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M 128.

MÜwsch »en 1. Juni t»U.

58. Jahrgang.

• fildaer U Zeitung

2. Blatt.

vrlttk und Verlag der Knldarr »etlendrnSerel in $ulbe.

ft Der neuerwählte Bischof von Münster.

Als vor einigen Wochen, gleich nach dem Hinschei­den des hochseligm Bischofs Hennann von Münster eine schamlose Hetze gegen den vom Domkapitel be- stellten Kapitelsvikar in Szene gesetzt wurde, fragte sich das katholische Volk in den weitesten Kreisen: was hat das zu bedeuten? Um so größer war die Befriedigung, als vor 14 Tagen die Nachricht ein­traf, daß die dem König eingereichte Wahlliste schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit wieder nach Mün­ster zurückgelangt und kein einziger Name ge­strichen worden fei. Ein bedeutsames Bekenntnis zu der Anschauung, daß im friedlichen Hand in Hand- wirkcn von Kirche und Staat die beste Lösung der Zeilfragen zu suchen ist, nicht in einer gewaltsamen und gewalttätigen Trennung, wie sie z. Z. in Frank­reich und Portugal durchgeführt wird, oder in einem einseitigen Dekretieren von einer überstarken Seite, wie es das Ideal mancher Anhänger der Staats- omnipotenz ist. Möchte, was im Westen des König­reichs für richtig erkannt wurde, nur auch bald im Osten zur Durchführung kommen, wo der Posener Bi­schofsstuhl schon so lange vergeblich seiner Wiederbe­setzung harrt.

Richt weniger freudig aber wird der Ausgang der nunmehr getätigten Wahl in allen katholisch denkenden Kreisen begrüßt werden. Der Erwählte, Kapitelsvikar Dr. Hartmann, ist ein Mann, der nicht nur durch ein makelloses Priesterleben für das Amt eines ApostelnachfolgerZ hervorragend geeignet erscheint, sondern dessen ganze Vorbildung und langjährige Verwaltungstätigkeit ihn auch seit Jahrzehnten mit allen Verhältnissen des großen Bistums auf’S innigste vertraut gemacht und für seinen neuen Beruf hervor­ragend vorbereitet hat.

Als Sohn de? Oberregierungsrates v. Hartmann1 zu Münster am 15. Dezember 1851 geboren, ent­stammt der neuerwählte Bischof einer hochangesehenen, alten Veamtenfamilie, welche dem preußischen Staate schon manche tüchtige Arbeitskraft geliefert hat, dar­unter auch be;i früheren Regierungspräsidenten von Aachen, einen Bruder des gewählten Bischofs. Seine Gymnasialstudien machte der ebenso stille und brave wie fleißige Student zunächst an dem heimatlichen Gymnasium in Münster, die fünf oberen Klasse» je­doch in dem in trefflicher Blüte stehenden bischöf­lichen Kollegium zu GaesdoNck, an welchem bekannt­lich der verstorbene Bischof als Lehrer wirkte. Im Sommersemester 1870 bestand v. Hartmann die Reife­prüfung und wandte sich dann dem Studium der Theologie zu, welchem er zunächst in seiner Vater­stadt Münster oblag. Am 19. Dezember 1874 erhielt v. Hartmann die hl. Weihen durch den Bekmner- bischof Johann Bernhard Brinkmann, der bald dar­auf ins Exil wandern mußte, tvährend die neuge- weihten Priester wegen des herrschenden Kultur­kampfes in der Seeliocge eine Betätigung nicht fin­den konnten. Für den jungen Neupriester war dies die Veranlassung, daß er nach Rom zog, um dort als Kaplan an der deutschen Nationalstiftung Maria dell Anima zu Wicken, gleichzeitig aber auch in der Zen­trale bes katholischen Lebens sein Wissen zu ergän­zen in einer Weise, wie es ihm die Heimat nicht hätte bieten köime». Nach fünf Jahren, 1880 kehrte v. Hartmann, zum römischen Dr. juris promoviert, in die Heimat zurück und konnte, da der Kulturkampf inzwischen int Abflauen begriffen war, nunmehr in der Seelsorge tätig fein, zunächst als Privatgeistlicher in Havixbeck und dann als Kaplan in der Stadt Emmerich, so daß er auch den niederrheinischen Teil des Bistums Münster kennen lernte. So verging ein volles Jahrzehnt, bis 1890 der jüngst verstorbene Bi- srhos Hermann feinen ehemaligen GaeSdoncker Schü­ler zu seinem Hauskaplan und Geheimsekretär er- nonnte. Damit war er zugleich dessen regelmäßiger Begleiter auf allen Firmungs- und Visttationsreisen und volle 21 Jahre lang vertrautester Mitarbeiter. Hand in Hand damit ging ein naturgemäßes Auf­steiger! auf der Leiter der kirchlichen Verwaltungs­ämter: 1894 wurde v. Hartmann Assessor und dann Geistlicher Rar beim Generalvikariate, 1905 nach dem Tode des Generalvikars v. Roel dessen Nachfolger und im gleichen Jahr Domkapitular und Nachfolger des greisen Domdechanten (des früheren Abgeordn.) Dr. Perger in der Prälatur des Domkapitels. Der hl. Vater ernannte v. Hartmann zum Apostolischen

Protonotar, und auch die staatliche Obrigkeit hat sein Wirken aneckannt, indem er auf königlichen Vorschlag hin in das Domkapitel berufen und ihm später der rote Adlerorden 4. Klasse verliehen wurde.

So sprechen denn alle Anzeichen dafür, daß das katholische Volk dem Bistum Münster seine herzlichsten Glückwünsche und dem neuerwählten Bischof ein auf­richtiges Ad multos annos zurufen tarnt!

Aus dem Nachbargebiete.

„# * Flieden, 6. Juni 1911. Der 3 Kreis' Feuerwehrtag des Kreises Fulda findet am 9. Juli ds. Js. in Flieden statt. Vormittags 10 Uhr wird die Versammlung der Delegierten unter dem Vorsitze des Kreisbrandmeisters Simmer-Fulda tagen. Am Nachmittage wttd eine Hebung der gesamten Bezirksfeuerwehr, darunter die Fliedener freiwillige Wehr und die Pflichtfeuerwehr, unter Leitung des Be­zirksbrandmeisters Ebert-Neuhof abgehalten werden. Im Anschlüsse an den Kreisfeuerwehrtag wird die hiesige freiwillige Feuerwehr den Tag ihres 25jährigen Bestehens feiern. Hierzu hat sie bereits zahlreiche Ein Übungen an die freiwilligen Wehren der näheren und weiteren Umgebung ergehen lassen. Da viele Zusagen erfolgt sind und die Vorbereitungen sorgfältig getroffen werden, wird das Fest sicherlich dem hiesigen Orte, ganz besonder» aber der freiwilligen Feuerwehr zur Ehre gereichen.

♦ Witzenhansen, 6. Juni 1911 Das vollbesetzte Automobil eines hiesigen Fabrikanten rannte mie­de r d as G elän d e r d er W er r ab rü ck e. Das stacke Geländer bewahrte Wagen und Insassen von dem Sturz in die Fluten. Es entstand nur Sach­schaden.

* Höxter, 6. Juni 1911. In Steinheim im west­fälischen Streife Höxter find am Pfingstsamstag neun Wohnhäuser ni:dergrbrannt. Elf Familien sind ob­dachlos . Der Schaden wird auf mehrere 100 000 Mk. geschätzt.

* Kassel, 6. Juni 1911. Wie gewaltig auch in Kassel der P s i n g st v e r k e h r war, ist mrs der Tat­sache zu erfennen, daß neben den 120 ankommenden und abführenden fahrplanmäßigen Zügen 7 7 Son- betrüge während der Pfingsttage nach den ver­schiedensten Richtungen abgelaffen wurden. — Der am Pfingstmontag 1910 durch einen zündenden Blitz in Brand gesetzte Turm der alten Kirche in Kirchdit­mold ist bekannflich wieder aufgebaut und am gestrigen Pfingstmontag eingeweiht worden. Die Kosten für den Bau beliefen sich auf 8000 Mk., von denen 3000 Mark durch die Versicherung gedech sind, 2000 stellte die Stadt Kassel bereit, und 3000 Mk. wurden aus dem kaiserlichen Dispositionsfonds bewilligt.

* Hoof b. Kassel, 6. Juni 1911. Am Samstag al end wurde auf der Zeche „Friedrich Wilhelm" im Druseltale ein Bergmann durch herabfallende Sandmassen verschüttet. Erst am Sonntag morgen wurde der Arme, der Frau und 5 Kinder hin­terläßt, mit gebrochenem Genick tot ans Tageslicht ge­fördert.

Amt Geisa und Umgebung.

* Geisa, 7. Juni 1911. Die gemeldele Fischseuche in der Ulster ist nicht allgemein. Nur unter den Salmoniden ist eine Fischseuche, oie „Furunkulose" ausgebrochen. Zu den Salmo- niden gehören u. a. die Aesche, die Forelle, der Saibling, die Seeforelle, die Bachforelle. Der übrige Fifchbestand in der Ulster (Aale, Barben und Weißfische) ist gesund. Den Fischereipächiern ist ausgegeben worden, die erkrankten und toten Fische einzusangen und zu verbrennen.

* Dermbach, 7. Juni 1911. Am Freitag, den 9. Juni 1911, von vormittags 93/< Uhr ab, findet im Gasthof zum Schlägel und Eisen in Unter­breizbach eine öffentliche Sitzung des Bezirksaus- schuffes statt. (Vergl. die Tagesordnung int amt­lichen Teil d. Bl.)

* Martimode, 6. Juni 1911. Hier wurde em 3jähriges Mädchen von einem mit Steinen bela­denen Wagen überfahren und trug eine erheb­liche Muskelquetschung davon.

* Dorndorf, 7. Juni 1911. Am Pfingstmontag veranstalteten zwei Radfahrer unterhalb von Stadt­lengsfeld ein Wettrennen mit dem Abendpcrfonen-

;ug der Feldabahn. Sie stießen mit der Bahn zusammen. Ein Fahrer flog nach der Lokomotive zu, blieb glücklicherweise aber dicht neben dem Gleise liegen, während fein Fahrrad unter die Lokomotive geriet. Natürlich konnte der Zug nicht sogleich weiterfahren, beim das Zugpersonal hatte große Mühe, das Fahrrad wieder unter der Lokomotive hervorzubekommen, waS ungefähr eine V» Stunde Verspätung verursachte. Schaden hat der Radfahrer nicht genommen. t

* Oberzella, 7. Juni 1911. In der Nahe des Kirstingshofes wurde im Walde von spielenden Knaben ein ausgeweideter Rehbock gefunden. Es dürfte sich abermals um ein Beutestück des Wilderers Klotzbach handeln. ,

* Aus Thüringen, 7. Juni 1911. Der alle vier Jahre stattfindende Kreisturntag des 13. Turn- kreises „Thüringen" wurde während der Pfingst- feiertage in Meiningen abgehalten. — Beim Baden im Waldsee bei Neustadt (S.-Koburg) ist am 1. Feiertag nachmittag der 19jährtge Sir- beiter Büttner aus Sonneberg ertrunken. — In Erfurt hat ein Handarbeiter nach vorhergegan­genem Streite seine Ehefrau mit einem Beile er­schlagen. Er verschloß darauf die Wohnung und wurde flüchtig. — Im Orte Allendorf bei Sal- Hingen wurde nachts durch ein Schadenfeuer das Herrenhaus des dem Baron von Wmzingerode ge­hörigen Besitztums eingeäschert, in dem sich zurzeit das Stein'sche Damenpensionat befindet. — Beim Sturz vom Rade sand bei Camburg ein Rad­fahrer den Tod. — Bei Mühlhausen ist ein Grab aus der Zeit der Völkerwanderung, etwa 450 n. Chr., aufgedeckt worden. Gefunden wurden in ihm ein Beingefäß, ein Knochenkamm und eine eiserne Schnalle.

Aus Oberheffen u. -en heff. Remtern.

* Marburg, 6. Juni 1911. Hier starb im Alter von 76 Jahren ein langjähriger städtischer Beamter, Stadtsekretär a. D. Kahlmann. Der Verblichene war 26 Jahre im Dienste der Stadt und vorher 17 Jahre bei der Universität tätig.

* Kirchhain, 6. Juni 1911. Gestern abend gegen 8 Uhr entstand in den Nebengebäuden des Metzger­meisters Prediger Feuer. Da die Feuerwehr rasch zur Stelle war, konnte ein großer Schaden verhin­dert werden.

* Frankenberg, 7. Juni 1911. Seit einigen Tagen ist, wie das Faffeler Tageblatt' meldet, der Rendant Lamprecht von der hiesigen König­lichen Kreis- und Forstkaffe spurlos ver- schwunden. Die seitens der König!. Regierung vorgenommene unvermutete Revision wird jeden­falls Aufklärung in dieser Angelegenheit schaffen, zumal schon seit Wochen allerlei ungünstige Ge­rüchte über die Verhältnisse der Kreiskaffe um­liefen. Einem Regierungssekretär aus Kassel ist die Verwaltung der Kaffe einstweilen übertragen worden.

* Ziegenhain, 7. Juni 1911. Mit der Hoher- legung der Straße zum Südbahuhof ist feit einigen Tagen der Anfang gemacht, indem die alte hölzerne Brücke über den Schargraben abgerissen worden ist, die durch den Neubau einer steinernen ersetzt wird. Hoffentlich wird nun auch der Umbau der schmalen Schwalmbrücke, auf welcher erst im letzten Sommer sich ein Unglück ereignete, baldigst in Angriff ge­nommen. _ .

* Hermershausen, 6. Ium 1911. In der Ge- markung Friebertshausen sand ein bei den Zusammen- leaunasarbeiten beschäftigter Arbeiter aus Hermers­hausen eine Schildkröte. Ein wohl in hiesiger Gegend seltener Fund!

vermischtes.

* Zm Warmbüchener Moor bei Hannover entstand am Montag aus noch nicht bekannter Urfadje ein Feuer, das über tausend Morgen ,n Brand setzte. Die städtische Feuerwehr von Hannover und die Feuerwehren der benachbarten Ortschaften mußten sich daraus beschränken, den Herd des Feuers abzudämmen. _______________

* Automobilunsall. Das englische Parlaments­mitglied John Dillon wurde bei einem Automobil­unfall in der Nähe von Dundalk (Irland) schwer verletzt. Er wurde ins Hospital gebracht und mit den Sterbesakramenten versehen. Inzwischen hat sich sein Befinden etwas gebessert.

* Zoma, die Schlangen-.Königi«'. Eine auf- regende Szene ereignete sich jüngst während der Vorstellung eines amerikanischen Wanderzirkus in Waterbury im Staate Connektikut. Dort trat eine auf dem Programm als „Zoma, die Schlangen­königin* bezeichnete Persönlichkeit auf, die mit. indischen Kobras, Klapperschlangen und anderen angenehmen Reptilien jonglierte. Einer der gezeigten Tricks, das Verschwinden einer schwarzen Puffotter aus einem frei in der Luft schwebenden Korde, mißlang insofern, als das Publikum vorher bemerkte, wie die Schlange in den Aermel „Zomas* anstatt in den Korb schlüpfte. Sei es nun aus Aerger über die bewiesene Ungeschicklichkeit oder aus Wut über das Gelächter des Publikums — genug, die liebens­würdige „Schlangenkönigin" ergriff das Reptil und schleuderte es einer jungen Dame in der ersten Zu­schauerreihe mitten ins Gesicht. Die Schlange, der allerdings die Giftzähne ausgebrochen roaren, ringelte sich um Arm und Nacken der in hysterische Krämpfe verfallenen Dame, die schließlich, nachdem man das Reptil von ihr losgeriffen, bedenklich er­krankt nach Hause transportiert werden mußte. Die rabiate „Zoma* wurde verhaftet und auf die Polizeiwache geführt, wo es sich zum Ueberfluß herausstellte, daß die „Schlangenkönigin* gar kem weibliches Wesen, sondern — ein verkleideter 24- jähriger Mann war.

— Bewahrheitetes Sprichwort. Frau (die eben von ihrer Schwiegertochter kommt): „Weißt du, Alter, ich begreife noch immer nicht, wie sich unser Junge eine solche Xantippe zur Frau nehmen konntet* — Mann: „Hm, man sagt doch: Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen l*

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Handel und Industrie.

* Berlin, 6. Juni 1911. Die Börse zeigte heute infolge lokaler Abgaben auf einigen Marktgebieten ein uneinheitliches Gepräge. Am Bankmarkt waren heimische Werte bester behauptet.

Reklamen- und Anzeigenteil.

„Mehr Lebensfreude".

Krumherm-rSdorf i. Erzgeb., 17. Sspt. ISOO..^

’ ' " »Ich va6e meinen drei «inde m, der vierjährigen Karol«, de zweijährigen Ella und dem kleinen ein Jahr alten Helmut, e!w 8/< Jahr hindurch Scott« Emnlston zur allgemeinen StLrkun und Krü'tigung gegeben, u. d ich muß gestehen, daß ich mit de erzielten Erfolgen übernur zufrieden bin. Dem ältfUen Mädchei mundet dar Effm jctzt bedeutend besser, nnd e» ist mehr Lebens freud, In da» «tnd hineingetomuien. Die Nein« Ella hat jtd vorzüglich entwickelt und verhältnismäßig früh lausen gelernt. Au überrutchendsten aber war die Wirkung von Scott» Emulsion d« rem ll-inen Helmut sichtbar, der heute ganz allein umherliuft) eine ausgezeichnete Eslust zeigt und eine g>.n,e Reihe von RÜhN» ci en le cht belomnien hat. Ich kann Scotts Emu sion al« eist vorlr-.ffllchei Stärkungsmittel für zarte Kinder nur keilen» «m- p'ehleu, und fle sollte wirtlich in lciner Kinderstube fehlen."

(gez.) M. Schieiter.

Hoher Nährwert und Lsich tverdau« lichkeit sind die anerkannten Vorzüge: von Scotts Emulsion, die eS leicht er-, ktärlich machen, weshalb sie beitf Körper so rasch und nachhaltr»d> kräftigt. Scotts Entuisioil kann zu, jeder Jahreszeit, im Sommer lüie' im Winter, mit Erfolg genommen werden.

... Nachahmungen, die dem Publikum

M?r,e- "mMs'S als „ebenso gut* wie Scotts Emul« s'°n aufgedrängt werden, weise man schm Dersahrensi zurück und bestehe darauf, die echte Scotts Emulsion zu erhalten. -

Scotts Emulsion wird von uns au-schlleblich Im zroßeu ver­laust und troar nie tose noch Dewlcht ober Maß. sonder t tue in versiegelten Ortginatsiaschen tn Karton mit unterer Schutz­marke (Fischer mit dem Drrich). Scoli u. Bowne, ®. m. b. H, Frankfurt a. M.

Bestandteile: Feinster Medtztnal-Lebertrat 1M,'1, prima Elhzerin 60,0, unierphoSvhorigsaurer Kalk 4,3, nnterphorphortg- saureS Natron 1,0, pu'v. Tragant s,0, sein fier arcib. Gummi pul», 8,o, desiill. Aa.er 129,0, mtohot tl,o. Hierzu aromatische Emulsion mif Kirnt, ^.nnvet. nxd «anUsterigL!^.« * ■'>

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Die Macht des Gewissem.

14] Roman von Erich Friesen.

Ruth begibt sich sofort auf den Weg. Sie weiß, Virginia ift jetzt für eine halbe Stunde unter jene Eiche gebannt und kann Armins Ueberredungskunst ebenfo wenig entfchlüpfen, wie der Vogel, der durch die Äugen einer Schlange hypnotisiert ist.

Langsam, ganz langsam, schreitet Ruth über das Feld. Ihr ist, als hinge Blei an ihren Füßen, — Warum fürchtet sie sich so sehr vor dem Suchen nach dein Testament? — Wenn wirflich ein solches vorhan­den — ist es bann nicht sogar Pflicht, es ans Tages­licht zu fördern? — Es ist wahr, sie macht sich nichts mehr aus bet ganzen Erbschaft; aber wenn sie vor beit Gatten hintritt mit diesem herrlichen Brautge­schenk — was für Augen er dann wohl machen Wird! — Glückliches Lächeln umspielt bei dieser Vorstellung ihre Lippen: unwillkürlich beschleu­nigt sie ihre Schritte. Jetzt steigt sie die Treppe z»r Terrasse empor. Sämüiche Fenster stnb weit geöff­net. Die Dienstboten arbeiten unten im Erdgeschoß. Oben alles still. — Ruth huscht in ihr Schlafzimmer. Vom Fenster ans kann sie die Wiese übersehen. Die beiden Figuren unter der Eiche sehen aus wie ver­schwommene Silhouetten. — Aufmerksam beobachtet sie dieselben. Ihr scheint, sie sitzen sehr nahe neben einander — zu nahe. — Hastig nimmt sie ihr Opern­glas aus der Kommode.

Jetzt ist die Eiche deutlich sichtbar, die verschwom- menen Silhouetten verwandeln sich in menschliche Ge­stalten. Sie sitzen wirklich ganz nahe beisammen. Und jetzt beugt sich der eine Kopf etwas herab, eine Hand legt sich auf eine andere. —

Ruth stößt einen leisen Schrei aus. Das Opern- glas fliegt zu Boden. Zum ersten Mal durchwühlt ihr Herz die Eifersucht. Sie weiß nicht, daß Armin nur ein schlaues Spiel treibt. Mit jenem Ahnungs­vermögen ,bas zuweilen fast an ein „zweites Gesicht" gemahnt, ficht er im Geiste Ruth in ihrem Zimmer jms Lenster eilen und nach der einsamen Eicke auS-

blicken. Run gilt es, ihre Energie anzufeuern, falls dieselbe erlahmen sollte.

Er kennt Ruth. Er weiß, daß die Leidenschaft ihr besseres Selbst bezwingen, die Eifersucht die edlen Eigenschaften in ihr ersticken muß.

„Es soll geschehen!" murmelt Ruth in wilder Hast den Korridor entlang eilend. „Je eher ich ihn ganz und für immer besitze, um so besser! Ich kann nicht ertragen, wenn er einer anderen den Hof macht!"

Nach wenig Augenblicken schon steht sie in Frau Forsters Schlafzimmer. Sie verschwendet keine Zeit mit Durchsuchen von Kommoden oder Schränken, Vor Jahren, als sie noch ein glückliches, sorgloses Kind war — da hatte Tante Ursula sie einmal mitgenom­men in jenes verborgene Gemach, hatte ihr halb im Scherz gesagt, in der silberbeschlagenen Truhe ruhten die Geheimnisse vieler Generationen. Die schmale Wendeltreppe, bas mysttsche Dunkel, bie mächtige Truhe — alles biss prägte sich bem lebhaften Geist bes Kindes tief ein, so tief, daß sie überzeugt ist: nur dort kann das Testament sich befinden, wenn über­haupt ein solches existiert.

Ruch geht sofort auf den Schrank zu, drückt auf die Feder, schiebt die Wand beiseite und eilt die Treppe hinauf. Es fällt ihr gar nicht auf, daß das Gemach gelüstet ist, die Möbel vom Staub gereinigt find. Sie ist viel zu erregt, um an etwas anderes zu benfen, als an jene Silhouetten unter bet Eiche.

Mit bebenden Fingern öffnet sie die Truhe. Oben­auf liegt ein Pergamentpapier. Mechanisch lieft sie sie die Auffchrist „Testament von Ursula Palmer". Ebenso mechanisch nimmt sie das Dokument zu sich, sthlägt die Truhe zu und eilt wieder die Wendeltreppe hinab, durch Frau Forsters Schlafzimmer, verschiedene Korridore entlang, in ihr eigenes Gemach. Dabei schweben beständig jene beiden Silhouetten vor ihrem geisttgen Auge.

Sie wirst nicht einmal einen Blick auf das Doku­ment. Hastig legt sie es in eine Schublade, schließt dieselbe ab und steckt den Schlüssel in die Tasche.

DE dlt sie, so schnell fie taut, über das Feld bin au toter Eicke. Mit einem Freudenruf springt

Virginia empor. Zärtlich legt sie beide Arme um den Hals der Freundin und küßt sie auf die Wange.

„Wir heiß du bsst, Ruth!"

„Ja, es ist sehr warm. Ich möchte ein Bad neb= men — drunten an der See. Kommst du mit?"

„Sehr gern."

Ruth blickt Armin nicht an. Es ist auch nicht nötig. Er weiß ganz genau: sie hat das Testament gefunden.

Eine Operettenmelodie vor sich hin pfeifend, streckt er sich behaglich ins Gras und zündet sich eine Zi­garette an.

10. Kapitel.

Lord Donald und Fran Forster find von ihrem Dorf-Spaziergang zurückgekehrt. Frau Facher ist be­friedigt von dem Resultat ihrer Unterredung. Gewiß wird ihre Mahnung auf guten Boden gefallen sein.

Gilbert hingegen ist tief verstimmt. Wie buche der Freund es wagen, ihn in solch peinliche Situation zu bringen!

Als Gilbert vorhin mit Frau Forster die Eiche passierte, lag Armin lang ausgestreckt im Grafe, den Hut tief übers Gesicht gezogen, als schlafe er. Doch Gilbert läßt sich rricht täuschen. Er weiß, daß der Freund niemals am Tage schlummert, daß er nur diese Stellung einnimmt, wenn sein Geist besonders beschäftigt ist und daß ihm alsdann die besten Ge­danken kommen.

Langsam schleudert er deshalb zurück zur Eiche. Noch niemals in seinem Leben ist er so zornig ge­wesen, wie eben jetzt.

„He, Armin!" ruft er schon von weitem in schar­fem Tone, ans dem seine ganze Empörung heraus- klingt. „Steh auf! Wo sind die jungen Damen?"

„Sie baden", ertviberte Armin lakonisch, ohne sich zu rühren.

„Sie baden?"

„Ja, sie baden. Zerbrich dir nicht den Kopf, weshalb gerade jetzt! Pah, eine Laune — eine der vielen ihres .Geschlechts!*

Der spöttisch ftivole Ton berührt Gilbert in die­sem Augenblick doppelt unangenehm.

„Deine Meinung von den Frauen scheint eine ver­teufelt geringe zu fein. Wirst du endlich die Güte haben, aufzustehen?" ,

Gähnend erhebt sich Armin, reckt noch em Weil­chen die Glieder und erwidert dann achselzuckend:

„Ich habe die Meinung von den grauen, welche sie verdienen. Ihre Charakterschwäche, ihre Unter­würfigkeit, ja selbst ihre Zuneigung wären verächtlich, wenn sie sich nicht manchmal als gar so nützlich er­wiesen"

Gilberts Fuß stampft zornig ben Boben.

„So sprichst bu? Du, der du die Neigung eines der schönsten Mädchen der Welt besitzest, eines Mäd­chens, bas alles um beinetwillen geopfert hat! Schäme bich! Du vor allem hast keine Veranlassung, gering von den Frauen zu denken. Du solltest vom ganzen weiblichen Geschlecht mit tiefster Ehrfurcht sprechen, da jenes Mädchen zu demselben gehört."

Gilberts vorwurfsvolle, fast leidenschaftliche Worte machen nicht den geringsten Eindruck auf Armin.

„Ich brauche keine Aniveiftmg, wie ich Fräulein Harrison oder irgend eine andere Dame zu behandeln habe", entgegnet er aknveiscnd.

Gilbert runzelt die Stirn.

„Hast Recht! Wir haben anderes zu besprechen. Jetzt 'heißt es: wie aus der verteufelten Situation herauskommen? Ich für meinen Teil soll den feu­rigen Liebhaber spielen und erhalte Strafpredigten von Frau Forster, weil ich noch nicht Tag und Stunde meiner Verheiratung mit deiner Ruth Harrison be­stimmen kann. Hol's der Kuckuck! Was für eine Rolle spiel' ich dabei! Je eher wir uns zu erkennen geben, desto besser!"

Leise vor sich hinpfeifend steckt Armin die Hände in die Hosentaschen.

„Nein, alter Junge, das hieße sich zu früh demü­tigen. Der heutige Abend ist der wichtigste Von allen!"

„Wieso?"

„Für dich!'

„Ich vefftehe dick nicht!* lForts. folgt.)