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M 141.

Sreitag »en 25. Juni MI-

58. Jahrgang.

fnldaer W Rettung

4 2. Bloh.

vrnck und Verlag der $wlbotr ?klknbru<fttel in Sttlbe.

* Die Lebensdauer und ihre volks­wirtschaftliche Bedeutung.

Die Verlängerung der Lebensdauer ist nicht nur für den einzelnen von hoher Bedeutung, sofem der Wille zum Leben bei jedem Menschen in hohem Maß ausgeprägt ist, sondem vor allem auch für unsere g e- samte Volkswirtschaft, und zwar nach ver­schiedenen Richtungen hin.

Diese Lebensdauer (mittlere Lebensdauer) ermit­telt man, wie kürzlich hier schon daroelegt wurde, statistisch, au? den sogenannten Absterbecrdnungsn, wie solche bis heute für die gesamte deutsche Bevölkerung, und zwar für'das männliche und das weibliche Ge­schlecht gesondert, im ganzen drei, vorliegen, die eine Ms den Sterblichkeitsverhältnissen 1871 bis 1880, die zweite aus den Sterblichkeitsverhältnissen 1881 bis 1890 und die dritte aus den Sterblichkeitsverhältnissen 1891 bis 1900 berechnet. Diesen wird, sobald das notwendige Material vorliegt, eine Absterbeordnung für das Jahrzehnt 1901 bis 1910 folgen. Die Ab­sterbeordnung der siebziger Jahre ergab für das männ­liche Geschlecht eine mittlere Lebensdauer von 35,58 Jahren, die Absterbeordnung der achtziger Jahre er­gab eine mittlere Lebensdauer von 37,17 Jahren, und die der neunziger Jahre eine solche von 40,56 Jah­ren. Die entsprechenden Zahlen für das weibliche Geschlecht sind etwas höher, nämlich 38,45, 40,25 und 43,97. Die mittlere Lebensdauer hat im Laufe von 20 Jahren, von der Mitte der siebziger Jahre bis zur Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, bei dem männlichen Geschlecht um 5, bei dem weibli­chen Geschlecht um 5% Jahre zugenommen.

Trotz dieser beträchtlichen Erhöhung der Lebens­dauer steht Deutschland noch immer hinter den meisten europäischen Kulturstaatm zurück. In Schweden, des­sen Bevölkerung sich allerdings durch besonders gün­stige Verhältniffe auszeichnet, beträgt die mittlere Le­bensdauer des männlichen Geschlechtes 50,94 und die des weiblichen Geschlechts 53,63 Jahre, sie ist also um volle zchn Jahre höher als im Deutschen Reich. Um etwa 5 Jahre überragen noch Belgien und die Niederlande und um etwa 4 Jahre Frankreich und England Deutschland in den Wetten der mittleren Lebensdauer. Nur in Oesterreich und in Italien ist die mittlere Lebensdauer geringer als in Dmtschland.

Der Grund, weshalb Dmtschland noch in den nmnziger Jahrm des vorigen Jahrhunderts beträchtlich hinter anderen Kulturstaatm zurück­blieb, liegt in seiner bedeutenden Kindersterb­lichkeit. Die Versuche, im Deutschen Reiche die Sterblichkeit des frühestm Kindesalters herabzumin- kern, gehören der neueren Zeit an und werden erst in den Absterbeordnungm des 20. Jahrhunderts zum Ausdrucke gelangen Wenn man Folgerungen, die sich aus den fortlaufend berechneten Sterbeziffern ziehen lassen, träum darf, ist die mittlere Lebensdauer für dm Zeitraum 1901 bis 1910 wieder um 5 Iahre gewachsen und möchte damit andern Kulturstaa­ten bebeutenb näher gerückt fein. Dagegen nimmt Deutschland, wenn man die ersten Kinderjahre aus­schließt, indem man beispielsweise die Lebenser­wartung der zchnjährigm Knabm und Mädchm in Vergleich zieht, eine wesentlich andere Stelle unter dm Kulttirsiaaten ein. Die Lebenserwartung eines zchnjährigm Knaben ist in Deutschland 49,7 Jahre, in England 49,6, in Frankreich 49,2, in Belgien 50,3, in dm Niederlanden 51,7 und in Schweden 52,8. Deutschland steht hier Frankreich, England und Bel­gien sehr nahe, nur von den Niederlanden und von Schweden wird es überragt. Die Lebenserwartu»g bei zehnjährigen Mädchm ist in allen Staaten etwa um 2 Jahre höher als die bei zehnjährigen Knabm; die Stellung Deutschlands zu den anbem Kulturstaa­ten bleibt dabei unverändert.

Die Erhöhung der Lebensdauer hat neben dem Rückgang der Kindersterblichkeit als zweite wichtige Folge volkswirtschaftlicher Natur die Erhöhung der produktiven Kraft des Volkes. Um diese Wirkung dmilich zu erkmnen, ist es nötig, die Zeit zu ermitteln, die innerhalb der produftiven Jahre, vom Schlüsse des 15. bis zum Schluffe des 60. Lebens­jahres durchschnittlich durchlebt wird. Würde niemand in diesen Jahren sterbm, so würden alle Personen, die das 15. Lebensjahr vollendet haben, bis zum Schluffe ihres 60. Lebensjahres 45 Jahre durchleben; da aber bet Tob einen Teil von ihnen vor dem 60. Jahre dahinrafft, wird bie durchschnittlich durchlebte

+ Etwas über die Florastatne im Frrldaer Schlotzgarten.

Die Schwierigkeiten, welche — wie in der Sams­tagsnummer dieses Blattes zu lesen war — die Beförderung eines 150—160 Zentner schweren Sandsteines auf den Weinberg bei Dieters- Hausen verursacht hat, erinnert an einen vor nahezu zweihundert Jahren hier vorgekommenen ähnlichen Fall.

Es war in den zwanziger Jahren des acht­zehnten Jahrhunderts, da wurde aus den Sand­steinbrüchen bei Hattenhof und Steinau das Material zur bildnerischm Ausschmückung unseres Schloßgartens gehoft. Unter den bei Hattenhof von einem gewissen Simon Neuland gebrochenen Steinen befand sich auch ein koloffaler Block, der nicht weniger als „einhunderlundfünfzig kubische Schuhe" umfaßte, und dessen Transport eine gar mühselige Leistung für die dazu benützten „altenhöfischen" Geschirre wurde. Als die letzteren auf dem Rexberg enlzweiriffen, war ein Schmitt (Schmied?) aus Hattenhof gezwungen, tätige Hilfe z« leisten. Der gewaltige Stein, welcher endlich unter großen Schwierigkeiten in der Residenzstadt Fulda glücklich ankam, war zur Herstellung eines dem damals herrschenden Kunstgeschmack entsprechen­den plastischen Bildwerkes bestimmt. Der Bam­berger Bildhauer Friedrich Humbach hatte nämlich den Auftrag erhallen, nach den Angaben Stengel's, „der solche puttenumschwirrten Vasen be­sonders liebte", eine von Blumengewinden um­rankte und von anmutigen Kindergestalten umspielte Koloffalvase daraus zu meißeln. Die der Vase entsteigende Blumengöttin Flora, welche höchst wir­kungsvoll das uns Fuldaern wohlbekannte Kunst­werk krönt und vollendet, war anfangs gar nicht dazu gedacht. Dieses Gebilde wurde nachträglich aus einem anderen Steine gehauen, welcher in Steinau gebrochen worden ist; desgleichen auch die drei oberen graziösen Putten. Karl Lohmeyer, hrr bei seinen Nachforschungen in den alten Fuldaer

Zeit geringer als 45 Jahre fein. Für das Deutsche Reich folgt au» der Absterbeordnung der neunziger Jahre, daß eine 15 Jchre alte männliche Person durchschnitllich 37,92 Jahre innerhalb der AlterS- spanne von 15 bis 60 Jahren durchlebt, oder kurz aus­gedrückt, daß ein Mann im Deutschen Reiche nach ben SterblichkeitsvechLltniffen der neunziger Jahre hn ganzen 37,92 Jahre produktiv tätig ist. Von den 45 produktiven Jahren gehen also durch den Tod 7,08 Jahre verloren. Für England ergeben sich 37,91, Frankreich nur 37,26 und für Belgien 38,00 Jahre. Nur Schweden und die Niederlande weisen etwas höhere Werte auf, nämlich 38,53 und 38,65 Jahre, eigentümlicherweise sichen hier die Niederlande höher als Schweden. Der Unterschied der Kulturstaaten ist also bezüglich der mittleren Lchensdauer zwischen dem 15. und 60. Lebensjahre nur gering. Für das weib­liche Geschlecht ergeben sich in allen Staaten um % bis % Jahr höhere Werte. Diese volkswirtschaftlich interessante Zahl hat sich im Deutschen Reiche wäh­rend der letzten zwei Jahrzehnte nicht unwesent­lich erhöht. Rach der Absterbeordnung der sieb­ziger Jahre betrug sie 36,19 Jahre, sie ist also in zwei Jahrzehnten um 1% Jahre gewachsen. Erwägt man, daß im Deutschen Reiche während eines jeden Jahres etwa 1200 000 Personen das 16. Lebensjahr be­ginnen, so läßt sich ermeffen, wie groß der Vorteil ist, wenn jede dieser Personen durchschnittlich 1% Jahre länger der wirtschaftlichen Tätigkeit erhalten bleibt. ES bedeutet einen Gewinn von rund 2 Millio- nen Lebensjahre für jede Generation.

Man darf aus Vorstehendem in der Tat wohl schließen, daß diese Besserung der Sterblichkeitsver- hältniffe wenigstens zumteil unserer sozialen Ge­setzgebung zuzuschreiben ist. Und man erkennt weiter daraus, wie wichtig im Jntereffe der weitern Hebung unserer Produktivkraft und damit der Ent­wicklung unserer Volkswittschast es sein wird, diese soziale Gesetzgebung nicht etwa bloß bestehen zu las­sen, sondern sie zeitgemäß unter Berücksichtigung un­serer volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit weiter auszubauenk

Amt Geisa und Umgebung.

* Vacha, 22. Juni 1911. Nach einer amtlichen Veröffentlichung waren im Jahre 1910 in den Bergamtsbezirken Dermbach, Ersenach, Weimar und Neustadt a. O. 8 Kalibergwerke, 2 Salinen, 4 Erz­bergwerke und 2 Flußspatbergwerke in Betrieb. 6 Kalibergwerke waren in regelrechter Förderung. Die Erzberg- und Flußspatbergwerke wurden nur in geringem Umfang betrieben. In den 5 Berg­amtsbezirken belief sich die Gesamtbeleg­schaft bei den Kalibergwerken auf 1907, bei den Salinen 45 und bei dem Erzbergbau auf 19, ins­gesamt auf 1971 Arbeiter. Beim Kalibergbau be­fuhren die Arbeiter zwölfstündige Schichten und unter Tag achtstündige Schichten, beim Erzbergbau dauerte die Schicht 9—10 Stunden und bei den Salinen 12 Stunden. Im Jahre 1910 gelangten 125 Betriebsunfälle zur Anzeige, von denen 7 ben Tod zur Folge hatten. Der Gesundheitszustand der Belegschaft war zuftiedenstellend. Der Durchschnitts- lohn betrug bei dem Grubenbetrieb 3,50—4 dl. In Großherzogtum sind vorhanden bie Kalibergwerke „Kaiseroda", „Sachsen-Weimar", „Alexandershall", „Thüringen", „Rastenberg", „Heiligenroba", „Wil­helm Ernst" und „Buttlar".

* Buttlar, 23. Juni 1911. Die Schachtarbeiten der Gewerkschaft Buttlar schreiten gegenwärtig schnell voran. Der Schacht ist z. Zt. 76 Meter- tief und vollkommen mit Tübbings ausgebaut.

* Ostheim v. d. Rhön, 19. Juni 1911. In Sond- heim hielten sich dieser Tage sechs Spieler- bezw. Zigeunerwaaen auf. Ein Zigeunerweib ließ sich bei einem Sonbheimer Einwohner ein 20 Markstück wech­seln und enttvenbete bei dieser Gelegenheit aus einer Geldkassette 320 Mark in Gold. Als der Diebstahl bekannt wurde, ergriffen die Zigeuner die Flncht. Der Gendarmerie-Wachtmeister verfolgte mit noch zwei Einwohnern Sondheims die Gesellschaft. Diese wurde in Stedtlingen, wo sich 17 Z-igeunerwagm an- gesammelt hatten, gestellt und fesyg chatten. Durch das energische Einschreiten des Wachtmeisters wurden die 320 Mack wieder herbeigeschafft; die Diebe selbst konnten jedoch nicht ermittelt werden.

Aufzeichnungen vielfach den „großen Stein" er­wähnt fand, teilt in seinem Buche „Friedrich Joachim Stengel" (Düsseldorf 1911. Mitteilungen des historischen Vereins für die Saargegend. Hest Xl.) eine Rechnung des genannten Bildhauers mit, die uns einen recht interessanten Einblick in das Werden dieses vieldewundrrten Prachtstückes unseres Schloß­gartens gewährt. Diese Rechnung lautet:

„Berzeichnuß, roa» ich Endes in dem Hochfürstl gartenbau ahn bildthauer arbeit verfertiget als nehmlich:

an der großen Vase auf der oval treppen 4 Krag­stein an den 4 Ecken rote auch 4 Füllungen zu den 4 Mitteln deß Postaments so 4 schuh hoch ist.

Zroeytens die (darauf stehende Vase von 9 schuh hoch, mit 2 öhr, auf allen feiten mit bluhm gehenken und 4 Kindlen geziehret, oben darauf das Hoch Fürst!, roaxpen von 4 schuh hoch, auf beiden fetten gleich außgearbeitet verfertiget, woran verdient 100, rthlr. nach der gnädigsten Resolution solches werk größer zu machen habe mehr verfertigen müßen eine ftatua 6 schuh hoch, auf allen feiten mit bluhmen gestehrt, davor 30 rtthr. —

mehr 3 Kinder mit bluhmen neben dieser Figur, daß ü 6 rthlr. tuht — 18 rthlr.

mehr 3 Wochen gearbeitet an prob und model eins in gibS auf marmor art, einS zu der großen Nischen der sah terrena ’) die 4 monarchia genant, die noch 3 rthlr. tuht — 9 rthlr.

mehr ben aufsehung der statuen an den haubtportal einen zerbrochenen hereulesfnß neu gemacht, tuht—60 Xr. Suma 157 rthlr. 60 Xr.

Fulda, d. 16. August 1728. Do: Fried. Humbach."

*) SaiftrfaaL J. Gr.

— Wie man ein gemachter Mann wird. Ein Beispiel dafür, wie ein junger, armer und uitbe» deutender Kaufmann ein gemachter Mann wurde, wird aus Petersburg erzählt: Der Kommerzien­rat und Fabrikbesitzer Ljudin hat eine reizende 19- jährige Tochter, für die sich der Buchhalter aus einem Bankgeschäfte lebhaft interessierte. Jedes­mal, wenn der junge Wladimir Petruschin zu dem Kommerzienrat kam, um über Geschäfte mit ihm ztl reden, traf xr dort in dem Kontor des Fabrik-

* HelmerShausen,22. Juni 1911. Die Typhus- epidemie, die in unserem Orte herrschte, ist er­loschen. Auch von den Kranken, die im Mei­ninger Krankenhause lagen, konnten am vergangenen Sonntag 5 entlassen werden. ,

* Stadtlengsfeld, 23. Jnni 1911. Der Gemeinde- rat stimmte der Errichtung einer städttschen Sparkasse prinzipiell zu.

* Kaltennordheim, 21. Juni 1911. Ein Akt von Rohheit auf dem Gebiet des edlen Waidwerks er­eignete sich zwischen Kaltennordheim und Oberkatz. Ein Mann, der die Straße passierte, wurde plötzlich durch einen in der Nähe abgegebenen Schuß nahe der Meininger Grenze aufgeschreckt, gleich darauf wurde ein schwer angeschossenes Reh sichtbar, das sich unter Ailstrengung aller Kräfte twch mühsam über die Grenze, in die Oberkatzer Flur, slüchtete, von einem Nimmrod noch eine Strecke verfolgt. Der Jagdpächter von Oberkatz, dem davon berichtet wurde, suchte am andern morgen bie Strecke ab, sand bas schwer verwundete Reh — es war ein Mutter­tier — noch lebend auf und erlöste das arme Tier von der ausgestandenen Qual.

* Aus Thüringen, 23. Juni 1911. Bel dem Blumentage in Rudolstadt sind bekanntlich junge Mädchen ohne Fahrkarte im v-Zug, um Blumen und Postkarten an die Zuginsassen zu ver­kaufen, bis Jena mitgefahren.. Der Unfug hat ihnen nunmehr Strafmandate eingetragen. — Der Bezirkstag der Bäckerinnungen des 9. und 10. Be­zirks, Sachsen-Anhalt und Thüringen, hielt am Montag in Sangerhausen seine diesjährige Tagung ab. — In Saalfeld hat die feierliche Einweihung eines Saale-Elektrizitätswerkes statt- aefunden. — In Jena tagte der Sparkassenverband Sachsen-Thüringen-Anhalt und beschloß unter Vor- behalt der Zustimmung der Garantieverbände die Gründung eines Giroverbandes.

Mus Sberhessen II. den Hess. Ämtern.

* Marburg, 22. Juni 1911. Dem Ein- wohner Birk in Naunheim war mittelst Ein­steigens ins Haus aus seiner Kommode seine ganze Barschaft aus 100 Mark bestehend ent­wendet worden. Da mau keinen Anhaltspunkt zur Ermittelung des Täters hatte, holte man den Polizeihund aus Wetzlar. Dieser nahm eine Spur nach einem Nachbarhause, marschierte durch Küche und Wohnzimmer und blieb endlich vor ein paar Schuh stehen, die er anbellte. Drei­mal machte „Greis" denselben Weg samt seinen kleinen Abzweigungen. Die Sache wird nun wefler verfolgt.

* Zennern, 22. Jnni 1911. Dem Ver- nehmen nach ist die Gendarmerie dem Burschen, der wie wir aus Gudensberg meldeten, hier und anderorts die im Felde arbeitenden Frauen be­langte, auf der Spur.

* Ziegenhain, 22. Juni 1911. Eine neueBahn durch das Schwalmtal nach Alsfeld wird be­kanntlich in hiesiger Gegend eifrig diskutiert. Während die einen nun die Linienführung Ziegen- Hain über Willingshausen wollen, wünschen die Ortschaften um Schrecksbach ein Projekt Loshausen— Alsfeld. Nachdem nun bereits zwei große Persamm- lungen behusS Besprechung der Angelegenheit hier und in Schrecksbach abgehalten wurden, wird dem- nächst hier wieder eine solche tagen, um Stellung zu der Frage zu nehmen.

* Frankenau, 22. Juni 1911. Ein bedauerns- werter Unfall betraf den Dachdecker Pilger hier. Er stürzte bei Ausübung seines Berufs vom Dache eines Neubaues einer Scheune und brach mehrere Rippen.

* Homberg, 21. Juni 1911. Der Negiemngs- supernumerar Reith Ipurbe zum Kreissekretär ernannt unb ihm vom 1. Juli b. I. ab bie Kreissekretärstelle bei bem Königlichen Landratsamt Hierselbst verliehen.

* Gemünden a. d. W., 22. Juni 1911. Ein rus­sisch-polnischer Arbeiter, der bei dem Bau der Eisen­bahnstrecke Bköscheid - Densberg beschäftigt ist, bot einem hiesigen Metzger ein fast neue? Fahrrad zum Verkauf au. Nach kurzem Handel wurde das Rad für 40 Mark Eigentum des letzteren. Aber schon nach einigen Stunden stellte es sich heraus, daß das

besitzers das junge Mädchen, das anscheinend dort immer etwas zu tun hatte. Plötzlich erfuhr Wla­dimir, daß die reizende Lida Ljudm sich mit einem ungeliebten Mann verloben sollte, obgleich er wußte, daß ihr Herz ihm allein »gehöre. Da bekam er Mut, ging zu dem Fabrikbesitzer und bat kühn um die Hand der Tochter. Der Mann glaubte seinen Ohren nicht zu trauen, setzte ihm auseinander, daß ein junger Mann ohne Vermögen und gesellschaftliche Stellung unmöglich sein Schwiegersohn werden könne, selbst wenn seine Tochter ihn leidenschaftlich liebe. „Auch nicht, wenn ich der Teilhaber eines Bankhauses wäre?" fragte der junge Wladimir. — „Ja, das ist ganz etwas anderes," meinte der Fab­rikbesitzer, „dann hätte ich gegen Sie nichts einzu- wenden, denn Ihr Charakter gefällt mir, und Ihre Intelligenz desgleichen." Wladimir lief zu feinem Chef und sagte ihm, daß er die Absicht habe, in feine Firma einzutreten. Der Chef wies den Antrag ab und meinte, da fein Buchhalter bestimmt nicht so viel Vermögen besitze, um sein Teilhaber zu wer­den. „Wenn ich nun aber der Schwiegersohn von Herrn Ljudin bin?" fragte der junge Wladimir, „würden Sie auch bann etwas gegen mich einzu­wenden haben?" In diesem Falle erklärte sich der Inhaber des Bankgeschäftes bereit, seinen Buchhal­ter zu seinem Teilhaber zu machen, und bas umso­mehr, als er mit bem reichen Fabrikbesitzer schon seit langer Zeit eine Verbinbung anstrebte. Wla­dimir konnte sich also zu seinem Schwiegervater be­geben, und ihm mitteilen, daß er an dem Tage, da seine Verlobung veröffentlicht würde, der Teilnemer des großen Bankhauses sein könnte. Nun war der Widerstand gebrochen, glückstrahlend durste der schlaue junge Mann seine Braut in die Arme schließen. Er war jedenfalls in jeder Hinsicht ein gemachter Mann. ’i

— Die Eigenschaften der Buttermilch. Unter But- termllch versteht man die Milch, die beimButtem übrig bleibt, nachdem die in ihr enthaltenen Fettkügelchen als Butter ausgeschieden sind. Frellich findet man auch in ihr solche noch hemmschwimmend, was durchauS kein Nachteil ist. Ueberhaupt wird der Nährwert

Rad einem hier wohnenden, ebenfalls beim Eisen­bahnbau beschäftigten Arbeiter gehörte. Die Polizei hat den unehrlichen Burschen gar bald dingfest ge« macht. Auf die Aufforderung, das Geld herauszu­rücken, suchte er fortwährend mit „nix deitsch" sich zu drücken. Schließlich brachte er noch 17 Mk. zum Vorschein. Der Metzger, der ein billiges Rad zu erwischen gedachte, hat zum Schaden auch noch den Spott. Der Radmarder harrt hinter Schloß und Riegel seiner Bestrafung.

* Fritzlar, 22 Juni 1911. Der hier stattfindende Kursus der HauShaltungs- und Kochschule weist 17 Teilnehmerinnen auf. — Ein hiesiger Kaufmann, dcr seinen Hausburschen über Unredlichkeiten ertappt hatte, wollte dem unehrlichen Burschen die veruntreu­ten Gelder abvcrdienen laffen. Der hoffnungsvolle Jüngling hat jedoch das Weite gesucht.

vermischtes.

* Eine neue Spur in der Hoffmannschen Mord- fache. Seit 7 Monaten beschäftigen sich die Krv minalbehörden der Reichshauptstadt mit der Aufkla rmtg des Mordes an der Witwe Hoffmann, die, wie noch erinnerlich fein dürste, im Dezember v. I. in ihrer Wohnung ermordet aufgefunden wurde. Mehrere Verdächtige wurden verhaftet, mußten aber wieder entlaßen werden; zuletzt der vielgenannte Krankenwärter Griehl, der zur Zett der Mordtat im selben Hause wohnte wie die Witwe Hoffmann. Jetzt hat sich in der kleinen böhmischen Kreisstadt L e i p o ein früherer Kellner namens Rumler unter bei Selbstbezichtigimg des Mordes an der Witwe Hofs- m<m* Uebeffall aus schlesische Geistliche. Mittwoch mittag drangen zwei mit Revolvern bewaffnete Man­ner in das katholische Pfarrhaus zu E t n t r a ch t S - Hütte bei Beuthen und schaffen auf den Pfarrei Adamzik und den bei ihm weilenden Kaplan. Sie flüchteten dann in ein Getreidefeld und schossen auf bie sie verfolgenden Polizeibeamten, mit denen sie etwa 50 Schüsse wechselten. Einer von den Tatern wurde dabei am Kopfe, ein Polizist an der Hand verwundet. Die Räuber wurden schließlich verhaftet. Sie stammen, wie sie angaben, aus Galizien und bat­ten es auf das im Pfarrhofe vorhandene Geld, insbe­sondere auf den 11 eberschuß eines kürzlich abgehal- nen Wohltätigkeitsfestes abgesehen.

* Aushebung eines FalschmunzernesteS. In einem geschickt verborgen gehaltenen Zimmer in der Wohnung der Gebrüder Noras in Lawek (Ovtt- schlesien) wurde ein komplett eingerichtete Falsch­münzerwerkstätte entdeckt. Die Polizei beschlag­nahmte einen ganzen Posten Falsifikate iind große Mengen Zink und Kupfer.

** London vor der Krönung. Die KronungS- feierlichkeiten haben gestern in London ftattgefunben. Schon Tage vorher warm bie Straßen von Millionen Menschen gefüllt. Seit Mittwoch vormittag um 10 Uhr fingen charakterstarke Schaulustige an, sich _ an bet Festroute des Krönungszuges entlang aufzustel­len. Die erste war eine ältere Dame, bie sich zu der angegebenen Stunde mit Klappstuhl, Kochmaschine und reichlichem Proviant dicht an der Allee im Gceepack niederließ. Seitdem sind viele ihrem Bei­spiel gefolgt, und am Abend stand und saß schon ein zahlreiches Publikum an tiielen Stellen des Weges, das wohlgemut der Nachtwache entgegensah. Die Parks und Vororte, wie Hampton Court, Wormwood Scriibbs usw., glichen Feldlagern. 60 000 Mann Truppen liegen dort in Biwacks; jedes Regiment im Lande hat einen Offizier und 25 Mann entfandt. SU hatten bei bem Kiönungszug die Festroute entlang Ausstellung zu nehmen. Der Engländer, praktisch tote er ist, weiß die Festtage vor allem zum Geldverdienen zu benutzen. Am besten rentiert sich der Handel um Plätze für bie beiden Umzüge. Jeder, der nur einen Zentimeter wett Durchblick auf die Feststraße hatte, verkaufte ihn. Rund nm Trafalgarsquare, am Strand und auch anderswo sind fast alle Läden auS- geräumt. Wo man sonst Stiefel, Hofen, Putz- und Gebrauchsgegenstände aller Art sah, sieht man jetzt hölzerne Gerüste mit möglichst schmalen Sitzen. War­um auch nicht? Verkauft wird doch nichts während der Festtage, und so kann man aus dem Laden ganz andern Nutzen ziehen. Der elegante Kommis, noch im langen Gehrock, handhabt selbst Hammer und Nä­gel und schlägt das Gerüst mit auf, sein Herr legt

und die Bedeutung der Buttermilch für die Beför­derung und Erhaltung der Gesundheit rioch immer nicht genug gewürdigt. Auch die besonderen Tugen- den, die an ihr seit Jahren wissenschaftlich anerkannt worden sind, wie namentlich ihre günstige Wirkung gegen Verdauungsstörung bei Kindern, haben zum mindesten noch keine rechte Erklärung gesunden. Von der einen Seite schreibt man ihren Einfluß dem Fehlen von Fett zu, auf der anderen Seite der Gegenwart von Milchsäure. Zwei Forscher an der Anstalt für Milchindustrie in Surgeres bei Paris, die vor einigen Jahren durch das französische Land­wirtschaftsministerium begründet wurde, haben jetzt besondere Untersuchungen angestellt, um die Wirkung der Buttermllch in dieser Hinsicht völlig aufzuflären. Danach ist sie in einem hohen Gehalt an Lecithin begründet, dieser merkwürdigen chemischen Verbin- bimg, die wegen ihrer außerordentlich leicht löslichen phosphorsauren Salze in jüngster Zeit zu einem ganz besonderen Rang in Hygiene und Medizin erhoben worden ist. Durch einen Vorgang, der noch nicht ganz bekannt ist, scheidet sich das Lecithin beim But­tern aus und geht in die Buttermilch über, so daß diese daran um das Doppelte reicher ist als gewöhn­liche Mich. Wenn das Lecithin in der Buttermilch seinen segensreichen Einfluß möglichst kräftig auS- üben soll, muß diese ftisch genossen und nicht etwa vorher gekocht werden.

— Keine größere Wohltat können die Eltern ihren Kindern, namentlich den bleichen, blutarmen erzeigen, als wenn sie sie in die Sonne und in die frische, freie Luft schicken. Gerade jetzt ist die rechte Zeit dazu. Schickt sie in den Garten, ins Wiesen­grün, in den Waldesduft und laßt sie dort springen und tollen nach Herzenslust. Mahnend ruft der Dichter den Eltern zu:

O bannt die S.nber nicht in dumpfer Stuben Gruft! Ins Freie sendet sie, in Sonn und frische Luft, In Gottes freie Welt! Der herrlichste Gewinn Ist in gesundem Leib ein ftisch gesunder Sinn!

Gesundheft und Frische, neue Arbeitsfreude und Frohsinn spendet die Sonne. Aber der Jugend nicht allein, sondern auch den Großen, den Stubenhockern.