38. Jahrgang
Fulda, Dienstag den 20. Juni DU
Erstes Blatt.
M 138.
Gebiete der Reichssteuern.
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und sechs leicht verletzt.
ött et» spaUigePttitreileoder bereu 8<mm 15 Pf-. Seklamendiepetltzeile Pfg., bei wieder- tzolunge« wird entspr. Rabatt gewährt.
«otationrdruckunl Verlag der Luldaer Ak- tieadnukerei in Znlda Zerusprechcr Ur. 9.
Sitzung vertagt.
Dienstag: Ausführungsbestimmungen seuchengesetz.
** Zu den englischen Krönungsseierlichteiten treffen die fürstlichen Gäste nach und nach in London ein. Am Montag morgen traf da- deutfche Kronprinzenpaar dort ein, am Montag mittag Prinz Heinrich von Preußen. Im ganzen wurden am Montag nicht weniger als 80 Fürstlichkeiten erwartet.
* Bei der Ucberführung der Reliquien des seligen Gregor Barbarigo aus der Domkirche zu Padua in die Seminarkirche wurde am Montag in Anwesenheit von 20 Bischöfen und 200 Vereinen mit ihren Fahnen die Prozession dreimal durch Sozialisten gestört. Der Polizeibehörde gelang es erst nach heftigen Kämpfen, die Ruhe wiederherzustellen.
** Die Proklamierung der Republik Portugal. Die konstituierende Versammlung ist gestern in Lissabon zusammengetreten. Anwesend waren 192 Abgeordnete, die die Abschaffung der Monarchie und der Dynastie Braganza aussprachen und die Republik proklamierten. Es ereignete sich kein Zwischenfall. Jubel herrschte in der Kammer, in der Stadt war dagegen wenig von Festesftimmung zu merken.
* Bei den Wahlen zur bulgarischen Nationalver- jamWlung errang die Regierung eine große Mehr- heit. Die Oppositionsparteien scheinen von den 426 Mandaten nicht mehr als 40 gewonnen zu haben.
2lus!anb.
** Die Wahlen in Oesterreich. In Galizien fanden die Wahlen erst gestern statt. In Lem - berg kam es dabei wiederholt zu Tumulten und Slägereien. Die Polizei schritt mehrmals ein und nahm viele Verhaftungen vor, einige auch wegen Wahlschwindels. In D r o h o b y c z ist es zu blutigen Krawallen gekommen. Es wird darüber aus Lemberg gemeldet:
Auf das Gerücht, daß für den Kandidaten Löwenstein eine große Anzahl gesästchter Stimmzettel abgegeben worden feien, erfolgte von zionistischer Seite ein Sturm auf dessen Agitationslokal. Polizei und Gendarmerie waren machtlos gegenüber der Menge, die Steine, Biergläser und andere Gegenständ- aus sie schleuderte. Eine im Laufschritt mit gefälltem Bajonett an rückende Truppe Infanterie wurde ebenfalls nut einem Hagel von Steinen empfangen. Als die Menge trotz der Aufforderung des befehligenden Oberleutnants, sich zu zerstreuen, weiterhin mit Steinen warf, erscholl das Kommando: Schießen.' Fünf Salven wurden auf eine Entfernung von IS bis 20 Schritt abgegeben. Den Blättern zufolge wurden 18 Personen getötet und 37 schwer verletzt, darunter mehrere Frauen. -$er Zustand vieler Verletzter ist besorgniserregend. Einige der Projekitle muffen durch mehrere Körper hindurchgegangen fein, da sonst die große Zahl der Opfer nicht zu erklären wäre. Da die meisten der Verletzten an der Brust und am Oberarm verwundet sind, ist dies ein Beweis, daß die Salven nicht ans Fliehende abgegeben wurden. Zwei Personen find bereits im Hospital ihren Verletzungen erlegen.
Rtrnahme der Ze.m- tzndZeiertage. vierte l- Mrlicher vezrlsrprek yhne vringerlohn «nd vestel-eldinzuidas»» wie ßasi»5rt$ 1-50 HU.
Verant«. Redaktemr «ar! Schütter
Herrenhaus.
Sitzung vom 19. Juni 1911.
Das Haus führt die Beratung über das Berliner Zweckverbandsgesetz zu Ende und nimmt die Vorlage im wesentlichen in der Faffung der Kommission an. Ebenso nimmt es den Gesetzentwurf betr. die Los- zesellschaften in der Faffung des Abgeordnetenhauses au.
Dienstag: Feuerbestattungsvorlage.
Parzelle r in Fulda. woch-ndeil-se-.Illustrierte Sonntagsyitung"
Aus Uirche und Schule.
* Der Papst und die Feuerbestattung. Wie die .Kölnische Volkszeitung" aus Rom meldet, erklärte der Papst gegenüber einer Behauptung des schweizerischen Oberst Huber: er sei als Kardinal Sarto ein Freund der Leichenverbrennung gewesen, daß diese Meldung erfunden sei. Der Papst hat befohlen, daß feine Leiche im Todesfälle nicht einbalsamiert werde, sondern alsbald der Erde zu übergeben sei.
In D e u t s ch - B öh m e n hat die Wahlerregung vor den Stichwahlen vielfach zu S t r a ß en k ä m p- geführt. In Roßbach, wo eine Stichwahl jen Sozialdemokraten und Deutsch-Radikalen
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 19. Juni 1911.
DaS HauS berät die rheinische Landgemeinde- ordnung bei der „Zusammensetzung des GemeinderatS" weiter. A , .
Die hierzu gestellten Abänderungsantrage wurden abgelehnt und die betteffenden Paragraphen in der Kommissionsfassung mit einem Eventualantrag des ?Zentrums angenommen, wonach unter den meist» ea liierten Grundeigentümern diejenigen, hie in der Vemeinde ihren Wohnsitz haben, den auswärts Wohnenden vorgehen. _ ,
Bei dem § SB, der das Wahlrecht zum Gemeinde- rat regelt, t eantragten das Zentrum und die Bolks- partei die geheime Wahl. Die Nationalliberalen erklärten sich mit der durchsichtigen Ausrede, daß die Vorlage, m'.t dem geheimen Wahlrecht „bepackt", keine Aussicht hebe, vom Herrenhaus angenommen zu werden, dagrgen. Bei der namentlichen Abstimmung wurden die Anträge auf geheime Wahl ab gelehnt. Gefchloffm stimmten dafür das Zentrum, die Polen, die Bolktpartei und die Sozialdemokraten; geschlossen dagegen die Nationalliberalen und die beiden konservativer. Parteien.
Ein Antrag des Zentrums auf Einfügung eines Artikels 3a, wonach der Bürgermeister von der Bürgermeisterei-Versammlung gewählt werden soll und de-, Bestätigung des Oberpräsidenten bedarf, wurde rit 135 gegen 109 Stimmen abgelehnt. Ein Zentrums- Antrag auf Aufhebung der Arrest st rasen für die llnterbeamten wurde gegen die Stimmen der National- liberalen und eines größten Teils der Konservativen angenommen. Dabei zeigte sich wieder die Beamten- „freundlichkeit" der Nationalliberalen, die zwar auch für die Beseitigung sich erklärten, aber nicht für den Zentrumsantrag stimmen wollten. Dann wurde bet Rest der Landgemeindeordnung angenommen und nach debatleloser Erledigung einiger Petitionen die
Was nun bat besonderen Rückgang der Benutzung der I. Wa-rnklafse angeht, so hat der auch noch einen ganz besonderen Grund, nämlich die Erhöhung de» giormdpteife» für die I. Klaffe von 6 auf 7 Pfg. ür da» Kilometer. Sollte die Eisenbahnverwaltung ich durchaus auf die Füllung der I. Wagenklafle beritten haben, so müßte sie doch zunächst diese Fahr- Preiserhöhung um 1 Pfg. pro Kilometer, den sie e l b st eingeführt hat, rückgängig machen. Wir wür- ben freilich nicht dazu raten, da bet 6 Pfg. pro Kilometer die Frequenz in der I. Klaffe so toelt steigen würde, um den Ausfall von V? wett zu machen.
Auf keinen Fall darf aber der Gedanke auflom- men, daß die kleinen Leute von der IV. Klaffe in Pfennigen decken sollen, was den Fahrgästen der l. Klaffe in Markstücken nachgelassen wird. Die Regierung sollte eine solche „Nachricht" sofort kräftig Lügen strafen. Roch beffer wäre es, wenn ste gleichzeitig allgemein die angekündigie „Reform" der Fahrkartensteuer für absehbare Zeit in Abrede stellte. Diese Steuer hat ja ihre Mängel, wie auch sonst alle anderen Steuern. Sie besteht aber einmal, man hat sich an sie gewöhnt, das Reich braucht notwendig das Ergebnis und eine bester erträgliche Steuer von dem gleichen Erttage hat noch niemand aufgefunden.
Ueberhaupt ist R u h e die erste Bürgerpflicht auch
Deutsches Keich.
** Berlin, 19. Juni 1911. Prinz Joachim von Preußen, der jüngste Sohn des Kaiserpaares, ist zum Oberleutnant befördert worden., — Der konservative Reichstagsabg. Graf Kanitz, dem nachgesagt worden war, er wolle im Wahlkreise Ragnit-Pillkallen nicht mehr kandidieren, schreibt der „Königsberger Allgemeinen Zig", ihm liege die Absicht eines Rücktrittes durchaus fern. - Das Kriegsrnmisterium hat den Rumpler-Werken 5 Rumpler-Flugapparate in Auftrag ge-. geben, die nacheinander geliefert werden. Die Apparate werden mit 50 PS Mereedes-Motoren ausgerüstet werden.
O Die Leichenverbrennungs-Vorlage wird heute im Herrenhause zur Beratung kommen, lieber die Aussichten der Vorlage wird in den letzten Tagen in der Presse allerlei orakelt. Nachdem es anfangs hieß, daß die Annahme der Vorlage gesichert sei, kommt heute die „Tägl. Rundschau" mit der Auf- faffung, daß sich Freunde und Gegner der Vorlage ziemlich die Wage hieltm. Wie die Entscheidung ausfallen wird, läßt sich zur Swnde noch gar nicht übersehen ,da bekanntlich die Frequenz im Herrenhaus sehr wechselnd ist und man somit nicht weiß, auf westen Anwesenheit bei der Beratung der Vorlage mit Sicherheit zu rechnen ist
* Der Antiultramontane Reichsverdaud cm der Arbeit. Im preußischen Abgeordnetenhause wird in den letzten Jahren bei den Etatsberatungen fast jährlich ein Antrag auf Abschaffung der preußischen Gesandtschaft beim Vatikan gestellt, zwar ohne Erfolg. Ein gleiches Verlangen ist aus Anlaß der Besprechung der letzten päpstlichen Kundgebungen hn Abgeordnetenhause erhoben worden. Der antiultramontane Reichsverband scheint sich berufen zu fühlen, auch seinerseits sich der Sache zu bemächtigen. Er hat ehre Petition dem Ab- gevrdnetenhause zugehen lassen, in welcher allerlei Gründe für die Aufhebung der Gesandtschaft geltend gemacht werden. Die Regierung hat sich auf einen ablehnenden Standpunkt gestellt und die Kommission hat Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Es wird nicht das letzte Mal sein, daß sich das Abgeordnetenhaus mit derart kulturkämpferischen Vorschlägen zu befassen hat.
ns. Ter 12. dentsch-uationale Handlungsgehilfentaz tagt gegenwärtig in Breslau. Es wurde eine Entschließmta zur Frag« des „E.nheitlichen Privat- ÄngesteUten-Rechts" angenommen, in der sich die Versammelten gegen ein einheitliches Dienstvertrags- aesetz für sämtliche Privatangestellten ausspricht. Zum Privatbeamtenvcrstcherungsgcsetz wurde eilte Resolution angenommen, in der die Zulassung von Ersatzkaffen als eine einschneidende und bedauerliche Verschlechterung des Gesetzentwurfes bezeichnet wird.
* Aus Deutsch-Sfidweftafrika meldet ein Telegramm des Gouverneurs, daß in Bethanien durch Urteil des Eingeborenengertchts am 6 Juni 15 Be- thanier-Hottentotten zum Tode verurteilt und am 12. Juni hingerichtet worden sind, weil ste eine Bande zmn Zweck der An st i f t u n g v o n Au f r u hr und der Ermordung von Weißen gebildet hatten. Zwei Gewehre mit Munition hatten sie bereits durch Diebstahl in ihren Besitz gebracht.
△ Mardnr,, 19. Ium 1911. Bei ganz schwacher Beteiligung (in manchen Wahlkreisen erschienen nur 10-15 Wähler) fanden heute die Ersatzwahlen der Wahlmänner zur bevorstehenden Landtags- Ersatzwahl statt. In 12 Wahlbezirken der Stadt, in denen Ersatzwahlen stattfinden mußten, rourben 13 nationalliberal, 4 konservative und 2 linksliberale Wahlmänner gewählt. In Hermershausen, Ebsdorf, Goßfeld.n und Fron Hausen find meistens konservativ« Wahlmänner gewählt worden. Die Wahl der kmfervativ-natwnalliberalen Kompromiß- Kandidaten Prof. Bredt-Marburg ist deshalb ge- sichert.
e. Elberfeld, 17. Juni 1911. Heute begann die mit der Tagung der Zentralstelle für Volkswohlfahrt verbundene brüte Jugendpflegerkonferenz Deutschlands. Vertreten waren die Behörden, Stadtverwaltungen, Jugendverbände, der Gefamtverdand der christlichen Gewerkschaften und der VoikSverein für das katholische Deutschland. Bürgermeister Maß auS Görlitz hielt einen Vortrag über die Jugerch- pfiege und die kommunalen Verwaltungen. Er forderte, daß die Gemeinden alle aus die Fürsorge sür die Jugend gerichteten Bestrebungen durch Hergabe von Mitteln, durch Ueberweisung von Turnhallen, großen Versammlungsräumen sowie namentlich durch ihren Einfluß unterstützen sollen. AIS weiteren Fürsorgeakt bezeikfMt der Referent dann die Gründung
X Wieder die Fahrkartensteuer!
In den Vorlagen der Regierung zur Finanzrefocm war bekanntlich die Aufhebung der seit 1906 eingeführten Fahrkartensteuer vorgesehen. Der Reichstag aber sagte, es liege keine Veranlassung vor, durch den Verzicht aus diese bestehende Steuer das Deckungsbedürsnis noch um etwa 20 Millionen Mark jährlich zu erhöhen. Die Regiemng verzichtete auf ihren Aufhebungsantrag, und so ist denn die Reichssteuer auf die Fahrkarten der L, II. und III. Wagenklasse, soweit sie wenigstens 60 Pfg. kosten, bestehen geblieben. Bei der abschließenden Vereinbarung über die Steuergesetze von 1909 galt allerseits als ausgemacht, daß nunmehr eine Ruhepause eintreten solle. Schon ans diesem Grunde ist es sehr unwahrscheinlich, was ein Berliner Blatt soeben meldet: daß nämlich eine der e r st e n Vorlagen für den neuen Reichstag ein Gesetzentwurf wegen Aendcrung der Fahrkartm- steuer sein werde.
Die Glaubwürdigkeit dieser „Nachricht" wird uoch weiter herabgedrückt durch die Angaben über den Inhalt der angeblichen Vorlage. Es heißt da, die Regierung wolle der Abwanderung der Reisenden aus den höheren in die niederen Wagenklassen dadurch begegnen, daß die stafselförmige Steuer ersetzt werde durch einen prozentualen Zuschlag zum tarifmäßigen Fahrkartenpreise, und zwar soll dieser Zuschlag (etwa 3y2 v. H.) von allen Fahrkarten erhoben werden, also auch von den kleinen Karten zu 10 bis 55 Pfg. und von den Fahrkarten IV. Klaffe. Der Verbreiter dieser „Nachricht" ist aber selbst so klug, die Ablehnung solcher Vorschläge im künftigen Reichstag als fast selbstverständlich zu erachten; er hat deshalb noch einen zweiten Vorschlag in Reserve: darnach soll die Steuer für die Fahrkarten I. Klasse erheblich herabgesetzt und der Ausfall durch eine entsprechende Erhöhung der (Steuern für die II. und III. Klaffe, vielleicht auch durch die Einführung einer mäßigen Steuer für die IV. Klasse ausgeglichen werden.
Natürlich machen linksstehende Blätter sofort die Randglosse: das sei ja eine schöne Wahlparole für die Sozialdemokratie, wenn sie gegen die Belastung der Reisenden IV. Klasse behufs Erleichterung der R°'senden I. Klaffe zu Felde ziehen könne. Ja der Lat ist die letztere „Reform" so antisozial, daß inan Überhaupt nicht annehmen kann, ein Minister denke M einen solchen „Ausgleich". Vielmehr muß man auf die Vermutung kommen, ein Ränkeschmied vom Großblock habe die ganze Nachricht für seine Zwecke jn die Preffe gebracht.
Möglich ist es ja immerhin, daß irgend ein Rat fm Eisenbahnministerium sich noch immer den Kopf zerbricht über die ihm zugefallene Frage, wie der Ab- Wanderung aus den höheren Klaffen in die niederen zu steuern sei. Wir haben hier s. Zt. schon mehrfach ausgeführt, daß diese Abwanderung durchaus nicht allein oder auch nicht einmal in der Hauptsache durch die Fahrkarten st euer veranlaßt Werde, sondern in viel stärkerem Maße durch den Pchnellzugszuschlag, und im letzten Grunde in der Tatsache wurzeln, daß bei der Ausdehnung deS Steife- Ierkehrs die Erfahrungsweisheit des Publikums in er Ausnutzung aller Verbilligungs- Möglichsten stets wachse und die Eitelkeit, die bisher ielfach die höheren Klaffen bevölkert habe, in den Hintergrund trat. Die Abwanderung wird fortdauern, üch wenn die Fahrkartensteuer aufgehoben oder die IV. Klaffe mit einem kleinen, nicht abschreckenden Zuschläge belegt werden sollte.
totales.
Fulda, den 20. Juni 1911.
h. Die Grundsteinlegung deS Krüppelheims, daß an der Riesigerstraße von der Genoffenschaft der barmherzigen Brüder errichtet wird, findet am nächsten Freitag (Herz-Jesu-Frst) statt.
-ck. Tie Schüler des König.!. Gymnasmmi» unternehmen heute klaffenweise ihre Sommer- ausflüge. Sie find teils in den Spessart, teils ins Vogelsgebirge und teils in die Rhön gegangen und suchen zumeist Punkte auf, die von den Touristen vielfach unbeachtet gelassen werden.
** .Wege zu Gott." Wie wir erfahren, ist neuer- dings die kirchliche Genehmigung nachgesucht worden zu der Verbreitung des Buches „Wege zu Gott", das ein Berliner Verlag angeblich zum Besten einer kathol. Kirche kolportieren läßt. Tie Bischöfl. Behörde hat diese Genehmigung nicht erteilt. DaS Buch „Wege zu Gott" wurde schon früher einmal hier zu vertreiben gesucht; wir Haden damals Gelegenheit genommen, vor dem Ankauf jeglicher Bücher und Brider von Kolporteuren zu warnen. Wir wiederholen diese Warnung und verweisen alle, die ein gutes Buch kaufen wollen, an unsere katholischen Buchhandlungen.
i. Die Verjüngung der Friedrichstraße wrrd zurzeit um einen weiteren Schritt vorwärts gebracht. An dem Geschäftshaus Friedrichstraße 2 ist mit größeren Erncnerungsarbeilen der Anfang gemacht worden. Umsaffcnde bauliche Aenderungen zum Zwecke der Schaffung größerer Geschäftsräume werden gleich- zeitig an den Häusern FriedrichSmarkt 2 und 4 bewerkstelligt. Friedrichstraße und FriedrichSmarkt, diese Brennpunkte des Fuldaer Verkehrs und des Geschästslebens, werden auf diese Weise bald einheitlich in einem neuzeitlichen Gewände erscheinen. Im Zeitraum von einigen Jahren sind in diesen Straßen nicht weniger als 10 größere Geschäftshäuser modernisiert worden.
-f Sport. Der Rhönturnfest-Ausschuß hat die Leitung der Spiele aus der Wafserkuppe dem Oberlehrer Tr. Classeu übertragen. — Wie unS von zuverlässiger Seite mitgeteilt wird, erzielte Herr Fritz Reuter von der Turngemeinde Fulda bei dem Wettkampfe am Feldberg nicht den 21„ sondern den 19. Preis.
SS? Anmeldung neuer Fcrnsprechanschlüsse. Wir machen die Leser unseres Blattes daraus aufmerksam, daß Fernsprechanschlüsse, deren Herstellung in der Zett von August bis Oktober gewünscht wird, spätesten- dis zum 1. A u g u st bei der Fernsprech-Bermittetungs- anftalt ancemeiöet sein müssen, an die die Sprechfielle angeschtossen werden soll.
— Somiuertheoter Fulda. Zu der am Freitag ftatlfinbenben Erstaufführung von „Heimkehr" Schauspiel in 3 Akten von E. Jacobi — Rektor in Kassel — cet der Aufführung seines poetischen Werkes selbst beiwohnen wird, müssen die Preise der hohen Kosten wegen erhöht werden. Es gelten sür den Tag „Cyereltenpretfe". Die Kostüme liest rt die Firma F. Löw in Franljnrt <t M. Auch wegen der Lieferung von Dekorationen steht die Direktion in Unterhandlung. Da „Heimkehr so recht geeignet ist sur jedermann, beabsichtigt die Direktton das Stück zu wiederholen nab eine Einladung an alle Lehranstalten ergehen zn lassen, damit auch den Schniern (Sekgen« bett gegeben wirb, das Werk kennen zu lernen. Der Borverkauf für die Sperrsttzdillets hat begonnen. Da ein ausverkauftes Haus zu erwarten ist, wird man gut tun, sich dalv einen Platz zu sichern.
** Die großen Rat. Olymp. Spiele, bieder l.Fuld. Fußballklub „Borussia" e. V. am 2. Juli veranstaltet, werben auch m diesem Jahre wieder eine große Zahl Leichtathleten nach hier sühren. Besonders dürfte da- Wettgehen „Rund um Fulda" (25 Kim.) heiß umstritten werben. Haben boch hierzu die besten Geher Deulsch- lanbS wie Heiduck-Berlin, Gaim-Offendach, Schmidt- Nürnberg, Müller-Berlin, Pielt-Düsseldors etc. ihr Erscheinen in Aussicht gestellt. Ebenso dürsten die Stafetten in diesem Jahre besser beschickt werden; so haben angesagt die bekannten Duisburger Preußen, Turn- Sport-Verein Frankfurt a. M., Tnrngemeinde in Berlin, Berlwer Sportklub, Würzburger Kicker?, Gymnasium Frankfurt und Gjsßen. Rggllchule Hanau ujw. Auch
guldaer W Zeitung
Monatsbellager „Ktldaer Geschichtsblätter"
zwischen Sozia!
stattfindet, wurden von Sozialdemokraten die Fen- sterscheiben einer Fabrik zertrümmert, die Felder mehrerer Landwirte der- wüstet, Zeitungsausträger über fall en und blutig geschlagen. Die Gendarmerie wurde verstärkt und Milstär in Bereitschaft gehalten. In P e k a u bei Aussig wo ebenfalls Stichwahl zwischen Sozialdemokraten und Deutsch-Radikalen stattfindet, wurde ein geschlossener Zug nach Schluß einer Versammlung von Sl^ialdemokraten mit Steinen beworfen. Zwei Personen wurden dabei schwer
von Ledigenheimen, die Fürsorge für einen richtigen Beruf, die Ueberwachung bestrafter Jugendlicher wid die Bekämpfung deS schädlichen Einflusses durch die Schundliteratur und die Kinematographen. Auf einen zweüen Vortrag über das KrieKsspiel im Dienste der Jugendpflege folgte eine längere Be- sprechung, worauf die Konferenz geschlossen würbe. Montag beginnt die eigentliche Tagung der Zentralstelle für Volkswohlfahrt.
* Hamburg, 19. Juni 1911. Der Kaiser be- stchtigte heute den Elbtunuel und besuchte den Generaldirektor Ballin. Um 3‘k Uhr kehrte er an Bord der „Hohenzolleru" zurück. Unmittelbar machte die Kaiserjacht los und dampfte, gefolgt vom „Sleipner", elbabwärtS nach BrmmSbültel. Abends 7 Uhr lief die „Hohenzolleru" dort in Die Schleuse ein.
c? München, 19. Juni 1911. Eine wüste Hetze hat sich in der liberalen und sozialdemokratischen Preffe gegen ben Präsidenten der bayerischen Kammer Abg. Dr. v. Ort er er erhoben, weil er als Rektor des Luitpoldgymnasiums in München die vom Lehrerkollegium verfügte Enllassung von drei Schülern bekannt gegeben hat, ohne sich mit dieser Presse erst ins Benehmen zu setzen. Die liberale „Augsburger Abendzeitung" veröffmtlicht nun (Rr. 165) eine Darstellung der Vorgänge im Luitpold- gymnasium, die eine glänzende Ehrenrettung des Kammerpräsidenten und eine ebenso kräftige Ohrfeige für die tobsüchtig gewordene übrige liberale und so- zialdemokratische Preffe bilden. Das liberale Augsburger Blatt schreibt:
„Arn Lmtpoldgymnasiuin spielt zurzeit eine Di- missionsassäre, die fenfationSlü ft einet Reporterphantasie beriits zu den abenteuerlichste.! Reimereien Beianlassung gegeben hat. lind doch zeigt der Tatbestand, von der Dnnisnon selbst abgesehen, nichts, was als außergewöhnlich zu gelten hätte. Schüler der Obei klasse hatten sich schon während res ganzen Schn'jahres schwere Verfehlungen, in der Hnuplsache gegen die DiSsiplinarsahnngen, zuschulden kommen lassen. Umlaufenden Gerüchten gegenüber sei ausdrücklich bemerlt, daß es sich dabei keineswegs um Verfehlungen sittlicher Art handelt. Die Verfehlungen waren schließlich, trotzdem schon früher ein Schnier öimittiert worden war, |o gravierend, zmnteil auch so zahlreich geworden, daß drei Schülern gegenüber, von denen übrigens einer bereits die Dimissionsandrohnng hatte, die Strafe der Weg- meifung von der Anstall nicht mehr zu umgehen war; die übrigen Beleiliglen ließ man mit Rektoralsstrafen davonkominen. Dreies Urteil war das Ergebnis einer vierstündigen, vorn größten Wohlwollen für die Jnkul- paken getragenen Beratung des Lehrerkollegiums, bei der auch das Für und Wider mit der größten Ge- wissenhaskigkeit ab; ewogen wurde. Ais nun der Spruch verkündet ivurde, wurde einer der Schüler von einem Unwohlsein befallen, DaS auch verschuldete, daß der Schüler bei Passieren der Tr eppe mit dein Fuß oder sonstwie em Fenster ein stieß. Ein Reporter macht daraus schlankweg einen Selbstmord verbuch mittels eines Sprunges durchs Fenster. Dabei ist das Fenster so gelagert und gerahmt, daß ein Sprung durch es ober aus ihm die reine Unmöglichkeit ist. Was die mit der Dünst sionsassäre in Zusammenhang gebrachte Behauptung eines Blattes anlangt, der Rettor des Luit- polbgymnasiums, Oberstildieurat Dr. v. Orterer, habe einen „Ukas" erlassen, durch den den Schülern verboten wird, die Stadtgrenze auch in Begletknng der Elter» zn verlassen, so beruht diese von Giund au? auf Erfindung. Eine derartige Weisung ist weder an die Lehrer noch an die Schüler, weder öffentlich rwch insgeheim ergangen; ebenso ist das Wort „Stadt- airejl" jemals im Luitpowgymnasium gefallen."
Rnchstagswahivorbereitungen.
* Gießen. 19. Juni 1911. Eine nalioualüberale Vertrauensmäuiierversammlung hat sich für die liberale Einigung bei ben bevorstehenden Reichstags- und Landiagswahkell im Reichstags Wahlkreis Gießen ausgesprochen.