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fuiaaer

leistung jedes der 16 Gehöfte auf die ganz aus bq Ordnung fallmde Summe von 87 Mark heraufge- schraubt wird. Auch bei L ö s ch e n r o d mit seine, Brauerei liegen außergewöhnliche Umstände vor.

In diesen beiden Orten ist es zweifelsohne nicht die Landwirtschaft oder wenigstens nicht die Land­wirtschaft allein, auf welche die hohen Durchschnitts- einkommen zurückzuführen sind. Von den anderen gv- nannten Orten nimmt Salzschlirf eine Ausnahme- tellung ein. Man braucht nur daran zu erinnern, )aß dorthin aus aller Welt die Gichtkranken zusammen- trömen und den Eingesessenen lohnenden Erwerb bringen; die Steuerquote von 51.0 ist da weiter nicht auffallend. In den beiden andern Orten mit über­ragend hoher Steuersumme: Johannesberg (45,4 Mk.) und Rodges (44,7 Mk.) wird dagegen lediglich Lm-dwirffchast betrieben. Bei Johannesberg sst die Domäne ausschlaggebend, die den Steuerdurch- chnitt erheblich beeinflußt. In Rodges dagegen regen nur bäuerliche Verhältnisse vor.

Gehen wir die Stufenleiter der Einkommen wei­ter abwärts, dann tritt uns zunächst eine große Lück« entgegen. Zwischen 40 und 30 Mk. Einkommen bringt keine Gemeinde auf das Gehöft berechnet auf. Mit einem Einkommen zwischen 30 und 20 Mk. zählen wir 8: Bronzell 29.7, Neustadt 28.4, MelterS 26.7, Ellers 24.7, Ziegel 22.3, Haimbach 22.2, Op­perz 20.2, Steens 20.0. Von diesen Gemeinden brin­gen Bronzell, Neustadt, Ellers, Opperz an Einkom- menfteuem bis um die Hälfte mehr als an Real- steuern auf, die Erfahrung bestätigt demgemäß, daß sie industriell beeinflußt sind.

Die große Menge der Gemeinden hat eine Steuer­quote unter 20 Mark. Zwischen 20 und 10 Mk. bringen 45 Gemeinden auf, weniger als 10 Mk. 57 Gemeinden.

Wenn wir uns die Sage der 57 Orte mit einer Steuerquote von weniger als 10 Mark auf der Karte vergegenwärttgen, dann mutz uns sofort auf­fallen, datz diese gelingst wohlhabende,, <3fr meinden sich in einem schmaleren oder breiteren Kranze am Rande der Kreisgrenze hinziehen. Am breitesten ist der Kranz im Süden, er reicht hier von Veitsteinbach und Höf und Haid bis Dorfbom, unter­brochen nur von Neuhof und Flieden. Im Osten zieht er sich schmal an der Grenze hin, nur Dipperz und Armenhof reichen etwas weiter ins Land hinein. Rönshausen, Melters und Dörmbach schieben sich als wohlhabendere Gemeinden in die Reihe ein. Die Nordgrenze ist am wenigsten charcckteristisch, hier schie­ben sich Gemeinden unter 10 und unter 20 Mk. Gehöft- steuer durcheinander, während die Westgrenze wieder fast ganz geschloffen ist, lediglich Gersrod weist eine größere Wohlhabenheit auf. Nach der Mitte de» Kreises zu liegen von ärmeren Gemeinden nur Unter* bimbach, Mittrlrode, Oberrode, Istergiesel, Harmerz links der Fulda und Dirlos, Pilgerzell, Engelhelms, Eichenzell rechts der Fulda. _

Diese auffallende Regelmäßigkeit in der Sage der ärmeren Gemeinden muß wohl in der Lage auch ihr« Gründe haben. Die große oder geringeEnffemung von der in der Kreismitte liegenden Kreisstadt ist wohl von Geringerer Bedeutung, denn nächst Fulda liegen die nur knapp die 10 Mk. Geböststeuei überschreitenden Ölte Petersberg, Künzell, Edelzell, Zell, Gläserzell, während dahinter erst die Zone der mittleren Gemein* den beginnt. Von größerer Bedeutung sst jedenfalls schon die klimatische Lage, die die Güte und Ertrags­fähigkeit des Bodens bedingt. Es ist, ja ganz klar, daß, je geeigneter der Boden für die Zwecke des Ackerbaues oder der Viehzucht ist, umso eher man bei denen, die aus dem Boden ihren Unterhalt ziehen, einen gewissen Grad von Wohlhabenheit voraussetzen kann. Der Boden ist aber bei den klimattschen Ver- Ijältniffe unseres Gebietes umso steriler, je höher er liegt, je mehr er den rauhen Winden ausgesetzt ist. Die vor ben Winden geschützten Täler sind dem Ge­deihen der Feldfrüchte günsttger und der ange- ichwemmte Diluvialboden der Flutztäler gibt einen nuten Wiesengrund. Je höher, um so steiniger und magerer ist in der Regel das Land. So finden wi, denn meistens wohlhabendere Orte dort, wo die Feld-, fluten in breiteren Flußtälern ober in geschützten Sagen sich befinden, an der Fulda, der Fliede, bet Bieber, Lüder, Haun und an der unteren Röde. Im Westen, Süden und Osten hebt sich das Gelände zum Vogelsberg, zum Sandrücken und zur Rhön herauf. Rauhe Sage, magere Gründe, schiefe Hänge setzen di« Eriragsfähigkeit des Bodens herab, während die ge­segneteren Striche in den geschützteren Tälern liegen.

$ Das Einkommen im Kreise Fulda.

Der vorigjährige Verwaltungsbericht des Kreises Fulda ermöglicht einen vergleichenden Blick auf die

Jß (58.

jnliag kn 14. 3uii I9H.

58. Jahrgang.

Von diesen 64 Städten zeigen demnach 51 nach bet letzte Volkszählung eine Zunahme unb 13 eine Abnahme der Bevölkerungsziffer gegen die Volks­zählung 1905. Die größte Zunahme hat Schlüchtem mit 31,55 Proz (von 2998 auf 3944), dann folgen Lichtmau mit 21,94 Proz., Sachsenhagen 16,77 Proz., Treysa 14,68 Proz., Soden 13,49 Proz., Gemün­den 10,67 Proz., Hersfeld 10,65 Proz., Kassel 10,39 Proz., Fulda mit 10,13 Proz, und von den grö­ßeren Städten mit weniger als 10 vom Hundert: Hanau mit 9,23 Proz., Marburg mit 8,60 Proz und Eschwege mit 5,95 Proz. — Trotz des Anwachsens der Einwohnerzahl gegen 1905 ist die Ziffer von 1880 nicht wieder erreicht worden von: Amöne­burg, Felsberg, Frankenau, Helmarshausen, Neukir­chen, Rauschenberg, Schwarzenborn, Schweinsberg, Spangenberg und Zierenberg. — Ständig in ihrer Einwohnerzahl zurückgegangen innerhalb der Jahre 1880—1910 sind die Städte: Gersfeld, Sie­bmau, Niedenstein, Rodenberg, Rosenthal, Trendel­burg, Volkmarsm und Ziegmhain. — Die Bevölke­rungsziffer von 1834 nicht wieder erreicht haben:

Prozentual am stärksten ist die Abnahme der Be­völkerung im Vergleich zu 1905 bei Ziegmhain 5,57 Proz (von 1707 auf 1612), es folgen mit absteigender Ziffer Siebmau (4,11 Proz), Trendelburg (3,85), Allmdorf, Grebenstein, Rotenburg (1834 : 3636 und 1910 : 3273) Steinau unb Volkmarsen.

Borken (3,16), Gersfelb (2,43), Hofgeismar (2,24), Großalmerode (2,20), Grebenstein (1,87), Gudens­berg (1,68), Rosenthal (1,10), Rodenberg (1,02), Wanfried (0,87) unb Volkmarsm mit 0,27 Proz. —

Unser Nachbarstädtchm Gersfelb ist kotz der Bahnverbindung in ben letzten 30 Jahren in seiner Einwohnerzahl ftänbtg zurückgegangen (von 1454 (1880) auf 1440 (1905) und auf 1405 in 1910), während Hünfeld in der gleichen Zeit feine Be­völkerungsziffer von 1781 im Jahre 1880 auf 1979 in 1905 und auf 2139 in 1910 brachte, und damit den Stand von 1834 mit 2040 überholte. Die Zunahme der Bevölkemng Hünfelds mit 8,08 Proz. (gegen 1905) kann als eine verhältnismäßig recht gute be­zeichnet werden.

Die Gesamtbevölkerung der Städte unseres R e g.-B e z. — einschließlich der Flecken bezw. Sandgemeindm, die auf dem Kreistage im Stande der Städte Vertreten sind, und welche die preußische Statisttk als Städte zählt — beträgt nach der Volkszählung vorn 1. Dezember 1910 390149, b. i. gegen 1905 (361 783) mehr 28 366 — 7,84 Proz. Folgende Landgemeinden unseres Bezirks sind im Stande der Städte auf dem Kreistage usw. vertreten: Niederzwehren, Oberkaufungen, Harleshausen, Wolfs­anger, Jhringshausm im Landkreis Kassel; Bebra im Kreise Rotenburg; Fechenheim, Großauheim, Bergm, Langenselbold, Langendiebach, Döringheim im Land­kreise Hanau; Somborn im Kreise Gelnhausen; Steinbach-Hallmberg, Brotterode, Barchfeld im Kreise „Herrschaft' Schmalkalden"; und ist derm Bevölke­rungsziffer unter ben 390 f49 Seelen der Städtebe­wohner mitenthalten. — Die ortsanwesmde Bevölke­rung der übrigen Landgemeinden unseres Be­zirks am 1. Dezember 1910 war 608 188 und die der Gutsbezirke unseres Bezirks 9670.

Die Gesamtbevölkerung des Re g.-B e z. Kassel beträgt danach nach der letztm Volkszäh­lung 1008007 Seelen gegen 955 233 in 1905; d. i. ein mehr von 52 774 — 5,52 Proz. — Eigen­tümlich ist, daß von den 24 Kreism unseres Bezirks allein die Kreise Gersfeld und Hünfeld in ihrer Bevölkerungsziffer gegen 1905 zu rück ge­gangen sind, und zwar ersterer von 21353 Seelen im Jahre 1905 auf 21140 in 1910, d. i. um 213 Köpfe = 1,00 Proz., unb Hünfeld von 23 408 in 1905 auf 23 181 in 1910, b. i. um 227 ober 0,97 Proz. Die Stadt Hünfeld selbst hat, wie schon ausgeführt, eine Zunahme von 8,08 % ihrer Einwohnerschaft er­fahren, während im Kreise Gersfeld Stadt- und Land­bevölkerung abgenommen haben.

Von ben Kreism, bie nicht reine Stadtkreise sind, haben die größte Zunahme der Landkeis Hanau mit 5193 (von 51 889 [19051 auf 57 082 [1910[ und Kreis Fulda mit 4173 von 59 028 [1905] auf 63201 [1910]).

ß Die Bewegung der StädtebevSl- rnng im Regierungsbezirk Kassel Innerhalb der letzten 30 Jahre (bezw. feit 1834). ‘ Das Königlich Preußische Stattstische Sandesamt bat das vorläufige Ergebnis der Volkszählung vom 1 Dezember 1910 soeben der Oeffmtlichkett über­geben. Verlag: Kgl. Preutz. Statist. Sandesamt zu Berlin, Preis 2 Mk.) Wir bringen anhand dieser Veröffentlichung und der Statistiken von 1905 und 1880 (bezw. 1834) unseren Lesern in nachstehmder Tabelle ein genaues Bild über die Zunahme unb Abnahme der Einwohnerzahl der Städte unseres Be­zirks seit 1880 bezw. feit 1834. Unsere Statistik über bie 1834 seitens der kurhessischen Regierung borge* nommenm Volkszählung bringt nur die Bevölkerungs­ziffer der über 2000 Einwohner zählenden Gemein­den- eS war uns nicht möglich, die Einwohnerzahl der im Jahre 1834 weniger als 2000 Bewohner zäh­leben kurheffischm Städte festzustellm.

Während die Statistik des Kgl. Prmß. Statist. Landesamts auch die Fleckm und Sandgemeindm, bie auf bem Kreistag usw. verkeim find, als Städte Mfzählt, führen wir nur die Gemeinden als Städte km die nach der Kreisordnung von 1867 als Städte gelten und auch nach der Städteordnung verwaltet werden. Dec leichteren Orientierung wegen, habm wir die Städte alphabethisch geordnet, (währmd die Statisttk sie kreisweise aufzählt).______________________

2. Blatt

vrvck Mb Verlag der Sulbaer attttnbt«dtr«i hi Selbe

Einkommmsverhältniffe In ben Landgemeinden uns«- res Kreises. Nicht baS tossächliche Einkommm, wohl aber das Verhältnis, in bem das Einkommen In den einzelnen Gemeinden zu einander steht, läßt sich er­kunden. Teilt man bie für jebe Gemeinde angegebene Einkommmsteuersumme durch bie Zahl bet Gehöfte, bann ergibt sich, daß an Staatseinkommensteuer im Tkirchschnitt auf je ein Gehöft entfallene

unter 5 Mark in: Armenhof 2,4; Weidmau 3,1- Pfaffenrod 3,4; Blankenau 8,9; Stork 4; Brand­los 4,2; Welkers 4,4; Rauppen 4,5; Dietershausen 4,7; Veitsteinbach 4,8;

zwischen 5 unb 10 Mark in: Hosenseld 5,2; Istergiesel 5,40; Hattenhof 5,42; Hainzell 5,44; Stein- haus 5,71; Kleinlüder 5,72; Hauswurz 5,73; Höf und Haid 5,8; Schletzenhausen 6,0; Jossa 6,1; Rothemann 6,2; Lüdermünd 6,3; Wolferts 6,40; Oberrode 6,48; Finkenhain 6,500; Rödergrund-Egelmes 6,500; Rückers 5,6; Magdlos 6,8; Bernhards 7,09; Mittelkalbach 7,09; Döllbach 7,5; Büchenberg 7,62; Elters 7,68; Marbach 7,8; Engelhelms 7,9; Steinau 8,3; Unterbimbach 8,4; lilaerzell 8,55; Dipperz 8,58; Buchenrod 8,59; Rom- merz 8,69; Müs 8,78; Kämmerzell 8,8; Zillbach 9,0; Melzdorf 9,0; Dorfborn 9,07; Poppenrod 9,10; «Riebet« kalbach 9,12; Eichenzell 9,34; Friesenhausen 9,55; Eichenrod 9,36; Uffhausen 9,39; Mittelrode 9,50; Harmerz 9,51; Dirlos 9,6; Hofbieber 9,8; Schweden 9,9;

zwischen 10 und 20 Mark in: Traisbach 10 2; Flieden 10,30; Wissels 10,37; Oberdimbach 10,4; Dassen 10,5; Giesel 10,7; Petersberg 10,9; Rönshausen 11,1; Niederbieber 11,3; Kerzell 11,63; SunjeD 11,64; Edelzell 11,9; Zell 12,0; Malkes 12,2; Wittges 12,5; DieterShan 12,8; Gläserzell 13,1; Almendorf 13,2; Kohlgrund 13,5; Zirkenbach 13,6; Wiesen 13,7; Wissels­rod 13,8; Eichenau 13,9; Horas 14,2; Reinhards 14^; Lange.ibieber 14,4; Lütter, 14,9; Gersrod 15,1; Keulos 15,2; Lehnerz 15,5; Rex 16,14; Riesig 16.18; Dörmbach 16 4; Maberzell 16,8; Minus 16,9; Tiefengruben 17,0; Besges 17,10; Niederrode 17,16; Eickels 17,6; Neuen­berg 18,2 Margrethenhaun 19,3; Böckels 19,4; Stöckels 19,7; Großenlüder 19,8;

zwischen 20 und 30 Mark tn: Steens 20,0, Opper, 20,2; Haimbach 22,2; Ziegel 22,3; Ellers 24,7; Melters 26,7; Neustadt 28,4; Bronzell 29,7;

darüber: Löschenrod 42,6; Rodges 447; Jo­hannesberg 45,4; Salzschlirf 51,0; Kohlhaus 87,0.

Das sind ganz außerordentliche Verschiedenheiten. Im Durchschnitt kommt auf ein Gehöft eine Staatseinkommensteuer von 13,04 Mk. Davon weicht die Quote für die Gemeinde Armenhof nach unten um 10,64 Mk., die für Kohlhaus nach oben um 73 96 Mk. ab. Unter der Durchschnittssteuer bleiben 75' Orte, bis 20 Mk. Steuer haben noch 27 Orte, dar­über liegen nur 12 Orte, davon 5 mit über 40 Mk. Steuer.

Die Regel bilden also im Kreise Gemeinden mit geringem Einkommen. Bei den Orten mit ehr hoher Einkommensteuerquote können keine norma- len Verhältnisse vorliegen, darauf deutet der unge­mein große Abstand vom Kreisdurchschnitt hm und die geringe Anzahl dieser Orte. Man wird vermuten dürfen, daß hier andere Erwerbsgelegenheiten als die sonst im Kreise vorherrschende Landwirtschaft das Einkommen beftimme t oder daß, wenn doch die Land­wirtschaft das Haupteinkommen gewährt, der land­wirtschaftliche Betrieb unter Bedingungen arbeitet, die einen ausnahmsweise lohnenden Ersolg sichern

Ob andere Erwerbsgelegenheiten maßgebend sind, würde man sofort erkennen, wenn aus der Steuerauf- stellung die A r t des Einkommens (nach § 6 desEink.- St-Ges.) erkennbar wäre. Diese Steuerarten sind aber nur in den Generalsummen und nur für die Einkom­men über 3000 Mk. angegeben, deren Anzahl (148 unter den insgesamt 3350 Steuerzahlern) ganz ver­schwindet; sie können uns also keinen Fingerzeig geben. Einen andern Anhaltspunkt könnte uns das Verhältnis der Einkommensteuer zu den Realsteuem geben. Die Realsteuem sind in der Hauptsache Grund- teuem (unter 99 784 Mk. Realsteuem sind nur 8548 Gewerbesteuern). Im Durchschnitt ist das Verhält­nis der Einkommensteuer zu den Realsteuem 100:130. Dort wo dieses Verhältnis sich stark zu Ungunsten der Realsteuem verschiebt, muß offenbar das Einkommen zum erheblichen Teile aus anderen Quellen fließen als aus dem Gmnd und Bodm.

Sehm wir daraus die außergewöhnlich steuerkräf- tigen Orte Kohlhaus, Salzschlirf, Johannesberg Rodges und Löschenrod an, dann finden wir, daß allerdings zwei von ihnen, Kohlhaus und Lö­schenrod mnd doppelt so viel an Einkommen­steuer aufbringen wie an Realsteuem. Hier müssen demnach andere als die landwirtschaftlichen Einkom­mm ausschlaggebmd sein. In der Tat ist es in Kohlhaus ganz offenbar auf die Zellulosefabrik zurückzuführen, datz der Durchschnitt der Steuer-

Städte

Ortsanwesend. Bevölkerung 1910j 1905 | 1880 | 1834

Zunahme (+) A',nähme (—j von 1506—1910

über­haupt |

vom Hund.

Ullendorf

2801

2864

2835

2952

—63

2,20

Amöneburg

882

862

988

—

+20

2,32

Borken

1226

1266

1248

—r-

-40

3,16

Cassel

153078

13867®

58 290

27 302

+14408

10,39

Eschw.ge

12 546

11841

9006

5349

-705

5,95

Felsberg

995

941

1006

——

-54

5,74

Frankenau

1002

980

1067

■■■*

-22

2,24

kantenberg

3526

3314

2694

3228

-212

6,40

1,36

Fritzlar

3495

3448

3021

2864

-47

htlba

22488

20419

11507

10108

+2069

10,13

Gelnhausen Gemünden

4858

1558

4800

1404

3744

1366

3589

4 A

-58

-154

1,21

10,97

Gersfeld

1405

1440

1454

-35

9,43

Grebenstein

2210

2252

2357

2495

-42

1,87

Skofialmetobe

3274

3178

2477

1842

+96

3,02

Gudensberg

2152

2163

1878

—

+11

0,51

Hanau

37 473

34 307

23 086

13 983

+3166

9,23

Hersfeld

9613

8688

7065

6387

-

-925

10,65

Helmarshaus.

1314

1277

1361

—

-

-37

2,90

Hofgeismar

4765

4874

4244

3195

-109

2,24

Homberg

3714

3596

3551

3461

-118

3,28

Hünfeld

2139

1979

1781

2040

-160

8,08

Jmmenhaus.

1971

1866

1308

-111

5,97

Karlshasen k'rchhain

1908

1903

1755

—

-5

0,26

2421

2340

1877

■ **

-81

3,46

' chlenau

1701

1395

1443

—

-306

21,94

ebenau

536

559

626

—

-23

4,11

Marburg

21868

20136

11225

7791

+1732

8,60

Melsungen

4138

3940

3649

3708

-189

5,03

Naumburg

1401

1376

1309

—

-25

1,82

Neukirchen

1570

1492

1675

——

-78

5r23

Neustadt

2201

2066

2168

—

-135

6,53

Niedenstein

587

597

608

——

-10

IM

Obernkirchen

4220

4211

2786

1578

-9

0,21

Oldendorf

1951

1941

1591

—

-10

0,52

Orb

4112

3925

3678

-178

4,76

Rauschenberg

1079

1047

1201

—

-32

3,06

Rinteln

5720

5329

4334

3159

-391

7,34

Rodenberg

1653

167t

1720

—

17

1,02

Rotenburg

3273

3109

3186

3636

-164

5,28

Rosenthal

986

997

1108

-11

1,10

Sachsenhagen Salmünster

968

1542

829

1426

821

1255

-139

-116

16,77

8,13

Schlüchtern

3944

2998

2589

2112

-946

Schmaikalden Schw^r„«nb:rn

10 027

827

952:

797

6462

928

5381

-498

-30

5,23

3,76

Schweinsbg. Soden

809

1279

780

1121

866

948

i-28

-152

3,72

13,49

Sontra

2066

2056

1999

-10

0,49

Spangenberg Steinau

168b

2257

1658

2179

1804

2279

2402

-30

-78

1,81

3,58

Tann

1144

1073

1172

—

-71

6,62

Trendelburg

Trenla

625

3555

650

3100

781

236t

2399

—25

+455

3,85

14,68

Volkmarsen

2214

2221

2358

2707

-6

0,27

Waldkappel

1030

1039

119t

—

_9

0,87

Wächtersbach Wanfried

1157

2369

1211

2367

1229

2038

_

1623

-

1-46

3,80 0,08

Wetter

1300

1199

1180

-101

8,42

Windecken

1724

1657

1522

—

-67

4.04

Witzenhausen

4065

3788

3171

2739

1-277

7,31

Wolfhagen Ziegenhain

2624

2559

2809

2752

HS

2,54

1612

1707

1745

-95

5,57

Zierenberg

1402

1389

1554

—

+13

0,94

Rechtsanwalt Dr. Peguitto«.

Aus dem Französischen.

Eine Bewegung der Neugier durchlief den Schwur- ^erichtssaal, als Dr. Pegouillou, ein viel beschäftigter Rechtsanwalt in Paris, der Zeugenbank zuschritt, um gegen dm Angeklagtm auszusagen. Den berühm- ten Advokaten in der Rolle eines Anklägers zu sehen, war man nicht gewohnt. Hunderte Male schon hatte num feine Stimme in diesen Räumen zur Verteidi­gung von Schinken der verschiedmstm Gattung er­tönen hören. Er war der Beschützer der Diebe und verstand es, im verruchtesten Meuchelmörder unsicht­bare Tugenden zu entberten.

Dr. Peguillon gilt als eine Berühmtheit unter der gesamten Advokatenschaft, und fast in allen Kri- minalprozessen glänzte sein Name. Alle Mörder ris- sm sich um ihn. Er war der Meister des Wortes, ein Meister der Verteidigung. Seinen Bemf liebte er nicht nur leidenschaftlich, sondern auch aus inner­ster Ueberzeugung. Infolge einer ihm allein eigen­tümlichen Anschauung der Dinge hatte es er dahin gebracht, jedes, auch das verabscheuungswürdigste Ver- brechm ,nur vom Standpunkt der Verteidigung aus zu betrachten. Für ihn gab es überhaupt kein Ver­brechen, sondem mir einen Rechts fall. Ereignete sich eine jener blutigen Taten, welche Entsetzen und Granen in der «menschlich fühlenden Seele wachmfm, er dachte nicht daran die allgemeine Entrüstung zu teilen, sondem beschäftigte sich ausschließlich mit der sachgemäßen Beurteilung des Falles vom Standpuntt des Verteidigers. Er wußte sich alle begleitenden Nebenumstände zu Nutze zu machen, Zweifel zu weckm unb durch die Gewalt seiner Rede auf die Geschwore­nen zu wirken. In seiner Stimme sand er Töne, die »um Herzen sprachen und rührten. Sein eigenes Auge erglänzte in einem feuchten Schimmer, und feine Gebärden wirkten erschütternd auf die gesamte Zuhörerschaft. Niemand verstand es besser, als er,

herzzerreißendes Elmd in glühenden, lebenswarmen Farben zu schildem und dem Gespmste des Hungers greifbare Gestalt zu verleihen. Er bezeichnete die Ge­sellschaft als die allein Schuldkageude an dem Ver­brechen seines Schützlings, bedrohte die Richter mit ewigen Gewissensbissen und skeckte die Arme aus und rief: „Erbarmen für diesen Unglücklichen!" Das war aber kein Gaukelspiel von Setten Dr. Peguillou's. Er selbst schien durchdrungen von dm Gründen, wel­che er geltend gemacht, und wenn der Erfolg feinen Bemühungen nicht entsprach, bemächtigte sich seiner stets ein peinliches Gefühl, als sähe er einen Mm- schm vor sich, ben man unschuldig verurteilte. Und jetzt war er es, der gekommen war, einm armen Teu­fel anzuklagen, einm unglücklichen Familienvater, dm äußerste Not und Elend zum Diebe gemacht hattml Der Sachverhalt war solgmder: Als er nachts wa­chend in seinem Bette lag und über einen sehr schwie­rigen Fall nachsann, dm er am nächsten Morgen zu verkeim hatte, hörte er «tn Geräusch in seinem Ka­binett. Er erhob sich vorsichttg, Sffnrete rasch die Tür und stand einem Individuum gegmüber, das ebm damit beschäftigt war, seinen Geldschrank zu er= brechen. Mit einem Satze war er bet ihm, hatte dm Mann ersaßt, zu Bodm geworfen und hielt ihn nun mit eisernem Griffe fest. „Gnade", stöhnte der Un­glückliche, „ich habe vier hungemde Kinder." „Mr kennen das schon", lachte Dr. Peguillon höhnisch und band die Hände des Einbrechers auf dessen Rücken fest. Nachdem er sich rasch angefleibet, rief er dem Gefangenen zu: „Vorivärts!--Gehe voran —

und wenn Du einen Fluchtversuch machst, erwürge ich Dich mit meinen eigenen Händen." Er führte dm Dieb nach dem nächsten Polizeiposten, übergab ihn doriselbst, kehrte tn seine Wohnung zurück und legte sich ruhig schlafen.

Es handelte sich um nächtlichen Einbruchsdiebstahl in einem bewohnten Hause, und der Schuldige war auf frischer Tat ertappt wordm. Die Voxuntersuch-

unter seinen Füßen gegraben.

Dr. Peguillon war wütend. Was seinen Zom er­regte, war nicht so sehr das MiÜeid mit dem Unglück­lichen, als vielmehr der Gedanke an das Lächerliche seiner eigenen Sage. In seiner Eigenschaft als Advo­kat mußte er unwillkürlich daran denken, was er selbst aus diesem Falle hätte machm könnm. Welch eine glänzende Verteidigungsrede würde er da halten! Ein Freispruch wäre ohne Zweifel die Folge! Nie zuvor hatte sich ibm eine so treffliche Gelegenheit geboten, gegen die Mißstände der Gesellschaft zu donnem, Sköme und Träum fließm zu machen unb ben Rich­tern zuzurufen: „Nein, sie toerben diesen Mann nicht verurteilen! — Sie könnm, dürfen es nicht! Alles, bis zu ben vier Kinbern bes Angeklagten herab, ver­einigte sich, diesen Fall zu einem ganz ausnahmswei- sm zu geftalten. , .

Ein einziger Umstand milderte einigermaßen den Steiger Dr. Peguillou's. Die Verteidigung war näm­lich in die Hände des Dr. Cardevois gelegt worden, eines Advokatm ohne Ruf unb ohne jebe Beichastt- gung. Mit einem solchen Verteidiger zur Seite konnte der Angeklagte gewiß sein, wenigstens zu fünf <,ahren

ger Trost! Bei bem Gebanken an bie Rede, welche sein Kollege halten werde, zuckt Dr. Peguillon gering­schätzig die Achseln und begann zu überlegen, was er sagen wollte, wenn er sich an der Stelle des Verteidt- gers befände. Aus diesen Träumereim wurde er durch die Stimme des Gerichtspräsidmtm geweckt, der an ihn die Aufforderung richtete: „Sagen Sie uns, was Sie über den uns vorliegmdm Fall wissen.

Was er darüber wußte! — Das war einfach ge­nug und bedurfte nicht vieler Zeit. In wenigen Wor­ten hatte er seinen Bericht beendet

Dr Cardevois machte mit gewichtiger Mime seine Notizen. Hinter ihm, zwischen zwei Gmdarmm, faß der Angeklagte und weinte bitterlich in sein vorgehal- tmes Taschmiuch. _. r, .

Der Präsident wollte aber noch einige Einzelhei­

ten erfahren.

„Es war also drei Uhr morgens?

Es mag ungefähr drei Uhr gewesen sein ja, Herr Präsident."

„Führte der Angeklagte Werkzeuge oder Nach­schlüssel bei sich?"

„Das weiß ich nicht." _

„Sie sagten doch aus, er sei eben im Begriffe ge­wesen, Ihren Schrank zu erbrechen."

„Habm Sie ihn denn nicht m dem Augenbllcki überrascht, als die Türe des Schrankes zu weichen 6e8S?erfdjien mir allerdings.so, doch war ich eben erft aus dem Schlafe erwacht." „

Der Präsident fuhr unbewegt fort.

gbre erftabgegebene Erklärung schließt m bicfet Hinsicht jeden Zweifel aus."

Ein Irrtum ist leicht begangen, Herr Präsident, unb’man wirb in feinen Aussagen weniger bestimmt, wenn man bebmkt, es könne von einem einzigen über­eilt gesprochenen Worte das Geschick eines Menschen abhängm,"

una nahm daher nur kurze Zett in Anspruch, und der verurteilt zu werden. Darin lag immerhin noch eini- Fall wurde schon für die nächste Schwurgerichispe- ™

riode anberaumt. Als einziger Belastungszeuge war Dr. Peguillon borgenden worden. Dieser Umstand berührte ihn höchst unangmehm, und er befand sich in höchst übler Saune. Die Sache erschien ihm jetzt bei ruhiger Ueberlegung etwas albern, sogar dumm.

Ein der regsten Teilnahme würdiger Angeflagter, dessen Vorleben ein makelloses gewesen, und der nach dem Tode seiner Frau mit vier Kindern zurückgeblie­ben war, für die er zu sorgen hatte! Die über ihn qepflogmen Nachforschungm hatten ergeben, daß et ein braver und fleißiger Arbeiter sei. Ein Arbeits- sttllstand war eingerieten, den Kleinen fehlte es an Brot, und die ganze ehrenvolle Vergangenheit dieses Mannes versank in bem Abgründe, ben das Elmd