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roo^nbdraee: ...ftlusttiette Sonntagsjeihntg"
38. Jahrgang
Fulda, Mittwoch Den 12. Avri! 1-H1.
Erstes Blatt
Jtf 84.
Reichetaaswahlvorbereitnitgen.
rrNärlen.
schluß ist das Ergebnis der Untersuchmig, die die Fi- nanzinspektoren seit acht Tagen angestellt haben.
*♦ Die rtpnblifai»|ifie Hnnhgtbung in dem ipanischen Tor, Caniltas de Äcettuno bei Malaga ist nach einem Straßenkamvt zwischen Gendarmen und Manifestanten rasch unterdrückt worden. Zwei Personen wurden von den Gendarmen niedergeschossen. Bier Manlsestanien und ein Gendarm wurden verletzt. Der Grund des Zusammenstoßes war dir Beschlagnahme von Vieh wegen nicht entrichteter Fleischsteuern. Als ein Mann, der sich bei dem Bürgermeister über die Beschlagnahme beschwert hatte, verhaftet wurde, kam es zu einem Volksauslaus, den die Gendarmerie zu zerstreuen versuchte, wobei sie sich genötigt sah, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen.
** 3m russischen Miuisterrat legte der Handelsminister den Plan einer in Petersburg zu errichtendeu russisch-japanischen Gesellschaft vor, deren Aufgabe die wirtschaftliche Annäherung babtr Länder und die Erforschung der gegenseitigen »ultur- verhättniffe jein soll.
*♦ Die russischen Konsuln habe« gegen die von den chinesischen Behörden erlaffene Bestimmung, daß nur die von den chinesischen Behörden gestalteten Kreditgeschäfte zwis cheu China und Ausländern als gesetzlich anerlannt werden, Protest erhoben, weil sie im Widerspruch mit dem Vertrag von 1881 stehe.
♦* Mexiko, die Vereinigte« Staate« und Japan.
Ausführlich wird in englischen Blättem ein Berich aus Mexiko ckLtty wiedergegeben, den die „Newyock Sun" über einen geheimen japanischen Vertrag mit Mexiko veröffentlicht. In dieser sensationellen Geschichte wird versichert, daß der Botschafter der Vereinigten Staaten in Mexiko Wil 1 en, einen Gehennvertrag zwischen Japan und Mexiko selbst gesehen, photographiert und dem Präsidenten Tast gezeigt hat. Der Vertrag soll Japan eine Kohlenstation in der mexikanischen Bucht gewähren. Dies sei die wahre Ursache für die Mobilmachung von 20000 Mann amerikanischer Truppen an der Grenze ge* wesen. Hinzugefügt wird, daß das amenlanifäe Staatsdepartement dem Präsidenten Diaz sechs Tage Frist gegeben habe, um den Geheimvertrag aus der
Die Fehlgriffe bei Wahl- «nv Bersaimngsgeietzen.
Die preußische Wahlreform ist gescheites die elsaß-lothringische Verfaffungsreform droht zv
trscheint »eit® mtt Aurnahme bei so.m» »ad Feiertage Sterte,- jährlicher vemarpretr ohne Sringerlohn and vestellgeldinFuldaio- »ir aurwärtr i Sv Mt.
Serantw. «evakteuri «a,l itchsitte, ftirdieAmetgen:
I.par;eüei tu Fulda.
veutlches Neich.
** Berlin, 11. April 1911. Der König von Kriechenland machte heute dem deutschen Kaiserpaare im Achilleion auf Korfu einen Besuch, den dieses alsbald erwiderte. — Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Herr v. K i d e r l e . - W ä ch - f e r, tritt morgen kinen Urlaub an, den er in Süd- deutschland verbringen wird. Staatssekretär des Reichsjustizamtes Dr. Lisko ist bereits nach Südtirol abgereist; der Eisenbahnminister v. Breitenbach weilt in Wiesbaden zum Kurgebrauch, rind der Reichsschatzsekretär Wermuth trat ebenfalls eine Urlaubsreise cm. - Die Frau Prinzess in Ad als S ch a u m b u r a -2 i p P e. geborene Prinzessin Bik-
laf'+ Neber einen gelauMe« Aprilscherz berichtet die ,Deutsche Tagetztg.-: Tas.Berliner Blatt' hcttte am 1. April nämlich eine Kuuogeburrg des gejchafts- führenden Vorstandes der Deutschen Mittelstands» Vereinigung vom 6. August 1909 abgedruckt, ut der mit großer Schärfe vor dem Hansabund gewarnt wurde. Inzwischen hat bekanntlich die Deutsche Mittelfiandsvereinigung ihren .Tag von Damaskus erlebt, und ihr Führer, der Abg. Rahardt, ist der wärmste Freund des Hausabundes geworden. Tas .Berliner Blatt' hatte diele Kundgebung vom Jahre 1909 wörtlich abgedruckt, nur das Datum hatte es weggelaffen; darin bestand eben der nicht üble Aprilscherz. Daß dem Abg. Rahardt und seiner Gefolgschaft diese Ausgrabung nicht sonderlich angenehm war, glauben wir gern. Wie aber das Oraan der Mstlelstandsvereimanna. die .Deutsche
* Bei ’ den beiden Unternehmungen hat die Regie» rung des Herrn v. Bethmann Hollweg einen ausfallen den Mangel an E i n s i ch t in die obwaltenden Verhältnisse und an Voraussicht gegenüber dem Spiel der Kräfte in den Parlamenten und der öffentlichen Meinung gezeigt. Den Vorwurf des Eigen-
gierung steht.
Ein Advokat des Herrn ö. Bethmann-Hollweg könnte nun geltend machen, das Scheitem der Preußischen Wahlresorm habe er absichtlich mitttts des Schorlemer'schen Amendements herbeigeführt, da es ihm ans „höheren" Gesichtspunkten vorteilhafter erschienen sei, die Sache bis hinter die Reichstags- Wahlen zu verschieben. Aber eine solche „Taktck, kann man nicht zur Erklärung der Irrungen wid Wirrungen in der elsaß-lothringischen Angelegenheit anfuhren. Aus allen inneren Gründen und äußeren Aii- zeickcu muß man folgern, daß Herr v. Bethmann- Hollweg di- Verfassungsreform für das Reichsland e r n st l i ch a n g e st r e b t und wirklich noch in dieser Tagung durchzuführen hofft. Um so auffallender stt es daß er sich so lange mit offenbar untauglichen Mit- teln aufhält und nicht entschloffen sich ausi einen Standpunkt schivingt, der ihm eine positive Mehrheit sichern kann. .
Neuerdings wird ein weiteres Z ugestanv- nis in der Frage der Wahlkreis eintetlung angekündigt. Wie der „Germania" aus zuverlässiger Quelle mitgeteilt wird,
wird im Reichsamt des Innern eine gesetzliche Wichlkreisemteilung gegenwärtig ausgearbeitet und der Retchstagskommiffion für die elsast-Iothringftche «et« fassungsfrage nach Ostern überwiesen werden.
Weiter berloutet, der Vater der unglaublichen Geometrie solle in den Ruhestand geleitet werden. Das späte etwas; aber ob es genügt, um die verfahrene Sache wieder flott zu machen, lasten wir vorläufig dahingestellt. Im Ganzen hat man den Eindruck, daß die Regierung noch viel zu sehr in dem einseitigen und engherzigen Kreise von nationalliberalen Ideen und Interessen befangen fft.
ließ, dunklere von der tropischen Sonne ent- standeneFarben auswies. Währenddes Empfanges in Potsdam kreuzten über dem Bahnbof und über dem Schlosse zwei Luslkreuzer, das Militär« lustschiff M. 3 und der neue Siemens-Schuckerl« Ballon. Die Passagiere in den Ballons winkten mit Tascheatächern und streuten Blumen auf die unten versammelte Menge. Das lronprinzsiche Paar begab sich im Automobil nach dem Mar« ^orpalais. Das Publikum bereitete ihm auf dem Wege dorthin herzlich« Ovationen. Aus der Terrasse deS Marmorpalais in Potsdam envar« lernt die drei kleinen Söhne dcs hohen Paares mit Blumensträußen in den Händen die Ettern.
»* Professor Dr. Küster und der ,Ogervai»r? i Romano'. In der Debatte über den AntimodernMen« eid im Hcrrenhause Halle Professor ,Dr. Muster behauptet, der F)ffervatoie Romano' habe zur Beruhigung der Proteftankcn, wenn er nicht irre, ge« sagt, der Ankimodernisteneid könne in einigen Jahren wieder abgeschafft werden. In diesen Worten sc, eine zynische Verhöhnung des ^tves ausgesprochen. In seiner Erwiderung erklärte Furstbischv! Kopp unter der Voraussetzung, daß diese Acnßcrnng wirklich gemacht worden sei, eine solche Bemerkung eines katholischen Blatte», das eint Eidesleistung oyne weiteres als aushcdbar darstellt, fet eine nichtswürdige Frivokitä!. Der,Osservatore Romano fordert nun Professor Küster aut, anzugeben, wo und wann er im ,Offervatore' jene Wotie über den Modernifieneid gelesen habe, die er in feinetperren« Hausrede als zynisch bezeichn-se. In einer ^bike.t-mg an v''e ,Gttman-a' erklärt die Redaknon . es ,Oster«
I valore Romano' überdies ausdrücklich, da»; eas Blatt eine solche Acutzrriuig niemals getan habe. Demnach ist auch di- Voraussetzung, von der Kardinal-Fürsibischos Kopp bei seiner Erwiderung
Ausland. ,!
«* giutm Geheimbusd ruihenischer Gymnasiasten ist die Wiener Polizei auf di- Spur gekommen. Er ährt den Warnen Siczynskts, des Mörders des Statthalters von Ealizien, Grasru Potocki. Es wurde ein Ausruf konfisziert, in dem d.e Gy.mmsiasten aufaesordert werden, am 12. Mai, dem Tage der Ermorduna Potocki», in Lemberg eine große Demonstration sür Siczynski und gegen den S att« Halter von Galizien, Dr. «obrcynsb, zu veranflcütem Gkeickniilig wurde von der Polizei ein Ausruf an Se athenische» Soldaten der galizischen Garnisonen gesunden, in dem sie aufsefordert werden, den Gehorsam zu verweigern, wenn die polmfck^ Schlachta sie zwingen wolle, von der Waffe gegen rkvoluiiouäre Rüther en Gebrauch zu machen.
♦* Liberale uud Sazialdemokratm Haden sich m Belgien zum Kampf gegen die kathollfche Kirch« die Hände gereicht. Der erste Ansturm gut der christliche» Schule. Am Montag abend verau- ftoUeten beide Parteien eine Versammlung, m der fie gegen die Regierung prolestierteu. Der Sozialist Bandervelde drohte der Regierung sogar Mtt offene», Au-ruhr, wenn sie dem Verlangen nach der Enl- chtifllichung der Schule nicht nachgebe. .
♦* Ter französischen Kammer hat der Sozia« lisi Jam Ls den ersten Teil seines Reform- Programms vorcelegt. Es handelt sich ttm einen Gesetzentwurf zur Herabsetzung der Milt- tärdienstzeit auf 6 Monate.
♦* Ein neuer Skandal hat sich jetzt zu den Toku- mentendiebstählen im Auswärtigen Am zu Paris gesellt. Wie in den Wandelgangen der Kammer versichert wird, sind in der Kassenabtei- lung des Ministeriums des Aeußern ziemlich emste Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Der Vorsteher dieser Abteiluilg soll sich heute vor dm W- rektoren des Ministeriums verantworten. Dieser Be-
Aiütelstanvszeitung', ihrem Aerger Lust macht rst geradezu köstlich. Es spricht »«n emer absichtl chen ?äufdiuna und von verwerflicher Hmter litt Worin soll denn in aller Welt die Hwlerlist und dieTäuschung bestehen? Das ,B-rliner Blatt' hat ja nur aus d« Mstte.standszeitang -ine Kundgebung gbgedruckl. Das ist doch weder hmterlrst.g noch eine Täuschung. Die Täuschung besteht nur Ln daß das .Berliner Blatt', wie gezagt, das S'm «glU T-s s»ch»h -b-- «" Scherzes wegen und um zu zeigen, wie schnell °ie Führer der Mittelstandsveremigung unb roie gründlich sie ihre Ansichten geändert Hadem Schließlich soll nicht unerwähnt bleiben, daß dem Publizisten des Derrn Rahardt zwei dubsch« Etn- alelsunae-i zuaestoßen sind. Er sagt, daß 1909, a 8 die Kundgebung erschien, di« Bestrebungen des Hanjadundes noch wenig bekannt waren und dag die Vereinigung damals m chm -w-n Gegner der Bestrebungen des Mittelstandes ttdttckte wahrend er doch em warmer Freund des Mittelstandes fein wolle. Warum lagt der Herr nicht, daß der Hanjabund em warmer Freund des Mittelstandes ist? Kann man da ui gl aus seltsame Gedanken kommen? Des wetteren aber, — und das >s. das Köstlichste, — nennt die .Deutsche Mittelftanbsitg. die Ku dgedlina de- geschäftssührendeii Vorstandes der Terilschen MittelslanÄ-veremigiMg vo« 6 «r g. 1909 ein „elendes Machwerk". Das «ft ungewöhnlich starker Tabak Die Entgleisung de- weist die alte Ersahtiingslatsache, dast tiefer Aerger bisweilen verwirrend auf dcn Geist wirrt.
" lieber die Stellung der ZentrumSparte, imKönigreich Sachsen wird der,Frantsmter Feiiuna aus Dresden geschrieben:
ci.n‘ ein-einen fächüschen Wahlkreisen liegen die Beihältnifi« derart, daß die Entscheidung an wenigen Stimmen hän en kann. Obwohl da? Zentrum u, Sachsen nur über einige Tausend Stimmen versugt, so kann e? in jenen Kreisen doch von Beden t u n g fein, wobst, diele Simmert faßen. Man muß daher auch mit dem vor einigen Tagen gefaßten Beschluß dc.- Zentruniswahtvererns für dos Königreich «achsen Rechnen, der es den einzelnen Wahlkreisen überläßt, ob sie zunächst ielvständig vorgehen oder gleich "ir ersten Wahtaanq den rechrskehendeii Kan^idateu wählen wogen. Bei allen Linksliberalen soll Stimmenthaltung Geübt werden. Das bedeutet ganz allgemein m Sachfen em®inneten besZenlrums für diekonservative Par t ei.
Präsident Taft hat sich beeilt, diese Geschichte durch Staatssekretär Knox dementieren zu lasten. Die amtliche Korespondenz Wrlsvn und der Regierung der Bereinigten Staaten, ließ er versichern, enthielte nichts von all dem und nähme weder direkt noch indirekt auf Japan Bezug. Tas wird wohl ans die Dauer nicht genüget.. Dre Geschichte wird m den Bereinigten Staaten so auS- oebeutet werden, daß volles Licht nötig sein werd.
Auch der Sonderberichterstatter der ,Moln. Ztg. in San Antonio will die Meldung der „Sun de- {tätigen können. Er teilt mft:
In den ersten Mär,tagen bekam Wikfon daS Doku- ment in Vie Hände, photographierte es und eilte nach Washington. Bei seiner Ankunft, morgenS um 9Ut»r, sand er daS Kabinett schon versammelt. Am Mittag um 1 Uhr wurde GeneraMabschef Wood vom Lunch weg ins Weiße Haus gerufen, mrd nachtS wurde dct Beseht zur Mobilmachung erlassen. Der Vtttrag gibt einet japanischen Schiffsttnie eine KohlenstaNo» tn der Magbalena-Bai. Die Gegenleistung Japans waren Soldat en. Wilson sprach nun den mexikanischen Finanzminifter Limcmtonr m Reujork, als dieser von Europa behmreifie. Liwantour kehrte abends nach Mexiko zurück, Wilson einige Tage sinter ebenfalls. Bald darauf wurden die amerikamschen Kriegsschiff« von der mexikanischen Lüste wegbeordert. D« Grund ist jetzt klar: Präsident Tast hatte dem Prä,identen Diaz sechs Tage Frist gegeben, den Vertrag ^widerrufen und ihn gletchzeittg angewiesen, dre inneren Ber« HSllMsse des Landes zu ordnen, damit rm Süden muhe herrsche, falls Amerika anderwärts in Anspruch genommen würde. Daher der Kabinettswechsel, bie Zusagen in Diaz' Botschaft, di« FrtedenSversnch«. ferner ist die Miliz angewiesen worden, ans Anruf bereit zu sein für Manöver. 125000 Springsfields. Gewehre sind kürzlich in die Baracken am Puge'sund gesandt worden, um das alte Modell zu ersetzen. Schließlich ist der Southern Pacificbahn angeraten worben, ihren Streckenausieherdientt zu verdoppeln; die Bahn stellt die einzige Verbindung Sealttes mi Kalifornien dar. Bei ihrem Ba« sind srtnerzeil Tausende von Japanern deschäftigl worden; deshalb jetzt die Furcht vor ihrer Zerstörung, besonders aus einer Strecke, die auf 3 Kilometer fünf Tunnels hat. Das erwartete Dementi ist rasch und m ungewöhm lieb heftiger Form erfolgt. Aber der Verdacht in der öffentlichen Meinung ist nicht mehr ju bannen, weil schon zuviel Erktürnuge» erfolgt sind, di« nichts
ausging, hinsäklig geworden.
*♦ Sopaldtmekrntischrr Stl»nte»luckg««g Iw »Vorwärts' heißt es angesichls des Summer aus- falles bet der Nachwahl im 4. Berliner Wahlkreise:
„In Prozenten berechnet, gaben 1907 für den fo« zialdemokratticheu «andida'.eu 61 Prozent acker Wah.« berechtigten ihre Stimme ab. Diesmal erhiett ber sozialdemokialische Kandidat di- Stimmen aller Wahlberechtigten. Die Differenz ist als» tetnev« wegs sehr groß." ,
Ob allzu groß oder nicht, da? Lutten der W-iatt demokratischen Stimmen von 82038»auf GÜ 8< - Stimmen genügt, und die verlegene Wendung de- Voiwärts' fttmmt schlecht üderem mit BebelS neuestem Wunsche: „Lieber vier Millionen Stimmen und fünfzig Abgeordnete, als nur drei Millionen Wähler und hundert Abgeordnete . Menn sich diese „nicht allzu großen" Differenz zu nngunsten sozialdemokratischer Mehrheiten nach der jetzt ern- aeschlaaenen Richtung weiterbilden sollten, daun wäre, meint die ,Nordd. Allg. Ztg-', guter Anlaß zur Zufriedenheit mit dieser Entwickelung vorhanden. Es jteht übrigens fest, daß die Eozialdeuiottatie in diesem ihr vorweg sichere» Wahlkreise durchaus nicht untätig war, sondern flarke Anstrengungen gemacht hak, um eine etwaige Ebbe ihrer stimmen zu verhüten. .
+ Der gesimde Statt der Bauern. Der fortschrittliche Kandidat des Reichstagswahlkretses An« klam-Demmin, Rechtsanwalt Dr. Berndt, hatte ür vergangenen Samstag nach Lindenberg im Kreise Demmin eine WSHkerversammlung einberufen Nm festzuftellen, welche Verfammtung die größere Zugkraft besitzen ivürde, wurde für denselben Tag und dieselbe Stunde ebendorkhiu eine konservative Versammlung einberusen. Wc>t über 100 Wähler des Ortes und der Umgegend waren dieser Ein- ladung gefolgt. 8« derselben Zeit faß der fortschrittliche Kandidat im anderen Gasthofe von Lm- denberg in Gesellschaft von zwei freisinnigen Lchrem aus der Nachbarschaft, den eiuzigeu Gästen, die sich zur liberalen Dersammkung eingefunden hatten. Sonar der Wirt des Gasthofes war m bte Ian« servative Versammlung gegangen. Herr Dr. Berndt, so schreibt man dazu der ,Dentfchk» Tageszeitung', spricht in seinen Agikationsredm mit Borkiede von dem gesunden Sinne der Bauern und der landwirtschaftlichen Arbeiter; daß dieser Sm» aber so ge- sund sein würde, hätte er sich wohl nicht träumen
= fiu den qesährdcien Zenirnmsbezirke» gehört der rheinische Wahlkreis MorS-Rees Die .Katholiken bilde,i n>.ir 58,2 Prozent der -oeiwLt- imq. Um so mehr verdient es Anerkennung, daß das Zentrum von 1871 bis 1893, aljo m ben ersten acht Wahlen, jeweils int ersten Anlauf ftegre. xvn« folge besonderer Umstände, die m der PA» gecuierischeu Kandidaten lagen, ging der Wahlkreis 1893 an die Freikonservativen verloren, fiel avcr schon in einer Ersatzwahl von 1895 an das <KU- rum zurück und ist ihur bis jetzt verblieben, We l907 konnte das Mandat jedoch zum erfton- male erst in der Stichwahl sicher gestellt li>erden. Das Zentrum hatte dabei gegenüber semem -Ltrch- wahlgegiier einen Borspriing von 1639 Stimmen. Mit ben Stimmen der Sozialdemokratie zusaninren war der Gegner jedoch um 1173 Stimmen dem ZentruMskcnrdidaten voraus. Da in der kommen- ben Wahl damit gerechnet iveiden muß, daß die Stimmen der Sozialdemokratie jedem SttchNrnhi- aeaner des Zentrums znfallen, ch für das Zenirnm die Gefahr des Mandatsverlustcs gegeben. Um so wichtiger erscheint cs, daß der Führer der Cbristt jich-'S'ozialcn in enter Versammlung erklärt hat, in einer Stichwahl zwischen dem Zentrum und Liberalen werde seine Partei „unbebingt für bas Zentrum ftimuicn. Tie ^ahue der Ehrch- lkch-Sozialen ist in Mörs-Rees als-rdmgs noch iircht aufgepslanzt worben. Allein das icytteßt nicht aus, daß es Ehristlich-Soziale in ziemlicher Zähl gibt. Jedenfalls ist die Situation des Zentrums günstiger
Lokales.
Fulda, den 12 April 1911.
- Zum S»mmerfahrpla«.
Alle Vorstellungen bis »um Minister hinauf um Belaffung der frühere» Zngverbi»dung«n haben blS jetzt keinen Erfolg gehabt. Der nun vorliegend« endgültige Fahrplan bestätigt nur den «ttt» Entwurf. Es bleibt also dabei, daß die V-Zug« 129 uud 130, seither ab Fulda 9,51 W oorm. (nach Bebra) und 8,42 Uhr abends (nach Kranlsntt) in Fulda nicht mehr anhalten. Daß vom 1 Juli dis 30. Sept, im endgültigen Entwurf zw« neue Eilzüge, 3 und 4, ab Fulda 12,18 Uhr oorm. nach Bebra und 5,29 Uhr naebm. nach Frankfurt ÄXn sind, ist für die hie'ge Station ohne großen Belang, da um diese Zett genugend Est- und SchnellzuKverbiudnng nach oben und unten vorhanden ist; beide Züge sind auch nur dazu de- stimmt, in der HairptperfonenenverkehrSzett (Juli— Sept.) ben Reisestrom direkt nach Berlin-Hamburg und Berlin-Altona zu führen. Ebenso ist rS für Fulda ohne Bedeutung, wenn ans der Strecke Gemünden Am zwei neue Zugverbinvuirgen geschaffen wurden. Beide Züge, die in Elm au bte v-Zitze 63 abendL und 64 uiorgens Anschluß sittden, halten in Fulda eben falls nicht. Eine Besserung muß der Zukunft vorbehalten bleiben.
toria von Preußen, die Schwester drs Kaiser», wird am Mittwoch das 45. Lebensjahr vollenden - Ter Gouvernem von Samoa, D r. Sols, sollte nach einer Zettungskorrespondrnz seinen Abschied emgo reicht und sich entschloffen haben, tn das parlamentarische Leben etnzutreten. Wie der Gouverneur auf eine Anfrage mittet«, ist das durchaus unzutreffmd.
♦* Tie Heimkehr des Kroupriuzkupaares. Der Kronprinz und die Krouprinzessin sind gestern in Berlin auf dem Schlesischen Bahnhof ringe« troffen und haben noch kurzem Aufenthalt dte ucyeii awtiHUHB yigv,».. -------.■ f txr;ntti>m i nach Potsdam fortgesetzt. Aus dem
s i n n e S kann man ihr freilich nur in beichranktem Halhof in Potsdam hatten sich die tn Berlin Umfange machen; denn als em Dnl der Plane der ünn)ejenben Pr^zen und Prinzessinnen des König« Regierung sich als unhaltbar erwies, ließ sie sich z ... «QUce» »inaefunben. Die Kronprinzessin einigen bedeutenden Zugeständniffen herbe, Doch war während das Gesicht
Ii.fi h.mfUr» nun der trovrscheu Sonne ' mentartsche Mehrheit zu sammeln. '
In ihrem Entwurf dcs preußischen Wahlrechts I । ließ bte Regierung von vornherein die indirektes Wahl fallen, ohne Rückficht auf das hervorragende In- , teresie, das gerade die Konservativen an der Mittel- , Instanz der Wahlmänner haben. Dagegen glaubte die , Regierung in ihrem Entwurf neben dem Dreiklasien- syftem auch noch die off entliche ^?"bl aufrechter-1 halten zu können, obschon doch die I amtlich en nicht-1 konservativen Parteien, nicht bloß das Zentrum sondern auch die Liberalen, sich für die geheime Wahl ausgesprochen hatten. Aus den Schwierigkeiten, die somit durch die Regieningsvorlage geschaffen waren, suchten und fanden die führenden Parteien^des Abge- ordnctenhauses einen Ausweg durch das System der geheimen, aber indirettcn Wahl. Die Regiemng stellte sich mm auf den Boden dieses Kompromisses zwischen Zentrum und Konservativen, auch das Herrenhaus war flir den rettenden Gedanken zu gewinnen A bet nun verbiß sich Herr v. Bethmann aus das Amendement Schorlemer, das eine Verschärfung des pluto- kratischen Charakters des Wahlrechtes tm offensichtlichen Parteiinterefle der N a t i o n a l l i b e r a- l e n bedeutet. Dieser Rest von Eigensinn ließ das Schiss am Hafenelngang fcheitenl. Schließlich stand die Regierung mit einem Teil der nationalltberalen Fraktion im Abgeordnetenhause allein.
In der elsaß-lothringischen Versassungs- fraae glaubte die Regierung mit dem einzigen Zugeständnis des allgemeinen und (abgeschen von den Altersstimmen) g l e i ch e n Wahlrechts für bie »weite Kammer ausreichen zu können. Steine Autonomie keine BundeSratsstimme, keine Lockerung der Abhängigkeit der Landessache von Berlin, vielmehr noch eine Verschärfung der Berliner Varmiindjchast, namentlich auch durch das Ernennungsrecht für die erste Kammer. Als der Mangel an Befriedigung gar zu ausfällig hervortrat, machte die Regierung daS nachträgliche Zugeständnis von drei Vundesratsstimmei!, aber mit solchen gekünstelten Klauseln, daß die ohnehin mißtrauischen Konservativen über eine^Entwürdigung Preußens klagten. Der gute Estidruck des Zugeständnisses beim Zentrum wurde bald ivicder ausge- räumt, als die geplante Wahlkre is g eometr l e bekannt wurde, die in unglaublicher Weije auf die Begünstigung der Liberalen und der Sazialdcmokcaten hinausgeht. Wenn mm die Regierung die Karre nicht auf ein ganz anderes Gleise bringt, so scheitert auch dieser Versuch der staatsrechtlichen Gesetzgebung, ebenso wie die preußische Wahlrechtsreform. Augen- blickiich haben beide Regierungsaktionen den gleichen „Erfolg" aufziiiveisen. daß nur die National- liberalen und sonst niemand auf Seite der ihe=
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