdes kam der Wagen ins Rutschen und stürzte samt dem Pferde die stelle Böschung hinunter in die Wohra. Glücklicher Weise ist weder daS Pferd noch der Wagen bei dem Sturz zu schaden gekommen.
Märkte.
• Frankfurter amtliche Notierungen der Biehmarkt- preise vom 17. Juli 1911. Auftrieb: 1448 Rinder, 610 Ochsen, 54 Bullen, 884 Färsen und Kühe, 201 Kälber, 116 Schafe, 2236 Schweine. Preise für 1 Zentner: Rinder: A. Ochsen: a. vollfleischige, ausgemäftete höchsten Schlachtwertes höchstens 7 Jahre alt (Lebendgewicht) 46—54 Mark, (Schlachtgewicht) 82—93 M>, die noch nicht gezogen haben (ungejocht) (Lebendgewicht) 48-51 M., (Schlachtgewicht) 86-88 Mark, b. junge fleischige nicht anSgemästete und ältere auSgemästete (Lebendgew.) 41—44 M., (Schlachtg.) 75—80 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgew.) 38—41 M., (Schlachtgew.) 70—75 Mark, d. gering genährte jeden Alters (Lebendgew.) 00—00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M. 8. Bullen: a. vollfleischige, ausgewachsene höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 40—44 Mark, (Schlachtgew.) 66 —73 M., h. vollfleischige jüngere (Lebendgewicht) 35—39 Mark, (Schlachtgew.) 58—65 M., c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgewicht) 30—31 Mark, (Schlachtgew.) 54—56 M., d. gering genährte (Lebdgew.) 00-00 M., (Schlachtgew.) 00 -00 M. C. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, auSgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 42—45 Mark, (Schachtgew.) 75-81 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ldgew.) 40-43 M., (Schlachtgew.) 74—80 M., c. 1) wenig gut entwickelte Färsen (Lebendgew.) 38—42 M-, (Schlachtg.) 73-81 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew.) 33—40 M., (Schlachtgew.) 61—74 M., d. mäßig genährte Kühe u. Färsen (Lebendg.) 27-32 M., (Schlachtg.) 54-64 M , e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgew.) 18—26 Mk., (Schlachtgew.) 41—59 M. D. Gering genährtes Jungvieh (Fresser) (Lebendgew.) 00—00 M.,! Schlachtg.) (00 - 00 M. Kälber: a. Doppelender feinste Mafi (Lebendgew.) 00 — 00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M. b. feinste Mast- (Vollmilchmast) und beste Saugkälber (Lebendgew.) 57—59 M., (Schlachtgew.) 95—98 M., c. mittlere Mast- und gute Saugkälber (Lebendgew.) 50—55 M., (Schlachtgew.) 85-93 M., d. geringe Saugkälber (Lebendgew.! 40—49 M„ (Schlachtgew.) 68 - 83 M. Schafe: A. Stallmastschafe: a. Mast- lammet und jüngere Masthämrnel (Lebendgew.) 42—00 Mk., (Schlachtgew.) 88—00 M., b. ältere Masthärnrnel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht) 00-00 M., (Schlachtgew.) 00—00 M., c. rnäßtg genährte Hammel und Schafe (Merz-Schafe> (Lebendgewicht) 00 —00 M., (Schlachlgwicht) 00-00 Mark, d. Marschschafe ober Niederungsschafe (Lebendgew.) 00—00 M.. (Schlachtgew.) 00—00M. B. Weidmastschafe: —. Schweine: a. vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 46-49 M, (Schlachtgew.) 50—62 M., b. vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 16—49 M., (Schlachtgew.) 59-61 M., c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 46—49 M., (Schlachtgewicht.) 59—62 M., d. vollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 45—48.50 M., (Schlachtgew.) 56— 60 Mark, e. Fetlschweine über 150 kg Lebendgewicht (Lebdgew.) 00- 00 M, (Schlachtgw.) 00 -00 Mark, t. unreine Sauen und geschnittene Eber (Lebendgew.) 00 - 00 M., (Schlachtgew.) 00-00 M. — Von den Schweinen wurden am 17. Juli verkauft: a. Lbdgew. zum Preise von 49 M. 26 Stück, von 48'/, M. 65 Stuck, von 48 M. 126 Stück, von 47'/, M. 90 Stück, von 47 Mark 93 Stück, von 46'/, M. 43 Stück, von 46 M. 14 Stück, von 45'/, M. 0 Stück, von 45 M. 0 Stück! b. Schlachtgewicht zum Preise von 63 Mk. 35 Stück, von 62'/- Mk. 10 Stück, von 62 M. 152 Stück, von 61-/- M. 19 Stück, von 61 M. 137 Stück, von 60 M. 225 Glück, von 59 M. 51 Stück, von 58 M. 3 Stück, von 57 M. 13 Stück, von 56 M. 8 Stück. — Markt- verlaus: Bei Rindern war sehr gedrückter Geschäftsgang infolge der Marklspeere. Der Kälber- und Schafhandei verlief ruhig. Der Schweinemarkt war rege; es bleibt Ueberstand.
Kttrjer »etreide-wochendericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschaft- rats vom 11. bi? 17. Juli 1911.
Der internationale Getreidemarkt stand in der letzten Woche unter dem Eindruck des ungünstigen Saatenstandsberichtes der Bereinigten Staaten vom
1. Juli, der für Winterweizen 76,8 Prozent gegen 80,4 Prozent am 1. Juni b. I., für Sommerweizen sogar nur 73,8 gegen 94,6, für Roggen 85,0 gegen 88,6, für Hafer 68,8 gegen 85,7, für Gerste 72,1 siegen 90,2 unb für Mais 80,1 gegen 85,4 im Vorjahre ergab. Da die furchtbare Hitzwelle erft nach dem 1. Juli ein setzte, lauten die obigen Ziffern noch zu günstig. Allerdings wird der geringere Ertrag durch eine größere Anbaufläche zum Teil wieder ausgeglichen; so ist die gesamte Weizenfläche in diesem Jahre nm fast 4 Millionen Acres größer als im Vorjahre, die Maisfläche um fast 2 Millionen. Dazu kommt noch, daß die Getreidevorräte in diesem Jahre außergewöhnlich groß sind, und daß Kanada eine gute Ernte erwartet. Die Nachrichten aus Rußland waren auch in dieser Woche infolge der Dürre im Zentralgebiet recht ungünstig. In Deutschland verkehrten die Getreibemärkte angesichts bieser Aus- lanbslage unb bei bereits begonnenen Roggenernte zurückhaltenb. Das Angebot von neuem Roggen hat bie noch vorhandenen Reste alter Ware hervorgelockt, die zum Teil nur bei weichenden Preisen abgesetzt werden konnten. Die Qualität des neuen Roggens
wird noch verschieden beurteilt, doch soll das Korn vielfach von schöner Farbe und schwerem Gewicht sein. Bemerkenswert wo--, daß wiederholt Lieferung für norddeutsche Rechnung gekauft würbe. Auch bie noch nicht gehobenen Schiffahrtsschwierigkeiten wirkten auf ben Umsatz in Roggen unb Weizen hem- menb. Die Preise von Weizen waren leichten Schwankungen unterworfen: überwigenb gestaltete sich bie Stimmung für spätere Lieferung schwächer, währenb sich für nahe Sichten etwas Deckungsbegehr bemerkbar machte. Sehr fest war bie Stimmung am Hafermarkte angesichts ber hohen Forderungen der Provinz und Rußlands. Für Gerste waren die Forderungen billiger, dagegen verkehrte Mais in fester Haltung.
Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzten Markttage in Mark pro 1000 Kilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (+) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigesügt ist wie folgt:
Weizen Roggen
Danzig 206 ( + 2 ) 167 ( - 3 )
Berlin 210 ( + 1 ) 170 ( — 2 )
Frankfurt 210 ( ) 170 ( — 5 )
München 218 ( — 3 ) 193 ( — 3 )
Hase,
170 ( )
188 ( )
190 ( )
198 (—2)
Juli 213.00
Weltmarktpreise: Weizen: Berlin Juli 213.00 (4- 1.00), Sept. 198.25 (—0.25), Budapest Okt. 187.70 (— 8 05), Liverpool Okt. 151.85 (— 1.85), Pari» Juli 199.35 (—1.90), Chicago Juli 132.80 (— 5.45). Roggen : Berlin Juli 167.25 (- 2.00), Sept. 166.25 (- 0.25). Hafer: Berlin Juli 166.50 <+ 1.75), Sept. 166^25 (4- 2.75). Mais New-York Sept. 118.50 (-f-1.80) Kutte«« gerste cif. Hamburg 123.50 (— 0.00) Juli 121.00 (— 0.00), Juli alt 116.20 (— 0.00) Herbst 112.00 (+ 1.50) Mark per 1000 Kilogramm.
Reklamen- und Anzeigenteil.
Cigaretten.
' Etwas für Jie?
Salem Aleikum
Ggaretfe des Eeinschmedcera!
N? 314». 5,6. 8.10
Preis:3!4» S. 6 81OP?g.«LSL
ftoteSis etwas feines rauten dann empfehlen "wir J hnen:
Jnli. HngcZiefz, Dresden
Tausendfach bewährte Nahrung bei:
Brechdurchfall, «indermehl. 013^06, -tonkenkost. Darmkatarrh.etc.
Die Macht des Gewissens.
47] Roman von Erich Friesen.
Eine Weile liegt Ruth ganz still ba. Dann flüstert sie mit Anstrengung:
„Ich fühle mich ganz wohl, Frau Davis. — Sagen Sie mir — wann würbe mein Kinb, meine liebe, Keine Tochter geboren?*
„Gestern früh, Madam.*
„Ach ja, richtig — gestern. — Wie lang' ich geschlafen habe! — Ich möchte meinen Gatten sehen, Frau Davis!*
„Ich werde ihn sofort rufen lassen, Madam. Aber Sie müssen mir versprechen, sich ganz ruhig zu verhalten."
Ein mattes Lächeln umspielt Ruths bleiche Lippen.
„Ich bin ganz ruhig, Frau Davis. — Sagen Sie inir — ein Kind, ein liebes, kleines Kind ist ein Ge- (chenk des Himmels, nicht wahr? Ich sollte wohl ehr glücklich darüber sein, wie?'
»Gewiß, Madam! Aber bitte, regen Sie sich nicht «ufl Ich werde Ihren Herrn Gemahl jetzt holen.'
Ruth schließt die Augen. Ste ist müde — ach, fo müde.
■ Nach wenig Minuten schon kehrt die Wärterin zu- küff; ihr auf dem Fuße folgt Armin. Mit besorgtem Blick auf die bleiche Frau dort auf dem Krankenla- (jer verlaßt die Wärterin das Zimmer.
Die Gatten sind allein. Wortlos kniet Armin neben dem Bett nieder. Stundenlang hatte Ruth ohne Besinnung da gelegen. Jetzt blickt sie ihn wieder mit klaren Augen an — aber mit was für Augen! Tiefe, hunfle Schatten lassen dieselben unnatürlich groß erscheinen. Hm den bleichen Mund lagert ein rührend schmerzlicher Zug.
„Meine Ruth! Mein süßes Lieb!' murmelte er Mit fast efftickter Stimme, ihre magere, fast durchsichtige Hand mit heißen Küssen bedeckend.
„Armin', haucht sie letfe, „ich möchte mein Kind sehen. Bringe es mir!'
„Nicht heute, mein Lieb, du bist noch nicht kräftig genug.'
Dieselbe Antwort aus dem Munde des Gatten, wie vorhin von der Wärterin! . . . Ruth schüttelt den Kopf.
„Ich kann nicht ruhig sein, ehe ich mein Kind gesehen habe. Ich will es in meinen Armen halten; ich will seinen Keinen Kopf an meine Brust drücken. Dann will ich schlafen — aber erst mein Kind, meine liebe, Keine Tochter!'
_ Armin schweigt. Sein Gesicht tvird noch um einen Schatten bleich«. Fester umschließt er die bebenden Finger mit seinen kräftigen Händen. Unruhig bewegt Ruth den Kopf auf dem Kissen hin und her.
„WaS hast du, Armin? Weshalb bringst du mir nicht mein Kind?'
Armin steht auf unb seht sich auf den Bettrand. Sanft schiebt er den Arm unter ihren Nacken, beugt seinen Kopf hinab unb drückt ihre Wange an die seine.
„Ruch, mein liebes Weib — komm, lehn' dich an mich, gib' mir deine Hände — so! Dl weißt, wie ich dich liebe.'
„Ja, ja, gewiß — ab« sprich, sprich!'
Ar Atem geht rasch. Zwei rote Flecken glühen auf ihren schmalen Wangen.
„Es hat demjenigen, b« uns baS Kinb gab, gefallen, e8 wieder zu sich zu nehmen, Ruch,' sagte er enbtid) langsam, zögernd.
„Du meinst, das Kind ist — tot?' fragt Ruch mit bebend« Stimme.
„Mein teure» Weib, fasse dich! Wir , . .*
„Das Kind ist - tot?'
„Ja, Ruch. ES ist tot*
„Dank Dir, mein Gott!* Ein tiefer Seufzer ber Erleichterung hritt Ruch'» Brust. Sie faltet die Hände; chre Lippen bewegen sich tote im Gebet. „Ja, ich danke, mein Gott;* wiederholt sie leidenschaftlich. .Wie hätte ich meinem Kinde eine gute Muter fein
können, ich' — sie stockt. „Nun bleiben ihm bie Leiben unb Kämpfe hier auf Erben erspart — Dank Dir, (Sott! Ich bin nicht unglücklich, nein, burchaus nicht
. . Jetzt bringe mir mein Kinb, Armin!'
„Ruth, es ist tot!'
„Ich weiß, ich weiß! Aber ich möchte ben Keinen Körper fühlen, wenn auch bie Seele ihn schon verlassen hat. Ich möchte mein Kind sehen — ein einziges Mal nur.*
Fieberhaft glänzen Ruths Augen; bie Röte auf ihren Wangen vertieft stch. Erschreckt ruft Armin die Wärterin.
„Sie regen Ihre Frau auf!* ruft diese vorwurfsvoll mit einem bedenklichen Blick auf bas fieber- glühenbe Gesichtchen. „WaS haben Sie mit ihr gesprochen, H«r Skott?*
„Ich habe ihr gesagt, baß uns« Kinb tot ist —*
„Ja, unb ich bin glücklich barüb«,* fügt Ruth lebhaft hinzu.
De Wärterin schüttelt ben Kopf. Sinb schon wie- ber Fieberphantasien im Anzuge? . . .
Unb abermals bittet Ruth, nan möge ihr das Kind bringen.
Armin kann nicht mehr widerstehen.
„Holen Sie es, Frau Davis!*
„Rein, nein*, wchrt Ruch hastig ab. „Du sollst e» Holm, Armin. Ich will mein Kind in ben Armen seines Vaters sehen — einmal, ein einziges Mal nur!'
Unb Armin verläßt ba» Zimmer.
Jetzt nähert sich die Wärterin dem Bett.
„Sie regm sich auf, Madam. Sie werden wieder kränker toerben —*
„Nein, nein, Frau Davis. Ach, Sie können mich ja nicht verstehen! Ich kann nicht schlafen, ehe ich nicht mein Kinb gefdjen habe. Wenn mein Mann e8 mir bringt, lassen Ste uns ein paar Mtnutm allein. MH verspreche Jhnm, ganz ruhig zu sein.*
Gleich darauf kehrt Armin zurück- auf dm Ar« men ein winzige», ganz in duftige.Spitzm gehülltes Etwas,
Dir Wärterin hat sich entfernt Die Eltern sind allein mit ihrem totm Kinde.
Mühsam richtet Ruth sich im Bett empor. Mit ganz eigenem Ausdruck blicken ihre Augen auf das winzige, wachsgelbe Gesichtchen, von welchem Armin soeben dm Schleier hebt . . .
Ein glückliches Lächeln huscht über die bleichen Züge b« jungen Mutter, als sie für einen Augenblick bie kalte Stim bes KinbrS mit ihren Lippen berührt ...
Dann sinft sie tief aufatmenb in die Kissen zurück.
„Danke, Armin — nimm es wieder fort!* fagt sie leise. „Ich werbe jetzt schlafen. In meinen Träumen wird bie Seele meines toten KinbeS zu nnrsprecheu. Ich bin eine sehr glückliche Mutier. Gute Nacht!
33. Kapitel.
Vinzehn Tage lang kämpft ba» junge, ach, so ge- knickte Leben mit bem Tobe; vierzehn Tage lang leibet Armin bie höchsten Qualen, deren eine Menschenseele fähig ist. Das einzige Wesen, welches diese kalte, egoistische Natur liebt, an dem er hängt mit jeder Fiber seines Herzms — schon scheint cS ihm zu entfliehen. Selbst bie Aerzte habm die Hoffnung aufge- gebm.
Da tritt plötzlich, ganz unerwartet, eine Besserung ein DaS Fieber verliert sich. Zwar ist Ruth so schwach, daß ste keinen Finger zu heben, kein Wort zu sprechen vermag. Doch eS ist kein Zwcifll lang« sam, aber stetig schwindm bie düsteren Schatten des brutto weicht nicht vom Krankenlager B-wun- beruh äußern Aerzte unb Mlegertonm daß Peme einen sorgsameren, «gebeneren Satten gesehen vaven, als ihn 8 Er scheint nur von ihrem Lächeln zu leben; ihr mattes Gelüst« gilt ihm mehr als die herrlichste Musik.
Nach einigen Wochen ist sie kräftig genug, um in» Wohnzimmer getragen zu werben, unb noch ein paar Wochm später hat sie fast ihre normalen Korper- kräste tolebererlangt
EMHung folgt.)