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fulüaer

393 591,07 Mk. Der Reingewinn beträgt 2120,89

vermischtes

* Erholungsurlaub für kaufmännische

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aus Heiligenstadt eine Ansprache an den Bischof mit einem Hoch auf diesen, wofür der Bischof dankte und darauf den Bischöfl. Segen spendete. Nachmit­tags fuhr der Bischof nach Heiligenstadt und von dort nach Paderborn zurück.

AUS Gberheffen u. den Hess. Remtern.

* Marburg, 15. Juni 1911. Nach dem Jahres­bericht, der auf der Generalversammlung des hiesigen Spar- und Bauvereins (e. G. m.b. H.) er­stattet wurde, sind im Berichtsjahre der Genosienschaft als Mitglieder beigetreten 31, ausgeschieden 19 Per­sonen, sodaß jetzt vorhanden sind 292 Mitglieder. Nach der Jahresrechnung schließt die Netto-Bilanz für 1911 in Einnahme und Ausgabe ab mit

* Der „Ober" im Eisenbahudieuste. Den zum Zugführer geprüften und auf Grund ihrer Anwart­schaft überwiegend im Zugführerdienste beschäftigten Schaffnern ist nach einem Ministerial - Erlaffe von jetzt cm die Amtsbezeichnung „Oberschaffner" beige-

zu dem ist in

Amt Geisa und Umgebung.

* Dermbach, 15. Juni 1911. Bürgermeister Som­merburg hat Einladungen zu einer öffentlichen Ver­sammlung ergehen lassen, in der Stellung zu den schwebenden Eisenbahnfragon, insbesondere wegen des Anbaues der Feldabahn, genommen wer­den soll.

♦ Dorndorf, 15. Juni 1911. Ein hiesiger Gast­wirt ertappte einen mssischen Erdarbeiter, als dieser von dem Büffet Schnaps entwenden wollte. Ws er den Dieb aus seinem Lokal hinausbeförderte, kamen die inzwischm im Gastzimmer verbliebenen beiden Landsleute des Russen hinzu, fielen über den Gast­wirt her und verabfolgten ihm eine tüchtige Tracht Prügel. Ein Glück mag es für den Gastwirt gewesen sein, daß sich die Sache bei Tage abspielte, denn bei Nacht würde er wohl auch Bekanntschaft mit den Messern der Unholde gemacht haben. — Am Montag wurde die hiesige neuerbaute Schule feierlich ein- geweiht. _ t .

* Oechsen, 16. Juni 1911. Der dritte große Dampfkessel für die Gewerkschaft „Heiligenmühle", der ein Gewicht von 600 Zentner hat, ist jetzt ein­getroffen. 20 Pferde waren zu seinem Transport erforderlich.

* Gehaus, 16. Juni 1911.Die Ma se rn ep id e m ie, die hier seit einiger Zeit besteht, hat ein viertes Opfer, ein lVijäbriaeS Kind, gefordert.

* Merkers, 15. Juni 1911. Ein Knecht des hie­sigen Bürgermeisters war in der Nähe der Werra mit dem Mähen der Wiese mittels einer Grasmäh­maschine beschäftigt. Dicht am Werraufer gingen plötzlich die Pferde rückwärts und die Maschine mit­samt den Pferden stürzte die etwa 3 Meter hohe Böschung hinab in den Fluß. Die Maschine wurde dabei total zertrümmert, während die Pferde außer einigen Hautabschürftmgm keine nennenswer­ten Verletzungen davontrugen.

* Unteralba, 15. Juni 1911. Der Landwirt Wil­helm Ackermann wurde von einem Ochsen derartig ins Gesicht gestoßen, daß er längere Zeit bewußtlos war und ärztliche Hilfe in Anspruch genommen wer­den mußte. „

* Aus Thiirmoen, 15. Juni 1911. Der thü­ringische Kath olikentag fand am letzten Sonntag unter lebhafter Beteiligung in Zeitz statt; aus den meisten thüringischen Staat en waren Vertre­ter erschienen. Ein imposanter Festzug bewegte sich durch die Straßen der Stadt. Reichstagsabg. Erz- berger hielt die Festrede, anknüpsend an die drei Jubiläen: 40 Jahre Reich, 40 Jahre Zentrum, 100- jähriger Geburtstag Kettelers. Die ganze Versamm­lung nahm einen sehr imposanten Verlauf — Ein seltenes Jubiläum beging eine Anzahl Damen in Salzungen. Vor fünfzig Jahren gründeten sie als junge Mädchen ein sogen. Kaffeekränzchen und konnten nun in diesem Jahre als Belohnung für ihr treues Zusammenhalten das goldene Jubiläum be­gehen. — In Eisenach wurde die 83 Jahre alte Hof- und Stadtkirchnerswitwe Jeanette Neumann von einem Wagen der Elektrischen Straßenbahn über­fahren und so schwer verletzt, daß sie bald darauf starb. — Nach dem Genuß von mit Himbeersaft zube­reiteten Reis erkrankten in Nordhausen 2 Kin­der einer Witwe unter Vergiftungserscheinungen. Das eine Kind im Alter von fünf Jahren starb bald dar­auf, die Mutter und das andere Kind liegen krank darnieder.

* Kirchhain, 15. Juni 1911. Wegen Beleidigung eine« LehrerS der Fortbildungsschule dahier wurde ein hiesiger Kaufmannslehrling, der die Schule am Ostertermin verließ und jetzt in Frankfurt in StAmg ist vom hiesigen Amtsgericht zu 30 Mark Geldstrafe und in die Kosten verurteilt.

♦ Wabern, 15. Juni 1911. Dem Knechte des Landwirts Otto gingen die Pferde durch. Er stürzte, kam unter den Wagen und wurde schwer verletzt nach Marburg in die Klinik gebracht.

* Frielendorf, 14. Juni 1911. Zur großen Neber- raschung der Landbevölkerung landete bei Wernswig der B a l l o n „Marburg" des hessischen Vereins für Lustschiffahrt. Er war samt einem zweiten Bal­lon, der gleichfalls in Oberheffen mehrfach gesichtet wurde und bei Homberg gelandet sein soll, in Gießen aufgeftiegen. Sämtliche Zuschauer halfen bei der Landung des Ballon „Marburg" was in ihren Kräf­ten stand Nachdem der Ballon verpackt war, wurde er per Achse nach Bahnhof Frielendorf gefahren. Den Schaden auf den Kartoffelfeldern hatten die Insassen des Ballons gut bezahlt.

* Metze (Kreis Fritzlar), 15. Ium 191L, Vor einigen Tagen schlug der Blitz in das HauS des Weißbinders Heinrich Eckhardt. Die Frau des letzteren, die im Begriff war, die Schalter auf dem Boden zu schließen, fiel durch den gewaltigen Luft­druck zu Boden, ohne jedoch Verletzungen davonzu­tragen. DaS Dach wurde beschädigt, das Feuer konnte gelöscht werden.

* Borken (Kreis Homberg), 15. Juni 1911. Die Stadtverwaltung hat auf dem Bismarckplatze, un­weit der Stadt, einen Spiel- und Turnplatz angelegt und will eine Unterkunftshalle daselbst Her­stellen. Seitens des Kreises sind 2000 Mk. Zwecke bewilligt. Der Entwurf der Halle Arbeit."

M 135.

Freitag den 16. Iuni 1911.

38. Jahrgang.

legt worden. Ebenso sollen die in gleicher Weise beschäftigten geprüften Packmeister im dienstlichen Verkehr künftig „Oberpackmeister" heißen.

♦ Moden« Ozeanriesen. Der große Dampf« „George Washington" des Norddeuffchen Lloyd muß mit Recht als ein Meisterstück moderner Schiffsbau- halft bezeichnet werden und jeder, ber einmal Gelegen- heft gehabt hat, die Einrichtung des gewaltigen Ko- losseS näher in Augmschein zu nchmen, ist gewiß er- staunt üb« daS, was die Technik heute zustande zu bringen vermag. Verfügt bet „George Washington doch über nicht wenig« als 25570 Brutto-Reg.-Ton- nen. Ganz erheblich größer sind aber die neuen Dampf« der Hamburg-Amerika-Linie, wovon der eine auf d« Werft des Stettin« Vullan gebaut wird und das Schwesternschiff vor einigen Tagen der Firma Blohm u Voß in Hamburg übertragen worden ist. Diese beiden Riefendampf« übertreffen den „George Washington" an Größe um gerade das Doppelte. Der Gewaltige Fortschritt ist den Engländern natürlich sehr unbequem und die Eunatd-Linie hat deshalb bereits einen neuen Dampfer in Auftrag gegeben, der die beiden Halbenhunderttausend-Tonnen-Schisfe der Ham- burg-Arn«ika-Linie noch übertreffen soll und somit das größte Schiff der Welt zu w«den verspricht, aber

"Die Bergungsarbeiten an dem Fünfmaster „Preußen", der im November v. Js. in der Nah» von Dover gestrandet ist, haben begonnen. Es wird vorgeschlagen, das Schiff durch Sprengung in zwei Hälften zu teilen, die beiden Hälften nach Dover zu schleppen und sie dort wieder zusammen­zusetzen. „ ..

♦ Das „Grab" des Kanarienvogels. Der Forster Frühne auf Pilsnitze Revier im Kreise Breslau W obachtete kürzlich einen besser gekleideten Mann, der sich auffallend in der Nähe des Waldes, auf frischer Wiese, unter einer alten Kroneneiche etwas zu schaffen machte. Schließlich verwies der Först« den Fremden auS dem dort verbotenm Revierteil, welchem Befehl auch bereitwilligst Folge gegeben wurde. D« Först« über­zeugte sich nun, was der Mann wohl unter d« Eiche gemacht oder gesucht haben möge. Er sand dicht am Stamm einen kleinen flachen Hügel frisch aufgeworfe­ner Erde vor, darauf Feldblumen gestreut und am Kopfende des Hügels, am Eichenstamm, steckte ein klei­ner Zweig blühmd« Schwarzdom. Als der Först« den Hügel näher untersuchte, entdeckte er zu seinem Erstaunen einen kleinen, etwa 20 Zentimeter langen Sarg, künstlerisch von Eichenholz gearbeitet, mit Bron­zefüßchen daran. In dem Heinen Kunstwerk aber lag ein langgestreckt« Vogelkadaver, ein tot« Kanarten-' Vogel . Das selffamste ist aber, daß die Heine Vogel­leiche in eine peinlich sauber gearbeitete, rote Husaren­uniform gekleidet war, bei der selbst Stiefeln, Tschako und Säbel nicht vergessen worden waren.

* Der Barbier als Kopfabschneider. In der spanischen Stadt Toledo ereignete sich in einer Barbierstube ein tragisches Verbrechen. Zwischen dem Inhaber und einem seiner Kunden, den et gerade unter dem Messer hatte, kam es zu einet heftigen Auseinandersetzung wegen einer Differenz über das Abonnement. Der Barbier wurde plötz­lich wild und schnitt seinem Kunden mit dem Ra­siermesser mit einem Ruck den Hals glatt durch. Die Anwesenden waren vor Schreck sta« und der Mörder konnte entkommen.

Ans dem Nachbargebiele.

* Aus dem Vogelsberge, 15. Juni 1911. Der westliche Flügel des Bahnhofsgebäudes auf dem Bahnhof Nord in Lauterbach wird vergrohert. Es wird noch ein Stock aufgesetzt, um wehr Raum tu den Beamtenwohnungen zu gewinnen. — In dem Amtsgerichtsgefängnis zu Herbstein unternahm der Reisende Rudolf Möller von Crainfeld einen Selbstmordversuch mit Lvsol. Er hatte bei der Firma Georg in Stomdors erhebliche Unterschlagungen ge- ,nacht, war steckbrieflich verfolgt und in Grebenhain verhaftet worben. Man hofft Möller, der geisttg nicht normal sein soll, am Leben zu erhalten. — Die „Raubritter von der Ronneburg", der 21jährige Arbeiter Friedrich Jakob Weitzel aus Brel- tenbotn bei Gelnhausen und der 16jährige Richard Scherer ans Pirmasens hatten sich vor dem Gießener Schwurgericht wegen Bandendiebstahls, Hausfrie­densbruchs und Bedrohung mit Waffen zu verantwor­ten Beide hatten die Ronneburg, die als hübsch« und gernbesuchter Ausflugsort bekannt, ist, zum Aus- ganaspunkt mehrerer Raubzüge auf die umliegenden Ortschaften gemacht. Sie hatten in einem festen Turm der Burg, den sie durch Klettern erreichten, ihr Lager errichtet und betrieben von da aus ihr Diebeshandwerk, bis zwei Lehr«, die die Burg be­suchten, den Einbruch entdeckten und dm Burgwart benachrichtigten. Als aber einige Einwohner aus AlttWiebermus die Burg nach ihnen durchsuchten, wurden sie von den rabiaten Burschm mit Revolver­schüssen empfangen, sodaß die Gendarmerie aus Bü­dingen requiriert werden mußte. Als diese eintraf, war von den Räubern nichts mehr zu entdecken. Sie Waren geflohen. Später stellte sich Scherer selbst bei Polizei und legte ein Geständnis ab, fein Komplize wurde bald darauf verhaftet. Das Schwurgericht ver- urteilte den Angeklagten Weitzel zu drei Jahren Zuchthaus, ben noch jugendlichen Scher« zu zwei Jäbren Gefängnis.

* Frankfurt a. M., 15. Juni 1911. Einen un= ewöhnlichen Umfang weist die Frankfurter ilnfallschronik auf. Bei Reparaturarbeiten, sie z. Z. auf dem Dach der Kirche in Bonames aus- zcsührt werden, stürzten Mittwoch nachmittag gegen fünf Uhr zwei Dachdecker aus einer Höhe von 16 Me­iern ab. Während einer d« Arbeiter schwer verletzt wurde, fiel der andere auf ben Rasen des Friebhofes und erlitt nur Hautabschürfungen. Beim Abmontie- ren eines Kranes in einer Maschinenfabrik stürzte der Monteur mitsamt dem Kran in die Tiefe. Schwer verletzt mußte er dem städtischen Krankenhause zuge­führt werben. Ein tödlicher Absturz betraf einen Tapezierer. Dieser stürzte infolge plötzlichen Unwohl­seins derart unglücklich von einer Leiter, daß er an dem dabei erlittenen schweren Schädelbruch nach kur­zer Zeit verstarb. — Der Redakteur Zander von der sozialdemokratischen „Volkssiimme" war zu 600 Mk. Geldstrafe verurteilt worben, weil er Diebstähle eines Arbeiters und die Hehlerei ber Ehefrau auf die Lohn- Verhältnisse bei der bestohlenen Firma zurückgeführt halte. Die Hanauer Siraflammer als Berufungs­instanz erhöhte die Strafe auf drei Monate Gefängnis.

* Neuberich, 14. Juni 1911. Den Besuchern der Neuansiedelung bietet fiel) ein bewegtes Bild dar. Viele fleißige Hände regen sich, um im Saufe des Sommers ein neues Dors, da? die Be­wohner aus dem Sperrgebiet an der Eder auf­nehmen soll, zu erbauen. Die Anlage des neuen Ortes geschieht nach einem durchaus einheitlichen Plane "und dürfte recht fckmuÄ und dabei doch praktisch ausfallen.

* Vom Eichsfklde, 14. Juni 1911. Der Hochw. Herr Bischof Dr. Schulte von Paderborn hat in diesen Tagen dem Eichsfelde einen ersten Besuch ab« gestattet. Ueberall wurde er begeistert ausgenommen. Am Montag besuchte er den Hülfensberg. In­folge der stattfindenden großen Wallfahrt nach dem Hülsensberge waren mindestens 10,000 Pilger auf dem Berge versammelt, als der Bischof mit dem Bischöfl. Kommissarius des Eichsfelbes auf dem Berg- .plateau eintraf. Dort wurde er von der Geistlich­keit empfangen nnd in die Wallfahrts-Kirche geführt. Ein feierliches Levitenamt wurde im Freien abge­balten; im Anschluß daran hielt der Bischof eine Predigt. Im Namen der auf dem Berge versam- melien 10,000 Pilger wie der ganzen katholischen Bevölkerung des Eichsfeldes hielt Schulrat Sachse

Handel imb Industrie.

• Berlin, 14. Juni 1911. Die Börse am Mitt­woch zeigte sich als Spezialitätenmarkt; kein ein­ziges Gebiet ließ eine zielbewußte, schärfer ausge­prägte Tendenz erkennen. Der Bankenmarkt laa völlig verödet. Am Diontanmarkte waren meist kleine Preisverbesserungen zu verzeichnen.

2. VIM.

vrnck uttb Verlag der Siübaa »tflenbruderti in Suite.

stellte. Es ist erfreulich und zeugt von einem guten sozialen Sinn der Prinzipale, daß die Sitte, ben kaufmännischen Angestellten jährlich einen Erho­lungsurlaub zu gewähren, ständig zunimmt. Man hat sich immer mehr davon überzeugt, daß ein sol­cher Urlaub bei den erhöhten Anforderungen, die das moderne Wirtschasts- und Geschäftsleben an die Handlungsgehilfen stellt, für diefe notwendig ist, Wetter aber auch, daß von ihm nicht nur die Auge- stellten, sondern auch das Geschäft und damit der Prinzipal selbst, Nutzen und Vorteile haben. Es ist ja auch klar, daß ein Handlungsgehilfe, der jähr­lich für kürzere oder längere Zeit sich einmal von den geschäftlichen Sorgen loslösen, ganz der Er­holung leben kann, und nun gestärkt zu feinen Be­rufsarbeiten zurückkehrt, mit vrel mehr Lust und Freude und Energie feine Pflichten erfüllt, als der Angestellte, der jahraus, jahrein, ohne einmal aus- spannen zu können und zu dürfen, im Betriebe tätig sein mnß. Immerhin gibt es aber auch heute noch, o wird uns vom Verbände kath. kaufm. Vereini­gungen Deutschlands (Sitz Essen-Ruhr) geschrieben, Chefs, die von einem Sommerurlaub für ihre An­gestellten nichts wissen wollen. Es wäre drsttgend zu wünschen, daß auch diese endlich von der Not­wendigkeit eines angemessenen Erholungsurlaubs für die Handlungsgehilfenschaft und den Vorteilen desselben für das eigene Geschäft überzeugten und sich zur Gewähung eines solchen entschlössen. In Oesterreich ist bekanntlich dis Urlaubs-Frage gesetz­lich geregelt. Eine solche gesetzliche Regelung wird auch von den deutschen Handlungsgehilfen gefor­dert. Sie wäre nicht nötig, wenn auch der letzte Handlungsgehilfe sich der Wohltat der Sommer­ferien erfreute. Mögen darum alle Prinzipale, die bisher glaubten, ihren Angestellten den Erholungs­urlaub vorenthalten zu müssen, diesen StandPunH aufgeben und sich aus sozialen Gründen wie im In­teresse ihres eigenen Geschäftes zur Gewährung

Die Macht bes Gewissens.

21] Roman von Erich Friesen.

Virginia erwacht mit der harmlosen Lebensfreude eines Kindes. Gütig lächelnd präsidiett sie am Früh­stückstisch, um den sich die fröhliche kleine Gesellschaft versammelt. Allseittge Harmonie, helles Lachen und Plaudern. ,

Armins Augen ruhen so kühl auf Ruth, als fei sie ihm soeben erst vorgestellt worden. Ruth widmet sich völlig Lord Donald und nimmt keinerlei Notiz von dem Gatten. Und die kleine Virginia blickt leuch­tenden Auges von einem zürn andern und freut sich ihres Lebens . . .

Frau Forster hat soeben geäußert, daß sie im kom­menden Winter für einige Monate nach London über­siedeln wolle um Virginia in die Gesellschaft einzu­führen.

„Wie prächtig!" ruft Gilbert erfreut, „bann wer­den wir einander bald in London Wiedersehen!"

Frau Forster horcht auf. Die Art, wie der ver- memttiche Sekretär plötzlich die Führung der Unter­haltung übernimmt, frappiert sie. Doch der junge Mann sieht so offen, so von Herzen vergnügt au8, daß sie ihm nicht zürnen kann.

Jetzt blickt Armin einen Augenblick zu Ruth hin- üb«. Trotzdem sie diesen Blick ignoriert, Weiß et, daß fein Wunsch erfüllt, daß das Testament nicht ver­brannt ist.

Und jetzt eiliges Abschiednehmen. Schon stampfen die Hufe ber feurigen Rappen ungeduldig den Bodm. Herzliches Händeschütteln, ein paar freundliche Worte — dann tritt Lord Donald plötzlich auf Virginia zu.

„Geben Sie mit ein kleines Andenken, Fräulein Virginia!"

Befremdet hebt das Mädchen die Augen.

„Ich versiehe nicht, He« Skott" erwidert sie kühl.

„Ich bitte um eine Rosenknospe," wiederholt et lebhaft.

Von feiner beträchtlichen Höhe au8 blickt « mit Siner Art selbstherrlichen Wohlgefallens hinab auf da»

liebliche kleine Mädchen. Zum erstenmal macht ihm das Versteckspiel Spaß.

Sie zözett. Doch wäre es nicht lächerlich, einen so einfachen Wunsch unerfüllt zu lassen?

Sie bricht eine halberblühte rote Rose und über­reicht sie Gilbert mit verstohlenem Blick auf Ruth.

Doch diese achtet gar nicht darauf. Ihr Gatte hat ihr soeben einer gufammengefalteten Brief in die Hand gedrückt, und sie sst beschäftigt, denselben in ihrer Tasche zu ti«bergen . . . Gleich darauf rollt der Wagen mit ben beiden Gästen von dannen.

Virginia und ihre Mutt« treten ins Haus zurück. Ruth bagegen schlendert langsam durch den Pack. Ein scktsames Gefühl b« Erleichterung hebt ihre Bmst. Zwar empfindet sie schon jetzt Sehnsucht nach dem Gatten; doch jene Erregung d« Nerven, jme Benom­menheit des Kopfes, die stets während Armins An- wefenhett auf ihr lasten, sind geschwunden. Mit weit geblähten Nasenflügeln atmet sie die würzige Luft. Hin und her gebt sie im Pack, hi« stehen bleibend, um einen schillernden Käfer zu bewundern, dort eine frisch er­blühte Knospe zum Strauße brechend.

Jede Spannung in ihrem Körper löst sich. Eine wohltuende Müdigkett überschleicht sie. .. . Jetzt pas­siert sie den Baum, an welchem heute nacht Armin, zu ihrem Fenster hinauffchauend, gelehnt. Mechanisch lehnt auch sie sich an denselben, jener nächtlichen Vision gedenkend . . .

Das Gefiihl der Müdigkett nimmt zu. Mit Ge­walt muß sie sich aufraffen, damit ihr nicht die Augen zufallen.

Wie mag es Polly March gehen? Schwer fällt ihr plötzlich dieser Gedanke aufs Herz. Da sicht sie Virginia auf sich zueilen. Die Wangen de, Mädch^s sind bleich; chre Augen stehen voll Tränen.

„O liebe, liebe Ruth! Wie leid du mir tust!"

„Ich dir — leib? Warum? Ich brauche keine Teilnahme!"

Im Innersten vecketzt tritt Virginia einen Schritt zurück.

„Wie unfreundlich du bist, Ruch! Weißt du benn schon, daß deine alte Polly heute nacht gestorben ist?"

„So — ? Nichts weit«?" Ruch atmet auf. „Ver­gib mir, Virginia! Ich bin manchmal launisch — ich weiß es. Natürlich tut mir deine Teilnahme wohl — ganz gewiß! Komm! küsse mich, Heine Schwe­ster!"

Virginias Herz weiß nichts von Empfindlichkeit. Schon sst sie wieder versöhnt. Mit der schmeichelnden Zärtlichkeit eines Kätzchen) schmiegt sie sich an die Freundin.

„Du willst die Tote doch nicht mehr sehen?"

„Doch, Virginia!"

„Ruth, eine Leiche! Hast du keine Angst?"

Das ganze Entsetzen, welches Virginia vor dem Tode, diesem für die Jugend so grausigen Gespenst, empfindet, malt sich auf ihrem Gesichtchen.

Ruth lächelt bitt«.

„Angst? . . . Ach, Virginia, wenn d« Mensch nichts andere» zu fürchten hätte, wie den Tod! . . . Leb wohl, Schwesterchen! Wartet nicht mit dem Frühstück auf mich!"

Nachdenklich blickt Virginia d« rasch Davoneilm- den nach. Da fäöt ihr ein, daß Tote gewöhnlich mit Blumen und Kränzen bedeckt werden.

„Ruth!" ruft sie lebhaft. „Wart mall" Ungeduldig wendet Ruth den Kopf.

„Was denn noch?"

„Willst du keine Blumen mttnehmen?"

„Wozu?"

„Für die Tote!"

„Nein, danke!"

Und schnell« ellt Ruth davon. Es widerstrebt ihr, die entfeelte Hülle der alten Frau mit Blumen zu be­decken.

„Arme Polly!' murmelt sie leise. „Und doch — du bist nicht zu bedauern. Du gleichst dem verweltten Grase. . . Deine Zett war abgelaufen. Ab« wenn eine Blume dahinwelkt, eine schöne Blume, frisch, kraftstrotzend, voll Farbe und Saft, voll Dust und Lieblichkett — Wie ander« ist da», wie tragisch! $. O, mein Herz, mein Herz! Meine Jugend! . , s Groß« Gott, wozu lebe ich überhaupt? Bin ich nur geboren^ um zu leiden, zu weifen, zu sterben?"

.Krampfhast preßt Ruth die Hand auf« Herz. Ihr ist, als stocke ihr Pulsschlag. Eine grenzenlose Mat­tigkeit überfällt sie. Sie läßt sich unter einem Baume nieder und schließt die Augen. Bald ist sie einge­schlafen ...

Als sie nach einer Stunde erwacht, steht die Sonne b«etts hoch am Himmel. Hl« und da blitzen ihre Strahlen durch das dunkle Fichtengeäst. Dock drau­ßen jenseits des Waldes muß eS Mittag sein; hier tagt kaum geheimnisvolles, dämmeriges Zwielicht. . ..

Verwundert reibt Ruth sich die Augen. Sie gähnt ein paar Mal, reckt die Glieder und blickt bann um sich. Sie sitzt unter demselben Baurn, unter dessen schützendemDach sie gestern abend in den Armen bc8 Gatten geruht. Ihr ist, als ob sein Geist sie noch umschwebe.

Armin! Der Name übt den alten Einfluß aus sie aus. Glücklich lächelnd schließt sie wieder die Augen . . .

Da fällt ihr d« Brief ein, den der Gatte ihr beim Abschied gegeben. Noch immer ruht er uneröffnet in ihr« Tasche. Jetzt will sie ihn lesen. Vorsichtig nimmt sie ihn h«aus, öffnck ihn und blickt auf die Ueberschckst: „Mein geliebte« Weib!"

Mit leidenschaftlicher Geberde brückt sie den Brief an ihre Lippen. Dann «ft lieft sie weit«:

„Ich weiß, daß meine letzten Worte heute nacht dich verletzt haben. Ich bitte nicht um Verzeihung; beim ich würbe gegebenenfalls wteb« genau so han- beln. Ich bin auch nicht böse auf dich, Weil du dich meinem Willen widersetztest.

„Wir sind Mann und Frau, wir gehören zuein­ander. Ich glaube, liebe Ruth, du bist dir nun voll­kommen Har darüber, Was für einem Manne du dich zu eigen gegeben hast. Ich heiratete dich aus Siebe — aber auch aus Berechnung. Durch dich will ich zu Macht und Ehren gelangen. In unserer Zeit gibt eS für einen Mann, sei « noch so Hug, noch so be­gabt, noch so bedeutend, nur eine Stufenleiter, um zur Macht zu gelangen — den Reichtum. Durch dich will ich ihn erringen,

(Fortsetzung folgt)