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fuldaer

Mittel tm Jnnem neu hergestellt worden und erstrahlt jetzt in einem so glänzenden Festgewand, daß ihr kaum ein Saal Deutschlands an die Seite zu ftetten ist. Ehedem der größte Saal unseres Vaterlandes, hat die Mainzer SMthalle durch Anbau der Terraffen- ffile an Bequemlichkeit und baulicher Schönheit noch ganz erheblich gewonnen. Am Rhein dürste sich kein derartiges Banweck finden, das so geeignet wäre, die Generalversammlung der Katholiken Deutschlands auszunehmen, wie es die Mainzer Stadthalle ist.

Alles in allem darf wohl schon heute mit aller Bestimmtheit erwartet werden, daß die 58. General- versamnckung der Katholiken Deutschlands eine der glänzendsten Kundgebungen sein wird, die das kathol. Deutschlands jemals veranstaltet hat. Auch unsere Vaterstadt dürste schwerlich jemals ein Fest von der Bedeutung und den außerordentlich großen Zuspruch von Gästen erlebt haben, wie die bevorstehende Heer­schau der deutschen Katholiken, die im Zeichen des Andenkens des großen sozialen Bischofs Freiherr von Ketteier stehen wird.

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Montag den 3. Juli (9U.

88. Jahrgang.

2. Blatt.

Bntd tntb Verlag der Lnldaer NetiendrnSerel in $«lba.

<Q> 58. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands in Mainz

6. bis 10. Angnst.

Mainz, 1. Juli 1911.

Die Vorarbeiten für die vom 6.—10. August hier tagende 58. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands nehmen einen erfreulichen Fortgang und die verschiedenen Kommissionen sind eifrig an der Ar­beit, der Generalversammlung in unserer Vaterstadt eine würdige Heimstätte zu bieten. Auch in der letz­ten Sitzung des Vorstandes des Lokalkomitees konnten die Vorsitzenden der einzelnen Kommtsfionen wieder Erfreuliches über den Verlauf der Vorarbeiten und die zahlreichen Anmeldungen berichten.

Was zunächst den F e st z u g anlangt, so lagen bis jetzt nicht weniger als 35 600 Anmeldungen vor, so­daß wohl mit Bestimmcheit eine Beteiligung von .90000 Teilnehmern an dem Sonntag, dm 6. August, nachmittags 2 Uhr zu veranstaltenden Fest- zug zu erwarten ist. Es wird dies eine seltene und Erhebende Kundgebung fein, die ihresgleichen so bald nicht finden dürste.

Zahlreich sind die Anmeldungen, die aus allen Teilen Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz tagtäglich bei dem Änmeldebureau einlaufen; die her- vorragmdsten Männer des katholischen Deutschlands chabm ihr Erscheinm gemeldet und der deutsche Episkopat wird stark vertreten sein. Auch das finanzielle Gelingen des großen Unterneh­mens ist durch diese rege Beteiligung des katholischen Deutschlands gesichert. Gleich wohl glaubte der Vor­stand des Lokalkomitees dem Beispiele anderer Städte -folgen zu sollen und Zeichnungen zu einem Ga- ftantiefonds mtgegennehmen zu sollm, der eine völlige ^Sicherstellung des Unternehmens in finanzieller Hin­sicht garantiert. Wenn auch mit einem Ueberschuß ge- 'xechnet werden darf und eine Inanspruchnahme der ^Zeichner des Garantiefonds infolgedessen nicht zu er- wartm ist, so ist dennoch diese stets bei den großen Tagungen der dmtschm Katholikenversammlungen ! übliche Maßnahme durchaus zweckmäßig. Welch freu« -bige Teilnahme die katholische Bevölkerung der Ver- |ifammlung entgegenbringt, geht aus der Tatsache Her­chor, daß bereits Zeichnungen in Höhe von 73 000 Mark für den Garantiefonds eingelaufen sind und noch weitere Zeichnungen bestimmt in Aussicht stehen. -Es sei wiederholt festgestellt, daß die Zeichnungm nur Jin dem durchaus unwahrscheinlichen Falle eines Fehl­betrages und dann nur prozentual in Anspruch genom­men würden, keineswegs aber so aufzufaffen sind, als i»b die gezeichnete Summe dem Unternehmen auf je- chen Fall und in der gezeichneten Höhe zur Verfügung zu stellen wäre.

Der Festausschuß hat seine Vorbereitungen sLereits soweit getroffen, daß auch auf ein glänzendes Gelingen des Festes inbezug auf die den Gästm zu Mietenden festlichen Veranstaltungen garantiert ist. Die M r eß k o mm i s s i o n hat eine stattliche Zahl von ^Aufrufen und sonstigen wichtigen Mitteilungen über die Vorbereitungen zum Katholikentag an die katholi­schen Blätter Deutschlands und Oesterreichs hinaus- gegebm, die eifrig abgedruckt wurden. Neben dieser Propagandatätigkeit sorgte die Kommission für Her­ausgabe eines Führers durch Mainz, für Festpostkar­ten, erledigte die Vorarbeiten für das zehnmal erschei­nende Festblatt, für Herausgabe eines Gedenkblattes ' mit den Porträts der Präsidenten, der Vorsitzenden -der Kommissionen, der Bischöfe und anderer hervor­ragender kirchlicher Würdenträger, sowie für den ste- , nographischen Bericht. Auch wird ein Festblatt und eine Uebersicht über sämtliche Veranstaltungen heraus- i gegeben. Die Ordnungskommission hat Vorsorge getroffen, daß der zu erwartende Massenver­kehr in schönster Weise sich abwickelt. Die Bewälti­gung des Verkehrs am Festsonntag werden neben den fahrplanmäßigen Zügen zahlreiche Sonderzüge über­nehmen.

Die Auswahl der Redner, die in den öffentlichen Versammlungen das Wort ergreifen wer­den, ist eine äußerst glückliche; wir finden darunter die glänzendste» Namen des katholischen Deutschlands. Nicht weniger als 40 Vereine und Korporationen werden gleichzeitig mit dem Katholikmtag in Sonder­versammlungen Beratungen pflegen.

Die Stadthalle, das Heim des diesjährigen Katholikentages, ist unter Aufwendung bedeutender

feuineatbettet Aquilin Gaab aus Offenbach rourbe von einem Radfahrer, einem Bäckerburschen, ange­fahren und so heftig zur Erde geworfen, daß er eine schwere Gehirnerschütterung erlitt, an deren Folgen er im Krankenhaufe gestorben ist.

* Homburg tz d. H., 29. Juni 1911. Der ,$aunu3bote/ kann am 1. Jnlr auf sein 50jährigeS Bestehen zurückblicken. AuS diesem Anlaß hat die Zeitung eine mit Illustrationen geschmückte Fest­nummer herausgegeben, in der die Geschichte der Zeitung und der Stadt Homburg geschildert ist.

* Dingelstedt, 30. Juni 1911. Großes Aufsehen erregt hier und auf dem übrigen Eichsselde daS Verschwinden deS Maschinenfabrikanten Werkmeister. Die Wechsel- und andere Verbindlichkeiten hatten eine derartige Höhe erreicht, daß der Zusammen­bruch nicht mehr auszuhalten war. Der Mitinhaber Schmidt hat denn auch inzwischen den Konkurs bei dem hiesigen Amtsgerichte angemeldet.

* AuS Franken, 1. Juli 1911. Die Badefrequenz beträgt in Bad Kissingm nunmehr 14560 Personen. — In Aschaffenburg kam ein dreijähriges Kind unter einen Wagen und wurde von einem Pferde tödlich am Kopfe verletzt. — Die Schlofserinnung Aschaffenburg erhielt die Schlofferarbeiten am Post­neubau übertragen. — Eine Weingroßhandlung in Schweinfurt hat kürzlich eine Wagenladung Wein vom Rhein bekommen. Beim Entladen bemerkte man, daß von einem großen Faß der Spund kunst­gerecht gespalten und mittelst Schlauch eine Quantum Wein entnommen war. — Golderz in Franken. Die im vorigen Jahrhundert mit Erfolg betriebenen Golderzgruben Gold-Kronach, die feit längerer Zeit still gelegt sind, sollen wieder in Betrieb ge­nommen werden. In Sachverständigen-Gutachten wird ein überraschendes großes Golderzlager in Aussicht gestellt.

Platze getragen werden mußte. — In einer Lehm- grübe bei Görmar (bei Mühlhausen) stürzte eine Lehmwand ein und begrub die zwei Brüder Walther unter sich. Einer wurde als Leiche, der andere schwer verletzt geborgen. Zwei Pferde wurden so schwer verletzt, daß sie getötet werden mußten. — Das amt« "che Blatt des Großherzogtums, die „Weimarische Zeitung", ist an eine G. m. b. H. verkauft worden. Ursprünglich dachte die Regierung selbst daran, das Blatt auf eigene Kosten zu übernehmen, aber man ist Nach Anhörung eines Sachverständigen wegen des eventuellen finanziellen Aufwandes für eine würdige Ausgestaltung wieder abgekommen. — Aus Station Mechterstädt bei Eisenach entgleiste der Wagen eines Güterzuges in voller Fahrt. Zwei Bremser wurden schwer verletzt. Als Ursache dieser Entgleisung vermutet man starke Abnutzung des be­treffenden Wagens.

Amt Geisa und Umgebung.

* Schleid, 1. Juli 1911. Das dem Landwirt Bruno Orb von hier gehörige Gut ging durch Kauf für 42 000 Mark an auswärtige Handelsleute über.

* Heringen a. Werra, 1. Juli 1911. lieber den augenblicklichen Stand des Unternehmens der K ali- gewerkschaft Heringen wird mitgeteilt, daß das Werk jetzt nahezu vollendet dasteht. Man hofft, im Laufe des nächsten Monats fix und fertig zu werden, so daß Ende Juli die Befahrung durch die Syudikalskom Mission und die Erteilung einer vor­läufigen Beteiligungsquote erfolgen kann. Alsdann wird man mit der Aufschließung beginnen, die man dank der günstigen Verhältnisse bis Schluß des laufenden Jahres durchführen zu können hofft.

* Tiefenort, 2. Juli 1911. Freitag mittag wurden die eingelaufenen Offerten, betreffend den Wasserleitungsbau, geöffnet. Die Zahl der Bewerber beträgt 21. Die ganze Ausgestaltung des Wasserleitungsbaues ist in 4 Lose geteilt: Lo8 1 betrifft die Zuleitung von der Quelle bis zum Ort, Los 2 das Ortsnetz Tiefenort, Los 3 das Ortsnetz Kieselbach, Los 4 das Ortsnetz Merkers. Bezüglich des Niedrigstpreis sind zu verzeichnen, für Los 1: Philippi-Kassel mit 75461 M.; für Los 2: Breuer und Co.-Höchst a. M. 79574 M.; für Los 3: Breuer u. Co.-Höchst a. M. 27 379 M.; für Los 4: Frühauf-Schwarzbach 10528 Mark. Die einheimische Firma Schanz und Kaifer-Tiesenort beziffert ihre Angebote für Los 1 auf 82910 M., Los 2: 81920 Mark, Los 3 — und Los 4 14194 Mark.

* Gerstungen, 1. Juli 1911. Gestern abend trug sich auf dem hiesigen Bahnhof ein schwerer Unfall zu. Der Lokomotivführer Hausch wurde beim lieber» schreiten der Geleise, als gleichzeitig Personenzug Nr. 250 und Eilgüterzug Nr. 693 einliefen, von der Maschine des letzteren ersaßt und beiseite ge­schleudert. Er erlitt eine Gehirnerschütterung und andere Verletzungen am Hinterkopf. An seinem Aus­kommen wird gezweifelt. Das ist der vierte schwere Unglückssall, der sich in ganz kurzer Zeit auf dem Bahnhof Gerstungen zugetragen hat. Der jetzt Verunglückte ist ein Sohn des Werkmeisters Hausch, früher in Fulda.

* Aus Thüringen, 2. Juli 1911. In Dach­witz bei Erfurt stürzte beim Richten seines Neu­baues der Landwirt Otto Beyer von den Dachbalken in das Erdgeschoß hinab und erlitt so schwere Ver­letzungen, daß er in hoffnungslosem Zustande vom Parker und Johnson — alles liebe, gute Freunde! Wie schön von euch, daß ihr olle gekommen seid!" wxndet sie sich wieder zu der Menge. Wir freuen uns sehr; nicht wahr, Armin, wir sind all diesen guten Leuten sehr, sehr dankbar, Nun laßt euch alle­samt zu effen geben — dort unten in der Scheune! Später kommen wir auch herunter!"

„Gott segne Sie! Gott segne Sie!" jubelt es ge­rührt. „Unb auch Sie, mein Herr, weil Sie unser Fräulein so glücklich machen!"

Nur wenige blicken in diesem Moment auf Ar­min; aber diesen wenigen fällt ein sonderbarer Aus­druck in seinen Zügen auf — halb Spott, halb Un­ruhe. Kräftig winkt er mit der Hand, um den Worten feiner Gattin noch mehr Nachdruck zu verleihen, und die Menge verliert sich in der Richtung nach der Scheune. Jetzt nimmt Armin Ruth bei der Hand und geleitet sie zu Gilbert.

„Willst du unserem Freunde nicht ein paar Dan- kesworte sagen, Ruth?"

»Gewiß, gewiß!" Ruth streckt Gllbert die Hand entgegen. »Seien Sie nicht böse, Lord Donald! Ich war so glücklich, all' meine alten Freunde wiederzu­sehen. Die Freude in all den braven Gesichtern — denke, es ist ein gutes Omen, wie?"

»Gewiß, Frau Skott, ein gutes Omen! . .. Darf ich nun gleich um eine erste Gunst bitten? Wollen Sie mich für ein paar Tage hier behalten? Ich werde mich so unsichtbar wie möglich machen."

»Natürlich, lieber Lord Donald! Bleiben Sie, so lange es Ihnen gefällt."

Armin hat sich inzwischen die Zett damit ver­trieben, die Gemälde zu studieren, welche die Haupt­halle schmücken.

„Wer ist dies?" fragt er jetzt plötzlich, auf ein Damenporträt deutend, welches durch de» eigentüm­lich fmnenben Ausdruck feiner Züge, besonders aber durch einen gewissen „tragischen Blick" auffällt.

„Meine Großmama," erwiderte Ruth.

„Wie ähnlich sie dir ist, besonders wenn du ernst aussiehst," *

Oie Macht der Gewissens.

34] Roman von Erich Friesen.

Die vorige Gutsherrschaft war ja auch ganz nett; niemand konnte einen Einwand .gegen sie erheben. Frau Forster war die Güte und Leutseligkeit selber und Fräulein Virginia ein hübsches, sogar ein sehr hübsches Mädchen. Aber — sie waren doch eben nur Fremde, Eindringlinge; sie gehörten nicht zu ihnen, sfie verstanden nicht die Leiden und Freuden, die Sorgen und Mühen der biederen Leute. Ja, der heu­tige Tag ist ein wichtiger Tag! Davon sind alle ^durchdrungen, die dort im Sonntagsstaat, frohen Her- igens und voll gespannter Erwartungen dec Ankunft der Gutsherrin und ihres erwählten Gatten harren. Dämmerung beginnt herabzufinken. Sinnen kurzem .Müssen sie da fein! . . . Man lauscht, man guckt sich die Augen aus. Allerhand Bemerkungen, Fragen, Vermutungen fliegen hin und her . . .

Horch — ist das nicht das dumpfe Stollen eine» ßiäherkommenden Wagens? Allgemeine Erregung. Aller Augen, aller Ohren richten sich nach dem Parktor

h »Es ist noch zu ftüh," meinte eine alte Matrone bedenklich.

?■ „Vielleicht haben sie einen Extrazug genommen," Kemeckt eine andere. „Unser Fräulein ist jetzt eine fetofje Dame — die kann alles machen."

U; „Ja, und da drinnen, da soll ein ganzes große», . geheimes Zimmer von Säcken stehen — und in ben Mücken lauter Gold — echtes, blitzendes Gold!" ruft Ain krausköpfiges, junges Ding, mit begehrlichen Au­gen hinüber nach bet Waldburg lugend.

; „Schnack! Geheimzimmer voll Gold gibt- nicht!" Mßt sich jetzt die bedächtige Stimme eine» alten, weife» Bärtigen Mannes vernehmen. „Und Exttozüge — Ka muß man erst die Erlaubnis der Regierung dazu 'Haben."

. „Erlaubnis ober nicht Erlaubnis — sie kommen!" : schneidet ein frischer Bursch, die Mütze in die Lust Wleudernd, alle Schwadronierereien ab. »Juchhe!"

Aus Oberheffen u. den Hess. Aemtern

* Kirchhain, 2. Juli 1911. Aus dem in Kassel abgehaltenen hessischen Trachtenfest rich­teten der Landgraf Chlodwig von Hessen und der Landwirtschaftsminister Ex. Freiherr v. Schorlemer freundliche Worte an die in ihrer Tracht erschienenen Paare und ermahnten sie, an ihrer schönen Tracht, die sie von den Vatern übernommen, festzuhalten. Diese Worte fanden lebhaften Beifall. Mögen sie auch im Kreise Kirchhain beherzigt werden, wo glücklicherweise die Bevölkerung noch sehr an der Tracht hängt, und das mit Recht. Der Kreis Kirch­hain war denn auch im Festzug mit 13 Paaren be­sonders stattlich vertreten. Da waren zu sehen, die oberhessische und die katholische Tracht, ferner, die Sondertrachten von Schweinsberg, Rauschenberg, Allendorf und Schiffelbach. Ganz besonders bewun­dert aber wurde ein Bauer aus Nick>erwald in der Tracht von 1829 mit großem dreispitzelblauem Schoßrock und hirfchledernen Kniehosen. — Eine „Hermannsschlacht" — fo benannt, weil einer der Kombattanten Hermann heißt — fand dieser Tage hier auf einem Gehöft in der Nähe des Bahnhofs statt, wobei zwei Manner aus gering­fügiger Ursache derartig aneinander gerieten, daß schließlich Gendarmerie gerufen wurde.

* Ziegenhain, 1. Juli 1911. Klempnermeister Hahnert von hier hatte beim Anbringen einer Dach­rinne in Obergrenzbach das Unglück, vom Dache zu stürzen. Er trug Verletzungen am Kopfe und Arm davon und mußte in ärztliche Behandlung genom­men werden.

* Neukirchen, bei Ziegenhain, 1. Juli 1911. Das diesjährige Kreiskriegerverbandesfest wird am 16. Juli in unseren Mauern abgehalten. Als Festplatz dient der für solche Veranstaltungen sehr geignete, geräumige geräumige und schattige Platz „Unterm Biegen". Mit dem Feste wird ein Blumentag zum Besten der Veteranen ver­bunden.

* R.-Holzhausen, 1. Juli 1911. Hier wurden einer Frau 45 m gestohlen. Als Täter sind zwei Reisende im Verdacht, von denen der eine ein glattes Gesicht hat und der andere einen kurz gestutzten Vollbart trägt.

Naumburg i. H., 1. Juli 1911. Unsere Stadt, die jahrelang in einer Art Dornröschen­schlaf gelegen hat, scheint dank unserem Herrn Bürgermeister zu neuem Leben erwacht zu sein. Nicht nur daß jetzt erheblich mehr Wert auf Reinhaltung der Straßen und schmucke Häuser gelegt wird — eine Anzahl Hausbesitzer hat ihre Wohnhäuser bereits neu Herrichten kaffen — die Stadt macht auch selbst große Auswendungen, um ihren Bürgern etwas zu bieten. So wird jetzt auf dem Burghain, dem altgewohnten Festplatz, eine geräumige und stattliche Halle errichtet, damit die Gemeindeangehörigen bei ihren Kirchweih- und sonstigen Festen im Trock­nen sitzen können. Ferner ist nach jahrelanger Verhandlung endlich auch der Schulhaus­neubau soweit gediehen, daß in der Kürze die Ausschreibung der Arbeiten erfolgen kann. Der Plan zur Schule rührt vom Regierungsbaumeister Kegel, Kassel, her und verspricht einen Bau, der bei aller Anpassung an die geschichtlich und

Eine Wolke huscht über Ruths soeben noch so hei­teres Gesicht. Unwillkürlich ziehen sich ihre schönge- schwungenen Brauen ein wenig zusammen. In diesem Augenblick frappiert auch Gilbert die Aehnlichkeit.

„Man hätte mich nicht daran zu erinnern brau­chen!" schmollt Ruth sichtlich verstimmt. „Es scheint mir eine schlechte Vorbedeutung zu sein. Das Schick­sal meiner Großmutter war ein äußerst tragisches. Reden wir nicht mehr davon. Uebrigens wird das Essen sogleich fertig fein."

Ungestüm schiebt sie die sie umwedelnden betben großen Bernhardinerhunde beiseite und läuft, das Ge­sicht von dem Bilde abgewendet, die Treppe hinauf. Bedauernd blickt ihr Gilbert nach.

„Schade, daß wir von der Aehnlichkeit sprachen. Es scheint einen ungünstigen Eindruck auf deine Frau gemacht zu haben." t

'„Ach was!" entgegnete Armin verdrießlich. „Die- fer dumme Aberglaube! Es gibt Frauen, die hän­gen zeitlebens daran. Durch nichts sind sie davon ab­zubringen — nicht durch Bitten, nicht durch Spott, nicht durch Vernunftgründe. Pah — Weiber- schwäche!"

Bei dem Heinen, auserlesenen Abendessen ist Ruth wieder in bester Laune. Verschwunden ist jede Spur von Mißstimmung. Sie hat ihr Reisekleid abgelegt und bafür ein mehr festliches Gewand gewählt. Jetzt sitzt sie, ganz in duftiges Weiß gehüllt, zwischen den beiden Herren. Im Haar und Gürtel prangen zwei dunkelglühende Rosen.

Ruth ist schr gesprächig. Sie lacht und scheut und ist kindlich vergnügt. Gilbert wundert sich fast, daß dieses harmlos heitere Geschöpf dasielbe ttef- traurige Wesen sein soll, welches er noch vor wenigen Monaten gekannt und dessen schmerzerfüllter Blick rhn seitdem oft bis in den Schlaf »erfolgte. Sie scheutt ihm um Jahre verjüngt. Und doch fehlt ihm etwas an ihr Ist es die Seele, die ehedem aus ihren gro- feen Augen sprach? Ist es der volle, bunte Klang, d« früher ihre Stimme so warm zum Herzen brin­gen liefe? , i «

(Fortsetzung folgt)

Aus dem Nachbargebreie.

* Lauterbach, 2. Juli 1911. Vor dem Schöffen­gericht stand die Ehefrau A. K. unter der Anklage ihren 31/* Jahre alten Sohn im vergangenen Winter durch rohe Mißhandlungen an seiner Gesund­heit beschädigt zu haben. Durch die ärztliche Unter­suchung und durch Zeugen wurde festgestellt, daß der ganze Körper des Kindes mit blauen Flecken bedeckt war, die nur von zahllosen Stockschlägen herrühren konnten. Ebenso befanden sich auf dem Kopfe verschiedene Beulen. Die Angeklagte be­hauptete, daS Kind, das vor und auch jetzt wieder in fremder Pflege sich fibendet, sei derart schlecht erzogen und unsauber gew.sen, daß nur durch große Strenge eine Besserung zu erhoffen gewesen wäre. Das Gericht nahm trotzdem an, daß das der An­geklagten zustehende Züchtigungsrecht weit über­schritten fei und verurteilte die Beschuldigte zu 2 Wochen Gefängnis.

* Aus dem Vogelsberg, 2. Juli 1911. Auf An­regung des verstorbenen Grafen Friedrich zu Solms- Lanbach fetzte im Jahre 1896 im oberen Vogels­berg die Hutweidenmelioration ein. Es ist dem landwirtschaftlichen Provinzialverein bisher gelungen, mehr als 1500 Morgen Wüstungen in üppige Wiesen und Weiden umzuwandeln, wobei 28 Gemeinden, beteiligt sind. Die Maßnahmen be­stehen darin, daß die Felsblöcke beseitigt und die Erdhügel (Ameisenhaufen) geebnet werden. Es wird nach Bedarf bewässert und entwässert, und vor allen Dingen werden die feit Jahrhunderten ausgesogenen Flächen endlich einmal fortgesetzt gut gedüngt. Der Geldaufwand betrug 114 000 JH, wovon die kleinere Hälfte die Gemeinden besteuerten, die das vorge­legte Kapital zweifellos in wenigen Jahren durch bessere Viehhaltung, durch Grasverkaufe zurückge­winnen werden.

* Hünfeld, 2. Juli 1911. Dem Amtsgerichts- Sekretär Malkmus in Hünfeld ist der Charakter als Rechnungsrat verliehen worden.

* Kassel, 2. Juli 1911. Ter neu ernannte Ober« regierungsrat und Stellvertreter des Regierungs­präsidenten in Führung der Amtsgeschäfte, Herr v. W ussow, hat seine Amtsgeschäftei bernommen.— Am Dienstag wird in einer öffentlichen Bürgerver­sammlung die wichtige Frage erörtert werden, ob mit Rücksicht auf die nicht unbedeutende finanzielle Belastung der Stadt der geplante Ban einer Stadt­halle überhaupt als ein dringendes Bedürfnis an» zuerkennen ist, und bejahendenfalls, ob das jetzt vom Kommerzienrat Aschrott angebotene Grundstück als Bauplatz für eine solche Halle auch geeignet sei. — Ortsschelle in Ruhe! wird es nun bald ii» Landkreise Kassel heißen, da auf behördliche An­ordnung die seither üblichen, durch die Ortsschelle verkündeten Bekanntmachungen in den größeren Ortschaften durch solche in den am meisten gelesenen Zeitungen ersetzt werden sollen.

* Offenbach a. M., 1. Juli 1911. Der Rohbau der katholischen Kirche St. Marien an der Strafft» straße wurde der mindestfordernden Firma Gebr. Hafenbach (79000 M.) übertragen. Das Höchstgebot betrug 97000 Mark. Die Sammlungen, die noch fortgesetzt werden sollen, haben einen Betrag von Über 50000 Mark bisher gebracht. — Der Porte-

„Juchhe! Juchhe!" jubeln begeistert Hunderte von Kehlen.

Jetzt biegt ein Wagen um die Ecke. Alle Hälse recken sich. Bunte, baumwollene Taschentücher wedeln in der Lust.

Doch was ist das? Richt die geliebte Gutsher­rin sitzt darin, sondern ein junger Mann. Das kann doch nicht der Gatte sein! Wo ist denn Ruch? Ge­murmel wird laut. Doch der junge Mann grüßt so freundlich, seine Augen blicken so offen in die Menge — das Gemurmel verstummt.

„Wer ist das?"

»Ein hübscher Mensch!"

„Soll ein Lord fein und außerdem noch Millionär ober fo was!"

»He, war der nicht vor ein paar Monaten hier zu Besuch, der und fein Freund, der unheimliche Schwarze?"

So schwirren Fragen und Vermutungen durchein­ander, während Lord Donald langsam die Fesfftraße entlang fährt. Am Ende der Allee steigt er aus, übergibt den Wagen einem herbeieilenden Stallknecht und stellt sich auf die unterste Stufe der Freitteppe, um den Freund und dessen junge Gemahlin in ihrem Heim als erster willkommen zu heißen.

Und wieder dumpfes RSderrollen . . . Eine kurze Pause — dann bricht ein unendlicher Jubel los. Man ruft, man jauchzt, man umdrängt den Wagen, sodaß er nur langsam seinen Weg bahnen kann. Jetzt hält der Wagen. Annin reicht seiner Gattin die Hand. Leichtfüßig springt sie herab. Im nächsten Augenblick schon rst sie umringt. Stolz und aufrecht steht sie da, ntft leuchtenden Augen, rosigen Wangen und lächelnden Lippen — ein unvergeßliches Bild der Gesundheit und des Glücks. Und sie schüttest den Mm die Hände, küßt die jungen Mädchm, fragt nach diesem und jenem — alles, alles wie früher.

Mittm in dem Jubel blickt Ruth nach Armin um. Er steht neben Gilbert, leicht spöttisches Lächeln um die Lippen.

»Annin, komm hrri" mst sie fröhlich. „Sieh, dies ist Frau Winter <— und dies der alte Jenkins und