Krmht gl «u Hause. Verwundert nimmt er die verschränkt«» Annen stcht Armin BMenkarte nm dem gtttfc fim wohlbekannten Namen fester schlichen. fWLfchtfc Lippen,
gerisch du eingescharrt, -
— Und treue deutsche Maden. — O, welche Lust (tritt bei uns ein!) — Gewesener Soldat zu sein. .... — Tod euch, ihr roten Riecher, — Hoch der Verein der
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 16. Juli 1911. Auch unsere Stadt hat an Wassermangel zu leiden. Die Leitung wird nur von morgens 6—8 Uhr geöffnet, während der übrigen Zeit ist daS Wasser abgestellt. Unnützes Herauslassen
in Empfang und läßt den berühmten Arzt In sein Privatzimmer bitten.
Doktor Braffey tritt ein. Ein Moment Bilden beide Männer einander voll Interesse schweigend an. Jeder sucht in den Mienen des anderen zu lesen. Dann sagt Armin mit einladender Handbewegung:
„Bitte, wollen Sie nicht Platz nehmen, Herr Doktor? Was verschafft mir die Ehre?'
„Ihre Frau Gemahlin war vor einigen Tagen bei mir, um mich wegen ihres GesundheMzustandes zu konsultieren, Herr Skott."
Armin kann einen AuSms des Erstaunens nicht unterdrücken. Er fühlt, wie seine gewohnte Ruhe ihn für kurz« Zett verläßt.
„Schon früher einmal, als sie noch unverheiratet war, konsultierte sie mich," fährt Doktor Brasseh mit seiner sonoren Stimme fort. „Darf ich fragen, ob Sie um ihren kürzlichen Besuch bei mir wußten?'
„Nein.'
„Das dachte ich mir. Deswegen habe ich mir erlaubt, Sie aufzusuchen, Herr Skott. Betrachten Sie meine Unterredung mit Ihnen als rein vertraulich! Und vor allem — sagen Sie Ihrer Frau Gemahlin
* Rauschenberg. 16. Juli 1911. Etwa einen Kilo- meter unterhalb des alten kurheffischen Städtchens Rauschenberg findet man, nach der „Franks. Ztg.' an der Straße einen etwa einen halben Meter hohe» tarkm Sandstein in Kreuzform ohne jede Inschrift oder irgend welches Zeichen, das seine Bedeutung erläuterte. Man nahm früher vielfach an, daß an dieser Stelle vor Jahrhunderten eine Kirche gestanden habe, die — wie üblich — ein Friedhof umgab. Auch an Hinweisen auf einen während des dreißig- oder siebenjährigen Krieges an dieser Stelle gefallenen und begrabenen höheren Offiziere fehlte es nicht, trotzdem Kirchenbücher und andere Urkunden nichts darüber zu berichten wußten. Run finden sich solche Steine aber auch in anderen Orten Kurhessens (z. B. am Em- und Ausgange des Dorfes Hassenhausen im Kreise Marburg) in gleicher Entfernung von den Wohnungen an den Hauptstraßen. Es sind Lepra- S t e i u e, die dm an Aussatz Erkrankten zeigten, bis zu welcher Stelle sie sich dm Siedelungen nähern durf- ten. Es ist zweifellos, daß diese Lepra-Steine einst in viel größerer Menge vorhanden warm, als man sie heute noch findet. Sie gebm, gleich den alten Leprosenhüusern mancher Städte (wie z. B. Kölns) Kunde von der in früheren Jahrhunderten verhältnismäßig weiten Verbreitung der Lepra in Deutschland.
* Fritzlar, 16. Juli 1911. Der Kornblumentag, der mit dem Pferdemarkte verbunden war, hat die Summe von brutto 844 Mark 47 Pfg. ergeben. — Da auch hier ein Wassermangel herrscht, hat die Stadtverwaltung das alte Pumpwerk, welches Wasser aus dem Mühlgraben hinauf in die Stadt in den Kump vor der Kirche befördert, wieder in Tätigkeit gesetzt.
gegen die Kriegervereine:
Und wenn die Zeit erfüllet ward, — Wirst kric- — Es freu'n sich Kameraden
nichts davon! Es könnte sie erregen.'
Schweigend gibt Armin seine Zustimmung.
„Tatsache ist', fährt der Arzt abermals fort, seine scharfen Augm fest auf fein Gegenüber richtend, „daß Ihrer Frau Gemahlin absolut jede Auftegung fernge- haltm roerben muß. Sie leidet an einem bedenklichen Grad von Herzschwäche.'
Noch immer fchweigl Armin.
„Ich will Jhnm Mitteilen, wie ich Ihrer Frau Gemahlin zum erften Micke begegnete.' Und mit kurzen, gedrängte« Worten erzählte Doktor Braffey alles von dem Augenblick an, da er Ruth halb ohn- mächtig auf der Straße traf, bis zu jenem Moment, da et bei der Untersuchung ihrer Hebens da» blau« Band mtt dem Ring um den Hal» bemerkte.
Hier macht er eine kleine Pause Inder Erwartung, der andere werde etwas entgegnen. Aber nein. M« verschränkt«» Armen stcht Armin schweigend da. Roch
— Krieger!"
Die sozialdemokratischen Organisationen, besonders die Bildungsausschüsse, werden aufgefordert, das Buch in Muffen zu beziehen, um bei Festlichkeiten und Versammlungen gleich große Partien abzusetzen. Die „Poesie' der Genoffen fühlt sich augenscheinlich am wohlsten und heimischsten l n der Gosse!
# Karlsruhe, 13. Juli 1911. Die erstmalige Anwendung des Verhältniswahlsystems bei Ge« meide wählen in Baden hat, wie bei den Stadtverordneten«, jetzt auch bei den Stadtratswahlen vom parteipolitischen Standpunkte bemerkenswerte Verschiebungen in der Mehrheitsbildung der städtischen Körperschaften herbeigesührt. In Karlsruhe behaupteten bei den Stadtratswahlen die Volkspartei (4) und die Konservativen (1) ihre Sitze. Die Sozialdemokraten gewannen 4 (6 statt 2), das Zentrum eine (3 statt 2) und die National- liberalen verloren 5 Stimmen im Stadtrat (8 statt 13). Aehiilich war das Ergebnis bei den Stadtverordnetenwahlen. Mit der nationalliberalen Alleinherrschaft auf dem Karlsruher Rathause ist sonach aufgeräumt. In Freiburg sind die Verschiebungen im Stadtrate nicht so erheblich» da noch eine Reihe der nach dem alten Gesetz gewählten stimmberechtigten Stadträte ausschlaggebend war und zugunsten der Liberalen stimmte.
kräftigen. Sie sind jung. Sie besitz«» einen Gatten, auf den jede Frau stolz fein kann. — Sie haben also allen Grund, glücklich zu sein. Jetzt will ich Jhnm noch ein paar Tropfen aufschreiben und dann leben Sie wohl, Frau Skottl'
Gleich darauf schließt sich die Tür hinter Ruth. Ihre Angst vor dem Tode hat sich noch gesteigert.
31. Kapitel.
Die eigentümliche Unterredung mit Ruth gibt Dr. Braffey zu denken. Schon bei seiner ersten Begegnung hatte die edle Schönheit der jungen Fran einen tiefen Eindruck auf den Arzt gemacht. Er war wahrhaft erfreut, als er sie gestern so imertoartet in seinem Sprechzimmer wiedersah. Ihre augenscheinliche Angst, ihre verzweifelten Worte erregten das innigste Mitgefühl des braven Mannes. Er chnt, daß ein ganz ungewöhnlicher Fall vorliegt, dem diese junge, kaum erschlossene Menschenolüte zum Opfer fallen muß, toenn nicht eine energische Hand plötzlich Stillstand gebietet. Und wem könnte diese energische Hand wohl sonst angehören, als ihrem Gatten — dem Manne, der schon durch seine Persönlichkeit, durch die Kraft seines Wortes auf Tausende einzuwirken vermag, um wievick mehr auf die Frau, die ihn Hebt? Und weiter grübelt Dr. Braffey . . .
Wenn nun aber dieser Mann von dem Gemütszustand seiner Frau keine Ahnung hat? Wie ihm die traurige Gewißheit beibringen, daß biefdbe entweder an Halluzinationen leidet »der daß sie eine Schuld, vielleicht sogar eine schwere Schuld, mtt sich hemm- trägt?
Als gewissenhafter Arzt sowohl wie als Menschen- Seunb beschließt er, Herrn Skott persönlich aufzusu- en und ihn auf die Gefahr, welche dem Leben seiner Gattin droht, aufmerksam zu machen.
Eines Abends gegen sechs Uhr hält sein zweisitziger Wagen vor der Villa welche Herr und Frau Skott während ihre» Aufenthaltes in London bewohnen.
vermischtes.
* Auch ein „Schußverein". Die neueste Erfindung von Schuldnern, die nicht zahlen, scheint der „Schutzverein unliebsamer Gläubi« g e r" zu sein. In einem kürzlich vor dem Amtsgericht in Berlin-Mitte int Offenbarungseidverfahren beschworenen Vermögensverzenichnis findet sich folgende Erklärung des Schuldners: „Kleider und Wäsche gehören nicht mir, sondern dem Schutzverein unliebsamer Gläubiger in Berlin, dessen Mitglied ich seit Jahren bin. Den Sitz des Vereins weiß ich nicht. Ich zahle wöchentlich etwa 4 bis 5 Mark. Das Geld holt ein Bote ab.
* Unfall bei einem Feuerwerk Während der Festlichkeiten in London gelegentlich der Jnvestiiiw des Prinzen von Wales, die am Donnerstag statt« fand, sollte eine Illumination mit Feuerwerk statt- finden in Verbindung mit dem Verbrennen eines Bootes. Das dazu verwendete Schiff wurde mit leicht brennbaren Stoffen angefüllt und mehrere Personen fuhren in einem Nachen an das Fahrzeug heran, um es anzuzünden. Plötzlich schlugen Flammen aus dem Schiff hervor und gleichzeitig erfolgte eine Explosion und brennende Holzstücke flogen in den Nachen. Dabei wurde em Mann getötet und zwei andere lebensgefährlich verletzt.
Aus Oberhessen u- den Hess. Aemtern.
L Marburg, 16. Juki 1911. Hier droht ein Bauarbeiterausstand auszubrechen. Die beiden Arbeiterverbände beschlossen, aus ihren schon früher gestellten Forderungen, 1 Pfennig Zulage pro Stunde, wöchentliche Lohnzahlung und Beginn der Arbeit an Montagen um 7 Uhr früh zu beharren. — Der Wald brand am Freitag, der so großen Schaden verursachte, soll auf die Unvorsichtigkeit zweier Spaziergänger, die im Walde Zigaretten rauchten, zurückzuführen fein. Die Gendarmerie stellt Erhebungen an, um die Persönlichkeiten der Betreffenden festzustellen. Bei dem Brande wurde u. a. ein Jäger von einem Hitzschlag betroffen.
* Marburg, 16. Juli 1911. Dem ordentlichen Professor in der philosophischen Fakultät der Universität Marburg, Geh. Regierungsrat Dr. Theodor Zincke, ist der Rote Adlerorden 3. Klaffe mit der schleife verliehen worden.
* Kirchhain, 16. Juli 1911. Die hiesige Ortskrankenkasse hat mit der kgl. Eisenbahndirettion Kassel ein Abkommen getroffen, dahingehend, daß alle aus dem Berwaltungsbezick der Kasse in Heilanstalten, Krankenhäuser oder Kliniken zu überweisende kranke Mitglieder bei Benntzttng der Eisenbahn eine Fahrpreis-Ermäßigung der III. Wagen- klaffe um die Hälfte genießen. Hierzu gehören auch einmalige oder öftere Besuche z. B. nach der Marburger Klinik, jedoch sind Besuche von Spezialärzten von dieser Vergünstigung ausgeschlossen. — Am hiesigen Landratsamt wurde eine K reis assist.en- teu-Slelle neu errichtet. Dieselbe wurde zunächst kommissarisch dem landrätl. Büro-Gehilfen Schmidt übertragen. — Gegenwärtig wird das Flußbett der Klein gereinigt und ausgebaggert. Hierbei sind viele kleine Fische und Fischbrut umgekommen.
* Homberg, 16. Juli 1911. Bel Kgl. Regierung, Abteilung Domänen und Forsten, fand am Samstag die öffentliche Verpachümg der tm Kreise Homberg gelegenen Domäne Neuenstein statt. Das Areal der Domäne umfaßt 124800 Hektar, der Grundsteuerreinertrag beläuft sich auf 996.63 Mark. Zur Uebernahmt ist ein Vermögen von 50000 Mack nachzuweisen. Der bis dahin erzielte Pachtzins betrug 2024.26 Mark. Im gestrigen Termine blieb der seitherige! Pächter Reinhard Höchstbiettnder mit 2200 Mack.
falen hat, well es „bet festlichen Veranstaltungen der Arbeiterschaft an geeignetem Vortragsmaterial auf »em Gebiete politisch-sozialer Satire bisher völlig ehlt", beschloffen, eine Sammlung Gedichte von Dr. Rudolf Franz unter dem Titel „Abrechnung, Politische Versfußtritte' bei A. Gerisch in Dortmund erscheinen zu lassen. Diese duftigen Reimereien geben für die Kulturhöhe der „Genossen', für ihre gesellschaftliche Bildung höchst lehrreiche Beispiele. Dr. Rudolf Franz tritt nicht nur mtt Vorliebe seinen Mitmenschen auf einen bestimmten Körperteil, er „spuckt' ihnen auch Ins Gesicht, redet nur von „Schnauze', „Maul' und „Fresse', und toenn ihm übel wird, weiß et auch diesen Zustand naturalistisch zu schildern, lieber die Mitglieder des Herrenhauses reimt er:
Hält' einer wenigstens die Schnauze — Und sagt eS frei: Macht geht vor Recht! — Doch dies Gegirre und Gegauze ... — Pfui, Kerls! Wird euch denn gar nicht schlecht? Wie nur die edlen Mägen trotzen — So ekelhaften Redebrei! — Normale Menschen müssen k , . , .," — So würde ihnen schlecht dabei.
Nun gibt es ja zweifellos in Preußen-Deutsch- land zahlreiche Leute, deren Gefühle gegenüber dem preußischen Herrenhause nicht die besten sind. Vor allen kann man es einem „Genossen' nicht verdenken, wenn er das Herrenhaus erbittert haßt. Aber selbst der erbittertfte Haß wird sich doch niemals, wenigstens nicht bei halbwegs gebildeten Leuten zu solchen „Verssirßtrittm' versteigen. Dasselbe gilt auch von den übrigen „Opfern' dieser Dr. Franzschen „Dich- teritis': Gegen die, welche sich bei Streikexzessen und Straßenunruhen des „Lumpenproletariats' der Schutzmannschaft angenommen und ihren Dienst verteidigt haben, borniert folgendes wohlriechende poetische Erzeugnis:
--Hast du den Patron, — Der da lumpig lockgespitzelt — Für den k. Achtgroschenlohn,— An der Nase rum gekitzelt, — Haust du dem zivilen Schuft — Gar eins in die Spitzelfresse, — Ach, dann schrein die Vetteln: Luft: Polizei, wenn sie doch schösse! — Roheit! Rote Hetzerei l — Hört man es verzweifelt meckern. Und die ganze Volkspartei — Sieht man in die Hose kleckern.
Der Zar wird „Halunke' und „Mörder" genannt, „Mörderhauptmann, der den Menschenmord in Pacht hat", und der „hin und wieder als gern gesehener Ehrengast seine Gottesgnadenbrüder" besucht. Zum Schluß noch das „schöne" Gedicht „Deutscher Rat"
der Wassers tst verboten, und kann derjenige, welcher wider diese Vorschrift handelt, mit einer Geldstrafe bis zu 50 Mark belegt werden.
* Tiefenort, 16. Juli 1911. Hier wurde mit dem Roggenschnitt begonnen und verspricht die Kornernte eine recht gute zu werden. Anders ist es mit der Sommerfrucht und den Hackfrüchten; dieselben haben btttdj die große Hitze und anhaltende Trockenheit sehr gelitten.
* Aus Thüringen, 17. Juli 1911. Zum Direktor des Großherzoglichen Gymnasiums in Eisenach ist der bisherige Direttor der Großherzoglichen Realschule in Apolda, Prof. Dr. Hißbach, ernannt worden. — Durch eine amerikanische Lustschaukel wurde in Eisenach ein 20jähriges Dienstmädchen, das einen stillstehenden Schaukelkahn besteigen wollte, als die anderen Kähne noch in Bewegung waren, schwer verletzt. — Eine Beamtin des Telephonamts in Ko- burg wurde beim letzten Gewitter von einer elektrischen Entladung getroffen und so schwer verletzt, daß sie im Wagen nach Haus gebracht werden mußte. — Die Jnteressentenschaft in Gebesee bewilligte denjenigen Einwohnern, die durch die Maul- und Klauenseuche Viehverluste erlitten haben, als Beihilfe aus dem Mitgliederfonds die Summe von 4000 Mk. — Im Sommer des Jahres 1909 büßte in T ann a der 22jährige Photograph Brendel bei dem Versuch, einen Dienstknecht feiner Schwiegermutter vom Tod des Ertrinkens zu retten, sein Leben ein. Er hinterließ seine junge Frau und ein Kind in bedrängten Verhältnissen. Ans der „Carnegie-Stiftung für Lebensretter" wurden den Hinterbliebenen jetzt 2000 Mk. Unterstützung zugebilligt. — Der Gemeinderat von Greiz hat beschlossen, jedem der 28 Gemeinderats- mitglieder 50 Mk. zum Besuch der Dresdener Hhgiene- ausstellung zur Verfügung zu stellen. Greiz muß recht vermögend fein.
58. EMküI-Bersauunlitug der Ksttzolikeu MW lands in Mainz-
Die Preßkommission bittet uns um Ausnahme solgender Notiz: Bon verschiedenen Seiten gingen uns Beschwerden zu, daß einzelne Postämter sich geweigert hätten, Bestellungen auf das Festblatt anzunehmen. Wir haben uns infolgedessen beschwerdesührend an die Postverwaltung gewandt und den Bescheid erhalten, daß das Festblatt in der Postzeitungsliste (Neunter Nachtrag) eingetragen ist und alle Postämter der folgenden Länder verpflichtet sind, Beftellun- gen anzunehmen: Deutschland und Schutzgebiete, Oesterreich-Ungarn, Belgien, Bulgarien, Chile, Däne, mark mit Kolonien, Luxemburg, Montenegro, Norwegen, Niederlande, Rumänien, Serbien, Schweden, ■ Schweiz, Uruguay.
)( Fester nach jedem Sturm!
Wenn der Sturm der Parteileidenschast in Wahlleiten durch die Lande braust und aus dem verschlafensten Michel einen tapferen und energischen Vockampfer far seine Ideale macht, bann geht ein Zittern und Zagen durch die Reihen der Parteiführer. Ach so pst hat man ja nach der Wahl jammern müssen: ,
Lallen sah ich manch teures Haupt."
Das Zentrum hat von allen Parteien den Wahlen stets mit der größten Ruhe entgegensehen dürfen. Wie Pfarrer Wacker, der badische Zentrumsführer und ^Löwe von Zähringen", seinerzeit in goßen wahltak- Zischen Abhandlungen in bet „Germania' nach wies, hat bas Zentrum für vier Fünftel feiner Wahlkreise 'überhaupt nichts zu fürchten, unb für ben Rest sichere Anwartschaft auf das Mandat, sofern nut bescheidene Arbeit geleistet wird.
Jetzt wirb auch in bet „K. V.' eine ähnliche Berechnung aufgemacht, aus bet man sich ein Bild von dem Aufmarsch des Zentrums im kommenden Wahl- Winter machen kann. Da liest man:
„Von den 397 Reichstagswahlkreisen hatten am 1. Dezember 1905 nach der Tabelle 145 ober 36,5 Proz. eine überwiegend katholische, 252 oder 63,5 Proz. eine Überwiegend evangelische Bevölkerung. Da nach der gleichen Zählung die Katholiken 36,36, die Evangelischen J>2,08 Prozent der Gesamtbevölkerung ansmachten, entspricht die Wahlkreiseinteilung ziemlich genau der ton» fesstonellen Zusammensetzung der Reichsbevölkerung. Von besonderem Interesse ist, wie sich die 145 über- wiegend katholischen Wahlkreise auf die Parteien verteilen. Das Zentrum vertritt von ihnen im gegenwärtigen Reichstage 102, außerdem vier Wahlkreise mit überwiegend evangelischer Bevölkerung. An zwetter Stelle kommen die Polen mit 20 Ver- tretarn überwiegend katholischer Kreise, bann die fraktionslosen Elsaß-Lothringer mit acht, darunter fünf, die vom elsässischem Zentrum gewählt waren, sich aber nicht dem Reichstagszentrum ange- wloffen hatten. Die übrigen 15 überwiegend kaihol. «reife verteilen sich auf folgende Parteien: Sozialdemokraten 6, Nationalliberale 5, Reichspartei 2 unb Konservative 2. Bon diesen 15 Wahlkreisen entfallen Zwei auf Elsaß-Lothringen, wo die Parteiverhältnisse Doch sehr ungeklärt sind, und fünf auf Westpreußen- Posen, wo der deutsch-polnische Gegensatz eben- -falls besondere Verhältnisse geschaffen hat. Ein weiteres Mandat (Kreuzburg-Rosenberg) ist auf Grund eines alten Abkommens bisher vom Zentrum den Konservativen überlassen worden. Will man vom Zentrums- ftandpunkt Vergleiche und Schlüsse ziehen, sso muß man vorerst diese Wahlkreise außer Betracht lassen und weiterhin beachten, daß ein grober Teil der Sstlichen Wahlkreise aus nationalen Gründen für das Zentrum einstweilen nicht in Frage kommt. Man scheidet daher zweckmäßigerweise die sämtlichen Wahl- ckreise in Elsaß-Lothringen, Posen und Westpreußen, Ebenso den Regierungsbezirk Oppeln aus einer 93er« -Aeichung aus. Im übrigen Reichsgebiet gibt es noch .99 Wahlkreise mit katholischer Mehrheit, und von Mesen sind 92 (gleich 93 Prozent) im Besitze des -Zentrums.'
, Wenn vonseiten der Steuerhetz-Parteien immer Dieder von Linbau-Jmmenstabt geredet und von bevorstehenden Verlusten des Zentmms gefabelt wird, Dann wird man gut tun, sich dieser Zahlen zu erin- «em. Sie sind sehr geeignet, die Gegner wieder auf Jpcit nackten Boden der Tatsachen zu führen und Echwankmdes Vertrauen in den eigenen Reihen zu gesunden. Das Zentrum bleibt eben das Zentrum!
Deutscher Reich.
; )( „Versfußtritte". Wilhelm Liebknecht, der alte Waitivegte Agitator der Sozialdemokratie in ihren j>rei Jahrzehnten, pflegte in seinen Reden und Schrif- jjen immer wieder den Gedanken seiner Mahnung an -sein Volk" zu unterstreichen: „Die Bildung wird Juch frei machen." Im Sinne dieser Liebknechtschen Mahnung sind die sozialdemokratischen Blätter immer« »u mit Mahnungen, sich zu bilden, bei bet Hand, und Immerzu kann man in der Presse der „Genossen" in süberhebenbem Tone die Behauptung dargestellt fln- hen, die bürgerliche Presse unb bie bürgerliche Bil- fdung seien „minbertoertig", und was beriet gehässige Bezeichnungen mehr sinb. Seit einiger Zeit wirb ben Vertretern der bürgerlichen Bildung der abgrunbtiefe Ilnterschied zwischen ber bürgerlichen und sozialdemo- Uatischen Bildung sehr gründlich zu Gemüte geführt. Eie Zenttalkornimssion der sozialdemokratischen Bil- Gungsausschüsse (!) von Rheinland und West-
„Jch ließ Ihre Frau Gemahlin nichts von dieser EntdÄung merken; aber ich fragte sie, ob sie unglücklich fei. Sie gab dies zu. Ich teilte ihr mit, daß Seelenqualen ihr Leben verkürzen würden; sie solle versuchen, glücklich zu werden . . . Seitdem hatte ich nichts von ihr gehört, bis sie vor ein paar Tagen in mein Sprechzimmer trat. Sie klagte über starke Herzschmerzen. Ich untersuchte abermals ihr Herz und fand das Leiden bedeutend vorgeschritten. Da olle Anzeichen dafür sprechm, daß Ihre Frau Gemahlin einen geheimen Kummer mtt sich herumträgt, stellte ich an sie dieselbe Frage, wie vor einem Jahr. Sie gestand, noch immer nicht glücklich zu fein; doch wollte sie mir den Grund ihres Kummers nicht nennen .. . Ich halte es nun für meine Pflicht, Sie, als ihren Gatten darauf aufmerffam zu machen, daß Ihre Fran Gemahlin einem frühen Tode entgegeneilt, wenn die Ursache ihres Kummers nicht bald, sehr dato gehoben wird. Und dies liegt, meiner Meinung nach, allein in Ihrer Hand, Herr Skott!'
Zum erftenmal während der ganzen Erzählung öffnet Armin die Lippen.
„Rein.'
Der Arzt runzelt die ©time.
„Wie?"
Armin steht auf. Mit langen Schritten geht er ein paarmal im Zimmer auf unb nieder. Er ist, als ob “ "Ein^lr^sst^eine Vertrauensperson' beginnt er nach einer Weile, indem et den Arm auf den Kamin stützt und beit Kops in die Hand legt -Den Grund des Kummers meiner Frau kann ich Jchnen aller ding» auch nttch Mitteilen, Herr Doktor Aber sovlck sei Ihnen gesagt:, bevor wir beide, meine Fran und ich bie Last jenes Kummers auf uns nahmen waren wir uns vollstänbig klar über die Schwere derselben.'
Dr. Braffey schüttelt ben Kopf.
„Und es gibt lebten Ausweg?'
„Keinen.'
„Ich bin bei weitem älter als Sie, Herr Stott,' Vielleicht könnte ich Ihnen einen Rat —'
KvÄchmg f°M>
Die Macht des Gewissen;.
.45] Roman von Erich Friesen.
! „Könnte Ihnen nicht eher ein Arzt der Seele helfen als ein Arzt des Leibes?" fragt er ernst.
„Rein, o nein!'
„Sie wünschen also, Ihr Leben zu verlängern?' „Ja, wenn irgenbmöglich.'
x „Wie schon gesagt: seien Sie glücklich und zu- grieben, Frau Skott! Ein anderes Mttel gibt es für Vie nicht."
-■ „Mein Gewissen quält mich, ich kann nicht glück- ^jch fein", schluchzt sie auf.
5 Der Arzt schweigt. Ein solcher Fall ist ihm in !einer langjährigen Praxis noch nicht vorgekommen.
selch' böser Geist mag von dieser armen Frauen- eele Besitz ergriffen haben. Um ihre Gedanken ab- Iulenken, fragt er ganz unvermittelt:
• „Uebrigens — find Sie vielleicht verwandt mit ütinem Herrn Armin Skott, ber kürzlich in einer Molksversammlrmg eine verblüffend packende Rede ,Kielt? Ein ganz außergewöhnlicher Mensch, eine ausgeprägte Individualität!"
„Das ist mein Mann!"
Hell und klar klingt Ruths Stimme. Wie weg- Kewischt sind alle Wolken von dem eben noch so verdüsterten Gesicht.
. , „Ah — ich gratuliere. Ich gehöre zur entgegen» jesehten Partei — aber — die Rede hat großen Eindruck auf mich gemacht . . . Wie geht e? übrigen» mit »Ihrem Herzen, Frau Skott? Leiden Sie noch viel ‘ »grüntet?"
„Ja, ich fühle stets seine Schläge.'
„Erlauben Sie einmal!" < •'
Sorgfältig untersucht er das auch jetzt wieder fjef=
■fifl pochende Herz. Dann schüttelt er den Kopf.
„Geht es schlechter?"
Wie ein Angstruf ringt es sich von Ruth» Lippen.
„Ja, obgleich Ihr Zustand auch jetzt noch zu bes- jfern ist. Bei vollkommener gelinget wie feelrscher Muhe kann ber kaum vernehmbare^Herzton sich wieder
M 160.
Montag den 17. 3uli IM-
38. Jahrgang.
«fuldaer
Zeitung
2. Blatt.
vrnck Mb Verlag ber $ulbaer Settendrnckerei i» 8x16a.
NESTLE
Altbewährte Nahrund fürKinder und Kranke