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„Seien Sie uns herzlich willkommen, Fräulein Harrison? Treten Sie näher!

„Danke, Frau Forsters

Ruth versucht nicht, ihr unerwartetes Kommen zu erklären oder gar zu entschuldigen. Hastig entfernt sie die letzten Tränenspuren, steckt das Taschentuch ein und folgt den beiden Damen ins Frühftii^ziminer.

Nachdem sie Tee getrunken und Früchte und But­terbrot gegessen, hat sie sich wieder völlig beruhigt.

„Sie werden den Grund meines Kommens wissen iPoKeti —* beginnt sie zögernd.

„Nein, mein Kind!" fällt Frau Forster gütig ein. „Sie sind uns stets willkommen. Jedes — wenn Sie mir etwas Besonderes mitguteilen haben —" und sie deutet mit einer einladenden Geste nach dem daran­stoßenden Zimmer.

Von neuem treten Ruth die Tränen in die Augen. Es ist ihr Lieblingszimmer, ihr ehemaliges Boudoir, ganz in Blau und Weiß gehalten, mit Bildern ihrer Lteblingsmaler und einem Ebenholz-Pianino, an dem ihr Herz besonders hing.

Ach vorbei. Alles vorbei.--

„Ich bin atm, ganz arm, Frau Forster", schluchzt sie auf, in einen Seffä linkend. „Ich besitze nichts, nichts mehr. Einst glaubte ich, die Waldburg würde mir gehören — doch nein, ich bedauere ihrm Verlust nicht. — Mich quält ganz etwas anderes. Aber, Frau Forstet, ich kann nicht so existieren — so ganz mittellos — und da dacht' ich — weil Sie so gütig sein sollen —", sie hebt zum ersten Male die Lider und richtet ihre Äugen bittend auf Fran Forster, — „da dachte ich. Sie würden mich vielleicht hier behal­ten — nur eine Zeitlang — vielleicht als — als Ge­sellschafterin von Fräulein Virginia. Ich werde mein Bestes tun — ich, ich könnte mich irgendwie — nütz­lich machen."

Stockend, stoßweise, erregt kommen die Worte von ihren bebenden Lippen. Virginias warme? Herz ist sofort von innigstem Mitleid erfüllt.

„Natürlich, Liebste, Ich freue mich unendlich!" ruft sie in ihrer impulsiven Art, Ruth in ihre Arme schließend. .Mama, sage ihr, sie soll hier bleiben, so lange es ihr gefällt! Für immer!"

Frau Forsters Gesicht ist ernster geworden. „Ich bitte dich, Virginia, laß uns für kurze Zeit allein! Ich werde alles aufs beste ordnen, mein Liebling."

Zögernd verläßt Virginia das Zimmer. Ruths Augen folgen ihr mit einem unerklärlichen Ausdruck.

Erregt schreitet Virginia den Korridor auf und ab, gefolgt von Nero.

„Ich hab' dies Mädchen lieb", murmelt sie halb­laut, mit einem zärtlichen Blick nach der Türe hin, hinter welcher soeben Ruths tiefe Stimme ertönt. „Du brauchst nicht eifersüchtig zu fein, Nero. Wie traurig ste aussieht und wie schön dabei — wie die Heldin aus einer alten Tragödie? Nichts besitzt sie mehr, kein Heim, kein Geld, nichts. — Ich könnte das alles nicht aufgeben um der Liebe willen — nein. Ich kenne die Armut und weiß, wie ste tut Ich glaube überhaupt nicht, daß ich mich je verlieben werde. — Wozu auch? Ich habe alles, was ich wün­sche — meine liebe Mama, die Waldburg, dich, Nero — und jetzt auch noch eine Freundin. 3dj bin glück­lich, vollkommen glücklich. — Wenn Mama nur recht gütig zu ihr ist!" Aengstltch horcht sie nach der Türe hin. „Welches Zimmer wollen wir ihr geben? Viel­leicht das gelbe, Oder nein — lieber das rosa und weiße neben meinem Schlafzimmer! Das wird sie aufheitern. Lauter weiße Spitzenvorhänge mit rosa Seidenschleifen! Ja, ja, Ruth soll das rosa und weiße Zimmer haben!"

So mit sich selbst plaudernd eilt dar liebe Mäd­chen nach dem Garten unb schneidet die schönsten Ro­sen zu einem Strauß für Ruth, dabei Immer das Haus im Auge behaltend. —

Bald erscheint Frau Forster wieder auf der Ter­rasse, um ihrer Tochter mitzuteilen, daß Ruch Harri­son vorläufig einige Monate hier auf der Waloburg bleiben werde; dann gedenke ste zu heiraten. Wie Virginia bereits wisse, sei sie verlobt und habe eS sich herausgestellt, daß der Glückliche, um dessentwillen Ruth alle- hingegeben, Lord Donalds Sekretär Armin Stott sei.

„Und nun, mein Zlnd, heiße deine neue Freundin willkommen!" schließt Frau Forster gütig, nach dem

Korridor deutend, wo soeben Ruths schlanke Gestalt austancht.

4. Kapitel

Schon nach wenigen Tagen fühlt Rrrth sich wieder vollkommen zu Haufe in der Waldburg.

Frau Forster und Virginia behandeln ste mit wärmster Aufmerksamkeit, und die Dienerschaft, von welcher der größte Teil bereits fett Jahren In der Waldburg weilt, begrüßt die ehemalige junge "Herrin mit aufrichtiger Freude.

Wenn Virginia sieht, mit welcher Liebe und Ver- ehnmg alle zu Ruth aufblicken, wie diese jeden Dorf- bewohner genau kennt und sich nach feinen kleinen Leiden und Freuden erkundigt, wie die Augen der Kranken bei Ihrem Anblick ausieuchten — dann sagt sie sich wohl manchmal nachdenklich:

„Dem Namen nach sind wir, Mama und ich, die Herrinnen auf der Waldburg — in Wirklichkeit aber scheint es Ruth zu fein, dieses schöne, seltsame Mäd­chen mit der Gestalt einer Venus und den rätselhaften Augen einer Sphinx."

Virginia ist zu edelmütig, um Neid zu empfinden, und doch berührt es sie ganz eigentümlich, wenn bei ihren Spaziergängen die Dorfbewohner mit Blicken und Worten grüßen, während sie, die eigentliche Her­rin, kaum beachtet wird.

*

Eines Morgens, als die beiden jungen Mädchen wieder ihrm gewohnten Spaziergang ins Dorf unter­nehmen wollen, fragt die alte Haushälterin in einem gewissen Tone des Vorwurfs, ob Fräulein Ruth nicht ihre frühere Amme aufsuchen wolle. Die Alte fei krank. Sie habe von Fräulein Ruths Anwesenheit gehört und sei ganz außer sich darüber, daß Fräulein Ruth sie noch nicht besucht habe.

Ruth wird rot. Die Erinnerung an ihre Amme scheint sie nicht angenehm zu berühren.

„Gewiß, gewiß, ich werde sie nächstens besuchen", sagt sie mit gezwungenem Lächeln.

(Fortsetzung folgt.)

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M W.

Zreltag den 26. Mai I9U.

58. Jahrgang.

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Leitung«

2. Matt.

vruck und Verlag der Sulbaer Aeilendruckerel in Mda.

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Reklame»- und Anzeigenteil.

Aus Gberheffen u. den heff. Aemtern.

A Marburg, 25. Mai 1911. Die gestrige B e- e r d i g u n g des so plötzlich dahingeschiedenen Ku­rators unserer Universität, Wirkt. Geh. Ober-Reg.- Rat Prof. Dr. Schmidtmann gestaltete sich zu einer inrposanten Trauerkundgebung. Im Trauerzug be­fand sich der gesamte Lehrkörper der Universität, sämtliche studentische Korporationen mit ihren Fahnen, die nicht inkorporierte Studenten und zahl­reiche Bürger.

* Kirchhain, 25. Mai 1911. Am Samstag tagt hier der landwirtschaftliche Kreisverein, um u. a. die Vorstandswahl zu tätigen. — Von den Zige u- n e r b a n d e n, die zurzeit Oberhessen heimsuchen, bekam auch unsere Stadt etwas zu sehen. Vorgestern passierten mehrere Wagen, begleitet von etwa 25 Männern und noch mehr Weibern und Kindern, von Holzhausen aus durch die hiesige Gendarmerie transportiert, das Amöneburger Tor, um durch die untere Stadt auf schnellstem Wege wieder abgescho­ben zu tverden.

* Frankenberg, 25. Mai 1911. Die Kasseler Handelskammer befaßte sich in ihrer letzten Sitzung mit dem Bahnprojekt Zimmersrode—Frankenberg. Herr Finger (Frankenberg) beantragte eine Ein­gabe der Kammer an den Minister der öffentlichen Arbeiten, daß für den Bau der letzten Teilstrecke der Nebenbahnlinie Zimmersrode—Frankenberg, na­mentlich für die Linie Gemünden a. d. Wohra bis Frankenberg die erforderlichen Mittel im nächst­jährigen Entwurf eines Eisenbahn-Anleihegesetzes bereitgestellt werden. In der diesjährigen Vor­lage ist leider wider Erwarten die Weiterführung der Linie nach Frankenberg noch nicht vorgesehen worden. Es verlautet sogar, daß beabsichtigt werde, diese kleine Teilstrecke nicht auf einmal bis nach Frankenberg auszubauen, sondern zunächst nur bis Kloster Haina, das etwa 7 Kilometer von Gemün­den entfernt liegt. Dadurch würde aber zum Nach­teil des in Frage kommenden Gebietes die Fertig­stellung der ganzen Bahnlinie noch auf Jahre hin­aus verzögert werden, was übrigens auch durchaus nicht int Interesse der Eisenbahnverwaltung liegen würde. Der Vorsitzende wies darauf hin, daß wegen der Linieitführung der Strecke Gemünden—Fran- kenberg, die nach dem früheren Anträge der Kammer über Frankenau und Löhlbach erfolgen solle, wohl noch Meinungsverschiedenheiten beständen. Im üb­rigen stimmt die Kammer dem Anträge zu. — Die Stadtverordnetenversammlung stimmte der Auf­nahme einer Anleihe von 54500 JC zu; der Betrag wird zum Grundstückserwerb für den Schul­hausneubau und für Erweiterung der Wasserleitung verwandt.

Gläubiger an diese ausbezahlen, sodaß diese dann m ganzen 30 Prozent erhalten haben.

* Worms, 23. Mal 1911. Einer Mark Zeugengebühr wegen muß ein Reisender von hier tnS Zuchthaus. Er ließ sich nach einer Prozeßverhandlung, in der er als Zeuge vernommen worden war, eine Mark zu viel auszahlen, da er Vertreter einer Maschinenfabrik fei und den Ver­kauf einer Maschine versäumt habe. AlS die Un- richtigkeit seiner Angabe erwiesen wurde, erhielt er wegen Betrug- eine Woche Gefängnis, was ihn zu einer wefteren Dummheit verleitete. Er suchte nämlich nunmehr einen Wirt zu der falschen Aus­sage zu bestimmen, an dem betreffenden Gerichts- tage würde er ihm eine Flaschenfüllmaschine ab­gekauft haben, wenn er zu ihm gekommen wäre. Der Wirt hütete sich aber, in der Berufsverhand­lung die gewünschte Aussage zu machen, dagegen kam auch diese Sache heraus, und nun mußte der Wirt in der Verhandlung wegen versuchter Ver­leitung zum Meineid unter Eid die Anklage be­stätigen, woraus das Gericht auf das Strafminimum von einem Jahr Zuchthaus erkannte nebst drei Jahren Ehrverlust.

* Aus Nassau, 25. Mai 1911. Entsprechend der Vermutung gehörten die in Limburg aufgestrndenen Kleidungsstücke einer Dame, die infolge nervösen Leidens den Tod in der Lahn gesucht hat. Ihre Leiche wurde bei Diez geborgen. Dagegen ist die Meldung von einem Leichenfund darauf zurück- zuführen, daß ein aus Wehlheiden bei Kassel stammender Krankenwärter plötzlich einem Herzschlag erlegen ist. — Am 27. Mai, dem Todestage des letzten Fürsten von Nassau-Hadamar, lassen die Hadamarer Ortsgruppe des nassauischen Altertumsvereins und die Stadt Hadamar in der Fürstengruft auf dem Mönchs erg einen Kranz niederlegen. — Aus dem Zentralgefängnis bei Freiendiez sind zwei gefährliche, vielfach vorbe­strafte Einbrecher durchgebrannt, die beide noch lange GefänzniSstrasen abzubüßen haben.

* Aus der Schwalm, 25. Mai 1911. Mitte dieses Monats hat der Kunstmaler Herr Professor B a n t« zer aus Dresden mit seinen Schülern (etwa 15 an der Zahl) wieder die Malerkolonte Wil­ling sh aus en bezogen. Letztere bietet gegen­wärtig, namentlich für Landschafter, eine überaus reiche Fülle herrlicher Motive.

* Ziegenhain, 25. Mai 1911. In Lender­scheid im Kreise Ziegenhain feierte einer der ältesten Bewohner des Ortes, der Landwirt Johan­nes Reichberg und seine Ehefrau Anna Elisabeth, geb. Salomo, das seltene Fest der goldenen Hochzeit.

* Amöneburg, 25. Mai 1911. Die „Oberh. Z." meldet: In mehreren Gehöften Amöneburgs ist durch den Kreistierarzt die Schweine-Rotlauffeuche festgestellt worden. Gemäß § 22 des Reichsgesetzes vom 23. 6. 1880/1. 5. 1894 wird der Weidebe­trieb für die Schweine zu Amöneburg bis auf weiteres untersagt.

* Fritzlar, 25. Mai 1911. Die hiesige Ab­teilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 11 wird vom 8. bis 28. Juni auf dem Schießplatz Alten« Grabow bei Magdeburg weilen. — DaS dies­jährige Aushebungsgeschäft vor der Ober« Ersatzkommiffion findet Dienstag, den 13. und Mittwoch, den 14. Juni von morgens 10 Uhr ab in den Räumen des „Stadtparks" statt.

Amt Geisa und Umgebung.

*Ans dem 4. Verwaltungsbezirk, "25. Mai 1911. Ta bei anhaltender Trockenheit die Gefahr der Waldbrände erheblich gesteigert ist, wird vom Großh. Oberförster für das Gebiet des eximierten Großh. Dermbacher Forstes bis auf Weiteres das Tabakrauchen im Walde, sowie das Anzünden von Feuer und Wegwerfen von Zündhölzern usw. daselbst bei Geldstrafe bis zn 60 M oder Haft bis zu 14 Tagen verboten.

* Vacha, 25. Mai 1911. Die Werra-Werke nehmen in den nächsten Monaten wieder den Be­trieb als Papierfabrik auf. Der innere Aus­bau des Werkes soll soweit gefördert werden, daß die Betriebseröffnung im Laufe des Juli noch vor sich geheit kann.

* Dermbach, 25. Mai 1911. Am Samstag den 27. Mai findet hier ein Schweinemarkt statt. Der Schweinemarkt ist vom Großh. Bezirksdirektor unter der Bedingung gestattet worden, daß nur Schweine aus dem 4. Verwaltungsbezirk unter Aus­schluß des Sperr- und Beobachtungsgebietes Weilar, Stadtlengsfeld und Urnshausen aufgetrieben werden dürfen.

* Sechsen, 25. Mai 1911. Dieser Tage wurde gegen den Landwirt Weißenborn die E n t e i g - ti u n g von Grundstücken zum B a h n b a u vor- genonnueu. Mit dem Landwirt Kirchner ist dieser Tage ein Uebereinkommen getroffen worden. Er verkauft der Gewerkschaft 7 Acker Land zu je 1700 M. Auf diesem Grundstück wird der Bah n- h o f errichtet.

* Kieselbach, 25. Mai 1911. Bei dem hier ab» gehaltenen Turnfest verunglückte ein Tur- net beim Stabhochsprung dadurch, daß der Stab zer- brach und der junge Man« zur Erde stürzte. Er wurde bewußtlos vom Platze getragen.

* Kaltennordheim, 25. Mai 1911. Hier wurde ein Kochkursus, der einen sehr erfolgreichen Verlauf genommen hat, beendet. — Unser Ort soll eine Kinderbewahranstalt erhalten. Hof- entlrch verwirklicht sich dieser Plan, der vom Frauen­verein ausgeht. Vielen Eltern, die während der Sontutermonate oftmals den ganzen Tag auf Fel-

vermischtes.

* Die Verantwortung des Betriebsleiters. Ein Werkmeister wurde zu einer Woche Gefäng­nis verurteilt, weil er eine Arbeiterin beauftragt hatte, ein unverschlossenes Gefäß mit Zyankali aus einem Stockwerk in das andere zu tragen. Die Arbeiterin stürzte, fiel in die Zyankalllösung unb starb infolge Vergiftung.

* Ein großartiger Erbschaftsschwindel brachte den Fabrikarbeiter Otto Besenius und seine Ehefrau aus Plettenberg auf die Anklagebank vor die Hagener Strafkammer. Es ging dem Ehepaare, da der Mann Monate hindurch krank gewesen war, herzlich schlecht. Völlig mittellos wanderten sie nach Lüdenscheid, um dort Arbeit zu suchen. Zwar fanden sie beide solche bei der Firma Berg, doch wurde der Mann seines Lebens nicht froh. Da kam die Frau auf den Ge­danken, ihm eine große Erbschaft vorzuschwindeln. Eines Tages überraschte sie ihren Mann mit bet frohen Botschaft, daß sie in aller Kürze von einet reichen Erbtante eine halbe Million Mark zu er­warten habe. In Erwartung der reichen Erbschaft, die übrigens nach und nach auf 1 800 000 M an­wuchs, hing Besenius die Arbeit an den Nagel und führte auf Pump ein Leben herrlich und in Freuden, Zwei gefälschte amtliche Briefe mußten dazu bei­tragen, daß die Leute, auf deren Kosten das Ehe­paar vergnügt lebte, dem Schwindel Glauben schenkten. Endlich aber kam der Schwindel an den Tag und die Millionentante entpuppte sich als ein armes Dienstmädchen in Berlin. BeseniuS erhielt wegen schwerer Urkundenfälschung und Be­trugs 3 Monate Gefängnis zudiktiert, während feine Frau wegen fortgesetzten Betrugs 1 Jahr hinter Kerkermauern zubringen soll.

Mit Einnahmen nud Ausgabe»»

läßt sich der Stoffwechsel im Körperhaushalt ver» gleichen. Ueberroiegen letztere, b. h. ist der Verbrauch von Nährstoffen größer, als er durch die gewöhn­liche Nahrungszusuhr gedeckt werden tarnt, so muß das Fehlende durch den Gebrauch einer leichtver- daulichetr Kräftigungsmittels ersetzt werden. In jeder Beziehung geeignet hierzu ist SottS Emulsion. Dieses Präparat ist ungewöhnlich nShrkräfttgend, ganz leicht verdaulich, dabei die Eßlust und die Verbauung anregend.

Scott« Emulsion wird von uns auilchUetzltch tm irotzen »er« tauft und zwar nie le je nrch Gewicht oder Matz, iondern nur m terfleaeltai Origtnalflaschen in Karten mU unserer Schutz- mart» (Ascher mU dem Dorsch). Scoti u. Betone, 8. m. b. tz. BTantfud a. M. .»

Bestandteile: Feinster Medtztnai-Ledertran IN),), prima tülyzert» «0,0, unterpheSvhortgsourer Aalt ifl, unterphorphonig. eure« Natron 1,0, puln. Tragant s,q, feinster atab. Summt •clo. ifi, befHü. Wasier 189/), Mlohol ll,o. Hierzu aromatisch« •malRon mit filmt. .landet- und ®a«ltbetta8lie 2 Ironien. :

dern unb Wiesen beschäftigt sind, würde damit die Sorge um ihre Kleinsten abgenommen werden.

* Aus Thüringen, 25. Mai 1911. Der Vorstand >eS Thüringer Bezirksschützenverbandes hat be- chlossen, das nächste Thüringer BezirkS- ch i e ß e n, das im Jahre 1913 stattfindet, in Jena abzuhalten. — Die nächste Schwurgerichts­periode in Eisenach beginnt am 19. Juni. Unter anderen werden abgeurteilt der Fleischergeselle Franz Maier ans Eisenach, der seine Geliebte am Hellen Tag auf offener Straße ermordete und die Doppelmörderin Karoline alias Karl Hopf. — Ein Kornblumentag findet am Sonntag nach Pfingsten im ganzen Großherzogtum zu Gunsten der Unterstützungskassen des Großh. Sächs. Krieger­und Militärvereinsbundes insbesondere zum Zwecke der Veteranenbeihilfen statt. — Weil sich ein Sprengschuß vorzeitig entzündete, verunglückte auf der Gewerkschaft „Wintershall" zu H e r i n g e n (tut Schacht) der Bergmann Konrad Sandrock aus Wid­dershausen so, daß seine Ueberführung ins Kran­kenhaus nötig wurde und an seinem Auflommen gezweifelt wird. — In Dresden wurde eine Frau aus Saalfeld verhaftet, die seinerzeit, um als „gute Partie" zu gelten, ein Sparkassenbuch über 1 M so gefälscht hatte, daß es auf 14 000 M lautete. Als die Fälschung herauskam, floh die junge,Frau. — Bor dem Zubettgehen wollte sich in Weimar ein Mädchen noch die Haare brennen. Durch einen unglücklichen Stoß fiel der Behälter mit Spiritus um und die brennende Flüßigkeit ergoß sich über das Mädchen, das an den Armen unb Beinen schwer verbrannt wurde.

Aus dem Nachbargebleie.

* Hünfeld, 25. Mai 1911. Am St. Josephsheim hier wurde als Anstaltsgeistlicher Herr Kaplan Karl Graf angestellt. — In den letzten Wochen sind die vor l1/» Jahren von den Schülern unserer Schulen begonnenen Anpflanzungen aus der Sargen- »eiter Höhe wieder fortgesetzt worden. Die an dem Fußwege nach Sargenzell gelegene öde Fläche der Anhöhe ist jetzt fast vollständig bepflanzt. An der Pflanzarbeit beteiligen sich unter Leitung ihrer Lehrer und der Oberaufsicht des Herrn Försters Baust die Schüler der Lateinschule, des Präparanden« kursus und der evangelischen Volksschule.

* Aus dem Vogelsberg, 25. Mai 1911. In Lauterbach lief ein mit anderen Kindern spielen- -es Kind in das Fuhrwerk einer dortigen Firma, glücklicherweise ohne ernstlichen Schaden zu nehmen. *- Der am dritten Pfingstfeiertage alljährlich in Schotten stattfindende Prämiierungs-Markt wird in diesem Jahre wegen der Gefahr der Ausbreitung der Maul« unb Klauenseuche nicht stattfinden. Es wird nur Schweine- unb Krammarkt abgehaltrn. Die Verlosung und Prämiierung ist auf den Sommer­markt verlegt worden. — InRimbach traf wäh­rend eines heftigen Gewitters ein Blitzstrahl die Kirche, beschädigte die Orgel unb zertrümmerte ein Kirchen­fenster. — In der Turnhalle zu Lauterbach be­ginnt am Mittwoch nach Pfingsten ein Kursus der Kreishaushaliungs- unb Kochschule. — Wander- Kochschulen bestehen in Hessen außer im Kreise Lauter­bach in den Kreisen Gießen, Alsfeld, Schotten, Fried­berg, Darmstadt, Dieburg, Groß-Gerau, Heppen­heim und Worms.

* Gersfeld, 25. Mai 1911. Der mit der Ver­waltung der Lanbesrenterei zu Gersfeld beauftragte. Sekretär Schunk wurde zum Landesrentmeister da­selbst ernannt.

* Steinau (Kreis Schlüchtern), 25; Mai 1911. Die in Frankfurt äbgehaltene Generalversammlung der Mitteldeutschen Hartstein-Jndu- ft r i e A k t. - G e s. in Steinau genehmigte den vor- gelegten Geschäftsbericht und beschloß, eine Divi­dende von 5% zur Ausschüttung zu bringen. Ein­stimmig gelangten die weiter vorliegenden Anträge der Verwaltung, das Grundkapital um den Betrag von 600 000zn erhöhen und das Basaltwerk Breitenborn-Wächtersbach zu erwerben, zur Annahme.

** Frankfurt, 24. Mai 1911. Die Stadtverord­netenversammlung genehmigte die Aufnahme einer Spczialanleihe in Höhe von 43,6 Mil­lionen Mark für das Oschafmunternehmen und die Spezialkasse für städtischen Grundbesitz. Es wurde jedoch vor einer Fortsetzung dieser Anleihepolitik ge­warnt, die möglicheriveise eine Steuererhöhung von 20—30 Prozent notwendig machen könne. Ferner wurde der beschleunigte Ausbau der Offenbacher Land­straße und die Ausführung der Kanalisation in Ober­rad und di; Erschließung des Stadtteils Sachsen- Hausen-Ost gefordert. Die Errichtung eines Schätz­ungsamtes für Immobilien wurde gegen die Sozial­demokraten abgelehnt.

* Frankfurt a. M., 25. Mai 1911. Ein seit Jah­ren in der Brauerei Henninger befchästtger verhei­rateter Bierfahrer, der wegen feines urwüchsigen Hu­mors bekannt toai, fiel zwischen Vilbel und Gronau von seinem Fuhrwerk, welches ihm über die Brust ging, sodaß der Tod sofort eintrat. Man nimmt an, daß er auf dem Wagen geschlafen hat. — Ebenso wie die Frauen proteftietten zahlreiche Män­ner Frmikfnrts in einer großen Versammlung gegen das A ni m i e r kn ei Pen-Unwesen.

* Aus dem Grofiherzogtum Hessen, 23. Mai 1911. Aus Darm stabt ist unter Mitnahme von mehreren 1000 Mark in Begleitung einer jungen Dame ein verheirateter 40 Jahre alter Bäckermeister verschwunden. — Die Offen« bacher evangelische Gemeinde wirb demnächst in unserer Stadt zwei neue Kirchen errichten unb zwar die eine in der Waldstraße und die andere in der Tulpenhofstraße. Beide Kirchen, die einen Kostenaufwand von je 200000 Mark erfordern, sollen nach den Plänen des Prof. Pützner-Darm- Bibt gebaut werden. — Die Konkursmasse der bermockstüdter Kasse wird in den nächsten Tagen iveitere 5 Prozent der Forderung der

Die Macht der Gewissen«.

6] Roman von Erich Friesen.

In Ruths Herzen toben die widersprechendsten Empfindungen. Jetzt kann sie sich nicht mehr be­herrschen. Laut auffchluchzend schlägt sie die Hande vors Gesicht.

„Lassen Sie müh! Lassen Sie mich! Sie sind zu gut zu mir. O, wenn Sie wüßten —"

Voll tiefen Mitgefühls drückt Virginia Ruths Hand.

„Weinen Sie nur! Es wird Ihnen gut tun."

Schweigend, Hand in Hand, schreiten beide Mäd­chen dem Hause zu — Virginia mit glänzenden Augen sind glühenden Wangen, Ruth gesenkten Haupte, als drückte sie eine unsichtbare Last.

Nun stehen sie vor der breiten Freitreppe.

„Warten Sie, ich hole Mama!" ruft Virginia fröhlich. „Inzwischen werden Sie sich beruhigt ha­ben, liebste Ruth! — Ach, seien Sie nur nicht böse, daß ich Sie mit Ihrem Vornamen nenne! Sie sind mir schon so vertraut, ich habe so viel an Sie gedacht."

Und wie der Mnd ist die zierliche Gestalt im Haus verschwunden.

Nero blickt knurrend von seiner Herrin auf Ruth. Er schien zuerst Lust zu haben, Virginia zu folgen. Doch augenscheinlich hält er es für besser, den frem­den Eindringling zu beobachten, welchen er von Zeit SU Zeit leise anknurrt.

Ruth seufzt tief auf.

. „--Der Hund ahnt, daß ich in schlechter Absicht hier bin , denkt sie mit finster zusammengezogenen Brauen. Wie werde ich es nur ertragen können!" Sie fährt sich über die Stirn. „O, ja, ich kann es nicht ertta- üen — gewiß, ich kann alles, wenn ich an Armin denke —" und über ihre soeben noch so düsteren Züge huscht es wie Sonnenschein.

„Hier ist Mama!" ertönt Virginias helle Sttmme i>on der Terrasse her.

. Langsam geht Ruth die Stufen hinauf Frau For­ster entgegen, die ihr mit freundlichem Lächeln die .Hand zum Gruße bietet.