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Botationrdrnckund Verlag der Fuldaer Ak> Sendrnckerei In Zuld« Fernsprecher Br. 9.

38. Jahrqanff

Fulda, Samstag den 15. April 1911

Erstes Blatt

M 86.

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würden.

Die Herren vergessen, daß die Vergleichung der sozialpolitischen Belastung nur deswegen kein richtiges Bild ergibt, weil gerade die Förderung der Sozialresorm auf der anderen Seite für das Unternehmertum auch nicht gering zu wertende Vorteile im Gesolae bat.

letzten zwei Jahren getrübt war, sich wieder ge­beff ett hat.

** Wehrsteuer iu Rußland. Der russische Finanz­minister unlerdreilete dem Ministerrat eine Gesetzes- Vorlage, wonach alle nicht Wehrpflichtigen während eines »leitraumeS von vier Jahren nach ihrer Be­freiung von der Wehrpflicht eine militärische Ab- gäbe von jährlich sechs Rubel zu entrichtm haben.

gestellt ist. Um die Grundlagen hierfür zu schaffen, soll bei der Regierung die Ausarbeitung einer authenti» scheu vergleichenden Darstellung der sozialpolitischen Be­lastung in den wichtigsten Exportindustriettaaten bean­tragt werden. Es soll dies geschehen im Anschluß an die Stellungnahme des Handelstages zum Entwurf des Gesetzes über die Versicherung der Privat an ge­stellt en, den die zuständigen Ausschüffe verwerfen, während sie sich mit dem Ausbau der Invalidenver­sicherung in dieser Richtung einverstanden erklären

Wegen des hl. Osterfestes wird die nüchste Rümmer der,Fuldaer Zeitung erst am Dienstag ausgegeben.

„Bei der Bankfirma I. H. Pistorius in Hil­desheim (die in Zahlungsschwierigkeiten geraten ist) hatte auch der jetzige KardinalKopp, früher Bischof (soll heißen: Generalvikar) von Hildesheim, ein Gut­haben von, wie verlautet, 400,000 Mk. Er soll sich be­reit erklärt haben, auf diese hohe Summe im Interesse der kleinen Gläubiger zu verzichten."

Ob in einem ähnlichen Falle ein liberaler Kapi­talist ebenso handeln würde?

♦♦ Neber die Lohnverhältnisst und Arbeitszeit der Rechtsanwaltsgehilfen hat das Reichsjustizamt vor einiger Zeit Erhebungen angestellt. Diese haben zur Zusammenstellung einer Statistik gedient, die zwar etwas lückenhaft ist, immerhin aber der,Postt zufolge erfreulicherweise erkennen läßt, daß die wirt­schaftliche Lage der in den AmvaltSdureauS Be­schäftigten, vor allem, waS die Länge der Arbeits­zeit angeht, sehr viel günstiger ist, als man an­genommen hatte. Eine besondere gesetzliche Regelung der Arbeitsverhältniffe bei den Anwälten soll daher nicht erforderlich sein.

* Telefnnkenstation für Togo. Nach Be­willigung einer Telefunkenstation für Kamerun schweben jetzt Verhandlungen für die Errichtung einer gleichen Institutes für Togo. Hier walten aber große Schwierigkeiten ob, die in den athmoshpärischen Verhältnissen deS Gebietes ihre Ursache haben. Gelingt eS, sie zu überwinden, so wird wobl eine Telefunkenstation in absehbarer Zeit auch in Togo errichtet werden können.

SkichStagSwahlvorbereittmgm.

** Mit den liberalen Wahlverstäudtguugen scheint eS doch noch sehr zu hapern. Aus Tilsit wird gemeldet, daß die dortigen Natiouallideralen ent­gegen dem Kompromiß der Zentralleitungen be­schlossen haben, die rechtsstehende Kandidatur des früheren Minister« v. Moltke zu unterstützen. Zu einem von den Blättern gemeldeten Kompromiß bett, die Wahlkreise Wittenberg und Torgau bemerkt dir ,Boff. Ztg.', daß die Meldung nach ihrer Kenntnis der Verhältnisse nicht richtig sein könne. Recht eigenartig würde daS Geschäft ja sicher st in. Der Wahlkreis Wittenberg, der den Nationalliberalen zugesprochen worden sein soll, ist durch den frei­sinnigen Abg. Dove vertreten, der Wahlkreis Torgau, der fortschrittlicher Besitz werden soll, wird zurzeit von dem nationalliberalen Abg. Wilde vertreten.

vallerleregiment.

So weit die halbamüichen Nachrichten über die Lage im Winzergebiet. Aus den Nachrichten der Son- derberichterstatter der Pariser Blätter geht hervor, daß sich die Winzer zu einer Armee zu- sammengeschlossen haben, deren Sammel­punkt Ay war. Rach Aussage aller ist es nur der Geduld der Truppe, die sich von den Winzern sehr viel gefallen ließ, zu danken, daß es keine Toten gab. Aus allen Dörfern begaben sich im Laufe des Mitt­wochs die Winzer nach Ay. Auf dem Wege tourben zahlreiche Weinberge in Brand g e- steckt, was umso besser gelang, als die Reben jetzt noch mit Stroh bedeckt sind. Am meisten sollen die Weinberge des Hauses Most Chandon heimgesucht worden sein. Ungefähr 10 Hektar Weinreben, die diesem gehören, wurden durch daS Feuer vernichtet. Schließlich langte der Zug gegen 11 Uhr vormittags in A y an. Voran zogen Trompeter und Trommler. Eine Eskadron des 31. Dragonerregiments und eine Abteilung Jäger zu Fuß versperrte dem Zuge den Weg; die Winzer stürmten jedoch plötzlich in eine Heine Seitengasse und drangen so in die Straßen von Ay ein. In geschloffenen Reihen nnb unter dem furcht­baren Geschrei der den Zug begleitenben und sich wie Hyänen gebärdenden Weiber zog die Menge bis vor das Rathaus. Ein Leutnant an der Spitze einer Kavallerieabteilung versuchte, die Winzer am Weiter- marsch zu verhindern. Auf feinen Befehl zogen die Soldaten die Säbel; da stürzten sich ihnen die Weiber entgegen und stellten sich vor die Pferde Trotzdem ließen sich die Offiziere nicht abschrecken, sondern ga­ben Befehl zum Angriff, und die Manifestanten wurden auseinander getrieben, wobei mehrere Soldaten durch Schläge mtt Rebpfählen erheblich vecketzt wurden. Der Oberst des 5. Ehasseurreaiments Bover. aob hierauf

X Der Champaguerkrieg.

Am Mittwoch unterhielt sich die französische Kammer über den Champagnerkrieg. Sie beriet die Anfragen über die Haltung der Regierung gegen­über der Abgrenzung der Wernbaugebiete. Das Ministerium bestand dabei den Sturm bester, als man vorher annehmen konnte. Der Redekamps um die Abgrenzung der Champagne wütete bis 8 Uhr abends, ohne irgend einen neuen Gesichtspunkt zu Tage zu fördern. Große Aufregung bemächtigte sich der Kammer, als Ministerpräsident Monis die Verantwortung für die gegenwärtige Lage ablehflft, um sie dem Kabinett Briand zuzuschieben. Schließ­lich wurde eine der Regierung günstige Tagesord­nung angenommen. Dte erste Hälfte, die die Ber- mmst der Bevölkerung anruft, „in Ruhe die Lösung der Schwierigketten zu verfolgen, welche die Abgrenz- ungen hervorgerufen haben, wurde nahezu ein­stimmig angenommen. Die zwette Hälfte, die den Ausdruck deS Vertrauens zur Regierung enthält, wurde mtt 323 gegen 97 Stimmen ange­nommen. Heber 150 Abgeordnete, meist der Rech­ten und den geeinigten Sozialisten angehörend, ent­hielten sich der Abstimmung. Mttentscheidend für diesen Ausgang war, daß gegen Ende der Sitzung in der Kammer die Nachricht eintraf, die Lage habe sich weiter drohend gestaltet, die Winzer seien gewaltsam in Evernay eingedrungen, hatten dort mit Raub und Brand gewütet, und für die Nacht seien noch schlimmere Ereignisse zu befürch­ten. Inmitten eines überaus gefährlichen Bauern­aufstandes, der Leben und Eigentum der Bewohner schwer bedroht, wollte man keine Regierungskrise heraufbeschwören und ftimmte deshalb für das Ministerium.

Die Nachrichten aus dem Aufstands- gebiet nötigten die Minister, noch am Mittwoch abends 9% Uhr einen Kabinettsrat abzuhal­ten, der sich bis um die Mitternachtsstunde cmS- dehnte. Nach der halbamtlichen Mitteilung übet die­sen Rat hat bet Ministerpräsident die Depeschen deS Marnepräfekten verlesen,nach denen dte Truppen in der Nacht ohne Blutvergießen die Ruhe in Ä y wie­der Herstellen konnten. Dieses Dorf war von Anfang des Tages an von 12 000 Winzern besetzt, die sich bort stark verschanzt hatten. Die umliegenden Stra- ßen wurden mit Flaschenscherben bestreut, um der Kavallerie die Bewegungsfreiheit zu rauben. Nach den Berichten des Präsekten ist der Oberst eines Dra­goner-Regiments an der Spitze seiner Truppen in Ay eingezogen, ohne daß eine Attake nötig war. Die Meuterer haben sich nach M a r e u i l zurückge­zogen. Der Kriegsminister teilte dann die Bettchte mit, die bei ihm eingelaufen sind. Es wurde ihm ge­meldet, daß während des Nachmittags in der Um­gebung von E p e r n a y vier Dragoner verletzt wur­den. Das Pferd eines Dragoners wurde durch ein Sprenggeschoß getötet. Hierauf beschloß der Mi- nifterrat, zur Verfügung des Marnepräfeften so viele Truppen zu stellen, tote er nötig habe, um im ganzen Gebiet die Ordnung wieder heizuftellen. Der Prä­fekt hat jetzt schon acht Kavallerieregimenter und drei Jnfanterierregimenter zur Verfügung. Während deS Nacht reisten weitere Met Regimenter ab, somit be- Nachmittags erhielten weitere vier Kavallerieregimen­ter dringenden Marschbefehl nach Epernay. In der Nacht reiften weitere zwei Regimenter ab, somit be­liefen sich dte militärischen Kräfte, die der Präfekt zur Verfügung hat, auf 15- bis 16000 Mann. Zum Schluß wurde der Ministerrat von einem schweren Vorfall in Bar-sur-Aube in Kenntnis gesetzt. 150 Personen drangen in die Unterpräfektur ein und einer davon schlug den Unterpräfekten. Jnfolge- dessen hat die Regierung beschlossen, Mei Regimenter in die Stadt zu senden, ein Infanterie- und ein Ka-

♦* Weitere Ausgestaltung der Bekämpfung des Schmutzes in Wott und Bild. Von der preußischen Regierung ist eine weitere Ausgestaltung der Be­kämpfung de- Schmutzes in Wott und Blld in An- gttff genommen worden, die sich vor allem auch auf die Verfolgung der auswättigen Schmutzhändler be­zieht. Die Blätter berieten darüber:

Erfreulicherweise Haden sich die meisien fremden Staaten zu einem Vorgehen gegen die Händler »er- standen. ES sind fett der Einrichtung deS provisorischen DezernatS zur Bekämpfung des Schmutzes im Berliner Polizeipräsidium, das unter dem Kriminalkommissar v. Behr steht und am 28. Januar d. Js. eingerichtet wurde, etwa 70 auswärtige Händler angezeigt worden. Das genannte Dezernat hat dis jetzt fett seinem Be­stehen nicht weniger alS rund 80000 Postkarten in Berlin beschlagnahmt und besonders erfreulich ist es, daß die Gerichte hiisichtlich der Bekämpfung des Schmutzes durchaus auf dem Boden der Staatsanwalt­schaft stchen. Die zum Teil gegen die Beschlagnahme eingelegten Revisionen hatten ohne Ausnahme keinen @rfolg, sondern es erfolgte Verurteilung. In Anbe­tracht der Kürze der Zett, feit der ein schärferes Vor­gehen auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen deS § 184 Abs. 1 und 3 erfolgt, fallen die Strafen zunächst milde aus. In nächster Zett beabsichtigt man, gegen verantwortliche Redakteure vorzugehen, die offensichtlich unzüchtige Bilder oder Anpreisungen von Mitteln zur Verhütung der Empfängnis in ihren BNItern zulaflen. Eine Reihe auswärtiger Witz- bl ä t t e r ist bereits wegen derartiger Anzeigen beschlag, nahmt worden. Schriften, in denen solche Mittel an» gepriesen werden, sind bereits zentnerweise be­schlagnahmt worden, ebenso ganze Wagenladungen von Aktwerken und Porzellan. Eine besondere Be­wandtnis hat eS mit einem Vorgehen gegen den „SimplizifsimuS", dessen Verlag von München nach Stuttgart verlegt wurde. Nach württembergischern Recht gehören Preßdelikte vor das Schwurgettcht, das bisher bei derartigen Anklagen stets freisprach.

* Die 400,000 Mark des Kardinals. Die „Fr. Zig." berichtet im Handelsteil unter „Zahlungsein­stellungen":

und voll: Auferstehung des Fleisches und ein ewiges Leben!

Für das vernunftbegabte Lebewesen ist der schreck­lichste der Schrecken die Vernichtung seines Lebens, das Ende seines Seins, der Tod. Für den Chri­sten gibt es eben keinen Tod mehr im entsetzlichen Sinne der Vernichtung. Was man Tod nennt, ist nur der Ilebergang zu einem besseren Leben, zum Wahren und ewigen Leben. Wie kurz und kräftig, wie klar und schön wird das auSgebrüdt in der Osterpräfation: durch seinen Tod hat er unfern Tod besiegt und durch seine Auferstehung das Leben wie­derhergestellt.

Das Ostergeheimnis bildet den Grenzstein zwi­schen den zwei grundverschiedeneit Weltanschauun­gen. Die „Aufgeklärten", welche in dem irdischen Erdenwallen, im Diesseits die Erschöpfung und Vollendung des persönlichen Daseins finden, kom­men aus den Nöten und Aergernissen dieser jäm- Merlichen Erdenwelt nicht hinaus sie suchen berge- •jene nach Befriedigung ihrer besseren Triebe, nach Zufriedercheit chres .Herzens. Die bertotrrenbett und quälenden „Wellrätsel" suchen sich aber in wohltuen­der Harmonie auch für die überzeugten und folge­richtigen Christen, die das mühselige Erdenwallen sals die Reise in das gelobte Land, in das glückselige und friedvolle Jenseits betrachten und behan­deln. Für sie bedeutet Ostern nicht bloß die Er- tofuitg von der Schuld, sondern auch die Er- Töfung von dem Unglück. An den Frieden des Gewissens fügt sich die Zufriedenheit des Herzens, has in allem "irdischen Mißgeschick nur eine vorüber­gehende Priifuitg, eine Vorbereitung für die ewige Glückseligkeit sieht.

Die Auferstehung Christi bildet die Grundlage per tröstlichen und beseligenden Jenseitsreligion. Cs ist kein Zufall, daß die Vorkämpfer des Unglau- öeus gerade an dem Osterwunder ihre zersetzenden Dünste üben. Und ebenso ist es kein Zufall, wenn Diejenigen, die boit der Zweifelsucht zum halben ober tanzen Unglauben verführt sind, angesichts der Be- Ireb ungen des obersten kirchlichen Lehramtes zur Abwehr der zersetzenden Philosophie, welche die Realität der Heilstatsachen in subjektive Gefühle jtnb hohle Symbolik auflösen will. Wir aber wol- ckn gegenüber den falschen Zeitströmungen um so entschiedener festhalten an der vollen Wahrheit und der lebendigen Wirklichkeit des Glaubensschatzes und her Glücksgitter, die uns der auferstandene Erlöser ieschert hat und täglich neu darbietet. Und wenn bie „moderne W;lt" sich an dem Feuer „erbauen" oill, das Leichen verbrennt, so suchen wir unsere Freude an dem alten, schönen O st e r f e u e r, das Sie Lebenden erwärmt und die Gräber der Voraus- {cgcngeitcn verklärt mit den Strahlen der Hoffnung nf die Auferstehung und das ewige Leben.

ben Befehl, sämtliche Zugänge zum Dorfe abzusperren. Ilm 2 Uhr nachmittags nahm die Meuterei einen wahrhaft revolutionären Charakter an. Schon um 11 Uhr hatten sich etwa 5000 Winzer nach der Rue Garnbetta begeben und die Villa des Champagnerhändler» Gautier gestürmt. Trotzdem die Dragoner sie mtt Säbelhieben auseinander trie­ben, ließ sich bie Menge nicht abschrecken, erbrach die Tore und drang in bie Villa ein. Dort hausten sie wie wll, erbrachen die Geldschränke, warfen die Möbel zttm Fenster hinaus, die Weiber zerschnitten die Betten und bie kostbaren Sessel. Eine Abteilung Kavallette jagte auf die Menge ein, die sich nach einem benach­barten Hügel zurückzog. Nach dem Sturm auf die Villa Gautier zog ein Haufe von ungefähr 800 Mann nach dem Boulevard du Nord. Hier befinden sich )te Häuser und Magazine von sechs großen Champag- nerfirmen. Das erste Opfer war hier die Firma Deutz u. Geldermann. Die Gebäude und Weinläger tour­ben erstürmt; in wenigen Minuten waren die Fäff« eingeschlagen und tausende von Flaschen zertrümmert. Der Wein floß in Strömen auf der Straße und bil­dete dort einen förmlichen Vach. Plötzlich schlugen au8 ben Fenster Flammen hervor. Die Meuterer hatten alles mitPetroleumbegossen und das Hans mit sämtlichen Einttchtnngen in Brand geftecft. Inzwischen waren an den beiden Eingängen zu dem Boulevard Barrikaden erttchtet worden. Ohnmächtig standen die Reiterabteilungen zu beibett Seiten der Straßeneingänge, konnten aber angesichts der unübersteigbaren Hindernisse daS VernichtungS- toed nicht hindern. Ungefähr 2000 Winzer verübten nun ihr Zerstörungswerk weiter. Flammen und mäch­tige Rauchsäulen züngelten in der hellen FrühlingS» sonne empor. Ein ähnliches Schicksal wie die Firma Deutz u. Geldermann hatten sechs andere Cham- pagnerhauser. Weinfässer, Bottiche, Kufen, mtt vielen taufenben von Hektolitern Champagner gefüllt, würben eingeschlagen. Die Höfe schwam- men im Wein, und aus ben Häusern schlugen dir Flammen heraus. Die Möbel, Bücher, Schreib­maschinen usw., kurz alles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde aus den Fenstern geworfen; auf bet Straße wurden die Trümmer angezündet. Vor dem Champagnerhause Biesinger, einet großen, schloßattigen Villa, erttchteten die Winzer einen Scheiterhaufen, und bald stand das ganze Schloß in Flammen. Währenddessen wurden die Weinkeller eingeschlagen. AuS den Fenstern schleuderten die Rasenden daS Mobiliar auf die Straße, selbst ein Ktttderwagen und Wäsche blteben nicht verschont. In der Nacht bot A y einen schauer­lichen Anblick bar. Die Hauptstraße ist auf eine Strecke von 80 Km. eine Branbftä11e, Der Geruch von verbranntem Geflügel, bas die Winzer mutwillig ins Feuer warfen, erfüllte die Straßen. In der Nacht kam in dem Dorf mili- tärische Verstärkung an. Es gab noch einige Zu­sammenstöße, aber die Winzer mußten sich zurück- ziehen, wobei sie chre Verletzten mttnehmen konnten. — Am anderen Morgen bot bas Dorf A h einen jämmerlichen Anblick bar. Die in Brand gesteckten Häuser rauchten noch. An verschiedenen Gebäuden drohten die Mauern einzustützen, so daß Vorsichts­maßregeln getroffen werden mußten. Die Straßen waren noch gefüllt mit den Trümmern der halbvet- brannten Barrikaden. Der in dem Dorf entstan­

dene Schaden wird auf einige Millionen Franken geschätzt. Die Zahl der hier zertrüm- metten gefüllten Flaschen wird auf 6 Millionen ge­schätzt. — In Moussy drohten die Winzer die Häuser der Krämer zu zerstören, wenn sie Nah­rungsmittel an die Truppen verkauften. In V i - nab wurde das aufmarschierende Militär durch starke Barrikadefl aufgehalten. Die Winzer ließen indes die Soldaten ruhig die Hindernisse au? dem Wege räumen. Diesen Augenblick benutzte ein wei­terer Trupp, um in dem Keller eines Händlers alle- kurz und Hein zu schlagen und etwa 1000 Hektoliter Wein auslaufen zu lassen. Vergebens hatte der Händler den Winzern 5000 Franken geboten, wenn sie seine Keller nicht angriffen. In Evernay wur­den im Laufe des Vormittags ohne Wiberstand etwa 20 Verhaftungen borgenommen. Die fangenen wurden nach Reims beförbert und nach kurzem Verhör eingefperrt.

Der Präfekt hat entgegen den . Ratschlagen der Parlamentarier ben Haupträdelssührer der ganzen Meuterei, Moreau, verhaftet, und das ganze Komitee, dem dieser Vorstand angehött, soll festgenommen werden. Die meisten Verhafteten hatten Beute von den Plünderungen bei sich: Bron­zen, Gemälde usw. Erleichtert wurde den Meu­terern ihre Zerstorungsarbeft dadurch, daß einzelne Weinlager weitab von den Dörfern und Stabten liegen. So z. B. wurde das nächst dem Dorfe Avise gelegene Weinlager von Beron-Magot plötzlich überfallen und zerstört. In Vinay konnte eine Halbkompagnie des 155. Regiments nicht ver­hindern, daß die mtt Knüppeln bewaffnete Menge das Haus eines der dottigen Weinproduzenten de- moliette und Wein aus fünfhundert Stückfässern in die Straße ablaufen ließ. DaS Militär kam zu spät, ba es viel kostbare Zeit durch Zerstörung emer gut verteidigten Barrikade am Dorfeingang verlor.

♦* Paris, 14. April 1911. Vorläufig haben fetzt die Winzerunruhen in der Champagne ihren Ab­schluß erreicht. ES roirb behauptet, für bie Gewatt- taten seien Agitatoren verantwortlich, die nicht zur Winzerbevölkerung gehörten. Die delegierten bet Winzer von sechzehn an ben Unruhen beteiligten ©emeinben erklärten, ihre Aufgabe fei, zu pro- te|ti.ren; Brandstifter gebe es unter ihnen nicht; die Plünderungen und Bränbe feien, wie man be­weisen könne, das Werk von Anarchisten, die au§ anderen Gegenden gekommen seien und sich unter die Winzer gemischt hätten. Aus den Einzel­heiten über die Plünderung und Verwüstung der einzelnen Kellereien und Fabriken in Ay ergibt sich jedoch, daß die Winzer, die diese Gewalttaten ver­übten, von ßeuten geführt wurden, welche die Lokalitäten sehr genau kannten. Es erhält sich auch in der Gegend der Eindruck, den die Pariser Zei­tungen allerdinaS nicht zum Ausdruck zu bringen

f Osteraedauken.

„Friede sei ihr erst Geläute". Dieses Schluß- wort aus dem berühmten Liede gilt von den Oster­glocken in ganz besonderem Maße. Ihr ftoher Klang trägt die beglückendste Friedensbotschaft von der Höhe in die Häuser und Herzen. „Friede fet mit euch" — lautet der Gruß des Auferstandenen.

Wo finden wir den Osterfrieden? Sind die Feindseligkeiten unter den Nationen und die Kriege &r Staaten gegeneinander aufgeräumt? Lewer noch nicht. Ist der Friede unter den Glaubens­bekenntnissen, zum wenigsten zwischen den Reli­gionsgemeinschaften, die ben Namen Christi fuhren, begründet und gesichert? Leider auch noch nicht. Und tot politischen, sozialen und wirtschaftlichen Leben gibt es auch immer noch Gegensätze, Zwi­stigkeiten und Zusammenstöße. Aber trotz alle- dem hat das Friedenswerk des Erlösers eine Fülle von Zufriedenheit über die Erde ansgegossen; der Friedenswunsch des Auferstandenen hat milliarden- fach feine Erfüllung gefunben und findet sie noch. Natürlich in ben Herzen derer, welche die Osterbot- schaft gläubig aufnehmen und zuversichtlich beken­nen: der Auferstandene wird auch mich auferstehen lassen.

Der Osterfriede ist kein Eindringling, sondern er pocht und wartet, ob ihm aufgetan wird. Nur denen, die eines guten Willens sind, gill die Ver­heißung des Friedens.

Die Mängel und die Drangsale in dem irdischen Jammertale dauern fort; aber sie vermögen das innere Glück des echten Christenmenschen nicht zu erschüttern. Sein Seelenfrieden wurzelt nicht in dem minderwertigen Diesseits, sondern in dem fruchtbaren und festen Boden des Jenseits. Die Mißstände des irdischen Lebens haben ihre vergif­tende und erdrückende Kraft verloren gegenüber den hossnungsfrohen Anwärtern auf das ewige Le­ben ' Und gerade die Osterglocken verkünden klar

Ausland.

** Dem König Ferdinand von Bulgarien hat Kaiser Franz Joseph den Orden des Gol­denen Vließe- verliehen. Diese Ordens­verleihung zeigt, daß das Verhältnis zwischen dem König und dem Wiener Los, da- in den

deutsches Reich.

* Berlin, 14. April 1911. Auf Korfu besuchte hie kaiserliche Familie die Ausgrabungen bet dem Dorfe Garitza. Gestern traf bie Königin-Mutter Eon England an Bord der Dicht „Viktoria anb tibert em. Der Kaiser begab sich mit bem König bon Griechenland und der königlichen Familie an Borb der „Viktoria and Albert', wo sie etwa eine Stunde verweilten. — Im nächsten Monat werden «r Landwirtschaftsminister Frbr. v. Schorlemer- fieser und der Finanzmin-fter Dr. Lentze eine )rientierung2rcife in verschiedene Moorgebiete mternehmen. Man darf annehmen, daß diese Reise üt ben angekündigten staatlichen Maßnahmen zur Erschließung der Moore und Oedlänbereien im Zu- ammenhang steht. — Ter Gesamtvorstanb deS ^deutschen Richterbunbes hat beschlossen, ben Citen deutschen Richtertag am 13. und 14. Sep- ber b. Js. in Dresben abzuhalten.

(V Ein Vorstoß gegen die Sozialpolitik. Die vereinigten Kommissionen deS Deutschen Handelstages für Sozialpolitik und Klein- handel haben kürzlich den Beschluß gefaßt,

der Reichsregierung gegenüber auss schärfste zu betonen, daß neuen sozialpolitischen Plänen nicht eher nähergetreten werden dürfe, als bis der Ausgleich zwischen unserer sozialpolitsschen Betastung ! und derjenigen unserer Konkurrenzftaaten her- Um hi» (ÄYitnhf<tn»n hi»rfftr ui