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M »36.

Samstag den 17. Iuni Mi­

ss. Jahrgang.

Leitung •

5. Bläh.

»re« wnb Vertag »er Selbe« Iditebntdem in 5»Ida.

halt des Fleisches und desto größer dessen Flüssig- keitsverlust. Speck und Fetteile nehmen nur wenig

Zeit ist angebrochen, man will in diesen Säubern

chor. Zum Schluß wird eine Art Generalmarsch getrommelt, die Trompeter blasen und — damit ist die Königskrönung zu Ende.

Durch den Kaufmann Pökel wurde im 15. Jahr­hundert das Einsalzen des Fleisches behufs Kon-, servierung erfunden. Es besteht darin, daß das rohe Fleisch mit Kochsalz und etwas Salpeter ern- gerieben unb in ein Faß gelegt wird, oder daß es in eine Salzlake kommt. Das Fleisch muß mög­lichst frisch geschlachtet, aber recht gut ausgeblutet sein. Enthalten die Adern noch Blut, so wird es weichlich, schmierig und verdirbt. Salpeter fügt man meist zu dem Zivecke dem Fleische bei, um ihm eint schöne rote Farbe zu verleihen; aber Salpeter wie Kochsalz bewirken auch eine chemische Schädigung der das Fleisch sonst verderbenden Pilze. Da» Pökeln ist ein osmotischer Prozeß, bei welchem Salz­teile ins Fleisch übergehen und dafür eben so viel« flüssige Teile aus dem Fleische verdrängen. Je kon­zentrierter die Lake, befto größer wird der Salzge-

Salz auf, weil sie nur wenig Flüssigkeit für einen osmotischen Austausch enthalten.

den entscheidenden Einfluß. Noch größer war die Abhängigkeit, wenn man die Leiter der Hierarchie abstieg. Die Bistümer waren ziemlich allgemein unb namentlich im Deutschen Reich zu vorwiegend politi­schen Stellungen geworden. Die Bischöfe mit ihrem reichen Kronbesitze sollten in erster Linie als Stütze der staatlichen «Setoatt dienen, darum mußten sie ganz in der Hand des Königs sein. In Deutschland ernannte gewöhnlich der König den Bischof, die Wahl hatte nicht allzuviel zu bedeuten, bann erfolgte die eigentliche Uebertragung der erledigten Kirche. In öfferiüicher Versammlung, häufig in einer Kirche, wurde dem Kan­didaten der an den Hos gebrachte Hirtenstab seines Vorgängers, seit der Mitte des 11. Jahrhunderts auch der Bischofsring überreicht. Der König sprach dabei die Worte: Empfange diese Kirche; er übertrug also die Kirche, das Bistum als Ganzes, ohne zwischen Geistlichem und Welüichem zu unterscheiden. Der Be­förderte hatte dafür dem Könige Mannschaft und Treueid zu leisten und eine Abgabe zu entrichten.

Tas Pökelfleisch.

Von Dr. Thraenhart, Freiburg i. Br.

ernst nahm. Da« trat nach Heinrich III. Tode (1056) ein. Der gewöhnliche Weg, auf dem man in Deutsch­land zum bischöfl. Throne gelangte, war die Simo­nie, d. h. man erwarb fich da» geistliche Amt durch Bestechung, durch Geld. In einem Anfall von Zer­knirschung hat Heinrich IV. dem Papste gestanden: »Ich habe nicht mir Kirchenbesitz geschädigt, sondern mich Kirchen an Unwürdige, an Simonisten, solche, die nicht durch die Tür, sondern mif andem Wegen ein traten, verkauft, und nicht, wie ich hätte sollen, sie verteidigt." Dm Rückschlag auf den niehern Klerus kann man leicht ahnen; die Klöster verwilderten nach und nach und widersehtm sich jedem Reformversuch. Die Weltgeistlichkeit verkaufte die geisllichen Verrich­tungen und ergab sich dem Konkubinate, ja vielfach wagte sie öffentlich Ehen zu schließm und suchte die geistlichen Stellen sogar erblich zu machen. Die Kir­chengesetze gerieten bei dem rohen und unwiffmdm Klerus nach und nach in Vergessenheit und das Volk ahmte das Beispiel seiner Priester nach; Völlerei und Ausschweiftmgm nahmen überhand.

Unterdeffm war aber eine ganz andere Strömung in Frankreich und Oberitalim groß geworden; sie ging vom Kloster Cluny (Frankreich) aus, sie wollte nichts anderes als die Freiheit der Kirche von unwür­digen Feffeln und von Bevormundung durch das Laienregimeut, eine freie Kirche unb keine Staats­kirche, Verwirklichung aller idealen Aufgaben der Kirche im weitesten Umfang. Dazu mußten vor allem der Kirche würdige Diener gegeben werden. Darum weg mit dem Korckubinai der Priester, weg mit der Simonie, weg mit der ungebührlichen Abhängigkeit von der Laiengewalt. Langsam ist diese Richtung emporgekommen, unbeachtet zunächst, ohne ;vetteren Einfluß, die Mißbräuche im Schoße der Kirche stei­gerten sich noch, aber von Jahrzehnt zu Jahrzehnt nahm sie an Umfang und Stärke zu, feit der Mitte des 11. Jahrhunderts ist sie eine geistige Macht in Europa geworden, die nicht mehr niedergekämpst wer­den kann. Der Kampf mit ihr ist auch in Deutsch­land unvermeidlich geworden, nachdem der würdige Kaiser Heinrich III. früh gestorben war und unter seinem Nachfolger Heinrich IV. alle Schäden des alten Bevormundungssystems in der abstoßendsten Form zutage traten. In diesen Kämpfen, die vonseiten des Papsttums zuerst Gregor VII. mit aller Energie sei­nes gewalttgen Geistes ausgenommen hat, ist das Kai­sertum unterlegen; das Deutsche Reich hat gewaltige Einbuße erlitten, der deutsche Partikularismus mit

gedrungen, die von der Kirche auf die Dauer unter keinen Umständen geduldet werden konnte, das sog. Eigenkirchenwesen. Der Gmndherr — es handelt sich natürlich um Großgrundbesitzer — der auf seinem Boden eine Kirche zu öffentlicher Benutzung erbaut hat, bleibt auch nach Einweihung der Kirche und nach Abhaltung des Gottesdienstes Herr der Kirche unb ihrer Einkünfte. Was bet Kirche geschenkt wird an Grund und Boden, die Opfergaben, die dargebracht werden, gehören ihm. Dafiir muß er für den geist­lichen Dienst der Kirche auflommen. Er wählt dazu mit Vorliebe einen seiner leibeigenen oder abhängi­gen Leute aus und läßt ihn zum Pttester weihen. Der Geistliche ist natürlich ganz abhängig von ihm: der Herr lohnt ibn oft mit kärglichem Lohne, vertvendet ihn häufig zu weltlichen Geschäften, vertreibt chn mit ober ohne Grund, da er ihm gegenüber keine Scheu kennt vor priesterlichem Recht ober Ansehen. Wie die Bildung, die sittliche Haltung, der Einfluß dieser Seel­sorger beschaffen war, kann man sich leicht vorstellen. Immer mehr aber kamen sämttiche Kirchen unter den Einfluß dieses Eigenkitchenwesens. Schon feit der Mitte des 7. Jahrhunderts tauchen im fränkischen Reiche die Klagen des Epiflopates darüber auf, doch die Rechte der Bischöfe konnten nicht durchdringen. Die Küche und mit ihr rechtlich denkende Fügten, wie namentlich Karl der Große unb Ludwig der Fromme, versuchten wenigstens die ärgsten Mßbräuche zu besei- tigen, das System als solches blieb bestchen.

Gerade bei den niebern Kirchenstellen tritt die Un­terdrückung her kirchlichen Freiheit, die unwürdige Etellung, in die man die Kirche gedrängt hat, beson­ders kraß hervor. Gewiß, die Bischöfe, namentlich in Deutschland, standen äußerlich glänzend da. Sie wa­ren mächtige Herren, die ersten Berater unb Freunde des Königs, sie entstammten fast ausnahmslos dem oohen und höchsten Adel, erscheinen mit großem Ge­folge aus dem Reichstage, find am Hofe gern gesehen. So lange würdige Herrscher das Reich regieren, wird El allgemeinen darauf gesehen, daß nur würdige Leute e Insul erhalten. Und doch waren da» Fesseln r die Kirche, wenn auch goldene Fesseln. Wie sollte Me Kirche mit solchen Dienern der ganzen Größe ihrer Aufgabe gerecht werden, wie hätte sie namenflich Völker, die geistig und wirtschaftlich mächüg empor- sttegen, noch religiös befriedigen können? Run erst, wenn 'ein Herrscher zur Regierung kam, der es mit der Wahl der Bischofskandidaten, gelinde gesagt, nicht

Ei» Kampfzwischen Staat und Kirche nud seine Folgen.

Hum achten Zentenar des Kampfes Heinrich V. mit Papst Paschalis II. 1111-1911.

Von H. G.

Die Debatten im preußischen Abgeordneten- und Herrrenhause über den Antimodemisteneid berührten ein sehr schwieriges und delikates Gebiet: das Ver­hältnis von Staat und Kirche. Vonseiten der verant­wortlichen Stellen war man darauf bedacht, sich nicht zu weit vorzuwagen und die Grenzlinie nicht zu über- schretten. Mit Recht. Denn kein Land hat so unter den Störungen dieses Vechältnisies, unter dem Kampfe beider Gewalten gelitten, wie gerade unser Vaterland. Man braucht nur an das Zunächstliegende, an den Kulturkampf zu erinnern. Allein auch ein großer Teil des deutschen Mttelalters ist mit solchen Käm­pfen ausgefüllt, die zuletzt zum Schaden beider Geg­ner ausgeschlagen find. Gerade das laufenbe Jahr erinnert als achtes Zentenar an einen der denkwürdig­sten Kämpfe, an den Versuch des Deutschen Kaisers Heinrich V. ttn Jahre 1111, vom Papste Paschalis II. kirchliche Zugeständnisse mit roher Gewalt zu erpres- fen, die dieser nicht gewähren konnte.

Es handelt sich um eine Episode im sog. Inve­st i t u r str e i i. Unter Investitur verstand man ge­wöhnlich die Belehnung mit Kirchengütem sowie die Einfühmng, die Einweisung in das geistliche Amt. Sie geschah im Deutschen Reiche in der Form, daß der König dem bischöflichen Kandidaten Bischofsring und Hirtenstab überreichte unb damit das Bischofsamt und die Güter des Bistums übertrug. Es wäre durchaus irrig, darin eine Zeremonie zu sehen. Um eine reine Zeremonie mären nicht solche Kämpft geführt wor- ben. Die Frage, um die es sich eigentlidj handelte, war diese: wer soll den entscheidenden Einfluß bei der Erhebung des Bischofs haben, soll der König ihn rein nach eigenem Ermessen ernennen ober soll er durch freie Wahl derkirchlichenFaktoren her­vorgehen? Damit war die Frage nach dem Vechältnis von Kirche und Staat, wenn man von einem „Staat" damals schon reden darf, in feinem ganzen Umfang aufgerollt.

Als Papst Gregor VII. 1073 zur Regierung kam, war die Lage tassächlich diese, daß die Kirche in all ihren Verzweigungen in der denkbar wettgehendsten Abhängigkeit von der weltlichen Gewalt stand. Das Papsttum war mehr oder weniger zu einem An­hängsel der Kaisermacht geworden. Seit Kaiser Hein­rich III. 1046 zu Sutri die Verhältnisse in Rom ge­ordnet unb drei miteinander hadernde Päpste abgesetzt batte, verfügte eigentlich der Kaiser über das Papst- um, er ernannte den Papst, er hatte zum wenigsten

Wie der englische König gekröntwird.

In dem Nationalheiligtum, das die Särge der englischen Königsgeschlechter enthält, in der seit dem 13. Jahrhundert m ihrer jetzigen Gestalt stehenden Westminsterabtei wecken Georg V. und Mary am 22. Juni tum König und zur Königin von Eng-

mehr.

Die K r ö n u n g s z e r e m o n i e n in der West­minsterabtei sind ja allerdings recht umftairdlich. Sowie das Zeichen vom Herannahen des Komgs und der Königin unb des ganzen Prunkzuges rhres Gesolqes gegeben ist, betreten der Erzbischof und ine assistierenden Bischöfe die Kirche. Der Komg und die Königin kommen vom Westtor aus und werden vom Westminsterchor mit dem Pfalm 122, 1—3, empfangen. Sie passieren das Schiff und den Chor und steigen die Stufen bis zum Thron hinauf. Dort knien sie vor dem Altar in kurzem Gebet und setzen sich dann nieder. Jetzt gehen der Erzbischof, der Lord Chancellor, der Lord Great Chamberlain, der Lord Constable und der Earl Marschall nach den Nord-, Süd-, Ost-, rind Westecken der Abtei und sprechen, während der König von seinem Throne aussteht, mit lauter Stimme zur versammelten Menge:

.Ich stelle Euch König Georg, den unangezweifeltem König des Reiches vor. Seid Ihr yierh-rgekommen Euere Ehrerbietung zu erweisen und Eure Dienste an- jl.bieien?"

- Die Menge ruft unter Fanfarenklängen wieder­holt: „God save king George'" (Gott erhalte König Georg!) Die Bischöfe tragen nun ine Bwel unb ben Abendmahlkelch znm Altar, währenb btc Lords, die die Reichsinsignien tragen, sich auch um 1 den Altar versammeln. Zwei Bischöfe singen kmend eine Litanei in Begleitung des Kirchenchors. Wah­rend dann ein Bischof aus dem Evangelium Matthäi XXII, 15 liest, stehen der König und die Konigm auf und singen später das Credo mit. Daran schließt sich eine kurze Predigt, die natürlich auf die historische Gelegenheit Bezug hat. Der König, der bisher unbedeckten Hauptes dastand, setzt sich eme rote Samtkappe auf, die mit Hermelin besetzt ist. Zu seiner Rechten stehen der Bischof von Durham uub die Lords, die das Königsschwert tragen, zu seine, Linken steht der Bischof von Bath und der Lord Great Chamberlain. Nach Schluß der Predigt stellt sich der Erzbischof vor den König und richtet an ihn folgende Frage:

„Willst Du icietlicf) versprechen unb schwören, die Völker dieser vereinigten Königreiche, Irlands und der Kolonien gemän ben Statuten des Parlamentes unb pemäh den Gesetzen unb Gebräuchen zu regieren?"

Der König antwortet: „Ich verspreche es seier- lichst!"

Der Erzbischof stellt noch weitere Fragen, die sich auf Erhaltung der Rcchtsgesetze, der Gesetze Gottes, der Erhaltung des Glaubens der reformier­ten protestantischen Religion und der Privilegien und Rechte der Geistlichkeit beziehen und der König antwortet: „Ich verspreche alles dieses zu tun." Hierauf nähert er sich dem Altar und schwört un­bedeckten Hauptes im Angesicht der ganzen Ver-

Mit der aus dem Fleische austretenden Flüssig­keit (Fleischsaft) geht natürlich auch der Nährwert verloren. Untersuchungen in mehreren hygieni­schen Universitäts-Instituten und im Deutschen Kaiserlichen Untersuchungsamt haben ergeben, daß dieser Nährwcrtvcrlust zwar ziemlich verschieben ist, je nach der Art des Einsalzens, nach der Konzentra- tion der Lacke und der Dauer des Pökelprozesses, daß er aber doch immerhin bedeutend genannt werden muß. Bon dem wertvollen Fleischeiweiß gingen verloren ungefähr 2 Prozent, von der wichtigen Phosphorsäure (Lezithin) 30—50 Prozent, von Ex­traktivstoffen mehrere 30 Prozent. Die am Boden in der Lake befindlichen flockigen Niederschläge be­stehen fast ganz aus Eiweiß. Je mehr Lake man nimmt, um so größer wird die Entwertung des Flei­sches. Dagegen bringt das einfache Einsalzen ohne Einlegen ben geringsten Verlust. Aber doch ist „du Entziehung der Phosphorsöure und namentlich auch der Extraktivstoffe fo gewaltig, daß man in der Tai Pökelfleisch als ein minderwertiges Produkt be­zeichnen muß." (Professor Dr. Fr. Nothwang.)

Jedoch hiermit ist die Nährwertverminderung des Pökelfleisches noch nicht abgeschlossen. Wir verzehre« es ja nicht als solches roh, sondern pflegen es noch zu kochen oder zu dünsten, nachdem es vorher meist längere Zett gewässert worden ist, um das über­reichlich vorhandene Kochsalz zu entfernen. Beim Kocken verliert sieilich auch frisches Fleisch ap Nährwert. Aber hier geht das Ausgeschiedene ut du Fleischbrühe über, wird also auch genossen und tp nicht verloren. Anders beim Pökelfleisch, dessev Kochbrühe santt dem vorherigen Auslaugwasser, ix der Regel weggeschüttet wird. Addiert man dich Nährwertverminderung beim Kochen zu der erste» beim Pökeln, so ist der Gesamtverlust bedeutens das Fleisch also entschicken minderwertig. Daher darf Pökelfleisch im Wasser nie eigentlich kochen sondern nur „ziehen", d. h. das Wasser darf nicht auftoeHen. Am besten kocht man Pökelfleisch ii Kohl, Sauerkraut und dergl., weil dabei der aus­tretende Saft und das Fett wieder verwertet werden

Das Pökeln ist, wie wir sahen, ein 500 Jahr, altes Konservierungsverfahren. Es kommt an nächsten der Trockenkonservierung, welche z. B. be> den Lappländern angewandt wird. Hier wie dort wird den niederen Pilzen, die in erster Linie für das Verderben des Fleisches verantwortlich zu ma­chen sind, dadurch die Ansiedlung unmöglich gemacht,; daß man dem Fleische die Flüssigkeit entzieht, ^etzt gibt es aber viele einfachere und bessere Konservre- rungsmethoden, fo daß man das Pökeln ganz gu? entbehren könnte. Es wird auch, — mit Ausnahm« von abgelegenen Landorten, — jetzt nickt mehr tov srüher deswegen angewendet, um das fleisch von jährlichen einmaligen Schlachten bis zum nächster Male aufheben zu können, oder um Fleisch aut viehreichen Ländern m vieharme zu versenden sondern um dem Fleisch einen eigentümlichen pr kanten Wohlgeschmack zu verleihen. Dieser Stand punkt ist auch durchaus berechtigt. Wer aber da. rauf sieht, für sein Geld in ben gdauften Nahrungs ■ Mitteln möglichst viele Nährwerte zu erhalten, den , sei gesagt: Pökelfleisch sst minderwertig und des ; halb ein teures Nahrungsmsttel.

wachsen, ihre Ueberlegenhett über altrömische, byzan­tinische und islamitische. DaS wird nicht vergessen dürfen, wer versucht, Gregor« Persönlichkeit unb sei­nen Bestrebungen im Gange weltgeschichtlicher Ent­wicklung ihrm Platz anzuweisen.'

sammlimg.

Jetzt geht ber König zu seinem Thron zurück, und er und die Königin knien auf ihren Fußgestellen nieder. Der Erzbischof intoniert die Hymne „Veni Creaior Spiritus" und spricht dann ein kurzes Ge­bet. In der Zwischenzeit hat der Lord Chamber­lain den: König den roten Samtmantel abgenom- men, worauf sich der König in den Stuhl König Eduards niederläßt. Bier Ritter des Hosenband­ordens halten einen seidenen goldburchwirkten Bal­dachin über ihn; der „Dean of Westminster" nimmt die Ampulla und den Löffel vom Altar, schüttet ein wenig von dem heiligen Del in den Lössel und hän­digt ibn dem Erzbischof ein. Diefer falbt ben König im Zeichen des Kreuzes an vier Stellen: auf ber obersten Stelle des Kopfes, auf der Brust und auf ben Innenflächen beider Hände. Ter König kniet nieder und der Erzbischof spricht stehend den Segen über ihn; die Peers des Reiches (der höchste Adei) übergebeu nun die goldenen Sporen, bas Schwert, bas Szepter unb die Königsrobe und zum Schluß wirb dem König vom Erzbischof die Krone aufs Haupt gesetzt. Die ganze Versammlung bricht in den Ruf aus: „God save the King!" jetzt setzen auch die Lords ihre Kronen auf, die Trompeter bla­sen unb bie großen Kanonen im Tower schießen den Salut.

Nun steigt der König wieder zum Thron hinauf, doch wird er hierin von den Erzbischöfen und den Bischöfen unterstützt. Alle Peers unb alle Jnsignien- träger stellen sich bei ben Stufen des Thrones auf, während der Erzbischof von Canterbury, neben chm stehend ein Gebet spricht. Dann kniet der Erzbischof vor dem König uteber, die anderen Kirchensürsten tun desgleichen und sprechen zugleich: „Ich, Erz­bischof von . . ., ober: Ich, Bischof von . . . usw. will Dir, unserem Herrn, unb Demen Erben, den Königen der Vereinigten Reiche von Großbritattien und ber britischen Reiche über der See, dem Vertei- biger bes Glaubens unb dem Kaiser von Indien, wahrhaft und treu fein, so wahr mir Gott helfe."

Der Erzbischof küßt den König auf die linke Wange. Jetzt nimmt der Prinz von Wales (der Thronerbe) ferne Krone ab und kniet vor dem König nicker; dasselbe tun alle übrigen Prinzen des könig­lichen Hauses. Sie nehmen ihre Kronen ab und sprechen die vorgeschriebenen Worte der Huldigung aus. Dann stehen sie auf, berühren die Krone auf dem Haupte des Königs und küssen ebenfalls seine linke Wange. Als nächstes folgt eine ähnliche Huldi­gung der anderen Peers des Reiches, dann jene der Marquisen, der Earls, der Viscounts und der Ba­rone. Während dieser Zeremonie singt der Kirchen-

Der Erzbischof von Canteckury verläßt alsbald den König und geht zum Altar; und nun steht die Königin aus. Zwei Bischöfe unterstützen sie und führen sie zum Altar, wo sie nickerkniet ttnd ent Gebet spricht. Vier zu diesem Dienste bestellte Damen knien ebenfalls nicker und halten einen Sei- denbaldachin über sie, worauf der Erzbischof sie auf deut Kopfe salbt. Der Schatzmesster reicht bent Erz­bischof dey Ring der Königin, den dieser ihr an den vierten Finger der rechten Hand gesteckt. Dann nimmt er die Krone vom Altar und setzt sie der Königin auf. Jetzt setzen auch bie Damen des Hoch­adels ihre Kronen auf, ber Erzbischof händigt der Königin ein Szepter unb einen weißen Elfenbein- stab ein unb spricht ein Gebet. Die Königin steht auf, geht zum König, vor bem. sie sich lies verneigt; bann Wick sie zmn Thron geleitet unb setzt sich nie- ber. Dir Orgel spielt, unb der Kirchenchor singt, König unb Königin übergeben ihre Insignien und Szepter an bie Lords unb steigen die Stufen des Thrones hinab. Es folgt ein Gebet, worauf der König eine kostbare Altardecke spendet. Nach vier weiteren Gebeten geht der Königin durch die ganze Kirche zur St. Edwards-Kapelle; die vier Schwerter werden vor ihtn bet getragen und die Würdenträger folgen in langer Prozession; ebenso formiert sich ein Zug hinter der Königin. In der Kapelle wird dem König ein purpurner Mantel umgehängt und chm der Reichsapfel in die Hand gegeben. König und Königin gchen nun so geschmückt und mit den Kronen auf dem Haupte durch die Kirche zurück unb verlassen sie wiederum durch das Westportal, «ie besteigen bie Staatskarossen und fahren burch bw Straßen Londons nach dem Buckigham-Palast.

land gekrönt werden. Da der Zeremonie natur- gemäß nur eine verhältnismäßig ganz beschrankte Anzahl „priviligierter" Perfönlichkeiten beiwohnen kann, dürfte es gewiß von Interesse fein, ine Reihenfolge der Ereignisse m der Abte, aufgerollt zu scheu.

Bei der ausgesprochen demokratischen Gesinnung des englischen Volkes, das auch in seinem aristokra­tischen Flügel der demokratischen Staatsverfassung zuneigt, sst es volkspsychologisch interessant, zu sehen, wie alle Engländer, ohne Unterschied der Partei, eme naive Freude an dem altehrwürdigen Zeremoniell haben, das das gesamte staatliche Leben der Natwn gleichsam symbolisch verklärt. Die Engländer hal­ten an solchen, vielfach theatralifchen Jnstttulwnen fest wie auch an dem, Fremde sonderbar anmuten« den Bräuchen bei der Parlamentseröffnung, durch die das Unterhaus geradezu förmlich zu einem ^n- ftitut gestempelt wird, das von der Gnade des Ober­hauses lebt, während, wie die politischen Ererginsse der jüngsten Zeit erweisen, das gerade Gegenten der Fall ist. Kein Engländer nimmt daran Anstoß es ist eben ein „Brauch", der geehrt wird, nichts

allen Schäden, die fich daran knüpfen, ist damals sest- begründrt worden; das ist von nationalem Stand­punkt aus gewiß tief bedauerlich. Darf man darum aber das Papsttum der Undankbarkeit, der Staatsge- fährlichkeit zeihen, wie es so oft geschehen ist? Das hieße soviel als, die Kirche habe die unwürdige Stellung, in die sie gedrängt worden war, als zu Recht bestehend, vielleicht sogar als ideal betrachten und dulden sollen. Das konnte aber ein Papst, der es mit seinen Pflichtm ernst nahm, auf die Dauer nicht zugeben, das wollten auch alle religiösen, hoch­strebenden Elemente in der Kirche nicht mehr dulden. Es ist doch merkwürdig, daß alle edlen, gebildeten, vom Geiste des Christentums durchdrungenen Geister für die Freiheit der Kirche eintraten, sich also gegen bie übertriebenen Ansprüche des Staates wandten. Kein Ruf hat solch begeisterten Widerhall gefunden wie der Ruf nach Freiheit der Kirche. Glaubt man das allein mit hierarchischer Anmaßung erklären zu können? Wer von der Aufgabe der Kirche, das Reich Gottes auf Erden in seiner ganzen Herrlichkeit zu verwirklichen, überzeugt und durchdrungen war unb dann bie wirklichen Verhältnisse betrachtete, wie sie Tag für Tag sein religiöses Empfinden ärgerten, konnte nicht anders als mit Begeisterung einer Strö­mung sich anschließen, btc mit dem alten Unfug auf- räumen wollte.

Deutschland hat sich hier am meisten zurückgehalten — zu seinem eigenen Schaden; es ist damit von seiner bisherigen Stellung in Europa zurückgedrängt worden. Gerade die Länder, die der Resonnbewegung sich an­schlossen, Frankreich, Oberitalien, England kommen neben und bald über Deutfthland empor. Eine neue

Roch bedenkliche.- stand es, mit den niederen KW- ^ne deutsche Papstkirche, sondern ein unabhän- chmamtern. Hur war eme Richtung allgemem durch- glge§, freies, mächtig dastehendes Papsttum. Hier kommt bie religiöse Begeisterung am mächtigsten und nachhaltigsten zum Durchbruch. Die Kreuzzüge find von ben Franzosen und Normannen in der Hanpt- soche ausgegangen; hier bildet fich kirchliche Wissen­schaft und Kunst aus: Frankreich, nicht Teusschland, wird das Land der Schulen, ber Wissenschaft, die Universität Paris sst maßgebend für die ganze Chri­stenheit, der sog. gotische Baustil ist in Nordfiankreich entstanden, Mt zahlreichen religiösen Orden sind fast ausnahmslos in Frankreich gegründet worden, selbst die Orden der beiben deutschen Heiligen Norbert unb Bruno. Da sieht man deutlich, wie der Jnvcstitur- streit mit dem innersten Leben ber Kirche hing; nicht reine Aeußerlichkeiten stehen in Frage, sondern bie Verwirklichung ber ganzen Lebens fülle des Christentums, die von der weltlichen Macht, trotz einzelner wohlrneinenber Herrscher, gehindert ist. Daß hier die Geister aufeinandesstießen, ist begreiflich; daß sie so gewaltig miteinander kämpften, ist der beste Be­weis fiir den hohen Wert der Güter, um die es sich handelte.

Es ist nicht umsonst gekämpft worden. Die Selb­ständigkeit ba kirchlichen Entwicklung ist nunmehr gesichert, ein Cäsaropapismus im Abendland auf die Dauer nicht mehr möglich, die Kirche konnte nicht mehr ein bloßes Attribut des Staates werden. Darauf aber beruht, wie der protestantische Historiker Diettich Schäfer (Deutsche Geschichte I, 232) bemerkt, „die Eigenart, bie Stärke europäisch-germanischer Entwick­lung . . . Aus ber Mischung unb Durchdringung beider Gedankenkreise (bet germanischen Auffassung vom Staat unb ber christlich-römischen, welch' letztere Gregor VH. vertritt) aber ist Europas Kultur er-