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Ketetiottsbrudutt» vertag der Kuldaer AI- tiendruckerei in §«Idn Lernsprecher Nr. 9.

Erstes Blatt.

Fulda, Mittwoch den 14. Juni 1911.

38. Jahrgang.

Blute wälzenden Kameraden anzunehmen, wurde er von dem sozialdemokratischen Wüterich gleichfalls an­gegriffen und schwer verwundet.

Wegen des hl. Fronleichnams­festes wird die nächste Rümmer der,Fuldaer Zeitung' erst am Freitag ausgegeben.

= Die Wahlen in Oesterreich.

DaS erste Volksbaus Oesterreichs, das aus allge­meinem Wahlrecht hervorging, wurde Ende März aufgelöst. Es hatte bei seiner Geburt große Erwar­tungen geweckt. Um die ewige Lahmlegung durch nationale Obstruktionen zu beendigen, war die Volksvertretung an die Stelle der alten RrichsratS getreten, eines sogenannten Kurienparla- mmts von Privilegierten und Vertrete« des Groß- kapitalismuS; nationale, konfessionelle und parteipo­litische Verhetzung aller Volkskreise und Stände hin­derte fast zeitlebens jede gedeihliche Arbeit an so­zialen Werken. Aber auch daS Volkshaus kam nur um wenige, unbedeutende Schritte vorwärts; und in­folge der Auflösung liegen hervorragende soziale Vor­lagen brach. Dem neuen ReichSrat müssen die zum Teil fast ferttgberatenen Vorlagm einer Finanzreform und einer Sttzialversichemng, ein Lokalbahngesetz usw. neu eingebracht werden. Die Ursache der Auflösung war, daß ab 1. April kein Haushalt vorhanden gewesen wäre, so daß dann die Regierung vor leeren Kaffen gestanden wäre. Am 1. Dezember 1910 ver­langte das Kabinet Bienerth von dem jetzt aufge­lösten ReichsrÄ ein provisorisches Budget für sechs Monate; während dieser Zeit sollte der ordentliche

Haushalt aufgestellt und bewMgt werden. Die deutschftetheitliche Opposition gewährte nur drei Mo­nate Frist, die Ende März Miefen. Inzwischen war aber kein Etat fertiggestellh nicht einmal im Budget- ausschuß; auch kein neues provisorisches Budget wurde gegeben, well die Tschechen den Ausschuß durch allechand Praktiken arbeitsunfähig machten; sie suchten daimrch, mit Hilfe der eigens gegen das Ka­binett Bienerth gegründeten flavischen Union, Bienerth zu stürzen. Bei der Krone genießt jedoch Bienerth vollständiges Bertrauen, und so erhielt er den Auf­trag, de« unfruchtbaren Reichsrat aufzulöseu UAb bis zur Erledigung des Etats nach den Neuwahlen mit dem Notf^ldSparagraphen 14 zu regieren; dieser gibt der Regierung das Recht, Entwürfe, die als Gesetze an Fristen gchunden sind, durch einfachen kaiser­lichen Beschluß zu« Gesetz zu echchen, d. h. absolutistisch zu regieren, wenn das Parlament arbeitsunfähig oder -unwillig ist. Solche befristete, jetzt zum Gesetz erhobene Vorlagen find die Entwürfe für den Haushalt, die Wehr- und die Bankvorlage.

Rach einer mit außerordentlich heftigem Kampf­getöse geführten Wahlkampagne haben nun gestern die Neuwahlen stattgefunden. Um die 516 Mandate der Abgeordnetenhauses bewarben sich 1622 Kandi­daten.

Bis jetzt Gegen nur Einzelergebnisse vor. DaS Gesamtergebnis ist aus dm vorliegmdm De­peschen »och nicht ersehen. In Wien selbst sind fünf Christlich-Soziale im ersten Wahlgange gewählt Word«, die übrigen müsim ihre Mandate in der Stich­wahl verteidige», überhaupt ist die Zahl der Stich- wahlm außerordenllich groß. Schon deshalb ist jcht ei« Schluß auf bU kommende politische Situation un­möglich. In Tirol wurde auf dem Lande nur christlich-sozial gewählt, in Innsbruck ein Sozialdemo­krat und da »Freiheitlicher*. Die Sozialdemo­kraten haben bisher in Böhmen, Mähren, Schlesien und in Linz 13 Mandate verloren, 8 an Deutsche, 5 an Tscheche«.

Im allgemeinen find die Wahlen nach den vorlie­genden Meldungen glatt und still verlaufen. Nur au» Mährisch-Ostrau wird ei» stürmischer Wahlgang ge­meldet; dort ringen Deutschfrechetlliche und Sozial­demokraten um daS Mandat. Am Montag war es in St anislau ga blutige* Krawallen gekommen, Zionisten und Sozialdemokrat« prügelten fich dort. I» Soli* mußt« die Gendarmerie mit gefällte« Bajonett den Marktplatz säubern. In Lemberg kam es zu einem Zusammenstoß zwischen bat Bürger­lichen und Freisoztalisten, wobei Fchr. v. Battaglier über und über mit faul« Eie« beworf« wurde. Auch hier gab eS blutige Köpfe. In Prag stand di« ganz« Garnison fuat Eingreifen bereit. In Krakau er­stach ein s^ülldemokrattscha Arbeiter einen nativ» nalpolnisch« Gegner mit dem Messer. Al» dann ein dritter Arbeiter herbeieüt«. ja* fich de» in seinem

ltschen kaufmännischen Bereinigun­gen L-eunapanos soll vom 12.—16. Juli in Duir- burg ftattsrnden. Da- Lokalkomitee Jfat die notwen-

ligtum des Katholizismus, die hl. Eucharistie. I« ähnlicher Weise sagen die Hansabündler, sie bekämpf­ten nicht die Landwirtschast, auch nicht die Agrarier, sondern nur die „Ueberagrarier". Zu glei­cher Zeit triumphiert man über den Ausgang von elf Ersatzwahlen, bei denen nicht bloh „Hebet- Agrarier", sondern Mittelparteiler, Zentrum und Konservative im Gemisch die Leidtragenden waren.

Herr Riester zog nicht bloß gegen die Rechte zu Felde, sondern auch gegen die gemäßigten «nb besonnenen Liberalen, die er als Angstmeier und Eunuchen verspottete. Also auch der rechte Flügel deS Rationalliberalismus findet beim Han- sabund keine Gnade. Der Hansabund steht ganz auf dem junaliberalen und fortschrittlichen Standpunkt, und zwar in dem Sinne, daß in der Abwehr der „Reaktion" auch die Soziademo­kratie ein erwünschter Helfer ist. Was in Baden feit einigen Jahren praktisch betrieben wird, will der Hanfabu^) bei den Wahlen für das ganze Reich durchführen: die Verbindung des entschiede­nen Liberalismus mit der Sozialdemokratie zum Kampfe gegen Konservative und Zentrum.

Des besseren Schein- halber hat das Präsidium des Bundes die Formel ausgeklügelt: die Stichwahl- Parole fei nicht seine Sache, sondern der politischen Parteien. Me das gemeint ist, hat man in Use­dom-Wollin gesehen: Dort hat der Hansabund we­sentlich mitgetmrkt zum Siege bet Sozialdemo, traten, und diese Errungenschaft toirrbe geradezu als vorbildlich gefeiert.

Also die Sammlung der bürgerlichen Parteien zur positiven Arbeit und zur Abwehr des Umsturzes tote der Reichskanzler sie erstrebt, toirb vom Hansa- bund in Wort und Tat verworfen, dagegen der Großblockgedanke gchegt und gepflegt.

Ob nun die Regierung bei ihrer Sympathie für diesen Bm«d beharrt?

das Zeug zur politischen Magd. Leider ist dieser Angstmeier in gewissen politischen Parteien in einer Legion ausgewachsener Exemplare vertreten. (Heiterkeit und Beifall.) Man erkennt hier immer noch nicht, wie hinter den Kulisse« und ganz im Stillen die Sammlung gegen die Sozialdemokratie mehr und mehr in e tu e Sammlung aller bodenständigen und rückständigen Elemente gegen das vorwärts str e b e n v e B ü r g e r t u m sich verwandest hat. (St.Beif.) Man will vielfach nicht sehen, wie sehr uns jene immer mehr sich konsolidierenden gegnerischen Samm­lung gegenüber, statt politischer Eunuchen ganze Männer nötig sind erfüllt von ihrer Pflicht, alles Trennende zurückzustellen, um nicht um kleiner Diffe­renzen »illen die dringend nötige Einigung aller in den grohen Zielen einigen Elemente zu gefährden. (Lebhafter Beifall.) ES ist fchwüchlich, aus einer völlig veränderttn Lage nicht der von den Gegnern zu lernenden entschloffenen Rücksichtslosigkeit die notwen­digen Konsequenzen zu ziehen. Wenn aber aus Gründen geiröhntichster Parieitaktik oder infolge des Ehrgeizes lokaler Größen dte dringend nötige Eini­gung verhindert wird, so kann ein solches Ber- fahten, das den Gegner zum tertras gaudens macht, nicht scharf genug verurteilt werden. «Lebhafter Bei­fall.) Der Hansabund darf nicht tuUälig zusehen, wenn in solcher Weise versucht wird, den ganzen Emigungsgedanlen zu Fall zu bringen. (Lebhafter Beifall.) Jeder sei sich bewußt, daß die nächste Zeit über die Zukunft des Bürgertums entschciden wird. Der Lag der Abrechnung für die jetzt geübte Politik de» Egoismus werde kommen, wenn das Bürgertum -ich zufammenschließe und jeder im Hansabund seine Pflicht tue. Bürger heraus!

Kein Wunder, baß diese Schlußrede vom „Ber­liner Tageblatt" nicht allem, sondern auch vom sozialbeutokraiischen „Vorwärts" reiche Aner- kennung und b er biente Anerkennung findet. Bon der offiziösen „Nord. Allg. Ztg." vird sie vorsichtigerweise n ich t wiedergegeben. Un­sre gegenwärtige Regierung hatte sich bekanntlich ehr freundlich zu dem Hansabund gestellt, als b« Rechte sich über den Beitritt der Handelskammern zu diesem bedenklichen politischen Gebilde beklagte. Auf die Leser des Regierungsblattes müßte es nun freilich einen sonderbaren Eindruck machen, wenn sie erführen, wie entschieden sich der Hansabund gegen die Sammlungspolitik der Regierung aus­spricht, die Unterstützung der bürgerlichen Kandida­ten gegen die Sozialdemokraten in der Stichwahl ablehnt, die bisherigen Wahlergebnisse bei Ersatz- vahlcn, d. h. die bedetitenden Mandatsgewinne der Sozialdemokratie bejubelt, die Heranziehung der so- fialdemokratischett Kreise zur Mitarbeit in Staat, Parlament und Selbstverwaltung empfiehlt und so in Stelle der Abwehr des Umsturzes den ausschließ­lichen und schonungslosen Kampf „g e g e n r e ch t s" verkündet! Um die Gr o tz b lo ck - R ede des Prä­sidenten zu bemänteln, schreibt das offiziöse Blatt mit einer bemerkenswerten Zweideutigkeit, diese Schlußrede habe „auf die Reichstagstoahlen hin­gewiesen und die Einigung des Bürger­tums gefordert." Der arglose Leser wird denken, es handele sich um die Einigung des Bürgertum» gegen die Umsturzpartei; aber Herr Riesser hatte mü anerkennenswerter Deutlichkett gesagt, die Bür­ger sollten gegen die I n n k e r sich einigen. So war auch sein Waffenruf am Ausgang der Rede gemeint: Bürger heraus!

Die Kulturkämpfer sagen bekanntlich oft, sie hätten nichts gegen die katholische Kirche, sondern nur gegen den Ultramontanismns, aber tatsächlich bekämpfen sie sogar das innerste und höchste Hei-

veulsches Reich.

♦♦ »erlitt, 13. Juni 1911. Der Kaiser begab sich Dienstag früh zur Besichtigung deS 3. und 3. Garde-Ulaneu-Regiments nach Döberitz. — Der amerikanische Botschafter Hill, über dessen Nachfolger noch nichts verlautet, wird am 2. Juli Berlin verlassen. — Der frühere preußische LandtagSabg. Justizrat Lohmann in Brilon ist im Älter von 80 Jahren gestorben. AlS Vertreter deS Wahlkreise- ArnSberg-Lippstadt- Brilon gehörte er von dem Jahre 1893 ab 12 Jahre lang dem Abgeordnetenhause al- Mit­glied an. Auch im kommunalen Leben seiner Vaterstadt war er hervorragend tätig.

4- Die Vorarbeiten für die neue preußische (Sn- kommensteuernovelle, dir das augenblicklich geltende preußische Einkommen- und Ergäuzungssteuergesetz organisch abändern soll, sind im Finanzministerium soweit gediehen, daß sie In nächster Zett abgeschlossen werden können. Bekanntlich toirb beabsichtigt, die preußischen Steuergesetze neu zu regeln, nachdem im Frühjahr 1908 infolge bet neuen BeamtengehaltSvor- lagen die Einkommensteuer durch eine Novelle erhöht worden war. Die neue Novelle sieht eine vollständige Neuregelung der Einkommen- und Ergänzungssteuer vor, einerseits um die Härten bet Novelle von 1909 anszu gleichen, andrerseits um Steuerhinterziehungen erfolgreicher entgegentreten zu können. So wird z. B. auch bet der Ergänzungssteuer der Deklarierungszwang eingeführt werden. In der Novelle von 1909 hatte der Senbtog Zuschläge beschlossen, die bereits bet einem Etnkommen von 1200 Mark begannen, ferner sicht der Tarif springende Zu­schläge vor, was bet der geringsten Ueberschreitung der Grenzsummen sofort eine sehr viel höhere Steuer- leistung ergab. Es ist nunmehr beabsichtigt, zunächst die Zuschläge von den unteren Einkommen fernzuhal­ten und bei den mittleren und höheren Ein­kommen reichhaltiger zu gliedern. Die Erhebung von Zuschlägen al» solchen wird fortfallen und die Steuer­stufen etwa um die Höhe der jetzig« Zuschläge er­höht werden. Schließlich wird die Novelle auch den Gemeinden das Recht geben, die Steuer in der glei­chen Höhe wie der Staat zu erheben, während zurzeit die Zuschläge bekanntlich von ben Kommunen nicht erhoben werben dürfen. Die Vorlage toirb bem Land­tage voraussichtlich schon zu Beginn der nächst« Ses­sion zugchen.

+ Die Aufwendungen Preußens für Offiziers- und Beamtenpenfisne«. Die Aufwendungen sind in den letzten 10 Jahren ganz bedeutend gestiegen und haben im letzten Haushaltsjahre 1910 eine Höhe erreicht, die den Stand der Pensionen vom Jahre 1900 um das Doppelte übertrifft. Im Etatsjahr- 1909 belief sich der Gesamtaufwand Preußens für Pensionen auf rund 102 Millionen Mark. Im Jahre 1910 betrug der Pensionshaushalt einschließlich des Witwen- und Waisenhaushalt» rund 107 Millionen Mark, und im Jahre 1911 wurde von beiden Haushalten zusammen die Höhr von rund 111 Millionen Mark erreicht.

** Eine Frauenhochschule. Eine Reihe hervor­ragender Gelehrter hat einen Ausruf erlassen, der für die Gründung einer Frauenhochschule in Leipzig eintritt. Nach den Absichten diese» Aufruf» soll diese Anstalt nickt wie beispielsweise die amerikanischen Frauenuniverfitäten einfach Frauen in akademischen Fächern ausbilden, die auch die männliche Jugend in den bestehenden Universitäten betreibt. Vielmehr soll die neue Hochschule den künftigen Müttern die Erfüllung ihrer spezifischen weiblichen Auf­gaben vertiefen und erleichtern lehren. Die Er- ziehungswirlsamkeit in der Familie, die ethffchen und sozialen Pflichten einer Frau innerhalb ihre» Familienkreises und im modernen öffentlichen Leben sollen im Vordergrund der dort gebotenen Ausbil­dung stehen.

0 Marburg, 12. Juni 1911. Wie nahe verwandt die demokratischeVereinigungmitderSozial- d e m o k r a t i e ist und wie innig das Verhältnis ist, das B"hen beiden besteht, zeigt der Bericht der,Heff.

eSztg/ über den jüngst abgehaltenen Partettag der demokratischen Vereinigung. DaS genannte Blatt, dessen Verleger F. v. Gerlach in Marburg ist, der für die nächsten Reichstagswühlen al» Kandidat der demokratsschen Vereinigung im hiesigen Wahlkresse aufgestellt ist, schreibt wörtlich über den Partettag:

Sinmütigfeit herrschte im großen ganzen auch über da» Verhältnis zur Sozialdemokratie. ES gelte nicht, diese Partei anzugreifen ünb zu bekämpfen, e» wäre nicht Ausgabe der Demokratie, die in der Eoziakdemo- kratieOrganisierten herüberM holen. Wer käme, wäre natürlich gerne willkommen, und die Unterschiede zwischen hüben und drüben sollten natürlich nie verwischt werden; abereShandelefich nur em verschiedene Nuancen der Demokratie, die im Kampfe gegen rechts zusammen- stehen müßten.

Alsonurkein Kampf gegen die Sozialdemo­kratie, auch kein Bestreben, „die in der Sozial­demokratie Organisierten herüberzuholen", d. h. sie für dte demokratisch« Sereimgung zu gewinnen. Warum sagt da» Blatt auch; weil ja keine wesent­lichen Unterschiede zwischen beiden Parteien bestehen, sondern beide nur in verschiedenen Schattierungen und Farbenabtönungen die Demokratie zur Schau tragen. Die Hauptsache ist für beide der Kampf gegen recht», der Stampf gegen Glaube und christ­liche Wettanschauung, gegen Kirche und christliche Schule, gegen Thron und Altar. Die Sprache de» Gerlach-Organ» ist deutlich genug. Ma» merke e» sich für die künftigen Reickstagswahlen!

X Duisburg, 13. Juni 1911. Die 34. General­

v Der Hansabund treibt Grotzblock- Polittk.

Das ist des Pudels Kern, das realpolitische Er­gebnis des Hansatages vom letzten Montag. Die wahre Natur und das wirkliche Ziel dieser Organi­sation kam erst in der Schlußrede de» Präsiden­ten Riesser zum Vorschein, auf die unser gestriger Bericht nicht mehr eingehen konnte. Wir tragen aus dem uns heute zugehenden Schlußbericht üb.r diese Rede noch folgendes nach:

In seinem Schlußwort suchte der Bor sitzende, Ge- heünrat Rießer, den Hansabund gegen den Vorwurf zu rechtfertigen, daß er mit der Sozialdemokratie liebäugele. Den Hansabund trenne eine Welt von den Ausgangspunkten und Zielen der Sozialdemokratie. Aber die Lozialdemokratie könne wirksam nur bekämpft werden durch die vom Hansabund angeflrebte gerechte Politik auf wirtschaftlichem und sozialpolitischem Gebiet, !owie durch dieHeranziehung der fozialdemo- ratischen Kreise zur Mitarbeit in Staat, Parla­ment und Selbstverwattung. Zu einer derartigen Politik, die zugleich die wahre Sammelpolittk ist, gehört allerdings der allseitige feste Wille, der agrardemagogischen Richtung endlich einmal ein Ende zu machen. (Lebhafter Beifall.) Stich­wahlparolen können wir, sofern es sich nicht um solche Kandidaten handelt, die wir schon in der Haupt­wahl unterstützt haben, niemals ausgeben. Dies galt nicht nur für Usedom-Wollin, sondern gilt nach einstimmigem Präfldialbeschluß auch für die Folge. Das weltsremde Junkertum, vieler «selbsisichereMenschen- schlag', sollte den Bogen nicht derart Überspannen, so daß schließlich eine Wtchlparole -. Hier Junker, hier Bürger! zur Notwendigkett würde. Dem Junkertum kann die entscheidende Einwirkung auf die Leitung und Verwaltung des Staates nicht mehr belaffen werden. Beifall.) Der Wille zur Macht ift aber die notwen­dige Voraussetzung des Sieges. Dieser Wille ist aber bei den einen noch gar nicht, bei den anderen nur in homöopathischen Dosen vorhanden. Noch immer haben viele eine nervöse Angst vor ihrer eigenen Kourage. (Heiterkeit.) Es scheint Parteien zu geben, die einen besonders hohen Prozentsatz solcher tapferen Anwärter aus den politischen Tugendpreis in ihren Reihen auf­zuweisen haben. (Heiterkeit.) Die einen schwanken und „warten ab", andere schwenken direkt zur agrarischen Richtung über, obwohl sie von dieser jahre­lang schwer geschädigt worden sind. Dieser poli­tische Philister trägt statt.des Marschaüstabs am liebsten den Schrittmesser im Tornister, damit et auch beim Angriff „nie zu weit gehe-, (Heiterkeit.) Er hat

bigen Vorbereitungen für den Kongreß (den ersten kaufmännischen Kongreß in Duisburg) mit Urne sicht getroffen, und &atfyt der Delegierten wie über, Haupt der Kongreßteilnehmer wird es nun fein, da, für z* sorgen, daß der innere Gehalt dem äußere« Verlauf entspricht. Wenige Städte dürften de* Kaufleuten einen geeigneteren Boden für eine Ge­neralversammlung bieten, als Duisburg. Denp kaum anderstoo im Deutschen Reiche haben sich Handel, Betkehr ueb Industrie, die Lebensadern des kaufmännischen Berufes, in solch stannener- regcnber Weise entwickelt, wie in Duisburg. Hier gibt es also ftir die Jünger Merkurs viel zu sehen und noch mehr zu lernen. Duisburg empfiehlt sich als Heim der Generalversammlung der Kaufleute aber auch ht besonderer Weise durch feine Lage am Einfluß der Ruhr in den Rhein, durch seine herr­lichen Park- und Waldanlagen, seine monumen­talen Prachtbauten, Kirchen und Denkmäler, seine auch für den Fernverkehr sehr günstigen Bahnver­bindungen und nicht zuletzt durch die allzett be­wahrte Gaftlichkett seiner Bewohner. Sowett der Ort der Versammlung also einen Einfluß ausüben kann, sind für einen günstigen Verlauf des Kon­gresses alle Vorbedingungen gegeben und kann ma» mit Gewißheit einen großen Erfolg erwarten.

* Stuttgart, 18. Juni 1911. Die württem- bergische Abgeordnetenkammer begann heute dir Beratung der Gehaltsvorlagen. Der Finanz­ausschuß hat den Vorschlägen der Regierung in der Hauptsache zugestimmt. Bei den Bediensteten bean­tragte er eine wettere Erhöhung der Aufbesserung um rund eine halbe Million Mark.

*♦ Nürnberg, 13. Juni 1911. Die mittelfränkisch» KreiLregierung hat in Sachen der Fronleich­namsprozession in Fürth den Beschluß de» Magistrat», sowett er die Ausdehnung der Prozession beschräntt, aufgehoben, dagegen da» Verbot bet Er­richtung von Altären auf den städtischen Straßen gut- geheißen.

Ausland.

♦♦ Bei den luxemburgischen Wahlen zur @m<uei xung der Hälfte der Kammer, durch dte 21 Sitze z* besetzen waren, wurden direkt gewählt 8 Katholiken und 8 Liberale. An dm Stichwahl« find beteiligt:^ 4 Liberale, 1 Sozialist, 4 Katholiken, 1 Wilder. Die Liberal« verlieren bt» jetzt zwei Sitze an die Katho­liken und gewinnen ein« Sitz. In der Stadt Luxem­burg selbst, wo vier Mandate zu vergeb« find, mür­ben im vierten Sitz die Katholik« in eine Stichwahl mit dem Sozialdemokraten gedrängt. In Vicmde* hat der Katholik Klee» über dm bisherigen liberale» Abgeordneten Heß gefiegt.

\ Friede in Albanien. Die türkische Re­gierung gibt in einer offiziellen Erklärung bt* kennt, daß die Aufständischen in Albanien sich unterworfen haben und der Feld­zug beendet sei. Es wird allgemeine Amnestie proklamiert, Reformen werden an« gekündigt. Der Friedensschluß wird auf Grund der Wiener Ratschläge auf den persönlichen Ein­fluß deS Sultans zurückgeführt. — Die offiziöse österreichische Mahnung hat also gewirkt.

** Marokko. Die Kolonnen de» Generals Mo­nier sind nach einem Marsche, der durch Geländo- schtoierigkeitm und unaufhörliche heftige An, grifft der Feinde sehr erschwert worden wat, unter dm Mauern von Mekine» angelangt. Kurz vorher trafen eine Abordnung von Rotabeln und bet Machst« des Prätendenten Mnlay Zin ein, um ihre Unterwerfung cmzubietm. — Zu der neuesten Entwickelung der Marokkofrage wird der „Kölnisch« Zeitung" aus Berlin gemeldet, daß die französische Regierung den französischen Zettungm Mahnung« zum Maßhcfltm gegeben habe. Die Annahme, daß Deutschland hinter Spanten stehe, sei unzutreffend. I* Berlin sei man mit bem spanischen Vorgehen nur in­soweit befaßt, al» Spanien in Berlin wie auch wohl den ander« Macht« von der Besetzung Mitteilung machte und diese ähnlich begründe wie Frankreich, nämlich mtt der Unsicherheit der Grmze und dem Schutz der eigen« Untertanen. Spanien habe die Versicherung abgegeben, daß man eS nur mit ein« vottäuftgm Besetzung zu tun habe, eine Versicherung, die von Deutschland ebifach zur Kenntnis genvmmm wurde.

X Psirrgfttagimgerr.

Der 8. deutsche gewerbliche Gmoffeuschaststag, der in Frankfurt a. M. tagte, beschäftigte sich u. a. mit b« Frage der Vergebung der öffentlichen Arbeiten. Da» Krttgsmmiftertum hat s. Z. darauf hingewiesm, daß di« Lieferung« der Handwerkeroer« einigungen nicht immer voll befriedigt hält«. Darauf hat bet Berbandsvotstand fich mtt dem Handels- und Gewerbekammertag in Verbindung gesetzt und beide Korporation« hab« folgende Gestchtspunkte aufgestellt: Der Hauptverband rot« der Sammeltag hatten sich für verpflichtet, ihrerseits für eint Kontrolle bet vergebenen Arbeit« zu sorge«. Zu diesem Zwecke sind die Ar­beit« beidm Berbänd« bekannt zu geben, damit fit die betefltgten Kreise uw Beteiligung auffordern können. Hauptverband und Kammertag werb« auf Ersuch« sich darüber äußern, ob eine in Frage kommende Hand- werketverei.iigmig Me Gewähr für ordnungsmäßig« Ausführung der Ätbeti« bietet Hauplverband und Sammettag werb« auch auf eine entsprechende Kon­trolle bet Ausführung der Arbeit« durch Vertrauens^ leute bedacht fein. Da» KriegSminiftertum hat diejs Vorschläge gebilligt und wird jährlich einen festen Prozentsatz bet zur Bekleidung und Ausrüstung de» Heere» notwendigst« Seg«fiände au HanSwerkerver« einigungen überweis«.

Der Deutsche Saflroirtetag in Braunschweig, der von etwa 4U0 Delegiert« aus all« Teil« des Reiche» besucht war, beschäfttgt« fich eingehend mit bet Bier» ft tuet der ReichSfinauzreform. Mau betonte, daß di« Befürchtung« bet Gastwirte, da- sie die Biersteuer nicht abwälz« könnte*, fich für tm flt berechtigt er- wies« hätte, da viel« Gastwirt« eie« Kampf auf Leben und Tod hab« auLfechteu müfi«*. Allein in Mtlin