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Mmakbellage: „Zuldaer Geschichtsblätter"

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SatationsdruSnnd Verlag der Kuldaer Ak- tiendnukerei in Fulda Fernsprecher Rr. 9.

38. Iahrqanq.

Fulda, Samstag den 22. April 1911.

Erstes Blatt.

91.

Werkschule, wobei er nach einer eingehenden Darstellung deS Lehrganges einer solchen Schule die Folgerung zog, baß ste nur zur Erschwerung der eigentlichen Arbeit der Volksschule diene. Die Arbeitsschule sei zu begrüßen, wenn sie sich in den Dienst der Lern schule stellen -wolle. Ader die Lehrer müßten sich dagegen wehren, daß die Kunstserlrg. keitsdestrebungen auf diesem Wege in die Volks­schule einzudringen versuchten. In der Hauptver­sammlung waren viele Ehrengäste und Vertreter der kirchlichen und weltlichen Behörden erschienen. Weihbischof Dr. Illi gen s auS Münster sprach dem Verbände seine Sympathie auS, worauf Rektor Gröber-Wallerfangen eine Gedächtnisrede hielt über Lorenz Ke llner, den Anwalt bet christl. Familie, der konfessionellen ©cnule und der kath. Literatur. Lehrer Huhn sprach über die Frage: .Welche An­forderungen stellt die heutige Zeit an die häusliche Erziehung, insbesondere an die Erziehung?- tätigkeit der Mutter?" Er führte u. a. auS: Die häusliche Erziehung muß vor allem sich noch mehr auf bi« Schulentlasienen erstrecken; die Mutter wird sich besonder- der Heranwachsenden Töchter annehmen, denen die öffentlichen Fürsorgemaß. nahmen noch weniger zu gute kommen. Unsere Vereinstätigkeit muß bestrebt sein, aus eine praktische Ausgestaltung und auf die Abhaltung von Eltern­abenden erfolgreich einzuwirken; denn diese sind das geeignetste Mittel, von christlicher und pädagogischer Einsicht geleitete Erziehungsgrundsätze in das Eltern­haus zu verpflanzen und ein gedeihlrches Zusammen­arbeiten von Schule und Haus zu ermöglichen. In der Schlußsitzung wurde u. a. ein programmatischer Antrag deS Jugendschutzausschusses angenommen, der die Sorge für die Jugend als besondere satzungS« gemäß« Pflicht der Mitglieder des katholischen LehreroeroundeL erklärt. Der Antrag weist aus die Gefahren der sogen, freien Jugendvereinigungen hin und empfiehlt zu besonderer Beachtung: Kon« fesstonell-religiöse Unterweisungen, besonders in der Forrdilduagsschule, das Beispiel, die Gesellschaft, sie LrkrÜrr, Zeitungen, Brbliotheken, Schaustellungen, Theater, FonbildiwgZabends, Wahrung und War­nung vor Beteiligung an sogen. Volksbildungs- Einrichtungen, die eigentlich nur den Zweck ver­folgen, Abneigung gegen Religion und bürgerliche Tugenden wachzurufen. Es soll in Gemeinschaft mit d:n Organen der Kirche Hand in Hand ge­arbeitet werden. Angenommen wurde auch folgen- bet ^liüxug *•

„Der katholische Lehrerverband erkennt nochmals an, daß der Kirche ein maßgebender Einfluß auf die Erziehung der Jugend tn der Volksschule gebührt. Daher bedauert er um so mehr, daß der Kampf um die christliche Schule manchmal in einer Weise geführt wird, welche geeignet ist, auch das Ansehen der Mit­glieder des katholischen LehrerverbandeS in den Augen der El.ern herunterzusetzen."

Zum Schluß folgte die Annahme einer Reihe von Anträgen, die das Verhältnis zum Gesamt- verbande regeln.

* Die amtliche Vernehmung deS protestantischen Pfarrers Jath» hat gestern in Berlin stattgefunden. Jatho wird nunmehr vier Wochen Frist haben, um seine mündlichen Aussagen burch Schriftsätze zu er­gänzen, seine Zeugen zu nennen und seine Ver­teidiger zu informieren. ES ist zu erwarten, daß dann nach weiteren vierzehn Tagen die Hauptver- Handlung stattfindet.

** Sozialdemokratische Arbeilerbefteuerung. Die sozialdemokratischen Gewerkschaften planen die Schaffung einer großen gewerkschaftlichen Kriegs rasse, die einen stets verwendungsderesten Fonds für alle Kämpfe und politischen Machtproben darstellen soll. Da als Extrasteuer ein Wochenbei­trag von 5 Pfg. gefordert werden soll, so würde die Kaffe nach Ablauf deS elften Jahres etwa 6 Millionen Mark enthalten.

* Gegen die Ueberflutung unserer Hoch­schulen durch Ausländer, über die vielfach ge­klagt wurde, hat die bayerische Regierung Schritte getan. Das Kultusministerium verfügte, daß an der technischen Hochschule in München in Zukunft die höchste Zahl der Studierenden auS Bulgarien die Zahl 80 nicht übersteigen darf. Russen wer­den nur soviel neu ausgenommen, als im voraus­gegangenen Semester ausgetreten sind. Gleich­zeitig müffen die Ruffen den Nachweis bringen, daß sie bereits eine russische technische Hochschule besucht haben. Die Zahl der Rumänen darf 32, die der Griechen 26, der Serben 22 und der Türken 10 nicht übersteigen.

= Darmstadt, 21. Aprrl 1911. Der Wahlrechts­ausschuß der Ersten Kammer beschloß in seiner heutigen Sitzung, wegen der noch bestehenden Differenzen zur Wahlrechtsvorlage den Be­schlüssen der Zweiten Kammer beizutreten. An der Annahme des Gesetzes im Plenum ist danach wohl nicht zu zweifeln. Auch die Differenzen in der Städte-undLandgemeindeordnung wurden nach den Beschlüssen der Zweitm Kammer erledigt.

* Gotha, 20. April 1911. Im 6. Gothai- schen Landtagswahlkreis (WalterShausen) macht sich durch die Mandatsniederlegung des sozial­demokratischen Landtagsabg. Denner eine Neuwahl nötig. Denner wurde vor einiger Zeit wegen Unterschlagung von Kranken- kassengeldern zu sechs Monaten Gefängnis ver­urteilt. Bald darauf legte er sein Landtag?« Mandat nieder. Jetzt ist nach einer amtlichen Bekanntmachung über sein Vermögen das Kon­kursverfahren eröffnet worden.

ö" München, 20. April 1911. „Präfekt v. Geich" — unter diesem Titel bringt der linksliberale „Fränkische Kurier" (Nr. 190) einen unglaublich einfältigen Angriff auf den bayerischen Ministerial­direktor v. Geith. Beim Tode des früheren Präses der Marianischen Kongregation erschien in Münche­ner Blättern eine Todesanzeige, in welcher für die Marianische Kongregation am Büraersaal zeichnen: „Adolf b. Geith, Präfekt, und Jos. Pichler, Prä» ses." Der „Fränkische Kurier" greift das auf und bemerkt unter anderem einfältigen Gerede: Herr b. Geith „wird als Präfekt der Marianischen Kon­gregation nicht minder eine ersprießliche Tätigkeit entfaltet, als er dies« im Interesse der Zentrums- Partei auf andern Gebieten entfaltet hat . —Daß Die private religiöse Betätigung eines katholischen Beamten bott einem „freisinnigen" Blatt so un- nobel herabgewürdigt, und das amtliche Verhallen eines solchen nach oben berdächtigt wird, ist nichts Neues unter der Sonne. Als der Liberalismus in der Macht war, hat man bekenntnistreue Katholiken noch viel schlechter behandelt.

Reichstagswahlvorbereitung««.

c? München, 20. April 1911. Di« Konserva­tiven in Bayern haben jetzt zu den ReichStagS- wahlen Stellung genommen und dabei eine Reso­lution beschlossen, in der e? heißt:

„Die Unterstützung der Konservativen in Bayern kmm im Kampfe gegen den Umsturz jede rechtsstehend« Pattei wählen. Die wahrheitSwidttge und verhetzende Agitation des Liberalismus gegen die Reichsfinanz« resorm und die Konservativen hat bei diesen eine tief« gehende Erbitterung hervorgerufen. SS muß demnach als ausgeschlossen gelten, daß die konservMiven Wähler einer Parole zugunsten d«S liberalen Kandidaten Folge leisten. Nur dann werde der Wahlverein der bayettschen Konservativen di« Unter­stützung eines liberalen Kandidaten empfehlen können, wenn dieser 1. seine monarchische und nationale Ge« stnnnng deutlich kundgegeben hat, 2. wenn er eine Be­kämpfung der Konservativen mit Hilfe der Sozial--

' Der Hansabund zur Zollsrage.

„Vom Hansabund wird uns geschrieben . . . .' lesen wir soeben in der Berliner,Nationalztg/ Da diese feierliche Kundgebung des Hansadundes von gollangelegenheiten handelte, so hofften wir endlich ttwas bestimmtes zu erfahren über die grundsätzliche Stellung des Hansadundes zu der Frage: „Schutzzoll oder Fieihandel?"

Bisher war nämlich der Hansabund eine wirt« schaftspolitiscde Amphibie; er versuchte zur gleichen Zeit den schutzzöllneriichen Rationalliberalen und den freihändlerifchen Fortschrittlern sich anzuschmeicheln. Leider bringt die neueste Kundgebung auch noch feine Klarheit und Wahrheit. Die hinterlistige Zwei« deutigkeit wird fortgesetzt. Der ganz« Artikel hat keinen anderen Zweck, als die Industriellen gegen die Agrarier aufzuhetzen. Dabei tut der Hansabund, als ob ihm an der Erhaltung der in­dustriellen Schutzzölle sehr viel gelegen wäre und seine Absicht nur dahin gehe, die angeblich „über­triebenen"'Le bensmittelzölle einzuschränken.

Zwischen die Träger der Schutzzollpolitik soll Zwietracht gesät werden. Daher trägt der Hansa­bund gefliffenllich alle kräftigen Wott« zusammen, die hüben und drüben ein Vorkämpfer der land­wirtschaftlichen oder der industriellen Interessen ge­braucht hat. Was Herr Dr. Hahn in seinem be­kannten Eifer in irgend einer temperamentvollen Wahlrede als wünschenswett für die Lanvwirtichaft bezeichntt hat, wird bis auf den letzten Tropfen ausgepreßt und als Feldzugsplan des Bundes der Landwirte und der gesamten Agrarier hingestellt, als schwere Gefahr für alle anderen Erwerbeklassen und Berufsstände bezeichnet. Wenn nun aber in der parteiamtlichen Korrespondenz des Bundes der Landwirts gemäßigte, beruhigende Er­klärungen abgegeben werden, so läßt sich dadurch der Hansabund in seiner Hetzerei gar nicht stören. Im Gegenteil: er behauptet frischweg, die partei­amtliche Korrespondenz des Bundes der Landwirte' betriebe nur eine verlogene „agrarische Taktik", in­dem sie die anderen Leute in falsch« Sicherheit wiegen wolle, um hinterher eine fürchterliche Er­höhung der agrarischen Schutzzölle zu erringen.

Was die hinterlistige „Taktik" angeht, so scheint der Hansabund von sich auf andere zu schließe«. Wir für unseren Teil wissen sehr wohl, daß die Herren vom Bunde der Landwirte in ihrer Interessen­vertretung sehr robust sind, aber daß sie mit Heuchelei und Doppelzüngigkeit arbeiteten, ist uns bisher nicht aufgefallen. Darum glauben wir der Korrespondenz des Landbundes, wenn sie sagt, zur Zeit halte man eine Erhöhung des Getreidezolls noch nicht für nötig, wohl aber einen besseren Zollschutz für die Milch und für den deutschen Gartenbau. Das ist ein Standpunkt, über den sich reden läßt, auch wenn man ihn nicht ohne weileres anerkennen will. Der neu« Zolltarif wird ja nicht von den Wortführern de? Bundes der Landwirte diktiert werden, sondem er wird ebenso wie der bisherige Tarif aus den Verhandlungen unter dm verbündetm Regierungen und den sämt­lichen positiven Patteien des Reichstags hervorgehen, und diese Verhandlungen werden nach wie vor auf den gedeihlichen Ausgleich, auf die sogenannte mittlere Linie gerichtet sein.

Um den rechten Ausgleich der verschiedenen Interessen zu erzielen, müffen alle diejenigen Er- werbszweige, die an dem Schutz« der einheimischen Produktion teil haben wollen, zielbewußt zu- ammenarbeiten. Lassen sich die Jndu- triellen zur schroffen Absage an die Landwirt- chast verleiten, so haben dm Profit davon die Freihändler, die auf den Abbruch des ganzen Schutzzollsystems hinarbeiten. Gerade deshalb betreibt der Hansabund so eifrig seine Hetz« und

Zersetzungsarbeit. Er will die berufenen Träger der Schutzzollpolitik zum Mißtrauen und zum Kampfe gegeneinander verführm, weil er (der Hansabund) inner dem Einfluß der Großhandels- und Großkapitalisten-Kreise steht, die den bewährten Schutzzoll nach Möglichkett beseitigen wollen.

Deutscher Reich.

*♦ Berkin, 21. April 191L Dem Kaiser wurde vom König der Helenen baß Recht an ben Ausgrabun­gen von Granitza überlaffen. Damit tft bem Kaiser bte oberste Leitung bei ben Grabungen unb bet beut« schm Wissenschaft erneut ein Gebiet reicher Betäti­gung zugefallen. — Wie Berliner Blätter melben, ist ber Geheim« Regterungßrat unb Vortragende Rat im ReichSamte des Innern, Landtagsabg. Dr. B ö n i s ch zum Geheimen Oberregierungsrat ernannt worden. Herr Dr. B S n i s ch hat daß Dezernat für landwirt­schaftliche Fragen in dem genannten Reichsamte inne und war bekanntlich in hervorragendem Maße bei bei Vorbereitung beß neuen Zolltarifs beteiligt — Die Mitteilung, wonach baß Ergebnis ber Erhebungen, bie über bte Arbettsverhältnifle bet Rechtsanwalts­gehilfen veranstaltet worden find, ein Eingreifen der Gesetzgebung nicht erforderlich erscheinen lasse, ist, wie die Notdb. Allg. Ztg." mitteilt, unzutreffend. Mit der Bearbeitung ber eingefieferten Fragebogen ist eben erst begonnen worben.

c. TaS Befinden deS Abg. Dr. Freihertn v. Heriling ist fortgesetzt ausgezeichnet; er hofft in den nächflm Tagen nach München übersiedeln zu können. An den Vormittagm geht er mit feinem Studien­freund Geheimrat Vollmer tot Berliner Tiergarten spazieren. Dir völlige baldige Genesung steht in sicherer Aussicht. — Viel Vergnügen machen dem Rekonvaleszenten die Bemühungen einzelner liberaler Blätter, die sein Abledm nicht früh genug erfahren fonruen und Geld im HedwlgSkraukenhaus htnret» legten, um ja als erste die Nachricht geben z« können. ..Aber diesen Gefallm h -.be ich der Pn-sse doch nicht getan V meinte Freiherr v. Hettling scherzend dieser Tage. Mit großer Dantbarleit nimmt er Kenntnis von ber lebhaften Anteilnahme aller Schichten deS katholischen Volkes, der Berliner uns Müncymer Behörden und einzelnen Fürstin texten rote auch namentlich des Papstes.

do. Für bie AlkprußvÄÜre. Wte ole Berliner Kor­respondenz meldet, ist durch den Erat für 1911 ber Fonds zur Unterstützung für Attpenstonäre und Hinterbliebene von l1/* Mill orten auf 2e/< Millionen, sowie der entsprechende Fonds für Elementarlshrer und Lehrerwitwen und -Waisen um 400000 Mark erhöht worden. Glef^zettig hat die (5taai8regimi./g eine wesentliche Erleichterung der Bewllligungsgmaosatze beschlossen und insbesondere angeordnet, daß Die Voraussetzungen für die auf Antrag erfolgende Gewährung Der Zu­wendungen wohlwollend geprüft werden, um den aus den jetzigm TeuernngSverhältnissen sich ergeben­den Härten abruhelfen.

(*) Keine Ueberführung der Leich« LedochowskiS. Zu der Meldung Posener Blätter über eine auf Grund kaiserlicher Genehmigung bevorstehende Ueber­führung der Leiche beß Kardinals Ledochowskl nach Posm erfähtt bet Lokalanzeiger von gut unterttchttter Sette, baß bie zustänbtgm preußischen Stellen mit bleser Frage überhaupt nicht befaßt toorben sind unb baß daher eine in erwähntem Sinne erfolgte Entschei­dung nicht getroffen worden ist. Das Herz beß Kir­chenfürsten ruht schon seit 1902 im Dome zu Gnesen.

ns. Der katholische Lehrerverbanb der Rhemprovlnz hielt in diesm Tagen seine diesjährige General­versammlung in der jüngsten Großstadt in Ham­born ab. Lehrer Paßmann-Köln sprach über die

eufß herzlichste auf unb übertrug mir ben Posten eines Haushofmeisters. Run konnte alles tolebet gut wer­ben. Gott fel’ß geklagt. Ich war bereltß ein un­rettbarer Trunkenbold geworden. Auch in Eberstein frönte ich meiner unsttigen Leidenschaft in hohem Maße. Natürlich reichte mir mein Gehalt nicht mehr miß, und um mir Mittel herbeischaffen zu können, wurde ich ein Dieb, ein Betrüger. Nur ber Großmut beß Grafen hatte Ich eß zu verdanken, daß ich nicht vor ben Strafrichter kam. Daß ich unter blefen Um- ständen baß Schloß verlassen mußte, wat natürlich, unb so war ich »lebet bet verkommene Mensch von früher geworden. Maß nun geschah, weißt du, mein lieber Sohn. Unb jetzt? Dein Batet leibet keine Rot. Du gibst ihm so reichlich Gelb, daß et nlcht nur ein sorgenloses, sondern sogar ein üppiges Leben führen kmm. Und bochl Nichts kann mich befriedi­gen. Nicht Reichtum, Wohlleben unb Ueppigkett tol­lten mein mahnenbeß Gewissen zur Ruh« bringen. Robert! Ich habe schwer gefehlt. Ich habe burch mein verbrecherlscheß Treiben meinen armen Vater gemordet. Ich bta ein Mensch geworben, von dem sich jeber Gute mit Ekel toegtoenben muß. Mein Sohn! Noch lebe ich. Noch ist es Zelt zur Umkehr. Ich will büßen, büßen mein schweres Unrecht, meine Verbrechen. Wie ich einstens alß Bettler Schloß Vch- rin verließ, so will ich auch jetzt ein Armer, ein Bettler seto unb im Schweiße meines Angesichts mein Brot essen. Ich will eine neue Bahn betreten unb meine Seele zu retten suchen. Freudigen Hetzens schreibe ich dir: Ich habe mich mtt meinem Herrn unb Gott versöhnt. Ich will mtt seiner Hilfe ein anbetet Mensch werben. Soweit ich eß mtt meinen schwachen Kräften leisten kann, will ich all baß Un­recht, baß ich begangen, gut zu machen suchen. WaS ich an meinem Batet verbrochen, baß will ich burch etn netteß Leben sühnen. Aber auch meine später« Betgehen, st« sollen nach Möglichkett gut gemacht wer­ben Mein Sohn! Ich hab« mich schwer an meinem Wohltäter, dem Grafen Eberstein, versündigt unb bet« sünblge mich mich jetzt noch! Begehe ich nicht ein neues Verbreche«, wenn ich eß bulbe, daß mein eigene? Fletsch und Blut, bu, mein Sohn, bie Stelle einnimmt die anbeten Personen, bem rechten Erben zukommt? Berfünblae ich mich nicht furchtbar, wem

ich ruhig zusehe wie mein Sohn ein Erbschleicher, em Betrüger ist? Robert! Ich beschwöre bich, laß ab von beinern unseligen Treiben. Gib ein Leben auf, baß bich einmal in bie schrecklichste Lage bringen wirb. Bedenke, waß dich etnftenß erwartet, wenn bu Wetter so fort fährst! Es ist meine heiligste Pflicht, bich zu mahnen: Kehre zurück auf bte Bahn beS Guten! Bedenke, lieber einmal tot Tage feinen Magen zu sättigen, als in Reichtum unb Wohlleben zu schwelgen unb habet ein Verbrecher zu sein. Hanble rasch, ehe es zu spät ist. Ich aber, Dein Vater Kuno von Beh- ringtn, schwöre, baß Ich nicht bulben werbe, daß mein einziges Kind noch weiter auf bet verbrecherischen Bahn toanbelt. Ich werbe nie zugeben, daß ber beste bet ebelften Menschen an seinem Herzen eine Schlange hegt. Robert von Behringen! Ich gebe Dir biet Wochen Zett. Gehe tn Dich unb folge Deinem un­glücklichen Batet. In bet letzten Nacht blefet Frist erwarte ich Dich Schlag 1 Uhr am Kreuzungspunkt bet Bickenallee unb will Deinem Entschluß entgegen» sehen. Erscheinst Du nicht, ober willst Du weitet auf bet Bahn beS Bösen wanbeln, bann beim allmächtigen Gott, von dem ich etnftenß Barmherzigkeit erhoffe, trete ich vor Graf Tcmkmar von Eberftein hin unb sage: Herr Graf! Dieser M --->. den Sie für Ihren Enkel Edwin hatten, ist ein ' .er, ein Mörder.

Das find bte letzten Zeilen, die Du von mtt er­hältst. lieberlege unb handle! Rur baß eine sage ich Dir noch: Laß ab von Deinem schlimmen Tun! Folge Deinem Da'« ber jetzt sühnen totff, was er verbrochen.

In innig« Liebe

Dein Vater Kuno von Behringen.

Mit einem Fluch schleuderte Robert bett Vries auf ben Boden unb knirschte touterfüllt mit ben Zähnen.

„Ha, also so kommst du mir! Ich soll meine schwer eckdnpste Position jetzt ausgeben, nachdem ich mit bte Bahn zu meinem Glück ftetgemacht habe! Rein! nein! Eh« bringe ich bie ganze Welt um. Aber, was jetzt tun? Ich tarne ihn. Was er sich einmal vornimmt, baß fühtt er auch auß; bafttt tft et etn Behringen. Wenn eß, mein Herr Batet, nicht anberß sein so«, so mußt bu halt welchen. Entweder Ich

ver Erbe von Eberftein.

32] Roman von Edmund Nowak.

Eines Tages, als ich, nur von meinem Hunde begleitet, ben weiten Forst durchstreift«, vernahm ich Hilferufe. Ich eilte diesen nach und fand einen mir vollständig unbekannten Herrn tm Kampfe mtt zwei Wegelagerern. Als diese mich erblickten unb sahen, wie ich das Jagdgewehr in Anschlag brachte, liefen sie von ihrem Opsn ab unb flohen. Mir lag an bet Ergreifung dieses Gesindels nichts, nur freute Ich mich, bem Fremdling beß Leben gerettet zu haben. Als ich diesen nach meinem Schlosse einlub, erklärte er unter Dankeswotten, baß er zu den ©einigen, bte sich um ihn sehr ängstigen würben, eilen müßte, unb bat mich, ihn auf den richtigen Weg zu bringen. Glück­licherweise war der Fremde nicht verletzt, sobaß wir bald aufbrechen konnten. Aus dem Matsche «zählte et mit, daß er Tcmkmar von Eberftein heiße und In ber Röhe von Kronberg seinen Besitz hätte. Er hätte sich von sein« Gesellschaft getrennt, um etwas in ben prächtigen Wäldern hermnzuschwetsm; dabei wäre

vom richtigen Weg« abgekommen unb schließlich in bie Haube bet Ärmuhdiebe gefallen. Als wir von einanber schieben, mußte ich ihm baß Versprechen geben. Ihn in Oberstem zu besuchen. Mein seelischer 'Zustcmb würbe von Tag zu Tag immer schlimm«. Die Kains tat sollte sich an mir furchtbar räche«. Für nichts hatte ich mehr Interesse. Die Verwaltmig mei­nes Besitzes überließ Ich fremden Leuten, bk in ge» ftuffenloscher Weise wirtschafteten. Daß ein solches Leben nicht langt anbauern konnte, war natürlich. Unb 1» kam eß, baß eineß Tages alles üb« mir zusammen- brach. Ich war ein bankerotter, ruinierter Mann. Wie ein Bettler mußte ich ben stolzen Besitz ber« von Behringen verlassen . Was sollte ich nun tun? Beb­irin gehen? Denn arbeiten hatte ich nicht gelernt. Schon toar ich nahe daran, ein verfehltes Sebert von Mir zu toerftn, alß ich mich an ben Grafen Eberftein imd seine Einlabuug erinnerte. Ich schrieb ihm einen Brief unb schllberte ihm meine bedrängte Lage. Rach hirzer Zeit erhielt ich eine größ«e Geldsumme und die freundliche Aufforderung, sofort nach Schloß Eberftein zu kommen. Ich tat eß. Der Schloßherr nahm mich

ob« bu! Unb ehe ich bie mit vielem Blut errungene Stelle aufgebe, lieb« töte ich bich."

Eß llopst« an bie Tür. Der Diener trat ein, um nach etwaigen Wünschen seines Herrn zu fragen.

„Gut, daß bu kommst, Pebro. Ich habe bie etwas sehr wichtiges zu sagen. Schließe leise bie Tür ab. — So. Jetzt komm unb höre mal sorgfältig zu."

H«r unb Men« führten tn llspelnbem Tone ein geheimes Zwiegespräch. Als stch Pebro erhob, leuch- teten seine raubtterartlgen Augen vor reinem Wohl­behagen. Er v«beugte sich vor Behrlngen unb mit ben Worten: „Gnädiger Herr, Sie w«ben mit mir zufrieden sein," v«ließ er grüßend bas Zimm«. —

Wochen warm seit biesem Time ins Lanb gegan- Sen. Die Bewohn« beß Schlosses Eberftein lebten i groß« Angst um das Leben beß greifen Schloß­herrn. Seit einigen Tagen hatte sich sein Zustand bebeutenb verschlimmert. Roch bei feinem letzten Be­such hatte ber Hausarzt erklärt, er mache sich für Griff Tankmar bie besten Hoffnungen. Jetzt ab« bangte er selbst um dessen Leben. Der Schloßherr lag tn sei­nem Zimm« teilnahmslos auf ein« Chaiselongue. Er schim nicht bas gntngstk Jnt«effe für seine Umgeb­ung zu haben, nicht für feine Tochter unb Enkelin, bie sich um ihn bemühten. Plötzlich hob sich ber Kranke tn bie Höhe.

„Papa, wünschest bu etwas?" fragte ihn Gräfin Cäcllie besorgt.

D« Schloßherr blickte bie ©einigen mit einem so traurigen Blick an, daß ste in Tränen ausbrachen.

„Meine Klnb«, mit mit gcht eß zu Ende. Ich fühle eß, daß b« Tob naht. O, wie banke ich bem ltäen Herrgott, daß et mich sein« unendlichen Gnade gewürdigt hat. Ärsöhnt mit ihm, scheide ich gern von dies« Welt. Meine Lieben, ich habe für Euch gut gesorgt. Die Dielen Wohltaten, die Ihr mir er- toitfen habt, kann ich Euch nicht nach Gebühr beloh­nen baß kann mir bei Herr hort oben. Cäcilie, erin­nerst bu bich noch beß Tages, an bem mein Liebling auß Nizza hetockhrte?"

„Gewiß, Papa, «och ganz genau l"

„Unb auch an meine Worte, die ich an dich unb Ebwdi richtete?"

(Fortsetzung folgt.)