Fuldaer W Zeitung
Mmatrbeklaser „Kttdaer Geschichtsblatter"
M 149.
Erstes Blatt
Fulda, Dienstag den 4. Juli 1911
38. Jahrgang
.Heiß-
Aus Mrche und Schule.
Der Ettcharistische Kongreß.
J Madrid, 2 Jull 1911. Im Escorial
fanden tn Frankfurt zwei Versammlungen statt. Man kann sich darauf gefaßt machen, daß der Rummel noch einige Wochen so fort gehen wird. — Wie die 107 rechtsstehenden Berliner protestantischen Geistlichen haben auch fünfzehn Pfarrer Frankfurts eme Erklärung veröffentlicht, daß sie das Urteil gegen Jatho für durchaus gerechtfertigt halten. Soweit man auch die Grenzen der Lehrfreiheit stecken möge, in JathoS Lehre sei von Christentum nicht mehr bte Rede.
sehr befriedigt Eucharistischen Nationen ver-
***** "glich mit «urnahim fr, $040.
Feiertage. Viertel, phrNch«V«Nyrp„r, •b«e Vringeckvhn und »estelgeldlnzuldaso- f>t<nu»5ttex.501lit
verantw. Redasten«
Die deutschen Intereffen in Südmarokko, die der -Panther* zu schützen hat, fmd gar nicht unbedeutend. Wie die »Köln. Zeitg.* aus Berlin erfährt, gehören deutschen Häusern bei Agadir weit in dessen Hinterland hinein große Land st recken mit landwirtschaftlichem Betrieb. Der Besitz einer einzigen Firma hat die Größe eines Fürstentums. Eine Firma beschäftigt etwa 120 Personen, darunter 60—70 Handelsagenten, die im Besitze deutscher Schutzbriefe sind, und eine andere 60 Angestellte. Außerdem hat der deutsche Handel im Süden Marokkos zu- genonnnen und steigt besonders in den letzten Zeiten. Die Steigerung ist in der Statistik nicht ersichtlich, weil eine große Menge Güter, deren Import und Export für England gezählt wird, von deutschen Firmen über England ein- und ausgeführt wird. Auch am Bergbau im Hinterlande Agadir ist Deutschland erheblich intereffiert.
Eine neue Marovokonferrnz? In Berliner Kreisen neigt man der Auffassung zu, daß der Schritt don Deutschland unternommen worden sei, um eine neiie Konferenz in dir Wege zu leiten. So äußerte sich ein ausländischer Diplomat in Berlin einem Mitarbeiter des ,Äerl. Tagebl.* gegenüber, es könne Deutschland nicht zugemutct werden, zuzusehen, wie sich Frankreich und Spanien über den Besitz Marokkos unter der Hand einigten. Das Erscheinen des .Panther* vor Agadir werde genügen, um Frankreich »erstehen zu laffen, daß sich Deutschland diese Ausschließung aus dem diplomatischen Komplex nicht gefallen laffen werde
Verlag der Lnlbaer llk- tteudruckerri in Fulda Fernsprecher Ur.».
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Pfo-, bei wieder- ^.'««genwird eutspr. «abatt gewährt.
Lark Schsitte; für öke Anzeige«: «.p-idtti.NK wochMMxn»RusttietteSomtagrzelümg"
— Melsungen, 4. Juli 1911. D-r verstorbene LandtagS-Abgeordnete Franz Gleim war geboren am 16. Juni 1842 unv hat seit 1889 den Wahlkreis Melsungen-Fritzlar im Abgeordnetenhause vertreten. Gleim, der sich in seiner Heimat des größten Ansehens erfreute, war Mitglied des KreiSauSsch uffes und deS »essischen Kommunallandtages, außerdem Ehrenbürger der Stadt Melsungen.
totales.
Fulda, den 4 Juli 1911
wohl einige Zett bauern, ehe sich aus diesem Denk- prozeß ein Vorschlag oder so was AehnlicheS herauS- kckstallisteck.
Deutschland hat — nachdem es so lange geschwiegen hatte — gesprochen; jetzt hat Frackeich das Wort.
Die ALdeuffchen glauben, daß die Zett gekommen mm sei, wo ihr Weizm blühe. Kaum ist die Entsendung des .Panther* Befannt gegeben, da sind sie schon zur Stelle, um ungebeten der Regierung Vorschriften zu machen. So hat die Ortsgruppe Berlin des Alldeutschen Verbandes folgmde Entschließungen gefaßt. Die OrtSgmppe Berlin des Alldeut- schm Verbandes ist nach wie vor der Meinung, daß daß deutsche Volk die Festsetzung der Franzosen in Marokko al3 einen Schlag ins Gesicht empfinde. Sie steht nach wie vor vollständig auf dem Standpuntt des letztm Entschluffes des Gesamtvorstandes, daß das dmtsche Reich die allanttsche Küste des Scheri-
fates bei einer evmtuellm Austeilung für sich beansprucht.* Es ist eine Arroganz, daß diese sporne sich als das deuffche Volk ausgeben,
ar juL , -—=- lammte dann bet
I Augusttnemionch Zacharias Marttnez die Zuhörer und forderte sie ausi die Kirche mit allen Mitteln zu vertei- drgm. Am frühen Morgen traf im Auto die K ön i- g i n mit der Jnfanttn Luise von Orleans ein, die mit begeisterten Hochrufen empfangen wurden. ' Die Königin empfing gemeinsam mit über 25 000 Teil- nehmet» die hl. Kommunion. Um 6 Uhr MH fand dann Meffe statt, und hierauf unter Beteiligung des > Kardinal-Erzbischofs Aguirre eine Prozession. Als die Kongreßteilnehmer nach Madrid zurückkehrten, begegneten sie auf dem Bahnhofe dem Zuge des Ministerprästdmtm Canalejas. Die Kongreßteilnehmer sangen vor dem Kupee des Ministerpräsidenten die Königshymne. In neun Sonderzügen wurden die Teilnehmer wieder nach Madrid zurückbefördert
J Madrid, 1. Juli 1911. Die guten Beziehungen zwischen dem Vattkan und der spanischen Regierung werdm in der republikaiklschen und sozialistischen Presse stack angegriffen. Man kündet an, daß Canalejas von nun an wie Maura behandelt werde. Der Radical fordert den Rücktritt des gesamten Ministe- riums Canalejas. Für die nächsten Tage sind große Proteftkundgebungm geplant.
1 Rom, 1. Juli 1911. Der Papst erklärte gegenüber seiner Umgebung, er sei über dm prachwollm Verlauf des Kongresses, der in Madrid so viele einigt gezeigt habe.
_______ (Som-
.merresidenz des Hofes) fand ein begeisterter Em- ifang der Kongreßteilnehmer statt. Der Cd war festlich geschmückt und abmds glänzend illuminiert. Bei bat Festlichkeiten wurden Feuerwerke
ht"tero^1|‘rl!.;etIi^en1.®e^9e.Pange lineua segnete h,r "u m ; das Vock. In
Reichstagswahlen wurde unbebingt abgelehut >r '
Beifall ber Anwesende gab ein der Erzbischof mtt der'Monsw<^' VorstaichSmitglleb die Erklärung ab, baß nach bem einer hinreißmden Predigt mtfir l-tzten v«sakunbertage-in Anschluß beS Danb-! Angustwernwnch Zacharias MaÄr werkS an ben Hansabund unmöglich sei " Die Viehzählung in Preußen. Mit Rücksicht auf, die Fleischteurung in ber zweiten Hälfte beS vorigen JahreS hat bie preußische Regierung nach bem Vorgang von Bayern, Württemberg unb Baben am 1. Dezember 1910 eine außerordentliche Vieh- zählung veranstaltet, beten Ergebnisse soeben in ber Statistischen Korrespondenz veröffentlicht roerben. Wrr sehen in Preußen dasselbe Bild wie in Süd- beutschlanb: einen Rückgang beS Rindvieh- unb SchasbestanbeS. Die Zahl bes Rinboiehz hat im Königreich im ganzen gegenüber bem Vor- fahr 170640 (1,5 Proz.), bie ber Schafe um 343563 run£.7.$ro3-) abgenommen. Am auffallendsten ist der Rückgang (über 8 Proz.) bei bem zwei Jahre alten unb filtern Rindvieh, sowie bei ben unter einem Jahre alten Schafen (10,4 Proz.) Die einzige Tierart, beren Zahl bei ber letzten Viehzählung eine Zunahme aufweist, ist baS Schwein. Die Zu- nähme gegenüber bem Vorjahr betrügt für ben preußischen Staat im ganzen 2,3 Millionen, das sind 16,4 Proz. Am auffälligsten ist bie Zunahme bet «.n^lb Jahr alten Tiere; sie beträgt über
1,4 Millionen, das finb 18,3 Proz.
)( Die vielumstrittene Verfassung Mecklenburgs. Ein allgemeiner Konvent der mecklen- burgischen Ritterschaft wird am Donnerstaq, dem 13. d. M., im Ständehaus zu Rostock tagen. Auf der Tagesordnung steht als einziger Gegenstand die Beratung betreffend Abänderung der mecklenburgischen Landesverfassung.
. — Prediget Zatho reift gegenwärtig tm Lande |
Seitung des Hansabundes nach den Darlegungen ^s Herrn Riesser immer mehr nur linksliberale Tendenzen verfolge unb nicht bas geringste getan habe, um die gegen ihn wegen seiner zweibentigen Stellung zur Sozialdemokratie gerichteten Angriffe zwe'felssica zu beseitigen. - Jeder Tag bringt bem .Bell. Tagebl/ welches ja anscheinend über bie reinliche Schetbung so froh ist, eine neue .Freude*. Da muß es für dieses Blatt eine Lust fein, zu leben. 0
'Die Forderung des Flvttenvereins, daß von 1912 an je ein Kreuzet jährlich mehr ge- ’nutronben soll, als im Flottengesetz vorgesehen ist, ist, wie der „Germ." von gut unterrichteter sette aus Köln geschrieben wird, auch vom Kaiser abgelehnt worden. D« entscheidende Bottrag des MarinestaatSsekretärs beim Kaiser «be in Kiel stattgefunden. Die Grundgedanken >eS neuen Etats seien dabei genehmigt worden; ie beruhten auf dem bestehenden Flottengesetz.
.)( Eine neue Reichstagsersatzwahl. Der ReichStagSabg. Postsekretär Hamecher (Zenlr.) ist >um 1. August als Oberpostsekretär nach Gülers- ; ch versetzt worden. Er verliert dadurch sein
nnAat* Hamecher ist 1907 in Köln-Land mit "10 Zentrumsstnnmen gegen 17310 sozial.
emokratische und 7820 liberale Stimmen gewählt worden.
bei rheinische Handwerkeriag, der in Steele ! >io »to8t nahm eine Entschließung an, in ber wrui ,9 des Handwerks in ben Parlamenten ronb- Jede direkte ober inbirette Unter» turen sozialdemokratischen Kandida- auch m bta Stichwahlen, bei ben kommenden
Ausland.
* Mit der Beschlagnahme des deutschen Dampfers „Gemma" bei Corcubion nahe Corunna, der im Verdacht stand, Waffen für die portugiesischen Monarchisten zu führen, be- schästigte sich am SamStag auf Einspruch des deutschen Botschafters der spanische Minister- rat. Die Untersuchung soll ergeben haben, daß die Papiere der „Gemma* in Ordnung waren und die Ladung nach Genua bestimmt war.
* Die Verfassung Portugals. Die Sonderkom- misston, bie beauftragt ist, der portug. National- Versammlung ben Detfaffungseniwutf vorzulegen, hat folgende Bestimmungen angenommen: Die Re- publik wirb einen Präsidenten haben, dessen Gehalt vor feiner Wahl festgesetzt wird. Der Präsident wird mit ben gesetzgebenden Körperschaften durch Botschaften verkehren, bie Minister werden sich dem Parlament nicht vorzustellen haben. — Die Gerüchte von Straßenkämpfen in Oporto werden von ber Regierung für vollständig unbegründet erklärt.
* Eine neue Krisis in Persien. Die Unruhen in ber Umgegend von Kasmin dauern fort. Teheraner Zeitungen melden, daß ber kürzlich au8 Teheran geflüchtete Sepehbar in Rescht Truppen um sich famtnelt. Seine Absicht soll fein, sich Regierungsvollmacht zu verschaffen, so daß er unabhängig vom Parlamente sei. In biesem Sinne hat er nach Teheran telegraphiert unb die Aufhebung ber amerikanischen Finanzkontrolle verlangt. Weiter fordert er Unterdrückung der Presse sowie die Vertagung deS Parlaments. Die Regierung befindet sich in einer kritischen Sage. Die Minister haben demissioniert. Wie wett man den Wünschen Sepehdars nachkommen wird, ist zurzeit noch nicht zu ersehen. ES ist zu hoffen, daß Unruhen vermieden roerben, schon um ein neues Eingreifen Rußlands zu verhindern.
abgebrannt. Kardinal-Erzbischof Aguirre unb zahlreiche Prälaten nahmen im Schloßpack an einem Abendbrot teil, das 30000 Personen gereicht wurde. Der Schloßpark war venetianisch beleuchtet. Nach dem Mahl segnete der Kardinal-Erzbischof die Teilnehmer. Um 9 Uhr begann die nächtliche Anbetung Der Legat und bie Prälaten hatten unter dem prunkvollm Thronhimmel Platz genommen. Die isidorianifche Kapelle sang Hymnen. 600 Fahnen- träaer bildete» die Ehrenwache des Allerheiliasten.
: zu gemeinsamem energischem Wicken zwecks Abkür-. ■ zung und sachgemäßer Regelung der Kreditftistm, ■ sowie zur Regelung ber Barzahlung auf.
: ± Zum Tode Chr. Hehls. Wenigen Lesern bei
,Fuw. Ztg/ wird es bekannt fein, daß bie Eltern des in ber gestrigen Nummer b. Bl. erwähnten Geh. Regiecungsrates Christoph Hehl, ber am 18. Juni d. I. als Professor an ber technischen Hochschule zu, Charlottendurg gestorben ist, einst einige Jahre in nächster Nähe von Fulda gewohnt Haden. Es war Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts,, wo der Direktor des Kasseler Polytechnischen Schutt Joh. Hehl nach seiner Pensionierung mit seiner Familie nach Bronzell Übersiedelte und in der oberen Etage des damals Dr. Herquet'jchen Hauses (jetzt Jägerhaus) seine Wohnung nahm. Die Familie Hehl war streng katholisch und mit bem damaligen Regens Dr. Komp sehr befreunbet. Dieser, unser nachmaliger Bischof unb erwählte. Erzbischof von Freiburg, soll auch zunächst bie Veranlassung zn Hehl's Uebersiedelung in bie Nähe Fuldas gewesen lein. Wenn wir nicht irren, befand sich auch da» mals ein Sohn des Direktors Hehl als Alumnus! oder Zögling des Bischöfl. Knaben - Konviktes im Priesterfeminare.
::: Der Ausfichtsturm auf bem Rauschenberg ist die einzige Hochwarte in der näheren Umgebung Fuldas, von wo aus der Blick das gesamte Fuldatal zwischen Rhön und Vogelsberg erfassen kann. Nicht ment« ger als 23 Döffer und Flecken zeigen sich dock oben dem Beschauer; in weiter Ferne kann er u. a. den Herzberg bei Alsfeld, den Alheimer bei Rotenburg a. F., ja bei sehr klarem Wetter sogar den Meißner bei Kassel erspähen. Der Besuch des Rauschenberges unb feines Turmes ist jetzt an Sonn- und Wecktagen sehr zahlreich. Auf dem Turme angelangt, erleben jedoch | die Besucher eine kleine Enttäuschung. Die umstehenden Bäume.sind zumteil über ben Turm gewachsen und versperren die Aussicht. Die maßgebende Forstbe- hörde wird wohl bereitwillig dem Wunsche der Statur« freunde nachkommen, wie das früher bereits einmal geschehen ist» bie hinderlichen Bäume zu beschneiden oder zu entfernen, damit ber alte Turm in ber Tat ein Aussichtstürm ist.
* Eine Unterstützung aus der Gustav-Adolf-Stistung wurde ber hiesigen evangelischen Gemeinde gelegentlich des Jahresfestes des Hanauer Bezirks- vereinS, das in Elm ftattfanb, zugesprochen. Die Generalversammlung bewilligte nämlich an Unterstützungen : Für Großauheim 800 Mk., Salmünster 600 Mk., Uttrichshausen- 200 Mk., für das Freigericht 120 Mk., für Fulda 100 Mk., Hilders 50 Mk., Kaffel-Wirtheim 150 Mk, Großkrotzenburg 30 Mk., für das Diaspora-Waisenhaus in Godes- Heim a. Rh. 100 Mk., für bie Los-von-Rom-Ge- meinde 200 Mk. Der Ertrag ber Festkollekte wurde für Fulba bestimmt.
r. Der hessische Feuerwehrverband hielt am Sams-
X Das deutsche Einschreiten iw Marokko.
. Note. Die Mitteilung der
.deutschen Regierung an die Mächte über die Mtsendung des „Panther* nach Agadir lautet nach der „Nord. Allg. Ztg.«, wie folgt:
... Dnttfche Firmen, die im Süden Marokkos unb Umgegend tätig sind, find Adrr eine gewisse Gährung unter den dortigen Etäm- ?oe ^rch die letzten Ereignisse in des Landes hervorgerufen zu fein scheint. ^a6e2. lich an die kaiserliche Regierung ‘ b5J.®'lfre "Ul Schutz für das Leben und Eigentum 1 hreBitte hat die Regierung be- schloffen, em Kriegsschiff nach dem Hafen von Agadir JV”^nötigenfalls den deutschen Unter« K’JSEi ""d Schutzgenossen wie auch den beträchtlichen putschen Interessen in jenen Gegenden HUfe und Schutz zu gewähren. Sobald die Ruhe und wiederher gestellt seien, dieser Aufgabe des Schutzes betraute ©W ben Hafen von Agadir verlassen.
Diese Mitteilung stimmt ziemlich überein mit ber ersten offiziösen Meldung, bie bie ,Nordd. Allg. Big." am Samstag veröffentlichte. Nur wirb in der amtlichen Mitteilung an bie Mächte zum Ausdruck gebracht, baß ber .Panther* bis zur Rege- ^”9 der Marokko-Affäre in Agadir verbleiben fällst es aus, baß in der Mitteilung an die Mächte außer ben deutschen Untertanen bie Dchutzgenoffen erwähnt werben, benen gegebenen» falls Hilfe zuteil werden muffe.
tag und Sonntag in Homberg seine 18. BerbandS« tagung ab. Rach dem Rechenschaftsbericht des Zen- tralvorstandeS ist ber Verband um weitere 39 Wehren angewachsen und zählt zurzeit 3100 Wehren mit 63 035 Mitgliedern. Kreisfeuerwehrverbände bestehen jetzt in den Sre.fen Hersfeld, Eschwege, Frankenberg, Fulda, Schmalkalden u. a. Die Unterstützungen, welche die Hessische Brandversicherungsanstalt bedürftigen Gemeinden zu Zwecken des Feuerlöschwesens ge» währte, beliefen sich auf 237500 Mk., dazu weitere 41000 Mk. Darlehen. Baurat Fitz sprach über „Neuzeitliches auf dem Gebiete der feuelstcheren Bauweise". Der dem Bortrag zugrunde gelegte Leitfaden war der, daß die jetzt so sehr beliebte Verwendung von Eisen zur Errichtung von Neubauten keineswegs die Sicherheit gegen daS Niederbrennen der Gebäude gewahre, wie allgemein angenommen werde. Einmal begünstige die große WSrmeleilungsiähigkert des Eisens die rasch« Ausdehnung entstehender Brände in dem Gebäude und weiter verliere das Eisen, sobald es rotglühend werde, feine Tragfähigkeit. Eisen sollte deshalb nur mit eines glutsicheren Umhüllung von mmdestens 4 Ztm. Mächtig« feit bei Bauten verwendet roerben. Diese Umhüllung könne sowohl au8 Mauerwerk, als auch aus Beton bestehen. B«icksbrandmeist-r Körbel.«Bi^erfaufunaeu
Deutscher Reich.
% Berlin, S. Juli 1911. Die .Hohenzollern* mit bem Kaiser an Borb ist heute morgen 8 Uhr aus Travemünbe in Kiel eingetroffen. — Die Ausreiseber„Hohenzollern* nach Norwegen hat wegen deS schlechten Wetters nicht erfolgen können. Es wirb angenommen, baß bas Schiff am Dienstag auslaufen kann. — Der Kronprinz unb bie Kronprinzessin finb von ben Krönungsfeierlichkeiten in England im Marmorpalais zu Potsbam roieber eingetroffen. — Der Bundesrat hat in ber Sitzung vom 14. Juni 1911 neugefaßte Aussührungsbestimmungen zum Leuchtmittel- steuergesetz vom 15. Juni 1909 mit ber Maß- gäbe erlassen, daß sie am 1. Juli 1911 in Kraft treten. Die Bestimmungen find in Nr. 35 deS Zentralblattes für das Deutsche Reich abgedruckt. — Die türkische Studienkommission weilt gegenwärtig in Köln unb besuchte von bock ans Düsseldorf.
+ Abg. Pachuicke veröffentlicht in ber ,Voss. Ztg., eine Erwiberung auf die Äuslaffung des Büros des AbgeorbnetenhaufeS über bie Geschäftshanb- babtfhg bes Präsidenten v. Kröcher in ber letzten Sitzung be? Abgeordnetenhauses. Da Herr Pachnicke sich an ben Buchstaben ber Geschäftsordnung unb nicht an bie bisherige Praxis bes Hauses hält, kommt .*r natürlich zu einer Verurteilung jener Auslassung unb zu einer Glorifizierung ber eigenen Person.
T>ie ausländische Presse. Wenn jemand was ml, fallen die anderen über ihn her. Das war stets so und wird so bleiben. Wir gestehen, daß wir au: einen wilden Sturm im fremben Blätterwalde gefaßt waren. Selbst wenn das deutsche Reich in völliger Sitthelage verharrte, wurde es draußen mit Vorliebe 8"r Zielscheibe heftiger Angriffe erkoren. Jetzt aber ist eutschland — nicht so sehr aus eigenem Antriebe aU durch die von anderen geschaffenen Umstände gezwungen — mit einem weithin hallenden Schritt au' ben Kampfplatz getreten. Wir freuen uns, feststellen gn können, daß sich in dem vielstimmigen Echo, das diesen Schritt im Auslande gefunden hat, nur wenige leidenschaftliche Töne vernehmen laffen. Das ist von günstiger Vorbedeutung für die diplomatischen Verhandlungen, die nun wahrscheinlich em schnelleres Te-upo einschlagen werden, als es bisher der Fall war. Soviel sich bisher erfennen läßt, kommt Deutschlands Eingreifen den Spaniern und Italienern gelegen. Spanien hat freilich dem franzö- sisckMi Marokko-Appetit gegenüber schon zur Selbsthilfe gegriffen, die nun durch Deutschlands Auftreten gekräftigt wird; Italien stand abseits, ohne was zu sagen, aber doch immer in der Stimmung des Mannes, dem die Felle davonschwimmen, denn das im Mtt-
Ohnehin weit stackere Frankreich schwächte Nwch letne marokkanische Ausbreitung noch mehr JttEns pottttsches Gewicht. I» der e n g l i s ch e n Preffe Seelen miteinander. Keineswegs
bie gesamte öffentliche Meinung Englands billigte iron vornherein dir französische EroLerungspolitik in Marokko, und je weiter die Dinge sich entwickelten desto mißmutiger wurden dir Kritiker dieser Politik' Jetzt gimiben sie, daß Deutschlands Austrcken endlich einen Wimdel hierin mit sich bringen werde. Sie weisen daher mit dem Finger auf Frankreich und be- C'chnni die Franzosen als die eigenüichen Urheber r Entsendung bedeut scheu Kriegsschiffs nach Aga- «ir. Der andere Teck der englischen Presse steht uil- bedingt zu Frackelch. Er muß wohl noch ärger kommen, bis aud> dieser Test sich bekchck. Wir können in Ruhe den Zeitpuck abwacken. Beachten«. Wert ist noch, daß ein englisches Blatt englische ®r= -satzansprüche in Marokko hervockehck nach dem Schema der Bierteilung, wobei bie, marokkanische Äordwektt etfe mit Tanger an England zu fallen hätte, fo dasi die beiden westlichen Torflügel des Mittelmeers an der Gibroltarstratze englischer Besitz wären. ggag lagt man in Frankreich dazu? Sieht man allmählich Sn, wohin man dock treibt? -ie f * a ”5 M i f $ e n -Zeitungsartikel sind in der Haupffache Veckegenheits- säußemngen. Die Franzosen kümmecken sich nicht linet um Deutschlands Empfmdlichketten toegen Ma- rokkos. Sie machtm, was ihnen beliebte. Sie mißverstanden die internationale Lage, indem sie sch überzeugt toaren, daß Deutschland an der Kette liege. Auf einmal ist Deutschland mit einem Spmnge m£ ten drin in den marokkanischen Geschäften. Jetzt heißt es: was tun? Man zerbricht sich dm Kopf über den Klurwea aus der marollanischen Sackgasse. Es wird
&Lunb läßt sich tn Versammlungen liberaler * Gegen das Borgunwesen macht bie Staffelet ®ronnta? rotir m Handwerkskammer in einem Rundschreiben SXn Z^hoversammlungen statt- mobil. Die Kammer toenbet sich an ben Handwerker-
L r ’ sprach et tn B e rlin tn drei und Gewerbestand, sowie an jedermann, bem an bet
ttnben^n""Aa'ickf»rlm^öatT ^^ichMg Besserung dieser Zustände gelegen ist, und fordeck die fand n_ tn Frankfurt zwei Versammlungen statt. Innungen, Handwecker- und gewerblichen Vereine
* Zu ber nationalliberalen Obstruktion in bet letzten Sitzung des Abgeorbnetenhauses schreibt ein konservatives Mitglied des Abgeorbnetenhauses bet Deutschen Tageszeitung', baß bie unter Führung des Herrn Schiffer betriebene nationalliberale Ob- struktion auch unter ben Mitgliebern bet national- liberalen Fraktion nicht überall Billigung gefunben habe. Verschiedene Mitglieder dieser Fraktion hatten ihm, bem Einsenbet, ihr Bebauern über bas Verhalten ihrer Fraktion geäußeck unb erklärt, daß sie persönlich sich an bet Obstruktion nicht beteiligt hätten. — Das ist interessant. Man sieht, wohin Herr Schiffet bie Nationalliberalen führt. Früher wäre bie national- liberale Fraktion für em berartiges Vorgehen im Parlament nicht zu haben gewesen.
+ Der Riß im Hansabund geht unaufhaltsam weiter. Kaum ist bie Mitteilung von bem Abfall im Saarreviet bekannt geworden, ba wird aus bem Narben Deutschlands eine weitere Abbröckelung im Hansabnnbe bekanntgegeben. Der bisherige Vor- fitzende des Zentralvereins des Hansabundes für Altona, Ottensen und Umgegend, bet Industrielle und Stadtverordnete Seibler, hat feinen Austritt au8 dem Hausabunde erklärt. Mit ihm ist eine Reihe angesehener Industrieller, die Mit- gliebet des Altonaer Zweigvereins bes Bunbes waren, ans biesem ausgeschieden. So Geheimer Kommerzienrat Balkens, Kommerzienrat Menck, Präsident der Handelskammer zu Altona Bösch, bet jroeite Vorsitzende bes Zweigvereins unb Fabrikant Michaelsen. Weitere Austritte stehendem Bet- nehmen nach bevor. In dem Austrittsschreiben des