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w-ch-Miwee: .Muttrierke Sonntagsjcifung"
38. Jahrelang
Fulda, Mittwoch den 5. Juli 1911
Erstes Blatt
M 150.
wird, so könnte nach dem gleichen Rezepte verfügt werden, daß in Schlesien überhaupt keine Versammlung mehr statlstnden darf. Daß das Vereinsgesetz einen derart lächerlichen Ukas nicht legitimiert, bedarf kaum der Erwähnung.
* Eiu nettes Bild von uns Katholiken müssen unsere schwarzen Landsleute in den Kolonien bekommen durch die Schilderungen des ihnen zum Unterricht gegebenen protestantischen Herero-Katechismus (Gütersloh, Westfaüa. E. Bertelsmann) Da liest man z. B. Seite 47:
„Ehedem in den Jahren 1200—1400 herrschte eine große Finsternis in der Kirche Chnsti. Die Ehriften jener Tage hatten nicht die Bibel, wie wir sie jetzt haben, hallen auch keine wahren und eifrigen Lehrer wie heule. Da erweckte Gott Männer wie Leuchten in der Finsiernis, f« Petrus Waldus in Italien, Wicliff in England, Huß in Böhmen, welcher von den Dienern des Papstes in Konstanz verbrannt wurde. Dieser Papst zu Rom, der das Oberhaupt der Kirche sein soll, der an Christi Statt über die Christen herrscht, war jo dumm, daß er wünschte, die Menschen möchten ihm in allen Dingen gehorchen, sein Wort wäre die Stimme Gottes und er könne sich nicht irren rote andere Menschen. Und da er die Herrschaft über bte Seelen der Menschen wünschte und Größe und Gewalt suchte, bedurfte er viel Geld und erfand folgende Art, die Sünden, Schuld und Fehler der Menschen nachzu'.assen mit Geld. Deshalb sandte der Papst Ablaßhändler in alle Christenländer, daß sie bte Menschen belügen sollten, baß jeder, der Gelb gibt, etnen Brief erhalte, in welchem ber Nachlaß jeglicher Schuld geschrieben >st. Einer dieser Händler war damals Tetzel, der so sagte: „Wenn dein Geld in meinem Kästel klingt, deine Seele in den Himmel springt". Das nicht alltin: der Papst fügte auch noch andere Lugen hinzu, indem er sagte, daß die Betstorbenen auch mit diesen Ablaßbriefen erkauft werden können und daß sie Nachlassung ber Sünden erhalten, obgleich sie schon ,m Steuer sind. (9hnt wird Luthers Auftreten geschtl- bert.) Diese Kirche zu Rom hat auch viele Gläubige getötet und Blut frommer Christen vergossen rote Wasser. Jeder Christ, der die Bibel lesen wollte, wurde ehedem von dieser römischen Kirche gelötet. Die Zahl der Christen, die so staiben, ist dem Saude gleich. Und wenn die Macht dieser Kirche nicht gebrochen wäre, würde sie bis jetzt noch die Christen verbrennen und löten" usw.
Jeder Satz eine Verleumdung; Man kann sich denken, rote diese Lügen im Kopse eines Schwarzen wirken. .Da sind wir Wilde doch noch bessere Menschen", muß da jeder Kaffer sich denken. Sle sagen es auch frei heraus. Wrr Wethe hätten gar kein Vorrecht vor ihnen, auch wir feien so dumm und tob gewesen rote die Kaffer»; die Katholiken seien es noch. Und zum Beweise für diesen Ausspruch berief sich ein Herero auf eben diesen protestantischen Katechismus. Dieser birgt durch seine verhetzende Darstellung eine eminent nationale Gefahr in sich, da sie Neigungen erregt, welche der weißen Herrschaft direkt gefährlich werde». Und so etwas nennt sich dann christliche Kulturarbeit, Bekehrung zum wahren Christentum!
♦* Tiefernste Worte sprach der portugiesische Bischof Msgr. Sebastian dieser Tage aus dem eucharistischen Kongreß in Madrid. Der Bischof schilderte die wilden Szenen, die sich in Lissabon und anderen Städten abspielten. Er gewährte Einblick in das Treiben der Freimaurerei, die es auf die Vernichtung jeglichen religiösen Gefühles im Lande abgesehen hat. Er sprach aber die Hoffnung aus, daß von guter kaiechelischer Schulung der Kinder in der Kirche, sowie vor allem der Ausbreitung der guten Presse eine Besserung der religiösen und kirchlichen Verhältnisse in feinem Lande wie auch in Spanien und in jedem Lande zu erwarten sei. Noch besser als ein Kloster zu bauen, besser als einen Tempel zu errichten, sei in unserer Zeit die Unterstützung und Verbreitung der katholischen Presse, die Bekämpfung der schlechten und farblof«t Presse. Der Redner führte die Uebelstände der mobeilten Zeit, das weite Umsichgreifen des Unglaubens, der öffentlichen Unsittlichkeit, der Autori- tätslosigkeit zurück auf die große Verbreitung der schlechten Presse. — Der schlechten Presse verdankt Portugal seinen Niedergang. Was für Portugal gilt, das gilt in analoger Weise für Spanien. Das gilt auch für andere Länder. In Portugal sehen die Katholiken jetzt den Fehler ein; sie sind durch den Schaden klug genterben. Jst's wirklich nötig, daß mich wir deutsche Katholiken, erst durch Schaden klug werden? „ „ .
Id Nelstmgeu, 4. Juli 1911. Dem verstorbenen Landtagsabg. Franz Gleim widmet das ,Mel« junger Kreisblatt' einen Nachruf, dem wir folgendes entnehmen:
Geboren 1842 aI5 Sohn eines hiesigen Tuchfabri- laflten, widmete sich Franz Gleim nach ber Schulzeit bem väterlichen Geschäft. Als am 23. Juli 1889 durch ben Tob bes bamaligen Abg. Gutsbesitzer Nöll-Gubens- berg bas Manbat für ben Lanbtagswahlkreis Melsungen-Fritzlar frei rourbe, fand man in Herrn Gleim bie geeignete Persönlichkeit, dieses bedeutungsvolle Amt auszusüllen. Fast 22 Jahre lang hat er ben Wahlkreis im hoben Hause ber Abgeordneten vertreten. Unb welche unendliche Arbeiisfülle in diesen 22 Jahren! Das große Benrauen, das ber Verstorbene bei allen Parteien bes Hauses genoß, war bie Veranlassung, daß er in bie wichtigsten Kommissionen bes Abgeorb- neteichauses berufen rourbe. Wenn aber im Plenum Fragen ber Heimat behanbelt wurden, bann war es unser Herr Abgeordnete, ber, feine hessische Heimat über alles liebenb, mit feiner ganzen Persönlichkeit für sie eintrat. Innerhalb der (nalionaüit»evalen)Partei genoß ber Verewigte bas größte Ansehen. WelcherWertfchätzung sich Heu Gleim bet feinen Wählern zu erfreuen hatte, geht woh i daraus hervor, baß bei ben Wahlen von keiner Partei ein Gegenkcmbibat, nur in einem Falle ein Zädl« kandidat, aufgestellt wurde. . . . Seine großen Erfahrungen aus kommunalem Gebiete prädeftenierien ihn zu den wichtigsten Aemtern. Er wirkte rastlos seit einer Reihe von Jahren als Abgeordneter im Kom- wunal-Lanbtag, im Kreistag unb Kreisausschuß. Als Kreisdeputierter versah er oftmals die höchste stelle im Kreise. Besonders aber widmete er seine Tätigkeit der teuren Vaterstadt. Fast vier Jahrzehnte gehörte ber Verstorbene ben stäbtischen Körperschaften an. Hier dekleibete et lange Iahte bie Stelle eines Vizebürgermeisters. In ben stäbtifchen Körperschaften wat er stets auf dem Plane, wenn es iraenb eine
Sache zu erreichen galt, bie für bie Stabt von Nutzen fein konnte. Noch hart an bet Grabespfotte konnte bie Stabt ihrem.besten Sohne ben schulbigen Dankes- zoll abtragen, inbetn sie ihm bie Rechte eines Ehrenbürgers verlieb! Unvergeßlich finb auch seine Verdienste um ben hi es. Vorschrrßverem. . . Das wat ein ununterbrochenes Kommen unb Gehen, wenn berHertAbgeorbnele in feinem Heim sich von ben Anstrengungen seiner öffentlichen Tätigkeit erholen wollte. Welche Fülle von Zeit halte er noch für jeben übrig, bet ba zu ihm kam, Rat heischenb, Trost suchenb, Hilfe bitlenb! Da standen herrliche Gotlesgaben ihm zur Verfügung: ein goldener Humor unb liefe Menschenkenntnis! Eine stets offene Hanb halle er für bte Armen. Einen unvergänglichen. Ehrenftein hat sich bet Verstorbene durch seine Stiftungen rrrichlel . . . Eine markante Erscheinung im Bürgerleben ist durch ben Tob von uns geschieben. Trauernb steht heule eine ganze Gern ein be am ©arge bes Verstorbenen. Seine Taten aber haben in bas Geschichtsbuch ber Stabt ben Namen „Franz Gleim" unauslöschlich eingetragen!
Franz Gleim war ein gerecht denkender, auch den Katholiten immer roohlwollenb gesinnler christlicher Mann. Ihm, dem Nalionallideralen, widmen auch bie Zenttumsüute bes Wahlkreises ein freundliches Gedenken. Seine politische Gesinnung hatte nichts gemein mit jenem Liberalismus, der bei uns mit Recht so in Mißkredit gekommen ist.
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yr Deutschlands Ansehen in der Welt ■
lieber Weise gestiegen. Das bezeugt recht «ar und Andringlich die respektvolle Ausnahme, die . der übenascheude Schritt der deutschen Politik in der Marokko-Angelegenheit gefunden hat.
Als Deutschland den ersten Protest gegen die rücksichtslose Eroberungssucht der Franzosen erhob, war die Sprache der ausländischen Presse viel hochfahrender höhnischer und drohender. Eine Wendung zum Bessern setzte ein, als die ftanzösische Regierung sich genötigt sah, zur Beruhigung Deutschlands Herm Delcassö aus dem Kabinett zu entlassen. Darrn^ erkannte die Welt, daß Frankreich sich nicht stark genug fühlte, um seinerseits den Strauß mit Deutschland auSzufechten, und daß England, obschon es die -.rt-mzosen in das marokkanische Abenteuer verlockt ijötte, doch nicht gewillt unb auch nicht befähigt war, für Frankreich die Kastanien aus dem deutschen Feuer y, holen. Der gute Eindruck dieser Machtprobe wurde freilich weiterhin wieder verwischt, als Deutschland stuf der Algeciras-Konfermz sich mit seinem treuen Bundesgenossen Oesterreich isoliert sah und des lieben Friedens halber sich mit den Halbheiten und Unklarheiten jener Akte begnügen mußte. Der Rückschlag in der öffentlichen Meinung zu Ungunsten Deutschlands wurde noch dadurch verstäckt, daß ein Teil der deutschen Presse bereits an den Früchten der Bülow'schen Marokkopolitik eine grimmige Kritik übte. Nicht bloß die unersättlichen Alldeutschen, sondern auch gewisse weitverbreitete linksliberale Blätter, die ihre eigene hohe Politik eigensinnig und eigennützig durchsetzen fronten, übertrieben die wirklichen oder angeblichen „Niederlagen" der deutschen Diplomatie in fol= ,'chrm Maße, daß im Ausland sich die Ansicht von der C wäche und Zerfahrenheit unseres Vaterlandes wieder sestzusetzen drohte.
Da kam es glücklicher Weise zu einer neuen Kraftprobe, die ohne Friedensstörung sich abspielte und die Uebermacht Deutschlands in Europa recht eklatant erkennen ließ. Die Einverleibung von Bosnien und der Herzegowina in das habsburgische «Kaiserreich führte durch den blinden Eifer des da- aligen russischen Ministers des Aeußern zu einer Trusten Krisis. Das Ende derselben war die Fesfftel- hmg der Widerstandsunfähigkeit der Gegner der beiden solidarischen mitteleuropäischen Kaisermächte. Seit diesem lustreinigenden Ereignis ist der R es p ekt vor Deuffchland und seinem Verbündeten zu einer Welteigenschaft geworden. Woblgemerkt: der Respekt. aber nicht die Liebe!
Wenn nun auf dem diplomatischen Schachbrett eine neue Partie gespielt werden muß, so kommt unserer Regierung nicht bloß der gesteigerte Respekt zugute, sondern auch der Umstand, daß die Mächtegruppierung auf der französischen Seite, die in Algeciras so imposant auftrat, nicht mehr so umfassend und gefestigt ist, wie damals. Von der Eifersucht Spaniens gegen Frankreich wollen wir freilich nicht viel Aufhebens machen, da Spanien keineswegs zu den Großmächten zählt. Wichtiger ist schon die Mflau- ung der Franzosenschwärmerri in Italien, das vor 6 Jahren vom König Eduard und ben Pariser Diplomaten ganz umstrickt war, jetzt aber sich auf feine eigenen Interessen zu besinnen scheint.
Die Lage von damals und von heute gleichen sich in dem Punkte, daß Frankreich sich außerstande fühlt, aus eigener Kraft dem deutschen Reiche zu trotzen. Das französische Ministerium hat sich auf die Ankündigung des deutschen Schrittes sofort »ach Petersburg und London gewandt. Die Entscheidung liegt nicht bei dem vorläufig noch ganz schwachen Rußland, sondern vielmehr bei der englischen Regie- rung, ebenso wie 1905. Das Londoner Kabinett müßte aber von seiner vielgepriesenen „Erbweisheit" vollständig verlassen sein, wenn es seine Flotte und seine Wohlfahrt auf's Spiel setzen wollte für ein französisches Interesse. Bei der Bettachttmg dieser Frage fällt obendrein m's Gewicht, daß England auch heute noch nicht das Landheer besitzt, das schon 1905 die Franzosen zur Unterstützung in einem Kriege mit Deutschland so gerne haben wollten, aber nicht bekommen konnten.
\ Unter diesen Umständen ist es wohl zu verstehen, daß ringsum, auch von den Gegnern Deutschlands, den Franzosen der Rat gegeben wird, in Güte mit Deutschland zu unterhandeln. Auf diesem Wege wird sich eine friedliche und befriedigende Losung wohl erzielen lassen, und zwar umso schneller und leichter, je ^einmütiger das ganze deutsche Volk hinter seiner Regierung steht. Wenn die 'Sozialdemokratie eine Agitation gegen unsere auswärtige Politik beginnt, so arbeitet sie nicht Nur gegen das Deutsche Reich, sonder» auch gegen den Weltfrieden und gegen die Wohlfahrt bet arbeitenden Klassen in Deuffchland.
Deutsches Reich.
♦♦ Berlin, 4. Juli 1911. Kaiser Wilhelm fuhr Dienstag von Kiel zur Besichtigung der neuen Kanalschleuse nach Holtenau. Mittwoch stütz 4 Uhr sollte ber Kaiser bte Rordlanbrrise antreten. — Anläßlich bet amerikanischen Unabhängigkeitsfeier prangten in Kiel am Dienstag alle im Hafen liegenden Schiffe, auch bie Kaiserjacht „Hohen- zollern", im Flaggenfchmuck. Der Kaiser ließ bem amerikanischen Schulschiffgeschwaber seine Glückwünsche aussprechen. — Das preußische Staats- Ministerium hielt gestern wieder eine Sitzung ab.
)( Immer Wetter! Der Geheime Bergrat Hilger, bekannt aus dem Trierer Hilger-Krämer- Prozeß, Generaldirektor der Vereinigten Königs- und Laurahütte, Hal seinen Austritt aus dem Hansabunde erklärt und demgemäß seine Stelle im Präsidium des Hansabundes niedergelegt. — Damit hat die Austrittsbewegung nunmehr auch auf den oberschlesischen Jn- dustriebezirk üdergeqriffen. So ist fast die gesamte Großindustrie im Begriff, vom Hansabund ab« zuschwmkeu. — Wie übrigens die liberale Presse die Beweggründe für das Ausscheiden der Schwerindustrie in der Oeffenllichkeil zu fälschen versucht, dafür liefert die Behauptung der „Voff. Ztg." ein Beispiel. Sie erzählt, Frhr. v Rhein- haben habe die Aufgabe gehabt, als Oberpräsident die Großindustriellen des Westens ins konservative Lager hinüberzuziehen. Wenn er dieses Werk vollbracht hätte, werde er den verdienten Lohn einheimsen und Herrn v. Beih- mann-Hoüweg oblßen. Dieser Auslassung ist, wie die „Kreuzztg." zutreffend hervorhebt, ein typisches Beispiel der persönlichen Kampses- art des Linksliberalismns. Der Krach im Hansabund ist ihm äußerst unbequem, und da sucht man nach Schuldigen. Nicht so unrecht schr ibt die „Kteuzzlg." zu diesem Gebühren:
„Die Linksliberalen haben bie Fähigkeit, politische Kämpfe sachlich zu führen, vollstänbig verloren. Ihr Kamps ist entroeber ein Kampf mit tönenben Schlagwörtern, mit Entstellungen unb Ber- bächttgimgen, ober er bewegt sich auf bem Selbe häßlicher, persönlicher Angriffe. Es ist eine Art von politifchem Terrorismus, der namentlich durch bas Hineintragen bes persönlichen Moments in ben 1.artet« kämpf ausgeübt werden soll." .
Wir haben das noch jüngst bet den Vorgängen im Abgeordneienhauje gesehen.
--- Der Jatho-Rummrl geht weiter. Gestern war Jatho in Elberfeld und sprach dott in zwei Versammlungen. Der Applaus, mtt dem Herr Jatho überall von den liberalen Protestanten be« grüßt wird, mag feinem persönlichen Ehrgeiz ja gut tun, daß er aber mit derartigen Schaustellungen leinet Kirche, der er zu dienen vorgibt, wirkliche Dienste erweist, das wird er wohl selbst nicht glauben. Der .Reichsbote' bemerkt zu den Berliner Jatho-Versammlungen,
sie hätten den Beweis für bie voflftänbige Begriffsund GewiffenSirrung erbracht, welche die Jathokreise beherrscht. Jatho, ber Goll und bie Gvllheit Christi leugnet, werbe als Helb unb Märtyrer gefeiert, unb dazu werbe bas Lied gesungen: „Eine feste Burg ist unser Gott." Jatho verwirft alles, waS bisher bte Lehre unb Wahrheit ber Kirche ist. unb beruft sich auf bas Recht, das mit uns geboren ist. Was ist ba§ für ein Recht, welchen Inhalt hat dasselbe? Das ist ber blöbeste Subjektivismus, für ben es keine objektive Wahrhett gibt, fonbern nut persönliche Meinungen unb Empfindungen, die wie das Wetter wechseln, und solchen Wechsel ber Gesinnung bes Pastor? soll bann auch bte Gemeinde mitmachen.
X Der pfiffige Amtsvorsteher. Ueber ein merkwürdiges Bersammlungsverbot weiß der ,Oberichl. Kurier' aus Groß-Dubensko (KreiS
* Darmstadt, 4. Juli 1911. Der Zenlrumsab- geordnete Pennrich-Bingen ist schwer erkrankt; fein Zustand gibt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß.
** Darmstadt, 2. Juli 1911. Der Gießener Nationalökonom Pros. Dr. B i e r m e r hielt hier einen Vortrag über die preußisch-hessische Eisenb ahngemein sch ast. Prof. Biermer ist als ein Gelehrter bekannt, der sich, obgleich er an einer hessischen Hoch- chule lieft, doch nicht von der Unzufriedenheit hessi- cher Politiker mit ber Gemeinschaft hat ansteckcn lasen, sondern in Wort und Schrift feinen Landsleuten die Vorteile vor Augen geführt hat, die ber Vertrag mit Preußen für sie und die hessischen Finanzen gehabt hat und noch hat. So hat Prof. Biermer auch in Darmstadt den Plan einer Revision verworfen und die Ansicht vertreten, daß eine Aenderung des Teilungsverhältnifses in dem Gemein- chaftsvertrage zwischen Preußen und Hessen, wie sie ein Antrag der hessischen Kammer vorsteht, ganz und gar gegen die hessischen Interessen ver- toßen würde und daß Hessen allen Grund habe, es -ei ben bestehenden Verhältnissen zu lassen. Die Miß- timmuncr eines großen Teiles der hessischen Politiker und Parlamentarier gegen den Vertrag mit Preußen hat ihre tiefere Ursache sicherlich in den zerfahrenen hessischen Finanzen, für deren Stand man gerne das Verhältnis mit Preußen verantwortlich machen möchte. Wenn ein Gelehrter wie Prof. Biermer diesen Verwirrungen des Urteils entgegenarbeitet und mit reichem Material nachweist, daß der Vertrag nicht nur finanzpolitische Vorteile für Hessen gehabt hat — eine Erhöhung der Rente, während ringsherum die Rente sank —, sondern auch verkehrswirtschaftliche, veckehrs- politische und sozialpolitische, so erwirbt er sich ein Verdienst.
s* Darmstadt, 4. Juli 1911. Die hessische Zweite Kammer beschäftigte sich heute mit den sozialdemokratischen Anträgen auf Aenderung des Schulwesens. Die Anträge verlangen eine Herabminderung der Schülerzahl in den Volksschulklassen auf 40, bie Einführung und ben obligatorischen Besuch der nationalen Einheitsschule unb die Entfernung der Vorschulen sowie des Religionsunterrichts aus dem Lehrplan der Volksschulen. In der Debatte trat der Zentrumsabgeordmte Hebel in einer wirkungsvollen Rede diesen Anregungen entgegen. Diese rabüalen Forderungen seien gewiß nicht der Ausfluß der Fürsorge für eine bessere Volksbiibung, fonbern ein Agitationsmittel für die Massen, um den Haß der Gesellschaftsklaffen untereinander zu förbern. Der Antrag auf Beseitigung des Religionsunterrichts kennzeichne so recht den Religionshaß der Sozialdemolralie. Bei der Abstimmung wurden die sozialdemokratischen Anträge gegen die Stimmen der Sozialdemokratie, der Frei- sinnigen sowie des nationaHibeialen Abg. Bach abgelehnt.
* Karlsruhe, 3. Juli 1911. Die Gemeinde« Wahlen in Baden haben nach dem neuen Ver- häUniswahlverfahren nun auch in ber ersten Klasse stattgefunden. In Freiburg hat das Zentrum einen schönen Erfolg errungen. Es wurden m der ersten Klasse gewählt 7 Vertreter des Zentrums, 11 Liberale, 10 Grund« und Hausbesitzer und 4 Vertreter der Bürger vereine. Die Gemeinde-Vertretung fetzt sich jetzt dort zusammen aus 35 Zentrums-Ab« geordneten (früher 28), 25 Liberalen, 16 Sozialisten, 14 Grund« und Hausbesitzern und 6 Vertretern der Bürger«Vereinigung. In Pforzheim hat das Zentrum trotz feiner geringen Lahlerzahl durch me Hervorholung auch des letzten Wählers m jeher Klaffe zwei Mandate errungen. Ein recht mtereff an« les Ergebnis hatten die Wahlen m Karlsruhe. Im ganzen besitzen dort von insgesamt 96 Sstabt« verordneten die 'Jtationaöiberalen jetzt 30 (früher 40), die Fortschritt!. Volkspartei 16 (14), die Sozialdemokratie 30 (42) und das Zentrum 16 (2) Mandate. Die Nalionaüiberalen Haden 10 Sitze verloren, die „Genossen" 12, das Zentrum Hal 14 Mandate gewonnen.
* KSw, 4. Juli 1911. Die ,$töln. Volkszeitung' stellt fest, daß für Köln-Land keine Reichstags- Ersatzwahl zu erwarten ist. Postfekretär Hamecher sei einstweilen nicht deföidert, sondern led glich mtt der Verwaltung einer offenen Dberpoftfehetarfteue betraut worden.
n Täfielbors 3. Juli 1911. Als Reichstagskandidat (ür'bie Ersatzwahl an Stelle des verstorbenen Abg. Kirsch ist von ber Zcntrumsparte, Laubesrat Adams in Aussicht genommen. Die Sozialdemokraten haben wieder ihren Kandidaten Karl Haberland ausgestellt. - Wie Düsseldorfer Blätter hören, ist die Ersatzwahl nunmehr auf Dienstag, 19. September, anberaumt worden.
„Panther" wird durch .$erüu" ersitzt. Tas Kanonenboot „Panther", das auf der Heimreise von Südwestafrika Teneriffa angelaufen balle und von dort nach Agadir entsandt wurde, wird durch den kleinen Kreuzer „Berlin" abgelöst werden, da seine Rückkehr zu gründlicher Reparatur im Dock nicht länger auffthkbbar erscheint. .Beilin" bat bereits am letzten Samstag Kiel verlassen unb dürfte schon heute oder morgen in den marokkanischen Gewässern Eintreffen.
Der Kreuzer „Berlin" ist einer von ben kleinen geschützten Kreuzern mit einer Besatzung von 286 Mann. Das Schiff hat eine Wasserverdrängung von 3250 Tonnen unb eine Sänge von 104 Metern, eine Brette von 15,2 unb etnen Ties gang von 5 Meier». Der Kreuzer verfügt über zwei Maschinen von 11000 Pferbe- ftärten und eine Geschwindigkeit von 13 Knoten. Die Bewaffnung bes Kreuzers besteht aus zehn 10,5 Zenti- tneter-Schnellfeuertanonen,zehn3,7Zenlimetermaschinen- fanonen, vier 8 Millimeter-Maschinengewehren unb zwei Torpeborohrcn. „Berlin" hat g-m? moderne Telefunken- appnrate an Bord, wird also Messer als der alte »Panther" in ber Lage sein, ben Nachrichtendienst nach ber Heimat schnell unb sicher zu vermitteln.
Rybnik) zu berichten.
Dort sollte am Sonntag eine polnische Versammlung abgehalten werben. Die Einderufer erhielten jeboch vom Amtsvorsteher einen ablehnenden Bescheid, der außer dem Hinweis darauf, baß die Bersammtung Seignet fei, die Maul- unb Klauenseuche zu ver- leppen, auch damit begründet würbe, „weil, rote bte Erfahrung lehrt, bit Grubenarbeiter an ben Sonntagen sich bem Alkohol ergeben und daher leicht SchVgereieu oder andere Sachen provoziere» würben."
Die Hakatisten waren im Polentölen immer groß. Daß fi« aber einmal die Maul« und Klauenseuche in den Dienst ihrer Politik stellen würden, war nicht vorauSzufHen. Jntereffanler ist noch die Annahme des OrtsvorsteherS, daß die Arbeiter berufsmäßige Alkoholiker und daher nicht versammlungsfähig sind. Daß es dort drüben im Arbeiterstande Alkoholiker gibt, ist unbestritten. Der Mehrzahl der Arbeiter ist aber durch den miferadlen Verdienst die Lust zu etwaigen Seiienfprüngen von vornherein verdorben. Da ihnen, was daS Bechern an langt, im übrigen in den anderen, auch in den höchsten Ständen mehr als gründlich die Stange gefallen^
Der „Panther" lief am Samstag ben füdmarok« konischen Hafen nur an, weil er sich in dessen nächster Nähe befand und es mit Rücksicht auf die drohenden Unruhen geböte» erschien, die deutsche Flagge in dem genannten Hafen so schnell wie möglich zu zeigen. Politische Gesichtspunkte kommen für den Wechsel der Schiffe nicht in Betracht.
Ruhe ht Frankreich. Dec französische Präsident Falliöres ist in Begleitung des Ministers des Aeußern de Selves nach Holland abgereist. Das ist ein Zeichen dafür, daß einstweilen keine lieber« raschungen zu erwarten sind. — Im Mini sterra t hielten am Dienstag die Minister eine allgemeine Besprechung über die innere und äußere politische Lage ab. Nach Schluß der Sitzung empfing Mimsler- präsident Caillaux de« Besuch des i.alimifchen Botschafters Tittoui.
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Verlag der Luid aer Ak- monatsbenage: „Zuldaer Geschichtsblätter" Lerusprecher Nr. 9.