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Mante. Redakiem;

«arrSch»tttr für M Anzeigen:

I.parzrler in Fulda.

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Wschenbeiiage: „illustrierte Somltag^ektmg"

Msmtrbellag«: „Fuldaer Geschlchtrblaüer"

»Njctgevr Vie tt» fpaltige Petitzeile oder deren Raum 15 pfg. veNamendrepetitzrlie

Vfg., brr wieder- yolungen wird enifpr.

Rada-i gewährt.

Sotatlousdruclun» Verlag der Fuldaer Ak- tiendruckerei in Zu Ida Fernsprecher Nr. 9.

Erstes Blatt. < Fülda, Samstag den 29. April 1911. 38. Jahrgang

.Der „Caprivismns im Gehrock".

Was das ist, muß man sich von der alldeutsch« „Deutschen Zeitung" sagen lassen. Es soll eine Kenn» zeichnung des neuesten Kurse» sein, für d« Herr v. Bethmann Hollweg „seinen Namen als ver- antwortltcher Staatsmann hergibt", währmd tatsäch­lich der K a i s e r s e l b st das Steuer des Retchsschiffs umgelegt haben soll. Das alldeutsche Blatt ist furcht­bar ergrimmt, weil nach seiner Ansicht wieder eine „Versöhnungsära" noch der Art der Sas»ri­tz i 's ch e n Politik eingeleitet worden ist. Der Tro­pfen, der das Glas dieses Zomes zum Ueberlaufen ge­bracht hat, ist die Ankündigung, daß die Leiche deS Kardinals Ledochowski im Posener Dom beige- setzt werden soll.

Ein freisinniges Blatt, das gestern ebenfalls diese Leichenfeier parteipolitisch auszuschlachten suchte, brauchte den wohlklingenden Ausdruck: „Mit Toten führt man keinen Krieg". Diesem Wort widersprech« leider die Tatsachen. Die Kulturkämpfer und Haka- tisten ziehen auch gegen dm Leichnam des ehemalig« Erzbischofs von Gnesen und Pos« noch zu Felde. Mit unerschütterter Gewiffmloflgkeit werd« die alten Ver» leumdungm und Beschimpfungen, die vor einem Men­schenalter noch im Schwange waren, heute noch wieder­holt. Angesichts der Leiche dieses Märtyrers des Kub tuickampfes wird frischweg wieder behauptet, der Ver­ewigte habe dem deutschen Reiche oder dem preußischen Staate „Todfeindschaft" geschworen und diesm Schwur bis an sein Lebensmde gehalten. Und doch ist ge­schichtlich längst eintvandfrei festgestellt, daß Graf Le­dochowski nichts anderes getan hat, als was auch die Bischöfe in den rein dmtschen Diözesen damals getan haben und tun mutzten: nämlich die Pflichten ihres kirchlichen Hirtenamtes erfüll« und die Straf«, welche die unseligen Maigesetze über diese Pflichterfüllung verhängten, auf sich nehmen. Graf Ledochowski war nicht der handelnde „Todfeind" des Staates, sondern das duldende Opfer von un­gerechten und unhaltbaren Uebergriffen des Staates auf das kirchliche Gebiet. Zwei Jahre Gefängnis sind doch keine Kleinigkeit. Und schließlich war es ein eklatanter Beweis der Friedensliebe und der Sorgfalt für Volk und Staat, daß der Kirchensürst auf dir Bi­schofswürde, die ihm zu unrecht vom Staate abgespro- chm war, freiwillig verzichtete, um eine Wiederbesetzung des Hirtenamtes zu ermöglichen.

An diese Dinge muß man sich erinnern, um den rechten Begriff zu bekomm« von der Unversöhn­lich k e i t u n d R o h e i t, die hinter den jetzigen Aus­fällen auf d«. Verewigten steckt.

Und die Ausfälle sind umsomehr zu bedauern, als sie sich direkt gegen dir Person des Monarchen zuspitz«. Es wird alles mögliche aus alter unb neuer Zeit herangeholt, um gegen den Kaiser selbst als den Urheber einer gefährlich« Schwenkung in der Politik, einer neu« Versöhnungsära unter Preisgabe „na­tionaler" Jntereflen Mißstimmung und Mißtrau« zu erwecken. Tie (nach unserer Ansicht selbstverständliche) Gewährung des Beisetzungswunsches wird in Verbin­dung gebracht mit der bisherigen Nichtanwendung des Enteignungsgesetzes, mit der Verfassungsreform für Elsaß-Lothringm und sogar mit gewissen Vorgängen an der dänischen Grmze. Das soll ein unbegreiflicher Rückfall sein in die Caprivi'sche Methode der mild« und gewinnend« Behandlung der Ost-, West- und Nordmack«. Demgea«über zitteren die alldeutschen Kampfhähne den Schatt« Bismarcks, der die starre Durchführung des Kampfes gelehrt und als richtig erwiesen habe.

Zu der Berufung auf Bismarck möchten wir kurz bemerken, daß er zwar ein sehr zäher Hasser und ein grimmiger Kämpfer war, aber doch zur rechten Zeit, wenn er die Undurchführbarkeit des gewaltsam« Vorstoßes erkannt, einzulenken verstand. Der schlagendste Beweis für diese staatsmännische Befähi­gung zur Selbstbeherrschung und Selbstberichtigung ist sein Abbruch des Kulturkampfes. Wer diese Lehre nicht versteh« will oder kann, der darf sich nicht aus den Namen Bismarck beruf«.

Bismarck hat mehr als einmal ben Kurs gewech­selt. Es ist albern, wmn man jede Anpassung an die verändert« Zeitverhältnisse als ein« schwächlich« „Caprivismus" verdächttg« will. Im übrig« brau­ch« die Herr«, die das rohe Draufschlagen auf eine mißliebige Minderheit für das einzig richtige halten, sich vorläufig noch gar nicht auf- ■juregen. Wir sehen noch keinen richtig« Um­schwung in den Irrung« der letzt« Jahre.

Deutsches Reich.

** Berlin, 28. April 1911. Der Kaiser begab sich gestern vom Achilleion nach Garitza, wo auch der König der Hellenen und die tönigliche gfamilie erschienen. Es wurden wieder einige histo­rische Funde gemacht. — Der preußische Landtag-- abg. Amtmann Reinicke (tonf.) ist im Alter von 76 Jahren in Mansfeld gestorben. — Am Freitag haben im Reichsamt des Innern die kommissarischen Beratungen über eine Abänderung der Prüfungs­ordnung für Tierärzte begonnen. Die ge- planten Abänderungen beziehen sich in erster Linie Äuf eine Verlängerung des Studiums aus 8 Semester, . * Der Religionsunterricht in bett Fort­bildungsschulen sollte, so wird man denken, bei Ven kirchlichen Behörden lebhafte Befür- Wortung finden. Nun höre man aber, wie da- Konfistorium der „evangelischen Landeskirche" in d-r Provinz Sachsen sich äußert:

Von den Unterrichtsfächern ist in der Anleitung Ker Religionsunterricht als obligatorisches Lehr- fach von der ländlichen Schule ausgeschlossen. Wir sind damit, in Würdigung der vom Minister und tm Landtage dafür geltend gemachten Gründe, ein­verstanden. Auch die religiöse Unterweisung als Nebenfach mit nur freiwilliger Beteiligung der Schüler und nur im Anschluß an den Fortbildung,« schulunterricht gehört im einzelnen nicht in den all­gemeinen Lehrplan hinein. Doch würden wir dankbar fein, wenn bei der Ausarbeitung eines solchen für Unsere Provinz dieses Nebenfachs, als einer Möglich­

keit für die Getültch«», an die jungen Leute heran z«. komme«, gedacht »Erde.

Wessen Interest« da» Konsistorium damit vertritt, sovte es ersehe« aus den beifälligen Aeußerungen der liberalen Presie, die eine solche Stellungnahme »äußerst verständig" nennt.

0 Setz« dte Reichsverficherungs-Ordunug nahm bee Zentralverbcmd deutscher Industrieller in einer in Berli« abgehaltenen Delegierlenversamm- lung Stellung. Er erklärt« den Entwurf in der Kigen Fassung al- unannehmbar. Zur Begrün- ig dieses Beschlußes wird in einer Resolutton ausgeführt:

„Unter Außerachtlassung der bisherige« Leistung« der Arbeitgckerschast unb der segensreichen Wirksam­keit unserer großen Fabrikbetriebe in sozialistischer Be­ziehung sind durch die Lommissionsbeschlüfle ben Ar­beitgebern neue Leistungen und Belästigungen auferlegt, welche schwere wirtschaftliche Beeinträchtigungen nick. ' nur für die gewerbllchen Kreise selbst, sondern auch für die nationale Wirtschaft überhaupt und nicht zuletzt Edie Arbeiterschaft tm Gefolge hab« werd«. Durch

immer fortschrettende Vermehrung der Lasten der Versicherung wirb nicht nur die AuSfuhrmöglichkeit, sondern schließlich auch bet Bestand der deutschen In­dustrie überhaupt in Frage gestellt werden."

Eine andere Stellungnahme ist von dem Scharf­macherverband auch nicht zu erwarten.

X Sozialdemokratie und Neichsverficheruugsordnmig. Di« Art und Weise, wie die Soxialbemotrai« gegen­wärtig dabei ist, den Entwurf der Reichsversiche- rungSordmmg, j«es großzügigen sozialen Werkes, daS man trotz einiger Fehler, die ihm noch anhasten, ruhig alS die „Krone unserer sozialen Gesetzgebung" bezeichnen kann, herunterreißt, ist geradezu unver­antwortlich. Der.Vorwärts" nennt den Entwurf ein „Ausnahmegesetz gegen die Arbeiter", spricht von „Verhöhnung des EtendS", „Verkürzung" und „Entrechtung" unb schließt mit den lapidar« Sätzm:

„Empörend ist das Ausnahmegesetz, weil es unter dem heuchlerischen Vorgeben, Not und Sorgen entgegenzutreten, Not und Sorgen schafft. Empörmd, weil eS dis Arbeiterklasse, ihre Witwen und Waisen, all jene verhöhnt, die ein Anrecht darauf haben, ba6 nach Möglichkeit Schäden, die die Wechselfälle deS Lebens und des Berufes nach sich ge­zogen hab«, ausgeglichen werd«. Gegen dies Ausnahmegesetz gilt es für die Arbeiter ohne Unterschied der politischen Richtung gemeinsam Front zu machen."

Die ReichSvustcherungsordnung bringt die Jn- validenwitwenrente, die Jnvalidenkind<".rente, die Erhöhung deS täglichen Krankengeldes für hochent­lohnte Arbeiter um 60 Pfg., die Ausdehnung der Krartkenverficherung auf weitere 5 Millionen Arbeiter, Landarbeiter, Heimarbeiter und häusliches Dienst« personal; sie verschafft vor allen Dingen eine Er­leichterung und Vereinheitlichung aller sozialen Ver­sicherungen. Unb alle dies« Vorteile wünscht der /Vorwärts und mit ihm der ganze Chor der soziali­stisch« Preßmeut« zum Teufel. Vernünftige und einsichtige Arbeit« werden diesen Arbeitelbetrug den Volksverhetzern schon gebührend belohnen.

j. Köln, 28. April 1911. Der Prvvinzial- ausschuß b« Rheinischen Zentrumspartei hielt hier seine diesjährige Frühjahrstagung ab. Ein Bild reicher Tätigkeit bot der Jahresbericht der Zentralstelle. Einer Anregung des Beirates folgend wurde beschlosfen, für die Parteiorgani­sationen „Mitteilungen" über organisatorische Einrichtungen und dergl. in Form eines regel­mäßig erscheinend« Organs herauszugeben. Den Hauptgegenstand der Tagesordnung bildete die Frage der Vorbereitung der nächsten Reichstags- wähl«, die eine sehr lebhafte und eingehende Aussprache auslöste.

# Karlsruhe, 28. April 1911. Heute abend sind der König und die Königin von Schweden von Rom her zu einem mehrtägigen Besuch deS großherzoglichen Paares hier ein- getroffen. Wie nunmehr feststeht, trifft das deutsche Kaiserpaar mit der Prinzessin Viktoria Luise am nächsten Donnerstag vormittag hier ein. Während die Kaiserin am folgenden Tage nach Berlin zurückkehrt, bleibt der Kaiser noch bis Samstag hier und reist dann nach Straßburg weiter.

Ausland.

* Die in Dänemark drohende Arbeiter-Bnssperntng ist nicht zur Tat geworben. Am Donnerstag abend spät wurde ein Uebereinkomm« erzielt, wonach die Aussperrung, die mit b« bereits bestehenden zirka 40,000 Arbeiter umfaßen würde, zurückgezogen wurde. In dem neu« Arbeitsvertrage werd« den Arbei­te« eine Herabsetzung der Arbeitszeit und eine ge­ringe Lohnerhöhung zugebilligt.

* Di«Gewerkschasten Frankreichs haben ein neues Blatt gegründet, weil ihnen der Ton der,Huma- tritt', des Organs des SozialistensührerS Jaurös, nicht scharf genug ist. In dem neue» Organ Fa Bataille Sijnbifalifte' fassen die Gewerkschaften ihr Programm folgendermaßen znsamm«: „Der Feind rst für nur daS Bürgertum in seiner Gesamtheit, rotnfo alle Einrichtung« des bür­gerlich« Staates und bk ganze bürgerliche Gebankeuwelt."

•* Dir «Mtft d«S vxdrpesi« Besuches ftMf PetrrS d»u Serbien hat pt einem heftig« KonflB Serbiens geführt Da bat gegenwärtige Robinett auf der KvaüLsn zwischen Jung, und Altradikal« beruht, wird dieser Schritt vielleicht d« Rücktritt de« Kadtuett» zur Folg« hab«.

* Dir Krise im jungtürkisch« Lager. Ein« Proklamation, di« der Chef der Dissid«t« in der Partei „Einheit unb Fortschritt" erläßt, deutet darauf hin, daß der Riß tm RegierungS- lager fortbrstrht, weshalb die Sage ferner unklar bleibt. =1

Bo» einer Insel der Philippi»« Haden die Holländer Besitz ergriffen. Nach Meldungen auS Jolo auf den Suluinseln soll« die Holländer die Insel PalmaS, eine der Süd-Philippinen, sich angeeignet, die amerikanische Flagg« dort nieder- geholt und die holländische Flagge gehißt haben. Di« Vereinigten Staaten hatten keinen Protest er- hoben. — Wenn die Amerikaner so ohne weiteres auf ihren Besitz verzichten, wird an der Insel wohl nicht viel gelegen sein.

** In Kanton in China ist eine Revo­lution ausgebrochen. Infolge der Verhaftung eines angeblich« Revolutionärs zogen seine Ge­nossen, mit Revolvern bewaffnet, nach dem Palast des Vizekönigs und steckten ihn in Brand. Die Truppen gingen gegen die Aufrührer vox unb töteten einige Rebellen. Die Revolutionär, ..jaben außer dem Palast des Vizekönigs 50 Häufe? verbrannt unb 70 Mann von der Wache dez Vizekönigs niedergermtzelt. Die Dampferverdin düng mit Honkong ist ovriäusig unterbrochen

Aus Kirche und Schule.

m. Fulda, 29. April 1911. Auf dem im Kloster Frauenberg vom 25.—28. ds. Mts. abgehaltenen Provinzialkapitel wurden gewähtt: für Frauenberg: Guardian P. Hermann Nelz; Pro- vinzdefinitor Vikar P. Fridolin Schumacher, zugleich Domprediger und Mflttärseelsorger; Novizenmeister P, Jsidorns Meyer; für Salmünster: Guardian P. Zephyrinus Maas; Vikar P. Augustinus Weimar; für Ottbergen: Guardian P. MaximilianuS Brandys Gustos; Vikar P. Felix Schulze-Bokum; Novizenmeister P. Raymundus Böhmer; für Gor- Heim: Guardian P. GeroasiuS TheiS; Vikar P. Paschalls Ostertag; für Metz: Guardian P. Ber- nardinus Bender; Vikar P. Raphael Leguil; für MariMtthal: Guardian P. Donatus Nolte; Vikar P. EptVyanius Böschen; für Bornhofen: Guar­dian P. Fidelis Schumacher; Vikar P. Angelus Schüpfer; für Watersleyde: Präses P. VituS Mutke, Rektor des Colleg. Seraph.; für Lübeln: Präses P. Leonardas Wiszniewski; für Guten» brunnen: Präses P. Felix Lieber; für Kelkheim: Präses P.NicolausBreuning; für Hohatzenheimf: Präses P. Leo Letscher.

* Bad Kissing«, 28. April 1911. Kaplan G. Eder in Dettelbach wurde zum Kurprediger in Pad Kissing« ernannt.

Lokales.

Fulda, den 29. April 1911.

;; Herr Regierungsaffeffor von Versen in Fu'da wurde dem Landrate deS Kreises Könitz (Reg.-Bez. Marienwerder) zur Hilfeleistung in den landräilichen Geschäften zugeteilt.

-k „Nicht Arbeiterschutz, sondern Arbettettrutz!" Eüt so betiteltes Flugblatt auS bet ,VorwSrts'-Druckerei in Berlin und eine Einladung zu einer sozialdemo­kratischen Versammlung konnte man heute morgen verschiedentlich vor den WohnungS« oder Haustür« vorfinden. Offenbar waren sie in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden dort niedergelegt worden. Die lichtscheuen Verbreiter dieser Flug­blätter hatten auch all« Grund, bei Nacht unb Nebel zu wirken; daS von der Reichsversicherungs- orbnung handelnde sozialdemokratische Flugblatt vetträgt nicht die Kritik des hell« Tages. Was ihm an Beweiskraft fehlt, sucht eS zu ersetz« durch die saftigsten Kraftausbrücke. Da liest man u. a.: Dieser nichtsnutzige Streich, dieser Betrug an den Arbeitern • ist mit Zustimmung der christlichen Arbeitervertteter geschehen . . . Raub der wohlerworbenen Arbeiterrechte. . . Strauch­ritterpolitik wahrster Art . . . unter brutaler Ausnutzung des formalen Rechts wird dem wahren Recht mit der Faust ins Gesicht geschlagen . . . diese heuchlerische Gesellschaft . . . Am Schluffe des Flugblattes heißt es: An ben Pranger mit diesen Volksverrätern, die hier in der Reichstags­kommission die letzte Hülle von ihrem wahr« Charakter geworfen haben. — Dieser „EntrüstungS- rummel" ist nur allzu durchsichtig und vom Stand­punkte der Sozialdemokratie begreiflich. WaS sie fo in Wut versetzt, ist, daß dem Mißbrauch der Krank«kaffen seitmS der sozialdemokratischen lieber» macht durch die Reichsversicherungsordnung Einhalt geboten werden soll. Den in Kaffmbeamtmfiellen hineingebrachlen sozialdemokratischen Agitatoren, die auch dort im Sinne der Sozialdemokratie weiter agitieren, soll mit Fug und Recht das Handwerk gelegt werden. Ei, e soziale Einrichtung darf nicht zu sozialdemokratischen Zwecken mißbraucht werden. Gewiß enthält die Reichsversicherungs- ordnung noch manche Lücke und Unvollkomm«heit. Die beteiligten Kreise dürs« aber versichert sein, daß das Zentrum mit Entschiedenheit für alle er­reichbaren Befferungen ein tret« wird. Dafür bürgt die bisherige ruhmreiche sozial« Tätigkeit des Zentrums. Die christlich« Ärbeitervertreter im Reichstag« werd« die Arbeiterrechte zu wahren sich bemühen. (Vgl. Deutsches Reich: Sozialdemokratie unb ReichsverficherungSordnung.)

xn> Das JnstitutSgebäube bet Englischen Fräulein in der Lindenjtraße wirb gegmwärtig durch die Aussetzung eines dritten Stockwerkes auf den Mittelbau vergrößert. In dem unter Leitung deS Herrn Architekten Adam ausgeführten Erweiterungsbau, der in leichter, gefälliger Form gehalten ist, wird eine Aula, ein Phyjiksaal und eine weitere Schulklasse untergebracht werden. Die wieder daröberkommenden Mansarden-Räume behalten ihr« bisherigen Zweck. Nach Fertig­stellung dieses Umbaues wird da» Jnstituts- gebäude einen noch imposanter« Eindruck machen als bisher.

r. Einen Kartoffekftgcappamt erfunden hat Herr Adolf B ress em von hier, Petersberger straße 23 g. Der Apparat kann an jedem eisern« Pflug ange­bracht werden und ist bereits zum deutschen Reichs­patent angemeldet worden.

::: Der Nnterrichts-Kursus beS Naturheil» Vereins über „erste Hilfe bei Unfällen unb plötz­lichen Erkrankungen" in bem am Donnerstag abend die Maßnahmen zur Hilfeleistung bei Verbrennung, Verbrühung, Hitzschlag, Vergistungs- unb Erstickungsgefahr und bergt, zur Besprechung und Uebung kamen, wird am Montag durch eine Belehrung über die Hilfeleistung bei plötz­lichen Erkrankung« ergänzt werden. Für Teil­nehmer an dem Kursus ist die Teilnahme kosten­los, im übrig« gegm eine Gebü hr von 20 Pfg. gestattet.

kr. Die Fleifchprrise in Fulda weisen nach bet amtlichen Berechnung seit Jahresbeginn eine gewiff« Beständigkeit auf, soweit die Preise sür Rind- unb Kalbfleisch in Frage kommen. Als Durchschnitt der Einheitspreise für Rindfleisch wurde amtlich von Januar bis April 84 Pfg. für das Pfund fest­gestellt. Buch der Durchschnittspreis fürKalbfleisch ist in dieser Zett ständig 88 Pfg. ß Pfund gewes«. Für die gangbarst« Fleischstücke werden, etwa- abweichend von dieser ein« Ausgleich anstrebmden Berechnung, zurzett 84 Pfg. k Pfund hier gezahlt. Der Preis des Schweinefleisches ist in dem ersten Vierteljahr 1911 zurückgegangen. Im Januar war der amtlich ermittelte Durchschnittspreis 87 Pfg, k Pfund, in der ersten Hälfte des Monats April-, ist er auf 78 Pfg. gefallen. In der Praxis bewegt sich der Schweinefleischpreis zurzett zwischen 80 unb. 90 Pfg., je nach bem, ob eS fich um Bauchstück», oder Rückenstücke handelt. Interessant mag mut, die Feststellung bet Preise fern, bk in Fulda vor etwa 10 Jahren für bk einzelnen Fleischsortev gezahlt wurden. Im Jahre 1900 kostete Ochsenfleisch 66 Pfg., Kalbfleisch 60 Pfg., Schweinefleisch 68-68 Pfg. k Pfund. Diese Preis« hab« also m eine», Jahrzehnt eine Erhöhung um mehr als 20 Prozent, erfahren. Noch 100 Jahre früher hatte, wie Dr. Kartels in der von ihm al- Stadtarchiv«^ herauSaegebenen erst« Nummer der Fuldaer @t«, fchichtkblätter bargelegt hat, baS Pfund Ochsenfleifch 20—30 Pfg., Kalbfleisch 15—88 Pfa., Schweinefleisch 20-30 Pfg. gekostet. Für bk Mitte deS IS' Jahrhunderts wirb uns als einheitlicher Fleisch«, preis 5—8 Pfz. für daS Pfunb genannt. Man sieht, wk das Fletsch allmählich immer kostbares geworden ober, von der ander« Sette betrachtet,' wie der Wert der Gelbes an der Ware gemessen ständig MÜckgeht. Und angesichts dieser Stufenleiter bekommt man Verständnis für da» Verlangen nach Gehaltsaufbesserung«, für Arbeiterlohnbewegung« unb kann sogar em« Trostgrund entdecken, wenn der Steuerzettel gegen frühere Jahre höhere Zahl« aufweist: Dar Geld ist ja «teertet I

(*) Btn Promenadenkonzert des Trompeterkorps unseres Felbartillert«-Regim«tS findet bei günstiger Witterung morgm von 11 Uhr ab im Schloßgart« statt.

*’ «»tzballsport. Da, letzt« «rrbandsspirl bet Serie 1910/11, da- im 9. Bezirk deS westdeutsch« SpielverdavdeS zu» Austrag kommt, findet morg« nachmittag 8 Uhr aus dem Sportplatz« d«r „Bleich«" zwischen den erst«« Mannschaften deS „Fuldaer FußballvereiuS" und des Fußballklubs „Bik- toria" statt. Da bdbe Mannschaften wahrscheinlich ohne Ersatz antreten, dürste ein interessantes Spi« zu erwarten sein.

- Der Uniou-Ktuematograph gibt Sonntag nach­mittag von 3—5 Uhr etnr Kinder« und Schüler«' Vorstellung^ dte aber auch Erwachs«« interessiere», dürft«, beim eine Kriegsflotte Manöver ieren, einen Ele­fant bei der Arbeit, die Borgäug« unserer Blutbewe« gung unb die Saflzirkulation in der Pflanze bei 4000- facher Vergrößerung beobacht« ju können, ist in Wirk­lichkeit nur wenigen vergönnt, wird aber tm Bilde hier deutlich vor Singen geführt.

** Sport. Eine» Waldlauf veranstaltet am morgige» Sonntag der L Fuldaer Athletik - Sportklub „Viktoria" unb zwar nach demRöhlingswald. Nach demselben ist gemütttches Beisammensein tm Jägerhaus BronzeH.

♦ Der neue Plakat-Fahrplan wird am Montag unserer Zeitung beigelegt werden. Der Taschen-Fahrplan gelangt im Laufe der nächste» Woche zur Ausgabe.

Aus dem Nachbargebrete.

». Kleinlüder, 29. April 1911. Welcher Fuldaer kennt nicht vom Augenschein, oder doch wenigst«- vom Hörensagen Kleinheiligkreuz, diesen alt­ehrwürdig« Wallfahrtsort? Umgeben von groß« Waldungen lugt bk verhältnismäßig große Wall­fahrtskirche mit ihrer, mit Dachreiter geschmückt« Front, auS dem Walde hervor. Keine Dampfpfeike einer Lokomotive oder Huppen der Automobile stören da- Idyll. In der Tat, wett unb breit wär« wohl fein geeigneteres Plätzchen für eine Einsiedelei zu find«! Nur die Ein- und Ausfahrten drS Kreuzhofbau.rn zu landwirtschaftlich« Verrichtungen, im Winter die Axt deS Holzfällers unterbrech« die tiefe Stille. Die Wallfahrtskirche, 1692 von Adalbert von SchleifraS tm damals herrschenden Barockstil erbaut, hat «ine Länge von zirka 30 Meter, bei einer Breite von zirka 12 Meter. Die Höhe biS zur Decke im Innern beträgt zirka 8 Dieter. Durch Entschädigung des Kreuzhofbauern für die Aufgabe seiner Rechte an die Kirche, ist diese vor einiger Zeit in ben Besitz des dischöfi. Stuhles gekommen unb ist nun zum Teil aus Mitteln des sogenannten Kapellenfonds, zum Teil auS freiwilligen Gaben teilweise restauriert. Ang«ehm überrascht ist der Besucher, der die Kirche von früher her kannte unb jetzt aus dem Walde trel«b bem imposanten Kirchenbau gegenübersteht. DaS Dtauerwerk der Kirche ist größtentells erneuert brzw. innen unb außen neu verputzt. Decke und Dachstuhl sind fast vollständig neu errichtet. Neue Fenster mit Kathedra!» gla8 verglast, find an die Stelle der früher mtt