Maer
Erstes Blatt
Fulda, Dienstaq den 4. April 1911
38. JahrsicMg
Verantrv. Retorten« «arkschittte.
krfch<«nl tSgliq mit Aurnahme bet So.m- «ad Feiertags Vierte l- iähklichekveMgrprelr ohne Srk-igerlohn unb vestellgeld in Hulda fo- viemlrWSrt§t.soM.
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J.JS5S«. Wochenbeilage.- „illustrierte bonntagzzeitung
Anzrige«: vir et» spattige Petitzeile »del deren Raum 15 pfg. LeNamendrePetitzeil« Pfg., bei wieder- qoluugenwird entspr Rabatt gewährt.
RotationsbruSunt Verlag der Kuldarr Ak-
rnonatsbtUoge: „Huldaer Seschichtrblätter" Zernsprecher Rr. 9<
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Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 3. April 1911.
Auf der Tagesordnung steht das Reichsbesteue- lungsgefetz. — Nach den Beichiüssen zweiter Lesung ollen die Reichsbetriebe zu den Kommunaisteuern heran- ;ezogen werden, soweit 6 Prozent der Bevölkerung der »etreffenden Gemeinde in den Beirieden beschäftigt ind. Die Regierung hatte 10 Prozent vorgeschlagen Und bezeichnet die Beschlüsse der zweiten Lesung als unannehmbar.
Es wird ein Vermittelungsantrag Gröber (Zentr.> Ahlhorn (Vokksp.) und Brunstermann <Rp.) angenommen, welche die Prozentzahl aus 8 sestsetzt und dann das Gesetz in dritter Lesung erledigt.
Es folgt die Fortsetzung der dritten Etatsberatuug.
Abg. Ledebour (Soz.) fordert eine frühere Einberufung des Reichstages, Ausdehnung der Reichstagssession und Abänderung des DiätengesetzeS, damit die Vorlagen nicht mehr durchgepeilschl zu werden brausten. Unsere Stichwahlpolitik bet den Wahlen wird die sein, daß wir die Partei unterstützen, die uns in der Opposition am nächsten steht. Tas Zentrum hat jegliche Opposition aufgegebcn. Bedauerlich ist die Haltung des Reichskanzlers in der Abrüstungssrage. Die Regierung läßt die Rücksicht auf die Zukunft vermissen. (Das zeigt sich auch in Preußen in der Frage der Mosel- Saar-Kanalisierung, die es lediglich aus Rücksicht auf die Ruhrinteressen ablehnt. Das ist Gewalt und Raub- tierpolitik.
Die Generaldiskussion schließt.
Beim Etat des Auswärtigen Amtes bemerkt
Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter, daß die vom Abg. David in der zweiten Lesung hervorgehobene Behandlung von Auswanderern keine ungesetzliche gewesen sei, sondern eine solche, wie die preußischen Bestimmungen sie vorschrieb. Es werde aber erwogen, wie man solche Härten abmildern konnte.
(. Abg. Prinz von Schönaich'Carolath (natl.f dankt der Regierung, daß sie einen Betrag zur Unterstützung der allgemeinen Schiedsgerichlsbewegung in den Etat eingestellt habe. Es sei nicht richtig, wenn ausländische Blätter meinten, daß Deutschland dieser Bewegung verständnislos gegenüberstehe.
Abg. Dr. Everling (ntl.) bedauert, daß der Abg. Kohl vom Zentrum durch seine Klage, es würden kath. Lehrer an den deutschen Auelandsschulen zurückgesetzt, :konfessionelle Gesichtspunkte in diese Frage hineingetragen habe.
Abg. Kohl (Ztr.) hält seine Behauptung aufrecht Und bemerkt, man müsse Bedenken tragen, die Million für die Auslandsschulen zu bewilligen, wenn man die katholischen Lehrer zurücksctze. (Beif. im Ztr.)
Abg. Dr. Pichler (Ztr.) spricht dem Abg. Everling । das Recht ab, sich bei jeder Gelegenheit, in speziell katholische Angelegenheiten einzumischen. (Beifall i. Z.)
At-H. S^rvder <Bp.s ir.cmt, di- tachotüch- Presse , trage in alle Angelegenheiten den konfessionellen Stand- . punkt hinein. Ihn habe man als einen Freimaurer bezeichnet, was aber nicht richtig fei. Auch habe er niemals zum Kulturkampf ausgesordert.
Abg. Dr. Everling (ntl.) erwidert gegenüber dem Abg. Pichler, daß es ihm nicht einfalle, sich in kathol. Angelegenheiten einzumischen. Was Herr Kohl vorgebracht habe, seien lediglich Klagen ohne jedweden Beweis. Er (Redner) habe nur vom nationalen Standpunkt aus die Vorstöße des Zentrums bekämpft.
Abg. Erzberger (Z.): Der Vorredner wird uns das - Recht zugeste^en, daß auch wir unsere Interessen vom nationalen Standpunkte aus vertreten. (Sehr gut! im Zentrum.) Unser Vaterland ist konfessionell gespalten Und da ist es vom nationalen Standpunkte ans notwendig, daß man nicht einen Teil der Einwohnerschaft zurücksetzk. Wer anders als Herr Everling hat denn bei der nationalen Forderung der 400000 Mk. für die Siraßburger Universität hier konfessionelle Gesichts- Mnkle geltend gemacht? So elivas empfinden die 25 Millionen Katholiken als eine Kränkung. (Lebh. Zust. im Zentr.) llns dagegen werden sie keinen Fall nennen können, wo wir von der Tribüne dieses Hauses aus uns in evangelische Angelegenheiten eingemischt hätten. Menn Herr Schrader sagt, er sei kein Freimaurer, dann meine ich, stimmen ii'bet seine Ansichten doch mit denjenigen der Frei- ‘maurcr überein. Seine neulichen Ausführungen bedeuten die Aushebung der Parität. (Sehr richtig! im Zentrum.)
Eine längere Debatte enl'pinnt sich darauf auf Veranlassung res Abg. Ledebour (So.z.) zwischen diesem und dem Slaatssekrelär Kidcrlen'Wächter. ob die Aus- : Weisung eines in Berlin ansässig gewesenen Russen zu Recht erfolgt sei ober nicht.
Abg. Dr. v. Savigny (Ztr.) teilt mit, er habe j seinerzeit die Worte des Abg. Schrader, daß Geistlichen, ■ die den Modernisteneid geleistet, das Reichstagswahlrecht ; genommen werden solle, gehört, ebenso wie der Abg. Göring. Was im Stenogramm stehe, wisse er (Red- 01 er) nicht.
Damit schließt die Debatte und der Etat wird bewilligt.
j Beim Etat des Innern begründet
Abg. Hengsbach (Soz.) zwei Resolutionen, von ebenen die eine die Vorlegung eines Gesetzentwurfes (verlangt, in dem die Verhältnisse der für die industriellen | bestehenden ensionskassen für das ganze Reich einheit- ! lieh geregelt werden sollen. Die zweite Resolution verklangt eine Ergänzung der Bundesratsverordnungen, jbetr. den Betrieb der Anlagen der Großindustrie dahin, sdaß die Dauer der täglichen Arbeitszeit allgemein vor- laeschrieben werde. Weiter verlangt der Antrag Schutzbestimmungen und sanitäre Einrichtungen.
!: Abg. Frbr. v. Gamp (Resormp.) wendet sich gegen
- die sozialdemokratischen Resolutionen, weil es nicht angehe, der Industrie immer neue Lasten aufzulegen.
! Staatssekretär Delbrück stellt sich den Anträgen ablehnend gegenüber.
, Abg. Dr. Franck Ratibor (Ztr.) beschwert sich über jbie Handhabung des Sprachenparagraphen, der auch flegen die Mähren zur Anwendung gelange, die in einem Wahlkreis einen großen Teil der Bevölkerung MSmachen. Redner bittet dann um Annahme einer
11 *9™ M der zweiten Lesung eingebrachlen Resolution, des Eprachenparagraphen, über die '■ e n» iur dritten Lesung zucückgestellt sei.
j Abg. Giesberts (Ztr.) befürwortet eine Res olu- :tton aus Vorlegung einer Denkschrift über die Wir- iknng der Bundesralsverordnung für die Großeisen- lindustrie.
Die Resolution Giesberts wird angenommen, die der Sozialdemotraten werden abgelehnt.
Beim Kapitel „Allgemeine Fonds" sordert f. Abg. Schiffer (Ztr.) Maßnahmen zum Schutz der ^Textilindustrie.
Beim Kapitel »Hebung des Kaliabsatzes" begründet / Abg. Dr. Arendt (Reformp.) einen von allen Parteien unterschriebknerl Antrag wonach die Propaganda« 'gelber für den Kaliabsatz in den Schutzgebieten von
100000 Akk. auf 200000 Mk. erhöht und der Reservefonds entsprechend um 100000 MI. gekürzt werden soll.
Der Antrag wird angenommen.
Bei der Abstimmung über eine Reihe von bei der zweiten Lesung zurückgestellten Resolutionen werden angenommen: Die Resulution Graf Kanitz (kons.) auf Beschränkung des Zwischenhandels mit Lebensmitteln, die Resolution des Zentrums und der Polen auf Aushebung des Eprachenparagraphen, und die freisinnige Resolution auf korrekte Durchführung des Bereins- gesetzes.
Der Rest des Etats des Innern wird bereinigt.
Dienstag: Fortsetzung.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 3. April 1911.
Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung des Gesetzentwurfes über die Reinigung öffentlicher Wege. — Der Gesetzentwurf bestimmt, daß die poltzei- mäßige Reinigung öffentlicher Wege als eine von der Oltspolizeibehörde erzwingbare öffentliche Last denjenigen Gemeinden obliegt, zu deren Bezirk der Weg gehört.
Unterstaatssekretär Coels v. d. Brügghen führt aus, daß die Vorlage klares Recht schaffen und dem Streit zwischen Polizeibehörden und den Hausbesitzern ein Ende machen wolle.
Abg. Bremer (kons.) hält es für bedenklich, der Polizei zu weitgehende Macht einzuräumen und wünscht Kommifstonsberalung.
Abg. Linz (Ztr.i: Wir halten es für bedenklich, wenn durch das Gesetz neue Belastungen der Gemeinden und der Reinigungspflichtigen herbeigeführt werden. Wir erwarten von der Kommissionsberatung Aufklärung der strittigen Punkte- und werden in der Kommission gern Mitarbeiten in dem Bestreben, neue Lasten für Gemeinden und Anlieger auszuschließen.
Rach weiterer unerheblicher Debatte, an der sich der Abg. Hoeveler (Ztr.) den Ausführungen des Abg. ) Linz anschließt, geht die Vorlage an die verstärkte ®e« meindekommisston.
Es folgt die erste und zweite Beratung des Gesetzes über die Losgesellschasten
Finanzminifter Dr. Lentze führt aus, daß sich das Gesetz gegen unlautere Losgesellschasten richte. Reelle Lotterie-Gesellschaften würden von dem Gesetze nicht berührt.
Die Adgg. Frhr. v. Erffa (kons.), Reinhardt (Z.) und Boisly (ntlb.) sind mit der Grundtendenz der Vorlage einverstanden und wünschen Verweisung der Vorlage an die Kommission.
Die Abgg. Peltasohn (Vp.) und Dr. Liebknecht (Soz.) äußern juristische Bedenken gegen die Vorlage.
Abg. Dr. Grnnenbcrg (Ztr.) hält et für bedenklich, kleine Aufschläge auf Geldlose unter Strafe zu stellen.
Die Vorlage geht an die verstärkte Justizkommission.
Es folgen Petitionen.
Eine Petition von Volksschullehrerinnen Rheinlands und Westfalens um Gleichlegung derBolksschulferien mit den Ferien der höheren Schulen wird durch lieber« gang zur Tagesordnung erledigt, ebenso eine Petition von Direktoren, Rektoren, Oberlehrern, Lehrern u. a. gegen die Verstärkung des weiblichen Einflusses im Mädchenschulwesen und gegen die Zulassung der weiblichen Leitung öffentlicher Mädchenschulen.
Mittwoch: Wahlprüsungen, Pelilienen
veutsches Reich.
**'■ Berlin, 3. April 1911. Die kaiserliche Familie machte in Korfu Sonntag abend einen Spaziergang durch das Dorf Gasturi nach dem Kaiserin-Elisabelh-Brunnen. Der Kaiser hörte Montag vormittag den Vormittag den Vortrag des Chefs des Zivil- und Militärkabinetts. — Unter dem Vorsitz des Ministers v. Dallwitz traten am Montag im Ministerium des Innern die21 Mitglieder derJmmediat-Kommission für die Reform der inneren Verwaltung Preußens zusammen. Behandelt wurden hauptsächlich die Vorschläge der Subkommifsion für die Vereinfachung im Rechnungs- und Kastenwesen.
c. lieber das Befinden des erkrankten Vorsitzenden der ZentrumSsraktion Exzellenz Frhrn. v. Her Hing erfahren wir, daß in der Nacht von Sonntag aus Montag ein Anfall von Herzschwäche eingetreten ist, der am Montag abend noch nicht ganz überwunden war. Die Nahrungsaufnahme ist gut, der Kräftezustand hebt sich. Seitens der Fraktion wurde Exzellenz Hertling gestern durch ein prachtvolles Blumenkranzarrangement erfreut.
* Die ReichsversicherunLskommifsiou trat gestern zu einer kurzen Besprechung zusammen. Noch vor dem Wiederzusammentritt des Plenums nach Ostern wird die Kommission den bis dahin von den Berichterstattern fertiggestellten Bericht feststellen.
** Das tierärztliche Studium soll von fiebeti auf acht Semester verlängert werden. Die Erfahrung hat ergeben, daß der im Studium zu bewältigende Stoff in sieben Semestern nicht zu erledigen ist. Am 29. April wird nun eine Konserenz zwischen Vertretern der Reichsregierung und der beteiligten Bundesregierungen stattfinden die hierüber beraten wird. Außerdem dürsten auch noch einige technische Fragen der Prüfungsordnung, die sich als abänderungsbedürftig erwiesen haben, einer Neuregelung unterzogen werden.
Reichstagswahlvorbereitungen.
— Heesfeld, 4. April 1911. Für den Wahlkreis Hersseld-Hünseld-Rotenburg waren bekanntlich zwei Kandidaten der Fortschrittlichen Volkspartei genannt, Prof. Arndt aus Eschersheim bei Frankiurt und Bahnhofsvorsteher Fiedler aus Bebra. Die Provinzialleitung der Fortschrittlichen Volkspartei hat eingesehen, daß das doch zuviel ist und hat einen derselben, den Bahnhofsvorsteher Fiedler, als offiziellen Kandidaten nominiert. Der Tag wird kommen, wo die fortschrittliche Provinzialleitung emsehen wird, daß auch dieser eine Kandidat reichlich zuviel war.
* Zwischen fortschrittlicher Bolkspartei und Nationalliberalen lst für die ganze Provinz Pommern eveEinigung erfolgt. In einer be- stimmten Zahl von Kreisen werden die National- liberalen und die Fortschrittler eigene Kandidaten aufstellen, sich gegenseitig aber bei der Hauptwahl in keiner Weise bekämpfen. — Der national« liberale Lertretertag für die preußische Provinz Sachsen in Halle sprach sich für grundsätzliche Verwerfung liberaler Doppelkandidaturen aus. In den meisten Wahlkreisen der Provinz sei eine Einigung gelungen. ,
Ausland.
** Der englische Verfassungskampf. Im Unter« -hause begann am Montag unter Beifallsrufen der Ministeriellen die Debatte des Vetogesetzes. Obschon die Vorlage nur aus vier Klauseln außer der Einleitung besteht, sind 900 Abänderungsvorschläge, darunter 800 von den Unionisten, eingebracht.
** Tas neue Ministerium Canalejas. Die spanische Ministerkrise ist rasch behoben worden. König Alfons hat den Ministerpräsidenten nicht ziehen lassen. Er drückte Canalejas sein ferneres Vertrauen aus und ermächtigte ihn, die bisher von ihm verfolgte Politik fortzusetzen und in der Zusammensetzung oes Kabinetts Aenderungen, die er für notwendig hielt, vorzunehmen. Das bat Canalejas getan und zumeist aus ehemaligen Ministern sein neues Kabinett zusammengesetzt. Es ist mehr liberal gerichtet als das alte.
* Lärmszenen in der griechischen Kammer. Die Kammer hielt von Sonntag auf Montag die ganze Nacht hindurch eine Dauersitzung ab, in welcher die Regierungsvorlage bezüglich der Enteignung des Großgrundbesitzers in Thessalien in so stürmischer Weise disputiert wurde, daß es immer zu neuen Lärmszenen kam. Es entstand eine regelrechte Prügelei, in deren Verlauf drei Abgeordnete ihre Revolver zogen. Nur mit schwerer Mühe gelang es, eine Schießerei zu verhindern. Die Regierungsvorlage wurde erst am Morgen angenommen. Damit hat das Ministerium Venizelos wieder einen neuen großen Sieg errungen.
* Erneute ernste Verwickelungen drohen in Maro k k o auszubrechen. Dort zwang Sultan Mulay Haftd den französischen Obersten Mangin, obwohl dieser das Unternehmen widerriet, mit unzureichenden Streitkräften gegen die rebellischen Stämme in der Umgegend von Fez zu Felde zu ziehen. Die Sul- taiiStruppen wurden geschlagen; den Aufständischen aber wuchs infolge ihres Sieges dermaßen der Mut, daß man um Fez und seine europäischen Bewohner in lebhafter Sorge schwebt, zumal der letzte dem Sultan noch treugebliebene Stamm zu den Rebellen überging. Die Bevölkerung von Mekinez und die umliegenden Stämme haben den Prinzen M u l e i Ismail, den 27jährigen Bruder des Sultans zum Sultan proklamiert.
♦* Der chinesische Kriegsminister Wntschang, der während der jüngsten russisch-chinesischen Krise sich für die Eröffnung der Feindseligkeiten ausgesprochen hat, veröffentlicht ein Edikt, worin er den Regenten bittet, den Oberbefehl über die chinesischen Streitkräfte zu übernehmen, und die Armee auffordett, dessen eingedenk zu sein, daß die Mandschus dank ihrer militärischen Tüchtigkeit China erobert hätten und seit drei Jahrhunderten beherrschten. Das sei Chinas einziges Mittel, um die Sicherheit der Nation aufrecht zu erhalten Diese Botschaft ist den Truppen auf privatem Wege übermittelt worden.
* Der Fremdenhaß in China treibt wieder neue Blüten. Bus der Mittelchinefischen Hafenstadt Shanghai wird gemeldet, daß der amerikanische Missionar Murray am 28. März 17 Meilen südlich von Tstnanfu von europäerfeindlichen Chinesen angegriffen und schwer verletzt worden sei. Der Missionar ist mit einer starken, ihm von der Regierung zur Verfügung gestellten Eskorte nach ber Mission nach Shanghai zurückgekehrt. Murray befindet sich außer jeder Gefahr, seine Angreifer wurden verhaftet.
; Vom mexikanischen Kongreß wird ein besonderer Kredit in Höhe von 2500000 Dollar gefordert werden, der zur wirksamen Bekämpfung der Aufständischen dienen soll.
Aur Uirche und Schule.
0 Soden - Salmünster, 3. April 1911. Die Exerzitien für Männer und Jünglinge,die im Schwesternhaus zu Soden bei Salmünster gehalten werdm, beginnen erst am Gründonners- t ag, den 13. April abends 7Vi Uhr und schließen am Ostermontag, den 17. April morgens gegen 7 Vs Uhr. Es ist hiermit dem vielseitig ausgesprochenen Wunsche der sich bereits gemeldeten Teilnehmer Rechnung getragen, die erst von Donnerstag abend an über vollständig freie Zeit verfügen.
* Köln, 8. April 1911. Heber die Entfernung des Dr. Kaufmann aus der Erzdiözese Köln teilt der Kirchliche Anzeiger für die Erzdiözese Köln folgendes mit:
Unserem hochwürdigen Klerus ist wohl bekannt, daß ein gewisser Nichldiözesanpriester, welcher seit mehreren Jahren die Gastfreundschaft dieser Erzdiözese genießt, kürzlich alsbald nach unserer letzten Romreise nach Rom sich begeben hat und nach einer Audienz beim Heiligen Vater unb Er. Eminenz dem Kardinal- staatsfekretär sofort nach feiner Rückkehr nach Köln schriftliche Mitteilungen verbreitete, welche zur Verwirrung der Katholiken in diesen Landesteilen und zur Verletzung unb Schwächung der erzbischöflichen Autorität geeignet waren. Deshalb haben wir nach einem entsprechenden eingehenden Bericht an den Heiligen Stuhl und einer von ihm empfangenen huldvollen Rückantwort diesem Priester eröffnen lassen, er möge baldigst diese Erzdiözese verlaffen unb in leine Diözese zurück
kehren oder mit Zustimmung seines eigenen Ordinarius, dem wir über die ganze Angelegenheit Mitteilung gemacht haben, sonstwo seinen Wohnsitz nehmen. Die Mitteilung hiervon an unseren hochwürdigen Klerus hielten wir für angebracht.
Stadtverordneten-Versammlung
Fulda, 4. April 1911.
An der gestrigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung nahmen 25 Mitglieder des Kollegiums teil. Der Magistrat war durch die Herren Oberbürgermeister Dr. Antoni und Stadttai F. A. Mül» l e r vertreten. Den Vorsitz führte Herr Stadtverord- netenvorsteher Justizrat Gegenbaur.
1. Mitteilung von Eingängen. Der Vorsttzende bringt einen Aufruf aus Auspitz in Mähren zur Kenntnis, worin zur Förderung des Deutschtums um Beiträge zur Errichtung einer deutschen Mittelschule dortselbst gebeten wird. — Der Besitzer des Union- Kinematographen hat mit Rücksicht auf die neue Lust- barkeitssteuerordnung seinen Antrag auf Ermäßigung der Lustbackeitsstmer zurückgezogen. — Die Herren Sauer und Fritz teilen mit, daß sie mit Rücksicht auf Vorgänge in der letzten Stadtverordnetensitzung bei Beratung über den Platz für die dompfarr- liche Schule ihr Mandat in der gemeinschaftlichen Vaukommission niedergelegt haben. — Der Vorsitzende ist der Ansicht, daß dm Vorgängen in der letzten Stadtverordnetensitzung stichhaltige Gründe für die Niederlegung des Mandates nicht entnommen werdm könnten. Man solle bei Ausübung des Stadtverordnetenmandats in der persönlichen Empftndlichkell nicht zu weit gehen. Der Vorsitzende hofft, daß di« Herren ihren Entschluß, den er sehr bedauert, einet Nachprüfung unterziehm werden. Herr Fritz e» klärt, daß er unter lernen Umständen wieder in bl« Baukommifsion gehe. In der nächsten Sitzung werd« er zwei Mitglieder des Kollegiums namhaft machen, die durchaus geeignet seien, dieses Amt zu überneh- men.
2. Aufstellung von 3 Dellatemcit auf dem Fußgängerbankett des Weges Waldschlößchen-Sebastian- straße. Der Magistratsantrag, an diesem Wege drei Oellatemm mit einem Kostenaufwand von 99,75 Mk. zu errichten, wurde genehmigt.
3. Antrag Wehner: Aufstellung von Oellaternen an dem Wege am Waldschlößchen. Herr Wehner zieht seinen Antrag zurück, da dieser Punkt durch Annahm« des vorerwähnten Magistratsantrages erledigt ist.
4. Entwurf zu einer Ordnung betr. die Erhebung einer Kanalbemchungsgebühr. Wir haben die wesentlichsten Aenderungen gegen die frühere Ordnung bereits gestern mitgeteilt, da jedoch die Notiz verschiedene Fehler enthält, lassen wir hler die Richtigste!, hing folgen: Der § 7 der alten Ordnung lautet in dem neuen Entwurf (§ 2) folgendermaßen:
„Gebührenpflichtig sind alle Wohnungen, Schreibstuben, Läden, Lager-, Geschäfts-, Fabrik- und sonstigen offenen und geschlossenm Räume, sofern sie einen Anschluß an die städtische Kanalisation haben. Bei Feststellung der Gebübrenpflicht im Sinne vorstehenden Absatzes find alle Räume zusammen« zurechnen, die auf einer ober mehreren zusammengehörigen an die Kanalisation angeschlossenen Grund« stücksparzellm vorhanden sind unb in wirtschaftlichem Zusammenhänge stehen."
Gleichzeitig soll die Festsetzung der Gebühr einer Aendernng unterworfen werden. Vom 1, April ab 1909 mußte entrichtet werden:
1. von 1—150 Mk. Miets- bezw. Nutzungswert 1,5%
2. „ 151-600 „ „ „ „ 3%
3. „ 601—900 „ „ „ „ 3,875%
4. „ 901 u. m. „ „ „ „ 3,750%
Da der Miet- bezw. Nutzungswert von 151 bis 600 Mark sehr weit gegriffen war, sind aus dieser Position drei Stufen gemacht worden, so daß' künftig entrichtet werden sollen:
1. von
2.
3.
4.
5.
6.
1—150 Mk. Miets- bezw. Nutzungswert 1,5% 151-200 „ „ „ ,, 2%
201-300 „ „ „ „ 2,5%
301-600 „ „ „ „ 3%
601—900 „ „ „ „ 3,375%
901 Mk. u. m.
8,75%
Die §§ 6—10 scheiden aus der alten Ordnung aus. Durch die neue Ordnung, welche die Genehmigung der gestrigen Versammlung fand, werden, wie der Vorsitzende hervorhebt, eine ganze Reihe kleinerer Wohnungen entlastet, also billiger gestellt.
5. Einer Nachstandserklärung und einer Löschuugs- urfunbe erteilte die Versammlung ihre Zustimmung.
6. Formelle Zustimmung zu einer Grundstücksveräußerung Ecke Artillerie-Moltkestraße. Die erbetene Zustimmung wird erteilt.
7. Beschaffung weiterer 210 Stück Ferndruckzüuder. Magistrat und Gaswecksausschuß beantragen die Beschaffung von weiteren 210 Ferndruckzündern. Die Kosten belaufen sich auf 5275 Mack. Der Referent Herr E i ck e n s ch e t d t fragt, weshalb die Straßenlaternen veffchiedene Male längere Zett tagsüber gebrannt hätten. Herr Gaswecksdirektor M e w e » er« klärt dies damit, daß an dem Stegeier ein Druckgeberapparat eingeschaltet worden sei. Bei Herausnahme des Hebels seien ihm, dem Redner, ein paar Wellen in die Stadt gegangen. Das zweitemal, am 31. März, habe er bei Einsetzung der Regelung bemerkt, daß eine Stange zu kurz gewesen, und der Siegelet sei für Ver- suchszwüke zu sehr belastet worden. Die Ferndruckzunder hätten bis jetzt tadellos funktioniert und in 30 Städten seien sie eingeführt. Der Glühkörperaufwand sei ein geringerer geworden, die größte Ersparnis aber liege tm Gasverbrauch. Herr Singer befürchtet, daß wir das Schauspiel der Tagesbeleuchtung noch häufiger haben würben. ES sei ihm gesagt worden, daß man in Hanau von der Beleuchtung durch Ferndruckzünder Abstand genommen habe, weil sie sich nicht bewähre. Da müsse man es sich doch erst überlegen, ob eS ratsam sei, weitere Straßenzüge mit diesen Femdruckzündem auSzurüsten. Manche Bürger haben bie_ auffallende Erscheinung zu verzeichnen, daß dii Glühkörper in den Pnvathäusern sehr rasch durch bii vom Gaswerk ausgehenden Wellen entzwei gehen. Hm Rang eckläck, „von einem, der eS wsssen kann"'.