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M 99. Erstes Blatt.
Fulda, Dienstag den 2. Mai 19 1.
38. Jahrgang.
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als dieser Akte zuwiderlaufend gedeutet werden könnten. An diese Versicherung scheint man aber selbst nicht so recht zu glauben, denn es wird zugleich behauptet, man erwäge bereits die Möglichkeit einer Durchbrechung wesentlicher Bestimmungen der Alge- cirasalte und wolle deshalb entweder in direkte Verhandlungen mit den Mächten treten oder die Einberufung einer neuen MaroKo-Konferenz Vorschlägen.
Gleichzeitig mit der „Nordd. Allg. Zkg.' hatte auch der P eiter Lloyd, von dem man annimmt, daß er im Namen der österreichisch-ungarischen Negierung spreche, eine ähnliche Warnung vor rücksichtslosen Eroberungsabsichten nach Paris gerichtet und die Hand- ülngsfreiheit Oesterreich-Ungarrrs betont Man darf wohl daraus schließen, daß es in der Marokkofrage nach wie vor treu zu dem deutschen Bundesgenossen halten und daß beide Mächte auch weiter gemeinsam operieren werden.
Was freilich geplant ist, falls die Mächte durch das Vorgehen Frankreichs chre Aktionsfreiheit wiedergewinnen sollren, wird uns von den Offiziösen einstweilen nicht gesagt. Daß wir, wie unsere Alldeutschen und Uebernationalen verlangen, Frankreich den Krieg androhen sollten, falls es nicht bereit wäre, Marokko mit uns zu teilen, ist ja nicht anzunehmen. Auch fragt es sich, ob nun wirklich Deutschland ebenso wie andere Mächte Pfänder in Marokko ergreifen, würde. — Aber dir Franzosen dürften in ihrem Bestreben, sich zu alleinigen Herren des Landes zu machen, doch auf ganz erhebliche Schwier i g- leiten stoßen und erfahren, daß das ihnen angeblich übertragene europäische Mandat doch nicht so zu verstehen fei, wie sie es träumen. Jedenfalls würde Deutschland seine wirtschaftlichen Interessen mst mehr Energie und wohl auch mehr Erfolg wahrzunehmen wissen, als bisher geschehen war, sodaß die veränderte Situation wohl nicht zu unserem Schaden ausschlagen wird.
t 3« Zusammenstöße» zwischen Winzern und Militär kam es am Sonntag wieder in Bar für Aude. Infanterie und eine Schwadron Dragoner versuchte die Winzer zurückzudräiigcn; die Winzer schlugen aus die Reiter und ihre Pferde mit Pflöcken, Stöcken und Steinen ein. Dabei kamen mehrere Steifer zu Fall; auch Frauen und Soldaten wurden von Pserdehnfen getreten und verletzt. Schließlich wurde der Platz geräumt und mehrere Verhaftungen vor- genommeu.
* Die Königin von Belgien ist wieder vollkommen hergestellt.
** In der chinesischen Provinz Srtschnan ist infolge von Hungersnot eine N e v o l te ausgebrochen. Zehntausend hungernde Männer und Weiber begannen die wohlhabende Bevölkerung auszurauben. Sie befreiten die Gefangenen in den Gefängnissen und zerstörten die Gefängnisse. Die zur Niederwerfung des Aufstandes ausgefandten Truppen gingen zum Volk über. Mehrere Führer der Aufständischen wurden gefangen und grausam hingerichtet. — Massen von Revolutionären marschieren auf Kanton, um sich mit den Rebellen zum Schutz der Dynastie zu vereinen. Vor Kanton wartet eine vieltausendköpfige Menge auf den Augenblick, raubend in die Stadt eindringen zu können. Aus Wladiwostok wird gemeldet, daß die chinesische Regierung radikale Mittel anwende, um den russischen Einfluß ht der Mongolei zu vemichten. Dem neuen Residenten in der Provinz Jll ist ein Kredit von 3 Millionen eröffnet zur Reorganisation der Banken und des Handels.
** Die chines. Aufständischen in Kanton haben, von Räuberbanden unterstützt, Wu-tschou, Sam- fchui und Wei-tschou eingenommen. Ein ernster Zusammenstoß hat nach chinesischen Berichten zwischen Regierungstruppen und Aufständischen bei Fatschau stattgefunden. Ein chinesisches Kanonenboot nahm die Aufständischen unter Feuer und fügte ihnen einen Verlust von zweihundert Toten zu. Es ist schwierig, authentische Nachrichten zu erhalten, da die Tele- gravbenlinien unterbrochen sind.
Deutsches Reich.
♦ Abreise de« Kaiserpaares von Korfu.
Die Kaiserfamilie ging Montag früh nach 'Verabschiedung von der griechischen Königsfamilie an Bord der „Hohenzollern", die mit den Be- gleitschiffeu mittags nach Genua in See ging.
Besserung der wirtschaftlichen Lage bei» getragen habe, belehrt der — »ationalliberale — schwäbische Merkur" seine nationalliberalen Freunde in einem Artikel, der ihm von ^geschätzter Seite' zugegangen ist. Es heißt darin,
die Pumpwirtschaft hätte letzten Endes znm Ruin bei Reiches und der deutschen Boikswirt- schäft führen müssen. Diese Gefahr sei durch die Beendigung der Finanzkalamitäl zunächst beseitigt worden. Gewisse Störungen und Hemmungen der Produktion als Folge seien ja nicht zu vermeiden gewesen, aber solche vorübergehenden Schäden seien nicht zu ver- gleichen mit den schweren Nachteilen, die die Fortwir- kong der Reichsfinanzelends notwendig hätte zur Folge haben müssen. Seit dem Jahre 1910 fei eine langsame Verbesserung des wirtschaftlichen Lebens wieder ein-
zu Haden. Sie hatten offiziell Wahlenthal.ung proklamiert, man darf aber wohl annthmen, daß die Parole nicht so strikte innegehalten wurde, sondern die Sozialdemokraten manche freundliche Unterstützung fanden. Im übrigen erklärt sich der kleine Rückgang der Zentrumsstimmen schon dadurch, daß es sich um Nachwahlen handelt, bei dem die Parier, die im sicheren Besitz des Wahlkreises ist, sich nie besonders anzustrengen pflegt.
* Karlsruhe, 1. Mai 1911. Der König von Schweden, der mit seiner Gemahlin, der Schwester des Großherzogs von Boden, auf der Rückfahrt von Rom hier auf einige Tage Aufenthalt genommen hat, gab feine Absicht, heute abenb abjureifen, auf und bleibt hier, um den deutschen Kaiser am nächsten Donnerstag vormittag za begrüßen. — Der Reichskanzler wird sich hierher zum Vortrag beim Kaiser begeben.
+ Die Ma-stier.
Je weniger die Maifeier heutzutage rio.h praktisch zu bedeuten hat, umso mehr Lärm macht die sozialdemokratische Presse darum. Der /Vorwärts' halte iHv wie auch die,Franks. Volks- ftiurmc' ganze Sellen voll überschwenglicher Phrasen gewidmet. In Berlin war aber gestern trotzvem durchaus nichts von der Feier zu bemerken. Die ■Dtatfeier der Hunde, die an demselben Tage von einem mehrwöchigen Maulkorbzwange befreit wurden, dürfte wehr Jnteresfe erregt haben als der sozialdemokratische Wcltfeiertag. Es waren wieder natürlich viele Dutzende von Versammlungen anberaumt, in denen sozialdemokratische Großen als Redner auftraten, um die bekannte Resolution zu empfehlen. Die Versammlungen verliefen ruhig, waren aber vielfach nicht so gut besucht wie früher, weil die Androhung von Aussperrungen ihre Wirkung getan hatte. So hatten die Metall-Jndustriel- len bekannt geben lassen, daß alle Arbeiter, die nicht zur Arbeit erschienen oder die Arbeitsstelle ohne triftigen Grund frühzeitiger verließen, sofort entlassen werden würden. Der Verband der Baugeschäfte Berlins und der Vororte hat allen Maifciern- den eine dreitägige Aussperrung angekündigt. So elivas konnte den Versainmlungeu rächt ohne Einfluß bleiben. Am Abend sanden noch weitere Versammlungen statt, die nalürlich besser besucht waren. Tas kann aber an der Tatsache nichts änbern, daß die Maifeier Fiasko gemacht hat.
Wie in Berlin, so verlief auch in allen übrigen Or.en des Reiches die Maifeier ohne Störung. Aus Hamburg wird berichtet, daß dort gestern von der Vulkanwerft 3000 Arbeiter fernblieben; auf den übrigen Wersten sind verhältnismäßig nur wenige Leute fortgeblieben. Diese werden bis zum 11. Mai ausgesperrt. In der Eisen-Jndustrie haben die Ar» beiter sich ebenfalls ziemlich zahlreich an der Maifeier beteiligt; diese Industrie wird dadurch stark getroffen. Auch hier werden die Arbeiter bis zum 11. Mai ausgesperrt.
In Paris gab die Maifeier zu einigen Tumulten Anlaß. Gegen 2 Uhr nachmittags suchten zahlreiche Feiernde die Place de la Concorde zu erreichen, die angrenzenden Straßen waren aber gesperrt. Die Manifestanten sammelten sich sodann in den Champs Elysees. Kürasfiere gingen gegen sie vor; mehrere Manifestanten wurden niedergeritten und viele Personen verhaftet, darunter ein Mann, der einen Revolverschuß abgegeben hatte. Ein Polizeioffizier wurde durch einen Messerstich in den Rücken verwundet. Mehrere Polizisten, sowie zahlreiche Soldaten erlitte« leichtere Verletzungen, aber auch 80 Manifestanten und Zuschauer wurden verwundet.
sie keine amtliche Nachricht über das Schicksal Brö- monds erhalten habe. Hiermit im Widerspruch steht die Nachricht, daß dem Konsularagenten Boisset von den Eingeborenen die Meldung von dem Entsatz der marokkanischen Hauptstadt durch Brtzmond zugegangen sei.
Die Lage in Fe, ist unverändert gut. Von einer Gefährdung der französischen Instrukteure wie auch der europäischen Kolonie kann ebenso wenig die Rede sein, wie von einet Hungersnot. Auch die Meldung über Angriffe der Eingeborenen auf die Abteilung Brömond waren, wie immer offensichtlicher wird, aus den Fingern gesogen, die Kolonie hat keinen Toten oder Verwundeten. Für die übereifrigen Kokonialpolitiker und die in ihrem Fahrwasser völlig dcchmsegeknde Regierung „schlimme Nachrichten".
Die gestern mitgeteilte offiziöse Auslassung der „dtord. Ällg. Ztg." über Marokko scheint in Frankreich nicht ganz ohne Eindruck geblieben zu fern' Zwar die Meldung, der Marsch nach Fez sei aufgegeben worden, hat sich einstweilen nicht bestätigt, aber es wird doch gemeldet, daß ein Teil der Presse sich für Einstellung des Vormarsches ausspreche. Natürlich wird mau bestreiten, daß es aus Rücksicht auf den deutschen Einspruch geschehe, und andere Blätter verlangen desto eifriger nach Fortsetzung des' Unternehmens. Auch der Minister der öffentlichen Arbeiten, Dumont, hat am Sonntag bei einem Bankett die Pflicht Frankreichs betont, in Marokko den Herd der Anarchie zu unterdrücken. Neuerdings dementiert er ausdrücklich, daß die Absicht, die französischen Truppen bis Fez gehen zu lassen, aufgegebeit worden sei. Die Truppen würden schon deshalb bis nach Fez vorrücken, um die Stadt mit nötigen Lebensrnitteln zu versorgen. Nach einer Pariser Meldung eines Berliner Blattes versichert man jedoch in französischen Regierungskreisen abermals, daß nicht die geringste Absicht bestehe,
s S Berlin, 1. Mai 1911. Dem gestern im 67. Lebensjahre verstorbene Fürsten Georg zu "Schaumburg-Lippe widmet der.Reichsanzeiger" einen kurzen Nachruf, in Bem es heißt: Mit dem Fürstlichen Hause, Bas Sr. Majestät dem Kaiser durch nahe Verwandtschaft verbunden ist, und der Bevölkerung des Fürstentums, das in dem Entschlafenen einen gütigen Landesherrn von treuer deutscher Gesinnung betrauert, vereinigen sich die deutschen Fürsten Fürsten und das deutsche Volk in herzlicher Teilnahme. — Ter Bundesrat versammelte sich heute zu einer außerordentlichen Plenarsitzung, der ersten nach der Osterpause. — Dem Reichstag ist der Bericht der Kommissionen sür bie Reichsversicherungsvrdnung scw e eine Zusammenstellung des Entwurfes mit den Kom- misswnsbeschlüffen zugegangen. — Der deutsch- yhwedische Handelsvertrag steht vor dem bschluffe. Deutscherseits soll die Forverung eines Zolles auf schwedische Pflastersteine fallen gelassen sein.
)( Die Hochseeflotte hat unter Bem Befehl Bes Admirals von Holtzendorff am Montag Bie alljährliche Frühjahrsreise angetreten. Die Fahrt geht um ©tagen nach der Nordsee, wo in der Deutschen Bucht die Manöver abgehalten werden. Tie Rückkehr nach Kiel erfolgt am 2. Juni.
b. Die Kommission für da- preußische Pflichtfort« lUmngSschulgesetz besann am Montag ihre Tagung lit der Beratung der Einführung des Religious« Unterrichts in der Fortbildungsschule. Ein ton« '«rvativer Redner wünschte, daß im § 1 des Gesetzes tln Absatz ausgenommen werde, der neben der staatsbürgerlichen auch die religiöse Erziehung anorbnet. Ein fortschrittlicher Abgeordu eter sprach sich entschieden gegen die Aufnahme Bes Religionsunterrichts aus und ein natiouaQibetaler Abg. stimmte ihm zu. Ein Zerttrumsabgeordneter hielt Ben Religionsunterücht für absolut notwenBig. Das fei eine einfache Konsequenz der Vorlage, Bie bie sittliche Erziehung wolle. Ohne Religionsunterricht sei Biese nicht Bentbar. i * Krankenkassen und Reichsverfichennigsoidnung. Zu der Protestversammlung gegen Bie Reichs ver« stcherungsordnung in Berlin am Sonntag waren, wie noch nnigeteilt witB, Bie Fraktionen des Reichstages sämtlich eingeladen, aber nur bie sozialdemokratische Fraktion hatte Vertreter entsandt und zwar bie Abgeorbneteu Stabthagen, Robert Schmidt und Hoch. Vertreten war ferner die Generalkommissionder sozialdemokratischen Gewerkschaften.
0 Der Hansabund läßt vermelden, Baß seit Ber letzte« Tagung des Gesamtausschusses EnBe Februar 257» Personen als Einzelmitglieber Bem Bunde beigetreten sind. Sechs Landes- unb Bezirisgrnppen und 31 Ortsgruppen sind gegründet worben, wahrend 30 wirtschaftliche Verbände bem Hansa- bunbe korporativ beigetreten finb.
V Rom---unb bie Feuerbestattung. In der
k-^Chronik der christlichen Well', einer evangelischen .Wochenzeitschrfit (Tübingen) war neulich unter ber gezeichneten Spitze:
„Rom kann auch anders' zu lesen: „Die iRongregation der Propaganda hat für bie Sandwich- lHnseln (Kolonialbesitz der Vereinigten Senaten Nordamerikas. — Sieb.) bie Vornahme der kirchlichen Zeremonien bei der Feuerbestattung genehmigt. Tie Lekchen- verbrenung ist dort landesüblicher Brauch.'
Die Hildburghäuser Dorfzeitung vom 7. April d. I. ging mit derselben römischen Entscheidung angeblich gu Gunsten der Feuerbestattung hausieren, nicht ohne ,ben interessanten Hinweis, daß zwar in der Frage der Feuerbestattung die römische Kirche sich vollständig ablehnend verhalle, wie sich jetzt wieder bei den Verhandlungen in dec Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses ari dem Verhakten der Zentrumsmitgkieder ‘gegeigt habe, trotzdem — Rom kann auch anders. Zur Klarstellung des Falles wandte sich die Erfurter Sonntagszeitung direkt an das Sekretariat der Kongregationen der Propaganda in Rom und erhielt im Auftrage .des Kardinal Präfekten von deren Sekretär, Mon- ügnor Veccia, am 19. April folgende Auskunft:
Der apostolische Vikar ber Sanbwich-Jnseln (Pater (Ltbeitus SBohjnaemS) unterbreitete durch feinen Prokurator anfangs Januar der Propaganda folgenden «all: Es kommt vor. baß b:e Landesregierung Bas estimmungsiecht über die Leiche eines Verstorbenen sich vorbehält (cadaver defnncti sibi ut proprium as- Bumit) unb auctoritatio zur Verbrennung bestimmt SauctoritatiTe cremationi tradit1, ohne daß ber Ver« torbene zu Lebzeiten seine Zustimmung gegeben iahe unb ohne baß die Anverwandten die Leichenver- rentumg verlangt hätten. — Es wird daher (bie Propaganda) um di« Entscheidung gebeten, ob die Aschenüberreste mit den religiösen (kirchlichen) Zeremonien nach bem für anwesende Leichen vorgeschriebenen Ritus (der sich von dem Trauer-Ritus bei Nichtanwesenheit der Leiche [absente corpore] etwas unter« scheidet. — Sieb.) wenigstens auf dem Friedhöfe beigesetzt werden könne. — Die Propaganda entschied > darauf am 28. Januar d. I.: In Anbetracht der hier [erwähnten Umstände und in den genannten Fällen -sieht nichts entgegen, daß die kirchlichen Trauerfeier- [uchkeiten (exeqaiales ceremoniae) mit den üblichen Ge- ■ freien auf bem Friedhose vorgenommen werden.' Rarb. Götti, Praef.
! Die Erlaubnis der Propaganda beschränkt sich nur Nif einige besondere Fälle, nämlich in denen die Staatsbehörden zwangsweis e die Einäscherung an geordnet haben. Diese Entschei- Ihmg der Propaganda steht ganz im Rahmen der biS- üerigen katholischen Praxis. Danach ist die kirchliche Assistenz vor oder nach der Einäschemng gestattet, Dmm sie ohne Veranlassung de» Verstorbenen erfolgt und nicht direkt aus Haß gegen die Wholische Kirche vorgenommen wird.
[ ** liebet bie Pflicht des ehrlichen PolstikerS, an« Iverkrnnen, daß die Reichsfinanzreform zur
Ausland.
** Die Wirre« in Marokko.
Hebet Brsmonds Schicksal herrscht noch Ungewißheit. Während bereit» am Samstag au» Tang« die amtlich« Meldung von der glück- lichen Ankunft der Maballa Brsmond in Fez ein- traf, läßt die franzöfische R^ieruna erklären, daß
getreten; das häng« indirekt unstreitig mit der Beseitigung der Defisttwirtschaft zusammen. Ganz direkt habe zu ber Besserung beigetragen, daß das Erwerbsleben vom Druck der Ungewißheit unb Unsicherhell befreit worben sei. Dies anzuerkennen, fei Pflicht bes ehrlichen Politikers. Damir entfalle aber ber Erunb, bte Reich-finanzreform bauernb zu einem Agllallön-- mitte! zu machen. Man sollte enblich den Streit darüber, wer der Hauptschuldige an bem Schellern ber Erbschaftssteuer sei, ruhen lassen. Für bte Deckung des Defizits des Reiches sei dis auf weitere» durch bie neuen Steuern gesorgt. Darnll fei etwas Wesentliches erreicht.
Daß dieses Mahnwort bei allen Nationalliberalen Beachtung finden werbe, ist leider nicht zu hoffen.
c? München, 1. Mai 1911. Außer ber Land- tagsersatzwahl in Rosenheim I (sür den verstorbenen Dr. Daller) wurde auch in Straubing eine Wahl vollzogen, in der ebenfalls das Zentrum siegte. Die Wahlen derei en der liberalen Presse große Freude, weil die Zentrumsstimmen etwas zurückgegangen sind und bie sozialdemokratischen Stimmen sich vermehrt haben. Die Wahlen be« weisen abermals, baß bie Liberalen nur jüt bie 0^ne vorfierige Verständigung mit den Signaturmäch- ©ojialbemotraten arbeiten, ^jn Straubing scheinen |en ^€r Mgeciras-Mte Schritte zu unternehmen, welche sie übrigens birelt den Sozialdemokraten gcholstn — - - - - - - -
** Am Panamakanal halten bie Amerikaner bereits Wacht. Die Regierung der Bereinigten Staaten hat zwei Millionen Dollars zur Herstellung von Baracken für Offizier« unb Solbaten am Panamakanal bestimmt. 6300 Mann sollen dort ständig an der ganzen Ausdehnung des Kanals stationiert werden. Die Trupp« wird den Name« „Kcumlgarde' erhallen. Obwohl der Bau des Panamakanals erst im Jahre 1915 beendet fein wird, soll die Absendung der Truppen dorthin sofort nach Fertigstellung btt Baracken erfolgen.
Aus Uirche und Schule.
)*( Fulda, 1. Mai 1911. Dem neuen Stadtpfarrer ist die Führung der Ortsschulauf« sicht über die talljol. stadlpsarrliche Knaben- unb Mäbchenschule vom 1. Mai ab widerruflich übertragen worben.
-t. Kiel, 1. Mai 1911. An die Stelle bes verstorbenen katholischen Marmeoderpsarrers, Prälaten Laubstein, wurde der hiesige Marmepfarrer Kr ä u ter zum ersten Garnisonvfarrer der Ostfeestation ernannt. Herr Kräuter stammt aus der Diözese Fulba (geboren zu Mardorf fOderhessenj 20. Februar 1871), am 21. Dezember 1895 wurde er zum Priester geweiht. Er wirkte als Kaplan in Oberndorf unb Fulba und als Kuratus zu Eltrrs und trat am 10. April 1902 in die Militärseelsorge über.
* Kulm, 30. April 1911. Der Propst Jakob Kozlowski in Radowisk bei Briesen feiert am 10. Mai sein 65jähriges Priesterjubiläum.
Stadtverordneten-Versammlung.
△ Fulda, 1. Mai 1911.
An ber gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nahmen 22 Mitglieder de» Kollegium» teil. Vom Magistrat waren anwesend: 2. Beigeordneter Karl A r n d und Stadtrat Fr. Aug. Müller. An der Sitzung nahmen ferner teil Stadtprobator Wohlgemuth und Gas- und Wasserwerksdirektor Mewes. Den Vorsitz führte der Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Gegenbaur.
Vor Eintritt in die Tagesordnung macht der Vorsitzende Mittellung von dem Eingang eines Schreibens, in dem die Stadtverordneten zu einer Festvev- s a m m I u n g am 9. Mai, die aus Anlaß des in Aussicht genommenen praktisch-sozialen Kursus für Gesellenpräsides, Vereinslehrer und Vereinsvorstände, hier abgchalten wird, unter Hinweis auf die Bedeutung der durch den Kursus zu förbemben Jugendfürsorge eingeladen werden. Die Versammlung nimmt das Schreiben dankend zur Kenntnis. Stadtv. R üb- s a m stellt gegenüber umgehenden Behauptungen, die seinen Arbeitseifer im Stadtverordnetenamte bezweifelten, fest, daß er von 22 Sitzungen und 5 Besichtigungen nur 5 Sitzungen unb 2 Besichtigungen au» gewichtigen Gründen ferngeblieben fei.
1. Wahl dreier Mitglieder als Verstärkung ber gemeinschaftlichen Baukvmmiffivn für Beratung ber Vorlagen: „Schulbauten". Da der Berichterstatter, Stadtv. Fritz, nicht antoefenb ist unb der geplanten Verstärkung statutarische Bedenken entgegenstehen, wird dieser Punll vertagt.
2. Feststellung ber Gaswerksrechnung für bas Jahr 1909. Rach dem durch den Stadtv. Dr. Schulte erstatteten Kommissionsbericht ist die aus dem Gaskonto nach dem Voranschlag erwartete Einnahme mit rund 180 000 Mark fast genau erreicht worden. Auffällig ist die geringe Verbrellung, die die Gasauto- maten gefunden haben. Die Rellarne für diese GaS- bezugsform scheine nicht ausreichend zu sein. Doch soll sich nach Angabe des Gaswerksdirektors der Absatz durch die Automaten zurzest in auffteigender Linie bewegen. Durch günstigeren Kohleneinkauf unb Steigerung der Gasgewinnung wurde beim Gaskoh- lenkonto eine Ersparnis gegen den Voranschlag von zirka 10000 Mark erzielt. Die Einnahme aus dem Kokskonto hat der Erwartung nicht entsprochen. Stadtv. Reith fragt an, ob zur Erzielung eines größeren Koksabsatzes nicht eine weitere Verbilligung am Platze fei. Gaswerksdirektor Mewes hält das aus Rücksicht auf die umliegenden Gaswerke nicht für angängig. Stadtv. Kircher bedauert btefe Rücksichtnahme, da jetzt auswärtige Gaswerke für ihren Kok? in Fulda Abnehmer fänden. Stadtv. ©immer erklärt als Mitglied der Gaswerkskommission, daß auf deren Veranlassung ber Preis für Koks auf 1,80 Mk. pro Zentner herabgesetzt worden sei und die Kokspropaganda zurzeit energisch betrieben werde, schon damit der Feucrsicherhett des Gaswecks toegen die „Koksberge' allmählich abgetragen würden. Aus die Forderung dec Stadtverordneten Reith und Rüb» (am. die minderbemittelte Bevölkerung durch noch weitere Preismindemng zum Kokskauf zu veranlassen, erir-ibect Direktor Mewes, in der wannen Jahreszeit fei auch der billigste Preis nicht imstande, Käufer anzulocken. Im Winter habe sich der Absatz gehoben. Durch wissenschaftliche Untersuchung fei festgestellt, daß der Heizwert des Koks durch das Sagem in keiner Weise nachteilig beeinflußt werde. Allerdings sei die Feuchtigkeit dem Koks schädlich und daher eine lieber- dachung des jetzigen Kokslagers in Erwägung zu ziehen. Nach der Berechnung des Berichterstatters hat sich das im Gaswerk angelegte Kapital rein rechnungsmäßig 1909 mit 6,8 Proz. verzinst, bei Einrechnung der Zins- und Amortisationsbeträge mit 11 Prozent. Nach den Voranschlägen ift 1910 eine Verzinsung mit 14,6 und 1911 mit 15,6 Prozent zu erwarten. Die Rechnung ist feftgefteöt auf eine Einnahme von 287 748,20 Mk. und auf eine Ausgabe, die nach Abrechnung ber alten Heberzahlung von 30 720 Mk. 323 093 Mk. beträgt. Dem Rechnungsführe: wird die beantragte Entlastung erteilt.
3. Feststellung ber Kämmernrechnung für das Jahr 1909. Der Kommiffionsberichterflatter, Stadtv. Kapp, hebt hervor, daß auch das Bauamt, anders wie in den vorhergehenden Jahren, die Positionen des HausbaltunaZvlanes genau eingehakten habe. Eine