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58. Jahrgang.
«fuldaer W Leitung •
2. Blatt
Bte« eeb Verlag der Zuldaer Ädfettbruitrei in Znlda.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 11. Mai 191L
3luf her Tagesordnung steht die Beratung beS An- itrags Barenhorst (fretkons.) betr. Maßnahmen zur Förderung der Bienenzucht.
Abg. Barenhorst (fretkons.) begründet seinen Antrag Md weist auf die große volkswirtschaftliche Bedeutung der Bienenzucht hin.
Abg. Kesternich (Ztr.) tritt für den Antrag ein und empfiehlt, den Imkern in staatlichen Musterbetrieben Jine rationelle Bienenkultur zu veranschauliche».
Geh. Rat Thomsen erklärt, daß ein Gesetz zur Bekämpfung der Biennrkrankheiten in Vorbereitung sei. Ob eine Ergänzung des NahningsmittelgesetzeS zum Schutz des Bienenhonigs gegen die Konkurrenz künstlicher Fabrikate nötig sei, werde geprüft werden.
Sierauf wird der Antrag angenommen.
S folgt die Beratung eines Antrages Lieber betr. Revision des GebührentarifS für die Katnsterämtek. !* Abg. Lieber (natl.) begründet seinen Antrag; es sei nötig, die Gebührenordnung einer Revision zu Unterziehen, damit dir kleineren und mittleren Grunv- Mesther nicht mit übermäßig hohen Gebühren belastet würden.
Generaldirektor Heintze steht dem Antrag sympathisch gegenüber. In der Vorlage von 1909 sei bereit? auf bett mittleren und kleineren Grundbesitz Rücksicht gekommen und erst am 27. März 1911 fei eine Verfügung erlassen, bei allen kleineren Objekten die Ermäßigung noch weiter eiotreten zu lassen
Abg. Beltin (Zentr.) beklagt die übermäßig hohen Katastergebühren, die für Auszüge daS 4—13 fache gegen früher betrügen. Besonders im Rheinland Aache sich infolge des zersplitterten Grundbesitzes die Kostensteigerung drückend bemerkbar.
Abg. Bell (Ztr.) bezeichnet ebenfalls die Gebührenordnung für dringend reformbedürftig.
Sierauf geht der Antrag an die Budgetkommisfion.
8 folgt die Beratung des Kommissionsberichles über die Ausführungsbestimmungen zu den Vorschriften Aber die Reisekosten der Beamte«. Die Kommission .Beantragt, die Vorlage durch Kenntnisnahme zu erledigen, ersucht aber die Regierung, die Bestimmungen jfibet das Reisen am Sonntag betr. die Uebernachtung .und einige andere Sonderbestimmungen zu streichen Bejro. abzuändern.
Nach unerheblicher Debatte stimmt daS Haus dem KommisfionSbeschluß zu.
Freitag: Zweite Lesung des Zweckverbandgesetzes.
Xus dem Nachbarg-biete.
♦ AuS dem Vogelsberg, 12. Mai 1911. Jnbezug Kuf den bedauerlichen Brand des Krömmelbein'schen Sägewerkes, der Rimlos-Mühle bei Lauterbach, ist Die Vermutung aufgetaucht, daß das Feuer durch Lokomotivflmken einer der Züge der Strecke Gießen- Fulda, die an dem Sägewerk in einer Entfernung Aon etwa 50 Metern vorüberführt, entstanden sein Mnnte. — In Gedern tritt, anscheinend durch Tiere übertragen, eine Glatzflechten-Epidemie bei der Wevölkerung aus. — Nach Nr. 3 der Kurliste beträgt die Zahl der Besucher des Bades Salzschlirf jetzt A34. — Die 50 jährige Jubiläumsfeier der Real- 'täule in Alsfeld ist endgültig auf den 2. und 3. Juli festgesetzt worden.
[:] HikderS (Rhön), 11. Mai 1911. Der seit einem Jahre bestehende Bienenzüchterverein Mr Hilders und Umgegend hat seine erste General- Versammlung im Saale des Gasthauses „zum Engel* Hierselbst unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung .abgehalten. Nach einer Begrüßungsansprache und sdem kurz erstatteten Jahresbericht des Vorsitzenden jh eit Herr Bienenzüchter Joseph Reinhard aus MterS einen höchst interessanten Vortrag, in dem er Mch eingehend über die Geschichte der Bienenzucht verbreitete und sodann ihre hohe Bedeutung für die Landwirtschaft beleuchtete. Möge sich der Wunsch ^hes Herrn Redners bald erfüllen, daß die bienenzuchttreibenden und auch die übrigen Landwirte des ganzen Ulstergrundes durch Ansäen zweckentsprechender Honigpflanzen eine spätere Bienenweide für unsere Gegend schaffen, damit auch im Nachsommer für •«ufere lieben Immen noch ausreichend der Tisch 'gedeckt ist. In einem wetteren Vortrage behandelte Derr Straßenmeister Steinwachs-Hllders den hohen Wert des Honigs besonder- als Rahrungs- und Heilmittel. Im Einvernehmen mit allen Anwesenden wünschte er dar baldige Zustandekommen des schon lang geplanten Gesetzes betreffend die L' 1 -. ■ ■ 1 "............ ■ '■ "
Ueberwachung der Honigproduktion. Ein Antrag ans Erhöhung deS Honigpreises für unfern Vereins- bezirk wurde mit absoluter Mehrheit angenommen. Nachdem sich noch zwei neue Mitglieder zum Beitritt in den Verein angemeldet hatten, ist die Zahl derselben aus gerade 50 gestiegen. Ein schöner Erfolg innerhalb eines Jahres.
** Frankfurt, 12. Mai 1911. Aus dem Programm deS Bundestages deS Mitteldeutschen Steno- graphenbnndeS Stolze-Schrey, der vom 13. dis 16. Mat in Frankfurt a. M. stattfindet, heben wir hervor: SamStag, den 13. Mai, abends 8 Uhr geschäftliche Hauptversammlung; Sonntag, vormittags 9 Uhr öffentliches Wettfchreiben in der Städtischen Handels- lehransiatt, Junghofstraße 16, vormittags 11V, Uhr öffentliche Festversammlung und Festvortrag, nachmittags 2 Uhr Festmahl, abends 77» Uhr Gesellschaftsabend, Preisverteilung und Ball in den Sälen des Kaufmännischen BereinshauseS.
** AnS de« Krotz Herzogtum Hessen, 12. Mai 1911. Eigentümlicherweise hat der Großherzog von Hessen den wegen Papstbeleidigung zu Gefängnisstrafe ver- urteilten und von ihm begnadigten „Dichter-Zigeuner* Karl Waßmann auf dessen Dankschreiben und entsprechende Bitte hin mit einem Bild des Großherzogs mit eigener Unterschrift beschenkt. — Ein früherer Student und jetziger Schauspieler, der in seine Doktorarbeit wörtlich große Abschnitte eines neueren wissenschaftlichen Werkes übernommen hatte, wurde wegen Plagiats zu einem Monat Gefängnis verurteilt.
* Aschaffendnrg, 12. Mai 1911. Bei einem Gewitter, das vorgestern über bte Gegend zog, wurde der Knecht des Wirtes Wenzel in Leider, der sich mit einem Fuhrwerk auf dem Felde befand, und unter einer Pappel Schutz suchte, von einem Blitzstrahl getötet. Die am Wagen angespannten Kühe wurden nur betäubt. — In Adelsried schlug der Blitz in das neuerbaute Anwesen des Oekonomen Marx, das vollständig niederbrannte. Dabei wurden zwei Kühe vom Blitz getötet.
Amt Geisa und Umgebung.
♦ Stadtlengsfeld, 12. Mai 1911. Da unser alter Vizebürgermeister sein Amt niedergelegt hat, der neugewählte Vizebürgermeister noch nicht in sein Amt eingeführt ist, blieb dieser Tage unserem Bürgermeister in feiner Eigenschaft als Standesbeamter nichts anderes übrig, als fein eigenes Töchterlein, das heiraten wollte, selbst standesamtlich zu trauen. Hoffentlich hält das Eheband um so fester!
* Kaltennordheim, 12. Mai 1911. Bei dem letzten Gewitter schlug der Blitz in Ob erfilken ein und zündete. Ein Wohnhaus und eine Scheune brannten nieder.
* Tiefenort, 12. Mai 1911. In einer öffentlichen Sitzung des hiesigen Gemeinderats, zu der auch die Wasserleitungskommissionen der Gemeinden Merkers und Kieselbach hinzugezogen waren, fand die Vergebung der Quellenfafsung zur Wasserleitung statt. Es handelt sich um ein Objekt von ca 18 000 Mk. Wie schon angekündigt, wurde eine Jenenser Firma mit der Arbeit betraut. Doch sollen die übrigen Arbeiten an einheimische Unternehmer vergeben werden.
* AuS Thüringen, 12. Mai 1911. 90 Prozent aller weimarischen Richter haben sich zu einem wetwa ri scheu Richterverein zusammengeschlossen, der dem allgemeinen deutschen Richterbunde bei- getreten ist. — Die angestrebte Errichtung eines Zweigpostamtes tm Westen Eisenachs ist von der Oberpostdirektion Erfurt abgelehnt worden. — Bei dem letzten Gewitter, das über Thüringen hinzog, wurden bei Saalfeld ein 16jähriges Mädchen, bei Mechterstädt eta Mann vom Blitz erschlagen. — In Eisenach vechrühte sich ein 2s^jähriges Kind durch kochendes Waschwasser tödlich.
2ltt$ Gberheffen u. -en hesi. Aemtern.
* Marburg, 12. Mai 1911. Der Professor der evangel. Theologie an unserer Universität, Untverfl- täkspredigerGeh. Konststorialrat Dr. theol. Ernst Christian AcheliS, hat seine Emeritierung vom Beginn des Wintersemesters 1911/12 nachgesucht. Geheimrat Achelis, der 73 Jahre alt ist, hat bereits für das laufende Sommersemester feine Lehrtätigkeit eingestellt. — In Niederdieten verübte ein junger Mann
Selbstmord, indem er sich mit einem Rasiermesser die Kehle durchschnitt. Die Tat geschah in einem Anfall von Geistesstörung.
♦ Kirchhain, 12. Mai 1911. Die bereits angekündigte Hochzeit der Freistäulein v. Stumm mit dem Grafen v. Hatzfeld am 18. Mai wird für das ganze Dorf Hoh haus en eit großes Freudenfest. Am Polterabend ist beim Schlosse großes Feuerwerk vorgesehen, zu dem auch die Dorfbewohner Zutritt haben. Die Kapelle des 116. Infanterieregiments ist engagiert. Für die Einwohner von Holzhausen wird ein großes Zelt errichtet, in welchem das Festessen, das Exzellenz v. Stumm stiftete, stattfinden. Außerdem wird ein großer Tanzplatz eingerichtet, auf welchem die tanzlustige Jugend zu ihrem Rechte kommen kann. Zu dem Festessen liegen bis jetzt etwa 460 Anmeldungen vor.
* Frankenberg, 12. Mai 1911. Im nahen Z ü- sch en stürzte der Arbeiter R. in eine mit gelöschtem Katt gefüllte Grube und erlitt schwere Brandwunden, sodaß man sein Aufkommen bezweifelt. — Der Gendarmerie-Wachtmeister Schmidt zu Hallenberg stürzte mit seinem Rade an einer abschüssigen und schlüpferigen Straße und erlitt einen Schulterbruch. — Im östlichen Teile des Kreises Frankenberg ward über das Zigeunerunwesen bitter geklagt. Durch Betteln und Stählen suchen dort die schwarzhaarigen Gesellen und besonders ihre Weiber die Dorfbevölkerung schwer heim.
* Fritzlar, 12. Mai 1911. Der hiesige Der- kehrSverein hat seinen ersten Erfolg zu verzeichnen. Durch ein Mitglied des Vereins auf die landschaftlichen Schönheiten Fritzlars aufmerksam gemacht, trafen hier zur Besichtigung mehrere Mitglieder einer großen deutschen Studenten- korporation ein. Die Verbindung, deren Vertreter über das Gesehene hochbesriedigt waren, will unsere Stadt als diesjährigen Versammlungsort wählen.
vermischtes.
* Darmstadt—Bern im Aeroplan. Der Schweizer Oberleutnant R eg l, der Dienstag früh auf dem Griesheimer Flugplätze mit einer Euler-Maschine aufgestiegen war, umeinen Fernflug von Darmstadt nach seiner Garnison Bern zu machen, hat nach einer Zwischenlandung in Bensheim an der Bergstraße den Flug nach Baden-Oos fortgesetzt und ist dort Dienstag abends um 7,55 glatt gelandet. Von Baden-Oos beabsichtigt der Flieger ohne Zwischenlandung nach Basel zu fliegen und dann über den Gebrgszug des Schweizer Jura die Fahrt fortzusetzeu bis nach Bren.
* Aus Eifersucht erstach in Loslau in Oberschlesien der Stellmacher Scheffczyk den 33jährigen Tischler Franz Dresier. Der Erstochene ist Witwer und Vater eines dreijährigen Knaben.
* Auf dem Friedhof in Ganderkesee in Olden, bürg wurden 30 Denkmäler böswillig zerstört, * Zur Errichtung ehteS zoologischen Gartens großen Stils wurde in Lübeck ein Komitee eingesetzt. Die Finanzbehörde will einen Teil des erforderlichen Geländes auf 20 Jahre unentgeltlich hergeben.
* Der Aviatiker Leutnant Kelly ist bei einem Fluge m ©an Antonio (Texas) abgestürzt und getätet worden.
* Vom Blitz getroffen wurden bei dem böhmischen Orte Nepomuck drei Holzarbeiter, die während eines Gewitters unter einem Baum Schutz gesucht hatten. Einer wurde getötet, die beiden anderen schwer verletzt.
* 60 Flugzeuge für Kriegszwecke beabsichtigt die österreichische Kriegsverwaltung im nächsten Jahre anzukaufen.
* Bei einem Nachtmanöver französischer Landtruppen in der Nähe von Dijon lehnten sich eine Anzahl Soldaten auf, weil sie nach einem sehr anstrengenden Tagesmarsch während der kalten Nacht iy2 Stunden in einem Graben liegen mußten Dabei stimmten sie die „Internationale" an. Es gelang den Offizieren nur mit Mühe, durch Versprechungen besondere Vergünstigung die Ruhe wieder herzustellen.
* Ein Wagen der elektrischen Straßenbahn tu Lodz in Russisch-Polen fing durch eine Störung der Maschinerie plötzlich Feuer. Die Passagiere des
vollbesetzten Wagens drängten in so sinnloser Hast nach dem Ausgang, daß zwei Personen erdrückt tourben.
• 3» Rußland ist ein Gesetzentwurf über die Erweiterung der persönlichen und der Vermögensrechte der verheirateten Fra« dem ReichSrat und der Duma vorgelegt worden.
— 3» SBertta. Präsident: „Wir wollen unS nidjt lange bei der Vorrede aufhatten, fonbern gleich zum Hauptpunkt der Geschäftsordnung schreiten — Kellner, ein Bier!"
Handel und Industrie.
* Berlin, 11. Mai 1911. Die Börse eröffnete heute in schwächerer Haltung. Auf dem Montan« markt vollzogen sich lebhafte Umsätze; Elektrizität-« werte gaben nach. Bankaktien büßten bis 1 Pro« zent ein. Der PrivatdiSkont schwächte sich um ’/s Prozent auf 27» Prozent ab.
MeSdienstorrMz i« Man WmönBiet
für Soun« und Feiertage.
Weyhers: PfarrgotteSdienst9Uhr. — Echmal« nau: Hochamt m. Pred. 9 Uhr. — Thalau: Hock« amt m. Pred. 9 Uhr. — Poppenhausen: Hl. Messe 7 Uhr, Hochamt m. Pred. 9 Uhr. — Sied« loS bei Abtsroda (1 Stunde von der Wasserkuppe entfernt) : Hochamt m. Pred. 9 Uhr. — Hosb ieb er: Hochamt mit Predigt V«9 Uhr. — Gersfeld: Frühmesse 7 Uhr, Amt mit Predigt 9 Uhr. — Klein« sassen: Amt mit Predigt 9 Uhr (am 2. Pfingst« feiertage und am 1. Sonntag tm September findet der Pfarrgottesdienst auf der Milseburg statt). — Lütter abwechselnd mit Ried: Psarraottc-dieust 719 Uhr. (In Ried am 21. und 28. Mai, 5., 18. und 29. Juni, 16. Juli, 6. und 20. August, 8. und 24. September. An den übrigen Soun« und Feiertagen bt Lütter.) — Bad Orb: Frühmesse 7-7 Uhr, Schüler- gottesdienst in. Pred. 8 Uhr, Hochamt m. Pred. 7,10 Uhr. (Juni, Juli und August im Kurhau? St. Elisabeth Frühmessen von 5Uhr an.) — Wüstensachfen: Hochamt m. Pred. 9 Uhr. — Kloster Volkers« berg: Amt m. Pred. Uhr. — Stadt Brückenau: Frühmesse 7 Uhr, Amt m. Pred. 9 Uhr. —' Bad Brückenau: Frühmesse 6 Uhr, Amt m. Pred. 7,10 Uhr. - Hilders: Amt m. Pred. 9 Uhr. - Geisa: Hl. Messe 7«8 Uhr, Amt m. Pred. 7-10 Uhr.' — Dipperz- Amt m. Pred. 7,9 Uhr. — Salzschlirf: In der Pfarrkirche hl. Messe 6 Uhr, Amt m. Pred. 9 Uhr; int Schwesternhaus hl. Messe 7»8 Uhr. — Maria-Ehrenberg: Am 2. und 23. Juli/ 15. August, 8. und 24. September hl. Messen 7 und! 8 Uhr, Hochamt m. Pred. 9 Uhr. An diesen Tagen ist in Motten, Kothen und AltglaShutten fein Gottesdienst. Der angeführte Gottesdienst auf Maria- Ehrenberg findet nach voraufgegangener Prozession ferner statt: am 2. Juli (Mariä Heimsuchung), 15. August (Mariä Himmelfahrt), 8. September (Mariä Geburt). — Motten: Hochamt m. Pred. 9 Uhr (vergl. Maria-Ehrenberg). — Stott)en: Hochamt m. Pred. 7«9 Uhr (vergl. Maria - Ehrenberg). — AltalaS« Hütten: Hochamt m. Pred. 719 Uhr (vergl. Maria- Ehrenberg). — Werberg: Hochamt tn. Pred. 9 Uhr.
Reklamen- und Anzeigenteil,:j
Keinen Zwang gegenüber Kinder« sofern es sich nicht nm Eigensinn, sondern um tatsächlichen Widerwillen handelt. Aus solchen wird man beim Eingeben von gewöhnlichem Lebertran wohl f meistens stoßen, der nun einmal bett Kindern wie bett Erwachsenen widerlich ju fein pflegt. Wer dafür rm» Ersätze m
-Scotts Emulsion
greift, wird keinen Zwang nötig haben. Hergeftellt nach dem allen bewährten
31« M mit Scottichen Verfahren ist Scotts Emul- biefer fttm von angenehmem Geschmack nnd
1° leicht verdaulich gemacht, daß sie bet ScotUche» selbst feint einem schwachen Magen gut »erfahrens. vertragen und verarbeitet wird.
. S t o t tl Lmnlftm iBteb »ra uni «Ilschlietzlrch im zrahe« berlauft, unb zwar Ute lofe nach Gewicht ob« Stafc.Trabern nut ix »«siegelten CriginalSatAra in Ratto« mit na fern Schutz, marke (Fischer mUl>em DvsschX Stott * S-wx-,». m. d «T, Frankfurt a. M.
Bestandteile: Fernster Wediziual^S«b«tr<m 1WA prima »lhzenn so.o.u nt-chhörph-rixfaxmr Stall 4Axnt«»boi»borig- faurei ««trox 2 0, pul». Tragant S,6, feinster «rat. ®untmt »ul». 1,0, Master 118,», Alkohol 11* &nvt aromatische Emulsion mit Stet-, Mandel- und «anlthmriail je 1 Tropfen.
10] Humoristische Erzählung von W.Borgmann
„Wir müssen wissen", antwortete Jene indirekt, >,ob er Dich liebt. Laß mich nur machen!' Berta schloß sie von neuem in die Arme: „Mein Engel Du! Eigentlich bin ich sehr vergnügt, daß Papa ihn auf- buchen wird. Der kluge Vater vergißt nämlich total, wie leicht er es ihm dadurch macht, unsere Spur zu finden."
„Ich willlS ihm noch leichter machen, beteuerte Eveline, „aber, Berta, vorausgesetzt, daß er Dich liebt, glühend, leidenschaftlich liebt'
„Ach, wenn ihm mein Gesicht nur gefallen wird!" stöhnte der lockige Schwarzkqtf.
„Das muß es!" sagte die Freundin energisch.
„Er kennt es ja noch nicht", wandte Berta gedrückt ei».
„Tu beriefst Dich neulich auf die Türken, entgegen ete Eveline geschwind; ,er muß Dich ohne Gesickt (lieben, oder gar nicht. Morgen um diese Zett find wir klüger."
„Ob der Papa morgen wieder den Kaffee nicht an* rühren wird?" fragte Berta abbrechend unb setzte „mit kindlicher Gutmütigkeit hinzu: „ich will ihm doch xine Taffe ins Büro tragen." Gesagt, getan. Sie nahm bte weitbauchige Hausvatertaffe, schenkte ein und setzte die zierlichen Füßchen gegen die Schwelle in Bewegung. Liebevoll kam EdÄine ihr zuvor: „Wart', toarf, ich offne Dir die Türen, Schatz, damit Du nicht füllst!" Hurtig war sie bei der Hand, Serie Hankle ihr durch freundliches Zunicken — Eintrachtsund Hoffmmgsglück in den jungen Herzen, suchten sie den guten Kommerzienrat auf, der nicht ahnte, welches Komplet sie gegen ihn geschmiedet.
Aus Morgen und Mittag war Abend geworden. Die Sonne besah sich nur noch aus den höchsten Wip- bfeln der Bäume die Obstallee und das Völklein, dar Darin auf- unb ab schwirrte. Selten zeigte sich eine .-Person, -tue mit dem Schritt von Geschäftsleuten des Weges kam; die meisten, sowohl Damen als Herren, schleuderten in behaglicher Lässigkeit daher unb dahin.
Unter den Lustwandelnden bewegte sich auch ein junger Mann, der in Tracht und Wesen etwas Studentisches. Burschikoses hatte, obwohl die markierten Gesichtszüge verrieten, daß die glückliche Periode des akadmiischm Bürgertums schon geraume Zeit hinter ihm lag. Während die übrige Menschheit auf der Promenade wenigstens paarweis, wie das Getier in Roa's Arche, erschien, ging Jener mutterseelenallein, ober man tonnte bemerken, daß er sich nicht recht wohl dabei befand; denn er nahm bald den Hut in die Hand unb fuhr sich mit der andern durch'S Haar, als wär's ihm zu heiß, bald stülpte et den Filz wieder auf und kehrte das Gesicht links, rechts, rückwärts — ohne zu finben, was er suchte.
Da begann ein Leierkasten in einiget Entfernung die Melodie des Volksliedes: „Nun gang i an's Btfinnele". Der einsame Wanderer fiel summend ein: „Run lass' t die Aeugelei» umb und umb gdj’n, da seh i meinen herzlausigen Schatz —"
Hier hielt er inne und fuhr sprechend fort: „Leidet seh' ich ihn nirgends unb werbe mich nächstens wohl in die Gebüsch« schlagen können mit dem Vers: „Behüt' bl Gott, mein herztcwsiger Schatz, seh' bi nimmermehr!" Er blieb stehe», lehnte sich cm (einen Stamm unb ließ den Kopf auf die Brust sinken. Aechzmd murmelte er »etter: Altes, gebientes Herz, wie konntest btt auch so schnell Feuer fangen! Es wat ein Kobold von bet Insel Avalon, bet bir eine Nase gedreht unb nun sichtbar nicht zu sehen ist. Ich könnte närrisch werden!"
Zufällig wandte er den Blick nach links und fuhr an cälen Gliedern ytfammen: „Himmel! Zeus, sende deinen Blitz, hatte mir den Drachen Typhoeus vom Leibe! Augen rechts!" Er guckte scheinbar gleichgil- tig nach bet anderen Seite.
Eine Dame ging dicht hinter ihm vorbei. Als er ihren Schritt nicht mehr vernahm, wagte cr’8, ihr nachzublicken, unb atmete auf: „Die Tracht täuschte mich; es wat nicht Adelaide, wie ich befürchtete. Mir ist, als wäre ein schweres Gewitter über meinem Haupt hinweggezogen unb ich sähe meinen luftigen Geist einen Regenbogen aus spannen und herabwinken mit der schlanken Hand, die gestern meine Rose nahm!
Warum ließ ich die Gelegenheit unbenutzt und biß ihr nicht den kleinen Finget ab?"
Indem er dies vor sich hin sprach, gingen mehrere Reihen von Damen hintereinander an feinem Standort vorüber: Er musterte ihre Hände und schüttelte den Kopf: „Hände erblick' ich dutzendweis, aber alle gleichen sie mehr dm biederen Fäusten gediegener Zunftmeisterfrauen des vierzehnten Jahrhunderts, als den Sammchffötchen meiner Fee." Während dieser Kritik, der ein erstarrendes Hinblicken folgte, erschien bet Kommerzienrat in der Allee, links von ihm, einen Schritt zurück, fein Sckundant Braun.
„Dieser ist es, Herr Kommerzienrat!" knurrte bet Alte, auf dm am Baum Lehnenden deutend.
„Irren Sie sich auch nicht, Braun?" fragte Hei- menberg, um ganz sicher zu gehen.
„Wann wäre dies dem alten Braun passiert?" antwortete Jener mtt einem Anflug verletzenden Selbstgefühls.
„So entfernen Sie sich!" gebot der Kommerzienrat und blies einen stärkeren Ring aus bet Manilla, die er rauchte.
„Soll ich nicht liebet In der RHe herumflcmkie- ren?" gab Braun feinem Brodhettn zu bedenken.
„Ich wünsche, daß Sie mich allein lassen!" entschied dieser kurz.
„Wenn er aber grob wird, Herr Rat?"
„Werd' ich ihm nichts schuldig bleiben."
„Schön, Herr Rat, sonst wollt ich es ihm besorgen"
„Gehen Sie endlich. Braun!"
„Schön!" — Die breiten Stiefel trugen den grauen Dienet knarrend davon. Heimenbetg nahm seine Zigarre zwischen die Finger, traf langsam auf dm einsamen jungen Mann zu unb sagte höflich: „Erlauben Sie wohl ei» wenig Feuer, mein Herr?"
„Bebaute", versetzte bet Angetedete, „Sie sehen, ich tauche nicht."
„Uebethaupt nicht?"
Jetzt erst sah Jener befremdet auf und erwiderte scharf: „Selten!" Er glaubte den Feuersucher dadurch loS zu werden, allein der Kommerzienrat blieb
siehen, zog ein gestickt« Etui aus der Brusttasche und präsentierte es: „Darf ich mir erlauben. Ihnen eine Zigarre anzubieten?" j
„Hätte der Andere geahnt, wer ba8 Etui gestickt, er würde schwerlich eine fo grimmigen Blick daraus geschleudert haben, wie er tat. Mit einem barschen: »Ich danke!" wteS er di« Offerte ab, und feine Augm sprachm den Zusatz auS, den feine Zunge verschwieg: „WaS will der zudringliche alle Rarr von Dir?"
Heimmberg ließ sich durch die energische Ablehnung nicht abschrecke», vielmehr hielt er au feinet höflichen Einleitung fest unb begann von neuem: „Um Vergebung, fassen Sie nabte Dreistheit nicht falsch auf! Ich bin kein Tabatohmidler, bet Reklame machen will für sein Geschäft —"
Länget zügelte ber Zuhörer seine Ungeduld nicht. Er griff an ben Hut und verneigte sich leicht: „Die Reklame ist heutzutage selbst ein Geschäft geworden. Guten Abend!" Er kehrte um und wollte rechts abschwenken.
„Sie gehen bork hinunter? Ich auch!" sagte der Kommerzienrat schnell.
„Das fehlte mir!" toitfchte bet Andre heimlich, „ich muß mit dm listige» Kerl vom Halse schaffen." Et wendete sich auf dem Absatz, lüftete noch einmal dm Hut unb sprach scht ernst, wobei et dem Unbekannten überließ, bk Ironie herauszuhöreu. „Ihre Begleitung würde mit entschieden ei» Hochgenuß fein, nur muß ich Sie leidet bot der meinigen warnen. Ich bin bisweilen so zerstreut, baß ich die Hände, statt in meine eigenen Tusch»' ,i» die meiner Rachbarn gleiten lasse. Ein Phrenologe suchte mir die« kürzlich au? dem hohen Grade von Erw-ckssimi zu erklären, den tr an meine» Schädel entdeckt haben wollte. Also nehmen Sie sich vor mit in Acht, mein Herr!"
Wider Vermuten entgegnete ster Gewarnte überaus freundlich: „Erstreckt sich dieser fdtfame Erwerbssinn vielleicht auch auf die Töchter ihrer Sieben» menschm?"
(Fortsetzung folgt.;