Zeitung
«fuldaer
drei Sätze. Erster Satz: Hüte dich, das Vertrauen
veoyches Reid)
R«r Sberheffen u- »en Hess. Remtern.
♦♦ DaS neue hessische Wahlrecht
Nachdem nunmehr die neue Wahlrechtsvorlage in I dm beiden hessischen Siändekammem Annahme gefunden hat, scheidm im Herbst aus der 2. Kammer aus und sind nach dem neuen Wahlgesetz zu wählen: in der Provinz Starkenburg 10 Abgeordnete, in der Provinz Rheinhessen 7 Abgeordnete und in der Provinz Oberhessen: Ullmann-Vilbel (ntl), Breidenbach- Bad Nauheim (Bd. d. Ldw.), Fenchel-Hungm (96b.), Leun-Gießm-Land (836b.), Brauer-Homberg (96b.), Korell-Ulrichstein (Bbb.), Erk-Nidda (Bbd.) und Bähr-Büdingm (Bbd.) Außerdem ist in den fünf großm Städtm Mainz, Darmstadt, Offenbach, WormS und Gießen je ein Abgeordneter für drei Jahre reu zu wählen. Rach drei Jahrm werben dann diese Städte in 3 resp. 2 Wahlbezirke eingeteilt, die dann je einen Abgeordneten zu wählen haben.
Die 2. Kammer geht nunmehr aus unmittelbarer I Wahl mit geheimer Abstinnnung hervor. Stimmberechtigt sind alle männlichen Personm, die L zur Zeit der Wahl das 25. Lebensjahr zurückgelegt haben, 2. drei Jahre im Großherzogtum Hessen ansässig sind und em Jahr hessische Staatsangehörigkeit besitzm und 3 seit Anfang des Rechnungsjahres, in dem die Wähl statt- fwdet zur Staats- oder Gemeindesteuer herangezogen find. 'Jeder Stimmberechtigte, der das 50. Lebensjahr zurückgelegt hat ist berechtigt, zwei Stimmen abzugeben. Die 2. Kammer wird 58 statt 50 Abgeordnete zählen. Davon «halten die Städte, denen ein besonderes Wahlrecht zusteht, 15 statt 10 und die übrigen
Totengräber der Unschuld demes Kindes durch unvorsichtige Reden. Der -weite Vortrag, gehalten vom Geschäftssührer des Vereins, hatte zum Gegenstand den »Eid gegen die dJloberniften*.
lich heute Strohwitwer. Meine Frau und Bianka ent- sprachen einer Einladung der Gräfin Potocka zu einem kleinen Kaffeeklatsch, und da wissen Sie ja, daß ein Mann bei so etwas nicht gut zu gebrauchen ist. So sitze ich denn hier allein und langweile mich. Umsomehr freue ich mich, daß Sie meiner Einladung ge- solgt sind. Wenn es den Herren recht ist, wollen wir eine Partie Whist spielen. - Gut. Und wie steht es mit einem Tropfen Dalmatiner?"
Onkel, es wird dankbar angenommen, und mein Freund Warren wird diesen edlen Trunk Ivohl auch nicht verschmähen."
Die Herren befanden sich in lebhaftester Unterhaltung. Man lachte und scherzte. Besonders bet Baron freute sich, wenn einer seiner Gaste einen Fchler machte ober gar das Spiel verlor. Edwin und Mortimer mußten es sich gefallen lassen, wenn sie der Baron weidlich auslachte. Gerade wollten sie wieder ein neues Spiel beginnen, als es an die Tür klopfte. Auf die Aufforderung des Barons trat der Zimmerkellner ms Gemach und überreichte ihm eine Karte. Kaum hatte der Baron einen Blick auf dieselbe geworfen, als er erregt aufsprang. „Ich lasse den Herrn bitten." — Der Kellner verschwand. MS sich dir Tüt wieder öffnete, trat ein Greis herein, in dem man auf den ersten Blick einen katholischen Priester erkannte. Baron Rottenburg eilte aus ihn zu und rief fteudig aus: „Willkommen, herzlich willkommen, mein lieber Pater Ximenez. Diese große Freude, Sie wiederzusehen! — Kommen Sie, mein Verehr- testerl Sehen Sie, hier meine jungen Freunde, Herr Rittmeister Baron Warten und hier mein Reffe Lord Mortimer Vochwell. Sagen Sie mir nur, wo haben Sie denn die ganze Zeit geweilt? Graf Eberstein und ich haben uns die größte Mühe gegeben, Ihren Ausent- halt auszufotschen. Jedoch vergeblich."
„Sie hätten Ivohl vergeblich geforscht, He« Baton. Al» ich an dem verhängnisvollen Tage mit dem Assessor das Schloß verließ, wurde ich zuerst nach Kronberg und sofort ins Gerichtsgefangm» gebracht. Am nächsten Morgen wurde ich einem peinlichen Bet- htzt jintsiworfen und lchließlich _ßufgelgrb«t,
Städtebild anpasse. Was die Bauiälligkeit de» Daches anbelangt, so herrschten in der Dachkonstruktion solche Zustände, daß hier dringend eine Erneuerung am Platze fei. Die Balkenlagen und Stützen seien aus den Fugen und böten eine große Gefahr, deshalb fei e» sehr nötig, das Rathaus durch einen Westbau zu stützen und dann an einen zweckmäßigen Umbau heranzugehen. Es wurde beschlossen, 65000 Mk. Vorbehalt- sich einer baldigen Vorlage in den Etat einzustellen.
* Marburg, 12. April 1911. Gegen die neue' Einquartierungsordnung für Marburg, die den Mietern einen großen Teil dieser Lasten aufbürden will, hat der hiesige Mieterverein beim Magistrat Einspruch erhoben. Gegebenenfalls beerb» stchtigt der Mieterverein gegen die Ordnung im Verwaltungsstreitverfahren vorzugehen. — Einen ! glänzend besuchten Familienabend des Volk»* Vereins hatte die hiesige kath. Gemeinde veranstaltet,^ Pfarrer Dr. Weber hielt einen Einleitungsvortrag, worin er in überzeugender Form die geschichtlichen Beweise für die historische Existenz Christi darlegte. Sodann sprach der Franzistanerpaler Dr. theol. Capistran RomeiS über die Persönlichkeit Christi im Streite bet Gegenwart und im Lichte seine» Selbst«
verfrüht.
volkswirtschaftliches und Soziales.
Klagen über hohe Berwaltungskosten bei den sozialen Einrichtungen, die viel- fach erhoben werden, sind nicht immer unberechtigt. In der Tal zehren vielfach die Ausgaben für prunkvolle Verwaltungsgebäude, Aufwand an Gehältern für Beamte usw. einen großen Teil der Beiträge auf. So weist z. B. der Ver- waltungsberichi der Hessen - Nassauischen Bauaewerbberufsgenossenschaflfür 1909 bei rund 1100000 Mark Unfallewschädigungen 236 578 Mark, also fast 21V- Pwz., für Der- walthIgskoflen auf! Es wäre an der Zeit, hierisD Abhilfe zu schaffen.
* Stadtlengsfeld, 12. April 1911. Die Ma- schinensabrik und Eisengießerei Erdmann-Krrcheis in Aue im Erzgebirge, beten jetziger Inhaber, Kommerzienrat Röll, ein gebotener Stadtlengsielder »st, feierte das 50jährige Bestehen unter großer Beteiligung.
* Tiefeuort, 11. April 1911. Der Schachtarbeiter Karl Schäter, meldet kürzlich im Schachte der ®e» wertschast Kaiseroda verunglückte, ist in „Bergmanns- tröst" zu Halle a. S. seinen schweren Verletzungen erlegen. Der .Eisenacher Tagespost' wird dazu geschrieben: „Bei solch schweren UnglückSfäUen wäre es doch wohl angebracht, die Verunglückten nach Eisenach oder Meiningen zu schaffen, damit ihnen schneller und früher Hilfe zuteil werden kann. Das zu erbauende Krankenhaus in Vacha ist daher sehr am Platze."
deine» Kindes zu erschüttern, dadurch, daß du e» nicht genau nimmst mit der Wabrh.it. Zweiter
zeugnisies.
* Ziegenhain, 12. April 1911. Der hier gegtün- bele Verkehrsverein hielt seine erste öffentliche Versammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Oberinspektor v. Ratzmer, verbreitete sich über die Bestrebungen und Ziele des Verein». Zunächst seien eine bessere Bahn- und Postverbindung anzustreben und eine Beschleunigung der Verbesserung der Straße nach dem Südbahnhof, welche erst nach Feriigstel« lung der im übernächsten Iahte zu erbauenden zweiten Schwalmbrücke ausgebaut werden solle, n. v. a. Es erklärten 31 Personen ihren Beitritt, so daß der junge Verein bereits 45 Mitglieder zählt.
* Gudensberg, 11. April 1911. In bet letzten Stadtverordnetenversammlung wurden die Erweiterungsarbeiten des städtischen Wasserwerk» ! sowie die Aufnahme einer Anleihe zur Deckung de» Baukapitals genehmigt. Ferner wurde beschlossen, ben« jenigen Veteranen, deren Einkomnten 1200 Mack jährlich nicht übersteigt, die Zuschläge zur Staatseinkom- menfteuet vom 1 April 1911 ab zu erlassen.
(?) Amöneburg, 11. April 1911. Der diesjährig« Kreis-Feuerwehrtag des Kreises Kirchhain | wird am dritten Oftertag in unserer Stadt abge«
Mittwoch den 12. April Ml-
58. Iavraang.
2. Blatt
vrilck und Verlag der Helba« »eilendruck«»! in Selbe.
Rouet den Potsdamer deutsch-russischen Aer. trag topiette, ben Maimont entwendet und dem Londoner ,Evening Times-zur Veröffentlichung über- ianbt hatte. Um sich eine mildere Beurteilung zu verschaffen, ertlärt Maimont, diesen Vertrag veröffentlicht zu haben, lediglich zu dem Zwecke, Deutschlands Pläne zu durchkreuzen.
** Eine i dimere Niederlage haben bte Türken —------- — ......
in Arabien erlitten. Wie das Reuter'sche Bureau dem Magistrat fein Gutachten. Er hielt den vorn
aus Perim meldet, berichten Eingeborene, die aus Stadtbaurat auSgearbeiteten Entwurf für richtig,
dem Innern dort angekommen sind, daß eine türkiiche weil er sich dem historischen Gebäude und dem
Truppenableilung von 1800 Mann durch etne । h,e Ramallmkeit be»
Kriegslist ihrer Gegner vernichtet worben sei. j'aberi soll vor zwölf Tagen genommen worben sein. Von den dort liegenden drei türkrschen Regt- mentern sollen nurfünfzehnMannentko mm e n sein Nur El Toig und Sana würden noch von den Türken gehalten. Die Meldung von der Nieder- I roerfung des Aufstandes in Arabien war danach
schristliche Erklärung des Inhalts zu unterfdjreiben, daß ich nie mehr versuchen würbe, ins Land zurückzw kehren. Ms ich mich aber dessen weigerte, würbe ich zu ein« sofort zu verbüßenden Gefängnisstrafe voll drei Tagen verurteilt. Man führte mich ab. Rach Verbüßung mein« „Strafe" würbe ich nochmals in das Gnichtszimm« gebracht, wo mich ein Land gen- dann erwartete. Nachdem man mir noch ein Schrift, stück mit der Drohung, mich nicht mehr im Lande chen zu lassen, vorgelesen hatte, wurde ich dem Gen- rann übergeben, der mich wie einen gemeingefährlichen Menschen aus dem Lande brachte. Rach vielen Jrr- ährien traf ich einen früheren Schüler von mir, einen Grasen, der in Tirol seine großen Befitzungen hat. Er drang so lange in mich, bis ich ihm zitsagte, Ihnl aus sein Schloß zu folgen, wo ich wirklich eine über- aus freundliche Aufnahme gefunden habe. Durch einen Bekannten aus Kronberg erfuhr ich nun, daß Sie, Herr Baron, mit Ihrer lieben Familie in Rtzza weilen, Md da mein Stuber hier Seelsorger ist, so. litt es mich nicht länger zu Hause, und ich reiste nach Nizza. Vor allem, Herr Baron, wie geht es dem Grafen Tankmar?"
„Was alles bis zu Ihr« Vertreibung auf Schloß Eberstein vvrgckommen ist, wissen Sie ja. Seit dte « Zett scheint es wenigstms im Schloß nicht so schlimm gewesen zu fein. Ich kam nur wenig mit Graf Tank- mar unb bann auch nur in Kronberg, zusammen, weil mir sein Enkel, den ich übrigens für einen vollendeten Heuchler unb ganz gefährlichen Menschen halte, das HinkonMen nach Eberstein vollständtg v«- leidet hatte Ich hatte nur ein einziges Mal Gelegenheit, ihn zu sehen und zu sprechen. Ab« dieses ein« Mol genügte schon, eine unerklärliche Abneigung gegen chn in mir hervorzurufen. Mein Inneres sagte mit gleich, dies« Mensch kann unntöglich ein Sohn bei unglücklichen Roderich sein. Sie wissen ja, welch bitteren Kumm« und Aerger er dem alten Herrn bereit« hat. ES wat ja schon so wett gekommen, daß Gras TMkmar ihn au8 dem Schlosse verweisen wollte, alber junge Graf eben als vollendeter Heuchler klug em-
. lenkte und nicht nur den verftrenenSvhu lvl-lte. ion-
~ Rach einer Steuerreform schreit schon wieder va» links liberal« „Berliner Tageblatt", wenn es schreibt:
„Herr Wermuth ift gerotfi ein guter Kalkulator und vielleicht ein geschickt« Diplomat. Ader was dem Reich tzot tut, das ift ein iHetormator vom schlage Lloyd Georges. Hoffentlich bereiten ihm bte kommenden Wahlen ben Weg."
Das wollen wir nun gerabe im Interesse be» deutschen Reiches nicht wünschen. Herr Wermuth steht uns parteipolitisch ferne; aber wir anerkennen gerne, daß er tatsächlich sich als Reformator auf feinem Gebiet«-bewährt hat, indem er haushälterisch mit dem vorhandenen Gelbe auszukommen sucht. Heute hat bei Reich in allen seinen Teilen nur einen Wunsch: Keine Aendetu'ng in der Steuere es «tzgrbung. Seit 1905 sind bte
Der Erbe von Eberstein.
25s Roman von E b m u n b No rv a k.
„Ich weiß nicht, wie ich Ihnen danken soll für all die Mühen um meinetwegen."
„Reden Sie doch nicht, Herr Baron. Solche Kleinigkeiten haben für mich nichts zu bebeuten. UebrigenS bereitet mir die Jagd auf dieses gefährliche Wild unheimliches Vergnügen. Glauben Sie, ich werde nicht eher ruhen, bis wir es gestellt unb unschädlich gemacht haben. Dann aber werbe ich mir schon meinen Lohn auf Schloß Eberstein holen. Um aber nochmals auf Ihre Angelegenheit zurückzukommen. Wie wäre es, Herr Rittmeister, wenn wir uns vielleicht an Dr. Verdegas wenden würben? Ihm würbe es doch ein Leichtes fein, Sie vor Ihrem Großvater zu legitimieren. Freilich müßte er persönlich erscheinen."
Edwin seufzte schwer. „Daran habe ich wohl gedacht, Herr Kapitän. Abgesehen davon, daß ich jetzt davon abstehen muß, mich an meinen Freund zu tven- den, würbe sein Kommen mit großen Schwierigkeiten verbunden sein. Dr. Verdegas kann unmöglich ben großen Besitz ohne die nötige Aussicht allein lassen. Vor allem aber müssen Sie bedenken, daß Barbeno ohne Zweifel mit ihm in Verbindung stehen wird. Wenn ich ihm also meine Lage schildern würde, müßte er da nicht mit Recht stutzig werden und sich fragen: Wer ist denn der Rechte? Und wenn Varbeno bis jetzt glauben wird, daß ich mit der „Dalmatia" untergegangen bin, so wird er im andern Falle alles daran setzen, mich aus dem Wege zu räumen. Und dies durste ihm leicht werden, da er sich im Besitz reichlicher Geldmittel befindet, während ich mit ben meinigen sehr sparsam umgehen nmß. Wir müssen also einen anderen Weg cinschlagen, auf die Gefahr bin. daß noch eine geraume Zeit vergehen wird, ehe wir zum Ziele gelangen."
Wie Sie wollen, Herr Baron; aber das eine sage" ich Ihnen: Ich werde nicht eher ruhen, bis ich Sie als den rechten Erben auf Schloß Eberstein Anziehen sehe."
Mark gemacht. Die sozialdemokratische „Rheinische I Zeitung" hatte die gefälschten Ziffern noch eigens I fett gedruckt. In ihrer Nr. 77 hatte sich das Blatt nun' mit einem — Satzfehler herauszureden gesucht; sie hatte aber nicht so viel Mut und Wahr- beitsgefuhl, die berichtigte Ziffer ihren Lesern mitzu- teilen. Die mit der Fälschung bezweckte Wirkung sollte eben auftechterhalten bleiben. In Nr. 81 sieht sich die „Rheinische Zeitung", nachdem unsere Notiz inzwischen auch in andere Blätter übergegangen war, gezWunaen, auch die Ziffer zu berichtigen. Aber sie Weitz auch hier noch einen Weg, die Wirkung der Fälschung sich zu wahren: sie druckt die falsch« Zahl 18 770 Millionen fett und bringt; die berichtigte (18,770 Millionen) hinterher in gewöhnlichem Druck in Klammer. Im übrigen hat sie sich inzwischen von dem betreffenden „roten Kor.esponhenzbureau die Ausrede mitteilen lassen, die dieses bereit hielt für den Fall, baß auf bie Falschheit jener Notiz hiugewiesen Wurde. „Em Kind konnte festftcllen, daß hier die fettgedruckte Zahl mit einem Komma (18,770 Millionen) zu feten war" beteuert das Blatt. Merkwürdig, datz aber Korrektor und Redaktion der „Rheinischen" und ebenso die Redaktionen der anderen „roten Blatter, in denen die gefälschten Zahlen sich fanden, das „fehlende Komma" nicht entdeckten! Die „Rheinische Zeitung" Wird sich übrigens über die Glaub- Würdigkeit, die mau ihrer Ausrede schenken kann, selber nicht im unklaren sein; die so Pfiffig gewählte Abkürzungsmethode ist zu ungewöhnlich, um ernst genommen zu Werden! Seit Wann pflegt man bei dergleichen Abkürzungen nach dem Komma statt einoch 18,7 zu setzen, drei Dezimalstellen anzugeben, und das, Wenn überdies die letzte eine 0 ist?! Nein. „Spicaelberg, Wir kennen Dich"!
Ausland.
* Der französische Klatsch hat mal wieder einen I \ dankbaren Stoff, die bekannte Spionageange-I legenheit. Während der Verhandlungen mit I der Türkei über Eisenbahn- und sonstige Konzes-11 sionen, machte der frühere Minister des Aeußern, I Herr Pichon, die Wahrnehmung, datz verschiedene vertrauliche Schriftstücke seines Reffotts ausgelie-1 seit worden Waren, und er erstattete eine Strasan- zeige, die zur Berhaftung des Vizekonsuls-Eleven 1 Rene Rouet, des englisch-arabischen Publizisten Bernard M a i m o n und dessen Sekretärs V a l -1 Her führte und die so streng geheim gehalten wurde, datz man erst einige Tage nachher davon I Kenntnis erhielt. Welcher Att die entwendeten 1 Schriftstücke sind, darüber Wirb im Ministerium des Aeußeren jebe weitere Auskunft verweigert, um den Gang der gerichtlichen Untersuchung nicht zu I hemmen. Der Minister des Aeußern hat die Wei- i sung erteilt, datz gegen die Schuldigen mit der groß- l
Edwin lächelte. Er wußte, daß « auf den Kapitän felsenfest bauen durfte. Andererseits verhehlte « sich nicht, daß er noch schweren Kämpfen entgegenging. Er wollte g«ade nach dem Zimmerkelln« klingeln als sich die Tür ungestüm austat und Mortim« hereiustürmte. „Pardon, Edwin, daß ich ohne anzu- klopsen eintrete", rief dieser aus, „aber Du wirst es mir, Dein«n alten Freunde, hoffentlich nicht Übelnehmen. Ach, der Herr Kapitän! Tausendmal Verzeihung! Aber im ersten Augenblick hatte ich Sie wlck- lich nicht erfannt. Herzlich willkommen, lieb« Freund! Sind Sie schon lange da? — Daß Du mir, lieb« Edwin, auch nicht sagen ließest, baß bei Herr Kapitän schon angelangt ist. Ich bin furchtbar neugierig, was Sie in Ecuabor «lebt haben! Leiber muß ich mein« Neugierde für ben Augenblick Zügel anlegen. Dem, wissen Sie, H«r Kapitän, ich muß Jhnm für kurze Zeit meinen Freund entführen. Doch, sind Sie für heut abend frei? — Wie wäre es, wenn w» un8 im Caft Rational träfen? Vielleicht um 8 Uhr?"
„Ich stehe Ihnen jederzeit zur Verfügung, meine Herren", erwiderte b« Kapitän. „Mir ist jeher Zeitpunkt recht. Und wenn ich Ihnen dienen kann, bin ich zu jeder Zett zu haben. Also auf Wederfehen heut abend im EafS National."
M die Freunde allein waren, ergriff Mortim« Edwins Hände. „Sei mit nicht böse", bat «, „daß ich Dir den Kapitän verjagte. Aber ich komme mtt einer großm Bitte. Soeben erhielt ich von meinem Onkel ein Billett, worin er uns «sucht, ihn bald zu besuchen. Aus die Gefahr hin. Deinen Unwillen zu erregen, sagte ich zu. Sprich, bist Du mir böse, daß ich so elgemnächttg handelte?"
„Aber, Mortimer, wie kannst Du nur so etwas denken. Warte einen Augenblick, ich bin gleich 6«eit Freilich dürfen wir, das sag ich Dir, Kapitän Traugott heute abmd nicht warten lassen."
Als die beiben Freunde im Hotel des Palmins erschienen, wurdm sie von Baron Rottenburg schon sehnlichst erwartet.
„Gut, meine Herren, daß Sie kommm", tief et nach einet hetzlichen Begrüßung aus. „Ich bin näm«
Wahlkreise 43 statt 40 Vertretet.
Die erste Kammer wird In ihren Reihen neu aufnehmen einen Vertreter der Technischm Hochschule und je elnm Vertreter des Handels und der Industrie, der Landwirtschaft und des Handwerks, die bet Groß- herzog auf Vorschlag bet eingesetzten Berufskörper- schaften auf bie Dauer eines Landtages beruft.
Amt Geisa und Umgebung.
* Geisa, 12. April 1911. In der Person! des ehemaligen Gast, und Landwirts Heinrich Völker von Zitters wurde hier wohl die älteste Persönlichkeit des Amtsbezirks zu Grabe ge- tragen. Völker, der lange Jahre Bürgermeister von Zitters war, ist 91 Jahre alt geworden.
• Schleid bei Geisa, 10. April 1911. Die 17 jährige Tochter eines hiesigen Landwirt» wurde als Leiche au8 der Ulster geländet. Wahrschein, lich hat die Unglückliche sich das Leben freiwillig genommen.
br. Zella (Feldabahn), 10. April 1911. Zum zweitenmale in diesem Jahre sah am Palmsonntag der Volksverein seine Mitglied« beisammen. Der Besuch der Versammlung war trotz des Herr- sichen Frühlingswetters recht befriedigend. Als ; erst« Redner sprach Herr Lehrer Link. Er behan- beite das Thema: „Fehler bei der Erziehung her 1 Kinder". Die Ausführungen gruppierten sich um
Ä Marburg, 11. April 1911. Der wegen der Frage der Erweiterung de» Marburger Rathauses heute hier weilende Professor Pütz« aus Darmstadt erstattete ben Stadtverordneten und
München, 10. April 1911. Gegen Ministerial-1 ten Strenge vorgegangen werbe. Die französische birektor Geith, ben katholischen Postober- Presse hat auch Deutschland mit dem Spw-
w - e-......- -
Muth, seine katholische Ueberzeugung auch öffent- den amtlichen Preisen Deutschlands lich zu bekennen unb deshalb gilt er bei diesen Len- v ö l l i g n n b e k a n n t, und ob> sie_«un für R ch- ten als vogelfrei. — Gegen den bayerischen! ung eines anderen Staates spioniert od« die Liberalismus läßt die nationalliberale, evan-1 widerrechtlich erlangte Kenritm» ftanzopscher Akt - qelibündlerische „Tägl. Rundschau" in Berlin (Nr. stücke zu Spekulationen mit EisenMhnkonzessionen, 168) eine sehr scharfe Epistel los. Der München« wie man in einigen Streifen annimrnt, tz i Vertreter dieses Blattes hatte eine Unterredung wollten, jedenfalls hat D eu t sch land mit dies mtt einer angesehenen Persönlichkeit, die der aktiven I ganzen Treiben mcht das gerrn g ft e z u t u Politik ferne steht. Der Liberalismus müsse, so gchabt und wird mtt einer ihm ganz ftemden ^ ch sagte diese Persönlichkeit, aus der Rolle der V e r-1 in Verbindung gebracht. Im übrigen sind Wir au
ärgerten heraustreten, nur dann könne aus sei-! Verdächtigungen dieser Art Laufe lang« Jahre
ner heutigen Zerfahrenheit vielleicht doch noch eine so gewöhnt, daß sie uns ziemlich kalt lassen. Wr
Sie,, «raeketzaebuna Seit 1905 sind die ersprießliche Saat aufkeimen. Für Bayern sei die haben Enthüllungen aus diesem ^alle nicht zu fürch- rinzclneu Gewnbezweige in steter Beunruhigung Schlacht leider verlo ren, nicht im Reich, tery wogegen das ftn: manchenF^nzoft« v ll cht aeWeien und alle» hat darunter gelitten; Wer die I Diese Ansicht Werde in gemäßigt liberalen Kreisen I nicht Mreffen durste. — Raa, neueren P '
J. t nut Jahrzehnt dem deutschen Witt- vielfach geteilt. In Bayern fei das Verschwinden Meldungen betreffen die Dokumentmdlebstaht meh Minftäteben Rübe iuaeben der ist der beite Resor- I des früher mächtigen Liberalismus Wesentlich darauf als 100 geheime Aktenstücke, darunter Lor Müchuführen? daß ihm politisch üb er r'a- größter Wichtigkeitssür
Ken sÄ& aÄfe Ruhe unb besonders jeder genbe Männer fehlen, die Dank ihr« gei- Man befürchtet, daß auch der Cdffrnfchüffel des
einzelne durch Steuer betroffene oder bedrohte Gc- fügen Ueberlegenhett unb Energie Widerhast in den 'Ministeriums des Aeußern AH uWer den an p werbezweig- Anspruch auf Ruhe hat aber auch der breitesten Volksschichten finden. Kaum ein halbes lieferten Papieren befindet. Erw,e en Wt jejt, M mator im Sinne des „Berl. Tagebl.", lieber einen I trums m Bayern zu brechen. Kalkulator, der mit peinlich« Gewissenhaftigkeit dafür sorgt, daß man mit den vorhandenen Mitteln anskommt. Die Durchführung dieses Sparsamkeits- zedankens ist die große Reform der nahen und nachten Zukunft; eine andere Aufgabe kann es auf die-| em Gebiete nicht mehr geben.
* ein zweiter Iaido. D« liberale protestantische Hanptpaftor Heydorn in Burg auf Fehmarn hatte in feinet Wochenschrift „Leben im Licht" hundert Thesen veröffentlicht, in denen er fein religiöse» Bekenntnis zulammenfaßte. Diese V«- öffentlichung hat das Konsistorium in Kiel zu einer Zurechtweisung des Predigers v«anlaßt. Nun muß man wissen, welcher Art diese hundert Thesen ge- wesen stnd. Es wird in ihnen ungefähr alle» geleugnet, was die protestantischen Bekenntnis- schristen positiv Gläubige» auszuweisen haben. Und mit solchen Ansichten amtiert der gute Diann als »Hauptpastor" l ~ r r
* Ans ein Fälscherstuck gröbster Art haben Wir kürzlich an dieser Stelle hingewiesen. Eine sozial- hemokratisch« Korrespondenz hatte aus 18 770 370 Mk. „Wert" der Einfuhrscheine für Roggen (vom August bis März 1911) 18 770 Millionen (also 18 0 0 0 Millionen statt 18 Millionen