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Samrlag den Juli Ml-

58. Jahrgang.

* fWaer W Zeitung *

4. Blatt.

Druck web Verlag der Zuldaer Actlendruckerel in gelbe.

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* Stunden mit der Wünschelrute.

Unter diesem Titel veröffentlicht Willy Ruppel des Physikalischen Vereins in Frankfurt a. M. \o- wie von Frankfurter und Homburger Aerzten auf Einladung des Geologen Dr. Roth, des Erfinders des Roburits, im Homburger Quellgebiet von dem mecklenburgischen Landwirt Bibow und einem Frl. Brod aus Vilbel vorgenommen worden sind. Rup- j>el erzählt u. a.:

Der mecklenburgische Landwirt, ein Hüne von Gestalt, hat die Reaktionsfähigkeit auf die Wünschel­rute als einziges seiner Geschwister von Vater und Großvater geerbt und schon mehr als 100 Quellen gefunden. Frl. Brod ist die Tochter eines Mineral­quellenbesitzers aus Vilbel, der bei seiner Beschäf­tigung mit dem Quellenbohren dazu kam, Versuche mit der Wünschelrute zu machen und so die Sensi­bilität seiner Tochter entdeckte. Beide Versuchsper­sonen machen den Eindruck ruhiger, gesunder Men­schen, und die Fragen der Aerzte konnten keine ab­normen Züge feststellen. Das Beobachtungsgebiet ist von zahlreichen Quellen und Wasseradern durch­zogen, also irreführender als etwa ein Stück Land, unter dem nur eine Quelle herzieht. Der Veran­stalter der Versuche kennt als Entdecker der neuen Somburger Quellen das Gebiet aufs genaueste. Herr ibow hält die Wünschelrute, indem er den Ober- körper vorbeugt und die Fäuste auf die Oberschenkel stützt. So geht er langsam dahin. Er erklärt, daß er es nicht nötig hat, seine Gedanken auf das Was- scrsuchen zu sammeln, er kann beim Suchen denken, was er will. Nähert er sich einer Stelle, unter der ein Wasserlaus daherzieht, so krampfen sich seine Muskeln zusammen, sein Körper gerät in Zittern, der Puls steigt, wie die Aerzte feftgestellt haben, bis auf 154 (!). Tie Spitze der Wünschelrute zuckt und gibt immer deutlichere Ausschläge nach oben, die Schenkel der Rute drehen sich in seiner Hand aufwärts. Auf der Haupt-Quellenspalte ist der Ausschlag so stark, daß durch die Aufwärtsdrehung der Rutenschenkel die Rinde abgesplittert wird, ja, fie Schenkel abbrechen. Hier ist der Mann in einem Zustand, daß ihm das Bewußtsein zu schwinden roht und er schwer erschöpft sich ausruhen muß. <sr spürt, wie eine sremde Kraft über ihn koinnit — er fühlt sich wie ein Widerstand, durch den ein starker Stroin einer Kraft hindurchgeht. Es ist über- rascheud, den starken, ruhigen Mann in diesem Zu­stande zu sehen. Die ungeheure Erhöhung der Puls­zahl fällt zusammen mit der stärksten Wirkung dieser Kraft. Er könnte den Anfall und die Erschöpfung vielleicht vortäuschen, nicht aber diese Zunahme des Pulsschlages. Aber niemand kommt der Gedanke, daß hier etwa ein Gaukler sein Spiel treibt — der Mann ist der Typ des ehrlichen, starken, natürlichen Mannes, er posiert nicht, er gibt sich ruhig und willig zu allen Versuchen her. Man verbindet ihn, die Augen und führt ihn kreuz und quer aus dem Quellgebiet heraus, dann wieder zurück — die Aus- schläge der Rute sind da, wo sie sein sollen: über den Wasserläusen. Es ist ein sonderbares, aber wirksames Kontrollinstrument da: ein leichter Stab, etwa 50 Zentimeter lang, von dem in der Mitte eilt etwa 5 Zentimeter langes, dünnes Holzpflöckchen aufragt. Das legt man ihm flach auf die Hand. Betritt er die Stelle, unter der ein Wasserlauf ist, so gibt das Holzpflöckchen einen Ausschlag, indem es nach unten, zwischen seinen Fingern durchdrängt. Es ist wie der Ausschlag eines elektrischen Meßin­struments. Die Stärke der Reaktion ist verschieden, sie hängt von der Wassermenge und von der Tiefe des Wasserlaufes ab. Große Wassermengen sind nicht nötig, einen Ausschlag hervorzurusen . . . Nun zu den Versuchen mit der jungen Dame. Sie trägt den Stab mit dem darin steckenden Holzpflöck­chen, den ich beschrieben habe, so, daß sie ihn zwischen die ausgebreiteten Handflächen stützt, das Holzpflöck­chen nach unten. Betritt sie wasserhaltiges Gebiet, so richtet sich das Holzpflöckchen ruckweise nach vorn auf, wie der Zeiger eines Meßinstrumentes. Sie fühlt die kommende Reaktion an einem Klopfen in den Handflächen. Am besten ist die Reaktion, toenit sie quer über einem Wasierlaus steht. Manchmal zuckt sie unter der Wirkung völlig zusammen. Auch wenn sie den Stab lose über beiden Vorderarmen liegen hat, stellt sich die Reaktion ein. Zur Kontrolle legt man ihr eine Gummidecke unter die Füße. Da bleibt die Reaktion aus. Man verbindet ihr die Augen und hebt sie auf die Kontrollstelle. Sie weiß nicht, daß sie auf der Gummi-Unterlage steht, es ist dafür gesorgt, daß sie sie nicht mit den Füßen fühle» kann. Tie Reaktion bleibt aus. Man kann danach wohl kaum mehr zweifeln, daß die Reaktion echt ist. Faßt sie jemand an, so bleibt die Reaktion aus. Bei dem Fräulein schlägt die Wün­schelrute nach unten, bei Herrn Bibow nach Zollen aus, ein sehr bemerkenswerter Gegensatz. Bei dem Fräulein steigt, wenn sie mit der Wünschelrute ar­beitet, der Puls von 88 auf 124, während er bei ihrem Arbeiten mit dem Stab-Instrument sich nicht erhöht. Wird sie mit verbundenen Augen über eine Straße geführt, unter der ein Kanal hergeht, der bei Tage wenig Wasser führt, so erfolgt bei dem Stab-Instrument ein Ausschlag, bei dem Manne mit der Nute in diesem Falle nicht. Vielleicht ist die Sensibilität des Fräuleins größer. Anderseits versagt die isolierende Unterlage bei dem Manne, man könnte sagen, daß seine Kraft durch die Gum­mi-Unterlage durchschlägt. Bei beiden Personen ist Über der Haupt-Quellenspalte die Reaftion am stärk­sten. Der Mann kann trotz seiner Körperkraft nicht länger als höchstens eine Stunde mit der Wünschel­rute arbeiten. Das Fräulein fühlt sich nach einiger ebenfalls sehr erschöpft. Auch läßt ihre Sen- stbuttät^nach einer Zeit nach. Sie muß bei der „Arbeit" alle metallenen Gegenstände, die sie trägt, ablegen ... Es ist eine Tatsache, daß als auf Grund geologischer Gutachten die Bohrstelle für die neue Quelle in Homburg genau bestimmt worden war, Herr Bibow mit seiner Wünschelrute, ohne die geologische Bestimmung zu kennen, genau den­selben Platz ausfindig gemacht hat. Was sonst an der Sache ist, müssen die Physiologen und die Psy­chologen zu ergründen suchen.

Weshalb müssen wir unsere Speisen würzen?

Von Dr. Otto Gotthilf.

Schon beim einmaligen Genuß einer ganz aroma­freien Speise sagen wir verächtlich: Sie schmeckt nach gar nichts! Und nach einiger Zeit erregt gewürzlose Kost btrett Widerwillen, während bei gewürziger, appetitreizender Nahning einem „das Wasser im Munde zusammenläuft/ Der Gefängnisarzt Dr. Bär hält einem Gefangenen, der lange Zeit hindurch breiige geschmacklose Kost bekommen hatte, einen schö­nen Hering vor, und sofort wurde in sichtbarer Weise die Speichelabsonderung angeregt. Darin besteht eben der erste und größte Vorteil aller Gewürze, daß sie die Drüsen des Verdauungskanals zur Absonderung von Appetit- und Verdmmngssaft anregen, wodurch die Eßlust vermehrt und die Verdauung mächtig ge­fördert wird.

Sogar für die Tierernährung ist die Frage der Gewürze von Bedeutung. Die größeren Milchkur- anstalten beziehen Heu aus der Schweiz, in welchem mehr würzige Stoffe enthalten sind als in unserm Heu. In der großen Praxis des Ackerbaues wird dem Klee noch Fenchel- und Kümmelsamen zugesetzt, um auch hierdurch auf die Milchsekretton einzuwirken.

Uebertreiben natürlich darf man es mit dem Wür­zen der Speisen nicht. Ramenüich die scharfen aus­ländischen Gewürze reizen zu sehr die Schleimhäute in Blagen und Darm, und schädigen indirekt Nieren, Blase und Herz. Man hüte sich besonders vor den pulverisierten Gewürzen, welche oft verfälscht sind. Küchenpraxis und wissenschaftliche Untersuchung ha­ben unanfechtbar bewiesen, daß am bekömmlichsten unsere einheimischen Würzen sind, Suppenkräuter und Wurzelwerk.

Zu den Würzstoffen sind auch die Fleischbrühe und das Fleischextrakt zu rechnen, die gleichfalls Ap­petit und Verdauung kräfttg anregen. Es ist daher ganz richttg, daß man seit altersher die Mahlzeit mit einer Fleischbrühe bezw. Suppe einleitet; die Magen­schleimhaut wird dadurch zu einer besseren Aus­nützung der übrigen Speisen vorbereitet.

Eine große Rolle in allen Speisen spielt das Salz. Es ist nicht nur Gewürz, sondern auch wirklicher Nahrungsstosf; denn Salz bildet eine.i wesentlichen Bestandteil des Blutes und der Köcpergewebe und wird durch Haut und Nieren beständig aus dem Körper ausgeschieden, so daß wir es immer wieder ersetzen muffen. Der Erwachsene braucht im Tag 15 bis 25 Gramm. Uebermäßiger Salzgenuß hat mit der Zeit stets krankhafte Folgen. Ein sonst ganz ge- ’ sunder Arzt bemerkte, daß Beine und Füße ihm im­mer mehr anschwollen und ein Gefühl von bleierner Schwere bekamen. Da er an keiner Organerkrankung litt, schränkte er das Salz, von dem er das Dreifache des üblichen Maßes zu genießen Pflegte, bedeutend ein. Alsbald gingen die Schwellungen zurück und waren nach drei Wochen ganz verschwunden.

Zu Fleischpreisen und Käse ist auch der Senf sehr beliebt und mit Recht. Es ist experimentell bewiesen, daß sein ätherisches Oel eine günstige verstärkte Ma­gensastsekretton hervorrust, also verdauungssördernd wirkt. Außerdem werden ekwaige Fäulnisbakterien im Magen durch Senf in ihrer Entwickelung gestört und sogar vernichtet, was von großem Vorteil ist, da zahlreiche Verdauungsstörungen in Fäulnisprozesien ihren Ursprung haben. Sehr scharfer Sens aber (ge­pfefferter, englischer) oder zu viel reizt die Magen­schleimhaut in übermäßiger Weise und wirkt schädlich.

Im Volke ist noch vielfach zum großen Nachteil des Ernährungszustandes eine zu einseitige Kost mit wenig Gewürz gebräuchlich. Man muß schmackhafter kochen. Namentlich bei Kindern soll auf schmackhafte Zubereitung der Speisen große Sorgfalt gelegt wer­den; fade Speisen, die ihnen zuwider sind und „über* werden, genießen sie mit Unlust, ihr Appetit leidet, ihr EmährungSzustand verschlechtert sich. Ebenso notig ist dies bei Kranken und Rekonvaleszenten (Kindern und Erwachsenen), deren natürliche Eßlust und Verdauungskraft schon an und für sich daruieder- liegt. Manche Patienten, z. B. Bleichsüchtige, treibt schon der natürliche Instinkt dazu, scharfe und ge­würzte Speisen zu bevorzugen. In der Krankcnküche sind also die Gewürze unentbehrlich. Auch bei Mas- senernährungen, namentlich in Gefängnissen, bat man neuerdings den Gewürzen größere Aufmerksamkeit geschenkt; dadurch haben dort die Magenleiden jetzt bedeutend abgenommen. Dr. Bär hat nachgewiesen, daß Gefangene, auch wenn ihre Kost nach dem Nähr­wert ganz rationell zusammengesetzt ist, doch in ihrer Ernährung sehr leiden, wenn zu den Speisen nicht genügend Gewürze gegeben werden. In praktischer Hinsicht ist von besonders pekuniärem Werte die durch Würzen bewirkte fast restlose Ausnützung der Nah­rung im Körper. Dielen ökonomischen Vorteil soll­ten sich nicht nur die bürgerlichen Küchen zu nutze machen .sondern auch alle Pensionen, Institute und Anstalten.

Aeußerst sparsam aber muß man die Gewürze an- wenden bei Magenkrankheiten, bei Nieren- und Bla­senleiden. Auch Gichtiker, Rheumatiker und Fett­leibige sollen die Speisen nur wenig würzen, weil die künstliche Anregung ihres Appetits sie verleitet, zu viel Nahrung und Getränke zu genießen.

** Erdbeerzeit.

Der botanische Name der Erdbeere ist recht be­zeichnend. Fragaria vesca; Fragaria kommt her von dem lateinischen fragare gleich duften und vescus bedeutet klein, schwach. So bezeichnet der Name eine kleine Pflanze mit dnitenden Früchten.

Die Erdbeere ist eine der köstlichsten Früchte der irdischen Flur, ja vielleicht die allerbeste. Ein Arzt hat einmal den Ausspruch getan, daß Gott ohne Zwei­fel eine bessere Beere hätte erschaffen können, daß er es aber nicht getan hat. Und es gibt wohl kaum eine Frucht der Erde, die eint ungeteiltere Liebe fände als die Erdbeere. Wo wäre auch der Mensch zu finden, der sie verschmähte? Andere Früchte werden, wenn sie auch noch so gut sind, von dem oder jenem beiseite geschoben, verachtet, aber es ist wohl kaum vorge­kommen, daß jemand die Erdbeere nicht gewürdigt hätte? Sie ist der allgemeine Liebling der Menschen.

Und verdient sie diese Zuneigung nicht vollauf? Wie ihr Steifen in die schönste Zeit des Jahres fällt, ist sie auch schon äußerlich von verlockendem Aussehen, ein echtes Symbol des herannahenden Sommers.

Freundlich blickt ihr zartes und doch tiefes Rot aus dem frischen Grün hervor. Und erst ihr Geschmack! Mit Wo^behagen zerdrückt die Zunge das saftige, steinlose Fleisch, dem die unberührte Frische der Na­tur innewohnt. Und wie aromatisch durchzieht der Dust der Früchte ein ganzes Zimmer. An der Schwelle des Sommers fchenst uns die Natur diese wunder- feine Beere, in der die ganze Glut und das Feuer des Sommers verkörpert zu sein scheinen.

Wer diese Frucht ganz würdigen will, darf sich nicht damit begnügen, sie zum Nachtisch vom Teller zu löffeln. Er muß sie sich vielmehr draußen selber pflücken. Wie steigt in ihr der Erinnerung auf, ihr schönen Jugendtage, wo es in der Morgenfrühe hin­ausging an den nahen Waldesrand! Die Frühsonne hatte noch nicht alle Tautröpfchen aufgeleckt, unbe­rührt harrte die Flur noch des kommenden Tages. Da beugten wir uns leise nieder, vorsichtig schoben wir Thymian und Maßlieb beiseite und griffen nach den schwellenden Früchten, die wie rote Punkte in den grünen Teppich eingewebt waren. So vom Strauche in den Mund, das war sicher ein größerer Genuß, als wenn wir heute die Beeren erst auf dem Markte kau­fen und die Früchte am Abend verzehren.

Die Erdbeerzucht hat es heute schon weit gebracht. Die größten herrlichsten Früchte werden von des Gärtners Kunst im Garten gezogen. Aber die wild­wachsende Wald- und Felderdbeere bleibt wohl doch unerreicht. Ist sie auch nur klein und manchmal so­gar unscheinbar, so macht sie das durch ihren inneren Gehalt wieder wett. Süß und köstlich, nie wässerig wie die Gartenerdbeere, ist sie herzhaft und von festem Fleisch.

Aber auch unserer Gesundheit soll diese einzige Frucht so zuträglich sein, wie kaum eine andere. Häufig wird sie ja mit Milch zusammen genossen, und man kann sich auch in der Tat kaum etwas denken, was appetitlicher wäre und bekömmlicher und zugleich besser mundete? Die Erdbeeren machen die Milch leicht verdaulich, sie reinigen das Blut und teilen ihm viel Eisen mit. Daß sie außerdem eine kühlende Lab­sal für den Kranken bedeuten, ist auch nicht zu unter­schätzen. Wie sie gegen Stein- und Leberleiden Hilfe bringen, so sollen sie auch ein vorzügliches Mittel gegen Podagra fein. Von dem großen Naturforscher Sinn6 wird berichtet, daß er in feinem 43. Jahre an Podagra erkrankte, so daß er kaum Schlaf vor den unerträglichen Schmerzen sand. Da aß er Erdbeeren, zunächst nur zur Erfrischung, und er konnte schlafen und wurde bald bei wiederholtem Genuß völlig ge­sund. Als die Krankheit einst wiedrrkehrte und er bleich vor der Königin erschien, antwortete er auf ihre Frage, was ihm fehle: Eine Schüssel Erdbeeren! Er erhielt sie, aß sie und wurde auch diesmal wieder gesund.

Auch die Sage hat sich viel mit der Erdbeere be­schäftigt. Hier nur kurz ein paar Proben. Mütter, deren Kinder gestorben sind, dürfen vor dem Johan­nistage keine Frucht essen. Denn an diesem Tage geht die Gottesmutter Maria im Paradiese mit den oerstorbenen Kindern Erdbeeren pflücken. Die Kin­der nun, deren Mütter jenes Gebot übertreten haben, dürfen an dieser Freude nicht teilnehmen, weil eben die Mütter den Kindern ihren Anteil schon vorweg genommen haben. Eine andere Sage verlangt, daß ein Reiter, wenn er auch noch so schnell reitet, nicht unterlassen soll, eine am Wege winkende Beere zu pflücken. Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir diese Forderung verallgemeinern und betonen, daß der Mensch auch an den kleinen Freuden int Hasten desi Lebens nicht achtlos vorübergehen soll.

* Der Regen in Zahlen.

15 000 000 Tonnen Regenwaffer stürzen in der Sekunde auf die Oberfläche des Erdballs nieder. In jeder Stunde fallen 53 000 Millionen Tonnen Regen, am Tage eine Billion 271 000 Millionen Tonnen und im ganzen Jahre beträgt die Regenmenge der ganzen Erde 464 Billionen Tonnen. Verteilt man diese ge­waltigen Wassermaffen aber auf die ganze Oberfläche, so würde man im Jahre nur durchschnittliche Nieder­schlagsmengen von 91 Zentimeter Höhe haben. Der Regen verteilt sich aber höchst ungleichmäßig auf die verschiedenen Teile der Erdoberfläche, wie ein lehrrei­cher Aussatz der „Natur", der im Verlage von Theo­dor Thomas in Leipzig erscheinenden Zeitschrift der Deutschen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft, cmsein- andersetzt. Es gibt viele Gegenden, wo viele Jahre hindurch kein Regen zur Erde fällt, während in an­deren das Regenwaffer eines Jahres den Boden viele Meter hoch überschwemmen würde. Eins der regen- ärmsten Gebiete der Erde steht unter deutscher Ober­hoheit. In Lüderitzbuckt, an der deutsch-südwestafri­kanischen Küste, erreicht der Regen jährlich eine Höhe von 1 bis höchstens 4 Zentimeter, während im deut­schen Kamerungebiete eine der regenreichsten Stellen der Erde liegt: in Debundja fallen jährlich 10,15 Meter, in Bibundi 10,7 Meter! Allerdings gibt es in Asten noch regenreichere Orte. In Cherrapundji am Abhänge des Khasiaberges beträgt die Nieder- schlagshöhe durchschnittlich 11,63 Meter, und vor 50 Jahren wurde dort sogar eine Negenhöhe von 23 Me­ter erreicht. Die indische Ortschaft liegt ebenso wie die beiden Kameruner Beobachtungsstellen am hange einer außerordentlich steilen Bergmaffe, wo die vom Meere kommenden, mit Wasser gesättigten Winde fast alle ihre Feuchtigkeit als Regen zur Erde senden. Europa hat diesen Punkten gegenüber verhältnis­mäßig wenig Regenmengen zu verzeichnen. Die größte Regenhöhe in ganz Europa, beinahe 5 Meter, hat der Cumberlanddfftrikt an der englischen Westküste. Die Regenwinkel Deutschlands liegen im äußersten Süd­westen und Südosten, nämlich in den südlichen Voge­sen und dem Watzmanngebirge, wo 2,10 Meter Nie­derschläge alljährlich fallen. Der Brocken kann jähr­lich auf 1,70 Meter Regen rechnen, während ganz am Ende der Statistik in Deutschland die trockensten Teile des Reiches, das östliche Posen, das mittlere West- preußen, der Unterlauf der Oder, das Gebiet westlich vom Harz und Rheinhessen mit 40 Zentimeter stehen. Die Regenmenge ist unabhängig von der Regendauer, denn ein tropischer Platzregen bringt Waffermengen zur Erde nieder, wie sie bei uns erst ein stundenlanger Regen bringen kann. Die Durchschnittsdauer eines Regenschauers wechselt je nach den Ländern. In Mit­teldeutschland muß man auf einen 4s^stündigen Re­gen gefaßt fein, der Süddeutsche muß mit 6stündigem Regen rechnen, im nördlichen Norwegen baaeoen ist

eine Regendauer von 10% Stunden an der Tages­ordnung.

* Eine unheimliche Geschichte.

Daß ein Toter noch fiebern soll, diese Behaup­tung klingt zunächst etwas widersinnig. Die Sache hat aber durchaus ihre Richtigkeit, wie Jules Le- f 6 b r e in einem medizinischen Werke auseinander- setzt, das unter dem Titel „La Chaleur animale et la Bio6nerg6tique" soeben erschienen ist.

Leftzvre behandelt in seiner Abhandlung zunächst das Fieber beim Lebenden. Temperaturen von 41, 42, ja beinahe 43 Graden sind schon häufig beobachtet worden, auch 44 Grade sollen vorgekommen sein, ja Caparellte will sogar eine Fiebertemperatur von 46 Grad beobachtet haben, die der Kranke überstand. Die Fiebertemperatnr von 54 Grad dagegen, die ein­mal bei einem amerikanischen Feuerwehrmann ge­messen worden sein soll, gehört wahrscheinlich in das Reich der Fabel, sie erinnert zu sehr an Meyrinks „Heißen Soldaten".

An der Leiche dagegen sollen solche Temperaturen tatsächlich gemessen worden sein. Bei einem Kranken, der an Starrkrampf starb, als fein Fieber eine Tem­peratur von 44 Grad erreicht hatte, stieg die Tempe­ratur allmählich auf mehr als 45 Grad. Andere, von Aerzten mit Sicherheit beobachtete Fälle, wo Kranke an Tollwut oder Genickstarre gestorben waren, brach­ten nach dem Tode ähnliche Temperatursteigerungen, unb im November des Jahres 1909 berichtete Saig« nel-Lavastiue der Soci6t6 de biologie über eine« ganz erstaunlichen Fall: an der Leiche eines Alko­holikers, der an Lungenentzündung starb, wurde fünf Minuten nach dem Eintritt des Todes eine Tempera­tur von 59 Grad gemessen. Erst nach einer vollen Stunde sank bei dieser Leiche das Thermometer auf die Temperatur der durchschnittlichen Lebenswärme.

Fragt man, wie trotz des eingetretenen Todes noch so erstaunlich hohes Fieber eintreten kann, so stellt sich heraus, daß das „Fieber nach dem Tode" gar nichts fo Verblüffendes ist, wie es anfänglich scheint. Das Wort Tod bedeutet natürlich nicht, daß der lebende Körper alle feine Tätigkeiten auf einmal einstelll, sondern man bezeichnet einen Menschen als tot, wenn die wichtigsten Funktionen seines Körpers erloschen sind und nicht wiederkehren können. Tat­sächlich aber erlischt eine Funktion nach der anderen; das gesamte Nervensystem, Herz und Lunge, können zum Beispiel ihre Tätigkeit zuerst einstellen, aber Organe, die das Nervensystem vorher zur Arbeit an­geregt hatte, können diese Arbeit ohne weitere An­regung sortsetzen. Da in der Leiche kein Blutumlauf, keine Atmung und keine Schweißabsonderung ftattfin« bet, ist cs recht wohl möglich, daß die Wärmeerzeug­ung, die noch nach dem Tode fortgesetzt wird, zu einer solchen Wärmestauung führt, daß Temperaturen, wie die oben angeführten, auftreten. Nur der Aus­druck „Fieber" ist bann nicht mehr völlig richtig, weil wir vom Fieber nur bei Lebenden zu sprechen ge­wohnt sind.

Allerlei

— Die neuesten Erfindungen Edisons. Die Fälle, in welchen Thomas A. Edison vor eine größere Ocffentlichkeit tritt, werden von Jahr zu Jahr selte­ner. Von Haus aus nicht sehr zugänglich, überdies durch seine außerordentliche Arbeitstätigkeit, Lolche bis zu achtzehn Stunden des Tages beträgt ffifsr in Anspruch genommen, hat sich der „Zauberer von Orange" infolge feiner zunehmenden Schwerhörigkeit mehr und mehr von den Menschen zurückgezogen. Die Beratungen der vor kurzem in Newyork versammelt gewesenen National Electric Association haben da­her, wie dem „Neuen Wiener Tagblatt" geschrieben wird, begreiflicherweise eine besondere Bedeuwng dadurch erhalten, daß Edison einer der Sitzungen beiwohnte unb sich eingehend sowohl über seine neuen Akkumulatoren als über die sprechenden Wan- delbilder äußerte. — Von dem neuen Akkumulator Edisons hat man nun freilich schon feit Jahr und Tag gehört, doch alle derartigen Mitteilungen wurden stets fehr skeptisch ausgenommen. Tatsächlich ist diese Erfindung aus dem Stadium der Experimente längst heraus. Es handelt sich im wesentlichen um zwei verschiedene Akkumulatoren, deren einer besonders für den Betrieb von Straßenbahnen, der andere für Fuhrwerk irgendwelcher Art gedacht ist. Der erstere sieht augenblicklich auf zwei Linien der Newhocker Straßenbahn in praktischer Verwendung, nachdem et sich bereits in verschiedenen kleineren Orten vorzüglich bewährt hat. „Meine neuesten Apparate", führte Edison aus, „bedeuten eine wesentliche Verbesserung der gegenwärtig im Gebrauche stehenden. Ich habe eine Batterie konstruiert, welche in drei bis vier Mi­nuten gefüllt werden kann und für 50 bis 60 Meilen (englische) leistungsfähig bleibt. Die Schwierigkeit meiner früheren Batterie bestand darin, daß die Wie- derfüllung zu viel Zeit in Anspruch nahm. Wenn ent Straßenbahnwagen gefüllt war, konnte er faft einen Tag lang laufen. Dann aber nahm es den größeren Teil der Nacht in Anspruch, um die Batterien wieder zu füllen und den Waggon für den folgenden Tag gebrauchsfähig zu machen. Meine neue Batterie ist so leicht und gering an Umfang, daß sie in einer Handtasche (?) transportiert werden kann. ö« treibt irgend ein Fuhrwerk so lange, bis die in ihr aufgefpeicherie Kraft verbraucht ist. Ueberdies liegt die Bedeutung dieser neuen Batterie darin, daß be­liebige Mengen von Elektrizität aufgespeichert wer­den können. Wenn also eine Straßenbahn einen -red ihres Vorrates nach Absolvierung einer bestimmten Strecke erschöpft hat, kann sie innerhalb einer Minute von irgendeiner längs der Strecke befindlichen Station so viele gefüllte Batterien aufnehmen als sie braucht. — Bei den sprechenden Wandelbildern (wie es "• 'on und far- versch irdene diese Sache Jedenfalls wird bereits derzeit in Bronx (dem nördlichsten Stadtteile von Newyork) auf einem Theater estrig geprobt Eine eigene Gesellschaft von sechzig Mit­gliedern spielt verschiedene zur Wiedergabe bestimmte Stücke und spricht dabei gleichzeitig die Rollen in ein großes Aufnahme-Megaphon hinein. Die erzielte Deutlichkeit bei der Wiedergabe soll verblüffend sein.

scheint, eine Verbindung von csrmnmopy fügen Kinematographenbildern) sind noch Schwierigkeiten zu überwinden, bevor nla fortin vnirH di»r<>iAmet Melden können.