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Samrtas den 29. April l^ll»

38. Jahrgang.

* fuldaer S Leitung

3. Blatt.

vrtlck «nd Verlag der Mdaer AettendruSrrel in 5«lda.

Kr. Rsch mehr Sparsamkeit im Haus­halt -er Industrie.

Bor einiger Zeit brachten wir in dieser Beilage unter dem Titel „Die Sparsan,leit im Haushalt der Industrie"' einen Aufsatz, der zeigen wollte, wie die tiioberne Industrie darauf ausgeht, einmal Ueber- bleibsel beim Verb rauch aufs neue als Roh­stoff einem Prozeß zur Herstellung neuer Gebrauchs­gegenstände zu unterwerfen, ferner Abfälle bet dem Produktionsvorgang, soweit sie auf mechanischem Wege entstchen, industriellen Zwe- 8en dienstbar zu machen. Für den ersten Fall war die Verarbeitung von Knochen zu Knöpfen, für den andern die Verwendung des beim Holzschneiden ab­fallenden Sägemebls zur Ausfüllung von Puppen­leibern als Beispiel angeführt. Der Trieb der In­dustrie zur Sparsamkeit ist aber mit den in jenem Ntt-f- satze gekennzeichneten Mfallsverwertungsarten noch nicht befriedigt. Bekanntlich setzen die Fortschritte der chemischen Wissenschaft die Technik in wachsendem Maße in den Stand, aus den Rohstoffen die für das gewünschte Produkt besonders geeigneten Bestandteile auf chemischem Wege herauszuziehen und die unge­eigneten Bestandteile ausznscheiden. Dieser auf 'chemischem Wege entstehenden Abfälle hat sich die Industrie in ihrem Sparscnnkeitsdrange mm ebenfalls recht intensiv angenommen und für ihre Verwertung gesorgt. Bon ihren diesbezüglichen, teilweise an Zau­berei grenzenden Leistungen sollen einige besonders interessante geschildert werden.

Ein verhältnismäßig einfaches Beispiel für die Nutzung von Rückständen bei chemischen Produktions­prozessen bietet die Lenchtgasfa.br ikation. Der hauptsächlichste RoUtoff zur Leuchtgasbereitung sind die Gaskohlen. Bei ihrer Entgasung bleibt dec Gllskckks zurück, der — wenn auch nicht immer und überall zu befriedigenden Preisen — zu Heizzwccken Abnehmer findet. Ein weiterer Rüchtcmd bet der Herstellung des Gases ist der Kohlenteer, der noch bis in die allerletzte Zeit lediglich als Abfall betrachtet Wurde. Dann machte die Wissenschaft ihn zur Fab­rikation der Anilinfarben nutzbar, stellte aus ihm u. a. das Phenol, ein wertvolles antiseptisches Mittel, her und verwertete ihn schließlich als wichtigen Faktor zur Herstellung des rauchlosen Pulvers und anderer Explofionsstoffe. Auch bei der Eisenerzeugung durch Hochöfen nützt man heute Abfälle und Rück­stände in mehrfacher Art aus. Bei den, Rösten des Eisenerzes in den Hochöfen, der vallkoimnensten Art der Eisenerzeugung, ensstehen auf chemischen, Wege Gichtgase, die brennbar sind. Man hat nun gelernt, diese Gase ohne Luftzutritt anfzufangen und vervoen­det sie zu Heizzwecken, u. a. zum Betrieb von G«s- Moioren. Auch für die Schlacke, die zurück bleibende Verbindung der erdigen Beimengungen der Erze wäh­rend des Verhüttungsprozesies, hat man eine Ver­wendung ausfindig gemacht. Sie wird zermahlen und für die Mörtel- und Zementfabrikatton verwandt. Bei der Verhüttung nach einem von dem englischen Techniker Thomas erfundenen Verfahren, das für die Gewinnung besseren Eisens notwendig ist, bleibt eine besonders phosphorhaltigc Schlacke zurück, die das als vorzügliches Düngemittel bekannte Thomasfchlackcn- mehl liefert.

Durch die Entdeckung der Verwertbarkeit eines ab­fallenden chemischen Bestandteiles bei der Seifen- i n d ustrre, ist diese Industrie einer gänzlicheu Um­wälzung anhermgefallen. Seife ist ein Produkt der Einwirkung von ätzenden Alkalien und Wasser auf Fette. Die Fette scheiden sich unter der Einwirkung des Aetzkalis in eigentlichen Seifenstoff und in ein Nebenprodukt, die dicke, unangenehm riechende „Un­terlänge", die Glycerin enthält. Dieses Glvcerin be­saß bis zu dem Augenblick, in dem der bekannte schwe­dische Ingenieur Nobel aus ihm das Dynamil her­stellte, nur sehr geringen Wert. Als Rohprodukt für die Dhnamiifabrikation wurde es aber derart im Werte erhöht, daß nun die Verseifung der Fette nicht mehr um der Seifen-, sondern der Glyzeringewiummg wegen Vorgenommen wurde. Da aber ein brauchbares Glyze­rin nur bei exakter wissenschaftlicher Durchführung des VecselfungsprozesseZ zustande kommt, wurde die­ser Verseifun.gzprozeß, statt wie bisher von Seifensie­dern mit handwerksmäßiger HersteklungspraxiS, von Großbetrieben übernommen. Diese konnten mH dem von ihnen erzielten Glyzerin, das ein erstklassiger Spe- kulationsartiicl geworden ist, so große Gewinne er­zielen, daß sie die der der Verseifung nebenher produ­zierte Seife zu jedem Preis auf den Markt werfen und die Seifenprvduktion im Kleinen durch die Seifensie­der unrentabel machen konnten.

Erstaunlich war die von „Trt-Bits" berichtete Ent­deckung, daß der aus dec Schafwolle ausgewaschene Schmutz einen ganz beträchtlichen Wert besitzt. Es wurde beobachtet, daß die Schafe beim Weiden eine gewisse Menge Kali in sich aufnehmen. Dasselbe wird nach dem Kreislauf durch den Organismus schließlich durch das Fell ausgcschwiht und setzt sieh in der Wolle fest. Früher wurde beim Reinigen der Wolle diese aus Schmutz und Kali bestehende Misch­ung einfach mit ausgewaschen und weggeschüttet. Jetzt dayegen wird in den Wollreinigungsanstalten aus dem Waschwasser durch eigens dazu angestellte Chemiker das Kali ausgefällt und weiter chemisch verwertet. Man schätzt die auf diese Weise erzielte Menge kohlensau- ren Kalis, allein für die Etablissements in Frankreich »md Belgien, auf eine Million Kilogramm jährlich.

Auf etixas ganz Sonderbares ist man aber in aller- jüngster Zeit verfallen. Es handelt sich um die Her­stellung von Branntwein aus Holz, allerdings (was Alkoholfreunde ärgern, Antialkoholiker sehr für ,./di Hmzbrcmntwein begeistern wird) um einen ver­gangen, ungenießbaren, nur zu industriellen Zwecken v°s ven^ba.en Branntwein. Auch hier wird nicht un- rnll.eibar das Holz, fondern der bei der ,noderusten He äellung des Papieres, aus der Zellulose dem Grundstoff des Holzes, entstehende Abfall verwertet. Die Zellulose wird nämlich aus dem Holz durch Auf­lösung des gleichfalls darin enthaltenen Harzes ge- toe/.nen. _®ie Auflösung wird durch Kochen in einer Lösung von schwefligsaurem Kalk erreicht. Die nur wenig zahlreichen Fabriken, die eine solche Papier- produktion heute betreiben, nehmen jene Kochungen -in gewaltigem Umfange vor und erhalten bei dem Kochprozeß große Harzmengen, die samt der Übrigen

Kochflüsftgkett bislang in den nächsten Muß geleitet wurden. Natürlich führte diese Abwässerung zu Miß- stüiiden und man untersuchte gewissenhaft die Frage, ob sich aus jenen Abwässern „nicht etwas machen ließe". Untersuchung ergab, daß in ihnen infolge der Zusammensetzung mit Baumharz auch eine geringe Menge von vergärbarem Zucker steckt. (Wer ein rechter Jwcge gewesen ist, kennt ja den süßen Saft der Birke!) Und die Fessstellung des Zuckergehalts in den Abwäs­sern legte sofort dessen Gewinnung in Form von Spiri­tus nahe. In Schweden und Norwegen, wo die Pa­pierfabrikation und Zellulose infolge des Holzreich­tums dieser skandinavischen Länder besonders aus- getzreitet ist, trat man zuerst der Alkoholgewinnung aus den Abwässern näher. Eine schwedische Fabrik stellte schon vor zwei Jahren aus ihnen 426 000 Liter Spi­ritus her, wobei sich die Produktionskosten für den Liter auf ca. 5,1 Pfg. belaufen sollen.

Diese Beispiele, die sich unbegrenzt vermehren ließen, geigen das Bestreben der modernen Industrie, die bei der Herstellung eines Gebrauchsgegenstandes entstehenden Abfälle möglichst restlos zu verwerten, um für den eigentlichen Fabrikationsartikel bei größt­möglicher Leistung den kleinsten Preis im nationalen und internationalen Wettbewerb festsetzen zu können.

er. Wie sstt Vas Kind heißen?

Jüngst eMylte die „Fuldaer Ztg." von einem Gießener Amtsrichter, der als Aufsichtsbeamter über die großh. hessischen Standesamtsregister ein pein­liches Verbot dagegen erlassen hatte, daß in diese Register ein junger Staatsbürger oder eine junge Staatsbürgerin mit einem verkürzten oder zusam­mengesetzten Vornamen eingetragen würde. Der gewissenhafte Aufsichtsrat hatte eine ganze Liste solcher geächteten Vornamen aufgestellt, unter denen sich auch der Name Lieselotte befand, zufälligerweise ein Name, unter dem gerade eine Prinzessin ans des hessischen Großherzogs Geschlecht, offiziell aller­dings „Pfalzgräfin bei Rhein und Herzogin von Orleans Elisabeth Charlotte" genannt, als origi­nellste deutsche Briesschreiberin weitesten Kreisen unseres Voltes bekannt geworden ist. Das Dekret des Amtsrichters ist wenigstens für den Namen Lieselotte außer Kraft gesetzt worden. Man scheint eingesehen zu haben, daß der von dem Amtsrichter aufgenvmmene Kampf gegen geschmacklose Verkür­zungen und Zusammensetzungen von Vornamen, gegen süßliche Zärtlichkeitsformen solcher Namen zwar zu billigen ist, trotzdem aber nicht einem Amts­richter die allerhöchste Entscheidung über die Nainens- gebcmg in die Hand gelegt werden darf. Die Frei­heit in dec Namenswahl muß den Eltern gewahrt bleiben, spielen doch heute wie immer bei dieser Wahl eine Reihe von Erwägungen eine Rolle, die ans allerpersönlichstem Gebiete liegen.

Religion, Nationalität, Politik, Familienliebe und nicht zuletzt Nützlichkeitserwägungcn kommen als solche Bestimmungsgründe bei der Namenswahl in Betracht. Daß vor allem die Nützlichkeitser- w ä g u 11 g e u nicht an letzter Stelle sichen sollten, und man aus diesem Grunde die Auswahl der Namen auch nicht allzu sehr beschränken soll, lehren jene Fälle, wo m oft kleinen Wohnorten jeder zweite Mann Johann Müller heißt, sodaß man der Unterscheidung wegen von einem Johann Möller 22. sprechen muß. Daß die alten Römer nur eine bescheidene Anzahl von Vornamen zur Verfügung hatte, rächte ch leider nicht so sehr an ihnen selbst, sondern an unseren kleinen La­teinern, die an den gewaltigen Beinamen der mit bana­len Vornamen versehenen Römechelden nun ihre Ge- dächuüskraft und Sprachgewandtheit erproben müssen.

Die Religion hat aus die Nctmenswahl stets den eirtfchridensten Einfluß geübt. Das Konzil von Nsi cäa, im vierten Jahrhundert, hat den Christen verbo­ten, ihren Kindern heidnische Namen zu geben und den Gebrauch christlicher Namen empfohlen. Es standen ja auch die Namen der Heiligen, vor allem der bl. Märtyrer, in reicher Auswahl zur Verfügung. Als ab« bann die sog. Renaissance, diese Wiederkehr heid­nischer Auschammgen und Sitten, die christlichen Völ­ker allmählich beeinflußte und die Schwärmerei für die Antike allgemein wurde, begeisterte man sich auch für antike Namen. In Mailand kamen in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts die Frauennamen Artemisia, Cornelia, Costanza, Atalanta, Andromache, Delia, Deidarnia, Deianira, Elena, Giulia, Livia, La- vinia, Celia, Laura, Silvia, Virginia, Zenobia u. dgl. Vor. Die vier Töchter dcs Malers Paris Bvrdone (1500—1570) hießen Caffandra, Angelica, Lucretia, Ortavia, die des Amilcare Anguisciola in Cremona, im selben Jahrhundert Minerva, Europa, Lucia,. So- phonisba. Ucberdies hatte er einen Sohn Asdrubale. Die Gross! in Bologna hatten fast dm ganzen troja­nischen Krieg in ihrer Familie: Achilles, Agamemnon, Hekior und Paris. Noch gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts hatte der Mailänder Carlo Maria Maggi eine Tochter Dejcmira, und zur selbm Zeit lebte ist Wien em kaiserlN er Reichshofratsagent na- mms Bonaventura de Gisgone a Carthagine von der Linie Hasdrubals. Diese Vorliebe für antike Namen ist eine vorübergehende Mode geblieben. Tie christ­lichen Volker kehrtm zu christlichen Namen zurück. Nur vereinzelt ftnben sich noch antike Benennungen. Em zeitgenössischer Schulmann, der ein begeisterter Verehrer des großen pnnischm Feldherrn ist, gab im 19. Jahrhundert noch seinem Sohn den Namen Hannibal und in München lebte vor etwa zwanzig Jahren ein ehrsamer Schreiner, der Johann Primus Cäsar hieß.

Auch bei der Auswahl aus den christlichen Namen läßt sich eine gewisse Mode feststellen. Vor-allem der Wohlklang ist bei der Auswahl einflußreich. Aller­dings besteht eine ländliche Sitte, nach der wahllos dem Kinde derjenige Name beigelegt wird, der an dessen Geburtstag im Kalender steht. Auf diese Att sst der Tiroler Schriftsteller Rosegger zu dem Vorna­men „Pctti Kettenfeier" gekommen. Im allgemeinen aber heißt man nidjt gern Krispin ober Bolbine, man scheut vielsilbige Namen wie Chrysostomns oder Her­magoras. Sehr verbreitet sind Franz (Franziskus), Johann und, besonders in Oesterreich, Karl unb Jo­seph, und von Frauennamen Maria, Anna und Jo­hanna. Doch ist das in katholischen unb protestanti­schen Sänbem verschieden, hängt auch von den in der regierenden Familie vorkommenden Namen ab, z. B. Friedrich und Wilhelm in Preuße«, Leopold, Rudolf und Franz in Oesterreich. Der Name Joseph ist erst durch bat Kaiser Joseph I. hoffähig geworden. Die­ser Name", sagt dn Zeitgenosse des Kaisers, „welcher sonst sowohl i» de» österreichischen als anbem durch- lauchtigstm HÄifcru nicht gebraucht worden, gab Lai-,

fer Leopold seinem Sohne, aus der Andacht, welche er Zeit seines Lebens gegen diesen Schutzheiligen be­zeugt, dahero er dann nach Abgang aller männlichen Erben die Gelübde tat, wenn er durch dieses Heiligen Vorbitte einen Prinzen von Gott erhalten würde, ihn Joseph zu nennen." Dieser Name ist bann von Oester­reich zu ben Dynastien Wittelsbach unb Braganza ge­kommen. In neuerer Zett fmb wieder bei regierenden Häusem ganz vergessene mittelalterliche Namen in Aufnahme gekommen wie z. B. Mafalda, Jolande, Wiltrud, Helmtrudts, Mechttldis ufw. Es spielen da wohl pattiotische oder sonst politische Motive mit Die Polittk hat ja auch zur Verbreitung von Na­men wie Otto (Bismarck), Hellmut (Moltke) beige­tragen. In England und Amerika hat man sogar Fa­miliennamen, wie Washington, Tisraeli, Lincoln usw zu Vomamen gemacht. Aus Gründen der Polittk hat wohl die dritte Gattin (f 1582) Wilhelms von Ora­nten drei ihrer Töchter Belgica, Flandria, Brabantia genannt. Und wenn auch nicht aus politischen Grün­den, so doch aus patriottscher Begeisterung heraus ha- 6cn wir uns ja vor einigen Jahren sogar den schreckli­chen Vornamen „Zeppeline" gefallen lassen.

Als die Protestanten in den der Reformation fol­genden Jahrzehnten die katholischen Heiligennamen beiseite legten, trat auf ihrer Seite ein gewisser Mangel an Vomamen ein. Sie kehrten daher zu den bibli­schen Namm zurück oder wählten mit Gott zusammen­gesetzte Namm wie Gotthelf, Gottfried usw. In Eng- lanb machten bie Puritaner vorzüglich von Namm bes Alten Testammtes Gebrauch, bebienten sich aber auch der Tugenden, ja ganzer Sätze aus der Bibel als Namm. So hatte Thomas Carew, Sprecher des Unter­hauses zur Zeit Jakob I. eine Frau, welche Mäßigkeit hieß. Seine vier Töchter nannte er Schweigsamkeit, Geduld, Mäßigkeit und Klugheit. Ein Menschenalter ftüher hatte Sir Thomas Hellh drei Kinder, welche Vielgnade, Vermehrt und Sündmleugnmig hießen. Daß früher schon und heute in weitgehendem Maße Namen aus populären Dichtungm angewandt werden, ist bekannt. Es sei nur erinnert an Else, Siegfried, Marielene, Arthur, Rohtraut usw.

So ist in allen Zeiten Weltanschauung, Geschmack und die Mode auf dem Gebiete der Namensgebung maßgebend gewesen und ein Gießener Amtsrichter kann füglich nicht erwarten, daß man sich jetzt seinem Zensoramt gutwillig unterwirft. Die Europäer sind für die strenge Ordnung auf diesem Gebiete nicht zu haben. Dagegen scheinen allerdings einige unzivili­sierte Stämme in Hinsicht auf Namensgebung mehr für das Bürokratische zu fein. So heißt bei einem gewissen Stamme in Australien das älteste männliche Kind regelmäßig Kertamaru, das zweite Warritya, das dritte Kudautha usw. Aehnlich machen cs manche Malaymstämmme, die als Namen für Knaben gebrau­chen: Schulung, Awang usw., den Mädchen gibt man dieselben Namm mit Vorsetzung der Silbe Meh.

Wie hellt man Sie Schlaflosigkeit?

Von Dr. Otto Gotthilf.

„Nehmt dem Menschen Schlaf und Hoffnung, und c: ist das unglücklichste Geschöpf auf Erden," jagt?. ein 'Philosoph des vorigen Jahrhunderts. Der Schlaf ist in der Tat eine der weisesten und segens- rcichften Einrichtungen des Schöpfers und für Er- hallnug von Gesundheit und Leben durchaus not­wendig. Ec bildet nicht nur das beste Erquickungs- ünd Erholungsmittel von den Anstrengungen des Körpers unb Geiste-, sondern auch den besten Tröster und Arzt für quälende, das Leben vergiftende Sorge und Stzelenpei». Wir beneidenswert sind die Kinder, welche mitten in seelischem Schmerze „sich in Schlaf tocittenb", dadurch Erquickung und Erlösung finden! Wie bemitleidenswert dagegen jene Erwachsenen, die von Sorge oder Gram ergriffen, nicht einmal in der Rächt lindernde Ruhe finden, sondern die ganze lange Stacht schlaflos auf ihrem Lager zu­bringen!

Weshalb ist aber dec Schlaf für Erhaltung von: Gesundheit und Lese» so unumgänglich notwendig? | Durch die fortwährende Tätigkeit von Körper und 1 Geist im wachenden Zustande werden die Spann­kräfte in Muskeln und Nerven, namentlich im Zen­tralnervensystem verbraucht, es tritt eine gewisse Ab­nützung ein, welche sehr bald zur gänzlichen Um brauchbarkeit des Organismus führen würde, wenn । nicht im Schlafe eilte Ergänzung der verbrauchten 1 Kräfte stattfände. Während nämlich die im Schlafe ausruhenden Muskeln und Nerven in dieser Zeit fast gar keine Stoffe verbrauchen, geht doch auch im Schlafe, ebenso wie die Verdauung, die Neubildung dieser Stosse und Kräfte gleichmäßig vor sich, sodaß also allmählich eine Wiederherstellung und sogar Aufspeicherung von Spannkräften für dir nächste Arbeitsperiode stattfindet. Wie am Tage fließt auch in der Nacht das Blut, „der Lebenssaft" fortwährend durch alle Gewebe des Körpers, bringt ihnen stets neues Nahrungsmaterial, obgleich sie während der i Ruhe fast nichts davon verbrauchen, und — was noch von großer Wichtigkeit ist — spült auch alle ab­genützten'Bestandteile und schädlichen Zersetzungs- Produkte, die sogenannten Ermüdungsstoffe, hinweg. Daher ist ein gesunder, ruhiger, tiefer Schlaf für Jedermann durchaus notwendig, wenn die Gefund- heit nicht Not leiden und die Arbeitskraft nicht vor­zeitig verbraucht werden soll. Und zwar ist der Schlaf umso notwendiger, je intensiver die Tätigkeit des Gehirns im Wachen durch Geistesarbeit oder Gemütserregungen in Anspruch genommen wird, wie dies namentlich bei Gelehrten, Schriftstellern usw. der Fall ist, während Muskel- und Handarbeiter mft weniger Schlaf auskommen.

Es gibt also nichts, was so erhaltend und stär­kend auf die Kräfte des Geistes und Körpers unb dadurch lebensverlängernd wirkt, als der Schlaf, aber auch umgekehrt nichts, was mehr erschöpfend und angreifend wirkt als andauernde Schlaflosig­keit. Dieser zu entgehen, oder, wenn sie eingetreten ist, sie zu vertreiben, ist daher eines der wichtigsten Kapitel der Gesundheitspflege.

Wer an Schlaflosigkeit leidet, muß zunächst mit sich emstlich zu Rate gehen und sich fragen, ob nicht er selbst durch seine Lebensweise die Schuld daran trägt. Wer, wie namentlich viele korpulente Per­sonen, morgens spät ausfteht und dann noch eine längere Mittagsruhe hält, der kann sich allerdings nicht tounberm wenn er abends nicht einfchläst und auch in der Nacht öfters auftvacht. Seine Ermüdung und Abspannung ist eben nur sehr gering und fein natürliches Schlafbedürfnis daher bald befriedigt. In diesem Falle besteht das einzige und unfehlbare

Heilmfttel in gänzlicher Unterlassung des Mittags» schlafeS, frühem Aufstehen und reichlicher körper­licher Bewegung.

Auch die Schlafzimmerluft spielt bei der Schlaf, lofigkeit eine große Rolle. Was für eine verpestete Luft in den meisten dieser für unsere Gesundheit so überaus wichtigen Zimmer herrscht, merkt man am besten, wenn man morgens vor dem Lüften von draußen in einen solchen Raum tritt. Man bedenke doch: jeder einzelne Schläfer atmet wahrend der Nacht durchschuntlich 300 Liter Kohlensäure nebst Wasserdampf und mehr oder weniger riechende Zer- setzungsstoffe aus Haut und Lunge aus unb hält sich 7—8 Stunden ununterbrochen in diesem seinem Lungenschmutz wie dem seiner Schlafgenossen auf!! Ein wirklich gesunder und erquickender Schlaf kann daher nur eintreten, wenn das Schlafzimmer mög­lichst groß und hoch ist, wenn sich nicht zu viele Per­sonen darin befinden, und wenn der entstehenden Luftverderbnis durch beständige Lufterneuerung vorgebeugt wird. Möchten doch alle an Schlaflosig­keit Leidenden stets auch auf diese Verhältnisse ihr Augenmerk richten.

Wenn sich jemand gelegentlich geistig und körper­lich überanstrengt oder noch spät abends aufregende Getränke (Kaffee, Tee) genießt, schläft er meist in der betreffenden Nacht sehr schlecht, er leidet eben an einer Art vorübergehender Schlaflosigkeit. Wirken nun aber solche schädigende längere Zeit fort, oder werden sie zur Gewohnheit, dann tritt sehr oft dau­ernde Schlaflosigkeit ein. Daher haben unsere Pa­tienten als besonders schädliche Ursache folgendes ganz zu vermeiden: Nachtschwärmerei, Zubettgehen mit vollem Magen, abendliches Tee- und Kaffee- ttinken, nächtliches Studieren, geistiges Arbeiten bis kurz vor Schlafengehen, Lesen im Bette. Nur wenn diese schädlichen Gewohnheiten aufgegeben werden und dadurch die Ursache des Leidens beseitigt wird, kann man auf eine erfolgreiche Behandlung der Krankheit selbst hoffen.

Das natürlichste und beste Mittel zur Beseiti­gung von Schlaflosigkeit ist netschieden körperliche Ermüdung durch Bewegung oder Arbeit. Wie fest und gut schläft man nach einem größeren Spazier­gange oder nach Vornahme von Gartenarbeiten! Schon der weise König Salonwn sagt: „Der Schlaf des Arbeiters ist süß, mag er viel oder ivenig essen." Auch Shakespeare läßt feinen König Heinrich IV. 2. Teil, 3. Aufzug, 1. Szene) den Arbeiter und Schiffsjungen um seinen köstlichen Schlaf beneiden. Wer an nervöser Aufregung leidet, möge das natür­liche Schlafbedürfnis abends durch ein Glas starken Zuckerwassers oder ein Gläschen Champagner unter­stützen. Tas Letztere ist namentlich älteren Personen sehr zu empfehlen. Bei den meisten wirkt günstig im Sommer ein Glas Bier oder leichten Wein, im Winter Glühwein, Grog, Punsch, Cognac oder der­gleichen. Es muß eben jeder selbst seine Natur stu­dieren und zu erforschen suchen, was ihm am besten bekommt. Leidet jemand an Blutandrang nach dem Kopfe, so tut sehr gute Dienste längeres Ueberspü- len des ganzen Körpers mit kaltem Wasser. Dadurch wird das Blut von dem Gehirn nach den äußeren Körperteilen geleitet und die zur Schlafneigung nö­tige Blutleere des Gehirns befördert. In hartnäck­igen Fällen ist die Anwendung eines lauwarmen Bades mit nachfolgender kalter Abreibung am Abend messt von durchschlagendem Erfolge. Nament­lich achte man darauf, daß die Füße vor dem Schla­fengehen toarm sind. Ist dies nicht der Fall, so hilft einzig und allein ein heißes Fußbad, darauf tüch­tiges Abretben der Füße und Einwickeln derselben in eine wollene Decke, die auch im Bette darum bleibt.

Arzneiliche Schlafmittel irgend welcher Art sind nur in den hartnäckigsten Fällen anzuwenden, und dann nur auf ärztliche Verordnung.

Alle Leute, welche schon längere Zeit an Schlaf­losigkeit leiden, haben eine wahre Höllenangst Vox der Flut von Gedanken, welche in der Nacht ihr Ge­hirn martern und jede Schlafneigung immer wieder verscheuchen. Ihnen gilt der Ausspruch Hufelands: „Alle Sorgen und Tageslasten müssen mit den Klei- der« abgelegt neiden, keine darf mit zu Bette ge­hen!" Aber wie djes ausführen? Da muß man allerdings etwas Energie anwenden. Wenn irgend­wo, so helfen hier die Lehren, welche der Königs­berger Philosoph Immanuel Kant bargelegt hat in seinem Büchlein: „Die Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz feiner krankhaften Gefühle Meister zu sein." Um alle „unnützigen Gedanken aus dem Kopfe zu schlagen", empfiehlt er Folgen­des: „Es ist kein anderer diätetischer Rat, als beim innern Wahrnehmen oder Bewußtsein irgend eines sich regenden Gedankens die Aufmerksamkeit davon sofort abzuwenden, wo dann durch das Abbrechen jedes Gedankens, den man inne wird, allmählich eine Verwirrung der Vorstellungen und dadurch Abfpannung und Ermüdung entsteht." In der Tat haben dadurch, wie ich bestimmt versichern kann, ver­schiedene Personen an sich schon wunderbare Erfolge erzielt. Kommen nachts die Gedanken geflogen, dann wird schnell irgend ein beliebtes, unschuldiges Schul­gedicht leise hergesagt, und zwar nur solche Verse davon, auf die man sich garnicht erst zu besinnen braucht, die also keine Gedankenarbeit erfordern. Dann wird keine Paufe gemacht, sondern gleich immer wieder dasselbe memoriert, oder was einem sonst gerade an Versen in Gedichten und Liedern und dergleichen in den Sinn kommt. Dadurch ent­steht sehr bald eine Geöankenverwirrung, eine Ab­spannung unb Ermüdung der Gehirntätigkeit, wel­che den erlösenden Schlaf herbessührt.

Mit Ausdauer und Energie vermag man auch die hartnäckigste chronische Schlaflosigkeit zu heilen. Nur dürfen die Patienten sich nicht von melancho­lischen Gedanken und Lebensüberdruß Niederdrücken lassen, sondern müssen froher Zuversicht und frischen Mutes bleiben. Daß dies auch bei diesem Leiden möglich ist, hat Friedrich II. bewiesen. Als er im Juli 1786 so sehr an Schlaflosigkeit litt, äußerte er zmn Herzog von Kurland: Da er gut zu Wachen ver­stehe, so empfehle er sich ihm für einen etwa offenen Nachtwächterposten.

Allerer.

— Im Brauhaus. Fremder: „Wie? Sechzehn Halbe trinken Sie jeden Tag? O, das könnte ich nicht leiflen/' Münchener: „Nacla fan S' a net normal!" (Nun, dann sind Sie euch nicht normal!)

— Ungerechtigkeit „Nun, Karkchen, gefällt Dir's in der Schule?" „Gar nicht; wir müssen die Schn'- atbeiten mache«, und der Letzter triegt das Geld!"