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38« Jahrgang

Fulda, ^onnerstatz den 1. Juni 1^-1-

Erftes Blatt

jV8 121

langsam den Saal.)

AuNiruck.

*

Zweite Sitzung.

drdatteloS angenom-

so

Mensch weiß

Frau March,

isch, Armin!' ^Vielleicht nicht.

fpeüttge Petitzeile oder deren «an» zspfg. l'.eNamendiepetrtzeile Pfg., bei wieder.

yolungen wird entspr. Rabatt gewährt.

üotatisnrdrnSund Verlag der Lnldaer SI» tiendruckerri i« Zulb« Fernsprecher Nr.».

.Um Gotteswill« — davon!'

„Küsse mich!' sagt er leise.

Sie zögert. Tiefes Rot steigt in ihre soeben noch

Abg. Rösiäe (kons.) gibt der Zustimurnng seiner Partei zu der Vorlage Ausdruck. .

Abg. Bogel (notl.) führt aus, daß ein Teil ferner politischen Freunde der Vorlage nicht zuftunmen könne.

Aba. Gvthem iBottsp.) Polemisiert gegen den Zoü-

gegeu den AMrag stimmen nmrderr, ihre Bedeuten durch die KomimffionZvrrhcmdlungcn nicht ancgerMuul seien. Dagegen würden sie aus die Einhaltung der aeschästsordnungSniLßMn Frist von zwei Tagen zwischen ' “ Di?Artü"^M-Ä^rd« utit dem Antrag Schultz angenommen.

Tcmnl ist die Tagesordnung rrledigt.

Präsürent Graf SchwrrinLLwit! beramnt drr nächste Sitzrnuz ans 5 Uhr an.

Doch Ruth gibt sich noch nicht zufrieden. Ihr Arowkchki ist einmal geweckt.

„Warum hast tm mir nie gesagt, daß du meint Amme kennst," fragt sie wieder.

„Laß doch das!" wehrt er ungeduldig ab. „Den! lieber an deine Aufgabe!'

„Arm, ich will nicht."

„Tm willst mir nicht gehorchen, Ruth?

„Ich — ich fühle, daß es unrecht ist,' stammelt sie.

"Unt> dem Schwur vor dem Altar?"

Ja — aber —'

"Kein aber. Dein Schwur bindet dich. Hast du übrigens schon wegen des Testamentes "

Beschwörend HM Ruch beide Hände.

„O bitte, nichts, nichts davon!"

Doch Ruch! Die Waldlmcg gchvct von Nichts weaeu dir. Willst du sie anderen überlassen, also dich und deinen Gatten benachteiligen — mn einer 1tuü= mentalen Schrulle willen?'

Ich kann nicht spionieren, ich kann meine Wohl­täterinnen nicht belügen - es geht mir wider die Natur Such doch selbst noch dem Testament, wenn du so sicher bist! Ich iE nichts damit zu tun ha­ben — nein, nein!"

Ohne ein Wort zu sagen, wendet sich Armin von ihr ab. Langsam macht er einige Schritte vorwärts, als wollte er sie allein lassen.

Dort oben am Firmament leuchten und Hlntet Millionen Sterne. Der Mond wirst seine vollen strah­len auf die kräftige, sich mehr und mehr oüfetnenbe Männergestalt und läßt das Dunkel der Bmrme die gespenstig zum Himmel emporragen, noch unheimlicher

Ueber Ruth kommt es wie eine entsetzliche Angst. Sehnsüchtig streckt ste die Arme aus.

„Armin!"

Er wendet sich.

S» fliegt « ihm hin ____________„

♦s Berlin, 31. Mai 1911. Der Kaiser nahm Mittwoch in Potsdam die Parade über die Potsdamer Gardetruppen ab. — Im Be- finden des Prinzen Joachim ist eine leichte Brffernnz eingetreten. Die Schmerzen halte« jedoch uo.b an,

** Htmbelsmmisternim und Fortbildungsschule. Die Beschlüsse de: AbgeordueiMauskommisiMi zu dem GesetzentwiÄ über die PflichtfoAbildungsschu- lin, dir danach neben dem Handels- in Zukwift auch dem Kultusmiulsterium unterstellt werden sollen, wer­den. dem „Tag" infolge, an maßgebender Stelle a b - gelehnt. ___________

;ae trifft, daß die Vorschrift«« der ReichSverfich«- qsordnmig über AnfieLuna, Besoldung ufw. der mkenlafstnbeamt«, nicht durch »d toc rckArschlo-sieue

Sie bemerkt nicht den spöttischen Ausdruck in fei­nen Zügen. Hastig ergreift sie seine Hand, als fürcht« sie sich vor etwas Unsichtbarem.

Die Macht der Gewissem.

10] Roman von Erich Friesen „Sprich kein Wort, es würde mein Glück stören!

men, desgl. kleinere Vorlagen.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz- Damit ist die Tagesordnung erledigt, (Seblit. Beifall) Wir stehen am Ende eines außerordentlich arbeitsreichen SeffianLai lchw-ttes. Ich danke Ihnen allen für dir Ausdauer, rnt der Sir die Geschäfte gefördert haben, fßebl)., «Lfenirer Berfnll.)

Mdaer W Zeitung

momirbeUagei „Klldaer SeschichtrbMer"

nir, daß «au es zu toll getrieben hat, wird wesentlich mitgewirkt haben bei dem Verzicht auf die Obstruktion. .. .

Dieser Umstand soll uns freürch nicht hindern, dar ruhige Verhalten der äußersten Linken zu loben. Ebenso verdienen die Nationallideralen Lob ür ihre positive Mitarbeit. Einen Teil der Süuden- chnld, die sich diese Fraktion in dem vergangenen Haß. und Hetzjahr aufgeladen hatte, darf man als i efühnt betrachten — wenn kein Rückfall stattfmdet.

Angesichts der außerordentlich reichen früchte, welche die letzte Tagung des Reichstages -bracht hat und die Herbsttagung noch zu ergänzen verspricht, gestatten wir uns die bescheidene Anfrage: Wer haltedenn nun im Jahre 1909 rechts Herr Bassermann und Genossen, die den Reichstag damals auflösen wollten und nach dem Schettcrn dieses Vorschlages in eine» fort von der „schwarz- blauen" Ünsähigkett und Unfruchtbarkeit deklamierten i Oder der Reichskanzler, die Konservativen und das Zentrum, die trotz aller Quertreibereien an dem Programm der soliden, zähen Arbeit festhielten?

Die Hetzer find auf das schlagendste tatsächlich widerlegt. Die Arbeit erweist sich als das beste Erziehungsmittel.

Ureb^rmin schweigt. Er will du paar Wmuten ihrer „Schwäche", wie er es nennt ,uachgHen; dann

„Wie kalt du bist, Ruth!"

„Kalt? Mein Kopf glüht."

„Sterne Äefiatl Warum hast bn keinen Umhang Mit? Du wirst dich erkälten!"

" Sie lacht — ein helles, glückliches Lachen.

„Wie kann ich an meine Gesundheit denken, wenn ich dich scheu soll!"

Lange Pause ...

„So liebst du mich noch ebenso

„Sieben?" unterbricht sie ihn leidenschaftlich. „Ick, sstöchte für dich iterfan!" Schwärmerisch blickt ste i» fein über sie geneigtes Lntlitz, dmm flüstert ste leis-: tzRem, ich mochte für dich leben!'

Saust stellt er sie ms dem Schatten der Bäume ms Koste Mondi ich t.

'*! „Du wirst also für mich leben, Ruth? So leben, Ae ich « wüns^?" jr«H « ernst.

i Sie antwortet nicht gleich. Noch ruht ihr Kopf au seiner Brust.

„So leben, wie ich es wünsche?' wiederholt er, ihren Kops emporhebend und ihr fest in die Äugen ßtickend.

Sie «schauert unter diesem faszinierenden Bück. $V6re Arme lösen sich von seinem Nacken.

„We meinst du das?" fragt sie bekomm«

We Zeit wird es lehr«.'

"gtein, Armin. Ich habe keine Lust, darauf zu tzarteu. Meine gegenwärtige Lage ift unhaltbar.'

„Sie wird nicht lange dauern, mein Lieb.'

Er nimmt ihre Hand zwischen die sein«. Zuerst zuckt diese kleine Hand zurück; dann fügt sie sich ruhig feinem Druck.

bleichen Wangen.

„Küsse mich!" wiederholt er. , Schweigend preßt ste ihre Lippen auf die fernen.

„S»! Fühlst du dich jetzt besser?'

Sie nickt.

halber verzichten mußten. Dieses Nachtragsgefecht hot mrS sehr «faßen. Einerseits zeigte es, daß die Regierung gegenüber den Pfiffen und Sehttch-« per sozialdemokratischen Äasfendrspoteu wacker ans dem Posten ift und daß auch iu der Gesetzgebung „Geschwindigkeit keine Hexerei' ist, wenn es gilt, den raffinierten Widersachern der ge­setzgeberischen Zeit den Weg zu verlegen. Anderer. fcitS hat jetzt besonders klar zutage, daß die soMl- demokratische Reichstagssraltw-i trotz ihrer sonstiges Wdtberzigkeit und Kühnheit sich ansierftai^e süW, die allzu argen Mißbräuche bei der parteipoiiufcheu Ausnutzung der Kaffen zu wrieibiperi. Die Eulenst-

„Du wich tun, was ich dir sage,' beginnt er abermals. „Warum? Weil ich es will!"

Leise beginnt sie vor sich hin zu schluchzen.

.Nicht weinen, mein Lieb!" murmelt er weüh „Ich will dir nicht wche tim. Steer bedenke: Du bist mein >u gehöch $u mir, du bist ein Teil meines eigenen Zch — der bessere Teil. £4 wir -mpochre bett, ob wir sinken — wir gehören zusammen."

^h -!'

Noch einmal sucht Ruth ihre Hand aus feinem eisernen Griff zu befreien. Vergebens. Resigniert läßt sie den Kopf M«.

Langsam geleitet Armin fein Weib unter den alten Mchm auf und ab. Er hält ihre Hmch fest in der seinen und Nickt ihr von Zett zu Zeit tief in die Ungen, dabei ernMch und feierlich in sie hmeuwr- derid.

„Während der nächst« Woche mußt du suchen, dich zu beherrschen, mein Lieb. Du mußt dein Köpfchen anstrengen, mußt schlau, erfinderisch sein, wie es ge­rade nötig ist. Euch Frauen fällt die Verstellung, das Intrigenspiel ja »Id leichter als uns Männern. Ich würde meinen ganzen Plan überhaupt nicht ersonnen haben, wenn ich nicht dabei auf deine Hülfe gebaut hätte. Fräulem Forster muß mich eine Woche lang für Lord Donald halt« und —'

— und du wich Virginia den Hof machen, nicht wahr," unterbricht ihn Ruch erregt.

Stritt tu (äd)elt.

„Ein wenig — nut meiner Rolte gemät"

Und ich — muß zu Lord Dona» liebenswürdig sein?'

weiß eS.'

„Ach so! Die Mt ni „Warum nicht?" „Davon eht andermal.

ankämpfen? Du bist mein und wirst tun, w« ich will. Richt wahr?"

„Ja —' hmrcht sie.

"Du wich das Tchament finden!'

^Jch —" sie zittert.

"Du wich das Testament finden!'

„Ja, ja, Armin- gewiß."

„Es ist in der Waldburg verborgen!'

„Ich — ich glaube nicht."

„Es ist in der Waldburg verborgen; ich weiß es.

Du mußt danach such«."

"Vielleicht in dem Zimm«, in welchem bdne

Sticftante sterb!" ., .

„Tort schläft jetzt Frau Forst«. Dort tarn ich nicht suchen"

„Du mußt dort such«."

Ruth schweigt.

„Willst du?" fragt Armin leise.

„RÄn, nein!"

Sich mich an!'

Ich will dich nicht anschm."

„Sich mich an und sage, daß du tun willst, tvaS ich

dir befehle!" , ,„„ . . , „

Langsam hebt sie die Lid« und blickt m seine fest auf sie gerichteten Augen.

Wie mit magnetischer Gewalt halt es sie fest. Ihr?

Pupillen vukeinem sich.

„Willst du?" fragt Armin abermals.

„Ich will!"

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

** Avz. Kirsch f.

Eines der pflichttreuesten und arbettsamfleu B!il- glieder der Zentrumsfraktionen tm Reichstag und im Landtag, der Abg. Amtsgerichtsrat Kirsch ist Mittwoch mittag in Düsseldorf, 64 Jahre alt, ge> torden.

Kirsch war schon vor tangerer -seit «krankt und mußte sich überdies vor einigen Tagen einer Blind- darmoperatiou unterziehen. Der Verstorbene, der seit 1895 Amtsgerichtsrat in Tüffrldorf war, ge­hörte fceni Abgeordneienhause seit 1893, dem Reichs­tage seit 1898 an. In beiden Par!am,tüen vertrat er den Wahlkreis Düsseldorf.

Die Zentrumssraktwnen. werden seinen Verlust schmerzlich empfinden. Besonders iu juristischen Fragen entwickelte er große Sachkenntnis, Gewandt- Ijeit und Schlagfertigkeit. Sein freundliches Wesen i-nttc ihn überall beliebt gemacht. In der Heimat stand er mit an der Spitze der Zentrumsorglwi- isiwutii. Mit seinen Wählern hielt er stets enge Fühlung, und seine häufigen klaren und ums affenden Tätigtest-berichte wurden in Düsseldorf gern gehört.

Bei deo ksltn Reichslagswahlcn siegte er in der Stidjmbl mit 33317 gegen 25233 für den sozialdemokratischen Gegner abgegebenen Stimmen. In der voroufgeheuden Hanptwahl hatten von 84244 Wahlberechtigten 70189 gewählt, unb zwar waren dabei ans den Zeutruniskandtdaten 29259, den Sozialdemokraten 25389 und den National- iteeralrn 14664 Stlmmen entfallen. Die Sozialde­mokraten roerben jetzt die erdenklichsten Anstrengunge» machen, das Mandat zu erobern. Die Entscheidung steht bei den Nationalliberalen. Von dem Grade ihr« Sympathie für den il in stürz hängt es ab, ob die Genossen siegen werden oder acht.

rungsgesetz. Die Bersicherungskommrs- fion trat am Mittwoch noch einmal zusammen zur Beratung der an ste zurückverwiesenen Paragraphen über die Angestelltenverträge und der dazu einge« brachten neuen Komproßmißanträge. Diese bezwecke» in der Hauptsache zu verhindern, daß die Vorschrif­ten in der Reichsverficherungsordnung, umgangen werden, was durch gewisse Praktiken bei der Abän­derung bestehender Vertrage noch vor Inkrafttreten der Reichsversicherungsordnung versucht wird. Ja der Kommifsionsverhandlung führte Mimsterial- direktor Caspar den Beweis, daß derartige IerfuchE tatsächlich bereits gemacht sind. Alle bürgerlichen Parteien erkannten infolgdwssen die Berechtigung der Komproinißanträge an und stimmten ihnen in einer durch Anträge Dr. Jänsch (nl.) abgeänderten Fasiunq zu. Ministerialdirektor Caspar führte ttt der Debatte aus, daß in der Tat Krankenkaffen durch neue Verträge die im Gesetz entstehenden Beftlm- tuunaen zu umgeben suchen. Aus verschiedenen Or­ten seien an die Regierung Vertrags f o r- m u l a r e gesandt worden. Darin werde u. a. fest- gestellt, daß im Falle der Entlaffung den Beamten 25 Prozent aller bisher ihnen zugekommenen Ge- haliSbezüge als Entschädigung oder„Absendung aczahtt werden, sodaß also Beamte, die 80 Jay« fang cüva 4000 <>< bezogen hätten, 20 000 M Ent- schadianng erhalten würden. Außerdem seien ttt den Berirägeu Schiedsgerichte vorgesehen, die etn- seitiq zusammengesetzt wären. Ei« solcher Ber- trasseniwurs ist ausgestellt für die Krankenkasse der Kaufleute in Berlin, an deren Spitze der Sozial­demokrat Cohn steht, und der Entwurf ist der Re­gierung von dem Magistrat Berlin übersandt wor­den mit dem Bemerken, daß er gegen alle gute« sittcii verstoße. Auch von anderen Setten überall­her aus Deutschland seien solche Vertragsmuster eingesandt worden. In der Zeitung der sozteckdsno- kratischen Kassenangestellten sei auch ausdruckttch daraus aufmerksam gemacht Wochen, daß folche Ver­träge geplant seien. Dadurch sei die R^terung erst auftnerlsam gemacht Wochen. Von allen bürgerlichen Rednern wurden diese Verträge s ch a r s, verur­teilt. Es wurde attch darauf hingewiesen, vag

Abg. Bass«man» (ntlb.): Im Namen des Hauies gestatte ich mir, unserem sehr verehrten Herrn Präsi­dent« für seine gerechte und wohlwoll«de Geschäfts- führuna in dies« arbeitsreichen Sitzungsperiode ben wärmst« Dani anijufprechen. (Lebhafter, allfettiger Beifall.)

Präfldmt Graf Sästoerin-Löwitz: Ich danke Ihnen herzlich. Wenn er nur bis zu einem gewtffen Grade

' die Geschäfte deS Hanfes zu fördern, fo ich da? Wt Unterstützung all« Parteien des seS und dem Unermüdlich« FleHe und der Ar- ~ “— » — ver­

dank«. - DaS Wort Hai der Herr Reichstanzler.

Reichskanzler t>. »ethmami-Hollweg: Metne Herren, am Schluss, ein« Tagung, die reich an auf« opfernder Tätigkeit ift, habe ich dem Reichstage eine Allerhöchste Verordnung «ützuteil«. (Das Haus erhebt sich, auch b« Abg. Bebel mit den meisten der anwesenden Sozialdemokrat«; einige Sozialdemokrat« bleiben sitzen.) Der Reichskauzl« verliest die Aller- höchste «abinetirordre, gegeben ReueS Palats am 31. Mai, won^h d« Reichstag bis »um 10. Oktober vertagt wirb, und «»«.eicht die Unterschrift dem ReichStagspräsid«t«.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Wir ab« geh« auseinander mtt dem Ruf: Se. M-jestäl der Kats«,

Mrllchtevrzugrpreir »hm Vringerloh« und -estell-eldwMdas», WUa»»»ärtsl-50IHL

verautt». Uedattemr

X „Reich au aufopfernder Tätigkeit".

So kennzeichnete d« Reichskanzler in dem EinleitungSsatze für die Vertagung die letzte Reichs- taasseffw«. DaS Lob, das ihm so nebenbei ausge­sprochen wurde, hat tret Reichstag wirklich redlich verdient. _ „

Und zwar d« Reichstag im ganzen. Früher mußte man wohl unterscheiden zwischen Partcreu von aufopfernder Schaffenslust und Parteien von rückfichtslof« Odstruktionssucht. Diesmal haben die Partei«, welche schließlich nein sagen mußten oder wollten, sich brr Obstruktion «galten. Wenn es auch an Mitteln und Wogen zur Ve- settigung d« StörungSvcrfuche nicht geschtt hätte,, so »st doch der Verzicht auf die Versuche Der An«- kennung wert.

I« dieser Beziehung f ah cs tu den ollerlehteu Twa« noch etwas kritisch mtS, da dir Regietung und die Mehrheitsparteien sich genötigt sahen, tu der elften Stunde noch einige neue Besüutwurigm m das SrnsührungSgesetz hineinzubriuGw, die die m- zwffch« bekanntgewordenrnD«snche zur U m g c h uu g der Vorschrffteu gegen den parteipolittschen Mw- brauch der Lteaukeukaffru sn-cilcln sollten. Die lÄ>- hast umstrittene Frage der Vorstands bild u ng sowie der Anstellung und Disziplin der Nassen, beamten wurde noch einmal auf die Tagesord­nung gebracht, und die SozialDcmokrateu zeigten zuerst die Neigung, diese nachträgliche Abwehr der Willkürherrschast ihrer Partcigcnoffen durch ge- schäflsordnuugsmäßige Schwi«igkeileu zu «schweren. Es war gut, daß Der Reichstag noch eines ArbeUs- tagzulegte,umdieAugetezesheitmd«Komm i sf ion zu beraten. Dort brachte bann die Regierung ein so durchschlagendes Moterial vor, daß im Sozial­demokraten, wenn sie auch ihren ablehnenden Stand

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 31. Mai 1911.

Vor Eintritt in die Tagesordnung gedenkt Prchi- dent Mas Schwerin des verftorlren« Abg. Kirsch. Düsseldorf Cgentr,) in einem warm empfundenen Rach- fits. DaS Haus ehrt das Andenken des Verstorbenen m der üblichen Weise.

Hi«aus wird tret StegteruxgSantrag bete.

Bertastrng bes Reichstages bi» $ttm 10. Oktober »ebatteloS angenommen.

Es folgt die zweite Beratung des HandelsvntrasS Xttt Schweden.

Die KomMssion beantragt Annahme von Refo- kutionen bete. Beseittgung der Gebühr« für Beeren- lekescheine in fiskalischen Forste», fern« bete schlü­ssigen Ausbau bezw. Herbeiführung der AuSnahmetarffe £tt Gunst« der HartstrnickidrHrte.

Minister v. Brett«bach «Härte, daß « für eine rarifermüßigung für Pflaft«steb« strgen «olle.

Aba. Wallenborn sZente.) erklärt, daß sich em Teck Jner politischen Freunde mit Rücksicht auf die Lage Vir Pflastersteinindustrie nicht «Ufchließeu könne, d« Vorlage «nuftimmen. In d« Pflafterfteminduftrie 4 ” ein Rückgang wenn

lich würden die in trugen einigermaßen Ab­

lassen. Ein solches Vorgehen gegen mitzttewge w antieit wurde auch von sozialdemokratischen RednttN verurteilt. Schließlich wurde das Boraehen der .lle- atentng gebilligt und die Anträge und Bestrmmungen im Einsuhrungsgesetz gegen die Sozialdemokraten angenommen.

"x Mit der Geldbeschaffung der Städte soll sich der im September in Posen abzuhastende Städtetag befaffen. Man erstrebt, um dre endlosen Schwierigkeiten der Städte bei der Be­schaffung von Geldern zu erleichtern, die Er- richlnug einer VrrmittlungsfleLe für langfristige Darlehen und beffere Fühlung mit den Spar- [offen. — Das beste Mittel gegen die Finanznot der Städte ist die Sparsamkeit.

4- Der „Graf ben der Hohkimiqsburg". @» wurde schsil von dem Gerüchte berichtet. wonach der Reick'skanzler v. Bethmann-Hollweg für das Zu- standekommen der verschiedenst vom Reichstag er­ledigten Gesetzesvorlagen, insbesondere ine elsaß- lothringische Berfcffsungsreform, durch b« Vor- leümnq des Grosentitels vom Kaiser belohnt wer­den solle. Im Reichstage wurde nun der Scher, verbreitet, Reichskauzl« v. Bethmann-Hollw« solle zum Lohn für die elfoß-lochringffche BerfaffnugS- lefornt zum „Grafen von der Hrchkonigsburg er- namtt werden. Der Sch«; muß irgendwie ernst ge­nommen worden fein, denn wie wir aus der „Poft ersehe», wird er in einer Korrespondenz eines D e- mentis gewürdigt.

0 Im Reichstagswahlkreise Stralsund-Rügen- Franzburg sollen die Konservativen bei der

tarif und erklärt schließlich, daß seine poüttfchen Freunde trotz mancherlei Bed«k« dem Vertrag zastuimien würden. „

Abg. Frhr. v. Gamp (Rp.) tttit den AnMiff« des Vorredners auf den Zolltarif entgegen. Dem Beitrag Werde « mit einem Teil fein« Freunde jufhmuren.

Iu der Spezialdebatte werden die «nzewrn Artckel heS Aertragrs angenommen, eben-e die LonmsiffiouI- fefoUtäonen. . _ ..

Hierauf tritt auf Wunsch der e-ozraldemvtraten eine ^stündige Panse em, um zu den Komunffivns- beschrüffenzmnEinfuhrungsgesetz zur Reichs- versicherurlgsordnung SteLmrg nehm« zu können.

Um 4V« Nh» wirb die Sitzung wieder Lusgeuommen und d«G^etzeniwurf bete, die vorläufig« Rege- lüna der Handelsbezirh«n,eu zu Japan in zweiter Lesung engenonunen, ebenso bei Gesetzent- Wurf bete, bre Tagrgetbrr «nd «m-«Mofttn brr Solo- tsialbeamten.

Es folgt die Fortsetzung der zweit« Beratung des Ei >i s ü hrn irgssr fr tzes zur KrichOversichrrunsKm^m«^, und zwar bei dem gestern an die ÄtnnutRien Wrrrck- Vrrwiefenen Art. 30 bis 32 bezw. dem dazu ^stellten