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Rotationsbrnckuiib vertag der Lukdarr Ak- tieirbruSerei in Fulda
FerulPtecher Nr. 9.
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M 81. Erstes Blatt.
Fulda, Samstag den 8. April 1911.
38. Jahrgang
Preußischer Landtag.
Herrenhaus.
Sitzung vom 7. April 1911.
Im Herrenhause entwickelte sich heute unter starker Besetzung des Saales und einem großen Andrang zu den Tridünen und zur Hofloge die weitere Debatte über das
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insbesondere über den Anti«oderiliiteükii>.
Am Regierungstische erscheint der Kultusminister, und die große Zahl seiner Räte hat kaum Platz auf der Regierungseilrade.
Graf N»rk von Wartenburg erklärt, daß ihm gestern ein Irrtum unterlaßen sei, er habe von einem Anstellungsrecht des Staates bet den Geistlichen gesprochen. Dem Staate stehe aber nur ein Einspruchsrecht zu, was »ber an seinen tatsächlichen Ausführungen nichts ändere.
Kardinal UrWchos v. Kopp:
Herr Graf Dort hat gestern unsere gegenwärtige kirchen- politische Lage zu düster dargestellt. Ich gehe von fern wichtigsten Punkte aus, dem sogenannten
Antimodernisteneid.
Ich habe den Eindruck, als wenn man den Antimodernisteneid sowohl in formeller rote in inhaltlicher Beziehung doch wett überschätzt. Durch den Eid wird »ichts Neues etngeführt. Durch die Verpflich« sung für die Lehrer der katholischen Fakultäten an den Universitäten rouroe nichts anveres besagt, als was ber Antimodermsteneid ausipricht. Jeder, der zum Lehramt in der Kirche zugelassen wird, war verpflichtet, die Erklärung abzugeben, daß er nach den Grundsätzen and Lehren der Kirche unterrichten werde. Die bisherige Form dieser Beipflichtung war die sogenannte Confessio Trideniina, die sich aus die tridentinischen Glaubenssätze stützt und später durch die vatikanischen vervollständigt wurde. Der Heilige Stuhl Hal es für notwendig gehalten, für diese Consessio eine feierliche Form vorzuschreiben, denn es hat seinen Argwohn erregt, daß sich in der Kirche Strömungen geltend machen, welche unter scheinbarer Zustimmung und mit zweideutigen Redensarten ihren Widerspruch gegen die kirchliche Glaubenswahrheit zu verschleiern suchen. Denen, welche glauben, daß es sich beim Eide um etwas neues handle, stelle ich das Zeugnis der Prosessoren der katholischen Universitätsfalultäten entgegen, welche offen erlärl haben, daß der Eid keine neue Bindung enthalte. Man kann diesen Männern doch nicht unterstellen, oaß sie diese Erklärung im Widerstreit mit ihrer Ueberzeugung abgegeben hätten. Bon der Lehrverpflichtung kann der Papst die Prosessoren nicht entbinden. Aber mit Rücksicht auf die Ausnahmestellung, welche bieieiben im Lehramte einnehmen und unter Berücksichtigung gewisser Vorurteile hat, er sie dispensiert. Diese Erklärung hat der Papst auch mir gegenüber schristlich abgegeben; auch ber preusiiche Geiandte beim Heiligen Stuhl hat eine ähnliche Erklärung vom Heiligen Stuhl erhalten. Die Professoren, bie sich bes Eides enthalten haben, haben es nicht getan, weil sie ben Elb nicht leisten wvllien, sondern mit Rücksicht auf bie Stellung, in bie sie vom Staate eingeiviesen sind; diejenigen aber, welche zugleich em kirchliches Amt bekleiden, haben sich der Eidesleistung nicht entziehen lönnen. Die Würde der Universität wird durch ben Eid nicht verletzt, das würde nur der Fall fein, wenn in dem Eide eine Verlegung der Siaaislreue oder ber Ausgaben ber Universitäten gesunden werden fön te. Das ist nicht der Fall. Der Papst hat die Pflicht, den katholischen Glaubensschatz zu bewahren. Wer ka.holisch ist, ob Laie oder Geistlicher, kann sich der Anerleunung dieiec Pflicht nicht enlziehen. Es handelt sich hier um eine Angelegenheit, Sie roeber bie Nichtkatholi- schen bürgerlichen Kreise berührt, noch auch die Arbeiten der übrigen Disziplinen an ben Universitäten irgendwie behindert. Deshalb hat sich die Staatiregierung in diese Angelegenheit nicht eingemischt. Vielleicht wäre es angezeigt gewesen, der Staatsregierung eine Mitteilung von der Aendernng der zwischen Staat und Kirche vereinbarlen Verpflichtungen zu machcn, aber zur Entschuldigung tonn ich sagen, daß der Papst nicht daran gedacht hat, daß er damit etwas Lieu es in diese Vereinbarung hiiieiiiirage. Man hat von ber Beeinträchtigung der Freiheit der Forschung gesprochen. Eine unbeschiänkte Fie.heit der Forschung gibt es nicht. Die wissen chaftliche Tätigkeit ist von vielen Seiten begrenzt, zunächst von dem Zweck, dem sie dienen soll. Der Zweck der Wissenschaft ist in ihr selbst, aber er ist immer in gewisser B zichung beschränkt auf bas Gebiet, welches sie zu bearbeiten hat. Eine andere Be- fchräiilung liegt in der Beschränktheit der menschlichen Ertennliiis überhaupt und in der Endlichkeit des menschlichen Wesens. Wir mögen in unserer geistigen Arbeit unseren Blick noch soweit schweifen lassen, es kommt doch immer die Grenze, wo das Schauen endet und wir auf die Vermulung angewiesen sind. Die wiffcnschaftilche Tätigkeit ist auch beschränkt durch das Erlenntnisveimögen. Ich stimme vollkommen überein mit. Professor Reinke. Soviele Konzessionen er auch der kantianischen Philosophie macht, er hält doch fest an der Wektwirklichkeit, nicht an der realen Erkennbarkeit; er nimmt an, daß durch die Erkenntnis objektiv die Erkenninis selbst beschränkt wird, und er findet Nicht bann Unwiffenschaftlichkeit, baß man sich an bas Objekt ansch ießt, sondern in der Beimischung von fubjetÜDcn Elementen. So wie die objektive Erkenntnis eme Beschränkung der Erkenntnis ist, so wird sie auch in vielfacher Weise modifiziert von der Umwelt, von den Zeitverhällnissen, dem Temperament ufro. All diese Umstände wirken mit auf bie Erkenntnis, bie sich im Geiste so aufbaut unb auSgeftaltet, wie bas Leden in der Zelle. Professor Reinke gibt dies zu und er fetzt hinzu: Jeder trägt in seinem Geiste eine Wahrheit, er hält aber daran fest, daß es auch absolute Wahrheiten gibt, nämlich in ber Mathematik. Wir gläubige Christen haben aber auch andere absolute Wahrheiten, ,ba§ sind bie religiösen Wahrheiten. Er meint 'weiter, absolute Vorurteilslosigkeit unb Vorurteilsfrei« check, das sei wohl das Ideale; aber wir seien Menschen. Wären wir reine Geister, dann würden diese Beschrän- ’ungen gewiß wegsallen. Aber bas sind wir nicht, unb deshalb Hostet sich Reinke damit, daß er sagt, wir müssen in ehrlicher geistiger Arbeit uns dem Geiste näbein. Ich bitte Sie, biese Grundsätze ans ben Gegen- .ftanb anzuwcnden, der uns jetzt beschäftigt. Wenn es nun absolut unmöglich ist, bei ber wissenschaftlichen Betätigung von allen Begrenzungen abzusehen und sie davon zu befreien, ist es beim möglich, daß man bei der Theologie auf ben religiösen Gesichtswinkel verzichtet? Unb verdienen die Theologen, die den religiösen Gesichtswinkel haben, ben Borwurf, daß sie minderwertig und zum Lehramt unfähig sind?
W'
Prof. Reinke sagt, daß Unduldsamkeit ein Zeichen einer schlechten Sache ist, die Toleranz aber das Fundament der Gerechtigkeit. Nun möchte ich seine Kollegen bitten, diese Toleranz auch unserer Konfession zu erweisen. (Bewegung.) Dem dringendsten Wunsch, daß an dem Bestehen der
theologischen Fakuläten
nicht gerührt werde, schließe ich mich mit vollem Herzen an. Dieser Absicht ist auch die höchste, leitende kirchliche Stelle. Bei den vielen Beunruhigungen, welche dieser Winter für uns gebracht hat, wurde auch die Frage aufgeworfen, ob man nicht kirchlicheseits die katholifch-theologischen Fakultäten für überflüssig hielte unb nicht lieber dieAusbilbung der Geistlichen in die Seminare verlegen wollte. Das hat mir Veranlassung gegeben, an bie höchste leitende Stelle die Frage zu richten, ob man wirklich so etwas plane, und ich habe die Antwort bekommen, daran habe man bisher nicht gedacht unb man benke auch nicht daran. Die Dekrete, von denen in diesem Winler so viel in ber Oeffentlichkeit bie Rebe war, behandeln nur eine rein kirchliche Angelegenheit. Nun sagt man, man hätte ben preußischen Ge« sanbten vorher unterrichten rnüfstn. Ja, aber bie Dekrete sind doch für die gesamte katholische Welt und da hätte man mit allen Gesandten verhandeln muffen und das wäre auf ein neues Plazet hinausgelaufen. Der Graf Jork ist zunächst auf das
Erstkommunionbekret
zu sprechen gekommen unb hat selbst gesagt, baß das eine rein kirchliche Angelegenheit war. So hat es auch ber Papst bezeichnet, so haben es bie Bischöfe angesehen, unb biese Bezeichnung haben sie ihm auch in ihren Anschreiben an das Volk gegeben. Sie haben auch ihre Unterhandlungen mit dem Heiligen Siust über bie Ausführung als innere Angelegenheit angesehen. Ganz trifft das aber nicht zu. Wir haben hier ben Schulzwang. Es ist in ben Lehrplan ber öffentlichen Schulen, auch ber Privatschulen, der Religionsunterricht ber katholischen Konfeifion eingesügt. Dieses Dekret bezieht sich nun auf noch schulpflichtige Kinder. Es kommt alfo bie staatliche Schulorbnung unbedingt in Betracht. Das verkennen bie Bischöfe auch nicht. Sie haben bereits angefangen, sich mit ber Staatsregierung in Verbinbung zu fetzen, um alle Bedenken in betreff der Schulordnung zu beieiligen, unb die Bischöfe haben eine Verständigung von Seiner Heiligkeit bekommen, daß sie diese Angelegenheit in aller Eintracht und in vollem Einvernehmen mit der Staatsregierung behandeln sollen. Auch bezüglich des Dekrets vom 20. August, betreffend bie
Versetzung der Geistlichen,
hak Graf Jorck eine ganze Reihe Gespenster gesehen. Er hat darauf hingewiefen, daß bie Rechte bet Patrone unb der Staatsregierung in Frage gestellt wären. Er hat auch gemeint, daß jetzt Willkür getrieben werden könne. Etwas Neues bringt dieses Dekret eigentlich nicht. Gras Jork hat selbst zugegeben, baß auch bas preußische Lanbrecht eine solche Verletzbarkeit ausvrück- lich zugestehe. Für bie Abfetzung unb Verletzung ber Geistlichen ist" jetzt ein geordnetes Verfahren vorgesehen und der Papst hat jeder Gefahr vorgebeugt. Er hat in der Anweisung an die Bischöfe die ausdrückliche Erklärung abgegeben, daß nur solche Gründe, die auf ben Glauben, ünb bie Stifte und auf bas Wohl der Gemeinde Rücksicht nehmen, bei dieser Frage geltend gemacht weiden können. Graf Jork hatte auch die Besorgnis, daß bie Maßnahmen gegen die Modernisten bie Professoren ber katholischen Fakultät sehr binden. Dieser Besorgnis muß ich entgegentreten. Der Papst wendet sich gegen den Agnostizismus, ber anti- christlich ist, unb gegen den Immunentismus, ber nichts weiter als ein verschleierter Pantheismus oder Materialismus ist. Da sinb keine Berührungspunkte mehr mit dem Glauben, diese verleugnen das Dogma vollständig. Aehnlich verhält es sich mit anderen Bestrebungen, gegen die sich der Papst wendet. Die
Enzyklika Pa sc en d i
bringt keine Schwierigkeiten. Wir haben damals, als sie herausgegeben wurde, sofort den Heiligen Vater darauf aufmerksam gemacht, daß bei uns in Deutschland diese Erscheinungen noch nicht so an den Tag treten, und wir haben gebeten, von gewissen Maßnahmen Abstand nehmen zu wollen, um alle Unanehm- lichkeiten zu vermeiden. Es ist auch alles beim Allen geblieben. Nach ben Statuten ber kathol. Fakultät, bie von der Regierung mit Genehmigung ber kirchlichen Obrigkeit festgestellt sinb, ist bas mit Genehmigung der kirchlichen Obrigkeit sestgestellt sind, ist das Vorlesungsverzeichnis ben Bischöfen vorzulegen. Zur Wahrnehmung des Aufsichtsrechts hat auch der Bifchos das Recht, die Vorlesungen zu besuchen. Die Bischöfe haben zu den Theologieprofesforen das Vertrauen, daß eine Ueberwachung nicht nötig ist. Daß da also eine schärfere Uebeiroadiung ein letzt, trifft auch nicht zu. Auch bie literarische Tätigkeit wirb nicht mehr beschränkt unb überwacht als es sonst geschehen ist. Was bie
R eligionslehrer
anlangt, so würden sie an sich nicht verpflichtet fein, ben Antimobernisteneid zu leisten, aber als Seelsorger ihrer Schüler find sie verpflichtet, ben Eid zu leisten. Wenn sie sich thm entziehen, so können sie wohl bas Lehramt behalten, aber ihr Seelforgeamt müssen sie aufgeben. Graf Jork hat in seinem Schlußsatz an bie katholischen Staatsangehörigen einen roarnenben Appell erlassen inbejug auf bie uns vorliegenbe Frage. Ich möchte ben Appell beantworten unb zwar glaube ich dazu berechtigt zu sein, Inicht allein in meinem Namen, nicht allein im Namen der Bischöfe, fondern auch im Namen der katholischen Mitbürger. Ich bitte um Entschuldigung, wenn ich diese Antwort, um sie genau zu fixieren, verlese:
Die katholischen Staatsbürger halten dafür, daß durch bie neuesten Maßnahmen des Hh Stuhles, die Dekrete vom 8. unb 20. August, wie das Motupro- prio vom 1. September vorigen Jahres, in ihrer Stellung zu ber Staatsregierung wie in ihren Beziehungen zu ben nichtkatholischen Mitbürgern nichts geänbert sei. Sie werden nach wie vor Mitarbeiten an den hohen Ausgaben des Staates und an ber Förberung des Baterlanbes unb barin mit ihren nichtkatholischen Mitbürgern wetteifern. Sie haben aber auch bie Hoffnung, baß sich bie Stellung ber anberägläubigen Mitdürger und ber ©JaatSregierung ihnen gegenüber nicht ändere. Was den Epifkopat angebt, so wird er, an den bisherigen kirchlichen Grundsätzen feil« haltend, stets bestrebt sein, die Ausführung kirchlicher Anordnungen mit den Ausgaben, Interessen und Kompetenzen des Staates in Einklang zu bringen. (Beifall.)
Professor Dr. Küster-Marburg ist durch die Ausführungen des Vorrebners nicht ganz überzeugt. Die Kirche habe fich an die Worte des StitterS .Mein
Reich ist nicht von dieser Welf nicht gehalten. Es gibt eine Grenze, über bie hinaus Niemand gehen darf. In den neuesten päpstlichen Kundgebungen sei dies aber geschehen. Diese Grenze ist durch die Forderung des AntimodernisteneideS überschritten worden. Dir Professoren haben den Eid geleistet und daß sie es aus voller Ueberzeugung getan Haden, bezweifle ich nicht. Sonderbar ist für uns, daß der Eid alljährlich erneuert werden soll. Der .Offervatore Romano" hat nun gesagt, wir Evangelischen möchten unS trösten. Der Eid könne ja nach einigen Jahren wieder abgeschafft werden. Es gibt wohl kaum eine zynischere Behandlung der Heiligkeit des Eides, als sie in diesen Worten liegt. Der Verlauf der ganzen Affaire ist so gewesen, daß bie Protestanten keine Veranlassung haben, mit ber Staatsregierung unjufrieben zu fein. An bie eoangel. Mitbürger richtet Rebner ben Appell, alles zu vermeiben, um ben Streit zu schüren, an bie Staatsregierung aber bie Mahnung: Videant consules .... Die Befugnis der Bischöfe zur Beauisichtigung der Lehrvorträge ber Professoren ist höchst bebenkltch, ebenso ber jährlich zu leiflenbe Gib.
Karbinal Kopp: Ich möchte dem Vorredner erwidern, daß die Professoren von der Eidesleistung überhaupt ausgenommen sind. Der Herr Vorredner verwechselte offenbar die Lehrer an den bischöflichen Seminaren mit Prosessoren der theologischen Fakultäten. Im übrigen stimme ich mit seinem Urteil überein, daß eme solche Bemerkung eines katholischen Blattes, das eine Eidesleistung ohne weiteres als aufhebbar darstellt, eine nichtswürdige Trivialität ist. (Bravo!)
Prof. Dr. Stifter: Ich möchte Se. Eminen, bitten, mir Aufklärung darüber zu geben, ob meine Meinung richtig ist, daß über kurz ober lang nur noch wiche Personen Professoren an den katholisch - theologischen Fakultäten werben können, bie ben Eib geleistet haben.
Fürstdiichof Dr. Kopp: Künftighin müssen bie angehenden Geistlichen beim Empfang der ersten höheren Weihen den Antimobernisteneid leisten, also gibt es dann nur noch beeidigte kath. Geistliche. Sie würden nachher bei der Einstellung in eine staatliche Professur ja .selbstverständlich bie professio fidei zu leisten haben, aber ben Amimodeinisteneid nicht. (Zuruf: Den haben sie ja schon vorher geleistet? So lange ich lebe, wirb bas nicht ber Fall fein. Was nach meinem Tove geschieht, bas weiß ich nicht.
Kultusminister v. Trott zu Solz: Der Herr Mi« nisterpräsibent und auch ich haben am 7. März b. I. bie burch bie päpstlichen Dekrete geschissene Sachlage im Abgeordnetenhaus eingehend beleuchtet. Seitbem ist nichts geschehen, was die Regierung bestimmen könnte, ihren Standpunkt zu ändern. Weiter habe ich zu bemerken, daß zurzeit zu einer Auflösung der katholisch-theologischen Fakultäten keine Veranlassung vorliegt. Die kathol.-theologifchen Faiultäten sind für uns von Wert, auch trotz ber vurch ben Anti- inobernifleneib geschaffenen schwierigen Lage. Erfreulich ist die vom Herrn Karbinal betonte Frie b ens- liebe des Papstes und des Episkopats. Ein friedliches Verhallen ber Bischöfe ist allerbings unerläßlich, wenn es gelingen soll, bie Ausiührung ter Dekrete ohne Konflikte mit ben staatlichen Behörden zu sichern unb Schwierigkeiten mit weittragenden Folgen zu vermeiden. Ich babe keinen Grund, an dem besten Willen ber Herren Bischöw nach biefet Richtung irgendwie zu zweifeln. Wir haben ja auch aus bin Schlußworten bes Kardinals entnehmen lönnen, daß die Bilchöte fidi ausdrücklich zu dieser Gesinnung unb zu btefen Ansichten besinnen. Ob es aber trotzdem möglich sein rotrb, überall Zusammenstöße zwischen kirchlichen unb staatlichen Behörden zu vermeiben, ob nicht doch Schwierigkeiten mit westlragenden Folgen aus ber Ausführung biefet Dekrete entstellen, wissen wir nicht. Wir wollen es hoffen unb wünichen, aber eine Sicherheit für bie Zukunft Haden wir nicht. Es sind boch die Befürchtungen, daß man bet weiteren Entwickelung mit ernster Besorgnis entgegensehen müsse, nicht von ber Hand zu weisen. Sie bestehen in weiten Streifen namentlich der Kirchlich gesonnenen unferer Bevölkerung, auch in den Reihen treuee Anhänger der katholischen Stirche. Das ist durchaus verständlich. Es ist von dem Grasen Aorck aus die Möglichkeit der Zuspitzung desVerhältniffes zwischen Staat und Kirche hingewiesen worden. Wenn biejenigkn, die in der Trennung von Staat unb Kirche ein U n glück für unser Land und Volk erblicken, welche dies nicht wollen, ihre warnende Stimme erheben, so wird man nicht sagen können, baß das zur Urzeit geschehen sei, unb nur wünschen lönnen. baß solche ernsten Stimmen nicht ungehört verhallen. Die Königliche Regieruitg wirb nach wie vor ihr eifriges Bestreben baraus richten, den konfessionellen Friebeu in unferm Lande, dieses hohe Gut, zu erhallen, und wird das in bteten Tagen so oft genannte heikle Gebiet zwischen Staat unb Kirche auch in Zukunft mit Zurückhaltung unb Vorsicht betreten, anderseits aber nicht davon ablassen, bie Würde und bas Interesse des Staates zwar ohne Ueberfpannung, aber mit ernster unb ruhiger Entschiebenheit zu wahren unb zu vertreten. iLebhafter Beifall.)
Professor Dr. Löning-Halle verzichtet aus's Wort. Graf v. Mirbach-Sorquitten ist nicht im Saale. Auch einige weitere Rebner, bie aufgerufen werben, sind nicht anroefenb; artete verzichten. (Heiterkeit.)
Die Aussprache über den Antimoderniflen eib ist damit erledigt.
In der Spezialdcbatte dankt Fürst zu Salm-Horst- mar für die außerordentlichen Mittel, die im Etat für die Universität in Münster vorgesehen sind.
Professor Dr. Stifter erörtert die Beunruhigung, die ber Plan der Errichtung einer
Universität in Frankfurt hervorgerufen hat.
Oberbürgermeister Dr. Abickes nud Dr. Walbeyer treten für die Errichtung einer Universität in Frankfurt ein.
Prof. Dr. Loening befürwortet den Plan der Errichtung einer Universität in Frankfurt.
Nachdem noch mehrere Redner dafür und dagegen geredet, verläßt man diesen Gegenstand.
Prof. Tr.Buß-Münster bittet um vollen Ausbau der Universität Münster.
Graf v. Mirbach-Sorquitten tritt für Schaffung eines Lehrstuhles für exakte Forschungen auf dem Gebiete von Gewerbe und Industrie ein.
Prof. Dr. Wagner-Berlin hält die Schaffung eines solchen Lehrstuhles praktisch nicht für durchführbar.
Beim Kapitel „Höhere Lehranstalten meint -Gene- ralfeldmarschall Graf v. Haeseler, daß ber Jugend durch die sog. Jugendwehren der ganze militärische Ernst doch n-'cht nabegelegt werden könne.
General Frhr. «in Bissing fordert umfangreichere Unterstützung der auf patriotischem Boden stehenden Jugendpflege.
Staatssekretär a. D. v. Hollmann fordert energische Damit wird der KultuSetat bewilligt.
Beim Etat deS Finanzministeriums ergeht sich Bankdirektor v. Gwinner in lönoeren AuSkübrunoen
über die zur Hebung deS Kurses unserer Staats.
Papiere zu ergreifenden Maßnahmen.
Unterstützung der Luftschifsahrt.
Samstag Fortsetzung.
X' Die kirchenpolitische Verhandlung im Herrenhaus.
Keine aufregenben Zwischenfälle, ein ruhiger Mel- nungsaustausch. Man kann zwar nicht sagen, daß die obwaltenden Schwierigkeiten beseitigt worden seien; aber immerhin ist die Spannung nicht verschärst war- ben. Ja, man darf hoffen, daß die klaren und milden Worte des Kardinal-Fürstbischofs Dr. Kopp auch in den Kreisen der Andersgläubigen nicht ohne belehrende unb beruhigende Wirkung verhallen.
In manchen Slottern wirb bie ganze Verhanblung unter bie Ueberschrist gestellt: „Der Antimode r- niftenetb tm Herrenhause". Es würbe aber nicht bloß von jenem Eibe gesprochen, fonbem auch von ben anbern obersthirtlichm Verfügungen wegen der Pfarrer-Versetzung und der Kinderkommunion. Der Herr Kardinal-Fürstbischof ging auf alle drei Angelegenheiten ein. Er legte in Sachen der Pfarrer-Versetzung dar, daß dieselbe nicht vom Bischof dekretiert werden kann, sondern nur von einem richterlichen Kollegium, in dem ber Bischof eine Stimme neben ben Stanbesgenossen bes Betreffenden hat, unb zwar nur aus ernsten Grünben bes Glaubens, ber Sitte unb bes Wohles ber Gemembe. In Sachen bet Kinberkommunion teilte ber Kirchenfürst mit, daß bie Bischöfe eine Verstänbigung vom hl. Stuhle erhalten haben, wonach sie in vollem Einverständnis mit der Staatsregierung (Schulverwaltung) handeln sollen. Da an dem Antimodernisteneid Bedenken wegen des Fortbestandes der theologischen Hochschulfakultäten geknüpft tootben sinb, so ist dieserhalb von ben Bischöfen in Rom angefragt worben unb von bort die Erklärung gekommen, man habe nicht daran gedacht und denke nicht daran, an der Stellung dieser Fakultäten zu rütteln.
Der Kultusminister antwortete auf dies« Friedensrede ebenfalls in friedlichem Tone, aber nicht ohne einen Beiklang von Besorgnissen. Die StaatS- regierung steht nach wie vor auf dem Standpunkte, der vorigen Monat im Abgeordnetenhaufe entwickelt worden ist, und sie will demgemäß abwarten. Das letztere gilt namentlich von der Frage der theologischen Fakultäten, die durch die lveitverbreiteten Vorurteile gegen den Antimodernisteneid in den Vorder- grunb gedrängt worden ist. Der Kultusminister glaubt aber im Einklang mit der letzten kirchenpolitischen Red« des Ministerpräsidenten auch etwas Mahnung und Warnung in seine Worte mischen zu sollen. Er bemerkt. es sei „allerSings unerläßlich", daß die Bischöfe im Einklänge mit den friedlichen Absichten deS hl. Vaters und den entsprechenden Verständigungen aus Rom in verträglicher und freundlicher Weise vor- gingen, „wenn es gelingen soll, die Ausführung der Dekrete ohne Konflikte mit den staatlichen Behörden zu sichern unb Schwierigkeiten mit wett- tragenben Folgen zu vermeiben". Ob eS trotzdem nicht boch zu Schwierigkesten komnten werbe, will ber Kultusminister nicht verbürgen. „Wir wollen £§ hoffen unb wünschen", sagt er, „aber eine Sicherheit für bie Zukunft haben wir nicht." Er spricht bann sogar von „ernster Besorgnis wegen ber weiteren Entwicklung", unb läßt bas Schreckbilb ber „Treu- nung von Kirche unb Staat" erscheinen.
Wie bie sachlichen unb persönlichen Verhältnisse liegen, brauchen wir aus btefen etwas pessimistisch, vielleicht sogar brohenb flingenben Worten nicht eine unfciebliche Tenbenz zu folgern. Die Regierung schlägt aller Wahrscheinlichkeit nach ben ernsten Ton an, um möglichst viel Rücksichtnahme ans bie staatlichen Interessen unb auf bie Stimmung bes anbersgläubigen Bevölkerungsteils zu erreichen. Da ber hl. Vater unb bie Bischöfe zu jebem Entgegenkommen bereit sinb, bas sich mit bem Wohle der Kirche, dem Heile der Seelen und der Hirtenpflicht verträgt, so sehen wir mit besserer Zuversicht in die Zukunft, als ber Herr Kultusminister.
Die Trennung von Kirche unb Staat wünschen auch wir nicht wegen ber verhängnisvollen Folgen, bie baraus für Staat unb Volk entstehen wür-> den. Aber wenn man diese Gefahr als Schreckmittel verwerten wollte, so müßten wir doch bemerken, daß die katholische Kirche in Deutschland verhältnismäßig am besten den Scheidungsprozeß zu überstehen vermöchte.
Deutsches Reich.
r Bkrlin, 7. April 1911. Das Kaise rpaar sowie die Prinzessin Viktoria Luise unternahmen am Donnerstag nachmittag vom Achilleion aus mit Gefolge einen Ausflug im Automobil nach Peleka. — Bei der Landtagsersatzwahl für den verstorbenen Abg. v. Iazdzewski (8. Posen) erhielt der Pole Kurzawski (Pakosch) 379 Stimmen, der deutsche Kandidat Prinz -Stolberg-Wernigerode 180 Stimmen. — Der Nnterstaatssekretär im Reichskolonialamt Dr. Böhmer, der seiner völligen Wiederherstellung entgegcngeht, wird in den nächsten Wochen im Reichskolonialamt zurückerwartet. — Die Handwerkerkonferenz, die ursprünglich im März stattfinden sollte, dann aber vertagt wurde, trat am Freitag im Reichsamt des Innern in Berlin zusammen. — Dem württembergischen Königspaare roibmet die deutsche Reichsregierung in der .Rordd. Allg. Ztgck einen Glückwunsch zur silbernen Hochzeit.
c. Zum Befind«« des Frhrn. v. Hettliug. Das gestern nachmittag an das Berliner C.-P.-C.-Büro gegebene Bulletin lautet: Die Befferung in dem Befinden Exzellenz v. Hertlings macht gute Fort- schrilte. Er verbrachte bereits mehrere Stunden außer Belt zu. Der Kräftezustand hebt sich an- dauernd. Die Nahrungsaufnahme ist sehr gut.
** Geheimrat Wiedtfeld vom Reichsamt des des, Innern, der sozialpolitische Spezialist der Reni-runa der frühere Beiaonrdnefe von Esten.