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M 80.

Zrettag den 7. April 19H.

58 Zadroong.

" Waer W Leitung«

2. Blatt.

Druck nn6 Verlag der 5uldaer ri«ttenkr«cke:el in Fulda.

* Eine „Grotztat" des HansabnndeS.

Der Hansabund geht nun auch daran, dem Hand­werk aufzuhelfen, und zwar dadurch, daß er auf dem Gebiete des Submissionswesens arbeiten will.

Schon früher wurde dem Hansabund mtgegenge- ^alten, daß hier o h n e i h n schon die wichtigste Vor­arbeit geleistet sei. Jetzt tritt der Hansabund trium­phierend auf den Plan mit der Veröffentlichung eines von ihm fabrizierten Gesetzentwurfs über da« Verdingungswesen für daS Deutsche Reich.

Die liberalen Blätter können nicht genug tun, diese Aktion als eine Großtat des HansabundeS zu feiern. Und doch enthält der „Gesetzentwurf deS Hansabun- der nicht» Neues. Das gibt die Begründung, die dem Entwurf beigegeben ist, selbst zu. Aber der Vor­schlag, daS Ganze in einem Neichsgesetze zusam- menzufafsen, soll die Großtat sein. Als toenn das ein neuer Gedanke wäre! Diese Anregung ist schon oft gegeben, und auch bestimmte Vorschläge sind gemacht worden. Gewiß, es soll der Wert zwingender Nor­men, wie sie eine gesetzliche Regelung enthält, für daS Submissionswesen nicht verkannt werden. Aber der springende Punkt liegt zurzeit nicht d a ri n. Wir haben im Reich und in den meisten Einzelstaaten Submiffionsbestimmungen, die mustergiltig sind, nur liegt der Fehler darin, daß die ausführenden Behörden sich vielfach nicht an den Bestimmungen halten. Hier einzusetzen ist das wichtigste. Auch wenn wir eine gesetzliche Regelung des Submissionswesens haben, so bleibt dennoch nach wie vor die Handhabung durch die ausführenden Behöten die Hauptsache. Mso der Hansabund hat keinen Grund, auf diese seine Tat stolz zu sein. Sein „Gesetzentwurf bleibt ein Vor­schlag, zur Durchführung braucht er auch die Hilfe der „reaktionären" Parteien. Diese haben die meiste Arbeit schon geleistet, bevor der Hansabund in Mion trat, und bedürfen keiner Wiederholung von Anträgen, die schon von anderer Seite ergangen sind.

Dazu weist der Entwurf eine ganze Reihe von Mängeln auf. Freihändig sollen Handwerksar­beiten vergeben werden können, die 1000 Mark nicht übersteigen. Diese Summe ist viel zu hoch gegriffen. 300 Mark ist schon hoch genug, denn Arbeiten zu 1000 Mark sind für den Handwerker schon ziemlich bedeu­tend. Dem Wunsche nach Berücksichtigung der ortsan­sässigen Handwerker in erster Linie trägt der Entwurf gleichfalls keine Rechnung. Auch für das Zuschlags­verfahren ist ein Weg vorgesehen, von dem es sehr zweifelhaft ist, ob er richtig ist. Die Angebote, die 15 Prozent und mehr unter dem Kostenanschläge zurück­bleiben, sollen ohne weiteres ausscheiden. Das ist eine sehr willkürliche Regelung. Vom Handwerk wird ge­wünscht, daß das Zuschlaasverfahren in der Weise geregelt wird, daß Sachverständige aus Kreisen des Handwerks hinzugezogen werden, eine Kommission gebildet wird, diese den Voranschlag aufftellt und der den Zuschlag erhalten soll, der diesem Voranschlag am «ächsten kommt. Das ist auch der richtige Weg.

Dem Entwürfe fehlt auch eine Reihe von Bcstim- niungen, die überaus wichtig sind, ganz, oder sie haben eine Regelung erfahren, die direkt als unsozial bezeich­net werden muß. Zum Teil liegt der Grund darin, daß der Hansabund all die Fragen, die noch strittig sind, aus seinen Vorschlägen herausgelassen hat. Run sind aber doch gerade die Punkte, wo Meinungsver­schiedenheiten bestehen, die wichtigste n. Ter wirt­schaftliche Interessenausgleich verlangt gerade hier eine Lösung, kein „Daranvorbeidrücken", wie es der Hansa­bund beliebt. DaS, worüber Einigkeit herrscht, zusam- menzustellen, ist keine Hexerei, aber in strittigen Fragen den Ausgleich zu finden, daS ist schwierig, aber auch notwendig, wenn man wirklich wertvolle Arbeit leisten will. So ist die Lohnklausel, d. h. die indirekte Gewinnung von Ein­fluß seitens des Vergebers der Arbeiten auf das Ar- beitsverhältnis, gar nicht berücksichtigt. Dazu ist wie­derum die Streikklausel eingesührt, wonach bei Streik und Aussperrung der Termin für die Fertigstellung der Arbeit hinausgeschoben wird. Das bedeutet eine einseitige Stellungnahme zugunsten der Arbeitgeber. Das beste ist doch eine Entscheidung von Fall zu Fall unter Anhörung des Gutachtens des Einigungsamts.

Mit dieser Großtat" des Hansabundes ist cs wie­der mal nichts. Die aufgeklärten Mittelständler haben schon längst erkannt, um was es sich beim Hansabund handelt: um eine Filiale zur Unterstützung des Libe­ralismus, und ziehen ihre Konsequenzen!

X Womit sich der Reichstag be­schäftige» mutz

ieht man wieder einmal im Bericht über die Sitzung >om 3. April. Wir gcbm den Bericht wieder nach ixt „Franks. Zig" Nr. 94. Der Sozialdemokrat Ledebour stellte an den Staatssekretär von Kider- len-Wächter die Anfrage:

Ein rulsifcher Untertan (Heiterkeit^ namenS Mon­tag (erneute Heiterkeit), der sich jahrzehntelang hier aufhielt, ist plötzlich auf Umwegen an die rufsiiche Behörde ausgelieferk worden. Ich möchte die Gründe wissen, und ob die Polizei das Recht hat, Ausländer ederzeit auszuliefern.

Staatssekretär v. Kiderlen: Zu einer Aus­lieferung des Herrn Montag ist es nicht gekommen aus dem einfachen Grunde, weil seine Auslieferung nicht verlangt worden ist. Es handelt sich um eine Aus­weisung und Herr Montag wird schon wissen, warum re erfolgt ist. Er hat es Ihnen vielleicht verschwiegen und daher will ich es Ihnen sagen. Herr Moniaq bewegte sich fortgesetzt zwischen Rußland und hier. Er iührle überhaupt ein sehr bewegtes Leden. Jniolgedessen kam es zu einem Scheidungsprozeß mit seiner Frau. Er hat seine Frau wiederholt mit dem Revolver bedroht, so daß die Polizei den Mann auf Ersuchen des Richters auS- gewiesen hat. Das hätte Herr Montag sich aber auch selbst sagen können. (Stürmische Herterk-itO

Nun hätte man meinen können, der Sozialdemokrat habe damit genug gehabt, als er erfuhr, daß es sich um ein gemeingefährliches Subjekt bezw. um einen Vagabunden handelte, der seine eige­nen Angehörigen bedrohte. Aber Ledebour hatte nicht genug. Er nahm sich seines braven russischen Schützlings weiter an. Ledebour sagte weiter:

In einem Brief aus dem Gesangnis hat Monlaa behauptet, daß er ausgeliesert worden sei. Es bleibt filio dabei, daß er wider seinen Willen ausgewieien worden ist. (Große Heiterkeit.) Die Polizei hat oft genug die Leute unter dem Vorwand der Ausweisung an die Grenze gebracht und der russifchen Polizei in die Hände geliefert.

Staatssekretär v. Kiderlen: Ich habe schon ge' faiit, daß der Mann nicht ausgelietert, sondern aus­wiesen worden rst. Ich habe damit eine amtliche Aus­tunst gegeben und damit müssen Sie sich beruhigen. (Stürm. Widerfpruch links.)

Jetzt trat auch noch Professor G o t h ei n von den Fortschrittlern auf, um eine Lanze für den braven Montag einzulegen. Die Sache war ihm zu ernst. Er meinte:

Die Sache ist doch u ernst ((üelnditer), sodaß wir uns damit nicht beruhigen können. Wir haben das Interesse, das Ansehen des Deutschen Reiches zu wahren, daß das Deutsche Reich auch die Rechte der Ausländer zu wahren hat. (Sehr richtig! links.! Mau kann nach außen hin die Form der Ausweisung auirechterhalten und tatsächlich eine Auslieserung vornehmen. Bei einer Ausweisung muß die Wahl der Grenze zugelassen werden. Ist der Mann zwangiwei e an die Grenze gebracht morden oder freiwillig? Darüber hat der Staatssekretär Auskunft zu geben. (Stürm. Beifall und Widerspruch.)

Darauf sagte Ledebour nochmals, dec Mann habe ihm gesagt, er sei ausgelicfert worden, worauf Ki- d e r l e n-W achter noch einmal antwortete:

„Eine An-liesernng ist nicht eriolgt, sondern eine Ausweisung, und zivar hat die Ausweisung statt- gesunden nicht von Polizeiwegen, sondern ans Ver­langen des Richters, und uvar des Bormnndschasts- richiers mit der Begründung, daß Montag ein gemein­gefährlicher M-nsch sei, der sofort au°gewiesen und an die Grenze befördert werden müsse. (Lebhasles Hört, dört.'s Wenn der Borurundschaslsric! ter an die Polizei das Ersuchen richtet, einen gemeingefährlichen Menschen sofort ausznweisen, rodl er für seine Familie gefährlich sei, so kann man doch nicht lagen: Bitte, Herr Mon- tag, reifen Sie ab, sondern der Polizei bleibt nur übrig, ihn an die Grenze zu brinren."

Daraufhin war Ledebour noch nicht zufrieden und zog sich sogar für feinen sauberen Schützling einen Ordnungsruf zu. Goihein aber erklärte sich zufrieden.

Mit solchen Sachen muß sich der Reichstag nach dem Willen von Sozialdemokraten und Fortschrittlern beschäftigen! Für einen gemeingefährlichen Kerl treten die Leute mit aller Macht ein. Als in Portugal Mönche und Klosterfrauen, die im Dienst der christlichen Liebe arbeiteten, verjagt, des Landes verwiesen wurden, da waren es die sozialdemokratischen und fortschriitiichen Blätter, die nach der Polizei schrien, sobald sie hör­ten, daß die annen Vertriebenen irgendwo in

Deutschland Aufnahme finden könnten. Spe­ziell die „Franks. Zig." ließ sich von Straßburg und auch ans Holland und sonstwoher Klagen darüber childem, daß Gefahr bestünde, die Vertriebenen könn­en dort' ein Obdach finden. Damit vergleiche man ben Vorgang im Reichstag.

Deutsches Reich.

--- Die elsaß-lothringische Wahlkreiseinteilung, wie le der RegienmgSentwurf vorschlägt, hat bekanntlich in der Kommission das begeisterte Lob der Sozial­demokratie gefunden, während das Zentrum den Ent­wurf als schlechthin unannehmbar bezeichnete. War­um das Zentrum die Geomettie der Negierung ab- lebnen muß kann man aus den Einzelheiten des Re- qierungsentwurfes erseben, die der „Elsässer" dieser Tage veröffentlichte. Man sieht da, daß in der Tat ür die Bearbeitung des Entwurfes die mechanischste Fahlenrechnung maßgebend gewesen sst. Die bisherige Kreis- und Kantonaleinteilung des Reichslandes war etwas historisch unb organisch Gewordenes. Während aber die Regierung bisher den Standpunkt vertreten hat sie wolle an das historisch Gewordene anknupfen und es ausbauen, wird hier alles in willkürlicher Weise zerstött, was in dem Empfinden der elsaß- lothringischen Bevölkerung seit alter Zeit als Gebiets­einteilung, als Grenzen und Einheiten lebt. Baute ich die bisherige Wahlkreiseinteilung in letzter Linie auf der alten Territorialentwickelung auf, die ihrer­seits selbstverständlich natürliche Grenzen und Stam- mesunterschiede berücksichtigte, so wird ferner durch die neue Einteilung Fremdartiges künstlich z u s a m m e n g e s ch w ei ß t, um dafür ganz o.ine Grund Gebiete zu zerreißen, die sich einer l-chr- hundertelaugen gemeinsamen Entwickelung bewußt sind. Man versiebt, warum Unterstaatssekretär Man­del in der Kommission sich gegen den Vorhalt wahren mußte, die Regierung habe eine absichtliche B e- vorzugung der Sozialdemokraten und der Links liberalen angestrebt, und man be­greift, warum er mit seiner Geaenerklärung nicht vol­len Glauben finden konnte. Denn Tatsache ist, daß man gar keine andere Eintreilnng treffen könnte, wenn man sich die Ausaabe setzte, auf Grund des vorge- scklaaen-n Wahlo.efetzes m ö g l i ch st v i el S o z i al- demokraten und Linksliberale und mög­lichst wenig Rechtsstehende und Zentrumsmitglieder in die neue Volksvertretung hineinzubringen. Die Mehrzahl der Kreise ift den Sozialdemokraten in er­ster, den Liberalen in zweiter Linie unmittelbar auf den Leib zug-schnitten, das heißt den Parteien, die bis­her aus eigener Kraft es zu keiner Vertretung im Lan- desausfchusse gebracht haben, bezw. bei allgemeinen Wahlen in der bisherigen ReichstaaswablkreiSeintei- lung fast keine Aussichten hatten. Nur den Sozial­demokraten nützt das Zerspalten der industriellen Ge­biete in möglichst viel wahlberechtigte Einheiten. Das flache Land wird durch das Angliedern sicher über- stimmbarer Minoritäten an die Fabrikgebiete ganz offensichtlich in den Hintergrund gedrängt. Einzelne Kreise sind in der auffälligsten Weise so gestaltet, daß dort die Sozialdemokraten die denkbar sichersten Aus­sichten bekommen, und den Linksliberalen wird durch Abtrennung ihrer Sttmmenmehrheitsbezirke von den Kreisen, in denen sie bisher nicht cmstommen konnten, und durch Vereinigung dieser Bezirke zu einer Anzahl neuer Wahlkreise eine ihrer bisherigen Bedeutungs­losigkeit in keiner Weise entsprechende Mehrheit sicherer Mandate garantiert. Der Entwurf übertrifft also die schlimmsten Befürchtungen und ist nicht nur für das Zentrum, sondern auch für alle rechtsstehenden und nationalen Kreise schlechthin unannehmbar Nur für die Stellungnahme der reichsländischen Re­gierung ist er kennzeichnend.

) ( Von der Ansiedelungskommission gegen die Po­len ist dem Abgeordnetenhaufe biefer Tage die übliche Denkschrift zugegangen. Man erkennt ans ihr sehr drasttsch, wie böse es um das ganze Ansiedlungs­werk, das dem Staat schon so viele Millionen und eine so große Summe inneren Friedens gekostet hat, bestellt ist. Aus der Denkschrift tönt nämlich zwischen den Feilen auf fast allen Seiten der Jammerruf hervor: Letzte Rettung ist die Z w an g § e n t ei gnun g der Polen! Es fehlt an Land, das man austeilen könnte; es fehlt freilich auch an Ansiedlern aus den anderen deutschen Landesteilen. Von dem neu erwor­benen Besitz stammt nur ein ganz geringer Bruchteil,

nämlich nur 6,4 Prozent aus polnischer Haust Im Vorjahre betrug der Anteil der polnischen Güter noch 13,7 Proz., tm Jahre 1908 10,4 Prozent. Im ganzen sind mt8 polnischer Hand bis zum Schluß des Jahres 1910 nur 110 914 Hektar, dagegen aus beut- cher Hand 274 546 Hektar erworben worden. Die deutschen „Vorkämpfer"im Osten handeln eben sehr gerne mit der Ansiedlungskommiflion; denn die be­zahlt riesige Preise, und die Preise an die Deutschen, die ja immer mit dem Verkauf an Polen droyen kön­nen, sind besonders hoch. Insgesamt hat die Anficd- lungskommission 71,2 Prozent ihrer Ankäufe aus deutscher Hand gemacht, aber dafür 75,8 Prozent ihrer Gesamtaufwendungen für Einkäufe hergegeben. Unb wen hat man angestebelt? Das ist bas eigen- artigste Kapitel. Von ben sämtlichen 18127 bisher cmoesetzten Renten- unb Pachtansiedlern stammt noch nicht die Halste (8802) aus dem übrigen Deutschland, dagegen ein Viertel (4938) aus ben Ausiedlungspro- vinzen selber, und ein anderes Viertel (4387) aus dem Auslande. Wenn daher die Denkschrift auf die unge­fähr 111000 Köpfe betragende Ansiedlerzahl ein­schließlich der Familienmitglieder großartig hmweift, o kann man ungefähr annehme!!. daß etwa 30 000 davon schon früher in Posen v 5 Ostpreußen selbst gewohnt baden, und daß vielleicht nur 50 000 aus dein übrigen Deutschland, andere 30 000 aus dem Ausland hergngezogen sind.

♦ Die Tienftdauer der Eisenbahner. In einem so­eben an bte Eisendahndirek-tonen ergangenen Erlas; des Eisenbahnm vifters wird darauf hmgeweicn, daß die planmäßigen Dienssschichten des gesamten Personals höchstens 15 Stunden dauern dürfen. Wut, wenn es gilt, eine Rückkehr des Dienstpersonals rur Heimat zu ermöglichen, darf eine dienittose Heimfahrt die Grenze der 15. Stunde um em Mäßiges überschreiten. Soweit noch 16fuuibige Dienstickichten bestehen sollten, stnd sie sosort zu beseitigen. Als rindeittiche Höchstgrenze für btt zu- läifige JnaMpruchnahme bet Elfenbahnbetriebsbe- amten feien allerdings von ben Bunbesregierungen mit Stoatsbahnbesitz^ 16 Stunden festgefetzt worden, für die preußisch-hessische Staalsbahnoetwaltung feien aber bte tnilbeten Dienstdauervorfchristen un» veränbert in Kraft geblieben.

-4- Dentfchenhehe in Frankreich. Eine Part,er Zeitung bat die Behauptung ausgestellt, ber deutsche Staatssekretär v. Ktderten-Wächter habe dem fran- zösifchen Botschafter Cambou erklärt, daß bte deutsche Regierung durchaus entschlossen fei, daS Tragen der geplanten französifchen Kriegs« denkmünze nicht zu dulden. Das Abzeichen werde als aufrührerisch angesehen, unb jeher, ber dasselbe trage, vor Gericht gestellt werden. Cambon habe hiervon dem Ministerpräsidenten Monis sowie den Ministern Cruppi und Berteaux Mitteilung gemacht. — Von deutscher offiziöser Seite werben diese Angaben tür unzutreffend erklärt. Die sranzösische Regierung bereitet ein Gesetz über Ver« leihung von Denkmünzen an Kämpfer von 18/0i71 vor. Wegen der Frage, ob solche Denkmünzen auch an Elsa -Lothringer, die 1870 in ber französischen Armee gebient haben, gegeben werden könne-', hat sich bte französische Regierung mit ber deutschen w3 Benehmen gesetzt. Deutscherseits sind grundsätzliche Bedenken nicht erhoben worben. Es ist aber für angejeigt gehalten worben, daß die an Eifaß- Lothringer zu gebenden Denkmünzen auf diploma­tischem Wege der deutschen Regierung übermittelt werden, damit sie durch Vermittlung ber brutschen Behörben ben Emp'ängern zugestellt werben. Die sranzösiiche Regierung hat sich damit einverstanden ertlärt.

Ausland.

♦♦ Einer neuen Verschwörung gegen bte englische Herrschaft sinb tote englischen Behörben in Indien auf die Spur gekommen. Wte aus Kaikutta ge« melbet wirb, wurden bei einem reichen Landbesitzer namens Anaba Mohan Roy Revolver unb eine große Quantität von Sprengstoffen gesunben. Außer Roy sind noch brei Jnber verhaftet worden. Wie es heißt, ist ein ganzes Verschwörernest entdeckt worben.

*♦ Der Handelsvertrag zwischen England nttb Japan seht Ermäßigungen bes neuen japanischen Taris- zugunsten wichtiger Klaffen von Textilsabrikaten

Der (Erbe von Edelstein.

21] Roman von Edmund Nowak.

Mortimer erzählte bann in gedrängter Form seine Erlebnisse in Indien, wobei er nicht genug seinen Freund lÄtn konnte. Getreu dem gegebenen Worte vermied er freilich auch die geringste Andeutung auf ben eigentlichen Stand Warrens.

„Sie doch mal, das ist also der Warren, über ben die Zeitungen so viel geschrieben haben!" rief Baron Rottmbnrg aus. „Da müßte man ja auf dich mit Recht erzürnt sein, daß du deinen Freund nicht mit­gebracht hast. Doch ich hoffe, daß du dein Ver­sehen gut machen und den Herrn Baron bald mit­bringst."

„Dies gleich zu tun, mein lieber Onkel, ging nicht wohl an. Aber wenn es die gnädigen Herrschaften erlauben, werden wir heute nachmittag im Hotel des PalmierS erscheinen."

„DaS trifft sich ja wunderschön," ries die Baronin aus. „Für heute nachmittag hat uns Fürst Obolenski seine Jacht zur Verfügung gestellt, und da könnten wir ja gemeinsam eine kleine Seepartie machen. Bist bu damit einverstanden, Mortimer?"

„Aber freilich, mein goldenes Tantchen. Wird dankbar akzeptiert. Was meinen Freund Edwin an- langt, so wird er" — dabei blickte Mortimer die Grä­fin Isolde an — mit Freuden „Ja" sagen. Jetzt aber muß ich heimgehen, denn mein Freund vergeht sonst vor Ungeduld. Wann wünschen die Damen, daß wir erscheinen sollen?"

„Um 1 Uhr, lieber Mortimer," gab die Tante zur Antwort. „Aber dann pünktlich."

Lord Bothwell empfahl sich und eilte, sein Herz voll freudiger Gefühle, nach seinem Quartier. Das hätte er nie geglaubt, daß seine Wunsche sich so schnell erfüllen würden. Heute nachmittag sollte er, an der Seite des Mädchens sein, die gleich beim ersten An­blick sein Herz gefangen nahm. Die Zeit bis ein Uhr ging ihm zu langsam vorüber. Wie freute er sich da­

her, als Warren zur bestimmten Zeit pünktlich in sein Zimmer trat

„Das ist schön, daß du so pünktlich bist. Wenn du sonst nichts anderes zu erledigen hast, so wollen wir sogleich aufbrechen."

„Mir soll es recht fein, lieber Mortimer. Mer um eines würbe ich dich nochmals bitten, vergiß ja nicht unser UÜbereinkommen. Für jetzt bin ich für jedermann nur ber Rittmeister Warren aus Indien."

Arm in Arm begaben sich die beiden Freunde nach dem Hotel des Palmiers, wo sie bereits erwartet wur­den. Baron Rottenbnrg schüttelte dem Freunde sei­nes Neffen herzlich die Hand und sprach zugleich die Hoffnung aus, ihn als häufigen Gast in ihrer Mitte zu sehen, ein Wunsch, dem sich auch die Baronin freu­dig anschloß. Als Warren den beiden jungen Da­men vorgestellt wurde, war er entzückt von der An­mut und Schönheit derselben. So etwas Holdes, Lieb­liches hatte er in seinem ganzen Leben noch nicht ge­sehen. Er wußte wirklich nicht, welchen von den beiden Mädchen et den Vorzug geben sollte. Denn beide schienen ihm gleich entzückend zu sein, vielleicht nur mit dem Unterschiede, daß Baronesse Bianka eine heitere, lebenslustige Brünette war, während die blonde Komteß Isolde ein mehr stilleres Wesen zur Schau trug. Gleich beim ersten Anblick füllte sich Ed­win zu ihr hingezogen, und erst gar, als er einige Worte mit ihr wechselte und ihre angenehm klingende Stimme vetnabm. Nachdem ans Drangen der Baronin Edwin und Mortimer eine kleine Stärkung zu sich genommen hatten, brach man auf. In kurzer Zeit gelangten sie an den Quai, wo ihrer bereits die Jacht toartete. Ein Boot brachte sie an dieselbe, wo sie Fürst Obolenski herzlich begrüßte. Er freute sich be­sonders darüber, daß der Baron die „Indier", wie er dir beiden Freunde scherzend nannte, mitgebracht hatte.

Als man das Deck betrat, waren alle auf$ ange­nehmste überrascht. Der Fürst hatte dasselbe in einen Garten umwandeln lassen. Bäume unb herrlich blühende Topfpflanzen waren vorteilhaft plaziert. Ge­gen die Sonnenglut schhtzte e.ine Leinwand, die . über

das ganze Promenadendeck gespannt war und eine angenehme Kuhle verbreitete. Ein Büffet mit allerlei köstlichen Erfrischungen war ausgestellt, während reich gallonierie Lakaien den in Eis gekühlten Wein prä­sentierten. Der Fürst bemühte sich, den Gästen den Ausenthalt aus der Jacht so angenehm wie niöglich zu gestalten. Es entspann sich bald eine lebhafte Un­terhaltung. Die jungen Leute genossen in vollen Zü­gen das herrliche Blld, das sich ihnen aus dem wei­ten azurblauen Meere mit seinen herrlichen Gesta­den bot. Mortimer wich nicht von der Sette seiner Kusine. In seiner lebhaften Art erzählte er ihr von Indien und seinem Volke, von den vielen Gefahren, denen dort die Engländer ausgesetzt wären; dann von den letzten Kämpfen und der Tigerjagd, dabei konnte er nicht genug die Heldentaten seines Freundes War­ren rühmen. Bianka blickte mit einer gewissen Ehr­furcht zu ihrem Kusin auf und zeigte ein« kindliche Neugierde, die ihr Mortimer nach bestem Wissen und Willen zu befriedigen suchte. Nicht weit von ihnen standen Komteß Treumarck unb Warren.

„Herr Rittmeister, Ihr Freunb Lord Bothwell hat uns von Ihnen sv viel Gutes und Schönes erzählt, daß ich mich wirklich freue, Sie kennen gelernt zu haben. Wenn Sie nicht gewesen wären, bleichten seine Gebeine wohl längst in fremder Erde. Wie dank­bar ist er Ihnen auch, und wie sehr werden sich seine Eltern freuen, den edlen Retter ihres Sohnes begrüßen zu können."

„Sie beschämen mich, gnädiges Fräulein. DaS, was ich Mortimer getan habe, hätte ein jeder in mei­ner Sage auch getan. Mein Freund macht von die- sm beiden Fällen zu viel Aufhebens, und wenn er nicht", stihr Erwin lächelnd fort, „aufhijren wird, mich zu verhimmeln, bann fürwahr, kündige ich ihm meine Freundschaft."

Isolde sah Edwin mit einem Blick an, der sagen wollte, das wirst du doch nicht tun! Ms er aber mit feinen treuherzigen Augen ihren Blick erwiderte, lächelte sie.

„Ich dachte mir gleich, daß Sie nut scherzen. Denn rine solche Freundschaft^ die tn Augenblicken de»

Not, der Todesgefahr geknüpft ist, sie kann keine Macht auf Erden zerstören. Habe ich Recht, Herr Baron?"

„DaS stimmt, gnädigste Gräfin. Das, was ich vor­hin sagte, wat in der Tat nur ein kleiner Scherz. Wie könnte ich von meinem Freunde lassen!"

„Apropos, Herr Baron, waren Sie lange in In­dien?"

„Reichlich acht Jahre," erwiderte Edwin. „Und wenn ich meine Mission erfüllt haben werde, kehr« ich wieder nach Jndü' zurück."

„Daraus wird wohl nichts tverden, mein lieber Freund," erklang die Stimme Mortimers hinter sei­nem Rücken. So lange ich lebe, lasse ich dich nicht, und wenn sie dich mit Gewalt holen wollten."

Edwin wandte sich um. Ein düsterer Schatten huschte über sein männlich schönes Gesicht. Traurig erwiderte er: „Du weißt flang gut, mein lieber Freund, wie gern ich bei dir bliebe. Aber du kennst meint Mission. Und wenn auch diese nach Wunsch aus­fallen sollte, so habe ich nur zwei Jahre Urlaub unb sind sie verstrichen, dann ruft mich meine Pflicht nach Indien zurück."

„Warum so traurig, Edwin? Laß es gut sein, der liebe Gott wird schon alles zu einem glücklichen Ende führen. Was tagen Sie dazu, Komteß Isolde?"

„Die Herren sprechen in Geheinmissen,' erwidert« diese „Aber soviel weiß ich, daß der himmlische Len­ker das Lebensschifflein in den sicheren, Port lenken wird, wenn man nut auf ihn vertraut."

Ein dankbarer Blick Edwins traf Isolde. Eine innere Stimme sagte ihm- Wenn du dieses Mädchen erringst, kannst du noch einmal glücklich werden. Ge­rade wollte er noch eine Bemerkung machen, als bet Fürst herantrat.

„Meine Herrschaften, jetzt aber bitte ich die Kunst meines Stewatbs erproben zu wollen. Et ist ein Pole uftb da möchte ich zu gern Ihre Meinung über ihn und seine Leistungen hören. Darf ich also bitten?"

(Fortsetzung folgt.)