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Sotationrdruckmrt Verlag der Fuldaer St« tiendruckerel in Fulda Fernsprecher Hr. s.

38. Jahrgang

Fulda, Montag den 12. Juni 19il

Erstes Blatt

JV8 132.

Plötzlich hebt ein langer, pfeifender Atemzug die arme, gequälte Brust. In größter Angst ruft Ruth die Wärterin, die eilig der Sterbenden ein paar be­lebende Tropfen einflößt. Dann liegt Polly still, ganz still da, die Schatten des Todes auf dem welken Gesicht, während ihr matter und matter werdender Blick beständig an Ruch hastet. Jetzt schließt sie die Augen. Ihre Züge erscheinen wächsener.

Leise zieht Ruch ihre Hand aus der der Sterben­den. Satin wendet sie sich der Tür zu.

„Wohin wollen Sie, Fräulein?" fragt die Wär­terin vorwurßvoll.

Ohne zu antworten, öffnete Ruch die Tür.

„Sie toerben eine Sterbende nicht verlassen! Das wäre schlecht von Ihnen — das wäre eine Sünde!"

„Sie erkennt mich ja nicht mehr, Frau Miller — und ich muß an die Luft; ich erstick' sonst."

Gleich darauf steht Ruch draußen in bet feucht­kalten Nacht. Der Rebel hat sich noch verdichtet. Die ganze Natur ist in undurchdringliche Finsternis ge- hüllt. — Ruch zittert am ganzen Körper. Die wider­sprechendsten Empfindungen toben in ihrem Herz«.

Was sie soebm aus dem Munde bet Sterbenden vernommen, erfüllt sie mit Grauen — mit Grauen vor sich selbst, mit Grau« vor dem Manne, den sie Gatten nennt, — jetzt weiß sie, weshalb Armin heut abend nicht zurückkehrte. Er hat Polly March aufgesucht und sich im Rebel verirrt. — Und jmseits des Fich-' tenwaldes, kaum eine halbe Stunde entfernt, gähnt ein Abgrund. Wenn Armin--

Ihr Blut stockt.

„Mag et sterben!" murmelte sie. „6t ist ein Ver­brecher. Er hat es verdient."

Auf ein« Baumstumpf sinkt sie nieder. Sie fühlt eine schreckliche Leere im bergen; jedes Fünkchen von Liebe zu Armin ist momentan erlosch«.

„Ja, mag er sterben!" wiederholt sie laut, fast feieäich. „Gottes Hand wird ihn straf«. Arme, arme Polly! Ins Grab wollte et sie hinabsteigen las­sen mit jener schrecklich« Gewissenslast. Mag er sterb«!"

Ruth springt empor und blich wild um sich. Ihre

Deutscher Reich.

** Berlin, 11. Juni 1911. Zwischen dem Kaiser und dem Prinzregenten von Bayern hat aii3 Anlaß deS Regierungsjubilänms ein Depeschen, wechsel stattgefunden. Dem Prinzregenten gingen außerdem von mehreren Bundessürsten und dem Reichskanzler herzliche Glückwunschtelegramme zu.

)( Zur Durchführung der NeichKversiche- rungsordnung. Im Reichsamt des Innern beginnen am 20. d. Mts. Beratungen zur Durchführung der ReichSverficherungSordnung. Die Beratungen beziehen sich einmal auf die Organisation der neuen Versicherungsbehörden und ihre Angliederung an die Landesbehörden. Ferner wird eS sich um die Ausstellung gemeinfamer Grundsätze für dreReorganisationderKrankenkaffen, die Abgrenzung der Bezirke für die einzelnen Kaffen, Orts- ‘ und Landlrankeukaffen handeln. Außerdem stehen eine ganze Reihe von Einzel, fragen zur Erörterung, wie beispielsweise die Regelung des Verhältniswahloerfahrens, die Festsetzung der ortsüblichen Tagelöhne usw. Auch die Herausgabe neuer Marken und Quittungs- karken für die JnvaliditSts» und Hinterbliebenen- Bersicherung dürfte auf der Konferenz erörtert werden.

* Konfessionelle Gehässigkeit in einem Unterrichts- buch. Im vorigen Jahre erschien hn Verlage von Dürr (Leipzig) ein Unterrichtswerkchen, das den Titel „Diktate zu den Paragraphm der Regeln für die deutsche Rechtschreibung" trägt und von Prof. Dr. L. Nagel, Oberlehrer in Berlin, verfaßt ist. Die »Oberschles. Ztg/ gibt aus diesem Werke sol- genden „Diktatstoff" wieder:

Ganz leise, wie aus tiefem Schlaf erwachend, be­ginnen die Spitz« der Fichten sich zu regen. — Dann weht es in langen Atemzügen die Zweige herab — erst vorsichtig, zitternd, dann mutiger. — Wie eine Theater-Kulisse schiebt sich die Nebelwand hinweg. Der Wind hat sie besiegt.

Nach wenig Minuten schon teilen sich die Wolkm. Hell und 3ar beleuchtet dec Vollmond die ganze nächt» liche Landschaft. — Mit gefaltet« Händen blickt Ruch um sich. Armin ist gerettet. In der klaren Mond- lischt wird er leicht ben Weg find«. Beruhigt kann sie nach Hause geben. —

Doch nein, sie will ihn sprechen — heute noch, so­gleich. Sie bliÄ um sich. — Dort hint« an der Lich­tung muß er herauskommen. Sie kennt einen schma­len Fußpfad, der ein großes Stück Weges abschneidet. Fhn will sie hinabeil« und Armin uni« erwart«.

Jetzt üemimmt sie auch in bet Ferne Fußtritte. Ihr Herz klopft zum Zerspringen.

„Ruhig!" murmelt sie, die Hand fest aufs Herz pressend. „Dich kann ich heute nicht gebrauch«. Die Stunde verlangt meine ganze Energie, meine Ver­nunft, mein Gewissen — aber nicht dich!" Ruhig also!"

Und schnell eilt sie ben Fußpfad hinab. Ihre Be­rechnung stimmt. Kaum trifft sie an der Lichtung ein, als auch schon Armin auf der Landstraße auftaucht. Grell beleuchtet der Mond sein auffallend bleiches Gesicht.

Unbeweglich steht Ruch da, den langsam Näher- kommend« erwartmd. Ein Ausdruck der Erleichte­rung huscht über seine gespannten Züge.

„Schch, bu hier? Du suchtest mich? Das ist brav. Dieser schreckliche Nübel! Wer weiß, wo ich jetzt steckte, wenn nicht jener rettenbe Wind — — Aber bu bist durch und durch naß", unterbricht er sich plötzlich. Wo warst du?"

„Bet Polly March. — Rühre mich nicht an! Laß mich sprech« I Ich weiß alles — alles. Du wirst das Testament nicht erhalt«. Heute nacht noch ver­brenne ich es!"

(Fortsetzung folgt,)

Füße glitschen auf dem feucht«, von Fichtennadeln bedeckten Boden aus. Schlapp hängt das dünne, naffe Grmadmekleib um ihre vor Kälte zitternden Glieder.

„Gott hat dm Nebel gesandt, um die Welt von einem schlecht« Menschen zu befrei«", murmelt sie. „Morgen wird man ihn tat finden — dort unten — mit zerschlagenem Körper —"

Sie schaudert. — Süße Erinnerungen schleich« sich in ihr Herz, ach, Gerinnetungm. —

„Morgen wird man sein« falten Körper dort unten finden!" wiederholt sie heiser. Dann lacht sie leise auf — ein eigentümlich schrilles, fast irres La­chen.

Sie erschrickt vor diesem Lachen. Hastig greift sie an den Hals. Ein blaues Band wird sichtbar — und an dem Bande blitzt ein schmaler, goto«et Reif. Lange blickt sie dm Ring an. — Plötzlich drückt sie ihn leidenschaftlich an die Lipp«.

„Rein, nein, du sollst nicht sterb« t" stöhnt sie auf. „Bei diesem Ringe schwöre ich, daß ich dich rette ober mit dir sterbe!"

12. Kapitel.

Langsam vorsichtig tappt Ruth wettet. — Ach, auch sie hat dm Weg verlor«! Sie fühlt nur, daß sie bergab geht Wohin — sie weih es nicht.

Eine tödliche Angst überfällt sie. — Angst nicht für sich, fonbern für Armin. Wie soll sie ihn finbm, wie ihn vor einem Sturz in jenm graumvollm Ab­grund bewahr«, wenn sie selbst ziellos, verirrt im RckA hemnttappt! Sie sinkt in die Knie.

„O, mein Gott, mein Gott, bott brob«, höre mich!" sicht sie mit emporgeftrecktm Händen. „Laß mich ihn finden! Et darf noch nicht sterben; er ist noch nicht reff für dein himmlischer Reich! O, mein Gott, rette, rette ihn!"

Roch einige Augenblicke verweilt sie unbeweglich in dersÄbm Stellung. Dann erhebt sie sich langsam. Ihr ist, als ob ein linder Hcmch ihre Wange berühre.

Mit üorgebeugtem Oberkörper, die Hand am Ohr, steht sie atemlos lauschmb da.

„Der Wind, der Wind!" sichelt sie aus. „O Gott, ich danke dir!"

Vie Nacht der Gewissens.

18] Roman von Erich Friesen.

„Was — was wollte er nicht? Was drückt dich, Polly?" fragt Ruth mit stockendem Atem.

„Ach, ich dats's ja — nicht sagen. Ich muß mein Verbrechen — mit mir nehmen — ins Grab. O, eS ist hart - hart

Heftige Atemnot überfällt die Kranke. Ruth fürchtet jeden Augenblick, der Tod werde eintreten.

Doch nein. Noch einmal flackert die morsche Le- bmskrast auf.

„Gib mir — die Hand, Kind!" murmelt sie. „So. Und nun mußt du — mir etwas — versprechen."

Feuchtkalt, wie die einer Totm, liegt die dürre, Verrunzelte Hand zwischm Ruths kräftig«, warmen Fingern.

Die Lipp« der Alt« bewegen sich. Ruch beugt sich nieder, um besser versteh« zu könn«. Ihr Ant­litz ist ebenso bleich wie das der Sterb«den.

„Ruth, mein Kind — ich mach' mir nichts draus, was er — sagt. Ec kommt nicht wieder, er _mitb mich — nicht mehr ängstig«. Ich habe meine Seele — dem Bösen verkaufen müssen — weil — er eS wollte. Aber — du, mein Herzblatt, du — sollst nichts damit — zu tun haben. Um deiner ewigen — Seligkeit willen — du darfft das Testammt nicht ftn- dm! Hörst du — du darfft — es nicht find«!"

„Ich habe es schon gesund«", fällt Ruth traurig ein, „heute erst — im Gebeimzimmer, in —'

„In der Truhe — im linken, unter« Fach — ja ja", nickt die Alte aufgeregt, „genau dort, wo ich — eS hingelegt habe."

Ruth springt empor.

„Wo du es hinlcgiest, Polly? Du?"

„Ja, wo ich es — hinlegte — well er eS — so wollte. Wenn dir dein Seelenheil — lieb ist, Kind, so — vernicht' das Testament — vernicht' es — sag' ich!"

In immer steigender Aufregung, fast kreischmd ringen sich die Worte von Pollys todesbleichm Lipp«.

Die Leichenverbrennrmg im Herrenhause

Das Brenngesetz droht durchzugehen. Die I u st i z k o m m i s s i o n des Herrenhauses, bte am Samstag die Beratung des Gesetzes begonnen hat, nahm den Entwurf ind er Fassung des Abgeordnetenhauses au.

Wenn auch das Plenum so denkt, dann ist das Gesetz fertig. Nur wenn das Plenum noch irgend eine Aendernng beschließen sollte, käme der Entwurf von neuem im Abgeordnetenhause zur Abstimmung, und die christlich gerichteten Abgeordneten könnten dann versuchen, durch lückenlose Anwesen­heit die Zusallsmehrheit von zwei ganz« Stim­men, die im vorigen Monat das Gesetz „gerettet" hat, in eine Minderheit zu verwandeln. Aber die Li­beralen und Gouvernementalen im Herrenhaus werden sich wohlweislich hüten, noch eine Aendernng zu beschließen. Sie bringen schnell das Gesetz in der ihnen angebotenen Form zum Abschluß und pehmen auch die Klausel der Zweidrittelmehrheit für kommunale Lcichenvfeugründungen in den Kauf, um nur erst mal Bresche zu hgeit in die christliche und volkstümliche Sitte. Der günstige Augenblick, das Gesetz zu verwerfen, ist im vorigen Monat ver- paßt worden; er wird wohl nrcht wiederkehren.

Das Zustandekommen des Gesetzes ist ein Tri­umph des Liberalismus und der So­zialdemokratie. Wenn auch die Regie­rung stolz und froh ist, fo kann sie von allen denen, die sie jemals als „schwarzblau" oder „reaktionär" verschrieen hat, Abbitte verlangen. Noch unange­nehmer ist freilich die Ueberraschttng, welche uns der linke Flügel der Konservativen bereitet hat. Man sicht leider, daß die preußischen Kon­servativen auf dem Gebiete der materiellen Interessen mehr Klarheit, Kraft und Einigkeit haben, als auf dem Gebiete der idealen Inte­ressen. , . ,

Aus den Verhandlungen der Justtzkommission des Herrenhauses bringt die „Kreuzztg." nachstehen­den kurzen Bericht:

„Wenn von einer Seite betont wurde, daß bte großen Städte mit den vorhandenen Friedhöfen nicht austommen könnten, wenn nicht eine andere Be- stattungsart ermöglicht werde, zumal man in manchen Orten bereits nach 20 bis 30 Jahren an eine andere Benutzung der Gräber schreiten müsse, — so wurde »och auf der anderen Seite hervorgehoben, daß man durch dieses Gesetz tief ungtetfe in die religiösen, sitt- lichel, und ästhetischen Gefühle im Volke. Die Leichen- Verbrennung werde immer mit bedenkenden Kosten ver­bunden sein und ein Privilegium der Wohlhabenden bleiben."

Sonst setzen die Verwaltungen der Großstädte ihren Stolz darin, die schwierigsten Ausgaben in Grnnderwerb, Bauten, Parkanlagen re. trotz der riesigen Kosten mit Wagemut und Findigkeit zu lösen. Und nun soll ans einmal die Beschaffung Von Begräbnisplätzen den Großstädten nicht mehr möglich sein! Für jeden unbefangenen Kommu­nalpolitiker müßte gerade diese Aufgabe einen befonderen Reiz haben, da die Anlage von Fried­höfen und Verkehrsmitteln nach Friedhöfen an die Peripherie ein fortwährend im Werte steigendes Gegengewicht gegen die dichte Bebauung bietet. Aus dem oberbürgermeisterlichen Bedenken spricht pur die Vorliebe für die fteimanrerifche Vcrbren- gmngssitte.

Nicht nur die religiösen, sittlichen und ästhetischen Gefühle werden verletzt, fondern auch die sozia-- len. Die Einheit der Bestaitungs art, die bisher Reich und Arm, Stadt und Land, alle Konfessionen und Parteirichtungen gleichmäßig um- spannte, wird nun durchbrochen. Das „Privilegium

ohlhhabenden" wird zugleich eine De- monstration der „Aufgeklärten". Weim die Sozialdemokratie den protzigen Sport der „Wohl­habenden" bestätigt, so handeln sie in ihrer Art zielbewntzt. Sie hat gegen das Christentum emen

Rheinprovinz war. Kleist war strentzgläubiger Pro­testant und «tschied«er Gegner des Freimaurerordens und seiner Geheimniskrämerei, von PeterSdorff fagt in seiner Lebensbeschreibung von ihm:,

„Schon in den ersten Jahr« sein« Verwaltnngs- tätigfeit am Rhein machte Kleist die Beobachtung, daß die Freimaurer sich gegenseitig in sehr nachdrücklicher Weift unterstütz« und empfehl«, auch da, wo eine Emvfehiuug ganz unangebracht war.. .. Das empfand K!«Ü lästig, und so verkangte er nach einem Schrift, wechsel mit dem Minister des Innern Einreichung der chemischen Mügliederliftm, damit er sich geg« das System der Protettionierung vorseh« könnte." Dar­über beschwerten sich einige Logen bei ihrem Protektor, -dem damaligen Prinz« Wilhelm von Preußen. Außer­dem hatte Kleist eine scharfe Auseinandersetzung mit dem Minister des Inne« v. Westfalen, der ihm fein «erhalt« gegenüber den Log« verwies. „Steift legte in eingehender Denkschrift dar, daß di» rechtliche Fun­dierung dieser geheim« Gesellschaften recht zweifelhaft sei und daß die jüngste Vorgeschichte einzelner rheinischer Logen in der Tat starke Siebenten Hervorrufe. Er be­stand darauf, daß et als Oberpräfldent amtlich von den Miigliedern dieser rheinisch« Logen Senntuiä er­halten müsse." Und in der Tat ruhte Kleist nicht eher, als bis er die regelmäßige alljährliche Vorlegung der List« durchgesetzt hatte. (S. 286 ff.)

Diese Schilderung und bas oben angeführte Zeug­nis Bismarcks bim« zur Befestigung bes Rusts, in dem die Freimaurerei steht. Eine Aufforderung und eine Frage möchtm wir hier anfnüpfen: 1. Man ver­gleiche die ungestörte Ruhe, mit der die Log« ihre der Oesienklichkeit verborgene Tätigkeit aus üb« tonnen, mit den Belästigungen, ben« bie in aller Oeffentlichkeit unb segensreich wirkenden katholisch« Orden ausgesetzt sind. 2. Sollte nicht ein innerer Zusammenhang bestehen zwischen der gehei- m« gegmfertigc Förderung der Bruder und dem schreiend« Mißverhältnis, das in dem Antell bet Konfession« an den gehobenen Stell« im Staate unb anderswo existiert, derart, daß die bestehende Impari­tät wenigst«? zumteil auch eine Wirkung jener Ur­sachen ist?

„Ein Adi ist das Oberhaupt eines Mönchsklosters. DaS Wort Abt bedeutet gerade wie Papst, urfptüng. lich Vater. Zu den höheren Geistlich« zählen heute auch die Pröpste. Anfangs waren diese Laien und Verwaltet größerer Vermög«. Die Klosterpröpste führten besonders die Aufficht über die zu den Klöstern gehörigen Ländereien. Auf dies« wurden Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Raps, Erbsen, wohl auch Mais und andere Früchte geerntet Die Mönche waren auch gescheite Obstzüchter. Der Herr Propst,, oft fo kugelrund wie sein verhätschelter MopS, ließ sich im Herbst wohl manchmal in einer Sänfte durch die Obüplantagen trag« und freute sich dann über dm hübschen Anblick der prangmden Aepfel und Bim«. Der Propst hält auf ein« guten Tisch. Drum freut sich bet Herr Abt stets, wenn et von ihm eine Einladung erhält Gr weiß, daß ihm nicht Heringe, Erbs«, Klops ober ähnliche derbe All- tagsspetsen vorgesetzt «erden. Auf der Tafel- die zahl­reich« Kerzen auf Leuchtern aus Gips erhellen» et» scheinen vielmehr hübsch rote Krebse, Wildbret, Eutenbraten,Rebhühner„Kalbsbrate» und cmdere schmackhaft bereitete Gerichte. Zum Schluß des Mahles werden Butter und seiner Käse in Kapseln, dazu weißes Weizenbrot und Obst in Körben gereicht. Auch ein« gute« Trunk liebt der Propst wie bet Abt. I» seinem Keller lagert auf grob behauen« Gestell«manch' Käßlein echtenRheinweines, den ftlbst ein Kaiser nicht verschmähen mürbe."

Dte Gehässigkeit, die in diesem Diktat gegen bie katholische Geistlichkeit unb damit auch gegen die katholische Kirche geübt wird, ist so ausgesucht, daß sie nur auf eine böswillig« Absicht zurÄck- geführt werden kann. Wie mag es erst cm Unter» richt des Herrn Prof. Dr. Nagel bei Besprechung religiöser oder konfessioneller Verhältnisse aussehen!

** Wie bte „Freiheit" unserer Liberale« in bte Praxi- anHeht, das verrät in strahlender Belrnch» tung ein Artikel von Professor Dr. S. Günthev» München in der »Franks- Btg/ (Rr. 154), der sich mit der Entwicklung Mexikos bis gut neuerlichen Revolution besaßt. Es heißt nämlich dort u. a. ganz unverblümt:

Mit der Cavourschen Divise „FreieKirchetm freien Staate" hat man Ernst gemacht, unb es bestcht sogar bie Verordnung daß kein Geistlicher im Ornat oder MSnchsgewand außerhalb der Kirch« oder deS Klosters sich $etgen darf.

Fürwahr eine prächtige Freiheit, dte eS gcmz ■ in der Ordnung findet, wenn die „freie Kirche im freien Staate" so ausgefaßt wird, daß kein Geist­licher im Ornat oder Möuchsgewand außerhalb der Kirche oder des Klosters sich seh« lassen darf! Hier > haben wir wieder ein Musterstück des „Liberalismus", wie dieser sich betätigt, re tun er bte Herrschaft gewinnt.

--- Vo» der Saar, 10. Juni 1911. Die Be­hörde hat nunmehr auch die Fronleichnams« Prozession in Friedrichsthal genehmigt, unb zwar mit den einschränkenden Bedingungen, daß die Genehmigung für dieses Jahr versuchs­weise geschehe, daß die Hauptstraße nicht benutzt werde unb daß bte Prozession in der Zeit von 5.30 bis 7.30 Uhr morgens gehe. — Em Krieger­verein darf natürlich am hellen Mittag, zurzeit des größten Verkehrs, durch bte Hauptstraßen ziehen, aber unser Herrgott muß sich mit abgelegenen Seitenstraßen begnüge« unb muß auch die Straßen geräumt haben, wenn der Herr Landrat aufzustehen geruh«.

** Tas elsaß-lothringische Zentrum

Straßburg, 11. Juni 1911. Di« heute zu einer außerotbentlichen Sitzung embentfenen Delegierten ber elsaß-lothringische« Zentrumspartei berieten über bas zukünftige Parteiprogramm, wie es sich burch die neue Verfassung gestalten könnte, und faßten schließlich folgende Resolution:

„Der $elegietieniug der elsaß-lothringischen Zen­trumspartei verurteilt aufs schärfste bie abkehnenbe Haltung, die die ReichstagSfraktto» des Zentrums feinen Beschlüssen, in Sachen der Verfassungs­reform Elsatz-Lothringens hat angedeihen lassen, und beschließt: 1. den Reichstagsabgeordneten Delfer, Haus, Ho«, Dr. Ricklin, WetterlS, Dr. Will unb Wilt-

Die allmächtige» Freimaurer.

In einem Artikel der „St. V." wird mit Recht auf die „weitgchendste gegenseitige Hilfeleistung" der Frei­maurerei und bie damit in Zusammmhang stehend« Begünstigung« unb Bevorzugungen aller Art hinge­wiesen. ES liegt im allgemein« Interesse, diese „brü­derliche" Hllfeleistung im Auge zu behalt«, zumal sie selbst notorisch ganz Unwürdig« zuteil geworden ist. Ein« bemerkmswertm Fall erzählt Fürst Bis­marck in seine« Erinnerung« Im Jahre 1859 sollte Guido von Usedom zum Bundestagsgesandten ernannt werd«. Bismarck war dagegen, weil der betreffmde „unklar liberal unb mehr cmekdotenerzcchlender Höf­ling als Staatsmann sei." In einer Unterredung mit Wilhelm I. äußerte er: „Usedom ist ein Brouillo«, kein Geschäftsmann. Seine Instruktionen wirb et von Ber­lin erhalt«; an chre gewissenhafte Ausführung glaube ich bei Usedom nicht." Dann führt Bismarck fort:

„Gleichwohl wurde er nach Frankfurt ernannt. Daß ich mit meinem Urteil nicht Unrecht getan, bewies fein späteres Verhalten in Turin und Florenz, (von, llfebom war 1863 bis 1869 Gesandter beim italienischen Hof.) Er war Wochen und Monate von fernem Po- fien abwesend, hinterließ Blanketis, auf welche die LeaalionSsekreiäre Berichte schrieben: fo gelangt« an das Auswärtig« Amt Berichte mit seiner Unterschrift übet Unterredung«, die er mit dem italienischen Mi­nister gehabt habcn sollte, ohne daß er diese Herr« in der betreffenden Zeit gesehen halle. Ader er war ein hoher Freimaurer. MS ich im Februar 1869 die Abberufung eines so unbrauchbar« und bedenk­lichen Beamten verlangte, stieß ich bei dem Könige, der die Pflichten gegen die Brüder mit einer fast religiösen Treue erfüllt«, auf einen Widerstand, der auch durch mehrtägige Enthallung von amtlicher Tätigkeit nicht zu überwinden war und mich zu ber Absicht brachte, meinen Abschied zu erbitten . . . Usedom wurde zur Disposition gestellt. Se. Majestät überwand tu diesem Falle die Tradition der Verwaltung des künigkichen tausvermögens so weit, daß er ihm die finanzielle ifferenz zwischen dmr amtlichen Einkommen und dem Waclegelde ans der Privatschatull« regelmäßig zahlen ließ."

Soweit Bismarck. (Gedank« und Erinnerun- gm I, 203 ff.) ES ist vielleicht außerdem noch inter­essant, daß berfelbe „unbrauchbare und bedenkliche Be­amte" nach feiner Entlassung aus dem diplomatisch« Dienst von 182 bis 1879 Generaldirektor der fönigll chen Museen gewesen ist.

Wir empfehlen diese Zeil« haupffächlich der Be­achtung jmer Geister, die so gern das Märchen vorn „römisch« Joche" kolportteren, um S. la Usedom eht um fo behaglicheres Parasitendasein hn Schutze ber Kelle führ« zu können.

Emm interessant« unb lehrreichen Beitrag zu die­sem Kapstel liefert auch der Biograph des pommerschm EdelmcmneS und Freundes Bismarcks, v. Kleist- Retzow, der von 1851—1858 Oberprafidmi der

noch größeren Haß, als gegen den Kapitalismus, und sie wird zweifellos ihren Einfluß geltend machen, um auch bie breiten Volksschichten den christlichen Friedhöfen zu entfremden und den neu- heidnischen Urnenhallen zuzuführen. Wenn nun liberale Magistrat- unb Stadtverordneten- Mehrheiten ihre Macht und die Geldmsttel der Steuerkaffe ebenfalls dazu benutzen, mit möglichst viele Leiche» für den Brennofen zu gewinnen (an­geblich behufs Erspart an Grabland), so haben wir einen schönen „Großblock" zur Ausrätmtung einer alten christlichen Sitte. Bei der Erziehung der Jugend, in der Schulfrage, hat sich derselbe antichristtiche Großblock schon mehrfach bestätigt. Er will mm nicht bloß die Lebenden, fonbern auch die Toten für sich eiufangen.

Ob dte christlichen Mitglieder des Herrenhaufes schließlich nicht noch dem gefährlichen Vorstoße der liberal-sozialdemokratifchen „Aufllärung" Wider­stand leisten werden? Es ist dringend zu wünschen, aber kaum noch zu hoffen.