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Maer W

»SÄ w-ch-Miws-: .Mustriette Sonntagsjettung"

38. Jahrqanq

Fulda, Donnerstag den 13. April 1311

Erstes Blatt

nicht

sie jetzt Herr Dr. Nötiger in die Welt kchlckt mehr geschrieben werden dürfen.

geführt, daß der Chef der Buchhaltung deS Ministeriums des Aeußeren, Herr Hamon, fernes Amtes enthoben worben ist. Die Prüfung der Rechnungsabjchiüfse soll Unregelmäßigkeiten in der Gelbgedarung in Höhe von 400000 Franc­ergeben haben.

* Die Briefe der englischen Spione Trench und Brandon an den Präsidenten der englischen „Schiedsgerichts- und Friedensliga", Moscheles, in denen beide Offiziere, wie berichtet, sich über die An­nehmlichkeiten ihrer Festungshaft in Glatz und We­sel anerkennend aussprachcn, werden jetzt von Bran­don und Trench dementiert. Moscheles be­hauptet jedoch nach wie vor, daß er die beiden Briefe tatsächlich erhalten haben.

♦♦ lieber die Sage in Marokko gab der Minister des Aeußem C r u p p t in der Kommission für die I auswärtigen Angelegenheiten der französischen Depu­tiertenkammer eine Erklärung. Er versicherte, daß kein Grund zur Beunmhigung vorhanden sei. Nach Mel­dungen aus dm letzten Tagen habe sich die Sage merklich gebessert infolge der Unterstützung durch die sianzöstsche Milftärmiffion und der Geld­mittel, die der Sultan erhaltm und zur Auszahlung des rückständigm Soldes an die Truppen verwandt habe. Cruppi glaubt, daß die Sage sich noch weiter bessern wird, well die Stämme unverzüglich in die Heimat zurückkehren muffen, um sich der Feldarbeit zu widmm, da die Erntezeit herannaht. — Der Kaid Abbas Humian des Stammes der Med Sbeita ließ mehrere Eingeborene töten, von denen einer ein deutscher Schutzbefohlener und vier spanische Schutzbefohlene sind, während der Sohn eines anbeten Getöteten unter französischem Schutze steht. Die ge­samte Habe der Ermordeten fiel dem Stannne zur I Beute. Der Stamm der Uled Amran setzte seinen Kaid ab und steckte sein Haus in Brand. Der Kaid floh nach Marrakesch. — Die 8 age um F ez ist noch immer dieselbe. Der Sultan hat aus Furcht vor einem überraschenden Angriff den Palast in Fez ver- laffen und in einem Hause im Zentrum der Stadt Wohnung genommen. Die Soldaten, die in den letz­ten Kämpfen gefallen sind, wurden von den Rebellen in den Fez-Fluß geworfen, sodaß sie in die Stadt hinabgeschwemmt wurden, um deren Bewohnern das Trin kwasser zu verekeln. Die Berberstämme, welche die Stadt belagerten, haben ihre Frauen und Kinder kommen lassen und bauen ihnen Hütten in der ausgesprochenen Wsicht, nicht eher zu weichen, als bis Fez gefallen ist. Rach einer Meldung der „Times" aus Tanger find 3000 Mann spanischer Trup­pen in südösüicher Richtung von Mellila abmarschiert. ! Alle Vorbereitungen für dm aktivm Dienst sind ge­troffen. Es verlautet, eine Brigade sei nach Alhuc«- mas abgesandt rootben.

+ Tic armen Nationalliberalen!

Sie sind wirklich zu bedauern. Kein Fehl be­lastet ihre uuschuldsvolle Seele, und trotzdem sind sie dm hefligstm Angriffen, den ungerechtestm Schmähun­gen ausgesetzt. Zmtrum und Konservative haben sich verschworen, sie niederzumetzeln, und nicht eines Kindleins soll geschont werdm.

Auf diesen Ton sind die Artikel geftimmt, die man gegenwärtig zu Hunderten in der nationalliberalen Presse findet. Besonders fruchtbar nach dieser Rich­tung ist der nationalliberale Parteischriftsteller Dr. B ö t t g e r, ehemals Mitglied des dmtschm Reichs­tags und gegenwärtig, wenn Wit nicht inen, wenig­stens Reichstagskandidat. In einem Beitartilel der Nationalzeitung beschäftigt er sich mit dem Verhältnis 'tion Rationalliberalm und Konservativen und macht da die Entdeckung, daß Konservative und Zentrum es auf die Bekämpf ung b er Nationallibe- ra le n abgesehen hätten. Uns ist davon nichts be­kannt, vielmehr toiffen wir, daß unsere Richtlinien für den Wahlkampf ausdrücklich dahin lauten, natio­nalliberale Kandidaten unter Umständen positiv'zu un­terstützen. Das kann man doch nicht Bekämpfung um jeden Preis nennen. Me Voraussetzung der Klagen des Herrn Dr. Böttger wird damit hinfällig, und an­gesichts beffen erscheint seine Berufung auf — Nietzsche: „Jede einzelne bebeutsame Persönlichkeit, jede große Bewegung wird legitimiert durch die Größe und Zahl ihrer Feinde" als ettle Großsprecherei.

Das ist vielleicht der Hauptfchler der nationallibe- raltn Partei, ihre maßlose Selbstüberhebung. Die Herrm glauben an ihre eigene Unfehlbarkeit und Unersetzlichkeit. Ein Gesetz, das ihre Zustimmung nicht 'gefunden hat, ist damit ohne weiteres als schlecht et-

bung finden konnte.

** Aus Landsberg a. W. wird der Deutschen Tagesztg/ zur Berichtigung einer kürzlich durch die Blätter gegangene Mitteilung geschrieben:

„In Nr. 185 Ihrer werten Zeitung lese ich soeben, daß der hiesige Magistrat und das Stadtverordneten, kolleginm den katholischen Religionsunter­richt in den Lehrplan der Bürger- und Mittelschule aufzunehmen, mit der Begründung abgelehnt haben sollen, daß die Geistlichen den Moderntsteneid geschworen hätten. Die Nachricht ist unrichtig. Der Magistrat trat für die Erteilung des Unterrichts ein. Die Stadt­verordneten lehnten die Vorlage ab, da die Stadt dazu nicht verpflichtet sei. Vom Modernisteneid ist nichts erwähnt worben.”

Damit entfallen also die an die letztere Mittei­lung geknüpften kritischen Bemerkungen. Interessant aber wäre es immerhin zu erfahren, aus welchen Gründen die Landsberger Stadtverordneten den

trfakut täglich mu Auruahlue der $ojn- «nd Feiertags viertei- Mrlichervemarprek ohne vriugertohn und VefteLseldinzuldaio. wieau«»ärtrl.soÄU.

Oeramt». Redakteur: «ark Schütte,

wiesen, umgekchrt, die Forderungen, die s l e stellen, die Anregungen, die sie geben, schließen den Urgrund der Staatsklugheit und der Zweckmäßigkeit in sich. Wenn einer nicht daran glauben will, bann wirb er al« „nicht national' verächtlich abgewiesen. Und daß man'bei der Finanzreform gewagt hat, daraus einmal Emst zu machen, die nationalliberalen Anmaßungen zurückgewiefen hat, daher rührt der ganze Kummer und der ganze Zwist.

Nicht die Kouservatweu und daS Zentrum haben die Rationalliberalen angegriffen, dazu bestand wirk­lich gar kein Grund, sondern die Rationallibe- taten warm die Angreifer, aus welchen Beweg- grimben, sei nicht Wetter erörtert. Wmn bann bie Antwort kam, klagten sie über baS „Unrecht', bas Urnen angetan werbe. Wer hat bei bet letzten Debatte im Reichstage den Hartbschuh geworfen? Nicht bas Zmtmm, nicht bte Konservativm, erst Herr Basser- mann fühlte sich bewogen, ben Streit zu erneuern. Allerdings tn einer so unglücklichen Form, daß selten ein Parteiführer sich so öffentlich den Nachweis barer Unkenntnis und durch keine Wissenschaft gewürzten PhrasmdmscheS hat müssen führen lassen wie damals der Führer der Ratlonallibemlen. Herr Soff ermann genießt bei seinen Getreuen das Ansehen, daß er die Partei sei. In einer Beziehung kann dem nicht widersprochen werden: er ist in Wahrhell der ThpuS der spezifisch nationalliberalm gespreizten Ruhm- redigkett.

Die nattonalliberale Partei befindet sich zur Zeit in einem Zustand der Gämng, und wir hoffen, daß sie nach dem emüchtemdeu Sturzbad der Reichstags­wahlen zur Selbstbesinnung und Selbstbescheidung kommen wird. Daun werden allerdings Artikel, wie

Wegen des hl. Karfreitag wird die nächste Nummer der,Fuldaer Zeitung erst am Samstag ausgegebe«.

unter blieben. In den letzen drei Jahrm warm zu, verzeichnen 1908 28, 1909 24 und 1910 23 Fälle. Wenn diese Zahlen auch über den Jahresdurchschnitt erheblich heraus gehm, so ist dabei die außerordenlliche Zunahme der Schüler an höherm Sehranstaltm zu be- rücksichtigm. Auf 100000 Schüler entfallen in den I letzten drei Jahren im Durchschnitt je 11 Fälle, eine Zahl die in früheren Jahren bereits 6mal überschrit- ten ist, und zwar am höchsten im Jahre 1889. Die vorgekommenen Fälle vertellen sich mcht gleichmäßig auf die Monarchie, vielmehr entfallt eine sehr hohe Zahl auf die großen Städte, und zwar erheb­lich mehr, als nach der Schülerzahl zu erwartm wäre. Von dm in ben letzten 10 Jahrm vorgekommenen 210 Fällen entfallen 43 auf Berlin. Währmb man früher annahm, baß bie humanistischen Anstaltm an ben ] Schülerselbstmorbm in höherem Maße beteiligt wä­rm, zeigt bie Statistik bet letzten Jahre eine größere Zahl an ben Realanstalten. Es sei noch bar- auf hingewiesen, baß nach bei amtlichen Statistik unter dm Schülern der höherm Sehranstaltm der Selbst­mord bei weitem nicht so häufig vorkommt wie bei der gleichaltrigen Gesamtbevöl­kerung. Me amtlichm Ermittlungm, die über jeden einzelnen Fall angestellt werdm, habm festge­stellt, daß nur in einer ganz geringen Zahl von Fällen die Ursachen des Selbstmordes mit der Schule in irgend welchem Zusammenhang stehm. AuS diesem Gmnde hat auch bereits Professor Hamack dm beachtenswerten Vorschlag gemacht, nicht von Schüler- selbstmord zu sprechen, sondem vom Selbstmord Ju­gendlicher, um nicht unsere Schulen mit einem Odium zu belasten, das sie nicht verdienm. Zu dm Selbst- mordfällm am Seipziger Königin Karola-Gymnafium sei noch erwähnt, daß der Primaner Naundorf orga­nisierter Sozialdemokrat gewesen ist. Es ist wohl nicht verwunderlich, daß er bei dieser Partei der Vev- netnung und des Materialismus keine innere Gesun-

‘ÄB—BS—ase

M 85.

a Karfreitag.

Wen» die erschüttrmdm Ereignisse von Jerusalem sich vor unserem geistigen Auge wiederum abspielen, so erstaunm wir immer von neuem über die Ver­blendung des Volkes, das sich gegen feine besten Freunde und Wohltäter aufwiegeln ließ, und wir entsetzen uns immer von neuem über die Bos­heit der Volksverführer, die erbarmungslos dm edelsten Menschen an das Schandholz des KrmzeS brachtm, und wir schämen uns immer wieder der Feigheit und Schwäche, welche die berufenen Verteidiger der Wahrheit und Gerechtigkeit in dm kritischen Stunden geigten.

Aber nicht bloß der Rückblick in die Vergangmheit, sondem auch der Umblick in der Gegenwart weckt solche Gefühle. Die Menschheit ist um fast 2000 Jahre älter geworden, aber sie leidet noch unter denselben Gebrechen.

Auch heute sehen wir verblendete Maffm, die sich haben einreden lassen, daß der Helland ihr Feind sei, — die ihren größten Wohltäter zu verachtm und zu schmähen, ihr Heil mit Haß zurückgestoßm gelernt haben. Roch hmte zeigt sich, daß es erstaunlich leicht ist, zahlreiche Mitmenschen zum Unglaubm und zur Feindschaft gegen Christus und sein Evangelium zu verführm. Besonders traurig ist die Erscheinung, daß gerade in dm untern Standm, für die doch das Christentum nicht bloß die ausgleichmde Gerechtigkeit im Jenseits gebracht, sondern auch die menschliche Ebenbürtigkeit und die soziale Befteiung begründet hrt, die Abkehr von dem tröstendm und erhebenden C landen so weite Kreise zieht. Das Volk von Jerusa- se i war urteilslos und widerstandsunfähig gegen di. Sniflüfterungen seiner Verführer. Wmn hmte die Befähigung zum selbständige!! Nachdenken und ruhi­gem Urteil größer wäre, so würden nicht die gewöhn­lichen glaubensfeinblichen Phrasen, die von zahlrei­chen Tribünen und in zahlreichen Druckschriften wie­derholt werden, weithin trotz ihrer beweislosm Seicht­heit einen wahrhaft abergläubischen Anklang finden. Der größte Teil der Ungläubigen ist es nicht durch eigenes Nachdenken, sondem durch Suggestion ge- wordm.

Ausland.

" Die Unregelmäßigkeiten, welche im Rechnungs- buteau des französischen Auswärtigen Amtes au,« .gedeckt worden sind, haben nach der ,Patrie dazu

Me führenden Elemente des Unglaubens haben die Methode des Kampfes gegen das Kreuz und das Evangelium „zeitgemäß" geändert, aber im Wesentlichen ist es geblieben bei der Selbstüber­hebung, die schon vor 2000 Jahren die Gegner des Herrn bekundeten, bei der Rücksichtslosigkeit, mit der sie ihre falschen und aufreizenden Behaup­tungen in die Massen warfen, und bei der Versal- 'gungssucht gegmüber dm Trägem und Anhän- *gem des christlichen Glaubens. Mr Uebermut der Propheten des Unglaubms ist ja heutzutage so weit ’jeftiegen, daß sie jeden, der überhaupt an eine über- > atürliche Offenbarung glaubt, für einen unwissen­schaftlichen, geistig nicht mehr vollwertigen Menschm hirzuftellen und zu behandeln sich vermessen.

Was nun die F e i g h e i t angeht, so ist PilatuS lei et nicht ohne Nachfolger geblieben. Und nicht blo t die Mächtigen und Großen dieser Welt glauben sich vielfach „aus Opportunität” vor dem offenen Eim etm für Glauben und Kirche hüim zu müssen, 'fonbrnt auch die Verleugnung Petri findet unter den Gläubigen selbst manches traurige Seitenstück, da man aus Menschenfurcht sich scheut, die Zugehörigkeü zu dem „Galiläer” sichtlich zu machm, oder gar in einer schwachen Stunde ben Herrn ausdrücklich ver­leugnet.

Wir wollen also beim Rückblick nicht zu scharf aburteilen über die Vergangenheit, sondem uns auch der schweren Mangel und Gefahren der Gegmwart bewußt bleiben und daraus die Nutzanwmdung ziehen: Wir muffen gegenüber dem Ansturm des Unglaubens tapset und fest stehen im Bekmntnis zum Ktmze, in dem Bekenntnis durch Wort und auch die Tat. Wir müssen unter dem Kreuze stehm, wie Johannes.

Wenn der Glaube Schaden leidet in bet Welt, so sinb die schwachen und fündigen Gläubigen mit daran schuld.

Deutsches Reich.

r Berlin, 12. April 1911. Das Danziger Kommando des Kronprinzen soll laut ,Berl. Ztg/ neuerdings sehr zweifelhaft geworden sein, da : die ursprünglich in Langfuhr in Aussicht genommene, vom General von Mackensen bewohnte Villa sür den gesamten kronprinzlichen Hofhalt sich nicht aiS ausreichend erwiesen hat und eine andere geeignete Residenz nicht aufzutreiben war. — Der Reichs­und Landtagsabg. Gras Kanitz-Podangen (kons.) begeht am 17. d. Mts. den 70. Geburtstag. — Ein preußisches Aussührungsgesetz zum Reichsvieh- euchengesetz wird dem Landtage nach Ostern zugehen. Es wird die Zuständigkeit der Behörden, bas Verfahrm, die Entschädigungen der Viehverluste und die Kosten regeln.

** Austritt aus dem Hansabund. In der Generalversammlung der Ortsgruppe Barmen des Hansabundes haben drei Vorstandsmitglieder ihr Amt niedergelegt und ihren Austritt erklärt. Einer der Herren hot den Schritt damit begründet, daß er nicht länger einem Verein angehören könne, noch dürfe, der sich trotz gegenteiliger Ver­sicherung politisch betätige und betätigt habe.

* Die Entfesselung des faror protestantlcus bei den nächsten Reichstagswahlen wird schon jetzt von den Liberalen vorbereitet. Ein natio- nalliberales Wahlflugblatt, herausgegeben vom Nationalliberalen Verein im Kreise Herzogtum Lauenburg verlangt, der .Germania' zufolge, daß der Mann, den die Nationalliberalen in Ratzeburg in den Reichstag wählen wollen, „zuver­lässig national* sei, darum, wird weiter gesagt, soll er sich §auch mit aller Energie wehren gegen päpstliche Uebergriffe auf das Gebiet der Staatshoheit.' Die Herren Nationalliberalen in Lauenburg scheinen nicht zu wissen, daß die Frage des Verhältnisses von Staat und Kirche nicht den Reichstag, sondern den Landtag angeht. Aber daS Wort von der Abwehr „päpstlicher Uebergriffe" Hingt ja so schön für die Ohren der auf­gehetzten Protestanten, obschon in Ratzeburg und Umgegend ein ZentrumS-Kandidat ganz gewiß nicht in Betracht kommen kann. Diese Phrase richtet sich dann auch mehr gegen die Konserva- tiven, als gegen das Zentrum. Auf der zweiten Seite deS WahlflugblatteS wird denn auch die Frage: „Warum wollen wir keinen Konserva­tiven?" an erster Stelle aufgeworfen und an erster Stelle wie folgt beantwortet:

Weil die Konservativen Arm in Arm mit dem Zentrum marschiere». Wir aber wallen, daß das Laub Luthers vom römischen Joch frei bleibt, und wir dulden e» nicht, daß unsere evange­lischen Fürsten und Völker vom Papst schmählich dr- schimpft werben.

Es gereicht dem Nationalliberalen Verein im Kreise Herzogtum Lauenburg nicht zur Ehre, wenn in dieser Weise bei der Wahlbewegung, selbst in einem nahezu ausschließlich protestanti­schen Kreise, mit der Entfesselung deS faror protestanticus eine widrige konfessionelle Hetze getrieben wird. Wie ist daS mit den Versicherungen der national liberalen Abgeordneten in Einklang zu bringen, daß ihnen nichts ferner liege, als eine Störung des konfessionellen Friedens?

(*) Die SchLletselbstmotde. Eine amtliche Stat tsttk, die sich über die letzten 31 Jahre erstreckt, weist, wie die B. N. N. behaupten, nach, daß im Laufe derJahre wtebecholt auf ein Sinken bet Zahl bet Schülersäbstmorbe ein schnelles Aussteigen folgte. In ben 31 Jahrm sinb insgesamt 463 Fälle von Schü- lerselbstmorbm vorgekommm, was einen jährlichen Durchschnitt von 15 Fällen ergibt. Dieser Durchschnitt tft tn ben Jahrm 1883, 1889, 1892, 1897,1903,1907, 1908, 1909 unb 1910 erheblich überschritten, währmb bie Jahre 1882. 1895, 1898 unb 1904 wesentlich bar-

X Der Champagnerkrieg.

®ie Erregung unter den Winzern der Cham­pagne hat Formen angenommen, die kaum noch einer Steigerung fähig sind und sich von dem Zu­stand offener Revolution gegen die Staatsgewalt kaum mehr unterschetdm.

Der Hauptgrund, der vor einigen Monaten schon zu Unruhm führte, war daS Gesetz, daß das Gebiet der Champagne vor der Konkurrmz der südfranzö­sischen Winzern schützm sollte. Die großen Cham- pagnerfirmen in der Campagne bezogen den billigen Wein aus dem Süden, wo eine starke lieber» Produktion herrschte, unb die Preise gedrückt waren. Durch diese billige Wrineinfuhr waren die Winzer in der Champagne schwer geschädigt worden, und auf ihr Drängen wurde in der Kammer ein Gesetz an­genommen, daS den großm Firmm verbot, Weine, die nicht aus dm Reben der Champagne hergestellt wurden, Champagn.r zu nennen. Das Gebiet, das zur Champagne gehören sollte, wurde durch das Gesetz genauer adgegrenzt. So wurde die Bewegung der Winzer in der Champagne zum Stillstand ge­bracht, dafür aber wieder die Aufregung unter den südfranzösischen Winzern bis zur Siedehitze gesteigert.

Dem fortwährenbm Drängm der Vertreter der sübfranzösischen Winzer ist es nun gelungen, dieses Ge­setz, bas bie Chanipagne vor ber Einfuhr bes fubfran zösischen Weines schützt, Sübftankreich bagegen schwer geschädigt hat, im Senat aufzuheben. Dafür lodert jetzt ber Winzeraufstanb fast mit derselben Hef­tigkeit in ber Champagne auf, ben bte Regierung in Subfrankrcich zum Stillstand gebracht hat.

Die Regierung steht ber Sage in vollkommener Hilflosigkeit gegenüber. Der Ministerpräsident befin­det sich zwischm zwei Feuern. Jeber mögliche Schritt bringt einen anbern Teil ber Weinbaugebiete zur Ver­zweiflung unb Empörung. Denn fügt sich bie Regie­rung ben Wünschen ter Champagne, so wirb ber Auf­stand im Süden von neuem ansbrechen; wirb aber ber Wille des Südens erfüllt, wie das jetzt geschchen ist, bann revoltiert ber Norden Diese Sackgasse kann

*♦ Der greife Regent von Abessinien, Ras Tassama, bet für den kranken Kaiser se t zwei Jahren die Regierung führte, ist gestern an einem Schlaganfall gestorben. — RaS Tassama war der nächste Vertraute des Kaisers Menelik, den er im Sommer 1909 allein für würdig hielt, während feiner Krank« beit die Regentschaft und sür den jugendlichen Thron­erben Lidji Jeastu die Vormundschaft zu führen. ES ist ihm während seiner zweijährigen Regentschaft gelungen, seinem Lande den Frieden zu erhalten. Vergeblich habm die Kaiserin Taitsu und ihre Parteigänger mehr alS einmal versucht, ihn auS seiner Stellung zu verdrängen und den Bürgerkrieg zu entflammen.

** Die Wirren in Mexiko. Der Führer der Auf­ständischen, Mabero, hat sein« Truppen aus ihren bisherigen Stellungm im Norden Mexikos zu» sammengezogen. Die Bewegung deutet die Fort­setzung der Feindseligkeiten an. Man be­fürchtet dm Zusammenbruch der Geschäftstätigkeit im Minmdistrikt, wodurch die Aufständischen neuen Zuzug erhalten würden. Präsident Diaz hat die Neuwahl zweier Provinzgouverneure bei völliger Wahlfreihen angeordnet.

Wunsch der katholischen Einwohner, der sogar vom Magistrat unterstützt wurde, zurückgewiesen haben. Die freisinnigen Herren in LandSberg a. W. scheinen von einer praktischen Hebung der Toleranz an­scheinen nicht viel wiffen zu wollen.

* Dresden, 12. April INI. Der König ist von seiner Reise durch den Sudan zurück- gekehrt. Er Iras in Begleitung der Prinzen und Prinzessinnen heute abend mit dem Sonderzuge auf dem Hauptbahnhofe ein.

» Stuttgart, 12. April 1911. Der „StaatSanzei- ger* veröffentlicht einen Erlaß des Königs und der Königin, worin beide vor dem ganzen Sand bezeugen, wie sehr sie durch all bie allgemeine Teil­nahme an ber silbernen Hochzeit unb burch I all bie rühtmbm Kunbgebungm treuer Siebe ergrif­fen sinb unb sich zu unauslöschlichem Dank verpflichtet fühlen. Der überreiche Ertrag bes Blumentages (504000 Mark), zu bem alle Kreise ber Bevölkerung unb bie auswärts lebenbm Württemberger beigetragen haben, habe bas Königspaar mit großer Freube er­füllt. — Der „Staatsanzeiger' veröffentlicht weiter folgendes vom Kaiser zur silbemm Hochzeit bes Kö- nigspaareS eingegangenes Telegramm: Der Kaiserin unb meine (Bebauten toeilen heute bei Euch mit be­sonders herzlichen Wünschen. Gott schütze und segne (Suren Ehebund auch fernerhin.” — Außerdem find Telegramme eingelaufen vom Kaiser von Oesterreich, vom Kaiser von Rußland, vom König von Jtalim, vom König von Sachsm, vom König von Rumänim, vom Prinzregenten von Bayern unb ben meisten beut-1 schm Bundesfürsten.

♦ München, 12. April 1911. Dem bayerischen Landtag wird bei seinem Wieberzusammmtritt eine Regierungsvorlage über Schaffung einer bayerischen Staatslotterie ober einer süddeutschen Lotterie gemeinschaftlich umfassmb Bayern, Würt­temberg, Babm unb Elsaß-Sothringen zugehm. Für welche ber beiben Formen sich bie bayerische Regie­rung entschließen wird, hängt von ben Vorschlägen ab, bie bie vorerwähnten Bundesstaaten Bayern gegen­über machen werden.

Reichstagswahlvorbereitungen.

--> tzerSstld, 12. April 1911. Der abgesägt« fortschrittliche ReichStagskandidat Prosefsor Arndt »st über die ihm angetane Behandlung sehr ver­schnupft und erklärt ößerulich, daß er auS der Fort- schrittlichen Volkspartei austrete unb sich der jung- liberalen Organisation anschließe. Den Beschluß des Frankfurter ProvinzialvorstandeS der Fortschritt- lichen Dolkspartei, seine Kandidalur zugunsten der des Herrn Fiedler, Bebra, zurückzuziehen, sei gefaßt, worden gegen den Willen der Vertrauensleute in Hersfeld, Bebra und Rotenburg, und gegen den Rat angesehener Vertreter der nationalliberalm Partei und des Hansabundes im Wahlkreise selbst, die seine Kandidatur als die bei weitem aussichts­reichere bezeichnet hätten

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