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JVs 79.

V»««err1ag Öen 6. April Mi­rs Jahrgang.

* fHldaer W Zeitung

2. Blatt.

Brack nxb Verlag dar Fuldaer Arttendruckrrel i« 5«lda.

4- Die Reform der Fahrkarteustener.

Der preußische Eisenbahnminister Herr v. Nreiten- bach Hal bei der zweiim Etatslesung im Reichstag ‘einen Gesetzentwurf zur Reform der Fahrkartensteuer itn Aussicht gestellt. In ihren Grundzügen soll die Vorlage bereits fertig sein, jedoch soll der Reichstag in der gegenwärtigen ohnehin überlasteten Session nicht flieht mit ihr beschäftigt werden.

Die Fahrkartensteuer, die bei der sogen, kleinen Finanzreform itn Jahre 1906 das Meisterstück natio- yalliberaler Steuerweishcit war, hat bekanntlich ein ziemliche» Fiasko erlitten. Anstatt der veranlagten jährlichen Einnahme von 40—45 Millionen brachte sie nur 20 Millionen, also knapp die Hälfte ein, und dic­ker Einnahme zugunsten der Reichskasse stand außer­dem infolge der sogen. Abwanderung in die niederen Klassen ein Verlust für die einzelstaatlichen Eisenbahn­perwaltungen in vielleicht nicht geringerer Höhe gegen« siber. Kein Wunder, daß die verbündeten Regierun­gen an dieser Steuer wenig Freude haben. Bei der ?roßen Reichsfinanzreform sah die Regierungsvorlage in« völlige Beseitigung der Fahrkartensteuer vor. Die Mehrheit deS Reichstags hat diesen Plan verwor- 6n, und zwar mit Recht, denn die Aufhebung der teuer würde der Reichskaffe einen immerhin nicht kleinen Ausfall Bringen, dagegen den Eisenbahnver- waltungcn gar nichts nützen. Der Gedanke, daß dann der früheren Abwanderung jetzt eine Rückwanderung in die höheren Klassen folgen würde, ist nämlich träu­merisch. Man darf ja auch nicht vergessen, daß neben der Fahrkartensteuer auch andere Momente die Ab- tvanberung begünstigten, die immer bessere und be­quemere Ausgestalttmg der niederen Wagenklassen u. a. Der jetzt sich an die niedrigere Klasse gewöhnt hat, Würde wegen der paar Pfennige SteuererspamtS sicher Nicht sich dazu veranlaßt sehen, wieder den erheblich höheren Fahrpreis der höheren Klasse zu zahlen. Da­gegen hat der Reichstag den Wimsch ausgesprochen, daß die Regierung einer Reform der Fahrkartensteuer Näher treten möge. Vom rein steucrtcchnischen Ge­sichtspunkte würde die Steuer am besten die Gestalt prozentualer Zuschläge zu allen Fahrkartenpreisen, auch für die vierte Klasse, echalten, und man hat be­rechnet, daß ein Zuschlag von 3^—4 Prozent den jetzt einkommenden Betrag in gleicher Höhe erbringen würde. Diese Art der Reform würde aber die Zu­stimmung des Reichstag? sicher nicht finden, und zwar wegen der sozialen Rücksicht auf die ärmeren Volks­klassen, denen man die Reisegelegenheit nicht Verteuern möchte. Unter diesen Umständen werden die verbün­deten Regierungen eine Reform auf der bezeichneten Grundlage wohl gar nicht erst versuchen, so lieb sie ,an sich ihnen auch sein würde. Wie die Nattonalztg annimmt, wird die Vorlage ein anderes Ziel verfol­gen. Vor allein solle die stacke Belastung der 1. Klasse beseitigt werden, indem ein Ausgleich unter den bisherigen Steuerträgern, den Passagierert der 1. bi» S. Klaffe, herbeigeführt werde. Der Gedanke an sich erscheint nicht übel, aber es kommt nattirlich sehr auf die Ausgestaltung im Einzelnen an.

: Einer Verteuerung der Reisegelegenheit in her dritten Klasse z. B. würden sicherlich sehr ernste Bedenken entgegengestellt werden müssen.

Ausland.

* Bevormundung der Katholiken in Schweden. Nus Schweden werden in der Wiener „Reichspost" Klagen erhoben über die Behandlung, welche den Ka­tholiken daselbst von der Regierung zuteil wird. Nach den neuesten Verordnungen werden die Katholiken in die lutherischen Pfarreien eingepfarri; die bestehe,id«n vom Staate anerkannten katholischen Pfar­reien werden zwar nicht als solche formell aufgeho­ben, aber der Staat erkennt nur die Kirchenbücher der betreffenden lutherischen Gemrinde an, nur deren pfarr- ftche Zeugnisse. Jeder katholische Ankömmling muß feine Legttimationspapiere an den lutherischen Pfarrer Miesem, um in der lutherischen Pfarrei eingeschrie­ben zu werden. Alle Ehesachen werden vom luthe­rischen Pfarrer behandelt. Wollen Katholiken heira­ten, so müffen sie sich votn lutherischen Pfarrer auf- bieten (offen; dabei hat dieses Aufgebot in Schweden eine ganz andere Bedeutung als anderwärts. So­bald zwei Katholiken in der lutherischen Kirche aufge- boien wurden, sind sie schon für immer gebunden

Der Erbe von Edelstein.

201 Roman von (s t? nut ne Roma t.

Von der Notre-Dame-Kirche schlug die vierte Nach- Aiittag8ftunbe. Was sich da dem Ange bot, war ein­zig. Die mannigfaltigen Formen der Gefährte, die Pracht ihrer Ausstattungen entzückten das Auge. So­bald ein Wagen das Hotel passierte, gab Herr 25er« thier die Auskunft. „Sehen Sie, meine Herren, das ist der Wagen des Fürsten Monteferrari; hier, dieser prächtig« „Schmetterling" ist Eigentum der Gräfin Poiocka. Da kommt der Wagen des russischen Für­sten Dolgorakow. Ist das nickst em Prachtstück, dieser Rosenkahn?" Plötzlich sprang Mortimer auf. Er lehnte sich weit über das Gelände und starrte einem Roseuwagen entgegen, dessen Arrangement einem Schwan ähnelte. In diesem prächtigen, von zwei Schimmeln gezogenen Gefährt saß ein älterer Herr mit einer älteren und zwei jüngeren Damen. „Ed­win", raunte Mortimer seinem Freunde zu, „sieh, das sind die beiden Damen, von denen ich dir erzählt. Das würde ich geben, zu erfahren, wer diese holden Engel sind. Herr Berthier,können Sie uns nicht sa­gen, wem der Schwanenwagen gehört?" frag Bothwell ben gesprächigen Wirt.

»Sie meinen den Wagen mit den prächtigen Ma- lechal-Niels? Das glaube ich Ihnen gern, meine Herren, daß Ihnen dieser entzückende „Schwan" ge­fällt. Aber noch mehr wohl die Insassen desselben. Die beiden jungen Damen sind ja als die schönsten Frauen in ganz Nizza bekannt und berühmt."

„Aber der Name, Herr Berthier," drängte Morti­mer ungeduldig.

„Der Name? Richtig. Der Herr, der das Gefährt lentt, ist ein Deutscher, ein Baron Nottenburg, der irgendwo am Rhein seine Güter hat. Die brünette Dame ist seine Tochter und die blonde eine Freundin hon ihr, eine Gräfin von Treumark. Die ältere Dame ft die Gesellschafterin der letzteren."

Als Bothwell den Namen Rottenburg vemahm, /ihm fein Gesicht einen freudigen Ausdruck an. Er

auch wenn sie sich gegenseitig da» Wort zurückgeben wollen. Rur da» lutherische Domkapitel, bezw. tn Stockholm das Konsistorium kann die Auflösung de» Bande» auSsprechen. Nach vollzogenem Aufgebote darf der katholische Priester eine katholische Trauung nur bann vornehmen, wenn beide Braulleute katholisch sind, jedoch erst, nachdem er von dem lutherischen Pfarrer den Aufgebotsschein erhalten. Nach der Trau­ung muß der katholische Priester diese dem lutherischen Pfarrer melden, und zwar jedesmal mit einem von der Zivilbehörde beglaubigten Aktenstücks daß er zur Trauung bevollmächtigt sei. Ohne diese» Menstück darf bet lutherische Pfarrer ben Trauschein nicht be­rücksichtigen unb bie von bem Staate auch für katho­lische Ehen geforderte Eintragung in das lutherische Ebebuch nicht vollzichen. Da» katholische Ehebuch hat keine öffentliche Beweiskraft mehr usw. Hinter dem enblofen bürokratischen Zopf birgt sich offenbar ein System, um ben Katholiken die Zugehörigkeit zu ihrer Kirche unb bie Ausübung ihres Glaubens schwer zu machen.

** Reue Kämpfe in Albanien. In Wien einge- itoffenen Meldungen zufolge haben sich die am Sonn­tag bei Tuzi zurückgedrängten aufständischen Albanesen zum großen Teil in das Gebirge z u- rückgegoge», wo sie anscheinend Verstärkungen erhielten. Man Hali das Ende des Aufstandes noch nicht für gekommen. Die türkischen Trappen, die auf dem Seewege kommen, dürsten erst Ende der Woche eintreffen unb bann die Verfolgung aufnehmen.

Avr dem Nachbarg-bieie.

* Bad Orb, 5. April 1911. Seit einiger Zeit sind die b«i bet Entwicklung des Bades Orb interessierten Kreise bet Geschäftswelt von Bad Orb in großer Un­ruhe wegen des Plans der Anlegung eines Artil­lerie-Schießplatzes auf dem Gelände des dem Bade Orb benachbarten Weilers Villbach. Sie­ben Bauerngüter sollen an eine Gruppe von Frank­furter Spekulanten übergehen, die dem Militärfiskus das Gelände zur Anlegung des Schießplatzes anbieten wollen. Schon seit Jahren wußte man, daß für ba§ 18. Armeekorps ein Artillerie-Schießplatz gesucht und dafür neben andern auch ein Gelände im preußischen Spessart in Aussicht genommen fei. Zu einem festen Abschlüsse ist es noch nicht gekommen. Der Weiler Villbach liegt von Bad Orb in der Luftlinie 5 Kilo­meter entfernt. Wird es zur Anlage eines Schieß­platzes kommen, so ist der erfreulichen Entwicklung, die das Bad Orb In ben letzten Jahren hatte, Einhalt geboten, ja es wird von interessierten Streifen nicht mit Unrecht befürchtet, baß bas Bad durch An­lage eines Schießplatzes vernichtet wird. Seit einer Reihe von Jahren hat bas Bad eine Hauptanziehnngskrast für Herzkranke, bie natürlich den Donner der schweren Geschütze nicht vertragen würden. Auch wäre eine Abholzung in den Staats­forsten um Orb und damit eine Benachteiligung der klimatischen Verhältnisse zu befürchten. Im letzten Jahrzehnt find Millionen hier angelegt worden. Ab­gesehen von bet Neugründung des Bades vor 11 Jah­ren, das einen Kostenaufwand von zwei Millionen er­forderte, sind eine Reihe von Neugründungcn unb Kuranternehiiien jeder Art erfolgt, bie an der Entwick­lung des Bades Orb im höchsten Grade beteiligt sind. Sinkt bie Bcsuchsziffet, so ist der Untergang einer Reihe von Unternehmungen besiegelt. Das Bauge­werbe, bie ganze Geschäftswelt von Bad Orb ist an bet ungestörten Weiterentwicklung des Bades Orb be­teiligt unb würbe eventuell mit Prozeßklagen an ben MilitärfiskuS herantreten.

* Eschwege, 5. April 1911. Der Kreistag des Kreises Eschwege beschloß den Ankauf des früheren Kurheffisch-Laiidgrästichen Schlosses für 133 000 Mk. In dem Gebäude befindet sich das Ladnratsanit. Fer­ner bewilligte der Kreistag dem Kreise Heiligenstadt 50000 Mk. als Beihilfe zu ben Granderwerbskosten für ben Bau bet Eisenbahn Heiligenstadt Eschwege.

* Eisenach, 3. April 1911. Die durch bie Presse gegangene Mitteilung über bie nationalliberale Reichs­aas landidatm Demmer für Eisenach - Dermbach wird der .Franks. Ztg/ zufolge als unrichtig be­zeichnet. Herr Dennner denke nicht an eine Kandidatur Ein pofsitives Ergebnis hatten die Verhandlungen zur Kanbibatenftage bisher noch nicht. Blkauntlich ist auch der zuerst als Kandidat in Aussicht ge­

blickte wie entgeistert auf ben Wagen. Seine Augen verfolgten die Insassen, bis ber „Schwan" zwischen den zahllosen Blumen verschwunden war. Der Hotelier gab weiter seine Ortskenntnisse zum besten. Aber die­jenigen, denen sie galten, hörten nicht auf ihn. Ihre Gedanken waren wett weg bei einem verschwundenen Bilde, bas ihre Sinne gefangen hielt. Denn auch Watten war von dem entzückenden Bilde gebannt, bas sich ihnen in bem Rosenschwan geboten hatte.

„Also, das waren bie Damen, denen du an ber Notre-Dame-Kirche begegnet bist? — Ja, jetzt will ich es gern glauben, wenn du bich in diese Elfen bis über bie Ohren verliebt hast. Unb jetzt wissen wir sogar, wie sie heißen. — Na, Mortimer, du antwortest mir ja gar nicht? Du blickst ja immer noch in die Ferne! Hat bich benn der Anblick bet Damen ganz starr gemacht?"

„Das wohl nicht, mein lieber Starten, aber etwa» anberes hält meine Sinne ganz gefangen. Komm auf mein Zimmer, und du sollst den Grand meines sonder- baren Benehmens erfahren."

Dort entspann sich bald eine überaus lebhafte Un­terhaltung.

„Mein lieber Edwin, du wirst dich wohl erinnern können, daß mir mein Vater in einem seiner letzten Briefe schrick, ich solle auf ber Rückreise seinen Schwa­ger, den Bezickshauptmann Baron v. Rottenburg, in Deutschland besuchen. Ich muß dir offen gestehen, daß eS mir nicht leicht geworden wäre, diesen Onkel zu finden, da Papa unterlaßen hatte, die genaue Abreffe anzugeben. Du machst ein erstauntes Gesicht, mein fieber Junge, aber e» verhält sich mit meiner Un­kenntnis wirklich so. Schon mit zehn Jahren verließ ich daS Eltemhaus, da» ich nur in meiner Ferienzeit besuchte. Als ich die Unlversitätsstudten beendet hatte, sollte ich für immer in Schloß Bothwell-Hall bleiben. Da erklärte ich meinen Eltern, daß ich in bie Kolo­nialarmee eintreten wollte, und das übrige weißt du ja. Frellich tarnt ich mich ja immer noch In der Person diese» Rottenburg irren, aber e» kommt ja nur auf einen Versuch an. Morgen werde ich diesem Herrn meine Aufwartung machen, ynh da dürfte es sich ja

nommene Professor von Caicker-Straßburg zurück­getreten.

* Mainz, 6. April 1911. Die hiesige Zollbehörde hatte vor einiger Zett drei Schifstknechte abgefatzt, die große Stengen Tabak von Holland au» eingeschmuggelt hatten. Die Voranterfuchung ergab, daß seit langem von den Schiffsknechten ein förmlicher Handel mit Tabak und Zigarren getrieben wurde, und e» standen den Gefaßten schwere ©trafen wegen' Bandenschmuggel» bevor. Infolge eine» Ver­sehens am Gericht wurde aber der eine Schmuggler, der wahrscheinlich ber Letter beS Handels gewesen ist, aus der Untersuchungshaft entlaßen und augenblicklich machte er sich wieder nach Holland davon. Al» der Irrtum bemerft wurde, sollte der Mann wieder ver­haftet werden, er hatte aber deutsche» Gebiet schon verlassen und Holland liefert wegen Schmuggel» nicht au». Das war nun nicht nur für ihn ein Glück, son­dern auch für feine beiden Kumpane, denn da zum Bandenschmuggel wenigsten» drei Personen gehören, konnten die Met nur wegen einfachen Schmuggels bestraft werden. Sie erhielten vor ber Mainzer Straf­kammer ein Vierteljahr Gefängnis, bezw. mehrere Wo­chen Haft.

* * Wiesbaden, 6. April 1911. Die Sängerin am Königlichen Hoftheater in Wiesbaden, Emma Heß- löhl, wurde von der Intendanz in eine Ordnungsfttafe von zehn Mark genommen. Die Sängerin hat nun den König von Preußen auf Rückzahlung der nach ihrer Meinung ihr zu Unrecht aufgebürdeten Strafe bei dem dem Berliner Kammergericht ange- gliederten „Geheimer Justtzrat", dem Gerichtsstände aller Angelegenheiten, die gegen den König von Preu­ßen gerichtet sind, verklagt. Bekanntlich ist für die Mitglieder ber Königlich Preußischen Bühnen seit Aufhebung beS Schiedsgerichts dieser Klageweg allein möglich.

** Würzburg, 6. April 1911. Zudem Studien« aenossen«Fest, das anläßlich des 350jährigen Bestehens des Alten Gymnasiums in ben Tagen vom 15. bis 18 Juli d. Is. gefeiert werden soll, sind bereits 400 Anmeldungen erfolgt, nicht nur aus allen Teilen Bayerns, sondern auch aus dem übrigen Deutskben Reick', aus De Ft erreich« Ungarn, ans dem übrigen Ausland und sogar aus Amerika.

Amt Geisa und Umgebung.

♦ Geisa, 6. April 1911. Herr Landesbranddirek­tor Probst-Weimar war hier anwesend, um hier mit den Feuerwehrführern des Bezirks eine Uebung abzu­halten. Diese Uebung hat den Zweck, die Führer mit der neuen UebungSorbnung ber Feuerwehren im Groß­herzogtum bekannt zu machen, bie am 27. Februar b. I. in Kraft getreten und ben Feuerwehren Erleichte­rungen schaffen soll, zu informieren.

* Dorndorf, 6. April 1911. Die letzte Gemeinde- ratssitzung beriet über einen Antrag auf Abänderung des Artikels 30 ber Gemeindeordnung, welcher die Gemeindewahlen betrifft. Der Antrag lautete dahin, daß bie Höchststlmmenzahl eines Wäh­le r s nur 10 betragen sollte. Der Antrag würbe mit 7 gegen 3 Stimmen angenommen. — Im Saale des Hcrm Träger findet hier am 1. unb 2. Osterfeiertag bie Wanber-Vllberausstellung statt. Am dritten Feiertag ist bie Ausstellung nur für bie Mit­glieder des Darlehnskassen-Vereins geöffnet.

* Mitielkdorf i. b. «bin, 6. April 1911. Aus einer hier abgehaltenen Versammlung des Rind­vieh z u ch t v er b a nd e s im weimarischen Rhöngeb et, dem 9 Vereine angehören, wurde beschlossen, die Bullcurnärkke in Weilar abzuschaffen und jährlih einen Frühjahrs« und einen Herbstmartt für Zucht- tierc in Dorndorf stattfinden zu lassen, weil Dorn­dorf mit Rücksicht auf bie Bahnverhältnifle der einzig günstige Ort fei

Aus Oberhessen u ben Hess. Aemtern.

A Bus Oberhessen, 5. April 1911. Die Metzger in den Kreisen Marburg, Kirchhain, Frankenberg und Biedenkopf beschlossen, beim Einkauf von Schlachtvieh nach Lebendgewicht 5 Prozent in Abzug zu bringen.

sofort Herausstellen, ob der Herr Baron meiner Mama Schwager ist."

Edwin und Mortimer tauschten noch weiter ihre Gedanken ans und meriten gar nicht, daß es bereits sehr spät geworden war. Starren erhob sich, um sich auf sein Zimmer zu rückzuziehen.

„E» ist bereits 10 Uhr, mein lieber Edwin. Bei dieser lebhaften Unterhaltung ist uns die Zett so kurz aeworben. Schlaf wohl unb träume ein bißchen von deiner Kusine. Hoffentlich werden sich morgen deine Wünsche erfüllen. Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser Herr Rottenburg unb seine Familie wirklich deine Verwandten wären. Gute Nacht unb auf ein herzliches Wiedersehen morgen früh beim Frühstück!"

Am nächsten Tage begab sich Lord Bothwell nach dem Grand-Hotel des Palmiers, um seinen geplanten Besuch bei Rottenburgs auszuführen. Als er bie Freitreppe zu bem prächtigen Gebäube emporstieg, be­gegnete Ihm ein Kellner, ben er fragte, ob Baron Rottenburg zu sprechen wäre.

„Der Herr Baron tft bereits mit ben Damen im Speisezimmer, wo er baS Frühstück einnimmt."

„Gut, hier haben Sie meine Karte unb melden Sie mich bei ben Herrschaften."

Ein Blick auf die Karte genügte, und ber Kellner machte eine tiefe Verbeugung vor Mortimer. „Ihr Wunsch ist mir Befehl, Euer ©naben," lispelte der bestockte Jüngling unb verschwand. Nach wenigen Augmbllcken erschien er wieder.

„Der Herr Baron lassen bitten," hauchte er in ersterbender Demut. Mortimer eilte nach dem Speise­zimmer. Al» er in dasselbe trat, kam ihm Baron Rottenburg entgegen unb begrüßte ihn auf» herz­lichste.

„Komm, mein Junge, und begrüße deine Tante und Kusine. Du wrißt gar nicht, welch' große Freude du uns mit deinem Besuche bereitet hast."

Die Baronin umarmte stürmisch ihr Schwester­kind und küßte ihren Reffen zu wiederholten Malen.

„Mein lieber Morttmer, unter Tausenden hätte ich dich sofott erkannt Wirklich, da» leibhaftige Eben- bild meiner guten Schwester. Ach Gott, ach Gott, diese unverhoffte Freude! - Hoch sag einmal, wie

A Marburg, 5. April 1911. Durch Einsturz einet Decke wurden in Leidenhofen 3 Kühe im Stall getötet. — Auch hier herrscht feit gestern fast ununterbrochen Schneegestöber, verbunden mit scharfer Kälte.

• Marburg, 6. April 1911. Der Oberrealschüler Wert Thomas In Marburg hat am 17. Februar d. I. den Malergehilfen JuftuS Greif aus Ockers hau- fen, welcher in baS Ei» bet Lahn eingebrochen war, durch sein entschlossenes Eingreifen vom Tode des Er­trinken gerettet. Der Herr Regierungspräsident spricht chm öffenttich seine Anerkennung aus.

* Frankenberg, 6. April 1911. Der Zudra n g zum Lehrerberuf kam hier gelegentlich ber Prä­parantenprüfung am hiesigen Kgl. Seminar zum Aus­druck. Die Zähl ber Anwärter war stärker als je; 48 Prüflinge waren erschienen, hiervon konnten jedoch nur 32 aufgenommen werben, unb 16 mußten zurück- getoiefen werden.

* Kirchhain, 6. April 1911. Nach bem auf bet Generalversammlung ber Ortskran­kenkasse für ben KreiS Kirchhain erstatteten Rech­nungsabschluß 1910 gleichen sich Einnahmen und Ausgaben mit 35 100,47 Mk. auS. Das Vermögen beläuft sich auf 36 740,27 Mk., wovon 33 909,79 Mk. dem Reservefonds angehören.

* Fritzlar, 6. April 1911. Eine unangenehm- Uebertaschung wurde dem Gutspachter Fischer hier zuteil. Einige der bei ihm etngetretenen polni­schen Arbeiterinnen erkrankten. Der zuge­zogene Atzt stellte fest, daß es sich um Pocken-Er­krankung handelte. Die Mädchen wurden nur sofort in dem sogen. Cholera-HauS, das weit vor bet Stadt liegt unb zur Unterbringung von Infektions- Kranken bestimmt Ist, untergebracht und sollen einige recht bedenklich krank sein. Andere Personen, die mit den Erkrankten In Berührung gekommen waren, wuv> den geimpft.

vermischtes.

* Eine elektrische Städtebahn Dortmund-Düffek- darf abgelehnt. Die erneute Eingabe ber kommunalen Vereinigung für ben Bau einer elektrisch zu betreiben­den theinisch-westfäfischen Stäbtebahn von Dortmund nach Düsseldorf wurde vom Minister ber öffentlichen Arbeiten abermals abschlägig beschleden. Der Mini­ster steht auf bem Stanbpunkt, baß bie Bahn den Charakter einer „23ettbetoerbslinle für bt< Itaatsbahnen" habe.

* Hochherzige Stiftungen. Die Inhaber ber Pa­pierwarenfabrik Bestehorn In Aschersleben stifte­ten anläßlich bes golbenen Geschäftsjubiläums 100000 Mack für ihre invaliden Arbeiter. Sie üerteilten fer­ner 10 000 Mack an ihr Personal unb schenkten 10 000 Mack an ben Frauenverein zum Roten Kreuz.

* 5000 Mark Belohnung. Die Breslauer sozial­demokratische „Volksmacht" hatte behauptet, bet Erz­bischof Bllczewski von Lemberg habe in einem seiner Hirtenschreiben die Sozialisten die „ersten Aerzte" der menschlichen Gesellschaft genannt. Die „Oberschlestsche VolkSzeittmg" hat vergebens baS Breslauer Blatt auf« gefordert, anzugeben, wo ber Erzbischof so waS gesagt habe. Jetzt schreibt bie „Oberschlestsche Volkszeitung": „Wenn uns bie „Volksmacht" diejenige Stelle au» den Hirtenbriefen deS Herrn Erzbischofs BilezewSki nennt, an ber bie Sozialisten vom Verfasser derselben in anerkennender Weise „die ersten Aerzte" unserer sozialen Hebet genannt werden, so zahlen wir ihr sofott Mack 5000 — sage Mack Fünftausend tn deutscher ReichSgoldwahrung. Nun mag die „VolkSwacht" fleißig suchen."

* Schueeftürme. Infolge eine» herrschenden Scknee« sturmes sind in der Nacht zum Mittwoch beim Leuchtturm Spillo bei äeba tPommern) zwei Segler aeflranbei Von dem einen Segler, einem deut­schen Schiff, ist der Kapitän ertrunken unb btel Mann der Besatzung gerettet. — In Petersburg, Reval unb tiibau herrscht seit zwei Tagen ununter­brochen Schneesturm. Von ber Insel Saoanfaari im finnischen Meerbusen ist eine Gruppe Fischer von einer Eisscholle sortgetrieben.

♦ Die internattonale Pestkonferenz ist in Mulde» eröffnet worden. Der Kommissar Sze, dem die Leitung ber Sitzungen obliegt, verlas eine Botschaft be8 Regenten. Dann begrüßte ber Generalgouverneur ber Mandschurei Hfl-liang die Versammlung. Die Sitzungen begannen am Dienstag nachmittag.

kommst du nach Nizza? Nein, nein, diese Freude, dieses Glück! Komm, laß dich noch einmal herzlich umarmen!"

Ms sich Mortimer aus der innigen Umarmung freigemacht, begrüßte er sein Büschen Bianka, dessen Gesichtchen von einer Purpurröte übergossen wurde. Sie stellte schnell dem Vetter ihre Freundin Isolde und deren Gesellschaftsdame Frau Leuthold vor, um einigermaßen ihre Verlegenheit zu verdecken. Doch Bothwell ließ sich nicht beirren.

„Mir kommt es doch so vor, als wenn ich die beiden Damen schon gesehen hätte. War es nicht etwa am Eingang zur Notre-Dame-Kirche?"

Bianka Rottenburg blickte der Schalk au» den Au­gen. „Stimmt," erwiderte sie lachend, „und dabei hätte uns der galante Vetter beinahe über den Haufen gerannt!"

Jetzt kam Mortimer an die Reihe, verlegen zu wer­den. „Ich bitte tausendmal nm Verzeihung. Silber," dabei blickte er seiner Kusine tief in die Augen, „daran war nur bie entzückende Schönheit bet Damen schuld."

„Gehen Sie doch, Sie Schmeichler," antwortete statt Bianka die Komteß Treumarck. „Ich wußte gar nicht, daß bie kalten Engländer so schmeicheln können."

Gerade wollte Mortimer antworten, als ihn sein Onkel in Beschlag nahm.

„(Sage mal, mein Lieber, wo kommst du deny eigentlich her? Ich staune, dich tn Nizza zu sehens Wie mir dein Vater zuletzt schrieb, wolltest du un» auf deiner Rückreise von Indien in Kronberg besuchen. Wo hast du berat dein Quartier aufgeschlagen?"

„DaS letzte, mein lieber Onkel, ist schnell gesagt. Ich wohne mit meinem Freunde Baron Edwin Wat- ren im Hotel de Rice seit etwa vierzehn Tagen."

„Unb da bist du nicht eher zu uns gekommen?" tief Kottenburg auS.

„Wie sollte ich, da ich doch nicht wußte, daß Ihr Euch in Nizza aufhaltet. Wenn nicht mein holde» Shtfindjen und bie gnädigste Komtesse gewesen wären, so hätte ich meinen Besuch erst in Kronberg mache? fSimen." (Fortsetzung jfolgt)