Zeitung
* fulclaer
<8 und Verlag »er enldaer LtttendruÄerei
in znida.
a®a (ssj i?sss) i^^)o
Sus TD<(t un» Wissen
ihre
Der Golfstrom
Son Hz. M.
= Der Lölschbergtunuel durch.
Den Eisenbahningenieuren, die jetzt nach der politischen Lösung der Bagdadbahnfrage an eine schwie- rige eisenbahntechnische Frage im fernen Osten heran, gehen lönnen, ist in diesen Tagen in Europa em großer Wurf gelungen: am Lötschberg in der Schweiz habe sie abermals durch die gewaltige Scheidewand zwischen Nord- und Südeuropa, durch die Alpen ein Loch gebohrt zum Durchgang für das länderverbindende Dampfroß. Me wir schon meldeten, erfolgte am Lötfchbergtunnel bei den von der Nord- und Sudseite vordringenden Bohrarbeiten am 3 t. März nach fast vierundeinhalbjähriger Arbeit der Durchbmch.
nur um 5—7 Monate erhöht.
Bereits zu Anfang dieses Jahres trennte nur noch eine verhältnismäßig dünne Felsschicht die einander , entaegm^arbeilenden Parteien, jetzt am Freitag ist der Durchbmch des Stollens glücklich erfolgt. Natürlich wurde der Durchschlag als großes Ereignis gebührend gekennzeichnet. Die letzten Sprmgungen wurden von der Nachtschichtmannschast vorgenommen. Sofort nach dem Wdgräumen des Schuttes wurden neuerdings die Bohrmaschinen angesetzt. Man vemahm das Geräusch derselbenArbeit auf der Südseite. Kurz vorher hatte man im nördlichen Stollen ein „Sondier- loch" von 3Vs Meter gebohrt, ohne dabei m den Freien Raum des südlichen Stollens zu stoßen, trotzdem die Entfernung zwischen denStollen kaum mehr so groß sein konnte. Plötzlich erschien in diesem Bohrloch ein auf der Südseite angefetzter Bohrer. Deutlich hörte die Nordmannschaft durch die kleine Oeffnung die Jubelrufe der Arbeiter im südlichen Stollen. Es gelang den leitenden Ingenieuren der beiden Seiten, sich über die Bomahme der letzten Sprmgungen zu verständigen. Vom Süden her wurde dann als erster ©egenftani) eine Nelke durch das Bohrloch geschoben. Hierauf maß man die Dicke der die Stollen immer noch trennenben Felswand mit einem Meterstab und es ergab sich, daß die Felsmauer zwifchm Norden und Süden noch 80 Zentimeter stark war. Es wurde abgemacht, daß nur noch auf der Nordseite weiter gesprengt werbe. Der Vortriebarbeiter Giogi zündete die letzten neun Schüsse an, worauf die Tunnelmannschaften aus beiden Seiten, mit dm Ingenieuren und Oberingenieuren etwa 60 Mann, wie immer 200 Meter zurückwichen. Um 4 Uhr 50 Minuten entlud sich die letzte Ladung. Als die Mannfchastm und die Ingenieure voller Spannung im Tunnel durchdrangen, erblickten sie Licht von der anbem Seite, noch ehe der Schutt von der Sprengung weggeräumt
93teitc! .
Labrador liegt im Winter begraben in Schnee und Eis; in Irland gedeiht in der gleichen Breite des 52. Grades der Lorbeer zur selben Zeit Im Freien!
Dem Golfstrom ist es zuzuschreibm, daß bis zum 70 Grad N Br. in Norwegen (Berste gebraut werden kann. Auch der Weizm, die Eiche, die Buche, der Kirschbaum usw. gehm unter Einfluß des GolfstromeS viel weiter nach Norden als sonst. Zum Vergleich sei erwähnt, daß an der Ostküste von Nordamerika die Getreidegrenze unter dem 41. Grad N. Br. liegt!
Unermeßlich ist die Wichtigkeit des GolfstromeS für die transatlantische Schiffahrt. Hier besorgt er die Auflösung dec nach Süden treibmden Eisberge. Diese ragen oft Hunderte von Metern in die Tiefe so daß also die Tiefe des GolfstromeS hier von großem Nutzen ist. Der Kurs der Amerikafahrer müßte ohne den Golfstrom viel weiter nach Süden verlegt werden, was eine bedeutende Verlängerung der Reise bedeu- leie
Wenn der Golfftrom Island passiert hat, beginnt er allmählich unterzutauchen. Sei» Wasser ist bedeu- tei'd salzhaltiger als das vom Pol herkommende Wasser es sinkt also langsam in dre Tiefe. Jedoch ist seine Wirkung immer noch zu verspüren, vor allem an bet Zurückdtangung bes Treibeises nach Norbm.
Aber nicht bie ganze aus dem mexikanischen Golf ausgetretene Wassennmge gelangt nach Norden. Schon unter dem 43. Grad zweigt eine Strömung vom Hauptstrome ab, um an Portugal und Westafrika vor- über zum Aequaior zu fließen, von wo sie wieder in den mexikanischen Golf hinüberfließt. Diese Strömung stellt einen völligen Kreislauf dar, zu dem sie nach Humbold fast drei Jahre braucht Dieser Strom ist bei seiner Reise bis zum 43. Grad schon so wert gekühlt worden, daß er für die äquatorialen Gewässer als kalter Strom gilt. Auf seiner Reise in den mexikanischen Golf wird er aber wieder auf die hohe Temperatur von 30° C gebracht, mit der er dann aufs neue seine Reise in den Atlantischen Ozean als Golfstrom antritt.
* Joseph Viktor von Scheffel.
Z« seinem 25. Todestage, 9. April.
(Nachdruck verboten.)
„Und wo etubenten wandern, Sei's Rhein, fei'« Donauftrand, Da schüliert von Salamandern Zu Ehren ihm da- Land."
, M 81-
Samstag tat 8. April 19U.
58. Jahrgang.
Nicht nur die Festländer der Erde haben Ströme, sondern auch die großen Weltmeere. Freilich sind sie hier nicht so genau zu erkennen, wie die in festen Ufern einherziehenden Festlandströme. Die Meeresströmungen sind aber von wenigstens derselben, wenn nicht von weit größerer Bedeutung als die Ströme des Landes. Ihre größte Wichtigkeit erreichen sie in klimatischer Hinsicht. Je nachdem die Strömung vom Aequator ober von den Polen kommt, ist ihr Wasser warm ober falt. Die Landmassen, die die Ströme auf ihrem Wege berühren, werden von dieser Temperatur stark beeinflußt. Die Minderwertigkeit unserer süi, westafrikanischen Kolonie hängt zum großen Tell davon ab, daß an ihrer Küste vorbei ein kalter Strom nach Norden zieht. Eine ähnliche Erscheinung haben wir an der Küste von Chile. Anderseits aber erfreuen sich Länder die von warmen Sftö-
bÜCt®enn man auch im allgemeinen wenig von den Meeresströmungen zu Wissen pflegt eme Strömung kennt doch fast jeder einigermaßen gebildete Europäer. Diese ist der große atlantische Golfstrom, die bekannteste aller warmen Strömungen.
Der Golfstrom kommt aus dem Mundungsmeere des gewaltigen Missisfipi, dem mexikanischen Golf, der von den Südweststaaten der Union und der Ostkusie Mexikos umschlossen und durch die Antillen vom Ai- lanüfcßen Ozean abgetrennt Wird ^n diesen hinaus tritt der Golfstrom durch die zwischen der Halbinsel Florida und der Insel Cuba liegende Straße von Florida. Von hier aus zieht er nach Nordosieii in einer Länge von über 600 geographischen Meilen oder 450 000 Kilometern. Der Seefahrer weiß ihn an seinen tiefen Blau leicht von dem Grünblau des anderen Meerwassers zu unterscheiden.
Die Anfangsgeschwindigkeit des Stromes betragt beim Austrift in den Atlantik 5 Kilometer in der Stunde. In der Breite von Rewyork betragt die Schnelligkeft der Wassermassen nur noch 2 Kilometer, südlich von Neufundland betragt sie nur noch IP Kilometer Diese Hemmung entsteht durch den von Norden kommenden kalten Labradorstrom Dieser bewirkt auch, daß der Golfftrom hinüber nach Europa zieht.
Die Temperatur des Stromes betragt bei Euba 30° C bei Neufundland noch 20°. Das sind volle 15° mehr, als die Wärme des umgebenden Meeres im Winter beträgt! Auf der Höhe von Island beträgt die Temperatur Im Durchschnitt noch 10 C. Die Tiefe des Stromes reicht bis zu 300 Meter unter die Oberfläche. Ein Amerikaner hat die interessante Tab fache ausgerechnet, daß die gesamte Wärmemenge deS Golfstromes hinreichen würbe, um dnen ström flüssigen Eisens von bet Größe des Misstssipi vor dem Erkalten zu bewahren!
Von der größten Bedeutung nun ist dieser Strom für das Klima von Europa. Er bewirft es, daß unser Erdteil in höheren Breiten eine Temperatur hat, wie sie ihm seiner Lage nach nicht mehr zukommt. Beson- ders im Winter zeigt der Norden Europas an der not- wegischen Küste eine bedeutend höhere Teni^ratur, als gleich hoch liegende Puntte im Innern Rußlands. Wäre der Golfftrom nicht, so müßte »-V. Drontheim zwischen 63° und 64° R. B. eine durchschnittliche Januartemperatur von —10° hoben. Durch bte wärmende Kraft des GolfstromeS aber kitt diese Temperatur erst am Nordkap auf unten» 71. Grad nördlicher
mungen berührt werben, in der Regel eines viel milderen Klimas, als man im attgemeinen nach ihrer geographischen Lage erwarten sollte Der Einfluß der Strömung besteht nun dann daß einmal bet Strom bie Festlandmasse direkt erwärmt ober abkuhlt eine Wirkung, die sich naturgemaßn.cht allzu tief ins Innere erstreckt. Dann aber werben die Winde die vom Meere her ins Land hineinziehen uber ber S rö- mung ebenfalls erwärmt oder gekühlt. Wir können demgemäß also in den warmen -Strömungen eine Art von Wannwasser- und Luftheizung bet Lander er-
habe.
Man sieht. Wie man nur durch scharfsinnige Mietverträge, ohne Grundbesitz, in wenigen Zähren kleine Vermöaen erwerben kann. Dabei handelt es sich nicht nm vereinzelte Fälle, vielmehr sind ähnliche Summen bffm WarLus deä Weitens, Yü^-nhos usw ebenfalls gezahlt worden, z. B. für kleine Handschuhladeu mit einer Mietdauer auf ein paar Jahre 70,000 Ml.
Wenn jetzt auch die Wertzuwachssteuer nach dem Wunsche der Bodenreformer dem wohnungsverteu- erndcn Güterhandel und den RresengeWmnen der Spekulanten eine kleine Franke entgegenstellen Wird, so zeigen die Berliner Falle doch, daß man sich in den gewinnlustigen Spekulantenkreisen noch lange nicht am Ende aller Kunst befindet.
Damit ist bie Vollerdu-ig einer Eisenbahnlinie ungebahnt, die einmal eine wesentliche Zeitersparnis und weite, hin bie Erschließung em es großen Wirtschaftsgebietes ermöglichen wird. Denn wenn man heute von Bern mit bet Eisenbahn durch den S i m p l o n nach Italien fahren will, muß man einen großen Um- weg mc cken. Während Die Luftlinienentsernung -?ern- Bria dem nördlichen Auck'MiaSvunfte des Tunnels rund 80 Kilometer beträgt, fahren die vorhandenen EiieiibahnUnien über eine Strecke von etwa 210 Kilometer Zwischen der Zentrflschweiz und dem Laago M.igo cre sind zwei große Walle aufgetürmt, von denen der Simplonsimnel bloß den ‘•inen durchschneidet. Mischel» den beiden Wällrn für das Rhoiieiai, das nach Norken durch die Berner Alpen tearenjt wird. Nostsi- mar den Simploutumiel durch das Berner L ind und das dahinter liegende Wirtschaftsgebiet mit Nutzen verwenden, so blieb nichts anderes übrig, als auch durch ten zweiten Wall, durch die Berner Alpen, -em Loch zu bohren. Das ist nun geschehen. Von ben verschiedenen Projekten hat man sich für einen Durchstich des Lötschen, oberhalb Kandersteg, entschlossen. Dadurch warb zwar keine gradlinige Verbindung mit Brig geschaffen, der Tunnel mündet 20 Kilometer unterhalb dieses Ortes ins Rhonetal, aber doch der bisherige Umweg von 130 Kilometer auf etwa 15 Kilometer, alles in runden Zahlen, ermäßigt. Für die eigmtliche Bohrung kommen dabei rund 14 Kilometer, über 5 Kilometer weniger Wie beim Sim- plon und knapp 1 Kilometer weniger wie beim Gotthardt. Nach einer Bauzeit von rund 7 Jahren am Simplon konnte man angesicht der bedeutend gesteigerten Leistungsfähigkeit der Bohrmaschinen auf eine Fertigstellung in 5 Jahren rechnen.
Die Arbeften, ausgeführt mit den Magerschen Luftbohrmaschinen und den Ingersoll-Bohrmaschinen setzten am 15. Oktober 1906 ein und schritten unge- tört fort bis am 24. Juli 1908 eine furchtbare K a- tastrophe eintrat. Nachts erfolgte damals nach Lösung eines Sprengschusses ein ungeheuerer Wafferund Schlammeinbruch, der in kürzester Zeit den Stollen auf über 1000 Meter lang anfüllte und 23 Mann von der 25 Mann starken Belegschaft als Opfer forderte. Die sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß es sich um einen Einbruch der Wasser der Kauder handelte. Die Tunnelarbeilen waren gerade über 100 Meter unterhalb des von der Kander durchflossenen Gastemtales angelangt. Für diesen Teil des Baues war von sachverständiger Seite von Anfang an Unheil prophezeit, die Warnungen waren jedoch nicht beachtet worben. Um weiterkommen zu können, entschloß man sich zu einer Umgehung bet gefährlichen • Stelle Man führte, ohne daß verkehrstechnische Schwierigkeiten entstanden, etwa 1100 Meter vom Nordeingang aus gerechnet den Tunnel nicht grad- - linig, sondern in sanftem Bogen um die Stelle herum.
1500 Meter waren allerdings vergeblich gebohrt und die Gesamtlänge des Tunnels wurde von 14 000 Metern auf 14 800 Meter verlängert. Die B a n k o st e n wurden nur um 3 Millionen Francs und die Bauzeit
Allerlei.
— Ei« Erfolg der Wissenschaft in der Frage der Maul- und Klauenseuche. Ueberall Wütet eben die Maul- und Klauenseuche, ungezählte Millionen an Schaden verursachend, und die Hauptschwierigkeit der Bekämpfung der Krankheit besteht darin, daß man bisher ihre wahre Natur nicht kennt. Vor drei Monaten nahm der Berliner Forscher Dr. S i e g e l an frisch erkrankten Rindern Blut- und Milzunterfuchun- gen vor, er sand auch ein Lebewesen, das als E rreger der Seuche angesprochen werden mutzte, das sich aber nur auf den üblichen Kulturen nicht züchten ließ. Dr. Siegel ist die Züchtigung auf Reinkulturen nun gelungen und in der soeben erschienenen Tierärztlichen Wochenschrift bestätigt -m zweiter Gelehrter, Dr. Nicolaus, die Befunde fernes Kollegen vollständig. Danach erscheinen ine neuen Bazillen stets im Blute der an der Seuche leidenden ~«re, obald diese fiebern. Mit Unterstützung des Landwut- schastsminisieriums werben nun eingehende Weiterforschungen getrieben und wenn nicht alles tauscht, wird man baut bet Entdeckung Dr. Siegls bald In systematischer Weise gegen die Maul- und Klauenseuche vorgehen können. Allerdings tarnt. Wie bie Geschichte der Tuberkulosenbekämpfung lehrt, zwischen der Entdeckung des Krankheitserregers und der Entdeckung de» Serums noch eine lange Zeit vergehen.
Zu seinem 50. Geburtstage verlieh bet Großherzog bon Baden Scheffel den erblichen Adel, auch Bismarck gratulierte. Kurz nach seinem 50. Geburtstage baute Scheffel sich bei Radolfzell am Hegauer Ufer des Kon- stanzer Untersees ein eigenes Heim. Hier hauste er und widmete sich der Bewirtschaftung seines Gutes, der Jagd und der Fischeresi Die Feder ruhte fast voll, ständig Sein letztes umfangreicheres Werk war Waldeinsamkeit, zwölf landschaftliche Stirn- mungsbilder". In den letzten Jahren seines Lebens dichtete er nur noch zu besonderen Gelegenheiten kiei. nere Sachem Zu seinem 60. Geburtstage war er noch einmal nach dem geliebten Heidelberg gepilgert, wo ihm zu Ehren große Festlichkeiten stattfanden. Aber er War bereits ein Sterbender. Nach Hause Ende März zurückgekehrt, verschied er am 9. April 1886, abenoS 7 Uhr.
Ein großer Dichter im eigentlichen Sinne des Wortes ist Scheffel nicht gewesen, aber seine gesunde Froh, lichkeit mib seine echt männliche Empfindungskraft bahnten ihm den Weg zum Ruhme.
war Zwischen den beiden «tollen hatte die letzte Sprengung ein 5 Meter großes, zackiges Loch gens fen druck welches als erster der Letter der Vorttiebs- arb'eiten der Südseite, Oberingenieur Morot, ftoch, der ben Oberingenieur bet Rorbseite, Rothpletz, umarmte. Rack Morm erschienen auch bie anbeten Jngenimre unb$bie Arbeiter bet Südseite im nördlichen Stollern Es fand eine seht herzliche Begrüßung statt, bei der kuch der Sekt nicht fehlte. Die echen vorläufigen Messungen über das Zusammentreffen der be^ den Stollen ergaben ein geradezu glanzendes Etgeb- ni8 ES werben folgende
uannt- Unterschied zwischen ben Portalen tunb 40 estntimeter zwischen den Tunnelachsen 30 Zentimeter, zwischen den Stollenhöhen 10 Zentimeter. Die Durch- fchlagsstelle befinbet sich auf bet A^e bri Stl^ meter 7186. Hervorzuheben ist, daß derLötschberg erste sehr große Alpentunnel ist, der nicht geradlinig sondern in einer Krümmung verlast. Die Schwierigkeiten, ein genaues Aufeinandertreffen der Stollen zu erreichen, sind deshalb verhaltnismabig arösier gewesen als beim LMNploii- und Gotthard-, ft-nnel, und die Ingenieure über die nicht großen gegenseitigen Abweichungen der stollen sehr befriedigt.
So hat Fteiligrath von dem Manne gesungen, des- fen Standbild sich heute in Heidelberg, unterhalb de- Heidelberger Schlosses, erhebt, von Joseph Viktor von Scheffel, dem feuchtfröhlichen Sanger des Oberrhe.ns, Seinen feuchtfröhlichen Kneipliedern hat er denn auch hauptsächlich seinen großen Anhang in akademisch m Kreisen zu verdanken. Das Werk jedoch, das smnen Ruhm begründete und ihn bekannt machte, ist .Der Trompeter 'von Säkkingen, ein Sang vom Oberrhein, der einen Erfolg zu verzeichnen hat, mit dem man vielleicht nur n^h — natürlich außer den Klassikern — Friedrich Wilhelm Webe s »Dreizehnlinden" vergleichen kann. Mit dem ^Trompeter entschied sich auch, ob Scheffel sich der Malerei oder der Dichtkunst widmen sollte. Lange genug hat er »wischen beiden Künsten geschwankt. Aehnlich ist eS ja auch Goethe und Gottfried Keller ergangen.
Geboren am 16. Februar 1826 zu Karlsruhe, war er für die Juristenlaufbahn bestimmt, studierte oie Rechte in München, Heidelberg und Berlin und war bann auch eine Zeitlang als Anwalt tätig. Doch rechte Freude konnte Scheffel fernem Berufe als Jurist nicht abgcwinnen. Die trockene Aktenwissenschaft betagte ihm nicht. Dies tritt auch so recht deutlich zutage im „Trc.. Peter von Säkkingen, wo Schesfe. Jung Werner die Worte m den Mund legt.
„Römisck Recht, gedenk ich deiner, Liegi's wie Alpdruck auf dem Herzen, Liegt's wie Mühlsleiu nur im Magen, Ist der Kopf wie breitvernagelt."
Heber die Wandlungen in feinem Lebensberuf schreibt er nach dem Erscheinen des „Ekkehard an Ignaz Hub: „Nach Naturanlage und Neigung hatte ich ein Maler werden sollen; Erziehung und Verhältnisse wendeten zum Dienste der Justiz; bte unerfüllte Sehnsucht nach der bildenden Kunst unb die Oede eines mechanischen Berufes riefen in ihrem Zusammenwirken die Poesie wach . . Auf Capri entschied sich sein Schicksal. Eigentlich war er seiner Malstudien halber nach Italien gezogen und es sind uns eine Anzahl Zeichnungen aus seiner Studienfahrt erhrt.'n. Er betätigte sich auf dieser Reise insofern schon schriftstellerisch, als er Reiseskizzen, zu denen er auch die Zeichnungen selbst lieferte, in verschiedenen Zeitungen veröffentlichte. Auf Capri entstand lvenigstens m der Hauptsache sein „Tromveter", tote er in der Zuneigung zu diesem Werke selbst sagt. Heber den Inhalt braucht wohl bei der großen Vorbereitung, die dle.es Scheffelsche Werk gesunden hat, ke-.n Wort verloren «t werden. Scheffels ganzer, geimitlicher Humor beuchtet aus dieser T'si'.nng hcrtwr. Den Anlaß zum Entstehen des Werkes soll Scheffel ein Grabstein ans dem Friedhof in Säkkingen gegeben haben mit aer Inschrift: „Hier ruht Herr Werner Kirchhofer, der einstmals ein Trumpetter war und sinne C bell ebne Maria Ursula geborene Feint von Schönau. Ent epochemachendes Werk hoher Dichtkunst 'st -Der Trompeter von Säkkingen" nicht, darüber herrscht wohl heute kein Zweifel mehr. Seine große Verbreltnag dankt er vielmehr der nnverttlgbaren Freude des Volkes an den Spielmanns-Dtchtnngen uiid — dies darr hierbei nicht außer acht gelassen werden — d-r .rische u Schreibweise Scheffels nn Trompeter , der lebendig entwickelten Handlung und der guten Cha- rakterbezeichnuna der Ijaneelnben Personen Um bekanntesten daraus geworden ist das Oed »Behüt t.c) Gott, es wär so schön gewesen. Auch Mir OperW man den „Trompeter" umgeirmndelt. .«cheftcl selbst hat sich darüber ziemlich abfällig ausgesprochen.
Wertvoller als der „Trompeter von Säkkingen" ist Scheffels Roman „Ekkehard", der 1857 verösfent- licht wurde. Ja er ist überhaupt bte bedeutendste Dichtung Scheffels. Der Roman spielt,tm 10. liahr- hundert. Das Material dazu fand Scheffel in den, von Vertz herausgegebcnen „Monumenta Germanrae , Sic er für feine Habilitationsschrift durchstöberte, oder vielmebr in den in den „Monumenta Genna- niae“ enthaltenen fanktgallifchen Klostergeschichteu wie er selbst in der Vorrede zum „Ekkehard Jagt. Auf breiter historischer Grundlage entrollt uns scheffel im „Ekkehard" ein farbenprächtiges Bild -etter «eiten. Mit der Geschichte nimmt er cs allerdings, wie die meisten Verfasser „historischer" Romane, mcht sehr genau. Viel Roman und Wenig Geschichte. Vor ollem tut er dem damaligen Mönchtum bitter Unrecht, wenn er die Mönche jener Zeit als Wein- und Weiberknechte darstellt. Denn, wenn sie das gewe,en Wären, hätten sie ihre Kulturmifsion nicht erfüllen Tonnen, wie sie sie erfüllt haben.
<^er Roman „Ekkehard" schildert, tote Hadwiga, die Herzogin von Schtvaben. in leidenschaftlicher Siebe ju einem auf ihrem Schlosse Hohentwiel befindlichen Mönche, Ekkehard, entbrennt. Dieser flieht und schreibt in der Einöde das Waltharilied nieder. Störend wirkt bei dieser Dichtung, daß die Handlung oft durch längere Episoden unterbrochen wird. Doch von den angeführten Mängeln abgesehen, ist der »Ekkehard eine bedeutende Schöpfung. Die spateren Werke Scheffels haben den „Ekkehard" nicht mehr erreichen können. ES ist, als ob Scheffel mit „Ekkhard sein ganzes dichterisches Können vorausgabt hatte.
Rach dem Erscheinen des „Ekkehard" beschäftigten neue große Entwürfe den Geist Scheffels, Wie er mit dem Roman „Ekkehard" die Kultur des 10. Jahrhunderts lebendig hatte erstehen lassen, so wollte er die Wartburg mit ihrem Sängerkrieg verherrlichen. Das Versprechen, das et in dieser Hinsicht nn November 1857 dem Großherzog von Weimar gab, blieb w- doch unerfüllt. „Frau Avant iure, Lieder aus Heinrich von Ofterdingens Zeit" und „I u n i p e r u s, Geschichte eines Kreuzfahrers", sind gleichsam nur Splitter des beabsichtigten großen Sängerkriegwerkes. Scheffel konnte den gewaltigen Stoff, der sich ihm in den Zeiten des Sängerkrieges darbvt, nicht meistern, nicht in die Form des Romans zwingen. Von den weiteren Werken Scheffels zeichnen sich besonders die „Bergpsalmen" durch ein sinniges Naturempfin- ben und schöne Sprache aus. Der Kneiplieder Scheffels ist bereits gedacht worden. Sie sind gesammelt tat „Gaudeamus", das ebenfalls eine außerordentlich große Menge von Auflagen erlebte. Die Sammlung enthält manche Perlen. Im großen und ranzen sind die Lieder aber erheblich überschätzt worden. Man braucht durchaus kein Feind eines urwüchsigen Kneiphumors zu fein, um sich zu sagen, daß es schade ist, daß Scheffel das Talent, welches er auf liefe Trinklieder verwandte, nicht in bessere echtere Münze umgeseht hat. Am meisten aber m Mißkredit gekommen ist diese Art von Dichtung durch die Schef- sel-Nachahmer. Paul Hehse hat dafür das Wort ^Butzenscheibenlyrik" geprägt.
Eine neuartige Form der Spekulation auf Wertzuwachs ist in letzter Zeit in Berlin zu- taae getreten. Kluge Leute haben dort entdeckt, daß man nicht Haus- oder Grundbesitzer zu fein braucht, um einen kleftien Teil an dem durch die neue Steuer auch von Reich, Staat und Gemeinde in Anspruch ge- nommenen Wertzuwachs davontragen zu können. Auch als M i e t e r ist man imstande, an dem Wertzuwachs wilzunehmem 'Das Warenhaus A. Wertheim in der Leivziaerstraße zu Berlin, das zu seinen forttoah- renden Erweiterungsbauten die Nachbargrundstucke unter schwereii Geldopfern auftaufen muß, hat kürzlich mit eüwm solchen grundbesitzlosen Terra,nspeku- lanteu einen interessanten Zusammenstoß gehabt.
Im Jahre 1903 wohnte Leipzigerstrahe 136 im .Hin- terhause ein Bildnismaler und hatte auch auf elf Monate ein Mietrecht. Wertheim brauchte das Haus, erwarb es und wollte den Maler heraus haben. ~ ließ sich erweichen, gegen Zahlung von 50,000 -wart auszuziehen. Hierdurch gewitzigt, dachte er aber auch an die Zutunft, und zog ein paar Hauser weiter, nach Nummer 130, mietete dort im vierten Stockwerk links eine Wohnung von zwei Vorder-, dre, Hmterzimme n nebst Zubehör bis 1913 für 2000 Mark und wartete der Dinae, die da kommen sollten. Ende 1909 schlug die ersehnte Stunde; Mittelsmänner von Wertheim begannen Verhandlungen wegen Ankaufs, und der Grundstückseigentümer solche wegen Ablösung a.8 Malermietrechtes. Der Maler hatte Was gelernt. An- geböte von 3000, 15000 Mk. schlug er veracktungsvoll aus Auch als die Erwerber des Grundstücks auf 50,000 und selbst auf 75,000 Mk hinauf S«MN, lehnte er immer noch ab und verlangte eme — V-ertelm l- lion. Mit der und den früheren 50,000 Mark hatte er als jugendlicher Mann von 36 ^ahren in sieben Mietjahreii die abgerundete Sumine von 300,000 M-. beisammen gehabt. Indessen die Viertelmillion wor selbst Wercheim zu arg, und da er nut den anderen Mietern ohne Millioiienforderungen einig geworden war, so überließ er den Maker in der linken .Haus- Hälfte sich selbst und begann, den rechten Seiten- und den Hinteren Ouerflügel abzureißen, um wemgst.ns an diesen Stellen seinen Neubau errichten zu tonnen. Der Maler, dem damit die Felle wegschwammen, beschritt nun natürlich den Klageweg wegen bet ferne Wohnung gefährdenden Wertheunschen Bauunternehmungen/ hat aber bisher fein obsiegendes Urteil er
zielen können.
Temc'Ixn Späherblick wie der Maler hatte aoer auch" ein Rechtsanwalt gehabt und ebenda im ^ahre 1905 eine Wohnung bis 1910 für 2/00 Kart gemuM mit dem Optionsrecht auf weitere fünf ^ahre für 3M Mart Miete, hatte die Wohnung aber nie selbst bezogen, sondern einstweilen durch Untervermietung nutzbar gemacht, öfters auch die Miete mckt zahlen können. Auch ihm nahte schon 1909 das ersehnte Ablösungsverlangen des Verkäufers. Er Lewing fidj schriftlich 2000 Mk., Erlas; der rückständigen Mieten und, falls Wertheim direkt oder indirekt daS $?aix§ erwürbe, fernere 20,000 Mk. aus, focht aber, als Wertheim wirklich erwarb, den Schein wegen Jrr.ums an. Tie 20,000 Mk. feien nur so aufs Geradctovhl hing-- schrieben worden. Der Verkäufer habe verpchert, oaß ein Verkauf an W. nickt beabsichtigt feu Hatte der Mieter wifflick geglaubt, daß W. erwerben wurde, würde er sich mit einer so geringen Summe wie 20,000 Mk. nicht begnügt haben. DaS L a n d g e r i ch t i-at ihm bei, nahm an, daß beide Parteien sich mckt ganz kkvr gewesen, ob W. erwerben Werde, und de »halb nur eine mittlere Summe eingesetzt hätten Das Kamin e r g e r i ch t dagegen meinte, daß der Mieter den von ihm selbst verfaßten Schein gegen gelten lassen müsse, und so erhielt er nur — 23,000 Mk. Im selben Hause hatte ein größeres Geschäft einen Laden für jährlich 20,000 Mk. gemietet. Es zog mit ITO,000 Mk Entschädigung aus, behauptete allerdings einen großen Schaden zu erleiden, Weil es einen passenden Laden nur zum Preise von 40,000 Mk. erhalten
* Der Mieter als Terraiulpeknlant.