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Huldaer W Zeitung

M-Eella»! „Fulda« SeschlchkblStter"

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«otattousdruckimtz Verlag der Fuldaer Ak- fleubruderei in Fulda Fernsprecher Nr. g.

Erstes Blatt.

95.

Fulda, Donnerstag den 27. April 1911

38. Jahrgang

-Großvater, mein Beber, guter Großvater, ich bin ja dein Enkel Edwin. O, wie danke ich dem lieben Gatt für das große Glück, dich noch lebend «mzuttef-

Deutsches Keich.

»♦ Bmliu, 26. April 1911. Das türkische Blatt bringt die von anderer Seite noch nicht be­stätigte Meldung aus Korfu, wonach von Griechen drei Schüsse auf die Kaiserjacht .Hahenzolkeru', die dort vor Anker liegt, abgegeben sein sollen. Das Blatt verbindet die Meldung mit scharfen Ausfällen gegen die Griechen, die nicht einmal die Gebote der Gastfreundschaft achtet«. - Die Vorträge im Reichrschatzamt über die Reichswertzu­wachssteuer beginnen am Donnerstag im Reichs- tagSgebäude. An dem Kursus nehmen etwa 370 der ntt der Erhebung und Veranlagung der Steuer be- aßten staallichen und kommunalen Beamten teil Auch den parlamentarischen Berichterstattern ist der Zutritt erlaubt. — Der preußische Kriegsminister beabsichtigt eineKommiflion zu berufen, die eine Reureae- "".^^^OffiziersersatzeS ins Auge fas- m soll. Wie nach den „Grenzboten' verlautet, soll die Kommission ausschließlich aus aktiven Offizieren zusammengesetzt werden. — Die R e i ch s v e r s i ch e- '' u n g S kam Mission trat gestern zur Feststellung der Berichte und zur Beschlußfassung über die ein-

Bekanntschast erneuern.'

Der Kapitän trat an Behringen heran. .Srbärm- kicher, verruchter Nörderi' dauerte «den Gei-ffel.

makta einen souhen mchtStoürdigen Gesellen beher­bergen würde, jch hätte Este fürwahr tat Haifischen

* Die Ueberführung der Gebeine des Kardinals LedochowSky.

Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung' schreibt halbamtlich:

„Wie wir hören, bat der Posener Domherr Meszczynski als Testamentsvollstrecker des 1902 verstorbenen Kardinals und srüheren Erzbischofs von Posen, Grasen Lcdochorosiy, dem Posener Oberpräfidium ein an Se. Majestät den König gelichieles Gesuch um dieErlaubnis zur Beerdigung des Kardinals im Dome zu Posen eingereicht. Der im Jahre 1902 zu Rom verschiedene Kardinal LedochowSky hatte testamentarisch den Wunsch ausgesprochen, daß sein Körper im Dom zu Posen bestallet, sein Herz im Dom zu Gnesen ausbewahrl werden solle. Nach einer Kadi» netlsorder vom 21. Juli 1834 steht den katholischen Bischöfen das Ehrcnrechl zu, sich in der Domkirche ihrer Diözese bestatten zu lassen. Da Gras LedochowSky durch den Kgl. Gerichtshof für kirchliche Ange- legenheiten als Erzbischof von Gnesen. Posen abgesetzt worden war, ist sein Anspruch auf dieses Ehrenrecht erloschen. Infolgedessen bedarf seine Bestattung im Posener Dom des Erlasses einer Allerhöchsten Kabineltsorver. Eine solche rst von dem Testamentsvollstrecker des Kardinals im Jahre 1902 für die Beisetzung des Herzens im Gne'ener Dom nach­gesucht und von Er. Majestät dem König, ebenso w'.e in dem Fall des gleichfalls staatlichersells adgesehten Kardinals von Köln, Melchers, erteilt worden. Im Jahre 1905 haben die Freunde de! Kardinals Schritte unternommen, um auch für die B e ft a t t u n g des Körpers im Posener Dom, die in aller Stille erfolgen sollte, die Genehmigung der Kgl. Staatsregierung nach­zusuchen. Bei den zuständigen Stellen bestand prinzi­pielle Geneigtheit, das Gesuch zu befürworten. Gleich­wohl hat der Testamentsvollstrecker die Einreichung eines formellen Gesuchs damals unterlassen. Dieses ist jetzt dem Oberprästdenten in Posen eingereicht worden. Die Entscheidung darüber steht aus.'

Durch diese offiziöse Mitteilung wird wieder ein Stück des Bismarck-Fait'schen Kulturkampfes vor das geistige Auge heraufbeschworen. Der verewigte Kirchensürst war seinerzeit auf Grund der Mai- gesetze von dem „Kgl. Gerichtshof für kirchliche An­gelegenheiten' als Erzbischof von Gnesen und Posen für „abgesetzt' erklärt worden. Inzwischen ha! der Staat diesen unseligen „Gerichtshof für kirch­liche Angelegenheiten' fallen lassen und auf das „Absehen' von Geistlichen verzichtet. Es war ja offenbar ein Hebelgriff des Staates auf das kirch­liche Gebiet, wenn die weltliche Behörde ein geist­liches Amt, das die Kirche verliehen hatte, ihrerseits durch eine einseitige staatliche Verfügung entziehen wollte. Die traurigen „Urteile' des damaligen „Gerichtshofes für kirchliche Angelegenheiten' haben schwere und andauernde Schädigungen herbeigeführt, von deren Bitterkeit stch die jüngere Generation kaum noch eine rechte Vorstellung machen kann. Viel Geduld und Nachgiebigkeit von kirchlicher Seite ist notwendig gewesen, um allmählich die Nachwehen der sog. „Absetzungen" zu überwinden. Und nun tritt nach Jahrzehnten noch eine Wirkung des Urteils gegen den früheren Erzbischof von Gnesen und Po,en hervor, die der Ausgleichung bedarf.

Den katholischen Bischöfen steht das Recht zu, stch in der Domktrche ihrer Diözese bestatten zu lassen. Wenn nun damals der Staat sich veran­laßt sühlte, einem Bischof die fernere Ausübung seines Amtes unmöglich zu machen, so hätte er doch wenigstens einen solchen Kampf auf den lebenden Bischof beschränken können. Das Ehrenrecht der Beisetzung in der Kathedrale hätte man dem Kirchen­fürsten, der durch seinen Tod für den Staat „un­schädlich' geworden war, wohl lassen können, nach­dem er doch unter staatlicher Anerkennung der Ober- Hirt der Diözese gewesen war. Der „Gerichtshof für kirchliche Angelegenheiten" sprach aber nicht bloß ein staatliches Verbot der weiteren Amts­führung aus, sondern die volle „Absetzung' mit der Willensmeinung, daß er die Würde und die Rechte des Bischofsamtes in jeder Hinsicht verlieren solle. Aus dem „Absetzungs'-Ucteil zog man staatlicher-

zum Fraß vorgeworfen. Miguel Barbeno, wer hat den Mordversuch auf den Grafen Edwin von Eber- stein verübt? Sie, gemeines Subjektl Wer Hai den Mörder gedungen, der den Erben von Eberstein in Nizza aus dem Wege räumen sollte? Sie Unhold k'

„Und wer hat mich überfallen und mich nieder­schießen lassen?' ertönte eine Stimme wie aus der Unterwelt. „Wer? Sprich, verruchter Mensch! Kennst du deinen Vater nicht mehr? Robert von Behringen, ich hatte dich retten, dich auf die gute Bahn zurüch fuhren wollen. Du hattest es nicht gewollt. Nein, du suchtest deine Schandtaten um eine neue, viel grö­ßere zu vermehren und wolltest deinen eigenen Vater uns Leben bringen. Gott hat es aber nicht gewollt. Buße nun deine Verbrechen; dein Vater verzeiht dir von Herzen.

Kun» bon Behringen war es, der diese Worte sprach. Wohl hatte ihn damals die Shtgel beß Die­ners getroffen, doch nicht zu Tode. Mühsam schleppte er sich bis zur nächsten Behausung, wo ihn gute Leute pflegten, bis er, völlig hergeftellt, das gastfreundliche Dach verlassen konnte. Dann aber hielt er sich aus Furcht vor feinem entarteten Sohne verborgen. Als er aber hörte, daß dieser die Enkelin des Grafen Tankmar hettaten sollte, da wollte er das Mädchen retten, retten vor den Krallen diese» Unmensch«,.

Als Robert von Behringen seinen totgeglaubten Vater erblickte, glaubte er einen Geist «t sehen. Er fing an zu toben und zu schreien, so daß die Beamten große Mühe hatten, ihn festzuhallen. Schließlich wurde er auf Befehl des Detektivs aus dem Saale heraus - erführt und nach dem Kronberger GerichtsgefängniS geschafft.

Rittmeister Starren, oder, wie wir ihn jetzt wieder nennen wollen, Graf Edwin von Eberstein trat an den RolPuhl des Grafen Tankmar heran und fiel

schlägtgen Petittonen zusammen. Die Berichte wur­den zum größten Teil erledigt und die Petitionen als erledigt erhärt. — Die Kommission des Abgeordneten­hauses fürdieAweckverbandSgesetzehatdaS allgemeine Zweckverbandsgesetz mit allen Stimmen gegen die der Freisinnigen angenommen.

)( Ueber die Vorbereitung einer neuen Zuchthaus­vorlage wird in linksliberalen und sozialdemokratischen Blättern viel Geschrei gemacht. Die Erleuchtung hierzu kam diesmal auf dem Wege über Mecklen- bürg. Ein kleines Blatt in Mecklenburg hatte die Nachricht gebracht, daß eine statistische Denkschrift über Streikausschreitungen der Kommission zur Borberatung des Strafgesetzbuches vorgelegt worden sei. Und darob Zeter und Mordio bei den Roten und ihren Bundesgenossen, den Freisinnigen I Die ganze sensationelle Affäre klärt sich nun als ein Mißverständnis auf. Der Kommission liegt allerdings eine Statistik vor, aber es handelt sich um eine regelmäßig erscheinende Kriminalstatistik, in der die Verstöße gegen den § 153 der Gewerbe­ordnung nur mit drei oder vier Zeilen abgetan werden. Und darum das Geschrei von der Zucht­hausvorlage und dem Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie! Die wüste Aufregung ist nicht anders zu erklären, als daß die Partei, deren ganze Weisheit darauf hinausläust, alles zu „verungenieren', vom schlechten Gewissen geplagt wird.

+ Sozialdemokratische Drohungen. Aus parla- menlarsichen Kreisen wird uns geschrieben: Die Regelung der Kaffenbeamtenfrage in der Reichs« versicherungs-Ordnung hat bei den Genossen eine böse Stimmung ausgelöst. Sie befürchten, daß sie ihre Agitatoren nun nicht mehr so leicht m sichere Lebensstellung bringen können oder doch die Raffen» beamten als Zutreiber für die politische Partei ver­lieren. Ihr maßloser Zorn äußert sich in verschie­dener Form. So wird uns neuerdings ans dem Lande berichtet, daß die Genossen nicht wenig Lust zeigen, jene Kassenbeamten, die sich bei der Kritik der Versicherungsordnung zurückhaltend zeigen, aus ihrer Stellung zu verdrängen, ehe das Gesetz in Kraft tritt. Das wäre noch schöner! Glauben die Sozialdemokraten, daß die gesetzgebenden Körper­schaften dem ruhig zusehen würden? Ein der­artiges Vorgehen könnte höchstens zur Folge haben, daß der Spieß umgedreht würde.

* Gegen den Versuch einer Obstruktion bei der Beratung der Reichsversicherungs- ordnung hat sich der sozialdemokratische Reichs- lagsabg. Franck in einer Versammlung in Cannstatt ausgesprochen. Er erklärte:

„Wenn es nach der jetzigen Geschäftsordnung möglich wäre, erfolgreich Obstruktion zu treiben, um die im Entwurf der Reichsverstcherungsordnung vor­gesehene Entrechtung der Arbeiter zu verhindern, so wären die sozialdemokratischen Abgeordneten pflicht­vergessen, wenn sie nicht mit allen Mitteln, auch denen der Obstruktion, gegen den Entwurf vorgehen würden. Aber bei ter jetzigen Geschäftsordnung fei jeder Versuch einer Obstruktion aussichts- los. Die Sozialdemokratie werde daher die Aufgabe haben, auch ohne Obstruktion mit aller Kraft daraus hinzuarbeiten, daß Pai agraph auf Paragraph des Ent­wurfes mit Gründlichkeit und Sorgfalt behandelt werden.'

** eilt Verweis für die liberalen Geistlichen. Tie vier Berliner Geistlichen, welche auf der Berliner Jaiho-Versammlung für Jatho das Wort genommen hatten, haben jetzt vom Konsistormm nach btt Kirchl. üb. Ztg.-Korr. einen Verweis erhalten.

** Ter Landwirtschaftsminister und das Enteignungsgesetz. In einer Polemik gegen emen im „Hannoverschen Kurier" veröffentlichten Artikel, in dem die Behauptung ausgestellt wurde, daß der preußische Landwirtschastsminister der Träger des Widerstandes gegen die so dringend notwendige Anwendung des EnteigmmgSgesetzes sei, schreibt die „Deutsche Tagesztg.':

fa« auch die Folgerung, daß daS Anrecht auf die Betsetzung in der Kathedrale verwirkt sei. Auf Reftn Standpunkt stellt stch auch die obige offiziöse Auslassung, während die ebenfalls auf offiziöse Quellen zurückgehende Mttteüung der ,Köln Rta/ (vergl Rr 93 d. Bl.) stch auf den fpätee e?fo& formellen Verzicht desKardinals auf seinenBischofs- fitz berufen hatte.

Die Beisetzung des Herzens des Kardinals wurde bereits 1908 nachgesucht und bewilligt Im Jahre 1906 wurde bei der Staatsregierung sondiert, ob auch die Bestattung deS Körpers im Posener Dom, die „in aller Stille' erfolgen sollte, genehmigt werden würde. Wie die,Rordd. Aug. Ztg/ mit- keill, bestand damals „an den zuständigen Stellen prinzipielle Geneigtheit, das Gesuch (beim jmj?2ar$en) tu befürworten'. Der Testaments- Vollstrecker verschob aber damals das Gesuch jltun- mehr ist es bei dem Oberpräsidenten von Pofen emgereicht worden. Die ,Nordd. Allg. Zig/ fügt hinzu: „Die Entscheidung darüber steht aus'.

Wir wiflen nicht, warum die halbamtliche An- kündtgung erfolgte, ehe die Entscheidung getroffen worden ist. Daraus könnten kulturkämpseriiche Eiferer vom Evangelischen Bunde oder vom Ost­marken - Verein die Anregung schöpfen, gegen die Genehmigung zu agitieren. Wir wollen freilich hoffen, daß man überall so viel Takt und Klugheit bewahrt, um stch nicht einer häßlichen Hetze gegen einen Toten schuldig zu machen. Von den Berlmer Blättern haben bisher die „Deutsche Zeitung' und die „Nat.-Ztg.' stch zur Sache ausgesprochen. Die erstere bemerkt kurz, aus der Fassung der halbamt­lichen Mitteilung gehe hervor, daß die Genehmigung erteilt werde. Die ,Nat. - Ztg/ meint eben« falls, auS der Fassung gehe h ivor, daß der Bei­setzung kaum noch ein Hindernis im Wege stehe; aber sie hat doch eine Angst vor „Demonstra­tionen" und schiebt der Staatsregierung die volle Verantwortung zu, „daß das Pvlenium diesen Akt weitgehender Loyalität und Parität nicht zu staats- feindlichen Kundgebungen mißbrauche." Als ob an dem Andenken des Erzbischofs etwas „staatsfeind­liches" klebte, jenes Kirchenfürsten, dem der Kaiser selbst bei einer Begegnung in Rom eine goldene Dose geschenkt hat und zu dem er damals sagte: „Eminenz werden gebeten, die Vergangenheit zu vergessen. Als die traurigen Ercigmsse "geschahen, wußte ich nichts davon."

Dem polnischen Radikalismus könnte nicht besser Vorschub geleistet werden, als wenn die Regierung die Beisetzung verbieten oder durch übermäßig scharfe Bedingungen vereiteln wollte. Möge der Attviuch- ans friedlich bleiben!

Hand um so sicherer treffen.' Blitzschnell fuhr er in die Rocktasche und riß ein Pistol hervor. „Stirb Erbe von Eberstetn!' schrie er seinem Todfeinde ent- gegen Ein Schuß krachte. Doch die Todeskugck traf Edwin nicht. Sie fuhr in einen Spiegel und zerschmetterte ihn. Behringen wollte sich auf den Rttt- Nleifter stürzen, als er an den Armen gepackt und wie mtt eisernen Klammern festgehalten wurde. Er sah sich in der Gewalt von zwei Polizeibeamten, die ihm kotz allen Wehrens Fesseln anlegten. Robert von Behringen knirschte mtt den Zähnen. Er sah jetzt, daß er auLgelpkelt halte. Aber, was konnte man ihm viel anhabm? Wer wußte um seine Taten? Kuno von Behringen war tot, und sein Diener Pedro? Auch diesen glaubte er nicht fürchten zu dürfen. Ihm hatte er ja erst vor wenigen Stunden den Todesbecher ge­reicht. Wie erschrak er daher, als ihm eine Stimme entgegen donnerte. Er blickte auf und sah vor sich den Detektiv Serena stehen. Robert wurde bleich wie die Wand, «alter Angstschweiß trat ihm aus allen Poren.

„Miguel Barbeno, Mörder de» Don Eskobedo, ich verhafte Sie im Rom« des Gesetzes.'

Die Todesangst gab dem Mörder noch einmal die Kraft wieder. 6r wollte leugnen, leugnen bts atm letzten SBemguge. Vielleicht tonnte er sich noch eta. «ssl vor dem Schoffot retten. Er blickte den Beamt« mtt höhnischem LLHckn an. Wa» wollen Sie von mir? Jch tarnt weder Sie noch ein« Eskobedo!'

„Lügen Sie nicht, Sorten». Es nützt Ihn« all Ihr Leugne» nichts. Blicken Sie doch eiiunol onf Ihre linke Hand. Von wem hab« Sie bcu Schlan- genrtng, Haben Se ihn nicht Ihrem Opfer geraubt? Sie wollen mich nicht kennen? Gut, bann wird ei«

fen. Mit welch' großer Sehnsucht bin ich von Ecua­dor fortgeeUt, um ben Willen meiner verstorben« El­tern zu erfüllen und deine Verzeihung für sie zu er­bitten. Da traf mich auf dem Schiffe die Mörderhand dieses verruchten Menschen. Doch der liebe Gott wollte noch nicht meinen Tod. Jch wurde gerettet. Aber welcher Jahre hat es bedurft, um endlich meinen geliebten Großvater wieder zu sehen!'

Der greife Schloßherr weinte, weinte vor Freuden. , Edwin, mein Kind, als ich dich erblickte, glaubte ich meinen Sohn Roderich vor mir zu sehen. Ich Tor! Wie konnte ich nur so etwas denken. Liegt mein unglücklicher Sohn nickt in weiter, fremder Erde! Edwin, im bist das Kind meines Roderich. Ich fühle es. Komm, umarme mich, du edler Sohn eines edlen Mannes. SBie konnte ich nur so blind sein und diesem schlechten Menschen glauben! Cä­cilie, komm her, begrüße beinen Neffen, den Sohn deines Bruders Roderich. Heiße ihn herzlich will- komm« im Hause feinet Väter.'

Gräfin Trci'marck konnte al? das, was sich in so kurzer 'Zeit abgespieü hatte, nicht fass«. Der Mann, der ihre Tochter heiraten sollte, war also ein Betrüger, ein Mörder? Sie zitterte bei dem Gedanken an daS Schicksal, das ihrer Tochter um ein Weniges zuteil geworden wäre. Sie schalt sich im Jnnem eine Rabenmutter, die ihr einziges Kind zu dieser Heirat gedrängt hatte. SSie glücklich war sie jetzt, daß der Herrgott zur recht« Zeit eingegriffen hatte. Mtt mütterlicher Liebe schloß sie ihr« Steffen in die Arm« und küßte ihn herzlich. Und Isolde! Die Komteß stand ganz sprachlos da. War es benn möglich, daß sie den Verhaßt« nicht heiraten sollte? Und nun sah sie den Geliebten In ihrer Nähe. Sie konnte gar nicht das große Glück fass«, das ihr widerfahr« war. Ach, wie jubelte jetzt ihr Herz. Nun konnte, nun wollt« sie laut ihr großes Glück auSruf«. Sie wollte wieder ftöhlich sein, wußte fie jetzt, daß ihr kein Ungemach, keine Gefahr mehr drohe. Da vernahm fie die Stim­mt ihres Großvaters.

(Schluß folgt)

Der Erbe von Eberstein.

86] Roman von Edmund Nowak.

Die elfte Stunde nahte heran. Im Speisesaal hatten sich bereits der Psarrec von Kronberg, Baron Rottcnburg und seine Gattin, Lord Mortimer ferner der gräfliche Generaldirektor fowie Forstmeister Rei- chenforst eingefunden. Den greifen Schloßherrn hatte man in einem Rollstuhl in den Saal gefahren, wo er In der Nähe des Mars Zeuge von dem Glücke feiner Kinder fein wollte. Da gab die Uhr elf dumpfe Schläge. Die Dimer rissen die Flügeltür« auf und herein trat Graf Edwin von Eberstein mit seiner Braut, gefolgt von der Gräfin Cäcilie und Bianka Rottenburg. Isoldens Anllitz bedeckte bleiche To­desfarbe. Roch glaubte fie, daß der Himmel ein Einsehen hab« und fle vor dieser Verbindung be­wahren würde. Als sie aber den greis« Pfarrer am Altäre stehen sah, da glaubte sie zusammenbrech eu zu Müssen. Sie schwankte mühselig zum Mar und ließ sich am Betschemel nieder, ihr zur Seite der Mann, dessen Gegenwart sie mit unaussprechlichem Ekel er- flillte. O, wie glücklich hätte sie sich gefühlt, wenn der Tod sie von dieser furchtbaren Seckenpein erlöst hätte. Doch umsonst, der schreckliche Augenblick nahte.

Der Priester wandte sich an das Brautpaar. Ge­rade wollte er die verhängnisvollen Frag« an das­selbe stellen, als ein markerschüttemder Schrei die Anwesmden erbeben machte. „Roderich, mein Sohn', Kscholl es unheimlich durch den Saat Alles blickte erschreckt auf ben greif« Schloßherrn, der diesen Schrei auSgeftoß« hatte. Graf Tankmar von Eber­pein stand aufrecht im Stuhl und streckte seine Arme flach dm Fkügeltürm aus. Dort stand Rittmeister ^arre?r.^etl^tn Antlitzes da. Aber nur wenige Augenblicke. Denn schon schritt er auf ben Altar zu. Da erblickte ihn sein jetzt entlarvter Nebenbuhler Ro­bert von Behring«. Er stieß em« unartikuliert« Schrei aus. „Weg von mir! Stat dich wieder die Hölle ausgespieen? Edwin von Eberstein! Jetzt wllst du mir nicht mehr entgeh«. Hat dich da Dolch nicht zu Tode gctroffm. so wird dich mein«

„Wir glauben gut unterrichtet zu sein, wenn roh fag«, daß der LandwirtschaftSmimster durchaus kein Gegner der Anwendung deS Enleignungsgejetzes ifl, sondern die Anwendung befürworten wird, sobald sich herausstellt, daß fie einerseits unbedingt not» ™ei,8tg, anbereifeü§ zweifellos zweckmäßig w- Das ist auch, wie wir annehmen, der Standpuntt deS Ministerpräsidmten und des StaaisministetiumS. DaS war auch bei der Schaffung des Gesetzes die An- schauung nicht nur der leitend« «reife, sondern auch bet Mehrhenen, die das Gesetz in beiden Häusern de- Landtages beschloss«. Man braucht nur die Verhand­lungen wieder dnrchzulesen, um zu erkenn«, daß man damals allgemein gewillt wat, das Gesetz nur anzn» wenden, wenn die Noiwendigkett unverkennbar und bft Zweckmäßigkeit zweifellos sein würde. Insbesondere scheint Fürst Bülow diese Autfaffung gehabt zu haben. Wenn rott recht unterrichtet sind, hat er ge» legmtlich im Gespräch angebeutet, daß während feinet Amtsführung da« Gesetz kaum ange« wendet werben dürste. Aber mag nun diese Aeuße- rung wirklich gefallen fein oder nicht, soviel steht fest, daß zwischen den damalig« und den jetzigen Am schauung« bet leitenden Kreise fein Zwiespalt ob. walket.'

+ Die Spaltung bet bayerische« Naiionalliberalen. Der Rücktritt des Vorsitzenden der bayerisch« nationaUiberalen Landespartei, des Fabrikdireklor» Tafel, scheint noch weitere Folgen nach stch zu ziehen. Es hat nunmehr auch der zweite Vorsitzende der Partei, Hofrat Dr. Mayer in Fürth, den Vorsitz niedergelegt. Zweifellos hängt auch sein Rücktritt mit den bekannt« Vorgängen zusammen, die in der letzten Zeit zwischen dem link« und dem unterlegenen rechten Flügel der bayerischen Nationalliberalen stch abgespielt habe» und die durch die Stellungnahme Tafels seiner eigenen Partei gegenüber eine weiter« Verschärfung erfahren haben. Herr Dr. Mayer gehört wie Herr Tafel dem rechten Flügel an. Auch in der nationalliberalm Presse zeigt stch die Spaltung; die ,Augsburger Abmdztg.', das angesehenste natio» nalliberale Blatt in Bayern, öffnet Herrn Tafel weiter ihre Spalte» gegenüber Anglisten der Lide» rate» Landtagskorrespondenz'. Trotzdem soll Her? Tafel ein Einspänner oder Eigenbrödler sein, nutz trotzdem wird unmlwegt versichert, von einer Links, entwicklung, einem Kurswechsel der Partei sei keine Rede!

d* Münch«, 2S. April 191L König Otto vo» Bayer», der im Juni sein WjährigeS Regierung-« iubtlämn feiern könnte, vollendet am Donnerstack sein 63. Lebensjahr. Im Gesundheitszustand der unglücklichen irrsinnigen Monarchen ist nicht btt geringste Aenderimg eingetreten. Der Bericht der' ärztlich« Kommiffion, die ihn jährlich zu wieder* holte» Malm besucht, lautet beständig: Keine Ver^ änderung im Befinden. König Otto kann noch viel älter werden, als er schon ist. ES liegt im 2Befe» seines Leidens, daß Hand in Hand mit dem Verfall seines Geistes eine Festigung seines Körpers geht.^

ReichSiagSwahlvorberritung«.

* Osnabrück, 24. April 1911. Die „D. Tag«, zeitung' berichtet: Gestern fand in Quakenbrück eh*1 Versammlung bet Fortschrittliche» Volkspartei statt, in der nicht nur bet fortschrittliche Kandidat Griff HoenSbroech, sondern mich die nationalliberal« Abgg. Wamhoff und Wachhorst de Wmte sprachen, Die beiden letzter« sucht« dm Graf« HoenSbroech zu bestimmen, von seiner Kandidatur zurückzutret«; dieser aber erklärte, dies nicht tun zu wollen. Zwi­schen ben Nationalliberal« und dm Fortschrittlern kam e- zu einem Austausche Heiner Liebenswürdig­keiten. Dem nationalliberalm Kandidaten Generak» birettor Stöbe wurde vorgeworfm, er habe acht» biS zehimal ben Graf« HoenSbroech als Exjesu» ite» bezeichnet. Dmt Graf« HoenSbroech wurde anderseits zum Vorwurfe gemmfrt, daß er dm Gene­raldirektor Stöbe «ckS AufstchtSratSmitglied von 64 Mimgesellschaft« verdächtigt habe. Graf HoenS- broech wurde ta bet Versammlung auch über seine Stellung zu ben Schutzzöllen befragt. Er erklärte