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Monattbellage: „Klldaer Geschichtsblatter"

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llotationrdruckunL Verlag der KiHöacr N. tiendnttkerei in Lui-a Zrrnsprecher Br. 9.

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Erstes Blatt

Fulda, Donnerstag den 20. April 1911.

89.

38. Iahrfflmr.

Der Direktor des Evang. Bundes, Abg. Everling,

veröffentlicht eine Berichtigung zu der gestern gemeldeten Mitteilung der „O'tpr. Ztg.": Während des Kampfes um die Reichsfinanzreform habe der Abg. Everling dem konservativen Abg. Drisch er gedroht, wenn die Konservativen die Besteuerung des Kindes- und Gattenerbes ablehnen würden, 10 würde der fuior protestanticus gegen sie entfesselt werden und ste von der politischen Bildfläche ver­schwinden lassen.

Abg. Everling erklärt diese Mitteilung für .un­wahr" und fügt dann hinzu:

„Wahr ist dagegen, daß ich in jenen erregten Tagen in einer vertraulichen Unterredung mit Herrn Abg. Dröfcher darauf htngewiesen habe: aus einem Zusammenbruch des Blocks und einer dadurch zu erwartenden neuen Vorherrschaft des Zen­trums würden nicht nur bedauerliche nationale Schädigungen entstehen, sondern nach meiner Kenntnis der Strmmung der protestantischen Wähler­schaft auch der touservativen Partei erheblich« Nachteile erwachsen."

Nunmehr, meint die,Kreuzztg/, werde hoffentlich auch der Abg. Dröscher sich über den Wortlaut der Everling'schen Aeußerung erklären. Rach unserer Ansicht genügt schon bas Zugeständnis des Herr» Everling, um die Mitteilungen in der konservativen Prefle zu rechtfertigen.

Herr Everling hat eingestandener Maßen der konservativen Partei erhebliche Nachteile infolge der Stimmung der protestantischen Wäh erschüft in Aussicht gestellt. Das ist nichts anderes, als di« Drohung mit dem furor protestanticus. Diese Drohung ist ergangen, als die Konservativen sich gegen die Reichssteuer auf das Kinder- und Gatten- ctbe sträubten. Denn gerade diese Ausdehnung der Erbschaftsstener war der kritische Punkt; der Blockkanzler Fürst Bülow und der gesamte Libera­lismus lmtlen sich auf die Besteuerung des Kinses- and Wilivenerdes verbisten und der Bestand ihrer Blockpolitik davon abhängig gemacht. Die konser­vative Partei sollte unter dieses Blockjoch gedrängt werden, und als sie sich nicht beugen wollte, kün­digte man die Entseffelung des furor protestanticus ! unter ihrer Wählerschaft an.

Gehörte die Frage, ob die Erbschaftssteuer aus di« Kinder und Witwen ausgedehnt werden solle- zu den konfessionellen Zeit« und Streitfragen? .Mußte bei dieser rein weltlichen, finanz« und sozial­politische» Frage auf die .Stimmung der prote­stantischen Wähler" Rücksicht genommen werden? Herr Everling versteht es, die Steuerparagraphen «rs den konfessionellen Kampfplatz zu zerren. .Der l-nke Blockflügrl fordert« die Annahme dieses Steuergesetzes; also mußte der rechte Blockflügel, jbte konservative Partei, das Opfer ihrer Ueberzeugüng j bringen; denn sonst kam es ja zu einem Zusammen- tbruche des Blocks, und der Block war eine prote- lst an tische Einrichtung, dessen Zusammenbruch nach fAnficht des Herrn Everling den Zorn der prole- stantischeu Wählerschaft erwecken mußte.

t ZuA »sang derBlockwirtschajt bekundet« derWahi- s Macher General Keim, daßderkuror protestanticus bie !Wahlen von 1907 entschieden habe. Am Todes- ■bette des Blockes erklärte der Geschäftsführer des Evangelischen Bundes, daß di« .Stimmung der vrotestantischen Wählerschaft" sich gegen die- tenigen richten würde, die sich dem Blockkommando m Steuersachen widersetzen würden. Klarer kann es nicht zu Tage treten, daß gerade die Blockpolitiker selbst es getan Haden und noch zu tun bestrebt sind, was sie dem Zentrum zum Borwurf macken möchten: Die Konfession in die Politik tragen und bei den Wahle» an die konfessionellen Triebe zu appellieren.

> Nun kommt natürlich Herr Everling mit der alten Phrase: Dmch den Zusammenbruch des Blocks sei ein« .neue Vorherrschaft des Zentrums"

Der Lrbe von Lberfleio.

.,30] Roman von Edmund Nowak.

„Was mich, lieber Papa, anlangt," wandte Gräfin Cäcilie ein, .so ist mir dein Vorschlag schr sympa­thisch. Könnte ich mir für meine Tochter einen bes­seren Gatten wünschen, als meinen Reffen Edwin? ttnb Isolde! Wenn sie ihrem zukünftigen Gatten nicht gleich Liebe und Zmieigung entgegenbringen würde, so ist dies natürlich. Liebe will errungen fein. Und daß dies meinem Neffen gelingen wird, dessen bin ich sicher."

s „Taufend Dank, geliebtes Tantchen. Deine Worte machen mich glücklich. Sie lasten mich hoffen, daß es mir gelingen wird, Isoldens Liebe und Zu­neigung zu gewinnen."

„Das meine ich auch," versetzte Graf Tankmar. .Und sollte Isolde, was ich übrigens nicht glcmdar will, sich sträuben, deine Gattin zu werden, so wird sie ihren Widerstand aus Liebe zu ihrem todkranke» Großvater aufgeben. Doch fetzt geh, Edwin, und m«he dich für die Fahrt nach Kronberg bereit. Ich will indessen etwas ruhen. Die Unterhaltung hat mich mehr, als ich bereite, ermüdet. — Adieu, lieber Junge! Bring mir Isolde glücklich nach Hause."

Edwin begab sich auf sein Zimmer. Ein Blick out belehrte ihn, daß er noch zwei Stunden Zeit hatte. Er läutete seinem Diener. Als dieser eintrat, oeniegelte der Graf leise die Tür. Dann «gab er sich zu seinem Schreibtisch und ließ sich im Sessel nieder.

„Pedro!"

„Sir wünschen, gnädiger Herr?"

.Still! Nicht so laut. Die Wände haben Ohren Konnn, nimm hier Platz. Also heut früh bist du an« gelangt?"

„Jawohl, gnädiger Herr, heut früh mit dem 5 Uhr Zuge."

„Sprich, ist dir das Unternehmen geglückt? Hat dein spanischer Dolch seine Schuldigkeit getan?"

Der Diener verneigte sich vor seinem Herm. „Es war nicht leicht, an den „Indier" unbemerkt heran-

heraufbeschw««. Durch die Mitarbeit an der schwierigen Finanzrefor« har das Zentrum tatsächlich keine Art von.Vorherrschaft" geerntet, sondern nur eine Fülle von Angriffe». Es hat feine Pflicht erfüllt und dem Reiche einen neuen großen Dienst erwiesen. DaS solleS aber nicht tun dürfen — nach Herrn Everling's geschäftsführender Meinung. DaS Zentrum besteht zumeist aus katholischen Wählern und Abgeordneten; deshalb muß es ausgeschaltet, lahmgelegt, in die Ecke gedrückt werden. Die konservativen Abgeordneten müssen bei Straf« bei furor protestanticus sich dem Willen deS Blockliberalismus unterwerfen und dürfen bei Leide nicht die Unterstützung der Zentrumsstimmen annehmen.

„Rieder mit dem Zentrum" — das ist für den Führer des Evangelischen Bundes die erfte und höchste und unbedingt maßgebende Parole! Natür- tich ist das eine höchst friedliche und durchaus nicht konfessionelle fJoUtif!

Deutscher Reich.

8 Berlin, 19. April 1911. Aus Korfu wird gemeldet, daß der Kaiser heute vormittag und nachmittag bei den Ausgrabungen in Geritza ver­weilte. — AIS Nachfolger des amerikansschen Bot­schafters in Berlin, Dr. Hill, kommen in erster Linie inbetracht John Haps Hammonv und Cor­nelius Vanderbilt. Ersterer wird als amerikanischer Spezialgesanbter bei der englischen Krönungsfeier­lichkeit fungieren, letzterer ist bei Kaiser Wilhelm außerordentlich beliebt.

* Auf He Reichsfinanzreform wird von der halb- amtlichen .Rordd. Allg. Ztg." noch einmal anerken­nend hingewiefen. Es sei durch sie ermöglicht wor- den, daß da» Reich zum ersten Male seit vielen Jahren ohne eine neue Anleihe auskommen werde. „Darin liegt eine Bestätigung und Betätigung der R etchsfinanzreform, an der eine noch so geläufige Krittk nicht mehr gut rütteln kann." Und noch einmal wird bet Ausspruch des Kanzlers wieder­holt, daß die Folge der neuen Steuem gesunde Finanzen bilden.

+ Handwerkerbund und christliche Gewerlschaftcn. In der Tagung des Rheinischen Handwerkerbundes, die am Dienstag in Köln stattfand und der eilte Anzahl Land- und Reichstagsabgeordneter verschiede­ner Patteirichtungen beiwohnte, wurde beschlossen, mit den christlichen Gewerkschaften in en p e Verbindung zu treten. Des weiteren wurde eine Resolutton angenommen, in welcher der Bund eine staatsbürgerliche Erziehung ohne Einfluß der Religion für verfehlt erklärt und aus diesem Grunde die Einführung des Religionsunter­richts als obkigatorischen Unterricht für die Fort­bildungsschulen verlangt.

* Herr» Bassermann ins Stammbuch. Zar letzten Reichstagsrede des national rbcralei, Füh­rers, des Aba. Bassermann, schreibt die Süd- deutsche Nationalliberale Korrespondenz:

Man kann es, und namentlich wir, die wir in ter Beurteilung und Behandlung der Finanrreform einen anderen Llaudpuntt entnehmen als la- Gros der Partei, tönnen es dem leitenden Staatsmann nach- sühlen, rote wenig sympathisch ihn b:e Siebe unseres Parteichefs in der gegenwärtigen Zeit berühren mußte, die in der Tat weiter nichts war, als eine Wibcrhottmg dessen, was nun seit Konst?» von Großen und Kketnen der liberalen Parteien täglich dem dennchen Volke wieder und wieder vorgesetzt wird unter äb» fehung von jedem höheren Gesichtspunkt, unter Verkennung auch der Verhältnisse, wie sie sich al§ Folge der Reform hcransgebrlret buben, von Linern andern Streben anscheinend geleitet, als dem, die II n- znfriedenheit künstlich wach äh batten, in der Hoffnung, aus dieser Stimmung Gahlerfolge herauszudestillieren.

•* Der Verband für handwerksmäßige mid fach- gewerbliche Ausbildung Nr Fran hielt am Mittwoch

zukommen. Tagelang lag ich auf der Lauer. End­lich sollt« er mir In die Hände geraten. Es war vor­gestern abend. Ihr Nebcrchuhler verließ das Hotel und schlug den Weg nach der Notre-Dame-Kirche ein. Ich folgte ihm unauffällig. Plötzlich trat et in das Pfarr­haus, um es bald wieder zu verlassen. Er wwldte sich dann den Anlagen $u. Die Verfolgung gelang mir in der Menge der Spaziergänger nicht leicht. Mehrere Male verlor ich ihn aus den Augen, bis er plötzlich ganz Bmi der Bildfläche verschwand. Es wurde dunkler, ttnb immer noch nicht fand ich seine Spur. Ich kam an einen Settenweg, der nach einer auf einer Anhöhe liegenden Rotunde führt. Da sehe ich einen Menschen langsam einherwandeln. Dem Gange und dem Neußer« nach schien es der Indier zu fein. Ich folgte ihm. Schon glaubte ich mich getäuscht zu haben und wollte an ihm vorübergehen, als er mir fefn Gesicht zuwandte und ich in ihm sofort Ihren Feind erkannte. Ich grüßte und bat ihn um etwas Feuer für meine Zigarre. Während er in den Taschen nach dem Feuerzeug suchte, stieß ich ihm plötzlich mit aller Wucht den Dolch bis ans Heft in bk Brust. Ohne nur einen Laut von sich zu geben, brach er leblos zusammen. Ich beugte mich über ihn und sah, daß ich gut getroffen halle. Weit und breit war nichts Lebendes zu sehen. Schnell sprang ich in die mit dicksten Gebüschen bepflanzten Anlagen und eilte, was mich die Beine tragen konnten, zum Bahnhof, wo ich gerade zurecht tarn, den Eilzug zu besteigen. Glücklich bin ich wieder angelangt. Herr Graf, Sie find von Ihrem Nebenbuhler befreit. Jetzt tun Sie das Ihrige und geben Sie mir die ausbedun­gene Belohnung."

„Du hast deine Sache gut gemocht, Pedro. Hier hast du die versprochenen 10 000 Taler." Gras Edwin zählte dem Diener das Geld in Gold und Scheinen auf, der es gierig in seinen Taschen verschwinden ließ.

„Herr Gros, wenn St« wieder etwas Aehnliches für mich zu tun haben, so bedarf es nur eines Win­kes. Pedro ist für derlei Geschäfte immer zu haben."

Als der Diener sich-entfernt hatte, trat Edwin vor den Spiegel hin und imterzog sein« Gestalt einer

tu Berlin feine erst« Generalversammlung ab. Der Verband hat sich im Oktober 1909 gebildet und sich zum Ziel gesetzt, den fachlich gebildeten Mann von der Schmutzkonkurrenz der ungelernten, für jeden Preis arbeitende» Frau zu befreien, dem Handwerk und der Industrie höher entlohnte und tüchtige Arbeitskräfte zuzuführen, die Frauenlöhne zu heben und durch geistige Weitereutwtckelung der Mutter einen bedeutungsvollen Emfluß auf die zu­künftigen Geschleckter austuüben.

* Neuerungen im Uniformweseu. Nachdem be­stimmt worden ist, daß alle neuen Uniformgarnituren der deutsch«! Armee aus feldgrauem Tuch herzustel- len sind, soll jetzt, wie der „Konfekttonür" mitteilt, in der Armee auch ein einheitlicher Futterstoff mtt der Bezeichnung „farbiger Köper" Verwendung finden. Ferner soll die feldgraue Farbe auch bei den Heeresgerätgegenständen, bei denen bisher noch das grau e Segeltuch verwendet wurde, (Brotbeu­tel, Feldba^ten, Wagenplanen) eingeführt werden. Diese sollen mtt feldgrauem Segeltuch versehen bezw. aus solchen hergestellt werden. Bei einzelnen Ar­meekorps werden bereits entsprechend« Versuche ge­macht.

* Chemnitz, 19. April 1911. Gegen zwei Lehrer, die eine in Annaberg abgehaltene sozialdemo­kratische Versammlung, in der der Redner das sozialdemokratische Schulprogramm behandelte, besuchten und an der Aussprache teilnahmen, ist ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden.

Ausland.

** Die französische Deputiertenkammer hat mit knapper Mühe das Budget noch vor Torschluß erledigt. Die Beratung wird vom Senat noch erfolgen. Da aber der Wiederzusammentritt der beiden Kammern erft am 16. Mai erfolgt, muß zum sechsten provisorischen Zwölftel geschritten werden. Ein Rekord des Ver­sagens der parlamentarischen Maschine! Und das unter dem erzradckalen Ministerium Monis, das eine Reihe weltbeglückender Reformen in Aussicht stellte. Im übrigen hat die Medaille neben der Schatten- auch eine kleine Lichtseite. Die berüchtigten Schnlge- s e tz e n t io ü r f«, die den Familienvätern die Un- terrichtskonttolle entziehen wollen, sind aus dem Finanzgesetz ausgeschaltet worden. Die mit so gro­ßer Spannung erwartete, äußerst hitzige Schuldebatte war also erledigt, bevor sie begonnen Halle. Allerdings ist aufgeschoben nicht aufgehoben. Die Debatte wird nachher um so gründlicher. Es liegen bereits über hundert Zufatzanträge vor. Es sind GO öffentliche Abstimmungen vorgesehen. Die kommende Schlacht, die über die französische Schulfrage ein entscheiden­des Wort spricht und von den Radikalen mit allem Eifer vorbereitet ist, wird zwei Wochen dauern. In Logenkreisen agitiert man für eine rasche Erledigung. Kein Ministerium ist der Lösung der Frage im ktt- chenfeiirdlichen Sinne so günstig wie das gegenwärtige Kabinett, das im Zeichen der Kelle und des Anti­klerikal isutuS geboren wurde.

** Die Geschichte von dem französischen Ordens­schwindel .nächst sich zu einer wahr-n Komödie der menschlichen Eitelkeiten aus Die verhafteten Schwind­ler Valeiisi und Clementi haben einen derartig aus­gedehnten Handel mit „Orden" aller Art getrieben, daß heute eigentlich jeder zweite Pariser feinen Orden haben müßte . Die Beiden haben Pari- mtt Orden und Diplomen von Frcs. aufwärts geradezu über- "chwemmt. Hauptsächlich verschacherte Valensi Orden an wohlhabende Leute. Tas beste Geschäft machte et mit dem von ihm erdachten Orden vom „roten m a- rokkanischen Halbmond", den er massenhaft „absetzte". Das Sonderbarste aber ist, daß Valensi mich echte Ordensdiplome verkauft hat. So hat ein Kaufmann von Valensi für 6000 Francs das Diplom der Akademischen Palmen erhalten, das zweifellos echt sei. Das Diplom trägt die Unterschrift des srühe- ren Unterrichtsministers Toumergue. Wie die Blätter

genauen Musterung. Mit einem zynischen Lächeln begrüßte er sein Gegenüber im Spiegel.

„So, jetzt kannst du endlich ohne Furcht und Sorge fein. Dein Nebenbuhler, dessen Sdjetten dich überall verfolgte, ist nicht mehr da. Edwin Graf von Eber­stein, wenn dich auch damals das stürmische Meer wiedergab, der Dolch meines Dieners traf dich nur zu gut. Du wirst mir nicht mehr in den Weg treten. Wie erschrak ich damals, als mir meine würdige Tante den Brief meiner Kusine Isolde vorlas und ich zu hören bekam, daß tti Nizza ein indischer Rittmeister Edwin Warren aufgetaucht sei. Edwin Warren! War nicht die Frau des Grafen Roderich ehre geborene War­ren? Und Edwin! Es war doch sehr gut, daß ich nach Nizza reifte. Denn nur so konnte ich meine Vermutung, daß dieser Warren niemand anders sein könne als Edwin von Eberstein, bestättgt finden. Jetzt bin ich frei und der Erbe von Eberstein. Wer weiß, daß Miguel Barbeno und der jetzige Edwin von Eberstem ein- sind? Niemand als mein würdiger Vater und Pedro. Der Vater ist mit jetzt ungefähr­lich. Er ist froh, daß er monatlich sein Geld bekommt. Und Pedro! Na, was kann ich dafür, wenn sich einmal die Kugel aus meinem Jagdgewehr verirren sollte! Er ist ein gefährlicher Mitwisser. Darum muß er so schnell wie möglich beseitigt werden. Hali, was war denn das? Ist da nicht jemand an der Tür gewesen?"

Schnell öffnete Edwin dieselbe, ober kein Mensch wat zu scheu.

„Ich habe mich getäuscht. Jetzt aber schnell Toi­lette gemacht und die Braut abgeholtk Ha ha! Isolde meine Braut! Ich seh« sie schon, wie sie sich sträuben wird. Aber was nützt ihr das alles? Äre Mutter ist auf meiner Seite, und der Großvater will es. Mein Täubchen, da nützt dir all dein Stolz nichts. Du wirst, du mußt mein Weib werden."

Edwin trat ans Fenster. Et blickte in den herr­lichen Park mit seinen entzückenden Anlagen. „Wie lange noch," murmelte er, „und alles gehört mir. Freilich, der Weg zu diesem Besitz, er ging durch Blut. Doch, was tut's. Ich muß zu meinem Ziele

melden, hat sich Clementt dieses und andere echte Diplome durch eine Geliebte des Ministers verschafft.

* Zu der Champagne dauern bic Verhaf­tungen ununterbrochen fort. Bei vielen der inS Gefängnis abgesührten Plünderer und Brandsti'ter wurde «ine Druckschrift gesunden, die unter dem Titel: „Das schwarze Buch der Mörder der Cham­pagne" eine List« der angeblichen Betrüger und Fälscher zeigt, deren Weinlager und Fabriken der Gegenstand von Verwüstungen und Plünderungen sein sollten. Die Häuser, die den Einbruch der Verwüster zu erleiden hatten, finden sich alle in dem schwarzen Buch aufgeführt.

** Dem englischen Unterhaus« ist eine Regie- rungsvorlage zur wirksameren Ueberwachung aus­ländischer Verbrecher zugegangen.

*• Marokko Ein Bataillon des ersten algerischen Schützenregiments ist mobil gemacht worden, um nach Marokko gesandt zu werden. — Aus Paris, 19. April wird gemeldet: Di« Regierung ist gestern abend vom französtschen Konsul in Fez verständigt worden, der Sultan habe den Wunsch ausgesprochen, die Harka des SchauijagebietS möchte sich unter dem Befehl des Kalifen von Casablanea El Mtani und zusammen mit den von den Dukala und Bcni MeSkir gebildeten Kontigenten nach Rabat und in das Gharbgebiet begeben. Die Regierung hat dem General Moinier unverzüglich den Befehl gegeben, einer schleunigen Verwirklichung der Wünsche Mulai Hafids seine Unterstützung zuteil werden zu lassen. — Dieser Entschluß des SuttanS, französisch« Hilfe anzurusen, ist ein Zeichen, daß seine Lage verzweifelt ist und ihm keinen andern Ausweg mehr laßt. Denn darüber, daß dieser von den Franzosen herbeigesehnte Schritt der Anfang vom Ende seiner Selbständigkeit ist, wird und muß sich Mulai Hafid klar sein.

* Der Ausstand der Araber gegen die türkisch« Herrschaft scheint nun doch endlich gebrochen zu sein. Die Truppen fanden keinen Widerstand mehr, einig« Schciks boten ihre Unterwerfung an.

** Waffenstillstand im mexikanischen Bürger­krieg ist nach der Schlacht bei Agua Prieta plötzlich eingetreten, da neue Verhandlungen zwischen Negierung und Insurgenten eingeleitet wurden. Die Bemühungen, zwischen Diaz und den Aufständischen zu Kompromissen zu gelangen, haben mit doppelter Stärke eingesetzt. Erste und hauptsächlichste Forderung der Rebellen ist freilich ‘ noch immer die Abdankung dell alten Präsi- benien. Und immer noch fraglich ist es, ob sich dieser eiserne Mann selbst heule zu einem solch schmählichen Rücktritt vom politischen Theater und Werk seines Lebens wird eMscheiden können.

Neuer Preußischer Lehrerverein.

c. Görlitz, 19. Aprll 1911.

Aus der Bettreterversammlung vom Dienstag seien einige der dort verhandelten Anträge erwähnt. Ein Antrag des Bezirks Magdeburg verlangt der Landes­verband möge bei der Slaatsregtenma dahin vorstellig werden, daß für jeden taudrätlichen Kreis auf Staats- kosten ein Hilfslehrer angestellt werde« möge, der bei Beurlaubungen und Erkrankungen von Lehrern dem Kreisschulinspektor zur Verfügung stehen solle. Der Antrag wurde wegen der finanziellen Schwierigkeiten, die feiner Durchführbarkeit entgegenstehen, abgelehnt. Angenommen wurde eine Resolution desselben Bezirks aus Zuziehung sämtlicher Lehrer, auch derjenigen an einklassigen Volksschulen, zum Schöffen- und Ge­schworenenamte. Weiter fand Annahme eine Reso­lution auf Ausdehnung deS Gesetzes betr. die staat­liche Haftpflicht für Beamte auch auf die Bottsschul­lehrer.

Die Hauptversammlung wurde eröffnet mtt einem geistlichen Liede. An den preußischen Kultusminister sandte der Kongreß ein Ergebenhettstelegramm. Ge­heimrat Altenburg von der Regierung zu Liegnttz be­tonte die Notwendigkeit eines vertrauensvollen Zu­

gelangen, und sollte es nur über Leichen gehen. Sei glücllich, alter Man», baß dir nur noch eine kurze Spanne Lebenszett gestattet ist. Dauert es länger, dann fürwahr setze ich deinem Leben ein schnelles Ziel. Nun fort nach Kronberg, um meine stolze Kusine abzuholen. Wie wirb sie Augen machen, mich zu sehen. Caramba, mir soll e8 gleich sein."

Der junge Graf verließ das Zimmer und eUf • die Schloßterrasse hinab, wo ihn bereits der Wagefi erwartete. In kurzer Zeit brachte ihn dieser nach der Station. Edwin begab sich nach dem Perron und kam gerade zurecht. Denn Rauchwolken kündigten bereits die Ankunft des Schnellzuges an. Ms dieser in die Station einließ eilte Edwin nach dem Wagen 1 Klaffe, dem die Rottenburgsche Familie, Isolde und Frau Leuchold entfliegen. Gemessen verneigte er sich vor dem Baron und seinen Damen und wandte sich sofort zu Isolde, die er herzlich begrüßte. Die Komteß nahm all ihre Kraft zusammen, um nicht gleich zu Beginn dem Vetter ihre unüberwindliche Abnei­gung zu zeigen, und ließ es geschehen, daß er ihre Hand küßte. Sie verabschiedete sich.in herzlichster Weise von Rottenburgs und schritt mit Edwin und Frau Leuchold zu dem gräflichen Wagen. Auf der Fahrt nach Everstein lvar sie sehr einsilbig und ant­wortete auf die Fragen ihres Verwandle» kurz und gemessen. Der Wagen hielt vor dem Schloßporial Isolde verließ ihn tmb eilte in di« Arme ihrer Mui ter. Gras Edwin knirschte mit den Zähnen. Aft feinem Gesicht spiegelte sich unbezähmbarer Haß wie der. Doch er bezwang sich. Als er an feine Tante herantrat, war e: die Liebenswürdigkeit selber. Er folgte den Damen nach dem Zimmer des Schloßherrn. Als Isolde ihren Großvater erblickte, stürzte sie sich mr einem Jubelschrci in ferne Arme und herzte um küßte ihn.

„Du gesiebter, einziger Großpapa, jetzt bin u wieder bei dir. Niemand soll mich mehr von dein« Seite bringen. Pa'chen, goldenes, süßes Pa'chen, w freue ich mich, daß ich wieder zu Hause bin."

(Fortsetzung folgt.)