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Freitag »en 2. 3«ui l4II- 38. öahrsaag.
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Leitung
2. Mir.
vri« «n> Verlag der Kildaer AetiendruSerel in 5«lda.
Posten nach der Polizei zu folgen, wo er sich legitimieren muß. Es wurden an jedem Tage bisher fast ein halbes Hundert deutsche Besucher der Spiel- hänser -festgestelli.
Literarisches.
Unsere Klassiker im Bolksmund. Ein kleiner Zitaten- schatz. Herausgegeben von Rich. Zoozmann. Leipzig, Hesse u. Becker, Verlag. Preis 20 Pfg.
Vor nicht langer Zeil ist im gleichen Berlage ein umfangreiches, nach Schlagworten alphabetisch geordnetes, ebenfalls von Zoozmann herausgegebenes Werk, .Zttatenichatz" erschienen, das reiche Anerkennung gesunden hat und auf dem besten Weg ist, sein Ziel, ein deutsches Hausbuch zu werden, schnell zu erreichen. Der jetzt vorliegend« kleine Zitatenschatz ist kein Auszug des größeren, aber auch er kann namentlich bei dem überraschend billigen Preise ebenfalls darauf hoffen, ein Haus- und besonders ein Jugendbuch zu werden. Da» inhaltreiche Büchttin ist nicht stofflich geordnet, sondern enthält unter den alphabetisch geordneten Dichternamen aU dasjenige, was von jedem als daS Schönste und Beste wahrhaft volkstümlich, Zitat, geworden ist.
Summa Philosophiae Christiana«. Von Joseph Donat S. J. Innsbruck, Fel. Rauch 1910.
I. Logica. 149 S. 1.36 Mk. — Der übliche Stoff der formalen Logik wird behandelt. Die Einleitung bespricht kurz und klar die Beziehungen zwischen Philosophie und Glauben und stellt den Begriff der christlichen resp. scholastischen Philosophie ins rechte Licht. Im 1. Teil gehen sehr passend grammatikalische und philologische Bemerkungen den logischen Erörterungen ergänzend zur Seile. Mil besonderer Sorgfalt sind im 2. Teil behandelt die Wahrscheinlichkeitsbeweise, Induktion und Methode.
III. Ontologia. 182 S. 1.62 Mk. Der bekannten Kontroverse über den Unterschied zwischen Wesenheit imb Dasein in den Geschöpfen schreibt Bf. fast nur historisches Jnterrfle zu und sucht hauptsächlich mit 7 Argumenten — gegen die sich doch manches cinwenden läßt — als wahrscheinlich darzutun, daß die Thomisten den hl. Thomas falsch auslegen. — ES wäre zu wünschen, daß rein theologische Argument« nicht zum Beweis einer phil. These angeführt würden. Auch was S. 60 von der Verwandtschaft des Menschengeistes mit der Gottheit gesagt ist (oaro de carne et os de ossibas eins) ist als zu scharfe, unkorrekte AuS- drucksweise entschieden zu mißbilligen.
V. Psycholog!a. 288 S. 2.55 Mk. Nach m» deinem Sprachgebrauch beschränkt Donat die Psychologie auf den Menschen. Die notwendigen physto« logischen Voraussetzungen zum Verständnis der niederen Seelenkräfte stnd ins Lehrbuch ausgenommen und durch zahlreiche genaue Abbildungen illustriert. Sehr gründlich und ausführlich sind behandelt: Die Geistigkeit deS Verstandes, die Willensfreiheit, die Seele in ihrem innersten Wesen und in ihren Beziehungen zum Körper und der Ursprung deS Menschen. Auch die vagen Begriffe „Herz", „Gemüt" und „Gefühl", sowie die anormalen Seelenzustände werden klar auseinandergesetzt. Bei manchen dieser aktuellen Themata wären doch einige Literaturangaben dem Leser sehr willkommen ; sie fehlen gänzlich bei Fragen wie: Leidenschaft, Temperament, Hypnotismus, Gefühl. Leider fehlt auch in jedem Bande daS alphabetische Inhaltsverzeichnis.
Große Vorzüge zeichnen Donats lat. Lehrbuch der Philosophie aus. Bf. ist in der einschlägigen älteren und neueren Literatur wohlbewandert, wie er ja auch in seinem größeren Werke: „Die Freiheit der Wissen« schäft" glänzend bewiesen hat, und somit befähigt, die riesgreifenden Unterschiede zwischen dem christlichen und dem sog. modernen Denken wahrheitsgetreu und scharf hervorzuhcden. Uebrigens werden bte Aussprüche der Gegner immer wörtlich mit genauer Quellenangabe zitiert. Die neuesten Ergebnisse der Naturwissenschaft werden überall berücksichtigt und glücklich verwertet. Ungewöhnlich« Mannigfaltigkeit des Stoffes, praktisches Verständnis für aktuelle Probleme, habet genaue Unterscheidung zwischen Wichtigem und Neben- fächlichem, maßvolles Urteil in schwierigen Fragen, endlich Ueberfichtlichkeit in der Anordnung des Stoffes, Klarheit und Eleganz der Darstellung, das sind Eigenschaften, die Donats Samma einen Ehrenplatz unter den scholastischen Lehrbüchern sichern. Mögen die an« gekündigten drei weiteren Bändchen bald folgen, möge das ganze Werk besonders unter den Priesterkandidaten weiteste Verbreitung findens Dr. C.
Handel und Industrie.
* Berlin, 1. Juni 1911. Das nahe bevorstehende Pfingstfest brachte auf einer Reihe von Marktgebieten eine Verringerung der Geschäftstätigkeit. Bei den Bankaktien entwickelten sich dagegen größere Umsätze. Schiffsahrtsaktien etwas niedriger; ElektrizitätS- werte etwas höher.
** Papft Pins X.
v»Lendet heute sein 76. Lebensjahr. Bekanntlich ist der hl. Vater am 2. Juni 1835 in einem einfachen Bauernhause des italienischen Marktfleckens Riese geboren. Nach einer harten, aber doch glücklichen Jugend tourbe Joseph Sarto am 18. September 1858 zum Priester geweiht und zunächst als Kaplan nach Tombola berufen. Im Jechre 1867 wurde ec Pfarrer in Salzano, im Jähre 1875 in das Domkapitel von Treviso als Domherr berufen, bald darauf zmn Direktor des Diözesanseminars ernannt und erhielt schließlich den wichtigen Posten des Generalvikars. 1879 wurde er Kapitularvikar und mit der Leitung der seit 35 Jahren venvaisten Diözese Mantua be- trmit, bis er 1884 auf deren Bischofsstuhl erhoben wurde. In Anerkennung seiner großen Verdienste verlieh ihm Papst Leo XIH am 12. Juli 1895 bett Purpur und ernannte ihn zum Patriarchen von Venedig Im neunten Jahre seiner Patriarchenzeit reiste er dann nach Rom zur Papstwahl. Fünfzig von 62 Stimmen fielen auf ihn selbst.
Welch ein Aufstieg vom kleinen Dorspfacrer zu St. Petri Stuhl. Sein Sträuben gegen die Wahl ist bekannt. Man hat gesagt, er wurde auf den päpstlichen Süchl gedrängt wie Christus auf den Kalvarienberg. Charakteristisch für sein ganzes Denken und Fühlen ist, daß sein erster Gang nach seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl dem schwer erkrankten spanischen Kardinal Herrero gelt
Papst X., der bei mittelgroßer Figur ein sehr sympathisches Acußeres besitzt, ist wahrhaft ein Pavst aus dem Volke und für das Volk. Man blicke nur zurück: Student aus einer der ärmsten Familien, dann ein armer Dorfpfarrer, dessen Schivester zwar kochen kann, aber nichts dazu hat, weiter dann Bischof, der selbst das Versatzamt auffucht, um einer armen Familie zu helfen, ist das nicht ein Papst aus dem Volke und für das Volk?
In Leo XIII. sieht die Geschichte jetzt schon einen der ersten Staatsmänner, Dichter und Politiker, et hat die äußere Stellung der Kirche gebessert und gefestigt. Man hat ihn einen politischen Papst genannt. Pius X. bezeichnet man gern als religiösen Papst. Sem Wahlspruch ist: Alles in Christus zu erneuern. Sein ganzes Streben geht auf Verinnerlichung des religiösen Lebens. Diesem Ziel« dienen alle seine Mahnungen und Reformen.
Mögen ihm noch viele Jahre für seine umfassende lwd segensreich« Wirksamkeit beschieden fein.
[] Die Lebensdauer in Deutschland.
Trotzdem Pessimisten ihre Uiilenrufe über fine „Degeneration* des deutschen Volkes stets von neuem ertönen lassen, weist die Statistik einwandfrei nach, daß die Lebensdauer der deutschen Be- bölkerung ständig im Steigen begriffen ist. Die kürzeste Übersicht über diese Tatsache gibt eine Berechnung der Sterbeziffer auf je 1000 Personen. Danach entfielen im Deutschen Reiche im Jahre 1875 auf je 1000 Lebende 29 Sterbefälle,
im Jahre 1885 auf je 1000 Lebende 27 Sterbefälle,
im Jahre 1895 auf je 1000 Lebende 23 Sterbefälle,
im Jahre 1905 auf je 1000 Lebende 21 Sterbefälle.
Doch diese Sterbeziffern geben kein vollständig zu- verlässiqez Maß über di« Sterblichkeit, da ein Land, h» viele Kinder geboren werden, und wo es viele hochbetagte Personen gibt, eine höhere Sterbeziffer aufweist, als ein Land, das viele Personen mittleren Alters aufweiß. Das zeigt deutlich ein Vergleich der Sterblichkeitszissern zwischen Stadt und Land, wonach die Sterblichkeit auf dem Lande größer ist, als in der Stadt, trotzdem die geftmdheitlicheu KerM'.niffe ein Umgekehrtes bedingen sollten.
Eine sichere Neberficht über die Sterblichkeit erhält man erst, wenn man die SteMichkeiisverhältnisse der einzelnen Altersklassen berücksichtigt und aus diesen jo erhaltenen Zahlen dann eine sogenannt« Adsterbeordnung zusammenstellt. Für die gesamte dei'lfche Bevölkerung liegen bisher, und zwar fiir das männliche und das weibliche Geschlecht oeson- dert. int ganzen drei Absterbeordnrmgen vor, dir eine ist aus den Sterblichkeitsverhältnissen 1871 bis 1880, die zweite aus den Sterblichkeitsverhältnissen 1831 bis 1890 und die dritte aus den Sterblichkeitsverhältnissen 1891 bis 1900 berechnet, diesen wird, sobald das notwendige Material vorliegt, eine Absterbeorduung für das Jahrzehnt 1901 bis 1910 folgen. Die Ab- fterheerbnung der siebziger Jahre ergab für das männliche Geschlecht eine mittlere Lebensdauer von 35,58 Jahren, die Abstrrbeordnuitg der achtziger Jahre ergab eine mittler« Lebensdauer von 37,17 Jahren und die der neunziger Jahre eine solche von 40,56 Jahren. Tie entsprechenden Zahlen für das weibliche Geschlecht sind etwas höher, nämlich 38,45, 40,25 und 43,97.
Die mittlere Lebensdauer hat im Laufe von 20 Jabren, von der Mitte der stetiger Jahre bis zur Mitte der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts bei dem männlichen Geschlecht um 5, bei dem weiblichen Geschlecht um 5V2 Jahre zugenommen. Welch- hohe wirtschaftliche Bedeutung diese Besserung der Sterblichkeitsverhältnisse bat, zeigt die Erwägung, daß die zwei Millionen Kinder, die in Deutschland in jedem Jahre geboren werden, nach den Sterblichkeits- serhältniffen der neunziger Jahre zusammen etwa 8 5 Millionen Jahre durchleben, während sie nach den Sterblirlsteitsverhältnissen der siebziger Jahre nur xtwa 75 SR ifHonen Jahre durchleben würden.
Selbst nach dieser wesenlltchen Erhöhung der mittleren Lebensdauer bleibt Deutschland aber noch ein erhebliches Stück hinter der mittleren Lebensdauer an- derer Kulturstoaten zurück, so beträgt diese Lebensdauer in Schweden 50,94 (männlich) und 53,63 (weiblich). Selgien und die Niederlande überragten Deutschland um etwa 4 Jahre an der mittleren Lebensdauer.
Dieser Unterschied wurde im wesenllichen dadurch bedingt, daß in Deutschland zur Zett der Aufftellung der Absterbeordnungen eine ganz beträchtliche Sterblichkeit im frühesten Kindesalter zu verzeichnen war. Gerade diese Sterblichkeit aber ist in den letzten Jahren mit allen Mitteln und mit großem Erfolge bekämpft worden. Mutterschutz und Wöchnerinnenunterstützungen werden die Kindersterblichkeitsziffer noch weiter herabmindem. Für das Jahrzehnt 1901 bis 1910 wird schon eine weitere Steigerung der mittleren Lebensdauer um 5 Jahre geschätzt, sodaß in nicht allzu ferner Zeit DeutWand die übrigen Kulturnationen eingeholt haben dürste.
Es geht also auch hier vorwärts im Deutschen Reiche.
Amt Geisa und Umgebung.
* Vacha, 2. Juni 1911. Eine Angelegenheit, der man unschwer eine heitere Seite abgewinnen könnte, beschäftigte das hiesige Schöffengericht. Es handelte sich um die Privatklage des Fräuleins Martha K., früher hier, gegen den Tanzlehrer H. aus Berlin. H., welcher hier Tanzunterricht erteilt hatte, hat bei seinem Weggang von hier Fräulein Martha K. in gröblichster Weise öffentlich beleidigt. Obgleich H., welcher wegen weiter Entfernung vom Gerichtsort vom Erscheinen in der Hauptverhandlung entbunden war, bei seiner gerichtlichen Vernehmung die Sache als harmlos hinzustellen srkchte, wird et durch die vernommenen Zeugen seiner Schuld überführt und zu 20 Mark Geldstrafe eventuell zu vier Tagen Gefängnis verurteilt. Auch fallen ihm die Kosten der Sache zur Last. Das muß allerdings ein berufener Lehrer des guten Tones und der gesellschaftlichen Manieren gewesen sein!
♦ Heringen, 1. Juni 1911. Der 11jährige Sohn des kürzlich tödlich verunglückten Bergmanns Sandrock stürzte in die Werra und hätte darin um ein Haar seinen Tod gefunden. Nur dem Umstand, daß er sich an einem Brückenpfeiler sesiklammern konnte, bis Hilfe herbeieilte, dürste er sein Leben verdanken.
* Helmershausen, 2. Juni 1911. Die Massen- erkrankungen, die, wie wir meldeten, hier vorgekommen find, werden auf den Genuß von verdo r- benem Kartoffelsalat zurückgeführt. Vor kurzem war hier eine goldene Hochzeit gefeiert worden, wobei gegen 120 Personen eingeladen waren. Man hatte nun die Kartoffeln für den Kartoffelsalat zum Festmahl schon drei Tage vorher gekocht^ und einsttveilen zugedeckt in den Keller gestellt. Schon beim Mahl fiel einzelnen ein eigentümlicher Geruch des Salates auf und bald nachher traten die Erkrankungen ein. Nach den Symptomen bet Erkrankung hatte man zuerst auf Typhus geschlossen, doch wurde durch den Hygieniker Geheimrat Prof. Dr. Gärtner- Jena das Brunnenwasser als einwandftei festgestellt, so daß nut der anscheinend verdorbene Kartoffelsalat die Ursache der Vergiftung darftellen kann.
* AuS Thüringen, 2. Juni 1911. Am Rechen der Herrenmühle bei Eisenach wurde eine Kindesleiche vorgefunden. — In Weimar herrscht seit etwa fünf Wochen ein solcher Backsteinmangel, daß an verschiedenen Bauten die Arbeit eingestellt werden mußt«. — Die Eisenbahndirektion Erfurt gibt, be» tonnt, daß an dem in der Zeit vom 8.—10. Juni in Ilmenau stattfindenden Bienenzuchtlehrkursus, den der Landesverein für Bienenzucht im Großherzogtimi Sachsen veranstaltet, auch Eisenbahnbedienstete unentgeltlich teilnehmen und dazu Urlaub und freie Fahri erhalten können. — JnBadSulza wurden binnen weniger Tage 2147 Hamster gefangen. Die Stadtkasse bezahlte das Stück mit 8 Pfg. — In den Hafer- seldern bei Weida zeigt sich der Drahtwurm,, der große Verwüstungen anrichtet — Auf dem Güterbahnhof in K o b u r g ist der Arbeiter Forkel ans Kortendorf dadurch sehr schwer verunglückt, daß ihm beim Abladen von Eisenbahnschienen eine Schiene auf den Kopf fiel. Er ist lebensgefährlich verletzt.
AusGberheffen u. Öen Hess. Remtern.
* Marburg, 1. Juni 1911. Nach der.Oberhess. Zig.' ist die Dorlamsche Villa am Barsüßerwr an die Studenien-Verdindung ,Rhenania* (C. V.) nunmehr endgültig verkauft worden. Doch soll von den Bewohnern des Stadtviertels gegen die Benutzung des Hanfes als Studenlenkneipe Protest eingelegt sein. — Einen schrecklichen Tod sand bei Gastwirt Johannes Henkel in M e 11 n a u. Infolge Explosion einer Lampe gerieten die Kleider des Mannes in Brand, wobei der Bedauernswerte so schwere Wunden erlitt, daß er bald nach dem Unfall starb. — Auch in Cappel haben zwei Heine Mädchen bei der Explosion eines Spirituskochers schwere Brandwunden davongetragen.
* Kirchham, 1. Juni 1911. Mit Rücksicht auf die Gefahr der Maul- und Klauenseuche werden
die im Kreise Kirchhain für den Monat Juni anstehenden Bi eh markte untersagt.
* Frankenberg, 2. Juni 1911. Dem Postfekretär Joh. K e s p e r ist aus Anlatz seines Scheidens aus dem Dienste der Kronenorden 4. Klaffe verliehen worden. — Mit Rücksicht auf die Gefahr der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche ist der am 6. Juni d. I. in Frankenberg anstehende Bieh- markt untersagt worden.
* Fritzlar, 2. Juni 1911. Die hiesigen Stadtväter unternahmen dieser Tage die übliche Bcsichtt- gimgsreise in den Fritzla rer Stadtwald, der der Stadt jährlich 40 000 Mk. einbringt und demnach schon der Beachtung weck erscheint. In Anerkeimung der Verdienste des Bürgenneffters Bonatt wurde der gelegentlich seiner Wahl zum Bürgermeister der Stadt Fritzlar im Hinterwalde gepflanzten Buche der Name Bonatibuche beigelegt. Unter diesem Namen wird die Buche auch im Waldgrundbuche eingetragen werden.
vermischter.
♦ Verfehlungen eines Bürgermeisters. Am Ostersonntag war Bürgermeister Klingelhöfer in St. Wendel im Rheinland unter Vergiftungserscheinungen gestorben. Jetzt stellt sich heraus, daß er im Laufe einiger Jahre mehrere hunderttausend Mark unterschlagen und wahrscheinlich deshalb sich durch Vergiftung das Leben genommen hat.
* Das Zehnmarkstück in der Nase. Einen eigenartigen Diebestrick führte in einem Detmolder Kmifmannsgeschäft ein gut gekleideter Mann aus. Das Dienstmädchen einer Familie wollte bei dem Kaufmann eine Rechnung bezahlen und legte die Rechnung mit einem Zchnmarksttick auf den Tisch. Als der Kaufmann die Rechnung quittiert hatte, fehlte auf einmal das Geld. . Der. Verdacht des Diebstahls fiel sofort auf den noch im Ladm anwesenden Fremden, dem der Diebstahl auf bett Kopf zugefagt wurde. Anstatt klein beizugeben, wurde der Mann noch stech, sprach von Verklagen wegen Beleidigung usw. Mittlerweile war die Polizeibehörde benachrichtigt, die den Fremden gehörig ins Gebet nahm. DaS Geldstück konnte aber nicht gesimden werden, bis auf einmal einem der Visitation beiwohnenden Herren die Aussprache des Verdächtigen auffiel. Bei näherem Ansehen der Rase des Fremden sah man einen goldigen Schimmer in dem einen Nasenloch. Das Geld gelangte darauf wieder an feinen rechtmäßigen Besitzer, während der gerissene Spitzbube die schönen Maitage im Untersuchungsgefängnis zubringen muß.
* Nach 49 Jahren Zuchthaus begnadigt. Ein Mann, der einst als Stäuber gefürchtet war, der siebzigjährige Antonio Gatto ans Monte Sani Angelo in der Provinz Foggia, hat dieser Tage das Zuchthaus von Cwitaveechia verlassen: er ist, nachdem er 49 Jahre seines Lebens in verschiedenen italienischen Strafanstalten verbracht hat, vom König begnadigt worden. Gatto war als Jüngling von zwanzig Jahren an? dem Heere desertiert und hatte sich einer Räuberbande angeschloffen; als Räuber machte er sich dann zahlreicher Mordtaten und Erpreffungen schuldig. Nino Birio, dem Kampfgenossen Garibaldis, gelang es endlich, die ganze Räubergesellschaft, mehr als hundert Mann, zu fangen. Die ersten, die sich ergaben, wurden begnadigt; die andern aber — rind unter ihnen befand sich Gatto — wanderten für Lebenszeit i>rs Zuchthaus. Seine Begnadigung verdankt der im Zuchthaus grau gewordene Verbrecher der Fürbitte eines Nestern den er gar nicht kennt, und der sich verpflichtet hat, bis an sein Lebensende für ihn zu sorgen.
* Nach kurz e Ehe den Mann vergijtet. In der Orlfchaft ll r s ch a bei Wien erkrankte plötzlich der 70 jährige Johann Schoenaut nach dem Genuß von Kaffee und starb bald daraus. Der Verdacht richtete sich sofort gegen die Gattin, d e nach längerem Leugnen-eingestand, ihren Gatten mit Arsenik vergiftet zu haben. Schoenaus war mit der um 30 Jahre jüngeren Frau erst feit sechs Wochen verheiratet.
* Im Breslauer Eisiubahnduektionsgebäude gab der dort beschäftigte Sekretär Przynski einen Re- volverschuß auf den Bureaugehilsen Stern, ab. St. wurde lebensgefährlich verletzt. Darauf erschoß sich PrzynSki. Das Motiv der Tat ist in Dunkel gehüllt.
* Drei Milliarden für Alkohol. Der Direltor des psychiatrischen Jnstüuts in Bizerte Rabeuovic veröffentlicht eine aufsehenerregende Darstellung der Steigerung des Alkoholvcrbrauchs in Frankreich. Frankreich steht in bezug aus den Alkoholkonsum an der Spitze aller europäischen Länder, so wurden 1907 in Frankreich 129000000 Liter Alkohol verbraucht oder 3.31 Liter per Kopf. Eine entsetzenerregende Verbreitung hat besonders der Absinth, das „grüne Gift" gefunden; der Konsum von Absinth ilt von <00000 Litern im Jahre 1874 auf 36000000 Liter im Jahre 1910 gestiegen. Frankreich gibt jetzt jährlich drei Milliarden Franken |ür Alkohol aus.
* Spielerkoittrolle in Holland. In her niederländischen Grenzstadt Venlo sind mehrere Spiel- Häuser eröffnet worden. Da die niederländischen Gesetze hiergegen ziemlich machtlos sind, hat die Polizei Wachtposten vor diese Häuser gestellt. Jeder, der das Spielhaus betritt, h.t dem
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