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38. Jahrgang.

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2. Blatt.

vrsck mi> Verlag der gelte« Aetlendruckerel in Suita.

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wenigstens---ach, Unsinn! Sie können mich

ja nicht verstehen. Es ist auch wirklich ganz gleich- Ruth erschrickt.

gütig* Resigniert lehnt sie sich in ihren Stuhl zu- „Krankenpflegerin? Welch ein Unsinn! Virginia rück. .Sprechen wir gl!» über Virainia Forster!" bat nicht das Leckmrkte.Lalrnt dazu. , ÄL will Äbnen

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Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 3. Juli 1911. Der gestrige Aus­flug des katholischen Äänneroeieins nach dem Krayeuberg bei Tiefenort ging unter Beteiligung von etwa 40 Mitgliedern vor sich. Die Be­steigung des Berges und der Aufenthalt auf demselben erwies sich als sehr lohnend und wird für die Teilnehmer eine angenehme Erinnerung bleiben.

* Stadtlengsfeld, 3 .Juli 1911. Wieder wurde versucht, einen nächtlichen Einbrnchsdieb- st a h l auszuführen. Die Einbrecher waren gerade dabei, die Türe des Weinkellers der hiesigen Apo­theke anzubohrcn — einige Löcher hatten sie bereits gebohrt — als der Apotheker gerade dazukam und so die Spitzbuben verscheuchte, welche eiligst die Flucht ergriffen.

* Kaltennordheim, 4. Juli 1911. Am Sams­tag und Sonntag sand hier der 22. Abgeordnelen- tag des Großherzogi. Sach'. Krieger- und Militärvereinsbundes statt, mit welchem gleichzeitig das Gruppensest der Mititärvereins- gruppe Kaltennordheim verbunden war. Auf der Tagung wurden für die Herstellung eines Bundes­liederbuches 400 Mark bewilligt. Der Antrag, die Jugendpflege als Ausgabe des Bundes in die Deremstätigkeit auszunehmen, wurde angenommen. Als Festort für den nächstjährigen Abgeordneten­tag wurde Allstedt bestimmt.

* Buttlar, 4. Juli 1911. In der Generalver­sammlung der Gewerlschast des Kalibergwerks „Bonifazius" zu Buttlar wurde bezüglich der Boh­rung 5, mit welcher man in ein: zur Zeit noch nicht überwundene Störung der Gebirge geraten ist, und die auch seit einigen Wochen wegen Wechsel des Bohrmeisters stilliegt, mitgeteilt, daß am 1. Juli der Betrieb der Bohrung wieder ausgenommen ist. Jndeß sei hierbei tr.it großen technischen Schwierigkeiten zu rechnen. Der gewählte Bohrpunkt sei nach Besich­tigung von einem Geologen der Landesanstalt

die Herren auf, hinter einer Flasche „Rüdesheimer" eine Haomna zu rauchen.

Leichtfüßig eilt sie voran ins Rauchzimmer. Sie läßt die Tür offen und empfängt die Herren mit einer tiefen graziösen Verbeugung. Wie spielend läßt sie Armins Hand durch ihre Finger gleiten, während sie ihm vorwurfsvoll ins Ohr wschelt:

„Warum hast du vorhin all meine Lieblingslieder gesungen? Die Leute verstehen ja nichts davon!"

Armin reicht dem Freunde eine Zigarre und zün­det stch selbst eine an.

„Ich tat es absichtlich, mein Kind", erwidert er paffend. „Die Leute waren in solch glückseliger Laune —* paff — „daß es Zeit wurde, an ihre —" paff, paff — „an ihre höheren Gefühle zu appellieren, Du sahst den Erfolg."

Lächelnd schüttelnd Ruch den Kopf.

„Andere Lieder hätten denselben Erfolg gehabt. Sie bewunderten die Stimme — nicht die Lieder. Soll ich dir noch eine Zigarre holen. Liebster?"

„Rein, ich danke; ich muß noch einige Briefe schreiben. Unterhaltet euch inzwischen gut! Ich kom- tne bald zurück."

Ruths Antlitz spiegelt ihre ganze Enttäuschung wieder. Doch bevor sie ein Wort entgegnen kann, hat Armin schon die Tür hinter sich zugezogen.

Schweigend seht sie sich Gilbert gegenüber.

„Ich weiß, ich bin nur Lückenbüßer", lacht dieser gutmütig; „aber wenn ich Ihnen sage, daß mir die­se- t6te-i.-t6te sehr willkommen ist, Frau Skott — ich möchte mit Ihnen sprechen — *

„Natürlich über Virginia Forster", fällt sie nervös ein. „Also bitte, fangen Sie an!"

Unwilllürltch rückt sie ihren Stuhl ein wenig fort Ihre Finger trommeln unruhig auf dem Tisch herum.

„Wenn es Ihnen unangenehm ist —*

„O nein, nein, durchaus nicht. Warum sollte e8 mit unangenehm fein! Ich hoffte nur, heute abend

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sagen, Lord Donald, was sie zu diesem übereilten Schritt treibt Virginia liebt Sie und will es sich nicht gestehen."

Jetzt erhebt sich auch Gilbert. Alles Bütt strömt ihm zum Herzen.

„Wenn Sie das glauben, Frau Skott, so müssen Sie uns helfen!"

„Wie das?"

„Indem Sie bei Fräulein Birginia für mich sprechen. Wollen Sie?"

„Gewiß, Lord Donald — von Herzen gern*

24. Kapitel.

Am nächsten Vormittag macht Ruch einen Rund- gang durchs Dorf. Sie hat dem Gatten ihr Ge- sprach mit Lord Donald mitgeteilt, doch Armin schüttelte bedenklich den Kopf. Dringmd rat er ihr, der Angelegmhett keine Bedeutung beizulegen. Auch wünsche er/ daß Ruth für die nächste Zeit Virginia und bereu Mutter nicht sehe.

Zuerst war Ruth nicht damtt einverstanden. Doch letzt, während sie rasch im frischen Morgenwind über die Felder dahinein, gibt sie ihrem Gatten Recht Sie fürchtet selbst, noch nicht stark genug zu sein, um den Anblick der beidm Frauen, die sie um ihr ganzes Besitztum gebracht hat, ohne Gewiffensbiffe gleich­mütig zu ertragen.

Schon mehrere Hütten hat sie ausgesucht, kleine Gaben ausgeteilt und dafür dankbare Blicke und Segenswünsche geerntet. Jetzt nähert sie sich der Wohnung einer alten, blinden Frau, ine früher besonderer Schützling gewesm. Da sitzt sie auch schon vor der niebrigm Türe, bte alte Margaret und läßt sich von der Sonne bescheinen — gerade wie vo $ ^Beim Räherkommen der leichten Fußtritte heb! sie lauschmd den weißhaarigm Kopf. Ein glückliches Lächeln verklärt ihre welkm Züge. Schwerfällig er­hebt sie sich von der Bank und tastet ein paar Schritt» nach der Richtung hin, von welcher die wohlbekann­ten Fußtritte kommen.

Z8öit(c&ma fcIaL)

Nach dem Essen gehen die Drei hinunter in Scheune. Ruth macht dm alten Jenkins unbeschreib­lich stolz, indem sie ihn zum Tanz aufforbert. lieber» Haupt herrscht die heiterste Stimmung. Hattm auch ein paar Dorfpessimisten über den „unheimlichm Schwarzen vom nötigen Jahr, der jetzt ihr Guts- cherr geworden," dm Kopf geschüttelt — so ist doch für die Mehrheit die Tatsache, daß Ruth ihn zum Gatten gewählt, genug, um ihm Achtung und Wohl- wollm entgegen zu bringen.

Ihr Benehmen ist so eigentümlich, ihre Gleichgil­tigkeit so ersichtlich gezwungen, daß Gilbert zögert. Auf Ruths auffordernde Handbewegung hin beginnt er endlich langsam:

„Ich will mich Ihnen ganz anOertcauen, Frau Skott. Ich leide und —"

„So lieben Sie Virginia?"

„Ich liebte sie vom erften Augenblick an. Aber feit ich weiß, daß sie atm ist, daß die Waldbutg mit allem Drum unb Dran nicht mehr ihr gehört, seitdem bat meine Siebt sich zur Leidenschaft gesteigert."

„Weiß Virginia darum?"

„Ja. Ich habe um ihre Hand angehaltm."

„Nun?"

„Unb sie hat mich zurückgetviesm."

„Wie töricht!" platzt Ruth heraus. „Was fällt dm Forsters eigenllich ein! Natürlich Ivar es für sie ein harter Schlag, so plötzlich alles zu verlieren; aber Armin meinte---ach, was schwatze ich da,

das gehört ja gar nicht hierher! Müssen wir wicklich weiter übet diese Angelegenheit sprechen. Lord Do­nald,"

Ihre Augen zeigte:! einen so gequälten Ausdruck, daß Gilbert inniges Mitgefühl empfindet.

„Nut noch eins! Habm Sie kürzlich vrn Fräu­lein Virginia Nachricht erholten?"

„Nein. Frau Forster schrieb zweimal an mich während meiner Hochzeitsreise. Von Virginia selbst habe ich lange nichts gehört. Sie scheint mich ver- geffm zu habm. Es tut mir leid. Trotzdem — ich bin unendlich glücklich. Ich lebe bet Gegenwart. Was später kommt — ah, bah!"

Beftemdet blickt Gilbert Ruth an. Ihre Augen sind trübe, als ständen sie voll Tränen. Mt der Hand übet die Stirne streichend, steht sie auf.

„WaS wissen Sie von ihr?" fragt sie ganz leise.

„Sie beabsichtigt, Krankenpflegerin zu werden", erwidert Gilbert traurig. „Deshalb wollte ich eben mit Ihnen sprech«."

Weltmarktpreise: Weizen: Berlin

(4- 5.00), Sept. 200.75 (-4-2.00), Budapest Okt. 19a.l0 (— 7.30i, Liverpool Okt. 152.55 (+ 2.15), Paris Juli 208.45 (-6.80), Chicago Juli 138.20 (+1.90). Roggen : Berlin Juli 173.50 i-f- 1.75), Sept. 169.7a (+ 2.00). Haler: Berlin Juli 169.25 <+ 3.2o), Sept. 166.50 (+ 3.25). Mais New-York Juli 107.00 (+6-20). ,8rutter. geifte cif. Hamburg Juni 127.50 (j- 5.7»), 3u>il24 00 4- 4.00) Herbst 112.25 (4- 2.75) Mark per 1000 «ilo»

bandskaffen bereits bot dem Jahre 1905 zusammen- gefaßt wat, so hat folgerichtig die Raiffeisensche Ge- samtorganisation sich für die Dezentralisierung des genossenschaftlichen GeÜ>- und Kreditverkehts bereits im Iahte 1905 grundsätzlich entschieden. Ebenso hat auch noch in jüngster Zeit, bei den oben erwähnten Ber- handlungen, bie Leitung der Landwirtschastlichen Zen- tral-Darlehnskaffe die Ptodinzialisieruna deS Geld- und Kreditverkehrs als die allein wirtschaftlich gesunde Entwicklungstendenz bezeichnet.

Wenn nunmehr die Preußische Zentral-Genoffen- schastskasse diesen Grundsatz als dritte Voraussetzung für ihren künftigen Geschäftsverkehr mit der Land­wirtschaftlichen Central-Darlehnskaffe bezeichnet hat, so handelt eS sich zunächst nur um die Wiederholung eines längst gefaßten Beschlusses der Raiffeisen-Or- ganisatton. Sodann aber erschien es gerade im In­teresse der Selbständigkeit und Freiheit der Einzelgenossenschaften wichtig, diesen Grundsatz auch vertragsmäßig festzulegen, weil andern­falls den Entschließungen der Einzelgenossenschaften, ben Geld- und Kreditverkehr zwecks allmählicher Ver­schmelzung der einzelnen provinziellen Verbände^ zu provinzialifieren, mit dem Hinweis auf das Geschäfts­und Vertragsverhältnis der Landwirtschaftlichen Cen­tral-Darlehnskaffe zur Preußischen Central-Genoffen- schaftskasse hätte begegnet werden können, wie dies in neuester Zeit gerade seitens der Landwirtschaftlichen Central-Darlehnskaffe tatsächlich versucht worden ist.

Es erschien um so notwendiger, den Weg zur Pro- vinzialisierung auch des Geld- und Kreditverkehrs dm Einzelgenoffenschaften offenzuhalten, als letztere auf die Dauer, wie bereits die diesjährige Sanierungs­aktion beweist, von den sich wiederholenden Verlusten der Landwirtschaftlichen Central-Darlehnskaffe nicht unberührt bleiben können, während die in pro­vinzielle Verbandskassen zusammengefatzten länd­lichen Genoffenschaften erfreulicherweise ständige Fortschritte zu verzeichnen haben. Die Preußische Zen- tral-Genoffenschaftskaffe darf pflicht- und aufgabege- mätz, insbesondere im Interesse der Sicherheit der von ihr gewährten Kredite, nur ein System unterstützm, durch das die Verbilligung und Verbesserung des land­wirtschaftlichen Betriebskredits erreicht wird, zumal die Preußische Central-Genossenschaftskaffe für die im letzten Ende auf die fehlerhafte Zentralisierung des Geld- und Kreditsverkehrs zurückzuführenden, wieder­holten Verluste der Landwirtschaftlichen Central-Dar­lehnskaffe auch in Genoffenschaftskreisen ebenso häufig wie mit Unrecht verantwortlich gemacht worden ist.

Xus Gberheffen u. den heff. Aemlern.

♦ Marburg, 4. Juli 1911. Hier fand am Sonn- tag das 12. hessische Athleten-Verbands- fest statt. Es nahm einen schönen Verlauf. Leider sind auch einige Unfälle zu verzeichnen, die sich bet den Wettkämpfen ereignet haben. So erlitt beim Stcinstoßen ein Athlet einen Knöchelbruch, während von zwei Teilnehmern an den Rmglämpfen einer eine Quetschung und der andere einen Beinbruch davontrug.

O Frankenberg, 3. Juli 1911. Dem Landes- Hospital Haina ist die Genehmigung zur Annahme des Nachlaffes der verstorbenen Eheleute Sanitäts­rat Dr. Scheel (Direktor des Landeshospitals Haina) erteilt worden. Der Nachlaß Dr. Scheels, der 19 Jahre die Geschäfte des leitenden Arztes und so- dann noch weitere 19 Jahre die Geschäfte eines Direktors der Anstalt geführt bat, besteht in Wert- papieren im Nennwerte von 134114 Mk., weiteren 11000 Mk. unb einem Hausgrundstück in Kassel, das jedoch belastet ist.

* Frankenberg, 4. Juli 1911. Gelegentlich des landwirtschaftlichen Festes in Frankenberg am 19. Juli findet eine Auszeichnung solcher landwirtschaft­licher Dienstboten statt, welche langjährige, treue Dienstzeit bei einer Herrschaft nachweisen können.

* Mendorf (M.-W.-B.), 4. Juli 1911. Am Sonntag fand hier die Vorstellung und Einführung des neuen Pfarrers Günther durch den Dechant Kräh aus Amöneburg statt. Auf Anregung des kathol. Arbeitervereins brachten am Vorabend des Ein- führungssestes die Allendorfer Vereine (Arbeiter-, Krieger-, Schützen-, Handels- und Jünglingsverein) dem hochwürdigen Herrn eine Ovation dar. Gegen 9% Uhr setzte sich ein großer Lampionzug mit einer

Musikkapelle in Bewegung nach dem Pfarrhaus«. Nach Vortrag einiger Gesangsstücke durch den Ge» aereitt „Gregorrana" und einiger schönen Musik- hielt Lehrer Wieder im Namen der beteiligten Vereine die Begrüßungsansprache, in welcher er u. a. Liebe, Gehorsam und Treue zu Thron und Mar versprach. In herzlichen Worten des Dankes erwiderte Pfarrer Günther aus dem Fenster des Pfarrhauses und versprach, wie feine Vorgänger für das religiöse und soziale Wohl der Gemeinde tätig zu sein. Seine Worte endeten in einem Hoch auf bte höchsten Autoritäten auf Thron und Altar, Kaiser Wilhelm II. und Papst Pius X. Nachdem noch ein prächtiges Feuerwerk abgebrannt war, setzte sich der Zug wieder in Bewegung durch die Straßen des Ortes nach dem Vereinslokal des kath. Arbeiter­vereins „St. Joseph", wo sämtliche Vereinsmit­glieder die Ehre hatten, noch einige fröhliche Stun­den unter Anwesenheit des neuen Pfarrers dessen Gast zu sein.

* Ebsdorf, 7. Juli 1911. In der Nähe unseres Ortes verunglückte ein junger Mann dadurch, daß ihm die Lenkstange seines Fahrrades zerbrach. Der Verletzte mußte sich in ärztliche Behandlung begeben.

Die Macht des Gewissens

35] Roman von Erich Friesen.

Doch es liegt nicht in Armins Natur, irgendwo bie zweite Geige zu spicken. Er merkt bald, daß et hier eben nut der Mann feiner Frau ist". Finster blickt er über die jauchzende, jubelnde Menge; sie alle sollen ihm untertan sein. Stillschweigend entfernt er sich aus der Scheune.

Nach einiger Zett erklingen aus dem geöffneten Fenster des Mufiksaals leise Töne. Dann erhebt sich eine Männerstimme — sanft, weich, anschwellend . . . Die Leute unten stutzen zuerst; der Lärm wird ge­dämpfter. Dann verläßt man die Scheune unb kommt näher.

Inzwischen singt dort drinnen Armin ein Lieb nach dem anbem — erst schmelzend, bann lustig fidel — zuletzt tief leidenschaftlich. —

' Die braven Dorfbewohner wissen nicht, tote ihnen geschieht. Sie fühlen etwas Eigentümliches in ihrer Brust, etwas, was sie noch nie empfunden. Der alte Jenkins, welcher sich kurz vorher mit seiner Frau gezankt hat, schiebt seine verrunzelte Hand keife in die ihre, unb Willy Packer, ber schon gewillt war, ge Bekanntschaft mit Mary List abzubrechen, flü-

; ihr ins Ohr: „Sonntag um sechs Uhr beim fentotrt"

Das Fest ist zu Ende. Die Dorfbewohner haben Pch auf ben Heimweg begeben. Im Pack Ijt alle» still Md ruhig. Ruth spürt keine Müdigkeit. St? fordert

Kaiser Setreibe-wochendericht der Preisberichtsstelle des deutschen Landwirtschaft- rats vom 27. Juni bi8 3. Juli 1911.

Der internationale Getreidemarkt zeigte im allge­meinen eine stacke Festigkeit, hervorgerufen durch die außergewöhnliche Knappheit an Ware aus alter Ernte und durch beunmhigende Nachrichten über Ernteaus­sichten aus Rußland und den Vereinigten Staaten. In Deutschland hattm Niederschläge zwar vielfach günstigm Einfluß auf die Weiterentwicklung der Feld- flüchte ausgeübt, doch ist in der Beurteilung der vor­aussichtlichen Ernteerträge in Norddmtschland noch große Vorsicht geboten. Besonders scheint Hafer sich vielfach nur schwer von den Folgen der Dürre erholen zu wollen. Für dm Jnlandsmackt kommt noch der durch den nichtigen Wafserstand der Flüsse bewirkte schwierige Frechwerkehr hinzu. Der Julitermin für Weizen hat sich an der Berliner Börse noch weiter be­festigt, bei steigender Nachfrage nach ausländischer Ware, da bie inländischen Läger erschöpft sind. Auch für Koggen hielt aus demselben Grunde die lebhafte Nachfrage nach greifbarer Ware an. Inländischer Roggen brachte zeitweilig hohe Aufgckder gegenüber Berliner Juli-Lieferung und gegenüber russischem Roggen, war aber später etwas schwächer, da schon mehrfach Angebote der Provinz auf Lieferung für In- lands-Roggen vorlagen. Auch bei Hafer find die Vor­räte aus alter Ernte erschöpft. Wenn trotzdem ber Konsum ziemliche Zurückhaltung bekundete, so tag dies an dem reichlichen Angebot Rußlands für prompte und auch für spätere Lieferungen, die indes eine wesentliche Erhöhung erfuhren. Russische Fut­tergerste war zu Beginn ber Woche auf Herbst ange­boten, bann machte sich aber ein Umschlag geltend, ausgehend von der Knappheit an Ware alter Ernte, bie in Rußland fast erschöpft scheint und besonders auf nahe Sichten eine stacke Preissteigerung erfuhr. Eben­so sind die russischen Haferoffecken auf Herbstlieferung noch weiter erhöht. Auch für Mais lag der Markt sehr fest, da Dürre in den Vereinigten Staaten die Maisernte zu gefährden droht.

Es stellten sich die Preise für inländisches Getreide am letzlm Markttag« in Mack pro 1000 Stilogr. je nach Qualität, wobei das Mehr (+) bezw. Weniger (—) gegenüber der Vorwoche in Klammern () beigefugt ist wie folgt:

empfohlen worden. Die Störung ist vorhanden von 649 Meter bis 701 Meter Teufe und vorläufig noch nicht überwunden.

* Dorndorf, 3. Juli 1911 .Gestern morgen wurde in der hiesigen chemischen Fabrik der Arbeiter Christian Hoßfeld aus Tiefenock in einem Salzlager verschüttet tot aufgefunden. Hoßfeld war damtt be- schäftigt, das Salz, bevor es durch Trichter in Löse- bchalter geführt wird, zu verteilen. Er ist dabei, entgegen den bestehenden Vorschriften und dem chm noch besonders eingeschärften Verbot auf das Salz­lager gegangen und eingesunken. Die ihn ganz ein­hüllenden Salzmassen haben dann seinen Er- sttckungstod herbeigefühck.

♦ Oberzella, 4. Juli 1911. Der Arbeiter Georg Terchmöller hat sein hiesiges Anwesen zum Preise von 13500 Mark an die Handelsleute Bachrach u. Schön in Vacha verkauft. Er zieht nach Rosa bei Roßdorf, wo er ein etwa 60 Acker umfassendes Bauerngut erwarb. — Ter Wilderer Klotzbach soll sich von hier aus in die angrenzenden preußischen Wälder geflüchtet haben, roetl er weiß, daß man ihn jetzt im Weimarischen von allen Seiten mit Polizeihunden verfolgt.

* Heringen (Werra), 4. Juli 1911. Der 18jährige Sohn des Landwirts Rudolf aus Leimbach war gegen den Willm deS VaterS, der über einen Liebeshandel des Jungen erbittert war, auf den Tanzboden gegangen. Der Vater wollte ihn mit einer Peitsche von dort vertreiben. Der Sohn zog jedoch einen Revolver aus der Tasche und tötete sich.

* Aus Thüringen, 4. Juli 1911. In Eise­nach wurde ein 5jäljriger Knabe von einem Auto­mobil totgefahren. — Der 17 Jahre alte Arbeiter Willy Rex aus Erfurt flatterte aus Spielerei auf einen Möbeltranspockwagen, stürzte herab und er­litt eine schwere Gehirnerschütterung, an der er nach wenigen Stunden starb. — Ein Villenbesitzer in Weida hatte seinem Mieter, um ihn zum Räumen der Wohnung zu nötigen, die Fenstern zumauern lassen. Diese Zwangsrnaßregel trug ihm eine Strafe von 50 Jft ein, in die auch der Bauunter­nehmer genommen wurde, den das Gericht der ver­suchten Beihilfe zur Nötigung für überführt erachtete. — Der Großherzog von Sachsen-Weimar, der Pro­tektor der Sektion thüringische Staaten des sächsischen thüringischen Verbandes für Lustschiffahrt unternahm von Jena aus eine Freifahrt mit dem SektionSballon „Altenburg".

(•) Bom ländlichen Genoffenschafts, j wese«.

Wie erinnerlich, war die Preußische Zentral- Denossenschaftskasse infolge des Verhaltens bet । Landwirtschaftlichen Zentral - Darlehnskasse für Deutschland, Aktiengesellschaft in Berlin, genötigt gewesen, daß chre mtt diesem Institut getroffenen Vereinbarungen hinfällig geworden und damit zum 1. März d. I. gelöst seien.

Auf Wunsch der Leitung der Landwirtschaft­lichen Zentral-Darlehnskasse haben sodann Ver­handlungen zwecks Wiederherstellung eines Geld- und Kreditverkehrs zwischen beiden Instituten statt­gefunden. Dieselben haben zu keinem Ergebnis geführt, und jeglicher Geschäftsverkehr zwi­schen beiden hat auf gehört.

In Tageszeitungen und Fachschriften ist das Verhalten der Kasse des Direktoriums der Preußi­schen Zentral-Genoffenschaftskasse einer Kritik un­terworfen. Das Sachverhältnis ist hiebei so dar- gestellt worden, als ob die Preußische Zentral-Ge- nosfenschaftskasse die Freiheit und Selbständigkeit des Genossenschaftswesens beschränken wolle, und daß in Abwhr gegen diese Bestrebungen der Abbruch der Verhandlungen mit der Zentral-Genofferlschasts- kasse geboten Worden fei. Das Ausschtteßlichkeits- verhältnis ist als eine die genossenschaftliche Ent­wicklung hemmende staatliche Bevormundung hm- gestellt worden und es wird gesagt, daß die Kn- tral-Genoffenfchaftskaffe eine Krisis im ländlichen Genossenschaftswesen herbeigeführt habe

Diesen Kritiken gegenüber stellt bte halbamtliche ^Berliner Korrespondenz" fest:

daß die Preußische Zentral-Genossenschaftskaffe ihren allgemeinen Grundsätzen.gemäß auch bei den Verhandlungen mit der Landwirtschaftlichen Zentral- Darlehnskasse es deren völlig freien Entschließung überlassen hat, ob sie den Geschäftsverkehr mit oder ohne Angabe der Ausschließlichkeitserklarungen zu­künftig führen wollte. Die Preußische Zentral-Ge- nossenschaftskasse hat sich bereit erklärt, m jeben Geld- und Kreditverkehr einzutreten, sie hat aber ge­mäß den bekannten und allgemein gültigen Geschäfts-, bestimmungen die Höhe des Kredits sowie die Ge­währung von Vorzugsbedingungen bestimmungs­gemäß von der Abgabe der Ausschlietzlichkeitserklarun. gen abhängig machen müssen. Sie hat sich ferner da­rauf beschränkt, im Interesse der ruhigen Entwicklung des ländlichen Genossenschaftswesens, also im eigensten Interesse desselben, vorzuschlagen, daß die Landwirt- fchaftliche Zentral-Darlehnskasse

1. zukünftig keine Versuche unternehme, sich zwi- scheu die Preußische Zentral-Darlehnskasse und deren Geschäftsverkehr mit preußischen Ver- bandskaffen zu schieben,

2. die Abtrennung des genoffenfchastlichen Waren­geschäfts unverzüglich zu Ende führe und bte Finanzierung desselben den provinziellen Ber- bandskaffen überlaffe,

3. den wiederholt hervorgetretenen Bestrebungen, auch den genossenschaftlichen Geld- und Kredit- Verkehr zu provinzialifieren, keinerlei Schwie­rigkeiten bereite.

Hinsichtlich des ersten Punktes ist bereits in der „Berliner Korrespondenz" früher eingehend erörtert worden, daß die Mittel der Landwirtschaftlichen Zen- tral-Darlehnskaffe völlig unzureichend find, um den ländlichen Genoffenschaften, insbesondere m Fällen der Not den Rückhalt als zentrales Geld- und Kredti- institut zu bieten. Dort ist auch bereits dargelegt worden, daß das Dazwischentreten eines Instituts zwi­schen Preußische Zentral-Genoffenschaftskaffe und die Verbandskassen nur zu einer Verschlechterung der Ge­schäftsbedingungen für die Einzelgenossenschaften und einer Verieuerung des Kredits für den einzelnen Landwirt führen könne, was die Landwirtschaftliche Zentral-Darlehnskasse auch wiederholt, insbesondere in den Jahren 1904/1905 und 1907, anerkannt hat.

Die Provinzialisierung des Warengeschäfts war durch die Generalversammlung der Landwirtschaftli­chen Zentral-Darlehnskasse selbst am 23. Juni 1909 zu Breslau bereits beschlossen.

Bereits im Jahre 1905 hat sich die Landwirtschaft­liche Zentral-Darlehnskasse in Gemeinschaft mit der gesamten Raiffeisen-Organisation dem Reichsverbande der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften an- geschlossen. Als Endziel dieses Zusammenschlusses ist damals die alsbaldige Verschmelzung der verschiede­nen, in den Provinzen nebeneinander bestehenden Verbände in dem ohne Mitwirkung der Preußischen Zentral-Genossenschaftskässe abgeschlossenen Vertrage bezeichnet. Da das Geld- und Kreditgeschäft aller an­deren zum Reichsverband gehörenden Genossenschaften die rund 1300 zählen, in selbständige provinzielle Per-