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Zeitung

xiSSä?öÄ«- Wochenbeilase: .Illustrierte Soimtagrzeitung"

38. Jahrgang

Fulda, Samstag den 10. Juni 1^11

Erstes Blatt

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ttotationsdruckund verlaß der Luldaer Ak- llmdruckerei in Zulda Fernsprecher Nr. 9.

««»rt-e«: Vit et» fpattigepetitzeUead« deren Hama <5 Pf-. 8eNa«eUdrePtttt;eU« pfg., der Meder- yolnngen wird entfpr.

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monatsMiage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

uldaer

Deutsches Reich.

Berlin, S. Juni 1911. Kaiser Wilhelm wohnte Freitag in Döberiy dem Scharfschießen des 1. Garde-Regiments zu Fuß bei. — Das Befinden der Prinzen Joachim bessert sich mit jedem Tag. — Dem .Reichsanzeiger" zufolge find 3 7 Regie« rungSassessoren der allgemeinen Etaatsver- waliung zu Regierungsräten ernannt worden. Sie gehören dem Assessorenjahrgang 1903 an, der damit erschöpft ist. Zum Vergleich sei bemerkt, daß in der Justizverwaltung kürzlich erst die Amts- und Landrichter, die in der ersten Hälfte des Jahres 1897 GerichtSassefsoren ge­worden sind, zu Räten ausgerückt find. — Außer dem Kronprinzen als Vertreter des Kassels nimmt auch Prinz Heinrich von Preußen an der Krönungsfeierlichkeit des Königs Georg von England teil. — Der Wirtschaftliche Ausschuß ist vom Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück zum 13. Juni behufs Erörterung der deutsch-japanischen Handelsbeziehungen einberufen worden.

** Tas bayerische Regentschaftsjubilaum. Heute ist ein Vierteljahrhundert seit dem Tage verflossen, gitbem Prinz Luitpold, des Königreiches ayern Verweser, die Regentschaft übernommen hat.

Die ,Rordd. Allg. Ztg/ schreibt dazu:

„Mit 65 Jahren zur Leitung des bayerischen rundes berufen, hat Prinzregeut Luitpold mit milder aber fester Hand die Zügel der Regierung geführt. Die ihm von seinen Bayern entgegengebrachte ver­ehrungsvolle Liebe bekundet in unzweideutiger Sprache, da? sein Volk ihm herzlichen Dank weiß für die Art, wie er das ihm anvertraute hohe Gut bewahrt und verwaltet hat. Von den Tagen an, die den Prinzen Luitpold an der Seite König Wilhelms von Preußen auf blutgetränkter Wahlstatt für die Einigung des deutschen Volkes wirken sahen, bis zur jüngsten Feier zum Gedächtnis der Errichtung des deutschen Reiches, immer hat sich Prinzregeut Luitpold als treuer För­derer des Reichsgedankens bewährt. Aus warmem Herzen bringen im Verein mit den Söhnen des Bayern- landr- die Deutschen aller Stämme dem ehrwürdigen Fürsten aus dem Hause WttlelZbach zum heutiger: Tage Glückwünsche dar."

♦* Tas Kommnnalstenerprivileg der Beamten. Man sckzreibt verschiedenen Blättern:

Durch die im nächsten Jahr dem Landtage vorzu­legende Novelle zum Einkommensteuergesetz soll auch eine Härte beseitigt werben, welche durch die Auflegung des 8 8 des Einkommensteuergesetzes durch das Obec- verwaltungszericht für einen Teil der Beamtenichast entstanden ist. Nach dieser Entscheidung des Oberoer- waltungsgerichts vom Dezember 1998 werden bei der Emkommenstetrerveranlagung Hypothek--^zinsen von dem Gesamteinkommen abgezogen, während sie tatsächlich als Wrrbungskosten vom Ertrage des Grund­stücks in Abzug gebracht werden müßten Hierdurch ist namentlich für untere und mittlere Beamte, die sich im Besitz von hypolhekar-sch belasteten Grundstücken befinden, der Vorteil des Kommunalsteuerprivllegs nahezu illusorisch geworden. Die Regierung erkennt diese Härte als unbillig an. Da ihr jedoch eme Einwirkung auf die Stellungnahme des Oberverwaltungs­gerichts nicht zusteht, soll die Regelung durch die No­velle zum Einkommensteuergesetz im nächsten Jahr be­wirkt werden.

= Die Fortschrittliche Bolkspartei feierte am gest- eigen 9. Juni die 50. Wiederkehr des Tages, an dem das Programm der am 6. Juni 1861 gegründeten Deutschen Fortschrittspartei in Form eines Wahlauf­rufs veröffentlich)! worden ist. Um wenigstens etwas zu tun, veranstaltete zur Erinnerung daran die Fort- schrittliche Volkspartei in Berlin einen Festkom- m e r s.

X Ter freisinnige Abg. Dr. Müller-Meinin­gen hatte sich bei den Reichstagsverhandlungen über die Strafrechtsreform für die Erweüelung des Laienrichtertums ausgesprochen. Dar­über waren feine Kollegen ergrimmt und Land- gerichisrat Hnssong in Deggendorf schüttelt ihn in der „Deutschen Richterztg." wie folgt ab:

Ja, was kann es begreiflich machen, daß ein Richter sich zu uustren geborenen Feinden ge­sellt hat und seine ganze Eck ar mit sich zieht ? Was mildert die Schmach, die für alle Richter Deutsch­lands darin liegt, daß sich einet, der angeblich zu uns gehört, so aufdringlich in die erste Reihe der Käm­pen stellt, die mit Verkehrung der Natur und BolkS- heitsseindschast gegen uns wüten? Was mildert die Schande, die glühende Scham, den bren­nenden Zorn, daß er sich förmlich hervordrängt, die Fahne gegen uns zu tragen ?

Das war Dr. Müller-Meiningen, dem be­liebten Kniltelversdichier des Reichstages, zu bunt. Er schüttelte den Staub des RichterbundeZ von feinen Füßen und trat aus. Pikant nmb der Fall dadurch, daß Landgerichtsrat Hussong ein eifriger Parteigänger von Dr. Müller-Me:«un- gen ist.

, )( Ter Hansabimd hat schon wieder eine Absage er­halten. In Neustadt v. H. lehnte der Derbands- tag der pfälzischen Gastwirtevereine einmütig den beantragten Anschluß an den Hansabund ab tntt der Begründung, daß die Gastwirte sich nicht in die Politik einmischen dürften.

* Koblenz, 9 Juni 1911. Heute vollendet der LandtagsabzeordwteJ n stizratEduardMüIler- Kobkenz fein 70. Lebensjahr. Am 9. Juni 1841 zu Bonn geboren, wirkte er seit 1866 als Rechts­anwalt in Koblenz, woselbst er auch als Beigeord­neter und Stadtverordneter tätig ist. Obwohl er erst seit Oktober 1905 als Vertreter des Wahlkreises Koblenz-St. Goar dem preußischen Abgeordnetm- banfe angehört, hat fein : ame nichr nur in der Rheinprovinz, sondern auch int weiten deutschen Vaterkande und darüber hinaus einen guten Klang. Gehört doch der Jubilar nicht nur zu den hoch­verdienten Veteranen der Zentrumspartei, sondern auch zu den Führern des katholischen Deutschland, und auf den Generalversammlungen der Katholiken Deutschlands ist er vielen Tausenden näher getreten. Die Generalversammlung der Katholiken Deutsch­lands von München im Jahre 1895 wählte ihn zu ihrem ersten Präsidenten. In seiner rheinischen Heimatprovinz ist er auch als Mitglied des Pro-

vinziallandtageS tätig. Wiederholt ist er auch im preußischen Abgeordnetenhause als ein sachkundiger und gewandter Redner aufgetreten, zuletzt bei den Verhandlungen über das Äichenverbrennungsgesetz, wo er den Antrag gestellt hatte, die fakultative Feuerbestattung nicht den Gemeinden zu übertragen, sondern den Privatpersonen unb privaten Vereini­gungen zu überlassen, ein Antrag, bet hoffentlich bei ben bevotstehenben Verhandlungen im Herren- Hause wieder ausgenommen unb bann zur Annahme gelangen wird, wenn nicht, was wir in erster Linie wünschen, das ganze Gesetz scheitern sollte.

4- Straßburg, 9. Juni 1911. Zur Frage der Wiederherstellung einer elsaß-lothringischen Gruppe ist zu melden, daß in Kiesheim, im Wahlkreise des Zm- trumsabg. Vonderscheer von einer Zentrums- wählerversanunlung ein Vertrauensvotum für Donder- scheer angenommen wurde, in dem diese Wähler das Vorgehen ihres Abgeordneten rückhaltlos billigen, der sich in Übereinstimmung mit der Zentrumsfraktion des Reichstages mit einem Teilerfolg begnügte. Dies ist die erste Aeußerung der Wähler des Herm Vonder­scheer, auf deren Entrüstung über ihren Abgeordneten Herr Wetterlö sicher gebaut bat. In dem Kolmarer Blatte des Abg. Wetterlö soll zu lesen gewesen sein: Das Reich wird ganz verflixt wenig Freude erleben an dem Keinen Kerl in der Südwestecke des Reiches. Die sranzösischen Patrioten brauchen nicht zu trauern, als ob nun die Dinge in Elsaß-Lothringen in Friede und Gemächlichkell versumpften". Mit einer derartig kurzsichtigen und unbesonnenen Polüik kann man dem Lande nur schaden, nie nützen. Wer es gut mit Elsaß- LoHringm meint, der geht nicht Hand in Hand mit Leuten biefeS Schlages, deren ganze Weisheit die Ver­neinung ist, sondern ec sucht das Dargchotene nach besten Kräften für das Land zu benutzen und den Be­weis zu liefern, daß es reif ist für weitere Zugeständ- niffe. Wir zweifeln auch gar nicht, daß die große Mehrheit der Bevölkerung sich in nicht zu langer Zeit mit der neuen Verfassung abfinden und die Schürer der Unzufriedenheit im Stich lassen wird. Wir rech­nen darauf, daß Vernunft und Klugheit schließlich doch dm Sieg davon trägt und nicht Verärgerung und Ver­stimmung. Wer in diesen Tagen einen Blick in die gegnerische Presse wirst, der muß uns erst recht bei- pflichten. Blätter aller Parteien erklären, daß eine neue Partei keine Berechtigung hat, daß sie ein Un­ding ist und nur dazu dient, eine ungeheure Verwir­rung in das Land zu tragen. Nur die Alldeut­schen, welche Elsaß-Lothringen als Festungsglacis behandelt wissen wollen und mit den Konservativen zu­sammen die jetzt gemachten Zugeständnisse entschieden bekämpft hadm, begrüßen die beabsichtigte Gründung mit Behagm und sagen spöttisch, die nachgiebige Po­litik der Regierung mache bereits jetzt Fiasko, da an Stelle der erhofften Annäherung Eksaß-Lochringens an das Reich der ärgste Separatismus in's Kraut schieße. Darüber kann gar kein Zweifel bestehm: die 15 Abgeordneten, die Elsaß-Lothringen in dm Reichs­tag schickt, Kinnen die Interessen und Wünsche ihres Heimatlandes nicht besser zur Geltung bringen, als durch ben Eintritt in die gesinnungsverwandten großm Fraktionen, wo sie die notwmdige Unterstützung für ihre berechtigten Bestrebungen finden. Sollten die elsaß-lothringischen Wähler das im nächstm Winter noch nicht erftmnt haben, sondern durch den Aufruf von Blummchal und Genossen sich auf den Jsolierschemel locken Taffen, nun, so müssen sie durch Schaden klug werdm. Bei den folgenden Wahlen wird schon der gesunde Menschenverstand über die hohlen Phrasen siegen.

Ausland.

** Die belgische Mimsterkrrsis sst noch nicht gelöst, da auch der mit der Rmbildung des Kabinetts be­traute Finanzminister Libaert diese Aufgabe nicht übernehmen wollte. Der König hat darauf den Eisen- bahnmmister de Brocqueville dazu aufgefor­dert. Dieser übernahm schließlich nach andcrthalbstün- diger Konferenz mit dem König die Kabinettsbildung. An einem Demonstrationsumzug der ver­einten jungen Garde der Liberalm, der Studmim der Brüsseler Universität und der Sozialistm beteilig- ten sich vorige nacht über 5000 Personen. Mit Ban­ner und Musik bewegte sich der Zug durch die Altstadt. Der Mob schrie: „Nieder mit den Klöstern! Rieder mit den Ultramontanen." — Die belgische libe­rale und sozialdemokratische Presse jubelt, daß das Schulgesetz durch das Eingreifen Woestes einstweilen begraben ist. In den katholischen Blät­tern dagegen kommt der Unmut über das Verhal­ten Woestes in bitteren Worten zum Ausdruck. Das minsterielle Vingtitzme Sitzcle bringt einen scharfen Artikel gegen ihn. Woeste hat sich mit Erfolg be­müht, so schreibt das Blatt, die Rechte zu spalten. Sein Verhalten wird mit einem Dolchstich von hin­ten verglichen. Die katholische Partei gehe mit schweren Wunden aus diesem Abenteuer hervor, würden die belgischen Katholiken darüber ihr Urteil sprechen, sie würden zugleich wissen, was sie von dem verantwortlichen Urheber dieses Unglücks zu halten haben.

* Protest gegen die „Wahlen" in Portn-al. Henrique de Paiva Conceiro, einer der angesehensten republikanischen Männer Portugals, schleudert der gegenwärtigen portugiesischen Pöbelregierung einen flammenden Protest ins Gesicht. Es heißt in diesem Protest:

„Jin Namen der große» Mehrheit der Wähler und im eigenen Namen erkläre ich, daß wir den sogenannten Wahlen zu den konstituiermden Cortes absolut keinen Wert »uerkenneu. Wir sprechen diesen sog. Wahlen jeden Wert ab, weil auf dem portugiesi­schen Boden alle Garantien der Freiheit, sowie alle jene Bedingungen ab geschafft sind, welche in allen Ländern bet jedem Regierungssysteme als Grund­bedingung zur Durchführung von Wahlm gelten. Was die Preßfreiheit anbetrifft, erklärte die sog. Regie­rung, leine Verantwortung für die Verteidigung der­selben übemehmen zu können. In der Tat wurden beinahe alle nicht republikanischen Zeitungen im ganzen Lande und »war aleich nach Etablierung der sog.

Regierung der „Republik" das Opfer der plündern­den Revolulionäre. Diese Zeitungen find heute noch von Regierungswegen suspendiert. Was die Freiheit der Propaganda, daS Versamm­lungsrecht und die Redefrecheit betrifft, so wurden diese durch sog. Ausnahmegesetze ganz ab geschafft. Anderseits diktierte die sog. Regierung ein sog. Wahl­gesetz, welches den Delegierten der sog. Regierung alle Willkürlichkeiten und Betrügereien erlaubt. Diese Delegierten stnb es gewesen, welche im Geheimen bie Wählerlisten anfertigten unb für bie es natür­lich keinen Rekurs gab. Auf diese Art wurden alle Garantien tlluso risch gemacht. Es gibt auch keine Möglichkeit, an die Gerichte zu appellieren, denn die sog. Regierung hat tatsächlich die Unabhängigkeit aller Staats- und Gerichtsgewalten abgeschafft, indem sie die unabhängigen Richter versetzte oder ins Exll schickte. AuS alledem ist zu ersehen, daß jetzt keine Wahlen in Portugal stattsanden. Die portugiesische Regierung setzt dem Lande ein Parteiparlament vor in dem Momente, in welchem das Land das Recht hat, eine Nationalversammlung zu verlangen. Diese Regie­rung erbringt dadurch den evidenten Beweis, daß sie das Bolkswahlrecht fürchtet. Auf diese Art vernichtet sie durch ihr eigenes Handeln bie Grundlagen ihrer politischen Existenz.

Dieser Protest Conceiros wird, so bemerkt hierzu das Wiener „Vaterland", nicht verfehlen, in der ganzen gesitteten Welt gehört unb beachtet zu wer­den, denn Hauptmann Conceiro, der Schwiegersohn des portugiesischen Gesandten in Wien, steht in Portugal selbst bei den Republikanern in größtem Ansehen. Paiva Conceiro war fast der einzige königstreue O fizier, der in den Tagen der Oktober- reoolution dem allgemeinen Debacke energischen Widerstand entgegenzusetzen versuchte. Er verlangte darauf seine Entlassung, sie wurde ihm aber ver­weigert. Von Conceiro schrieb (am 20. April) selbst die freisinnige „Vossische Zeitung", baß er im „Rufe der Heldenhaftigkeit" stehe, der von den Republi­kanern selbst genährt werde, die „an der Glut dieses Patrioten das Feuer ihrer eigenen Taten zu entflammen" versuchen. Als Paiva Conceiro ein» sah, auf welch' verwerflichen Bahnen die Republik wandle, richtete er im März dieses Jahres einen Appell an bie „Regierung bet Republik", statt der Willkürherrschaft für eine wirkliche freiheitliche Ordnung der Verhältniffe zu sorgen und dem Volke die Entscheidung zu lassen, ob es für die Zukunft die Beibehaltung der Republik will oder die Wieder­herstellung der Monarchie. Dieser Appell Conceiros an die Machthaber der Repnblik blieb erfolglos. Daraufhin kündigte Coi'.ceiro in aller Form tut, daß er jetzt strikte auf seiner Entlassung beharre, weil er freie Hand für eine intensive Arbeit zum Besten des Vaterlandes verlange. Mit allen Kräf­ten werde er sich der Gesundung des politischen Lebens in Portugal widmen, gegen die Republik, die das Land in immer größeres Unglück stütze. Et erwarte binnen dreier Tage in Lissabon die Genehmigung seines Demissionsgesuches. Und der mutige Patriot erhielt tatsächlich auf sein energisches Verlangen hin die offizielle Entlassung aus dem Heeresvelbande; die republikanische „Regierung" wagte es nicht, Hand an ihn zu legen, weil sie sich ob der großen Beliebtheit des Hauptmanns in der Armee vor einer solchen Gewalttat fürchtete.

* Zn Marokko wurden vor Mekinez das Lager der französischen Expeditionstruppen angegriffen, die Marokkaner wurden aber mit starken Verlusten zurückgeschlagen. — Die Spanier landeten gestern bei Larrasch 800 Mann. 500 Mann gehen nach Alkassat. — Sultan Mulay Hafid empfing eine Anzahl französischer Berichterstatter, denen er seine Ansicht über den Charakter des französisch- marokkanischen Zusammenarbeitens in der Ber- waltungs- und Aiilitärreform darlegte. U. a. sagte er: „In bet Presse der ganzen Welt, besonders in Frankreich, wiederholt man unaufhörlich das Wort „Räumung". Dies setzt eine Besetzung voraus. Stellt die Tatsache, daß die französischen Truppen nach Fez gekommen sind, eine Besetzung dar? Die Franzosen haben Europa gegenüber die Verpflichtung übernommen, Marokko zu beruhigen und die Ord­nung und Handelsfreiheit wieder herzustellen. Die Franzosen haben sich verpflichtet, unter bestimmten Bedingungen meine Mitarbeiter zu sein. Nun, wenn Verträge nicht leere Worte sind, werden die Fran­zosen mir helfen, die Aufgabe bis zu Ende durch- zusühren." — Aber wann kommt das Ende?

X Pfiugsttagungen.

Der Verband der Windthorstbnnde Deutschlands i't in Koblenz zu seiner 12. Bertretervecsammlung zusammengetreten, deren Wichtigkeit durch die bevor­stehende Reichstagswahl erheblich gehoben wird. Sie »ahm gestern abend ihren Anfang mit vertraulichen Vorberatungen in Kommissionen, in denen die inneren Berbandsangelegenheiteu einer eingehenden Erörterung unterzogen wurden.

Die Tagung der Deutschen Kolonialgesellschaft findet, wie gemeldet, i« Stuttgart statt. In der gestrigen Hauptversammlung legte Vizepräsident Kontre- admiral z. D. Strauch den Bericht des deutsch­ostafrikanischen Besiedelungskomitees vor. Nach leb­haften Beschwerden über das „System Rechenberg" in Deutsch-Oftafrtta unb einet mit starkem Beifall unter­strichenen Aeußerung des Präsibenten Herzog Johann Albrecht, daß man die Siebelungen in Deutfch-Ostasrika nicht künstlich züchten, aber auch beten künstliche Unter­drückung nicht bulben wolle, wurde ein Antrag an­genommen, der für die Besiedelung Deutsch-Ostafrikas seitens der Reichskolonialverwaltung größere Aufmerl- samkeit und Förderung fordert.

Der Verband deutscher Beamlenvereine ist in Dresden zu feiner 21. Hauptversammlung zusammen­getreten Staasminister v. Seydewitz hieß die Ver­sammelten namens der sächsischen Regierung willkommen und ging dann auf die Bedeutung und die Ziele des Verbandes ein. Er betonte besonders ben Gegensatz zu anberen Vereinigungen, beten Bestrebungen vielfach sich nicht auf die gemeinsame Arbeit zur wirtschaftlichen götderung ihrer Glieder im Rahmen der eigenen rganifation beschränken, sondern mehr oder weniger - darauf gerichtet seien, durch gemeinschaftliches Vorgehen einen Druck auf Regierung und Gemeindeverwaltung, die Stände und sonstigen Körperschaften zum Durch­setzen ihrer oft weitgehenden Forderungen auszuüben. Es sprach sodann Medizinalrat Dr. Gilbert über

Hygiene im Dienst bet Beamten. Der Verband zählt heute 269 Vereine, 242396 Mitglieder. Die Versiche­rung aller Beamten gegen unverschuldete Rot ist vom Vorstand eingehend erörtert. Er ist zu der Uebergeugung gelangt, daß eine Zwmigsv ec sichet ung nicht durchführbar ist, und hat daher die Westeroer- . folgung des Gedankens aufgegeben.

Aus Kirche und Schuir.

[] Fulda, 10. Juni 1911. Am nächsten Don­nerstag (Fronleichnam) werden 24 Schüler des hiesigen König!. Gyrnnafiums zum ersten Male zum Tische des Herrn gehen. Die Feier findet nach vorhergegangener Prozession um 9 Uhr in der Kirche zum hl. Geist statt.

* * Rom, 9. Juni 1911. Die Gesundheit deS Pap st es ist soweit wieder hergestellt, sodaß er seine gewohnten Spaziergänge in den vatikanischen Gärten wieder ausgenommen hat.

totales.

Fulda, den 10 Juni 1911.

-- Ordensverleihung. Dem Hauptlehrer Pabst von hier ist vom König der Kronenorden vierter Klaffe verliehen worden.

L Die Bonifatius-Oktav, die dieser Woche ein ganz besonderes Gepräge kirchlichen Glaubenslebens gibt, geht mit dem morgigen Sonntag zu Ende. Die Wallfahrten aus dm umliegenden Pfarreien erfreuten sich an bat sechs Wochentagen günstiger Witterung. Mit wehenden Fahnen zogen die ländlichen Pfarreien betend und singend mit Musikbegleitung durch die Stadt in den festlich geschmückten Dom zum Grabe des hl. Bonifatius. Die Stadtpfarrei Fulda mH der Hospitalspfarrei, die sonst die Reihe der Wall­fahrten eröffnet, wird sie diesmal beschließen. Unter Teilnahme der kathol. Vereine in corpore zieht die Prozession morgen um 8 Uhr vormittags an dem mit großen Fichtenbäumen zwar einfach aber würdig ge­schmückten Bonifattusdenkmal vorüber über den gro­ßen Domplatz zur Grabesstätte des Heiligen. Wäh­rend in den letzten Jahren die Liobaglocke alle Wall­fahrer begrüßte, wird einer früheren Anregung der „Fuldaer Zeitung" entsprechend auf Anordnung des hochw. Herrn Generalvikars morgen während des Einzuges der Stadtpfarrei in den Dom zum ersten Male bei einer Bonifatiuswallfahrt die groß« Osanna-Bonifatiusglocke ihre mächtigen Klänge ertönen lassen. Die Festoktav wird am Sonn­tag abend in der Bonifatiusstadt mit feierlichem Te- bcim beschlossen.

»/ Tom. Morgen (Sonntag) wird im Dome vas Fest ves hl. Bonifatius festlich begangen. Während des Pontifikat - Amtes singt der Chor di« Preismesse Salve Regina von Stehle mit Beglei­tung der Orgel und des Orchesters (Streich- und Blas-Jnstrumenle) der hiesigen Feldartillerie-Kapelle. Nach dem Offertorium wird das für ben Alumnats« Chor eigens komponierteGaudeFulda von Kinds- w.üller mit Orgel« und Orchester-Begleitung vor­getragen.

W Ausdehnung des Fernsprechdienstes. In bet Voraussetzung, daß ein allgemeines Verkehrsbedürf­nis dafür besteht, soll der Äenst der Fernsprech-Ver- mittelung beim hiesigen Postamt auch im Winterhalb­jahr, statt wie bisher um 8, schon 7 Uhr vorm. begin­nen. Im weiteren werden die D i e n st st u n d e n vom 15. Juni ab zunächst versuchsweise b i s 10 U h t abends ausgedehnt werden. Die Stunde von 9—10 Uhr gilt als Nachtzeit. Ortsgespräche sind da- her nur gegen Einzelgebühr zulässig. Die Ge­bühr für jede derartige Verbindung beträgt 20 Pfg Im Fernverkehr sind Nachtverbindungen sowohl al« Einzelgespräche gegen die gewöhnliche Tagesgebühr als auch als Abonnementsgespräche zugelaffen. Wi letztere wird die Hälfte der tarifmäßigen Gebühre» gewöhnlicher Tagesgespräche von gleicher Dauer er- höbe)). Der Antrag auf Ueberlaffung eines Abonne­ments ist beim hiesigen Postamt anzubringen, wo dann auch die Zeit der Abonnementsgesprächr vereinbart wird. , ,

[] Delegierte der Stadt. Heute reiften tm Auf­trage des Magistrats dezw. der Stadtverordneten­versammlung die HerrenOberbürgermeisterDr.Antoni, Schlachthof-Tirektor Dr. Lemgen, Justizrat Gegen- baur, Dr. Schulte und Zimmermeister Fritz zum Besuche des Wohnungskongresfes tn Leipzig und der Hygiene-Ausstellung in Dresden ab.

Erweiterung des städt. Wasserwerks unb Er Höhung des Waffergeldes. Dieser Punkt ist noch nach­träglich auf die Tagesordnung der Stadtverordneten­sitzung vom Montag abmd gesetzt worden. Von wel­cher Tragweite diese Angelegenheit ist, erkennt man aus dem Fmanzplan, den der Oberbürgermeister hierfür entworfen hat. Danach belaufen sich die Kosten eines zweiten Rohrstranges von Gichenbach zum Götzenloch und dann weiter bis Fulda auf 1) Zuleitung von Gichenbach bis zur Landstrccke Gersfeld-Fulda in Schmalnau 45 000 M., 2) von dort bis zum Schacht am Götzenloch 21500 M., 3) der Schacht am Götzen­loch 19 000 M., zusammen 85 500 M., 4) Zuleitung vom Götzenloch bis zur Kreuzung Frankfurterstraße- Wallweg in Fulda 296000 M., 5) Weiterleitung von dort in die Stadt und Veränderungen im städtischen Rohrnetz 16 500 M., 6) Neuer Hochbehälter 68 000 M., 7) Grunderwerb 13 000 M., 8) Zuschlag für Bau­leitung. Bauzinsen, Entschädigungen usw. 41 000 M., im ganzen also 520 000 M. Dieser Betrag sst jährlich mit 4 Proz. zu verzinsen und mit 1 Proz. zu tilgen, es sind also 5 Proz., das sind 26 000 M. jährlich auf­zubringen. Es sind nun aber von den 520 000 M. be­reits 87 024 M. ausgegeben, die durch dm Etat schon verzinst werdm. Es verbleiben demnach neu zu ver­zinsen 433000 M. zu 5 Proz. = 21650 M., was in folgender Werse geschehen könnte: 1) Ersparnis für das aus der Horaser Wasserleitung entnommene Was­ser 1600 M., 2) Mehreinnahmen 5020 M. (die Mehr- einnahme für das Jahr 1910 beträgt schon 2750 M ), 3) Kürzung des Zuschusses an die Kanalisationskaffe