Zeitung
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* AuS dem Großherzogtum Hess«. Die 3. Tcke-
Aus Uirche und Schule
Aus dem Nachbargeblete.
Klaffe ernannt.
fiskus. , ,
* Frankfurt a. M., 21. Juni 1911. Die diesjährigen Herbstmanöver des 18. Armee korps werden fich bei Idstein, Katzenelnbogen und Kirberg in der Zeit vom 11. bis 20. September abspielen. — ,Jm Senckenbergimieum in Frankfurt ist das Skelett eines interessanten foffilen Raubtieres, eines Säbeltigers, zur Aufstellung gelangt. Es kommt aus einer Asphaltgrube bei Los Angeles in Kalifornien und wurde dem Museum geschenkt. — In der Knabenklasse 8a der Schwanthalerschule (Sachsenhausen) stürzte ein Teil des Deckenverputzes ein. Glücklicherweise waren die Schüler abwesend.
itas SberWen u. den heff. Ämtern.
* Frankenberg, 22. Juni 1911. Zu dem schon kurz gemeldeten tödlichen Unglücks- fall, der den Arbeiter KaSpar Rumpf aus Röddenau bei Frankenberg getroffen hat, erfahren wir noch folgendes. Rumpf war in der Thonet- scheu Stuhlfabrik in Frankenberg beschäftigt, deren Direktor Harliza an dem Unglückstage fein 40iähriges Dienstjubiläum beging. Der 40 Jahre alte verheiratete und allgemein beliebte Kaspar Rumpf hatte der Feier beigewohnt und wollte um 1 Uhr mittags mit feinem Fahrrad den Uebergang der Eisenbahn überfahren, als er von einer Lokomotive, welche einen Wagen aus der, Fabrik abholen wollte, ersaßt und überfahren । wurde. Die Räder der Maschine waren über den Leib gegangen und hatten den Körper tn zwei Teile geteilt, sodaß die Eingeweide auf dem Bahnkörper lagen. Der Tod war sofort einge- treten. Wie das Unglück geschehen ist, wetß
eine- zweiten Bürgermeisters in Weimar wählten nur 1230 Bürger, also nicht die erforderlichen Zwei-, drittel. Aus diesem Grunde mußte die Urne versiegelt aufbewahrt werden. Am Samstag findet die Zusatzwahl statt.
♦ Wiesbaden, 22. Juni 1910. Von der Bischöflichen Behörde zu Limburg ist die Mitteilung hierher gelangt, daß Pfarrer Gruber hier vom Oberprästdenten auf die Pfarrei Wiesbaden präsentiert worden ist.
* Sechsen, 22. Juni 1911. L
Streik getretenen Bahnarbeiter sind andere Mannschaften bezogen worden. Ein Teil der entlassenen Arbeiter hat bei einer anderen Firma auf oer Gewerkschaft Arbeit bekommen. — Der Bahnbau schrecket ! rüstig vorwärts. Bei Mieswarts wird die Straße, welche über den Bahnkörper führt, verlegt. Eine 4 Meter breite Brücke ist an dieser Stelle fast fertig ge
stellt.
* Kaltensundheim, 20. Juni 1911. Dieser Tage | wurde das hiesige Volks- und Schulbad durch Geh Staatsrat Paulssen, Medizinalrat Professor Dr. Gumprecht und Geh. Negierungsrat Kromaper eingehend besichtigt. Die Herren sprachen sich sehr lobend und anerkennend über diese neue segensreiche Einrichtung aus. Im ersten Jahre des Bestehens dieser Anstalt wurden für Erwachsene 2447 Bader, für Kinder zirka 3500 (letztere unentgeltlich) abgegeben.
* Kaltennordheim, 20. Juni 1911. Sn dem benachbarten Oberkatz brannte der Dachstuhl des Wohnhauses des Tagelöhners G. H. von Neffen nieder Man vermutet Brandstiftung.
* Aus Thüringen, 21. Juni 1911. Zum Zwecke der Herbeifühmng besserer Erwerbsgelegenheit soll in den industriearmen Orten des Kreises Saalfeld die Spitzenklöppelei eingeführt werden. Der Krers- ausschuß stellte in seiner jüngsten Sitzung dem Vorsitzenden 300 Mack für Abhaltung eines Lehrkurses in Volkmannsdorf zur Verfügung. — Auf dem alten Friedhof in Pößneck befindet sich ein origineller Grabstein. Seine Inschrift lautet: „Unser treuer Vater Gotthilf David Schmidt, Doktor der Medizin, ging nach langjährigem Wirken zum Wohle der Menschheit ins bessere Jenseits hinüber den 25. Januar 1848.* — Der Gewerbeverein in Suhl will aus Anlaß seines 50jähr. Bestehens im Jahre 1914 eine gewerbliche Ausstellung veranstalten, die das ganze Henneberger Land umfassen soll. — Nach Camburg ist eine neue Industrie gekommen: die erste Meininger Pianofortefabrik Müller und Gerb- städt. — Ein vierjähriger Knabe kam in Immelk' o r n in der Küche dem Feuer zu nahe und erlitt so | schwere Brandwunden, daß er starb. — Bei der Wahl
getätigt.
* Weilar, 20. Juni 1911. Dir Maul- und K l a u e n s e u ch e, die hier mehrere Wochen herrschte, ist nunmehr wieder erloschen.
und Verlag der fiulbaer Aetienbntckerei in SHlba.
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»onnetslag den 22. 3uni l»N.
58. Jahrgang.
Mark jährlich betragen würde. Wer glaubt an- * Au» vem yreeiy™»» gestchtS dieser Mer noch an den ehrlichen Willen graphen-Wtellun^g rnÄ Koble^bcaf in F ^db J
sollte.
Wichtiger als die Herabsetzung der Altersgrenze ist der Ausbau der Invalidenrente. Dies wird am besten durch die Statistik bewiesen. Es wurden laufende Renten gezahlt: Altersrenten I im Jahre 1897 203 955, im Jahre 1907 125 602, Invalidenrenten 1897 161 670, und im Jahre 1907 814 575.
In einem Jahrzehnt stieg die Zahl der Invalidenrenten um 652 670, dagegen sank die Alters-1 rente um 78 353, obgleich doch die Vorbedingung zur Erlangung derselben eine rein mechanische ist. Im Jahre 1909 erfolgte ein Zugang von 116 294 Invalidenrenten und nur 11036 Altersrenten. I Diese wenigen Ziffern beweisen, daß die Verbesserung der Invalidenrenten viel notwendiger war, I als die Herabsetzung der Altersgrenze. I
Die Vertreter des Zentrums haben denn auch I mit Ausdauer und Energie, aber auch mit Besonnenheit in der Kommission und im Plenum dem not-1 wendigsten und erreichbaren Ziele nachgestrebt. Die Gewährung der K i n d e r r e n t e an invalide Arbeiter ist eine ganz wesentliche Verbesserung des bisherigen Zustandes. Jeder Invalide erhalt für jedes Kind unter 15 Jahren nach Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung zu feiner bisherigen Rente noch eine Kinderrente in Höhe von etwa 25 Jfl pro Kind. Beispiel: Bisher erhielt der Invalide 30Ö Rente; hat er 6 Kinder, so muß ihm in Zukunft die Rente auf 450 c* erhöht werden. Die Einfiihrung der W i t- w e n- u n d W a i s e n r e n t e ist gleichfalls ent beachtenswerter Fortschritt. Ebenso die Ausdehnung des Versichertenkreises, die Einführung der Zusatz- Marken, Erhöhung des Grundbetrages u. a. m. Wäre Aussicht auf Erfolg vorhanden gewesen, dann hätte das Zentrum nicht nur die Herabsetzung der Altersgrenze, sondern vor allen Dingen die Herabsetzung der Erwerbsunfähigkeit von 66% Prozent aus 50 Prozent zu erreichen versucht.
Wer nicht rote Scheuklappen vor Augen hat, muß anerkennen, daß das Zentrum sich bemühte, v i e l, v i e l m e h r zu erreichen. Nun fand unter den Parteien in der Kommission (ausschließlich der Sozialdemokratie und des Freisinns) eme V e r - st ä ii d i g n n g dahin gehend statt, daß keine der Parteien bei der dritten Lesung tnt Plenum die m der Kommission abgelehnten oder zurückgezogenen Anträge erneuern dürfe. Als ehrliche Partei, Sie sich ihrer Verantwortung bewußt ist, mußte das Zentrum diese Vereinbarung respektieren. Selbft- oerständlich konnte sie deshalb auch nicht für die Herabsetzung der Altersgrenze stimmen, andernfalls da» große, überaus schwierig zustande gekommene Werk der Reichsversicherungsordnung gescheitert Ware.
Wenn nun die Sozialdemokratie, der Freisinn und ein kleiner Teil der Nationalliberalen für die Herabsetzung der Altersgrenze stimmten, so ist das lediglich ein Wahlmanöver, Nichts werter.
Dasselbe Zeugnis verdienen alle übrigen sozialdemokratischen Anträge, deren Durchführung eine Mehrbelastung von 2000 Millionen (2 Milliarden)
** Eiue „unglückliche Forderung!" _ _______
Bei der Beratung der Reichsversicherungsord- der Sozialdemokratie? hunq lehnte die Mehrheit des Reichstages bekanntlich den sozialdemokratischen Antrag betreffs H e r- a b s e tz u n g der Altersgrenze von 70 auf 65 Jahre für den Bezug der Altersrente ab. Die
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das Zentrum auszubeuten. .
Diesen Hetzbestrebungen gegenüber muß immer wieder darauf hingewiefen Werden, daß dte Herabsetzung der Altersgrenze auf 6a Jahre fett fast zwei Jahrzehnten ein Lieblingswunsch der Zentrums- partet ist. Das Zentrum ist n i ch t ein Gegner des Antrages, sondern es lehitte ihn ab, weil feiner tatsächlichen Durchführung sich z. Zunüberwtübliche Hindernisse in den Weg stellten. Der beste Beschluß des Reichstages hat für dte Altersrentner keinen Wert, wenn der mit dem Reichstes gleichberechtigte Bundesrat diesen Beschluß nicht durch führt. Ter Staatssekretär Dr. Delbrück hat in der Kommission und int Plenum namens der Regierung wiederholt erklärt, daß der Antrag für ihn u n a n n e h m b a r seil Dieser Antrag erforderte eine Mehrausgabe von 29 Millionen Mark, von denen das Reich 9 Millionen Zuschüsse zahlen
b Bettstedibach b. Neuhof, 22. Juni 1911. Am 19. Juni fand hier die Bürgermeister-Neuwahl statt. Mit einer Sttmme Mehrheit wurde Herr Adalbert Leinweber zum Bürgermeister gewählt. Der bisherige hiesige Bürgermeister ist, wie wir dieser Tage meldeten, auf tragische Weise durch einen plötzlichen Schlaganfall, der ihn im Neuhöfer Gerichtsgebäude ereilte, aus dem Leben gerufen worden Der Vorgang hat bisher eine unzutreffende Darstellung gefunden. Der Bürgermeister stand in den besten Jahren, allerdings kränkelte er in der letzten Zeit Als ihn der Tod ereilte, wurde er auf dem Amtsgericht in Neuhof nicht gerichtlich vernommen, er wollte vielmehr fein Gut abtreten und dem Wohne verschreiben lassen. Die Gemeinde Veissteinbach wird
ihrem verstorbenen Bürgermeister Dominikus Auch, I der ihr 12 Jahre in treuer Pflichterfüllung vorgestanden hat, ein ehrendes Andenken bewahren.
O Aus der Rhön, 21. Juni 1911. In guten Heuernte-Jahren blieb unseren Rhönbauern früher nichts anderes übrig, als das überzählige wertvolle Futter zu einem Schleuderpreise an die einheimftchen Viehhändler abzugeben. Dieses Jahr ist erfreulicherweise Gelegenheit zur besseren Verwertung des Rhönheues gegeben, denn täglich laufen Bestellungen auf solches ein. In Gersfeld ist schon Futter mit der Bahn verschickt worden und eS liegen schon Bestellungen auf weitere 18-20 Waggon vor. Da in manchen Gegenden durch Mißwachs, Unwetter und Mäusefraß die Futterernte viel zu wünschen übrig läßt, wendet man sich an die grasreichen Gebirgsgegenden um Ersatz.
'Dalherda, 21. Juni 1911. Versetzt wurde der Förster o. R. Lüder zu Dalherda vom 1. August d. I. ab nach Sterkelshauseit, Oberförsterei Roten- burg-West.
♦ Hünfeld, 22. Juni 1911. Eine von den stadtt- schen Behörden erlassene Ordnung betreffend die E r- hebung von Baupolizeigebühren für die Stadt Hünfeld hat die Genehmigung des Bezicksaus- schusses gefunden und ist nunmehr in Kraft getreten. Die Gebühr wird nach der Höhe des Bauweckes in Abstufungen berechnet. Bet einem Bauwerte bis einschließlich 100 Mk. wird nichts erhoben. Bei Wecken I üon mehr als 100 bis einschließlich 300 Mk. beträgt die Gebühr 2 Mk., von 300 bis 500 Mk. 3 Mk., von 500 bis 750 Mk. 4 Mk. und von 750 bis 1000 Mk. 5 M. Für jedes weitere angefangene Tausend werden 1,50 Mk mehr erhoben Gebührenftei sind alle Bauten des Reichs- und des preußischen StaatS-
vermischter.
* Eine Gesellschaft zur Reform der. Mannecklei- düng ist, um einem ,tiefaesühlten Bedürfnis" abzuhelfen, in Berlin gegründet worden. Die Gesell-, schäft crftärt die heutige Männerkleidung für unprak- tisch unschön und unhygienisch. Sie sicht insbeson- dere im Ersatz der langen Beinkleider durch die Knie- Hose und in einer einfachen, Hufen- oder joppenähn-, lichen Bekleidung des Oberkörpers (an Stelle de» heutigen komplizierten Ausbaues von Rock und Weste mit Stärkwäsche darunter) die Grundlagen künftiger Reformkleidung. _ . •
* Einen! etwa« ungewöhnlichen Weg wählte der Leipziger Schwimmlehrer Fritz Roch, dem Kaiser gelegentlich der Grünauer Ruderregatta eine von ihm erfunbenc Schwimmvorrichtung vorzuführen. Als die „Alexandria,* auf der sich der Kaiser mtt seinem Gefolge befand, wieder vor dem Kaiserpavillon festgemacht hatte, sprang der Erfinder von einet Zille t« vollem Anzuge und mit Schwimmapparat angetan in» Stelle eine Königskrone bilden. In anbetracht de» ungeheueren Wertes, den dieses Tafelgeschirr hat, wird es nur bei ungewöhnlichen Gelegenheiten be- nutzt. Es wird im allgemeinen in Windsor-Castle in eisenbeschlagenen Kammern aufbewahck. Zu den Schlössern, mtt denen die Türen verschlossen sind, haben 3 verschiedene Personen die Schlüssel, damit ein unbefugter Besuch der Kammer ausgeschlossen ist. Das ganze Tafelgeschirr ist nicht Eigentum de» Königs, sondern gehört dem englischen Staate. '
— Schornsteinrauch als Gewitterschutz. Wir haben in diesem Jahre schon sehr viel Gewitter gehabt; natürlich ist man bemüht, sich gegen etwaige Blitz- gefahren zu schützen, und es laufen dabei auch mancherlei abergläubische Anschauungen mtt unter. In vielen Gegenden zündm die Landleute bei drohendem Gewitter ein Feuer im Ofen an, legen auch wohl feuchtes Laub und dergleichen auf, da sie glauben, daß stacke Rauchentwicllung den Blitz ablenke. Selbst Großstädter lernten diese Vorsichtsmaßregel. Manche Leute belieben darüber zu scherzen, oder ganz zu Unrecht. Die Stattstik der Blitzschäden hat nämlich die auffallende Tatsache festgestellt, daß auf 1000 rauchende Fabrikschornsteine nur 0,3 Blitzschaden zu verzeichnen waren, während diese Schäden bet anderen hohen Gebäuden, Kirchtürmen usw., die nicht rauchten, 63%, betrugen. Der Volksglaube hat also hier unbewußt Beobachtungen gemacht, deren Richtigkeit nicht mehr anzuzweifeln sst. Das Feuer, die auffieigende Wärme vermindern jedenfalls die elektrische Spannung, welche nötig ist, um den Blitz auf bestimmte Gegenstände herabzuziehen. Man mache also ruhig ein kräftig qualmendes Feuer im Ofen, wenn ein Gewitter naht, und lasse sich ob feiner Sorgsamkeit von niemand auslachen 1 „as.
— Auch eine Antwort. Lehrer: .Dem Menschen sind gute Werke besonders empfohlen. — Max, kannst du mir sagen, was gute Werke sind?" — Max (Sohn einer Bankier»): ,Ja da» find die Bergwerke welche 7 Prozent und darüber bringen."
— Saisonpreise. ,Haben Sie schon Schiller» : Räuber" gesehen?" Nicht nötig — ich habe ja : meine Hochzeits-Reife durch die Schweiz gemocht!
schließt sie Gerwig in seine Arme, das lang zurück- gedrängte Bekenntnis gegenseitiger Liebe beendigt die Szene. Und nun hält Gerwig nichts mehr zurück, dem Ruse des Frankenkönigs aufs neue zu folgen.
DaS ist kurz der Gang der Handlung in dem von idealer Begeisterung für alles Edele und Gute getragenen Schauspiel.
— Das goldene Tafelgeschirr beim Krönungsmahl. Bei dem Krönungsfestmahl im Buckingham- Palast, das am Mittwoch den 21. abends stattsand, wurde das historische, goldene Krönungs-Tafelgeschirr benutzt, das insgesamt einen Wert von 140 Millionen Mark besitzt und für 150 Personen ausreicht. Das berühmteste aus dieser Sammlung rst der sogenannte große Tigerkopf, „Tippoos Schemel" genannt. Er ist aus massivem Golde gearbeitet, hat Augen aus Brillanten und Zieracken aus den kostbarsten Edelsteinen. Dieser große, goldene Tigerkopf dient gewissermaßen als Anrichte für die Fischspeisen, die beim Krönungsmahl ferbiert werden. Das goldene Tafelgerät wurde von König Georg IV- angekauft, während ein Teil aus Geschenken herrührt. Von der Großackigkeit dieser wunderbaren Tafeleinrichtung zeugt unter anderen Gegen- ständen der Champagnerkühler, der dazu gehöck. Er ist vollkommen aus Gold hergestellt; dabei hat er einen so ungcheueren Umfang, daß ein Mann darin gut haben könnte. Er ist inwendig ganz mit Kristallglas von seinstem Schliff ausgelegt. Den größten Kunstwert unter den Geräten hat der sogenannte „Goldene Pfau". Er ist völlig mtt Edelsteinen besetzt und hat einen Wert von rund einer Million Mack. Dieser Gegenstand ist ein Geschenk Karls des XII. von Schweden. Zu dem goldenen Gerät kommen noch eine Anzahl kostbarer Silberstücke, die so- wohl durch ihre Größe, wie durch ihre vollendete Aussührung einen bedeutenden Weck darstellen. Es gehören dazu goldene Messer und Gabeln, sowie vollständige goldene Eßbestecks. Die Teller für den König und die Königin sind von ganz besonderem Prunk. Um chren Rand befindet sich ein Reif aus großen ganz gleichmäßige« Perlen, die an einer
deutungslofigkeit herabfinkt. AIS die dem Kanzler gleichfalls feindlich gesinnte Palastdame Hildegunde und der Marschall Bera eine meuchlerische Beseitigung Gerwigs vorschlagen, weist Adalgisa diesen Vorschlag zwar mit Entrüstung zurück, benützt aber die nächste sich bietende Gelegenheit, um Gerwig den weiteren Aufenthalt am fränkischen Hose und die Fortführung seiner Aemter unmöglich zu machen. Beim Empfange einer fremden Gesandtschaft kommt es zu einem offenen Bruch; Adalgisa beschuldigt Gerwig, nach der Königs- würde zu streben, und beschimpft ihn tm Angesichte des ganzen HofeS. Zornentbrannt verläßt der Chatten- lohn daS undankbare Frankenreich, zuvor aber schwört er: so wenig Adalgisa je bei seiner von ihr geschmähten Mutter Magddienste tun werde, so wenig werde er jemals an den Hof Ehlothars zurückkehren, ©errotg wandert nun in sein Heimatland, in« Hessenland; aber zögernd naht er sich dem Vaterhause, ungewiß, welcher Empfang ihm dock zuteil werde, denn er ist Christ geworden; sein Vater ®unb- wald dagegen hält unentwegt am alten germanischen Götterglauben fest. Als Gerwig stch dem Vater gegenüber als Christ bekennt, weist ihn dieser von der Schwelle. Doch als sich ihm deS EohneS Eigenschaften als Anhänger des Christentums immer herrlicher offenbaren, als er von des Sohnes Heldentaten im Franlen- lande vernimmt und schließlich selbst gestehen muß, daß man auch als Chckst ein tapferer Krieasmami bleiben könne, wird er versöhnlicher gestimmt; Gerwig darf im Vaterhause bleiben und fein Vater teilt mit ihm das Reich. Inzwischen sind im Frankenland große Veränderungen vorgegangen; daS des sieggewohnten Führers beraubte Frankenheer ist vom Feinde geschlagen worden; König Chlothar selbst hat aus dem Lande fliehen müssen. Und nun erfüllt sich, was Gerwig, selbst als er im Zorn auS Caissons geschieden war, nicht für möglich gehalten hat: die stolze Adalgisa naht fich seinem Ellern- Hause und wirt) unerkannt als Magd von seiner Mutter ausgenommen. Bald darauf trifft auch König Chlothar selbst als ein Hilfeflehender im Hause Gundwalds ein; er erinnert Gerwig an feine Blutsverwandtschaft und fordert ihn auf, von neuem die Führung deS Frcmken- heereS zu übernehmen. Allein Gerwig hält fich durch feinen Schwur gebunden, daß er so wenia ins Frankenland zurückkehren werde, als König ChlotyarS Schwester jemals bei feinet Mutter Magddienste tun werde. Da tritt Adalgisa vor den Ueberraschten, gibt sich J« er« kennen und ersteht demütia feine Verzeihung. Gerührt
Heimkehr.
Schauspiel in 3 Akten von Emil Jacobi.
Zur morgigen Aufführung tm hiesigen Sommertheater.
Die Wirkung historischer Dramen wird vielfach bei der Bühnenaufführung dadurch geschmälert, daß der Zuschauer, was ja ganz natürlich ist, die historischen Verhältnisse in dem Stücke nicht genau ennt und aus diesem Grunde ferne ganze Aufmerk- jamkeit darauf wenden m,lß, über den etoff des Dramas durch den Dialog unterrichtet zu werden. Der Gcmiß au der Aufführung und an dem eigentlichen dramatischen Kunstwerk, geht dabei häufig verloren. Wir wollen deshalb hier schon unseren zahlreichen Lesern die sich das Heimatliebe atmende Werk unseres Landsmannes, des Kasseler Rektors Jacobi, anseden werden, den Gang der Handlung darlegen. Das Stück spielt um das Jahr 700 nach Christus, »ur Zeit, als über Gallien (das heutige Frankreich) und Wesiacrmanien die Merowinger herrschten, die Nachkommen des Königs Chlodwig, der tm Jahre 496 n Chr. mit seinem Frankenvolke zum Christentum bekehrt worden war. Der Frankenkönig, der uns in Jacobis Stück entgegentritt, der unmündige Chlotar, ist von der urwüchsigen Heldenkraft seines Ahnherrn Chlodwig schon weit entfernt. Die Mero- wingerherrschast neigt dem Ende zuund neue, haft- vollere Geschlechter — int Verlauf der Geschichte sind es die Karolinger — übernehmen die Führung in Germanien, dessen weiter vom Rhein abgelegene Gauen sie, dank auch dem Wirken eines hl. Bonifatius, dem Chckstentume gewinnen. Alls dieser historischen Grundlage entwickelt sich unser Drama.
Der erst« Akt spielt am sränttschen Königshofe zu Soiffons iKönigreich Neustrien), wo Gerwig, der tapfere Sohn des Chattenführer Gundwald alS selbstherrlicher Kanzler und Heerführer der Franken waltet. Diese Selbstherrlichkeit Gerwigs zieht ihm die Feindschaft der Schwester des noch unmündigen Frankenkönigs Chlo« thars zu. Obschon sie dem Helden im Grunoe ihre« Serzens in Liebe zugetan ist, verträgt eS ihr ehrgeiziger inn nicht, daß Gerwig im Reiche die erste Rolle spielt, während ihr Bruder neben ihm zu völliger Be«
man nicht. f
* Kirchhain, 21. Juni 1911. Hier fand eine öffentliche Versteigerung der zur Mausschen Konkurs- mässe gehörenden Gmndstücke statt, wobei insgesamt 32000 Mk. erzielt wurden. Höchftbietender auf daS Hotelgrundstück blieb Bauunternehmer Lang mit 25 000 Mk. Der Zuschlag wurde noch nicht erstem. ____
* Hartenrod, 21. Juni 1911. Vom Eintreffen des „Wunderdoktors" aus dem Gefängnis in seiner Gemeinde wird ferner berichtet: Trotz de», strömenden Regens war eine unabsehbare Menschen« ■ menge am Bahnhof verfamrnelt, welche Dtkomeit or» her in beim Verlassen des Zuges mit, brausendem Hurra An Stelle der in b @obann begleitete dte Menge Dtkomeit Im n i er " in langem Zuge nach seiner Wohnung, dem Hnl- Institut Hartenrod. Der Weg von dem Bahnhof nach dem Heil-Jnstitut war festlich geschmückt und das Instituts-Gebäude war sinnreich bekränzt. In einer großen Ehrenpforte hing ein Schild mH der Aufschrift „Herzlich Willkommen!"
♦ Erndtebrück, 21. Juni 1911. Ein Eisenbahn«, Unfall ereignete sich am Freitag abend spät in der hiesigen Station. Die Maschine deS um 11 Uhr 19 Minuten obends in Berleburg eintreffenden Zuges, die jeden Abend leer nach Erndtebrück zurück« fährt, stieß auf einen tm Gleise haltenden Leerzug, wobei die Maschine (die sog. Sparbüchse) und der, Packwagen schwer beschädigt wurden. Der aus der, Maschine befindliche Heizer Menn flog bei dem Zusammenstöße in das Fenster und erlitt Verletzungen am Halse. \
♦ Treysa, 20. Juni 1911. Bahnmeister Fürst e n b e r g dahier wurde zum Bahnmeister erster
ein, um Versuche mtt einem Fesselballon vorzunehmen. Sie stellten Verbin- dunaen nach den Telefunkenstattonm Koblenz, Hada-1 mar 7nd Karlsmhe her. - Die Leiche des Sparkaf- senrechners Jochem aus Oppenheim wurde bei Biebrich aus dem Rhein gelandeft J°chem der be kanntlich wegen eines Defizits tn seiner Kasse sich entfernt hatte, hat also doch Selbstmord begangen rote er in einem hinterlassenen Briefe angegeben haft — Aus Offenbach a. M. sind zwei Hausburfchen
,---------- . . verschwunden, der eine hat aus der Kasse feines Ar-1
♦ Würzburg, 21. Mai 1911. Angewiesen wurden , ’ A g zgOO Mk. der andere über 300 Mk. tmtge=
Kaplan W. Geis in Dingolshausen Äs Kaplm nach ^men
Mömbris und Diözesanpckester W. Hefner als Kaplan
nach Dingolshaufen. - Genehmigt wurde die Wahl --'
Amt ffieifa Md Umgebung.
— Die Pfarrei Rüdenschwinden wurde dem Lokal- * Dermbach, 21. Juni 1911. Sn der Nähe des kaplan C. Kim in Holzhausen verliehen, die Pfarrei Wflen Ockes gibt es einen „I b en g ar t en . der Ebenhausm dem Pfarrer L. Hartung in Mhausen. s „euerer Zeit das Ziel vieler Botaniker und Forsts _______ leute gewesen ist. In diesem „Jbengarten befinden sich inmitten eines Buchenbestandes, auf eine Flache vbn 5 Hettar veckeilt, noch etwa 500 StuckEiben- bäume, deren älteste Exemplare von Sachverständigen auf über 1000 Jahre geschätzt werden. Die Eioen- bäume haben einen Durchmesser von 25-65 Zenttme- tem und eine Höhe bis zu 15 Metern -^e gesam e Holzmasse derselben wird auf etwa 220 Kubikmeter geschäht Der Boden, auf dem sie stehen, ist magerer unterer Muschelkalk. Obwohl noch in mehreren and^ ren Gegenden einige Eibenbäume wachsen, dürfte doch der Dermbacher Eibenwald nach Umfang Mier und Beschaffenheit der größte und interessanteste in ganz Deutschland sein.
* Dermbach, 20. Juni 1911. Der Vorschußverein Dermbach hielt dieser Tage seme ®eneral= Versammlung ab. Es wurden verschiedene Wahlen