Zeitung
uldaer
38. Jahrgang
Erstes Blatt.
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Sotationrdrncktlnd Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Fulda Fernsprecher Nr. 9.
Deutsches Reich.
♦♦ Berlin, 23. Juni 1911. Kaiser Wilhelm begab sich Freitag morgen in Kiel an Bord des „Meteor", um an der Wettfahrt des Kaiserlichen Nachtklubs auf der Kieler Föhrde teilzmiehmen. Der >Meteor" ging als erster durchs Ziel.— Wie in jedem Jahre während der Kieler Woche, wird sich der Reichskanzler nach Kiel begeben, um dem Kaiser vor dem Antritt der Nordlandreise noch Vorttag zu halten. Wahrscheinlich wird auch der Staatssekretäre des Auswättigen, Herr v. Kiderlen-Wächter, sich nächstens in Kiel beim Kaiser einfinden. — Die Beratungen -zur Durchfühmng der Reichsverslche- lungsordnung im Reichsrat des Innern habm ihren Abschluß gefunden. Es wurde u. a. fest- gchellt, daß die Krankenversicherung erst zu einem späterm Zeitpunkt zur Durchführung gelangen kann, weil noch vorher umfangreiche Vorarbeiten zu erledigen sind, wie zum Beispiel für die Versicherung der Unständigen Arbeiter und der Hausgewerbetreibenden.
0 Zum Krach im Hansabund. Der Vorstand des Hansabundes hat dem ,Berl. Tg/ den Briefwechsel übergeben, welcher vor der Veruneinigung zwischen Hansabund und dem Zentralverband der Industriellen zwischen Herrn Dr. Rießer und Herrn Landrat Rötiger erfolgt ist. Angesichts des inzwischen eingetretenen Bruchs verlohnt es sich nicht, auf diese Korrespondenz eingehend zurückzukommen. So viel ergibt sich aus ihr, daß Herr Dr. Rießer die sozialdemokratensreundliche Politik auf eigene Faust befürwortet hat. Wenn er in einem dieser Schreiben erklärte, er habe seine Ausführungen über die Stichwahlpolitik' nicht als Leiter des Hansabundes, sondern als Staatsbürger gemacht, so ist das eine faule Ausrede. Wenn der Präsident eine? Bundes auf einem Bundestage eine Parole ausgibt, so muß jeder annehmen, daß er das Ge- samlvirektorium hinter sich hat. In einem solchen Falle kann man nicht unterscheiden zwischen Person und Amt und wenn Herr Dr. Rießer das tut, so ist das nur irreführend. Interessant ist in dem Briefwechsel die Feststellung des Herrn Rötger, daß d r Prändialdescliluß des Hansabundes gelautet habe: Neutralität bei den Stichwahlen gegenüber den bürgerlichen Parteien, aber nicht gegenüber der Sozialdemokratie. Her Dr. Rießer hat also, indem er die Neutralität gegenüber der Sozialdemokratie betonte, im Widerspruch zu dem Präsidialbeschluß gehandelt. Das dürfte doch manchem Mitglied des Hansabundes zu denken geben. Was Herr Dr. Rießer will, ist nichts anderes, als daß die Schutztollmehrheit im Reichstag selbst unter Zuweisung bürgerlicher Mandate an die Sozialdemokratie zur Minderheit gemacht werden soll. Das geht, wie die.Kreuzztg." zutrefseitd hervorhebt, euch auS dem begeisterten Vertrauensvotum hervor, welches Dr. Rießer aus dem Vorstände des Bundes der Industriellen (wohl zu unterscheiden von dem Rötgerschen Zentralverband der Industriellen) erteilt worden ist.
4- Neber das Schicksal der Berlage über die PflichtfvrtbildnugSschnle wird, nachdem Handels- Minister Sydow die Vorlage als unannehmbar bezeichnet hat (vergl. die gestrigen Letzten Nacht.), weit die Kommission diese Schulen auch dem Kultusministerium unterstellt hat, in der Berliner Preffe lebhaft diskutiert. Dir liberalen Blätter suchen das Gesamtministerium scharf zu machen und betonen, daß in jedem Falle der Ausgang dieses Konfliktes für den Bestand des Bethmann'schen Ministeriums wie für den roeiteren Kurs hx Preußen von großer Bedeutung sein werde. Zentrum und Konservative haben keinen Anlaß, von ihren auf sachlichen Er- wägnngen beruhenden Beschlüssen abzugehen. So weit sind wir doch noch nicht gekommen, daß in jedem Falle, wo der Liberalismus keinen Geschmack an einer Sache findet, die anderen Parteien einfach die Segel zu streichen hätten. Der .Berliner Lokal- Anzeiger^ gibt sich den Anschein, über die Absichten der Regierung unterrichtet zu sein, und faßt die Situation dahin auf, daß auf eine Weiterberatung der Vorlage im Plenum verzichtet werde, um auf dies« Weise den Konflitt aus der Welt zu schaffen. Dieser Auffaffung möchten wir nicht beitreten.
(*) Zur Stichwahlparole der konservativen Partei bringt das ct-nUiche Parteiorgan der Konfervaüven eine Auslastung, in der es sich angesichts der von einander abweichenden Auffassungen deS Präsidenten des Reichstages, Grafen Schwerin, und der Deutschen Tageszeitung" (vergl. Rr. 141 ds. Bl.) auf die Seite der letzteren stellt. Es schreibt:
Wir vermögen einen Unterschied zwischen Sozialdemokraten und deren Helfern nicht gelten zu lasten und müssen im übrigen die Entscheidung über die in den einzelnen Wahlkreisen zu beobachtende Stellung zur Stichwahl lediglich von taktischen Gründen unsere Parteiintereflen abhängig machen.
X Aerstetag und Reichsverficherungsordnuug. In Stuttgart trat am Touuertag der Verband zur Wahrung der wirtschaftlichen Jntereffen deS Aerztestandes, der sogenannte Leipziger Verband, zu seiner diesjährigen Generalversammlung zusammen. In Aerztekreisen hat man der diesmaligen Tagung mit ganz besonderem Jutereffe ent« gegengesehen, da es galt, Stellung zu nehmen zu der durch die Reichsversicherungsordnung neu ge- ichaffenen Situation im Aerztestand. Der Vor- itzende Dr. Hartmann-Leipzig führte in seinem ein« eilenden Vortrage aus:
In der Reichsversicherungsordnung hätten die Jntereffen der Aerzte keinen ausreichenden Schutz gefunden, und die Aerzte seien nun lediglich auf Selbsthilfe angewiesen. Jede von außen angebotene Hllfe müsse man mit großer Borsicht anfehen, besonders wenn sie von bestimmten politischen Gruppen auSgehe. (Lebhafte Zustimmung.) Der Leipziger Verband wird niemals von dem Grundsatz strengster politischer Neu- ttalität abweichen. (Stürm. Beifall.) Auf Grund der Reichsversicheruugsordnung muffen die bestehenden ärztlichen Verttäge mit den Kaffen genau geprüft werden, besonders wegen der Einbeziehung der Ein- kommensgreuze von 2000 bis 2500 Mark in die Versicherung. Der Redner beantragt- die Bestellung eines
Beirates, um die bevorstehenden schweren Kämpfe durchzuführen. Der Beirat wir auch zu prüfen haben, ob im gegebenen Falle von dem Mittel der Aussperrung Gebrauch gemacht werden soll. Nachdem der Gesetzgeber keine Rücksicht auf die Interessen der Aerzte genommen hat, bleibt uns nur übrig, xms selbst zu helfen. Mtt den fünf Groschen-Honoraren muß aufgeräumt werden, die freie Arztwahl muh überall durchgeführt werden. (Stürm, anh. Beifall)
Der Antrag Bett, den Beirat wurde angenom- men. Weitere Verhandlungen betrafen die W o h l- fahrtseiurichtungen des Verbandes, den Kampf gegen Schwindelkafsen und den Abschluß von Verträgen mtt Krankenkassen. Schließlich berichtete San.-Rat Dr. Hesselbarth-Ber- lin über den Entwurf eines Privatbeamten- versichernngsgefetzes. Die Versammlung nahm dazu eine Resolutton an, in der es heißt, der Verband lehnt den Entwurf eines Privatbeamten- versicherungsgesetzes, soweit er den ärztlichen Stand einer Zwangsverficherung unterwerfen will, aus ethischen und wirtschaftlichen Gründen ab. — An den Verbandstag schloß sich der 3 8. D e u t s ch e Aerztetag. Der Vorsitzende Geh. Rat Löbker führte über die Lage des Aerztestandes n. a. aus:
In der Kaffenarztfrage steht nnser Programm unabänderlich fest. Wenn auch bie neue Fassung des § 51 ein Entgegenkommen der Regierung durchblicken läßt, so muß die Neuregelung von uns Aerzte» im großen ganzen wiedernm als ungenügend angesehen werde«. (Lebhafte Zustimmung.) Die Aerztefrage selbst ist völlig ungelöst geblieben. Es güt das Wort Fritz Reuters zur Urgeschichte von Meckelnborg: Der § 1 des Landes- verdikts lautet - Allen? bliwt dem ollen. (Stürm. HeUerk.> Der Gesetzgeber hat sich als nicht fähig erwiesen, die Aufgabe zu lösen. (Beifall.) Das ist tief zu beklagen, nicht in unferm, sondern im öffentlichen Jntereffe. Sachlich bedeutet diese Gesetzgebung die Vernichtung fast jeglicher freier ärftlicher Tätigkeit. (Zustimmung.) Wir sind glücklicherweise nicht in Verlegenheit, wenn wir einen Ausweg aus der jetzigen Lage suchen muffen. Der Weg der freien Regelung, den wir während der letzten Jahre noch me^ betreten haben als früher, wird auch hier zu betreten sein. Eine Lösung dieser Frage und bie Durchführung unserer Forderungen fürfen wir nur auf dem Wege der Selbsthilfe und der dreien Vereinbarung mit den Kaffen erwarten. (Stürmischer, anhaltender Beifall.)
Dr. Streffer-Leipzig berichtete über die durch die ReichSversicherungsordnuug für den Aerztestand geschaffenen Verhältnisse. Hierauf wurde eine Entschließung angenommen, welche feftließt,
daß die Gruudforderungen der Aerzteschast auch nicht in einer Hinsicht erfüllt worden sind, während die Erhöhung der VersicherungSgrenze chigeführt wurde Der Aerztetag weift die Aerzte an, nur durch da? Mirtel der Selbsthilfe und der Organisation den ärztlichen Berufsstand frei zu halten und so die Geftmd« heirspflege vor Gefahren zu schützen. Es wird die Errichtung einer Verbandszentrale zur Prüfung aller Kaffenarzt-Betträge angeordnet, desgleichen der Erlaß von Bestimmungen über die Erttch- tung von Koutroll - Instanzen, um die Behandlung von Kranken durch Kurpfuscher auf Kosten der Krankenkaffen rmmöglich zu machen und um eine angemessene Honorierung der ärztlichen Arbeit zu gewährleisten. Auch für die Behandlung derjenigen, die durch die neuen Bestimmungen der freien ärztlichen Behandlung entzogen sind, und aller Mitglieder von Krankenkasse», di» über 2000 Mark Einkommen haben, sollen die Honorarsätze für private Behandlung sichergestellt werden.
<P Darmstadt, 23. Juni 1911. Zwischen den Finanzausschüssen der beiden Kammern bestehen die Meinnngsunterschiede über das Gemeindesteuergesetz unvermindert fort. In einem gestern erstatteten Bericht halten die Standesherren nach wie vor an dem Pachtvertragswert statt des ge- metnen Werts der landwirtschaftlich benutzten Grundstücke fest; ebenso beharren sie darauf, daß die Gebäudestrner nur nach dem halben Brandversicherungswert bemessen wird. Bei der Gewerbesteuer lehnen sie den Bermittlungsvorschlag der Zweiten Kammer ab und haben den Gewerbesteuertarif der Handelskammer in das Gesetz ausgenommen. Angesichts dieser Sachlage ist das Zustandekommen der Reform äußerst gefährdet. Gleichwohl soll in letzter Stunde nochmals der Versuch einer Verständigung gemacht werden. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer lehnte in feiner gestrigen Sitzung die Mehr- fotbetung für die Berliner Gesandtschaft in Höhe von 12 000 Jt ab, in der Erwägung, daß die Regierung nicht unmittelbar vor Schluß des Landtags mtt einer solche« Forderung kommen soltte, nachdem weit brmgetenbe Beamtenwünsche mit Rücksicht aus die Finanzlage zurückgestellt wer- den mußten. Der Finanzausschuß gene^uigte dann einen von der Ersten Kammer eingebrachten und von ihr bereits genehmigten Gesetzentwurf, welcher das Besteuerungsrecht der Kirchen erweitert, indem die AbzÜAe für Zinsen und Dividenden inländischer Aktiengesellschaften re. aufgehoben Werben.
Ausland.
X Das englische Krömnrzsfest. i
Die Rächt zum Freitag hat London schlaflos verbracht. Kaum hatte sich eine Menge, bie bie Illumination besichtigte, zerstreut, f» strömten schon wieder neu Ankommende aus allen Teilen bet Stadt und bet Vorstädte hechel. Es brach der Tag bes feier - lichen Umzug« durch die Stabt an. Die gesamte Feststtaße, bie sich viel wettet als am Tage vorher erstreckte, war ein Menschenmeer. Seit früher Mor- genstunbe nahmen bie 60 000 Mann Truppen und gegen 12000 Konstabler den Festweg entlang Aufstellung. Unter dem Donner bet Geschütze und dem Geläute der Kirchenglocken fuhren der König und die Königin in dem goldenen, von acht isabellen- fatbenen Pferden gezogenen Krönmigswagen, begleitet von einheimischen und fremden MMäraborbmm- gen, um 11 Uhr auS dem Buckinghampalast ab und trafen um %2 Uhe vor dem Mansion House ein. Vor dort ging der Zug am Parlament vorüber, nach dem Schloß zurück, wo er um 12 Uhr eintrctzj. Auf dem Watnckooplatz und dem Trafalgar Square nntrben dem König Adr» sstn verschiedener städti
scher Vertretungen übereicht. Die lange Fahtt gab all den Tausenden, die auf dem gestrigen kurzen Weg des Krönungszuges nicht Platz finden konnten, Ge-- legenhett, den Glanz und den Prunk des Krömmgs- zuges nachttäglich in Augenschein zu nehmen. Die Menschenmaffen lösten sich nach dem Vorbeimarsch ohne Unordnung auf. Es sind jedoch in diesen zwei Tagen einige ernstere Unglücksfälle votgekommen, von denen drei tödlichen Ausgang hatten.
Anläßlich der Krönung sand am Abend im Aus- roärtigen Amt em Bankett statt, an dem bie königliche Familie sowie bie Fürstlichkeiten und bie anderen hohen ausländischen Gäste teiknahmen.
** Sturz des französischen Kabinetts.
Die Vorzeichen für das Ende des Kabrnets Monis, bie kürzlich auftauchten, haben nicht gewogen. Aus Paris wirb beuchtet:
In ber gestrigen Sitzung her französischen Kammer begründete ber Deputierte Hesse eine Anfrage an den Kriegsminister über dessen Anschauungen von dem Oberkommando im Krieg sfalle. Redner warf dem Kriegsministet vor, im Senat gesagt zu habm, daß es einen Generalissimus nicht gebe, und daß im Kriegsfälle bie Leitung ber Operationen bet Regierung zustehen würbe. Zu Kriegszeiten sei aber ein Oberbefehlshaber nötig. Admiral Mena i m 6 setzt auseinander, daß es notwendig wäre, schon von langer Hand einen Führer bereitzustellen, ber fähig fei, einen Krieg zu organisieren. Er wies auf bas Beispiel Preußens, Moltte, hin. General P e b o y a faßte bie Möglichkeit eines Krieges mit dem Drechunb ins Auge unb deutete darauf hin, baß die Armee in den Alpen, im Osten unb Norden geteilt sein werde, so daß cm einziger Mann nicht alle Armeen leiten könnte. Er forderte, baß bie Oberbefehlshaber, wie in Deutschlanb, bereits in Friedens- zettm ernannt würben. Schließlich wurde eine von der Regierung abgelehnte Tagesordnung mit 238 gegen 224 Stimmen angenommen.
In der Kammer rief bas Abstimmungsergebnis große Aufregung hervor; gleichwohl blieben die Minister ruhig auf ihren Plätzen. Ein sozialistischer Deputtetter bestieg die Rednerttibüne, um bie Interpellation über bie Länbrreikouzeffionen in Tunis zu begtünben, doch würbe von ber Opposition ein solch anhaltender Lärm verursacht, daß bet Vizepräsident Etienne sich genötigt sah, bie Kitzung zu unterbrechen. Nach ber Wiederaufnahme vertagte sich bie Kammer bis zum Dkmstag.
Während ber Unterbrechung ber Kamm ersitz« ng haben sich bie Minister in bas Ministerium des Innern begeben und mit dem Ministerpräsidenten Mo- «is verhandelt. Sie haben ben Rücktritt bes Kabine tts befchloffm. Infolgedessen hat bie Kammer sich rach Wiedereröffmmo der Sitzung sofott auf nutzsten Dienstag vettagt.
* Dr. Grßman», der bisherige Führer bet Christlich-Sozialen in Oesterreich, hat einen Teil seiner politischen Aemter niebergetegt.
* * Unglück in ber fraszöstschen Marine. Das neuer« baute französische Panzerschiff „Mirabeau" erlitt einen Schraubenbruch unb bas Unterseeboot „Rubis" eine Maschinenhavatie.
♦ Rem kircheuftiudliche Kundgebungen in Spanien. Die spanische krrchenfeindliche Presse bezeichnet ben Eucharistischen Kongreß als eine Demonstration der Karttsten unb fordert zum Proteste am Tage der Prozession auf. Der »Radicil" schreibt: der Eucharistische Kongreß sei eine Provokation (11) ber Nichtkathvliken, und fordert die Bewaffnung derselben. Die Katholiken erklärten, sie würden die Prozession unter Einsetzung ihres Lebens schützen. Der ,Progresso-p schreibt: Es seien fanatische Weiber (I), die ben Eucharistischen Kongreß in Madrid halten wollen. Tas katholische Blatt ,Srglo fuhrt»' erklärt, in einem anderen Lande fei ber Kongreß noch niemals als politisch bezeichnet worden, das Blatt wendet sich au die Regierung, Baratt diese der Hetze ein End« mache:
♦* 3» ber spanische» Kammer würbe am Donnerstag über die spanische Matokkopolitik gesprochen. Die republikanischen Abgeordneten er» Hätten sich als Gegner des akttoen Einschreitens Spaniens in Marokko, ber Sozialistenfühtet Iglesias wies auf Frankreich als ben Hauptschuldigen an den gegenwärtigen marokkanischen Wirren hin und Ministerpräsident Canalejas führte ie seiner Rede nach berühmtem französischen Muster einen Eiet- tanz euf, indem et, als gelehriger Schüler Pichcms und Cruppis, seinen Zuhörern vorzudemonstrieren suchte, daß bas, was vor aller Augen vergeht, im Grunde genommen nicht vargeht, weil die bestehenden Verträge und bie Redlichkeit der beteiligten Faktoren tS verhindern. Et betonte, er wolle die Politik ber intimen Herzlichkeit mit Frankreich fortsetz-n. Wahrheit ist es mit der .in, time« Herzlichkeit mit Frankreich* nicht oBjumeit her, und privatim an nicht verantwortlicher Stelle pfeift denn auch bet Wind aus einem anderen Loch.
** Der spanische Botschafter in Paris ist fo unvorsichtig gewesen, ben Franzosen die Wahrheit zu sage». Aus Anlaß eines im Madrider ^mpaxtiel" erschienenen Interviews, in dem sich der Pariser spanische Botschafter Perez Caballero aus das schärfste die französische Stolonialpartet ansspricht, schlecht „Echo be Paris": Man ist m politischen Kreisen Frankreichs über diese Aeußerung, die mit der diplomatischen Zurückhaltung durchaus unoer» einbat ist, auf das höchste erstaunt nnd glaubt sogar, die französische Regierung hätte daS Recht, die Abberufung des Botschafters zu verlangen, ber sich zu einer derartigen Sprache habe hmteißen lassen. — Auch baS ist nur .intime Herzlichkeit", wettet nichts.
* Eine Schleppe ber Türke» in Arabien.
Wie da? Reut. Butean aus Hodeiba vom 17. Juni meldet, überraschten starke Abteilungen Aufständischer die Vorhut Mohammed Mi Paschs, bie aus vier Bataillonen und vier Geschütze» bestaub «nd drei Metten von Djisan »ntfetnt lagerte,
töt ten 1000 und verwundeten 500 Soldaten. Die Truppen flohen, von den Rebellen verfolgt, in Unordnung nach Djisan. In ber Verwirrung bombarbiette ein türkisches Kanonenboot Djisan unb verwundete einige hundert Soldaten. Die Rebellen erbeuteten vier Geschütze, zwei Maschinengewehre, große Mengen Munition und zogen sich bann zurück. Der Befehlshaber bet Truppen war nicht anwesend.
Aus Kirche und Schule.
* * Fulda, 24. Juni 1911. Der Hochwürdigste Herr Bischof wird morgen in Hanau zur Spendung ber hl. Firmung weiten.
----- Fulda, 24. Juni 1911. Die diesjährigen Priester-Exerzitien werben wieberum in 2 Abteilungen abgehalten. Der erste Zötus finbet voraussichtlich vom 15. August abends bis 19. August morgens statt. Die darauffolgende Woche ist für die Bischosskonferenz sreigehalten. Der zweite Zötus ber Erezitien wirb bann wahrscheinlich am 28. August Rammen treten.
[:] Weyhers, 24. Juni 1911. Mit dem 1. Juli d. Js. vollendet Lehrer Lotter dahier sein 25. Dienstjahr in der Gemeinde. Er unterrichtet gegenwärtig 110 Schulkinder als alleiniger Lehrer in der Gemeinde. Damit dürste die einer Lehrkraft in der Regel anvertraute Schülerzahl überschritten sein.
* Limburg, 24. Juni 1911. Abermals hat bet Tod in die Reihe des Diözesanklerus eine Lücke gerissen. Ter Bruder des jüngst verstorbenen Stadt- Pfarrers von Wiesbaden, Pfarrer Dr. Aegidius Keller fit am Donnerstag im Heilig-Geist-Spital in Wiesbaden im Herrn entschlafen. Dr. Phil, et theol. Keller war am 23. April 1848 zu Horbach geboten, besuchte das Gymnasium zu Hadamar unb wurde nach Vollendung seiner Stühlen am Kollegium Ro- manum zu Rom am 30. Mai 1874 zum Priester geweiht. Er ivar zu Frankfurt Hilfsgeistlicher von Oktober 1875 bis April 1877 tmb hatte unter ben Zeiten des heftig tobenben Kulturkampfes schwer zu leiben. Er kam dann nach Trier bis Frühjahr 1878, wurde Professor der Theologie am Priesterseminar für Birmingham, St. Bernard's Seminarh, Olton, von Ostern 1878 bis Ostern 1884, bischöflicher Kaplan und Sekretär zu Ltmbutg 1. Mai 1884, Hilfs- ftelsoc^r für die Pfarrei BommerSheim und Früh- meffereivcrwalter zu Oberursel 1. Dezember 1884, Hilfsseelsorger zu Höhr 1. Mai 1887, Pfarrer daselbst 1. Juni 1887, Dekan des Landkapitels Montabaur 1. Januar 1902. R. i. p.
* Part», 23. Juni 1911. Der Kardinal - Erzbischof Coulli« von Lyon warnt in ememHitten- b tiefe die Geistlichkeit unb Gläubigen seines Erzbistums vor benVorführungen bes Spiritismus, ber ben mystisch gerichteten Gemütern und der regen Einbildungskraft gefährlich roetben könnte. Er habe alle Eigenschaften eines Aberglaubens niedrigster Gattung, werbe von Betrügern geübt, schaffe Opfer unb verrückte Gehirne.
totales.
Fulda, den 24. Juni 1911.
(*) Eine Sitzung der Stadtverordnete» - Vetsamm- lnng findet am Montag den 2 6. Juni, abends 7l/i llht, statt. Die Tagesordnung lautet: i) Mitteilung von Eingängen. 2) Festsetzung der Vergütung für auftragsweise voll beschäftigte Lehrpersonen an ben Volksschulen. (Dr. Raabe.) 3) Festsetzung bes Fluchtlinieu-Planes für bie Straße am Franzoseu- wäldchen vom Künzellerweg bis an die Petersberger« ftrafje. (Jestädt.) 4) Verlängerung des Vertrages mit dem Hotelbesitzer Müller wegen Entnahme elektrischer Energie von der Zentrale im Stadtsaale. (Fritz.) 5) Wahl ber Mitglieder zu ber gemeinschaftlichen Schloß-Kommission nach ben neu erlassenen Bestimmungen. (Stapp.) 6) Zession?- und Löschungs-Urkunden. (Singer.) 7) Kenntnisgabe einet Mitteilung des Magistrates bett. Berufung eines Technikers zur Ableistung einer Probebienstleistnng als Bausekretär (L Berichterstatter Fritz, 2. Berichterstatter Rnbsam). 8) Verpachtung eines Streifens bet Petets- betgersttaße. (Rang.) 9) Wahl bet Baup lätze für bie 3 erforderlichen Schulneubauten unb Bewilligung bet Kosten für ein Preisausschreiben zum Neubau der dompfarrlichcn Schule (1. Berichterstatter Rübsam, 2. Berichterstatter Vollmer). 10) Preisansschreilan für ben Neubau ber Ober« Realschule (t. Berichterstatter Fritz, 2. Berichterstatter Vollmer). 11) Uebedragung des Hauses Ftiedrtchs- martt Nr. 1 auf bie städtische Sparkasse. (Dux.) In geheimer Sitzung: 12) Ankauf eines Gartengrundstückes an ver Kronhosstraße. (Jestädt.) 13) Ankauf eines Wiesengrundstückes hmter bet Ktonhos» firaße. (Jestädt.)
iß) Grundsteinlegung zur Kruppe!heil- und Er- ziehnugz-Anstalt. Von ber Genossenschaft der Barmherzigen Brüder hier wird, nrie bekannt, an der Nieftgerstraße, dort, wo die Butttatstraße endet und eine Fortsetzung der Straße nach Hotas zu geplant ist, ei» bet Neuzeit entsprechendes Krüppelheim errichtet. Die Arbeiten find bereits schon soweit gediehen, baß gestern, am Hetz-Jesu-Fefte, bet Grundstein gelegt werden konnte. Der Akt ging m der Stille vor sich. Es hatten sich außer dem General- Obern Br. Bonifatius Weimer aus dem Niutter« hause in Montabaur unb ben gegenwärtig sich hier befindenden sieben Brüdern mtt ihrem Vorsteher Br. Ben.dikt noch eingefunden ber den Bau leitende Archilelt Mahr unb bie Baumeister Hend- let nnb Gärtner. In ben Grundstein, der die Aufschrift trägt »Anno 1911, 23. Juni', wurde eine in eine Blechhülse emgeschlostene Urkunde mit folgendem Wortlaute versenkt:
Im Jahre deS durch Christus erlangten Heiler Ein Tausend Neunhundert unb elf» im achten de» Pontifikates unseres Heiligen Baiers, Papst Pius