Zeitung
fuldaer
zu werfen und die Hauptstädte des Landes Liffabon und Oporto von ihnen zu entblühen, wenn die republikanische Regierung nicht selbst die fdjtoerften Besorgnisse nach dieser Richtung hin hegen würde.
Im englischen Parlament sind in der letzten Woche zwei wichtige Entscheidungen gefallen. Das englische Oberhaus hat die Beratung der Betobill beendet und den von der Regierung entschieden be- ämpften Antrag LanSdowne, durch den verschiedene politische Maßnahmen, insbesondere die irische Home- rule von der Wirksamkeit der Vetobill ausgeschlossen werden, mit großer Mehrhest angenommen Das zweite Ereignis ist die Annahme der Seeprisenbill rm englischen Unterhaus, die an den nationalen Prisengerichten die Aenderungen vollzicht, die notwendig lnd, um den internationalen Oberprisengerichtshof ins LÄben treten zu lassen. Die Entscheidung des englischen Unterhauses bebentet einen großen Fortschritt ür das Seekriegsrecht, allerdings hängt die letzte Ent- cheidung auch hier vom Oberhaus ab, wo die Gegner der Vorlage eine große Mehrheit besitzen.
X Schutzzoll oder Freihandel?
Die Krisis im Hansabund bedeutet im letzten Grunde nichts anderes, als die Scheidung der Schutzzöllner von den Freihändlern.
Vielfach wird die Stellung der Sozialdemo- l'ratie in den Vordergrund des „Kampffeldes" gerückt Aber wenn man genau zusteht, so wird der- enige Teil des Liberalismus, der sich von der Großblock-Taktik abwendet, hauptsächlich durch die wirtschaftspolitischen Interessen be-
gen.
Vielleicht mehrt sich noch bis zum Januar in ausreichender Weise die Zahl der Liberalen, welche sich klar werden über die Unm ö gli chk e it, mit Hulse der Sozialdemokratie einen liberalen Regie- mngskurs zu erzwingen. Offenbar tft die Ernüchterung bereits in Gang gekommen.
* Für den Sozialen FerienkursuS, den die Zentralstelle des Volksvereins für das katholische Deutschland in diesem Jahr in der Woche vom 14. bis 19. August im M.-Gladbach im Vortragssaale des VolkSvereinshauses veranstaltet, liegt nunmehr das genaue Programm vor. In Vorträgen und Diskussion gelangen an nachstehenden Tagen, beginnend vormittags 9 Uhr bezw. nachmittags 3 Uhr, zur Behandlung:
Montag, 14. Aug., vormittags: Werdegang unb Wesen des neuzeitlichen Staates; nachmittags: Das Parteiwesen und die Arbeitsmechode der Volksvertretung.
Dienstag, 15. Aug., vormittags: Verteilung der Steuern auf Reich, Staat und Gemeinde. Wirtschaft» liche und sozale Würdigung unseres heutigen Finanzwesens; nachmittags: Die neue Reichsversicherungs- Ordnung.
Mittwoch, 16. Aug., vormittags: Entwicklung der Handels- und Zollpolitik des Reiches. Deutschland in der Wirtschaftskonkurrenz der Weltmächte; nachmittags: Der Jnlandsmarkt und seine Bedeutung für die Volks- wirtschaft. m
Donnerstag, 17. Aug., vormittags: Das Interesse von Handel und Gewerbe an unserer Zoll- und Handelspolitik; nachmittags: Die AgrarMe.
Freitag, 18. Aug., vormittags: Methode und Praxis der staa-sbürgerlichen Schulung; nachmittag«: Konstitutionelle Monarchie oder radikale Demokratie?
Besprochen werden also, wie vorstehende Aufzählung der Themata ergibt, Fragen, die bei dem augenblicklichen Stand unseres Staats« und Wirtschaftslebens von aktueller Bedeutung sind. Ge- bühren werden nicht erhoben. Zu decken sind lediglich die Aufenthaltskosten. Zwecks Beschaffung von Wohnungen usw. wird frühzeitige Anmeldung möglichst unter Angabe der Tage der Anwesenheit erbeten an das Voiksvereinshaus M.-Gladbach.
Gegenüber diesem dringenden Bedürfnis der VoNr- wohlfahrt würden die parteitaktischen Kunststücke der Baffermänner vollständig zu Schanden werden.
Die Logik der Tcttsachen gcht einfach dahin: Deutschland hat den Schutzzoll nötig; der Schutzzoll fft nur zu erhalten und fortzuführen mit Hilfe der Konservativen und des Zentrums; d^h halb lassen sich, auch beim „besten Willen der Regie- rung, diese Parteien nicht ausschalten, so lange die Schutzzollstage auf der Tagesordnung steht.
Das Baffermann-Rießersche Schiff wird, auch wenn es aus der Wahlschlacht „siegreich" heworgeqen sollte, schließlich auf der Klippe der Schutzzollftage scheitern. Der fetzige Scheidungsprozeß innerhalb des Hansabundes ist nur das Vorspiel zu jener großen Auseinandersetzung, die bei der Neuberatung deSZoll- tarifs vor sich gehen wird. Wer die ruhige Ent- wiiKung deS deutschen Erwerbslebens und die Erhaltung des inneren Friedens wünscht, der wendet sich schon bei Zeiten von dm ehrgeizigen und herrsch- süchtigm Großblocktaktikem ab und unterstützt die vernünftige Sammlungspolitik. Denn ohne Sammlung der positioen Kräfte aus dm verschiedenen Erwerbsständm und Parteim wird es nicht möglich sein, etnen brauchbaren Reichstag zu schaffen. Ein unbrauchbarer Reichstag, in dem der Schwerpunkt auf der freihändlerischen Linken läge, würde uns nur neue Aufregungen, schädlichen Zeitverlust, Stömngen im Handel und Wandel brin-
tUn.ßerr Rießer, der Diktator des Hansabundes, feierte die letzten Ersatzwahlen, die der Sozialdmio- ratie mehrere konservative Mandate verschafft hatte, als glückseliges Vorspiel für die allgemeinen Wahlen. Darauf sagen sich die besonnmen Gewerbetreibenden: Was soll denn auS dem Zolltarif und dm neuen Handelsverträgen werden, wenn die alles verneinende Sozialdemokratie nebst den linksliberalm Freihändlern die Mchrhest im Reichstag erlangen?
Ob Herr Bass ermann, der erste Herold im nicksichtslosen Kampf gegen rechts, die wirtschaftspolitische Tragweite feine „Taktik" erkannt hat, müssen wir dahin gestellt laffen. Ihm war und ist wohl die Erlangung der politischen Macht die Hauptsache. Er will sich und dem Liberalismus (d h. dem von ihm geführtm) wieder die Vorherrschaft verschaffen, die er zu der Blockzeit mit Hilfe des liberalifiermden Fürsten Bülow innehatte. Er denkt nun, wenn dec , blauschwarzen Mehrheit" recht viel Mandate abgejagt würden, sei es vom Liberalismus oder von der Sozialdemokratie, so werde die Regierung auf die Hilfe von Baffermann, Wiemer und Genossen angewiesen fein, so daß der Liberalismus die künftige Politik bestimmen finne
Wir haben an dieser Stelle schon mehrfach dargelegt, daß diese Rechung ein Loch hat. Die Regie- rung ist ja schon heutzutage gar nicht abgeneigt, dem Liberalismus Zugeständnisse zu machen auf dem Gebiet der idealen Jntereffm, wie das sich in Sachen der Leichenverbrennung und in der Frage des Religionsunterrichts in der Fortbildungsschule drastisch gezeigt hat. Aber trotzdem kann der Jung- und Linksliberalismus auch nach den gröhtm Wahlerfolgen der Großblocktaktik noch nicht regierungsfähig werben, da er die unabweisbaren materiellen Interessen des Reiches und des Volkes nicht zu befriedigen vermag. Der nächste Reichstag muß für neue Handelsverträge sorgen, und günstige Handelsverträge sind nur zu erreichen auf Grund eines Zolltarifs, der den bewährten Schutz der deutschen Gewerbetätigkeit nach Maßgabe der neuen wirtschaftlichen Verhältnisse und Bedürfnisse foriführi. Sollte der künftige Reichstag zur Lösung dieser Ausgabe nicht gewillt oder nicht fähig fein, so wird keineswegs die seit mehr als 30 Jahren erprobte Wirtschaftspolitik einer Aenderung unterzogen werden, sondern virimchr der R e i ch s t a g. Es würde zur Auftösimg kommen und zu Neuwahlen unter der Parole: Schutz der nationalen Arbeit!
Kühlung im Sommer, Erwarmung im Winter. Ein besonderer Wohltäter für uns ist der Golfstrom, d'e großartige Warmwasserheizung, die uns eine reichliche Portion der südlichen Temperatur aus dem Golf von Mexiko zuträgt. Ohne den Golfftrom wäre Norwegen ein ödes Eisland. Für Deutschland bringt das angewärmte Wasser aus dem Süden im Sommer keine Erhöhung der Temperatur, sondern eine Milderung der Hitze, da die starke Verdunstung Nebel und Regenwolken erzeugt, die uns bei Westwinden Regen bringen. Wenn die Niederschläge zu reichlich werden, so schelten wir über den verregneten Sommer, die ver- dorbenm Ferien, die nasse Ernte usw. Aber müssen wir unsere Klagen nicht etwas mäßigen, wenn wir hören, wie andere Völker unter einer heillosen Hitze und Dürre leiden und von ungeheuren Schadenfeuern heimgesucht werden? Die Welt ist und bleibt nun einmal ein Tal der Mängel und des Jammers; man muh schon froh und dankbar fein, wenn man einen Zipfel der Welt erwischt hat, wo sich zur Rot noch atmen und leben, schlafen unb arbeiten läßt. Ans Vaterlanb, ans teure schließ dich an; es ist wahrlich noch längst nicht das schlechteste unter den Ländern der Welt — trotz Hansabund und Sozialdemoftaiie.
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Nun muß ich dem Deutschen Rundflug um die Preise der Lüste noch einen kleinen Nachruf widmen. Gut, daß die lang ausgedehnte Veranstaltung endlich ihren Wschluß gefunden hat. Gut, daß die Sache ohne tödliche Unfälle verlaufen ist; die zwei verwundeten Flieger scheinen ja außer Gefahr zu sein. Gut, daß int deutschen Volke das Interesse für die Flugkunst geweckt ist; denn unter den heutigen Verhältnissen muß jede Großmacht sich auf das Fliegen verstehen. Ich träume durchaus nicht von einem Passagierverkehr in den Lüften mittels lenkbarer Luftschiffe ober Flugmaschinen, sondern betrachte die Sache vorläufig vom militärischen Standpunkte. Wir brau« eben Lenkballons und Flugmaschinen, um im Kriegsfälle ebenso gut ober noch besser, als unsere Gegner, die nötigen und nützlichen Erkundigungen auf dem Lustweg einholen zu können. Daher ist der Wettbewerb mit den Franzosen in Sachen der Luftfahrt kein leerer Sport. Der Deutsche Rundflug hat nun gezeigt, daß wir in den letzten Jahren bedmtend vm> wärts gekommen sind. Es wäre aber eine bedenkliche
benbei rechtfertigt sich hier die alte Klage, daß Menschenwitz und Technik für die Ueberwindung der Hitze bisher fast gar nicht vorgesorgt hat, während zur Ueberwindung der Kälte uns die mannigfachsten und wirksamsten Hilftmittri zu Gebote stehen. Ich möchte lieber eine Reise nach dem Nordpol mitmachen, als einen Sommer in der Brutofenhitze von Nordamerika zubringen.
Run hat sich zu der Sonnenglut in Kanada noch ein ungeheures Johannisfeuer gesellt: Wald- b r ä n d e in einer Ausdehnung von Hunderten von KLometern, die keine menschliche Kraft zu löschen ober einzudämmen vermag, die alles Lebende in ihrem Bereich, was nicht schnell genug zu fliehen vermag, in den Flammentod reißt. Mancher hat schon Kanada beneidet wegen des Reichtums an schönen Wäldern, die in ben alten Säubern mit sogenannter höherer Kultur leider immer spärlicher werden. Aber jede Rose hat ihre Dornen, und die ungeheuren Waldungen, die sonst eine Quelle der Wohlfahrt find, werden zu einer fürchterlichen Gefahr, wenn das trotfene Holz und das verdorrte GraS Feuer fängt . Aus Detroit wird gemeldet, daß dort bereits 500 Todesopfer festgestellt seien. In Porcupin sollen 600 Personen durch das ringsum herandrängende Feuer in ben See getrieben und 200 Personen ertrunken sein. Die lieber« lebenden in den heimgesuchten Gegenden sind von Hungersnot bedroht. Die bisherigen Telegramme geben noch kein umfassendes Bild; es sind aber noch sehr schlimme Nachrichten zu erwarten,, da offenbar der gegenwärtige Riesenwaldbrand die ftüheren Katastrophen ähnlicher Art übertrifft.
Kanada gehört bekanntlich im Winter zu den eisreichsten Ländern der Welt. Auch die Vereinigten Staaten haben, abgesehen von dem südlichen Teil, im Winter schr scharfe Käste. Das ist gerade der Unterschied zwischen dem dorttgen Klima und dem unsrigen, daß wir in Europa tatsächlich in gemäßigten Verhättniffe» leben, während in der neuen Welt auch in der sog. gemäßigten Zone die Extreme vorherrschen. Wir haben eine drückende Hitze unb eine empfindliche Kälte nur dann, wenn die Wmde cms Rußland wehen und uns an dem russischen Landklima teilnehmen lassen. Für die übrige Zeit des Jahres, und das ist die Hauptsache, sichen toir unter dem Einflüsse des Meeres, und das Seeklima bringt
159.
Samstag den 15. rnli 1911.
38. Jahrgang.
Deutsches Reich.
# Der „Raub der Selbstverwaltung" in de» Krankenkassen. Immer noch wird geflissentlich von der so- zialdemoftatischen Presse der Irrtum verbreitet, als ob durch die Reichsversicherungsordnung die Selbst- verwalümg in den Krankenkassen beschränkt oder gar abgeschafft wäre. Der angebliche „Raub" der Selbstverwaltung in den Krankenkaffen durch die Reichstagsmehrheit bildet ein beliebtes Schlagwort in den sozialdemokratischen Nörgeleien an der Reichsversiche- rungsorbnung. Demgegenüber muß immer wieder betont werden: Nichts davon ist richtig. Was insbesondere die Entscheidung über Bewilligung des Krankengel des und sonstiger Bezüge betrifft, so sind dafür ausschließlich die Organe der Kasse in ihrer Zusammensetzung aus Arbeitgebern unb, Arbeitnehmern zuständig; kein außerhalb der Selbstverwaltung der Kaffe stehender Faktor wirkt dabei mit, und bas Stimmrecht bleibt in bisheriger Weise zu zwei Drittel bei den Arbeitnehmern, zu einem Drittel bei ben Arbeitgebern. Das gleiche gilt auch von der Erhöhung der K a s s e n l e i st u n g e n innerhalb der gesetzlichen Grenzen; auch hier bleibt es bei dem Uebergewichte bet Arbeitnehmerstimmen. Eine Aenderung ist nut insofern eingetreten, als bei der Wahl des Vorsitzenden des Vorstandes sowie bei der Ernennung der Kaffen b e am t e n in ben Gruppen der Arbeitgeber unb der Arbeitnehmer getrennt abgestimmt wird sodaß hierbei bet Gesamtheit der Arbeitgeberstimmen gleiches Gewicht verliehen ist wie der Gesamtheit der Arbeitersttmmen. Was die B esch werde i n st a n z e n betrifft, so haben bisher nur Beamte entschieden, während die Reichsversichenmgsordmmg für die wichtigeren Fälle eine Mitwirkung von Beisitzern, die aus der Selbstverwaltung hervorgehen, vorschreibt. Also: nach dieser Richtung hin ist die Selbstverwaltung eher noch erweitert worden. Um so deutlicher zeigt sich, wie sehr das sozialdemokratische Gerede über den angeblichen „Raub" der Selbstverwaltung jeder Berechtigung entbehrt. Es entspringt lediglich dem sozialdemokratischen Agitation s b e d ü rfn i s s e, wie so viele andere Märchen, die heute die „Genossen" über die Reichsverfiche- rungsorbnung in die Welt setzen!
Selbsttäuschung, wenn wir auf Grund der vielen Ju- beheben glauben wollten, wir hätten bie Franzosen auf diesem Gebiete bereits eingeholt. Nein, so wett sind wir noch nicht. Die Franzosen habm aus bem Westeuropäischen Rundfluge ihre Ueberlegenheit in der Zahl und in der Leistungsfähigkeit der Flugzeuge und der Flugkünstler von neuem erhärtet; namentlich die zweimalige lleberftiegung des Kanals zwischen Dover und Calais von acht Fliegern war eine impo- fante Leistung. Was unsere deutschen Flieger auf ihrem ausgedehnten Rundflug geleistet haben, soll gewiß nicht herabgesetzt werden; doch darf man auch nicht übersehen, daß kein einziger der Flieger es .eritg gebracht hat, alle dreizehn Etappen des Rundflugs in der Lust zurückzulegen. Der eine mußte hier, der andere dort ein Teilstück auf der Erde abmachen, obschon der Wechsel der Flugmaschinen gestattet war. Es fehlt noch an der Ausdauer, an der Zuverlässigkeit. Aus diesen Puntt sollte man bet werteren Proben das Augenmerk richten. Für die milttarrschen Zwecke kommt es weniger auf den Höhen-oder Wchnel- ligkeitsrekord an, als vielmehr auf bte Brauchbarkeit des Flugzeuges auch bei ungünstigen Wetter- und Tn- rainverhältniffen. Man hat bisher offenbar zu sehr auf die Leichtigkeit des Motors hingearbeitet; fortan sollte man die S o l i d tt ä t aller seiner Teile in den Vordergrund stellen, damit nicht so viele Schaden an diesem ober jenem Teil des Motors, so hüuftge Versager vorkommen. Und auch das Flugzeug selbst muß solider gebaut werden, selbst wenn die Schnelltg- keit darunter leidet. Tenn für die praktischen Zwecke komntt ungeheuer viel auf die Lcmbungssähigkett an. Der Flieger muß nach Belieben landen und wieder aussteigen können, mich »venn nicht ein präparierter Platz oder ein geschultes Hilfspersonal zur Verfügung stehen. Darum meine ich, man fottte fortani nur Z verläksiakeits fahrien ausschretben, und dann müßte natürlich auch d-r, Wechsel, d« Maschinen mw ä S, Ä>Ä «W mit der er startet, so wird von vornherein das ganze Swnen unb Streben darauf gerichtet sein, diese Maschine in allen ihren Teilen höchst vollkommen unb widerstandsfähig einzurichten.
Rur nicht ausruhen wollen auf den Lorbeeren; so üppig war die Lorbeerernte doch noch nicht.
2. Vlatt.
vruck wib Verlag der Swlbeer Httieebtudetel tt» Hulda.
Aus Kird>e und Schule.
* Neber den Gebrauch der Orgel findet sich in der Nr 9 des Kirchlichen Amtsblattes der Diözese Mün- ter eine sehr beachtenswerte Instruktion. In einem allgemeinen Teile wird gesagt, daß die Orgel ein wertvolles und für ben liturgischen Gebrauch der Kirche geweihtes Instrument ist. Daraus wird gesol- qert, daß die Orgel schonungsvoll und würdig behandelt werden muß. „Würdig soll die Orgel beim Ge- brauche behandelt werden. Die Orgel soll durch must- kalischen Ausdruck eine kirchliche Stimmung erwecken, die Andacht heben unb forbern. Schöne, dem Herzen wohltuenbe, einfache Melodien, schwebend aus erhübe- nen Harmonien, das sind die Grundelemente, aus welcher das kirchliche Orgelspiel zusammengesetzt sein muß. Das Orgelspiel soll himmlische Ruhe atmen. Alle Künstelei erscheint als Entheiligung des Heftigsten unb Verunstaltung des Ehrwürdigsten. Lause, Passagen unb andere unpassende Modulationen müssen gänzlich vermieden werden Unwürdig ist alles weltliche, leichtfertige, theatralische, klavierartige Sptt- ten und solches darf nie geduldet werben. Das volle Spiel möge nur an Festtagen unb ba bloß zu Anfang unb Ende, sowie bei sonstigen feierlichen Anlässen genommen werden Als Begleitungsinstrument des Gesanges soll die Orgel den Gesang nie übertönen ober unterdrücken, sondern geeignet unterstützen. Während der hl. Messe unb bei Aussetzung bes Aller- heiligsten sollen sanfte Register benutzt werden." ES wird endlich empfohlen, daß der Organist nur nach guten Vorlagen spiele, unb es soll kein Organist, der nicht besondere theoretische und praktische Bildung besitzt, sich daran wagen, ein längeres, freies Spiel au» eigenem Kopse zu vollführen. In einem zweiten spe- zielten Teile werden dann besondere Vorschriften, betreffen b die Zett,, wann die Orgel zu spielen und waim sie zu schweigen hat, gegeben. Die Instruktion fdaiefft mit den Worten Kardinal Bona's (f 1674): »Der harmonische Klang der Orgel erfreut die traurigen Gemüter der Menschen, erinnert an die Freuden bet himmlischen Wohnungen, spornt die Tragen erquickt die Eifrigen, ruft die Gerechten zur Liebe, die Sünder zur Zerknirschung."
wocheU'Rundschau.
[:] Fulda, 14. Juli 1311. I Woaen bet „Empörung", die in bet stanzö- , Sßreffe wegen der Entsendung eines deutschen KE ^boots nach Agadir so schr hoch schlugen haben M rokber geglättet. Man ist zu der Erkenntnis ge- MonbetS auch ihrer Folgen das richtige ist. Da hat man" benn auf beiben Seiten plötzlich die angenehmste VerkchtSform roiebergefunben und ^wpst wte tmnwr ben Urten Strauß auf dem diplomatischen Schach- Das Geschrei über die Verletzung der Akte von Algeciras, das ^Frankreich anhob ist >m- türiu6 für die Diplomaten 1^8 .Interesses bat^ Franrreich hat, seit es von den Engländern im agyp- tischen Sudan vor bald 20 Jahren so elend zuruckge- drängt wurde, getreu dem damals nut England geschlossenen Abkommen an der Eroberung des gesamten Nordwest-Afrika von der Bai von Tunis um Tanger herum bis zur Kongomündung gearbeitet unb sich ba- bei durch die Verträge von Algeciras, bie ihm da gewisse Schranken setzte, nicht beeinflussen lassen Man hat zwar immer klug die Form gefunden, m der man diesem unbequemen Vertrage auszuweichvi vermochte, 'ohne ibn direkt zu verletzen. Man hat aber bte Spanier immer nervöser gemacht, bis diese endlich sich über den Vertrag hinwegsetzten unb offen taten, was ben Franzosen schon lange im Stillen zur Gewohnheit geworden war. Die Kriegsgefahr ist geschwunden, pber die Periode der diplomatischen Kämpfe steht uns noch bevor. Wenn der Vertrag von Algeciras nicht mehr gilt, — und kein Mensch zweifelt daran, daß ;er von allen Seiten mit Kürassierstiefeln in den Boden getreten wird —, bann muß etwas Neues geschaffen werden, das die Gegensätze ausgleicht. Für uns, für Deutschlands Industrie, kommt dabei weniger Landbesitz, als in erster Linie die Garantie für eine unbeeinflußte Ausbeutung bet Erzlager Marokkos in Frage. Das Sabelrasseln bet „France militaire", des angesehensten, aber rein privaten Pariser Militärblattes, pas grimmig betonte, Frankreich werde sich nie und stimmet einen Pfahl in Gestalt deutschen Besitzes in Marokko in das Fleisch feiner afrikanischen Besitzungen treiben und dadurch der Verfügungsmöglichkeit feiner Soldaten in Afrika rauben lassen, ist nämlich, so richttg es vom französischen Standpunkte aus auch fein möchte, rein privater Natur.
Die albanische Frage hat eine Wendung in
günstigem Sinne genommen. Von Bedeutung ist vor ollem, daß Monteliegto sich jetzt von der wohlwollenden Haltung der türkischen Regierung überzeugt hat, beim die von Montenegro ins Auge gefaßten Mobilmachungsmaßnahmen sind unterblieben; allerdings dürfte das nicht ohne einen Druck seitens der Großmächte geschchen sein. Die Besserung der Beziehungen zwischen dec Türkei und Mmttenegro zeigt sich auch darin, baß Montenegro Bet Türkei auf deren Ansuchen hin die in Montenegro weilenden Anführer der aufftändischen Albanesen ausliefern wird. Diese Besserung bet Beziehungen kann nicht ohne Einfluß bleiben auf die albanesische Aufstandsbewegung. Mit der Vetständigung zwischen der Türkei unb Montenegro verlieren die Aufftändischen nicht nur eine Zufluchtsstätte, sondern auch ben Rückhalt, ben ihnen Montenegro bisher geliehen hatte. Und so kamt man wohl annehmen, daß der Albanesenaufstand in nicht 5u ferner Zeit unterdrückt sein wird, wenn er auch
>ier unb da noch an einzelnen Stellen anfflackern Wird. (
I« Po r tu g al wstd bie Lage immer verworrener. Fast täglich laufen Nachrichten von monarchistischen Revolten und Meutereien ein, die ebenso prompt von der portugiesischen Regierung bementiert werben. Wenn auch die Nachrichten von ben einzelnen Revolten nicht immer zutreffend sind, so laffen sie doch erkennen, daß sich in Portugal Dinge vorbereiten, die den Bestand bet Republik aufs schwerste bedrohen. Das Monarchisten ihre Anhänger zu einem Schlage gegen die Republik sammeln, das geht in wett höherem Maße noch aus den Gegenmaßnahmen der republikanischen Regierung Portugals hervor. Denn was hätte es für jtinen Zweck, Truppen über Truppen an die Grenzen
Unpolitische ZeitlSufe.
(N.) Berlin, 13. Juli 1911.
(RackHruck verboten.)
Freund, ich bin zufrieden, und du kannst es auch fein. Es geht unS im alten deutschen Vaterlande nicht immer gut, aber es geht uns doch besser, wie manchen anderen Völkern. Wie z. B. den Notdametikanetn. Die seufzen i» diesem Sommer schon zum zwetten Male unter der „Hitz welle". DaS Thermometer steigt auf eine fcchelhaste Höhe; unter der trockenen Hitze erschlafft alles, die Erwachsenen sterben zu Hunderten und die Kinder zu Tausenden. Das schlimmste ist die Fortdauer der Hitze während der Nacht. Die Mchlatzimmet sind wie Backöfen, und wenn die vet- gwekfelten Leute auf der Straße eher auf dem Felde jhr Nachtquartier aufschlagen, finden sie auch noch keiften erfrischenden Schlaf. Wit brauchen gern den Ausdruck tropische Hitze. Bei dem Vergleich mit den Tropen muß man aber beachten, baß bort Menschen, Vieh unb Pflanzen, die unter der Tagesglut gelitten Jiflben, in bet langen unb kühlen Nacht sich erquicken önnen. Am Aequator sind bekanntlich bie Nächte das ganze Jahr hinburch 12 Stunben lang. Um 6 Uhr Ibends gcht bie Sonne unter, unb dann setzt sofort ohne eine umständliche Dämmerung die Dunkelheit und die Abkühlung ein. Erst um 6 Uhr am andern Morgen geht die strahlende Sonne wieder auf. In den Tropen, bie sich nördlich unb südlich ar ben Aequator anschließen, verschiebt sich die Tages- unb Nachtordnung etwas, aber doch nur in so geringem daß eine erfrischende Nachtruhe gewährt bleibt, — vorausgesetzt, daß man ent undurchlöchertes Moskitonetz besitzt. Wenn bei uns zu Lande eine große Hitze schon Ende Juli ober Anfang Juli einsetzt, fo ßmpfinden wir häufig schon Sehnsucht nach längeren dnb kühleren Nächten. Gegen Enbe her Hunbstage I. auch Anfang September gibt es ost noch recht heiße läge; aber bie Schwitzkur greift uns bann weniger n, weil wir abends reichlich frische Lust schöpfen und achts in der Abkühlung ruhig schlafen können. Dem- afolge können wir es wohl verstehen, was die Ame- ckaner gelitten haben, als die Hitzwelle kurz vor und trz nach der Sonnenwende sie heinisuchte, wo es in nferen Breiten keine ordentliche Nacht gibt. — Ne-