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Altbewährte Nahrünc

& ! fiirKinder und Kranke

K „Märtyrer^.

Nicht bloß in der liberalen Presse, sondern auch in dem Aufruft des Vereins für evangelische Frei­heit zu Köln, wird Herrn Jatho der Titel eines Märtyrers verliehen.

Wir gönnen Herrn Jatho sür seine Persou alleS Sute; aber unter Martyrium hat man doch bisher rtwas ganz anderes verstanden, als das Los, das Herrn Jatho zuteil geworden ist. Es hieße, die geschichtliche Wahrheit fälschen, wenn man den pen­sionierten und wohldotierten, inmitten seiner An­hänger lorbeerbekränzt weiter wirkenden Pfarrer a. D. auf eine Stufe stellen wollte mit jenen Dul­de r n, die für ihre Glaubens- und Pflichttreue Hab und Gut, Freiheit und Ehre, Blut und Leben ge­opfert haben. Der Rost dieses modernen Laurentius gleicht glücklicherweise einem Daunenbett, das von den Gütern dieser Welt reich umkränzt ist. Zur Ehre Jathos wollen wir übrigens annehmen, daß er s e l b st an dem unzutreffenden und geschmack­losen Vergleich seiner Person mit den wirklichen Märtyrern unschuldig ist.

Es gehört zu den Kennzeichen des Freisinns und der Demokratie, daß sie ungeheuer wehleidig und k l a g e s ü ch t i g sind, wenn einen der Ihrigen ein rauhes Lüstlein anbläst, dagegen sich gar nicht scheuen, ihre Gegner im kirchlichen oder politischen Leben mit größter Schärfe anzugreifen und sie die verfügbaren Machtmittel rückhaltslos fühlen zu lassen. Daher die bekannte Erscheinung, daß die Revolutionäre, die an die Macht gelangt sind, ein Regiment der Verfolgung und des Schreckens ein­führen, das alle Leistungen der „Reaktion" über­trifft. Wenn z. B. ein Monarch oder eine konser­vative Realer iura in Rortuaal so das Volk knechten und die Wahlen mit Gewalt und List fälschen wollte, wie es die „philosophische" Regierung in Liffabon lut, so würde ein gellender Schrei durch den ganzen liberalen Blätterwald aller Weltteile gehen und das Mitleid mit den armen Märtyrern in jenem Lande würde einen wahren Tränenstrom erzeugen. Aber fttzt ist in allen Wipfeln Ruh! Was rechts steht, harf verfolgt und unterdrückt werden, aber was links steht, darf verfolgen und unterdrücken.

Will man von Märtyrern der Neuzeit reden, so wende man lieber von dem blumengeschmüiKen Pappschwert des Spruchkollegiums den Blick hinweg und sehe sich das scharfe Schwert der preußischen M a i g e s e tz e und der zugehörigen K a m p f g e - setze an. Sehr viele von uns haben ja den alten Bismarck-Falkschen Kulturkampf noch miterlebt. Da gab es wirkliche Märtyrer. Und das waren auch Inhaber geistlicher Aemter, die nichts weiter verbrochen hatten, als daß sie ihrer religiösen Ueberzeugung und ihrem Gewissen treu Wie* ben, als die Staatsgewalt von ihnen pflichtwidrige Sachen forderte. Da gab es auch „Absetzungen" in Menge; aber die Abgesetzten wurden nicht mit reichen Geldmitteln und mit den schönsten Vorrichtungen zur weiteren Wirksamkeit beglückt, sondern sie muß­ten sich verstecken und fliehen vor den Häschern, so lange es ging, und wenn sie gefaßt waren, dann gab es nicht bloß Geldstrafen, sondern Gefäng­nis, sogar jahrelanges Gefängnis mit Zwangs- arbeit z. B. für Bifchof „Paulus Melchers, Strohflechter".

Wir wünschen wahrlich keinem freisinnigen Pre* diger eine solche Zellenaufschrift, und wir wünschen ihren Anhängern ebensowenig die Schikanen, die Prozesse und die Strafen, die auf kirchlich treue Ka­tholiken in den sogenannten „Staatssssarreien" nie­dergingen. Aber wenn sie wegen eines ritzenden Heckendörrrchens schon empfindsame Märtyrerlieder anftimmen, dann muß man sich doch erinnern an die wirklichen Märtyrer, die leiden mußten unter Gesetzen, die der Liberalismus selbst hatteschaffen helfen und für deren streng« An­wendung ein .Heer von liberalen Spionen und Dr- wmzianten sorgte. (Bgl. den „deutschen Verein" des Herrn v. Sybel!)

Tas Jesuitengesetz besteht Mr größeren Hälfte noch zu Recht. Der 8 2, der die einzelnen Mitglieder des Ordens der willkürlichen Ausweisung unb Internierung unterwarf, ist erst vor wenigen Jahren aufgehoben worden. Diese Leute wurden verfolgt" obschon sie kein bestehendes Gesetz 'übertreten hatten, nur weil sie nach Ueoerzengung und Gewissen sich als Mitglieder einer religiösen Genossenschaft unter dem christlichen Volke betätigen wollten. Wenn auf die freisinnigen Prediger, die sich jetzt in Auflehnung gegen die Krr* chenordming so zahlreich mit Jatho solidarisch er» Hären, die Kraftmittel des Iesu it en gefttzes an­gewendet würden, so könnte man allenfalls von Martyrium reden.

Aber ein solches Schicksal kann nur K a t h o l i- k e ir treffen. Darum gehört auch nicht allzuviel Mut zu der Beteiligung an der Demonstration für den wohlaufgehobenen „Märtyrer" von Köln.

Deutscher Reich.

+ Tie Kritik über die Wahlrechtsdebatte. Die liberalen Blätter toben noch immer vor Entrüstung über den Ausgang der Wahlrechtsdebatte in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom Dienstag. Man kann es verstehen. Die Herren hatten ge­glaubt, unmittelbar vor Schluß des Landtages noch eine große Wahlaktian einleiten und mit bm Tro­phäen dieses Tages in den Wahlkampf ziehen zu können. Und nun haben sie nicht nur keinen Erfolg gehabt, sondern sie sind so jämmerlich mit ihrer Haupt- und S oatsaktioii herei igefallen, daß sie sich üglich genieren müssen, in der Wahlkampagne auf ie zurückzukommen. Freilich suchen sie den Herein- all nach Kräften zu maskieren. Das .Berliner Tageblatt' spricht von einer Wahtrechtskomödie, die 'Bosfische Zeitung' nennt das Abgeordnetenhaus eine Poffenbühne, und der .Vorwärts' entnimmt feinem Sprachkexikon des Wort »Affenkomödie". Die nationalhberalen Blätter verhalten sich reservierter. Sie wissen warum; ihre Parteifreunde im Abgeordnetenhanse find nämlich nicht nur die über den Löffel Bardlerten, sondern auch die Kar­nickel, die die wirtliche Schuld an dem Ausgang tragen. Sie haben am Dienstag den Beweis er­bracht, daß sie ein solches Gewicht auf den pluto- kiatischen Charakter des Wahlrechtes legen, daß, wenn sie diesen nicht ungeschwächt aufrecht erhalten können, sie auf das ganze, allgemeine, direkte und

geheime Wahlrecht etwas pfeifen. Die» dem Lande einmal in voller Deutlichkeit zu zeigen, war offenbar in erster Linie die Absicht der Konservativen bei ihrem AbflimmiwASverfahreu. Wen» dabei der ganze Antrag des Freisinns inS Waffer fiel, so war das eine für fie nicht unwillkommene Nebenwirkung. Die Konservativ« Haden sich den Nationalliberalen gegenüber al» beffere Taktiker erwiesen. Natürlich fehlt eS auch nicht an Verunglimpfungen de» Zentrums, obwohl das bei der ganzen Geschichte am Dienstag unbeteiligt ist. Es hat durch seinen Wortführer erklär« laffen, daß es für die lieber- tragung des Reichstagswahlrechtes auf Preußen ist und dementsprechend hat eS für ben freisinnigen Wahlrechtkantrag gestimmt. Und dazu schreibt der .Vorwärts':

Sind doch elende Heuchler, diese Klerikalen! Wenn das Zentrum nur wolle, könne man das allgemeine Wahlrecht haben. Es brauche sich ja nur mit der sozialdemokratischen Wahlbewegung zu verbinden und in kürzester Zett würden die BoMftinde zur Kapitulation gezwungen sein.

DaS Zentrum ist in seiner Agitation schon immer für das allgemeine Wahlrecht Eingetreten, aber Arm in Arm mit einer Partei zusammenzugehen, von der uns eine tiefe Kluft der Anschauungen trennt, müssen wir höflichst ablehnen. Wie es mit der angeblichen Macht des Zentrums steht, das haben wir neulich noch beim F«erbestattungsgesetz, beim Fortbildungs­schulgesetz und der rheinischen Landgemeinbeordnung gesehen. Weiter schreibt der,$orroärt§':

Zentrum, Rationalliberale und Konservativ« haben dem preußischen Volke das freie Wahlrecht ver­weigert. Sie wollen das Volk ungehindert weiter bütteln und knechten! Die Mehrheitsparteien halten fest an dem Dreiklassenwahlrecht, dieser Schmach des preußischen Volkes, an dieser blutigen Verhöhnung eines wirtlichen Wahlrechts. Sie wollen die „preußische Zucht" aufrechterhalten, und fie drohen mit Gewalt uns, die wir unser Recht fordern!

ES gehört die ganze Nnehrlichkeit des /Vorwärts' dazu, dem Zentrum vorzuwerfen, daß es dem preu­ßischen Volke das Wahlrecht verweigert habe. Das Zentrum hat gffchlossen für den freisinnigen Wahl­rechtsantrag gestimmt und nur die ungerechte Wahl- krriseinteilung nach dem Schema ..Volkszählung" abgelehnt. Durch solche blutrünstigen Phrasen, wie sie der Vorwärts austischt, schadet er der Wahl­rechtssache mehr, als er nützt. Aber das ist ja auch die Absicht der Sozialdemokraten, denn solange man noch ein Dreillassenwahlrecht in Preußen hat, solange bat man einen ausgiebigen Stoss zur Hetze. Und das ist der Bebel-Partei die Haupt­sache!

X Die konservative Stichwalilparole. Im Wahl- helfe Potsdam - Osthavelland haben die Konserva­tiven folgende Kundgebung erlassen:

„Angesichts der besonderen Verhältnisse unseres Wahttreises, der den Lieblmgsausenthalt und die Lied- llngs-esidenz des Kaiserhauses umschließt, hält der hiesige Neue Wahlocreiu unbedingt an der um seinem Vorstand au-gegebenen Parole fest, unter allen U m ü. änden die Wahl des Sozialdemokralen Lieb­knecht zu uerhrad-rn mid zu diesem Zweck auch m der wahrschkinltch-n Stichwahl geschloffen zur Abgabe eines bürgerliche« L iüu-uzeUels zur Wahlurne zu gehen."

Der Rdttrms übernimmt also die von dem Reichs,'agspräsidentenGiasenSchroertn empfohlene Parole: bä einer Stichwahl zwischen einem Sozial­demokraten und einem freisinnigen Kandidaten un­besehen sür den letzteren cmzutreten, tut das aber nur wegen der besonderen Verhältnisse des Wahl- krcises. Graf Schwerin hat sonst mit seiner Parole in konservative« Streifen wenig Beifall ge'unden. Die partkürmtliche Konservative Korrespondenr', die .Deutsche TageszritunA', die .Kreuzzeitung' und an- bete konser valive Organe haben die Parole des Grasen abgelehut. Sie erklären es nicht vereinbar mit der Würde der konservativen Partei, daß sie dem Freisinn, der seine Hauptaufgabe bet den tom- menden Wablen in der Bekämpfung der rechts­stehenden Parteien erblicke und mit der Sozial- demokratie paktiere, zu Mandaten verhelfe.

Ans dem ttachbargedkeie.

r. Giesel, 30. Juni 1911. Der hiesige katholische Arbeiter- und Wännerverein hielt gestern im Gasthause zur Post eine gut besuchte General­versammlung ab Nach kurzer Begrüßungsrede durch den hochv. P. Theo oom Frauenberg wurde der Rechnungtzführer entlastet und die Vorstandswahl besprochen. Darauf hielt P. Theo ein Referat über den Nutzen, Zweck imd heutigen Stand der kathol. Arbeitervereine und der Gewerkschaften. Inzwischen ■txtr der kathol. Arbeiterverein von Johan­nesberg, der unter Führung seines Präses, des hochw. Herrn Dechanten Wiegand, eine Wallfahrt nach Kleinheiligkreuz unternommen hatte, eingetrof- fen. Nach kurzer Erholung und Stärkung und gegen­seitiger Begrüßung hielt P. Theo eine begeisterte Rede über die Verdienste der hl. Kirche und der Ka­tholiken um die Kultur. Die Ansprache Lang aus in ein freubigeS Gelöbnis unwandelbarer Treue gegen die Kirche und das Papsttum. Brausender Beifall und ein kräftiges Hoch lohnte dem vortrefflichen Red­ner. Es folgten einige gut vorgetragene Stücke bet Mufiffapelle des Johcnmesberger Vereins. Vor der Heimkehr zogen die Johannesberger in die Kirche, um in einem kräftigen Tedeum Gott dem Herrn zu danken für die Gaben des Lebens und die ftöhlichen Stunden des heutigen Festes. Möchten nur alle Männer und Jünglinge der beiden Pfarreien dem kathol. Arbeiterverein beitreten, der ihnen Förderung der Religiosität, der Sittlichkeit, soziale Hebung und edle Unterhaltung verschafft.

z. Ulmbach, 27. Juni 1911. Der vergangene Sonn, tag brachte für die hiesige Jungfrauen.Lon. gregation die langersehnte Weihe der neuen, prächtigen Vereinsfahne, die in hochher- ziger Weise Herr Lukas Seipel von hier dem Verein geschenkt hat. Bei der Feier, zu der die Schwester- vereine von Hauswurz und Oberrodenbach, und die ehemaligen Mmbacher Lehrerinnen, FrI. Leichner und Frk. Börner, erschienen waren, hielt Herr KuraiuS Ruez aus Oberrodenbach die Predigt über ben Wert der Bereinstahne. Dann versammelten sich die Mit- glieder der bret vereine im Vereinslokal der hiesigen Kongregation zu einer gemütlichen StamenStagsfciei des hochw. Präses, Herrn Pfarrer A. Hild. Herr Hauptlehrer Freund feierte in ehrenden, rührenden Worten das Namenstagskind und übereichte als ®e* fchenk der Kongregation eine reizende Aloysius-Statue. Bei gutgespielten Theaterstückchen und munteren Wei­sen flog die Zeit schnell dahin und nur zu bald schlug die Abschiedsstunde.

♦ Frankfurt a. SR„ 1. Juli 1911. Im „Paritäti­schen" Lehrerverein in Frankfurt a. M. ist eine Spaltung eingetreten. Diese wurde veranlaßt durch die Haltung der Frankfurter Schulzei­tung, die mit dem 1. Januar d. I. ihrm Redakteur gewechselt hat. Zwei Arttkel, in denen der Streit der bayerischen Bischöft mtt den bayerischen Lehrern behandelt wurde, waren sowohl im Inhalt wie in der Form geeignet, das religiöse Gefühl ka­tholischer Lehrer zu verletzen. Als die Zeitung, die im Zwangsabonnement von den Mit- gliebern des Frankfurter Lehrerverems gelesen wird, es nicht unteriiefe, in den folgenden Nummern den Epiflopat, die kacholifche Presse, das Zentrum und katholische Einrichtungen in beleidigenden Ausdrü­cken anzugreifen, wandten sich 50 katholische Lehrer, die zugleich Mitglieder des Frankfurter Lehrervereins warm, in einer Eingabe vom 12. April an ben Vorstand mit der Bitte, diese Angriffe zu nntertaffen und dm Gefühlen katholischer Lehrer in etwa Rechnung zu tragen. Die Antwort lautete ab- leftimd. Nach mehrfachen erfolglosen Verhandlungm kam die Angelegenheit in einer Versammlung vom 17. Juni 1911 zur Sprache. Der Führer der katho- lischm Lehrer legte eingehmd bot, daß die Bischöfe berechtigt und verpflichtet seien, toatnenb ihre Stim­me zu erheben, wenn die Bayerische Lehrerzeitung in ihren Artikeln einen kirchmfeindlichm Charakter zeige; ferner, daß die Frankfurter Schulzeitung die Empfin­dungen katholischer Lehrer gekränkt habe, und endlich, daß das genannte Blatt, soweit es sich um Einnch- tungen der katholischen Kirche handele, nicht einwand­frei berichte. Zahlreiche Gegner, befonders der Re­dakteur der Schulzeitung, traten auf den Plan. Nach fünfftündiger Sitzung wurde von der Mehthrtt eine Resolution angenommen, die dm bayerischen Lehrern eine Sympathiekundgebung ausspricht, die Haltung der Frankfurter Schulzei­tung in der Streitfrage billigt und der Schristkeitung ein Vertrauensvotum erteilt. Ungefähr achtzig katholische Lehrer verließm hierauf den Saak, und in der am 22. v. M. stattgefimdenm Ver- sammlung protestierender Lehrer touibe der Aus­tritt aus dem Frankfurter Lehrerver­einbeschlossen, der unverzüglich erfolgte.

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Nnteralba bei Dermbach, 1. Juli 1911. Ein seltenes Jubiläum konnte der Gastwirt Sell feiern. Es sind nunmehr 25 Jahre vergangen, daß er Mit­glied des Gemeinderales ist; auch fein Vater hat 25 Jahre lang biefen Posten bekleidet. Sell bekleidet auch über 25 Jahre die Charge eines Oberfeuerwehr­mannes und über 28 Jahre das Amt eines Feld- geschworenen.

* Oechsen, 30. Juni 1911. Gestern nach­mittag warben unter großer Beleiligung die beiden ersten Opfer des am Montag abend im hiesigen Schacht erfolgten Unqlücksfalles beerdigt. Ter Drittelsührer Weisheit fand auf dem Fried­hof von Oechsen, der Schachthauer Kleinenhagen auf dem von Mariengarl seine letzie Ruhestätte. In Mariengart gestattete sich die Beerdigung um so seierlicher, da an derselben auch die Haktorser Bergkapelle mitwirkte. Die Beerdigung des drillen Opfers, des Bergart eiiers Hoffmann aus Gehaus, fand heute in Gehaus statt.

* Ketten, 1. Juki 1911. Ein schwerer Unfall ist dem hiesigen Landwirt Kreuzer zugestoßen. Als er feinen artsgleitenden Zuchtbullen zu halten d:zw. zu stützen suchte, fiel bas Tier auf ihn, wobei Kreuzer beide Seine gebrochen warben.

* Tiefenort, 30. Juni 1911. Der Schafländler Nathan Eisenacher aus Vacha trieb mit einer Herde Schaft nach Eisenach zu. Auf der Chaussee m der Nähe des Hautsces kam ein Automobil hinter ihm her und fuhr direkt in die Herbe hinein. 4 Schaft wurden babei getötet.

* Vacha, 30. Juni 1911. Der hiesige kathol Männe rverein, dem sich auch der kathol.Männer- uerein Geisa, sowie zahlreiche andere Personen nn- ' schließen werden, unternimmt morgen einen Ausflug nach dem Rragenberg bei Tiefenort. Nach Dorndorf geht es mit der Eisenbahn. Bon Dorndorf folgt eine Fußwanderung nach Kiefelbach, von wo aus die Be­steigung des mit einer Burgruine getränten und eine herrliche Fernsicht bietenden Berges erfolgt. Auf dem Bergesgipsel Inden Bänke und schattige Anlagen zur Rast ein. Auch ist dort für Erfrischungen gesorgt.

Aus Gberheffen u. den heff. Aemtern.

A Marburg, 1. Juli 1911. Das Landgericht beschäftigte sich gestern in einer umfangreichen Ver­handlung mit im Hinterländer Gebiet vorgekommenen Hammrldiebstählen. Zwei der Angeklagten, Schneller und H. Boos aus Hartenrod, beide z. Zt. im Gefängnis, wurden zu erheblichen Zusatzstraftn verurteilt. Eine der Hehlerei beschuldigte Familie Menget aus demselben Orte erzielte Freisprechung. — Heute nimmt hier bas 12. He ssijche At let hen- verbaudsfest seinen Anfang.

* Marburg, 1. Juli 1911. Der Professor und Bibliothekar an bet hiesigen Universität,Dr. Wrede, wurde von brr philosophischen Fakultät zum orbent- lichcn Honorarprofessor-ernannt. — Der städtische Steuerinspektor Müller friert heute fein 25. Dienst­jubiläum in Marburg. — Prof. Flufaner stieß mit feinem Rad gegen einen Lastwagen, stürzte und erlitt einen doppelten Beinbruch. — Der Stadtverordneten­versammlung liegt folgender Antrag zur Beschluß­fassung vor: Im Bezirke her Stabt Marburg bürfen studentische Verbi nbungshäuser unb Kneipen von Roiporat onen ober Dritten nur an nadjfolgenben Straßen gebaut ober eingerichtet werben: Lutherstraße, Hainweg, Kaffweg, Wehrbaer- weg. Die Verfügung soll auf ben 1. April b. Js. zurückbatiert werben.

* Neukirchen (Sfr. Ziegenhain), 30. Juni 1911. Die hiesige Molkereigenossenschaft erhielt für ihre aus der Ausstellung in Kassel ausgestellte ungesalzene Butter eine Anerkennung.

* Gemünden, 30. Juni 1911. Bei der kürzlich ausgeschriebenen Vergchung der Bahnhofswirtschaft erhiett Gastwirt Rothe von hier unter 15 Bewerbern den Zuschlag.

* Wehrshausen, 30. Juni 1911. Der frühere hre- fias Süraernteütet Landwirt WeirrLhäuler iß

gestern hier gestorben. Der Verblichene war ein he» flscher Bauersmann Don echtem Schrot unb Som.

* Berke«, 30. Juni 1911. Zur Förderung bei Volks- unb Jngendspiele hotte irte Regierung bei Stadt »orten zur Anlage eines Turnplätze! 2000 Mart zur Verfügung gefkSL Der herrlich g» legene, nunmehr fertig gewordene Turnplatz am Bi» märckdenkmal, soll mm ,rm 16. Juli unter Teilnahme der gesamten Sortener Jugend unb Vereine ringe weiht werden. Der Regierung ist die Bewilligung deS Geldes umsmnehr zu danken, da Fein geeignete Platz trotz dringendem Bedürfnis bisher zur Veo fügung stand.

vermischter.

* Elektrische Leitungen werden schon seit Jahren im rheinisch-westfälifchen Jndufiriebezirk vielfach nachts abgeschnitten und fortgefchofft. Oft sind bi' Diebe mit Wagen und Pferd ausgerüstet, um mög, lichst rasch vom Schauplatz des Verbrechens fort zukommen. Jetzt ist endlich einmal ein solches Ben brechernest ermittelt worden. Ein Gutsbesitzer ft Rünthe im Kreise Hamm gewahrte nachts, ba[ Diebe daran waren, seine elektrischen Lessungen zi stehlen. Fünf Mann waren tätig, ein Fuhrwerk hielt in ber Nähe. Der Landwirt zerschnitt rasch die Zugstränge des Pferdes, fo daß dieses den Wagen nicht fortziehen tonnte. Darrn verfolgte er mit seinem Verwalter die fliehenden Diebe, von denen einer gefaßt wurde, obschon fie scharf schossen. Wagen unb Pferd hatten fie zurückgelaffeu; bas Gespann gehörte einem Mkhänbler aus bem be­nachbarten Eving, bet anscheinend bie Ireibeube Kraft bei bet Diebesfahrt gewesen ist. Ter Mann, ein Pole, ist bis jetzt noch nicht in seine Wohnung zurückgekehrt.

* Ter Schimmel mit der Leibreute. Einen Streich hat ein alter Herr, ber kürzlich in Berlin das Zeitliche segnete, seinen Erben, entfernten Anver­wandten, gespielt. Neben einem ansehnlichen Ver­mögen hinterließ er auch einen Schimmel, mit bem er früher zuweilen hetnmkutschicrt wat. Im Testa­ment fand sich nun bie Bestimmung, daß ber Schimmel einem langjährigen Freund des Ver­storbenen in Pflege zu geben sei. Für jedes Jahr solle ber Pfleget bei Lebzeiten bes Pferdes bie Summe von 10000 Mark erhalten. Um bas Pflege­geld sicherzustellen, wat ber größte Teil bes Ver­mögens auf einer Bank zu deponieren. Da der Schimmel noch gar nicht alt ist, so kann seine Pflege noch manche 10000 Mart kosten — wie man sich vorstellen kann, zum nicht geringen Aerger bet »lachenden Erben", lieber Haupt ist es unergtünbet. ob nicht am Enbe ber alte Herr mit seinem Testa? meut nur seine Verwandten ärgern wollte, ober of er wirklich seinen Schimmel fo lieb hatte.

* Ein Mädchenschicksal rollte sich vor dem Schwur­gericht in Köln auf. Es war eine Düsseldorferin, der sich im Jahre 1907 ein gewisser Giebeler au8 Siegen näherte und die Ehe versprach. Mit Rücksicht hierauf gab sie dem Menschen ohne Schuldschein ihr gesamtes Vermögen, bestehend aus 10 000 Mart. Mit dem Gelbe verflog auch die Liebe Giebelers, und als bas Verhältnis nicht ohne Folgen blieb, trieb bet Unmensch mit Erpresserbriefen das Mädchen von Stelle zu Stelle. Bor dem Untersuchungsrichter hatte das Mädchen beschworen, Giebeler habe ihr das Geld zurückgegeben. Dieses war unwahr, unb bei ber spä­teren Verhandlung gestand sie ein, Giebeler habe sie förmlich gezwungen, falsch auszusagen. So kam fie wegen Meineides vor das S<^o»rgericht. Die An- geöagte machte einen außerordentlich traurigen Ein­druck und erregte allgemeines Mitleid. Gegen Gie­beler schwebt auch ein Verfahren: er ist flüchtig und wird steckbrieflich verfolgt. Er war ein ganz raffi­nierter Heiratsschwindler, der viele Mädchen um ihre Ersparnisse betrogen hat. Die GesiAvorenen ver­neinten die Schuldfrage, worauf die Freisprechung des unglücklichen Mädchens erfolgte.

♦ Auch eine Handschristendeutung. Der „Psorzh. Anz." gibt einer „ILjährizen Schwarzwäldlerin", die ihn um Deutung ihrer Handschrift ersucht Hai, im Brieflasten die folgende Antwort: „Der Brieflasten besaßt sich im allgemeinen nicht mit Handschristen­deutung. Bei Ihren wollen wir aber eine Ausnahme machen unb Ihnen sagen, daß Sie in sechs abgeschrie­benen Zeilen drei Kommas und zwei Punkte weg- gdaffen und ein Hauptwort Bein geschrieben haben. Das bedeutet, daß Sie oberfiäckflich find."

* Ein Feldmarschall als Schullehrer. Aus Tokio wirb gemelbet, baß General Nogi, bet Held von Port Arthur, in feiner Heimatstadt zum Leiter einer Volksschule ernannt worben ist. Die japanische Staatsverwaltung wollte burch diese Ernennung vor bem ganzen Volke die Wichtigkeit des Jugenbunter- richtes betonen. Sein Amt bürste natürlich nur ein Ehrenamt fein. In Deutschland haben Unter- richt in Behmderungsfallen bes Lehrers schon Kaiser Friebrich (als Kronprinz) unb Kaiser Wilhelm II. in Bornstedt bei Potsdam und Felbmarschall Hae« feiet auf feinem Gute in bet Mark erteilt.

58. Seneral-versa»ml»sg der ttacholilen Deutschlands tn Mainz

(6.—10. August.!

Anträge für die vom L—10. Augustin Mainz tagende 58. Generalversammlung bet Katholiken Deutschlands mögen baldigst bei dem unterzeichneten ersten Vorsitzenden bet Rebnetkommisfion eingereicht werden. Unter Hinweis auf bie GeschästSotbnung wirb ausdrücklich bemerkt, daß Anträge, bie später als vier Wochen vor bem Beginn bet Versammlung, b. b- nach dem 9. Juli, einkommen, auf Beratung nicht rechnen können.

Mainz, ben 28. Juni 1911.

Die Rebnerkommission:

Dr. Bendix, Domkapitular.