vrrantw. Itebaheur
Erstes Blatt
38. Jahrgang
jMä 161.
leieigte: vte et» fpdrtgtpdttKileoöet
«scheint titgttq«« Kurnah»« der Sott» Feiertage, viertel»
Mrllcherverugrprerr ,hne Srtngerlohn and Vepellgrld in Znida io» »te auswärts 1.50 ÜlL
Verlag der Fuldaer M tnondsbcUage: „Klldaer Gefchichkblätter" Mm?
. Pfg-, del wieder» Holungen «trd enlfpr. Labart gewährt.
Ausland.
** Oesterreich-Ungaru. Der maßlose Groll, der sich bei den letzten Wahlen angehänft hat, wird schnell seine Entladung finden: DaS neugewählte Abgeordnetenhaur tft am Montag morgen zusammengetreten. Baron Fuchs begrüßte als ÄÜersprästdent die Abgeordneten und gab dem Wunsche Ausdruck, daß in diesem Hause wirklich dauerhafter Friede tmb Arbeitsfreudigkeit einziehen mögen. Sodann fand die Angelobung der Ab« geordneten statt.
% Anläßlich des Besuches des Königs von England in Irland kam es, so raelbd die,Frkf. Zig.', am SamStag in Belfast zu besonders schweren Ausschreitungen deS protestanti» scheu PöbelS gegen die Katholiken. Wie dort üblich, riß der Mob das Straßenpfiaster auf and bombardierte die Polizei mit den Steinen. Mehrere Personen umrdeu verwundet, eine Reihe von Läden und Häusern ganz zerstört. Hundert Personen dürste« verhaftet werden.
** Ermordung Deutscher in Mexiko. Bei den in Puebla und an einigen benachbarten Orten erfolgten Zusammenstößen zwischen den Regierungstruppen und den Anhängern Maderos sind im ganzen 135 Personen getötet worden. Die größten Verluste an Menschenleben waren in der Nähe von Covadonga zu verzeichnen, wo die streikenden Angestellten einer Textilfabrik die Gelegenheit benutzte«, in Privatbäuler« zu
_____ ' —____Ü225LJJ.
) Der Heilige Vater und der Kardinalstaatssekretär gegen die
,Eorrespondance de Rome^.
Ter Direktor des römischen Instituts der Görres- Gesellschaft, Prälat Dr. Ehfes, hat dem Papst'n einer Privataudienz den zweiten Band der Akten des Tnentrr Konzils überreicht. Der »Köln. Vztg." wird berichtet, daß der Papst mit Worten höchsten Lobes und mit warmem Dank für die namentliche Widmung den zweiten Band der Trienter Konzil- akten entgegengenommen habe.
Der Papst gab sodann seiner lebhaften Freude über die Genesung deS Frhrn. v. Hertling als des Präsidenten der Görresgesellschaft Ausdruck, desgleichen über den siebzigjährigen Mitgründer, Herrn Justizrat Eduard Müller in Koblenz. Prälat Ehses hatte sodann aus gleichem Anlaß eine längere Besprechung mit dem Kardinalstaalssekretär Merry del Val über die jüngsten Presseangriffe auf die deutschen Katholiken und wurde von diesem zu der kategorischen Erklärung ermächtigt, daß die .Correspondance de Rome' jedes offiziellen wie offiziösen Charakters entbehre und lediglich ern privates Publikations-Unternehmen mit vollständig eigener Verantwortlichkeit sei. Der Vatikan fasse seine Entschlüsse, ohne sich durch die Aufregung in der Presse beeinflufien zu lassen, in steter Fühlung mit den Bischöfen und auf Grund authen- tischer Informationen, unbekümmert um die Ueber- treibungen und Verallgemeinerungen hüben und drüben. Namentlich Stimmen aus Frankreich seien mehr vom Revanchestandpunkt aufzufajsen und nicht tragisch zu nehmen. Das Vertrauen des Vatikans aus die deutschen Bischöfe und die deutschenKatho« liken insgesamt sei durch nichts erschüttert. Auch bezüglich der christlichen Gewerkschaften liege nicht der geringste Grund zu einem neuen Feldzug gegen dieselben vor, da nichts geschehen sei, was den Papst zu einer Acnderung der dem Kardinal und Erzbischof Fischer von Köln bei wiederholten Anlässen, namentlich bei seiner letzten Romreise, erteilten Antworten veranlassen lömrte.
Diese Erklärung entspricht ihrem Inhalte und ihrer Bedeutung nach voll und ganz der entschiede- neu Bchrleidigrmg der deutschen Katholiken durch den Herrn Nunzius Frühwirt. (Bergt. Nr. 159.) Mtt den Gefühlen deS herzlichsten Dankes werden die deutschen Lkatholiken auch die noch bedeutungsvollere Botschaft aus Nom vernehmen. Der hl. Baker und sein erster veraniwortlicher Ratgeber haben in klarer Form zu erkennen gegeben, daß die oberste Kirchenbehörde nach mir vor volles Vertrauen zu den deutschen Katholiken und ihrer Arbeit hat, und daß es den Auschwärzern der deutschen Katholiken im In- und Auslande nicht gelingen kann, dieses Vertrauen zu erichüilern.
Die scharfe Abschüttelung der Dr. Kausmann'fchen Kamarilla, deren Machenschaften nur darauf gc- richlct find, einen Keil in die Einheit und Geschlossenheit der deutschen Katholiken zu treiben, ist zur rechten Stunde gekommen rmd wird in den Kreisen derer, denen das wahre Wohl der Katholiken unseres Vaterlandes am Herzen liegt, mit ungeteilter Genugtuung ausgenommen werden. Möge die Kund- gebnng des Hl. Vaters ein Ansporn fein, mit frohem Hofftti und mit stolzer dankbarer Freude weiterzu- arb.sttcn und nach wie vor in erster Linie zu ivachen über dem stolzen Gute der Einigkeit unter allen denen die das Beste der Kirche, das Beste der beul'chcn Katholiken wollen, und die auch den neuesten Angriffen gegen uns zum Heile der Sache im Verein mit ihrem geistlichen Oberhirten siegreich widerstanden haben!
totales.
Fulda, de« 18. Juli 1911.
F. Am Generalversammlung des Gartenbauvereins gestern abend in der „Harmonie* hatten P<9 77 Mitglieder eingefunden. Der Vorsitzende Lehrep Sell konnte mitteilen, daß im abgelaufenen Vereinsjahr die Zahl der Mitglieder ziemlich gleich gebltebm sei, der Kaflenbestand sei gut, die Monatsversamm- lungen wurden fleißig besucht. Er dankte allen die dm Verein durch Vorträge unterstützt haben, besonders der Stadtbehörde, die alljährlich durch einen Geldbetrag die Verteilung von Blumenstöcken an dft Schulkinder möglich mache. Das Andenken zweier, vefftorömen Mitglieder wurde in üblicher Weise geehrt Wie der Schriftführer Lehrer A n b i 6 in seinem Geschäftsbericht über das 32. Geschäftsjahr hervorhob, wurden die Monatsversammlungen von 1039 Personen, alle durchschnittlich von 87 in jeder Vev sammlung besucht. Zur GrattSverlosung kamen runl 1000 Blumenstöcke, wofür der Verein 324.30 Mk. verausgabte; eS wurden 14 Vorträge gehalten, bl An- fragen beantwortet und 25 Mitglieder ausgenommen; aus der Versteigerung von dem Verein geschennen Obst, Gemüse und Blumen wurdm 31 Mk gelöch Aus der Rechrmngsablage des KassierersR e i b Hardt ging hervor, daß der Berem. etne einnobme öon 1499.93 Mark und eine Ausgabe von 1383.10 Mk. fcatte1 der Kassenbestand hat sich um 386.49 Mk. vermehrt und beträgt jetzt 2219.70 Mk. Der Verein zählt 237 Mitglieder und 2 Ehremmtglteder. Zu Kassenrevisoren wurden Kaufmann Wiegand und Bürovorsteher Arnold gewählt. Bei der Ergänzungswahl des Vorstandes wurden Lehrer Sell, Malermeister Neidhardt, Kunstgärtner Breitenborn und Hausmeister Gutberlet einstimmig ver Akklamation
plündern. In einem dieser Häuser wurden auch mehrere Deutsche getötet. Der deutsche Gesandte v. Hintze ist Sonntag abend in Puebla eingetroffen, um Erhebungen anzustellen über den Tod der vier Deutschen, die bei dem letzten Kampfe dort umgekommen sind.
*♦ Die Revolution in Peru. Aus Lima wird gemeldet, daß während der Eröffnungssitzung der Kammer Polizeiagenten in den Sitzungssaal eindrangen und riefen: „Es lebe die Regierung, nieder mit dem Kongreß/ Es kam zu einem großen Tumult, bei dem die Polizei eingriff. Es wurden gegen 200 Re- volverschüfle abgegeben, zwei der Deputierten getötet und viele andere schwer verletzt,
♦ Tie Schwierigkeiten, in denen sich die R e g i e r u n g Persiens in der letzten Zett befand, haben, osten- bar mitrusstscher Nachhilfe, eine Gegenrevolution des srüherenSultans gezeitigt:SalaredDauleh proklamiert seinen Bruder, den abgesetzten Schah Mohammed Ali, zum Schah und hat 3000 Mann Fußtruppen und 800 Reiter abgeschickt, die Hama« dan besetzt haben. Eine dem Parlament feindliche Stimmung herrscht in Teheran, wo Unruhen wahr- cheinlich sind. Das Parlament, der Medschlis, hat n Gegenwart des Ministerpräsidenten Sepehdar iber die Lag« beraten und einstimmig beschloffen, Sardar Assad sofort zurückzuberufen, damit er mit den Führern der Rebellen verhandele. — Die einflußreichen Elemente in Persien bekämpfen einander sich aufs grimmigste; krasse Habsucht und rücksichtsloser persönlicher Ehrgeiz sind die Triebfedern dieser Kämpfe. Ein Heer nach europäischen Begriffen ist in Persien nicht einmal in den Anfängen vorhanden. Der abgesetzte Schah und sein Bruder Salar-ed- Dauleh, der über einen großen Anhang verfügt, haben, von Rußland unterstützt, unaufhörlich das Land aufgewiegelt.
(*) Das Postscheckwesen, das bisher nur auf Verordnung beruht, soll demnächst durch Reichs- gesetz geregelt werden. Die Regierung sammelt bei Handelskammem und sonstigen Interessenten und Körperschaften Material dafür. Hoffentlich kommt dann die erstrebte Portofreiheit des Der- kehrs der Kontoinhaber mit dem Postscheckamt und der Fortfall der sonderbaren Steigerungsgebühr bei mehr als 600 Buchungen.
+ Ein Offizier-Genesungsheim als Geschenk für den Kaiser. Dem Kaiser soll, der ,Post" zufolge, ein Offizier-Eenesungsheim übergeben werden, damit er über die Verwendung des Heimes frei verfügen könne. Es handelt sich um ein Offizier-GenesungSheim, das in der Nähe des Kurhauses Oberplättig errichtet werden wird. Die für den Bau notwendigen Mittel in Höhe von zwei Millionen Mark sind von der Frau General Jsenbart zur Verfügung gestellt worden und werden mit Erlaubnis des Kaisers für den oben gedachten Zweck verwendet werden. Für den Bau ist bereits ein Grundstück im Umfange von 100 Hektar angekauft worden. Das Offizier-Genesungsheim soll 40 Offizieren Aufnahme gewähren können. Die Leitung wird in den Händen eines ArzteS liegen, der auch bereits bestimmt sein soll. Der Bau soll im Frühjahr 1913 dem Betrieb übergeben werden.
-i- Nationalliberale und Fortschrittler. Von nationallideraler Seite wird erklärt, daß die Unterstützung des nationalliberalen Reichstagskandidaten im Hanauer Wahlkreise durch den Fortschritt noch nicht endgültig beschloffen sei. Die Fortschrittler seien zwar zu einer solchen Unterstützung in ihrer Mehrzahl geneigt, würden sich aber erst entscheiden, ,sobald von nationallideraler Seite gewisse Zusicherungen gegeben seien, die bei voller Wahrung bet Selbständigkeit des nationalliberalen Kandidaten den gemeinsamen liberalen Anschauungen Ausdruck verleihen sollen*. — Dieser selbständige National- liberale, der aber den Fortschrittlern zur Erlangung ihrer Wahlunterstützung gewisse Zusicherungen geben, also das Mandat erst von ihnen erkaufen muß, ist ein köstliches Produkt der nalionaüiberal.sreisinnigen Brüderschaft.
Reichstagswahlvorbereitungen.
)( „Wie du mir, so ich dir!* Nachdem die Na- tionalliberaten im Wahlkreise Mittweida-Burg- städt ihre Gegenkandidatur gegen den liberalen Kandidaten Bürgermeister Dr. Roth-Burgstädt aufrecht erhalten Haden, hat jetzt der Kreisverein der Fortschrittlichen Volkspartei im Wahlkreise Döbeln-Roßwein beschlossen, einen eigenen Kandidaten aufzustellen, und zwar Prof. Dr. Barge- Leipzig. Der Wahlkreis wird jetzt von dem Direktor des Evangelischen Bundes, Everling, vertreten, der mit Hilfe der Fortschritler in bet Stichmahl über ben Sozialdemokraten siegte. Der Wahlkreis war früher schon einmal in freisinnigem Besitz. DaS Ende vom Liede wird sein, daß der Sozialdemokrat wiederkehrt. Dem Häuptling des Evangelischen Bunde? kann man sein Schicksal nur wünschen. Seine Anwesenheit im Reichstage hat nie dem konfessionellen Frieden gedient.
△ Düsseldorf, 17. Juli 1911. Zur hiesigen Reichstagsetsatzwahl läßt sich jetzt das Schlachtfeld überbucken. Die Nationalliberalen stellen keinen Kandidaten auf. Dafür versuchen es die Demokraten mit einer solchen Kandidatur. Weiter meldet die .Frankfurter Ztg/ arrS den Kreisen der Freisinnigen:
Nachdem die Liberale Vereinigung die Aufstellung eines gemeinsamen liberalen Kandidaten für die ReichS- tagsersatzwahl unmöglich gemacht hat, verzichtete die heutige Hauptversammlung der Fortschrittlichen Volkspartei auf die Aufstellung eines Sonderkandidaten und beschloß, für den Sozialdemokraten einju« treten.
Natürlich! Seit bet Freisinn nun eine bürgerliche Filiale des Umsturzes geworden ist, kann man nur erwarten, daß et dem Zentrum bei dieser Wahl in den Rücken fallen würde. Bei der letzten Wahl hatten die Herren fteilich nur 590 Stimmen. Als ihr Anführer würde sich danach Baron von Münchhausen ganz vorzüglich eignen.
Deutsches «eich.
*♦ Berlin, 17. Juli 1911. Die Dispositionen für dcu Besuch des Prinzen von Wales beim Kai r»paar in Potsdam sind nunmehr getroffen. Prinz Albert Edward wird zusammen mit der Königin von England und der Prinzessin Mary Ende" August bet 90jährigen Großherzogin Augusta on Mecklenburg-Strelitz in Neustrelitz einen Besuch abstatten und darauf auf Einladung des Kaisers am 30. August der großen Flottenparade vor Swine ünbe beiwohnen.
** Das Ende des Reichsinvalidensonds ist dieser Tag: eingdieten und damit wird der zweite Fonds erschövft werbet», der aus der französischen d-riegs- entschädigung genommen wurde. Ter Retchskriegs- fonds ist schon länger zu Ende; es besteht.tut nach bet Reichskriegsschatz mit seinen 120 Millionen Mark in Gold, die im Juliusturm zu Spandau ruhen. Sonst ijr von den 4000 Millionen Mark nichts mehr vorhanden, so seriell wurde man mit der Riesen- summe fertig. Wohl aber noch sind vorhanden die Kriegsteilnehmer, die Rentenbezicher und die Veteranen, und hätte man nicht die neuen Steuern geschaffen, so stände man heute vor dem Nichts; erst die N e i chSf i nanzr e s » rm hat eä ermöglicht, daß nun die Renten bezahlt werden, können und daß da? Reich seine alten Soldaten nicht einfach sitzen läßt. Rund 24 Millionen Mack hat von jetzt ab bis 31. Mai 1912 das Reich aus feinen Steuer- witteln zuzuschießen und vom kommenden Jahre ab werden es etwas über 30 Millionen Mark sein, die ' der Reichskaffe mehr zur Last fallen. Diese Ursache her neuen Steuern hat man nicht überall genügend • gewürdigt; alles hat vielmehr nur darnach gerufen, daß man den Veteranen mehr geben soll; aber daß der alte Fonds für die verletzten Krieger feinem Ende entgegenging, hat man nicht immer beachtet.
)( Tas preußische Waffergeseh, das dem heutigen, auch für Fachjuttsten unüberfehbaren Wirrwarr in der wasterrechtlichen Gesetzgebung ein Ende machen soll, soll nach der ,Tägl. Rundschau' fertig gestellt worden sein und dem Landtage vor der nächsten Sitzung zugehen.
±ie Angestelltenfragen s -zierender Antrag beS Referenten fand einstimmige »nnayme. °
3» einer besonderen Resolution wurde die brinaend« Büte an bte preußische Regierung gerichtet, das Fo rt- bildungSschulges« tz dem Landtage in der nächste, Session roteber vorzulegen und in ben Lehrplan auch bte Religion aufzunehmeu. Dann stimmte man einer Reihe von Leitsätzen »u, bie der Berbandsausschuß für die Bildung von paritätischen Kaufmanns, tammetn vorschlug. Die Auswüchse im privaten Handelsschulwesen wurden bet BetbcmdSleitung zu, besonderen Beachtung empfohlen und die Sammlung von Material durch die OrtSvereine angeregt. Eine andere Resolution riet den Vereinen, sich in ben paritätischen Stellennachweisen für Kaufleute, wo solche von ben Handelskammern (wie in Köln) eingeführt werden, Einfluß zu sichern.
AIS letzter der sozialen Anträge sand in der Nach- mittagSfitzung ein Antrag auf Einführung einer Umsatzsteuer für alle kaufmännischen Betriebe (an Stelle der Gewerbesteuer) Annahme. Die Steuer soll mit dem Umsätze prozentual steigen, auch die Warenhäuser, Konsumvereine und Filialbetriede umfassen und für Detailgeschäst ein Branchen, wo brr Berdienst erfahrungsgemäß nur gering ist, wesentliche Erleichterungen bringen. Der Schluß der Beratungen erfolgte in geschlossener Sitzung. Nach langer Verhandlung wurden mit wenigen Aenderuugen die von der erweiterten Verbandsleitung vorgeschlagenen neuen Satzungen angenommen. Durch diese wird u. a. auch den deutschen Kaufleuten im Ausland die Möglichkeit gegeben, sich als Einzelmitglieder dem Verbände anzuschließen und an ben Wohlfahrtseinrichtungen (Sterbekaffe, Hilfsfonds, Stellenlosenverflcherung, Stellenvermittlung) teil zu nehmen. Der Anschluß an die Krankenkasse kann erst im nächsten Jahre durch deren Generalversammlung genehmigt werden; er wurde vom Borfland der Kass« in Aussicht gestellt. Im Prinzip wurde die Anstelluug von Landessekretären gutgeheißen und damit einem Wunsche der Süddeutschen Entgegenkommen gezeigt. Der nächstjährige Kongreß findet in Koblenz statt; Die Berbandsleitung wurde beauftragt, die Gründung einer Familienkrankenkasse für das nächste Jahr vorzubereiten; weiter wurde ihr das Recht gegeben, eine Sp arkasse für Verbandsmitglieder ins Leben treten zu lassen. . m _
Den Schluß des Kongresses bilden etne Reche festlicher Veranstaltungen am Sonntag. Nach einem feierlichen Hochamt in der Josephskirche erfolgte eine Umfahrt der Fahnendeputattonen durch die Stobt Daran schloß sich ein Festmahl.
Aus Kirche und schule.
tn> Fulda, 15. Juli 1911. Von den elf am Feste des hl. Jakobus neu zu weihenden Priestern werden die nachfolgend benannten Herren am Sonntag,; den 30. Juli ihre Primizfeier begehen: August Ackermann vormittags 9 Uhr in der Filialkirche zu Büchenberg; August Brehler um 8»/* Uhr in der Pfarrkirche zu Geisa; Martin ®riffel in bet Pfarrkirche zu Fritzlar; Joseph Filthaut in bei Klosterkirche zu Fritzlar; Leo Herbert in bet Pfarrkirche zu Johannesberg; Franz Mehlmann um 8'/» Uhr zu Geisa; Emil Weber um 9'/« Uhr in der Pfarrkirche zu Batten; Konr.W i e b e r um 9 Uhr in bet Pfarrkirche zu N i e d et- klei n; am Mittwoch, den 26. Juli feiert Herr Richard Möller um 81/« Uhr in der Pfarrkirche zu Ne» Hof fein erstes hl. Meßopfer. Die Zeit, zu welcher, die beiden Fuldaer Neupriester ihre feierliche Primiz begehen,, haben wir bereits mitgeteilt.
* Frankfurt a. M., 18. Juli 1911. Am SamStag verstarb nach längerer Krankheit der Rektor bet Strahlenbergschule, Ferdinand Noll. Der Verstorbene hat ein Alter von nur 48 Jahren erreicht. Geboren am 4. Juli 1863 zu Romsthal im Kreise Schlüchtern, erhielt er seine Ausbildung an der Präparandenanstalt in Fritzlar und an dem Kgl. Lehrerseminar in Fulda. Seine erste Anstelluug fand er 1884 zu Bocken» heim und wirkte an der dortigm Bonifatiusschule bis 1903. 1905 wurde er Rektor. Der Ver» ft ortete war sehr beliebt. Ausgerüstet mit reichen Geistesanlagen, mit umfaffendem Wissen und mit einem nie erlahmenden, eifern«, Fleiße, war er als Lehrer und Erzieher vorbildlich. B. i. p.
Berbaadstag der katholisch-kaufmännischen Vereine.
c. Duisburg, 15. Juli 1911.
Am Freitag waren die Verhandlungen des Kongresses ausgesetzt. Auf dem Programm standen Besichtigungen der interessantesten Großbetriebe der niederrheinischen benachbarten Industrie.
Am Samstag wurde zu Beginn der Verhandlungen ein Danktelegramm des Kaisers für einen Huldigungsgruß deS Kongresses verlesen. Dann wurde in zwei Referaten eine Ueberflchl gegeben über bte Forderungen des Verbandes tu den einzelnen kaufmännischen Standes- fragen und die bisherigen Erfolgen des Verbandes. Zunächst sprach der Vorsitzende des Berbandsvorstandes Dr.Tewes über die kausmännifche Mittelstands- Politik: Unsere Mittelstandspolilik, so lauteten im wesentlichen die Ausführungen des Redners, erschöpft fich nicht in dem Rufe nach Staatshilfe; im Gegenteil: wir glauben, daß ein Berufsstand, der fich nur durch die Hilfe des Vaters Staat halten kann, keine Aussicht hat, über die wirtschaftliche Misere der Gegenwart hinwegzukommen, wirerstreben eine die Selbsthilfe ergänzende Tätigkeit des Staates, die Schaffung gewisser Rechtsnormen, damit sich in diesem Nahmen die Selbsthilfe in ihrer ganzen Bedeutung entfalten kann. Der moderne Industrie- und Handelsstaat wird gefund fern, wenn aus dem Bolksganzen sich eine möglichst breite Schicht solcher Erwerbstätigen ausscheidet, welche mit einem, wenn auch mäßig großen Eigenbefitz als Betriebskapital einen Gewerbebetrieb entfalten, der sie zwingt, nrtt Energie geschäftlich tätig zu sein, ihnen zugleich aber eine gesicherte Existenz bietet und eine gewisse gehobene Lebenshaltung ermöglicht. Das gilt in gleicher Weise vom Kaufmannsstand wie vom Handwerk und vom bäuerlichen Besitz; ersterer ist aber das bedeutendste Glied dieser Gruppe. Der Staat handelt in seinem ureigensten Interesse, wenn er die Erhaltung dieses Mittelstandes fördert. Wie er dies tun soll, legte der Redner dann im Einzelnen dar. Danach erörterte er die Möglichkeiten der Selbsthilfe und tadelte insbesondere bie Zurückhaltung der Kattfleute von den Organisationen, die ihr Interesse vertreten, ganz im Gegensatz zu den Warenhäusern, Speztalgeschäften.Ftlialunternehmungen, von denen kein Betrieb nicht einer Organisation ange- schlossen sei.
In der Diskussion erklärte Abg. Dr. Pieper die Gründe, iveshalb m der letzten Landtagssession der kaufm. Mittel st andsantrag des Zentrums nicht zur Beratung gekommen tft; dies werde in der nächsten Tagung ganz bestimmt geschehen und die Abgeordneten würden es sehr begrüßen, wenn ihnen mög- lichst reichhaUiges Material zur Beleuchtung der bestehenden Auswüchse und zur Begründung der Wünsche übermittelt würde. Aus der Mitte der Delegierte» wurde besonders die Sonfumöeretnsfrage besprochen und eine Umsatzsteuer verlangt. Eine die Wünsche deS Verbandes für den kaufmännischen Mittelstand knapp wiedergebende Resolution fand einstimmig« Annahme.
Es folgte das Referat des Redakteurs Dr. Muser, Mitglied deS VerbandSvorstandes, über die Angestelltenfragen. Er schilderte die wirtschaftliche und soziale Lage der Handlungsgehllsrn, die Beschäsli- gungsmöglichkett, Gehallsfrage, Stcherung des Einkommens während einer Krankheit, nach einem Unfall, int Mer, die Arbeitszeit, der Erholungsurlaub, die AuS- und Fortbildung der männlichen und der weiblichen Lehrlinge und die Entwicklung des RechtS, soweit die Angestellten in Frage kommen, fo bezüglich der Konkurrenzklausel. In der Besprechung trat die letzte Angelegenheit sowie die Neugestaltung des Z 63 deS H.-G.-B. (Gehaltszahlung im Krankheitsfall) in den Vordergrund. Der Reichstag hat bet der letzten Novelle tu beide» Punkten nach den Wünschen des Verbandes beschlossen; der Bundesrat hat daraufhin seine Vorlage fallen lassen. Der Kongreß gab nun der Vrrbands- lettung Anhaltspunkte für eine eventuell« Verständigung mit der Regierung. Der Vorsitzende des Berbands- vereins in London, Herr Fenger, schilderte den Segen der völligen Sonntagsruhe in England und empfahl weiter, für einen ht England allgemein ein« geführten wöchentlichen freien Nachmittag zu agitieren. Es wurde dann mitgeteilt, daß in Barmen- Elberfeld fchon jetzt in großem Umfang der freie Samstagnachmittag für die Arbeiter und Angestellten der Industrie eingeführt ist und daß andere Städte, wie Hagen, Remscheid, Solingen im Begriff Md, das BeisM nachzuahme». Abg. Dr. Pieper empfahl, die Klenthandelsausschüffr rege zu benutzen, um der Re- fltetung bet Anfragen an die Handelskammern übet bte Ansichten der Detaillisten aufzulläreu; man moge sich insbesondere auch melden, wenn Fragen^dte dte Angestellten angehen, zur Debatte stehen. Ein das 4ro-
BSsessBaBBaaBsai
Fulda, Dienstag den 18. Juli 1911.
uldaerWZeitung
I OtJ, Wttzlrrr . _
woch-nbellag-:„IllustrierteSomttagyettong"