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58. 3at)rga«g.
* fuldaer W Zeitung«
2. Blatt.
druck «16 Verlag der Suite« adknbtudere i« Sil^o.
Kleines KenilieLou.
- Wie lange leben die Tiere? Der amerikanische Schriftsteller Ernest Thompson Scton behandelt im „Girl Own Paper" d e Frage, wie lange die Tiere gewöhnlich leben. Aus dem reichen Schatze seiner Erfahrungen beantwortet er diese Frage solgender- maien: Die Stubenfliege erreicht noch nicht einmal ein Jahr, der grüne Grashüpfer lebt neun Monate, MoZquitos höchstens ein Vier eljahr. Die Honigbiene dagegen einige Jahre. Unter den Insekten scheinen Ameisen besonders langlebig zu sein, denn Lord Avebury hat eine Ameise 15 Jahre lang am Leben erhalten. Recht bedeutend ist das Alter der Fische: Lampreten hat man in Fischteichen 60 Jahre lang erhalten, bei Hechten und Karpfen ist eine Lebensdauer von 150 Jahren nichts Außergewöhnliches, ein Riesenhecht in einem schwäbischen See soll es sogar auf 267 Jahre gebracht haben. Ein Lachs dagegen bringt es nach Setons Angaben nur auf vier Jahre. Unter den übrigen Kaltblütern bringt es das Krokodil auf eine recht ansehnliche Lebenslänge. Genaue Angaben sind darüber nicht zu machen, jedoch man weiß, daß es während eines vollen Jahrhunderts noch im Wachstum begriffen ist. Beim japanischen Riesensalamander ist eine Lebensdauer von einem halben Jahrhundert beobachtet, und Schildkröten bringen es gar auf ein Vierteljahrtausend. Der üooloaiiche Garten in London hat z. B. eine Sammlung sehr alter Schildkröten, von denen jüngst eine gestorben ist. Geringer ist die Anzahl der Lebensjahre die den Vögeln beschieden ist. Für den Sperling z. B. kann man ein Vierteljahrhundert ansetzen; Kanarienvögel leben etwa ebenso lange in der Gefangenschaft. ^Bedeutend älter wird zuweilen der Wendehals, öeton führt die Beobachtung an, daß ein Paar des Wendehalses 60 Jahre hindurch im selben Rest beobachtet worden ist. Sehr alt werden Papageien, nämlich bis zu 80 Jahren, nach anderen Angaben sogar bedeutend älter. Nach
wochen-Nun-schan.
[:] Fulda, 31. März 1911.
Fast ist es, als ob wir schon mitten in der Sau- rengurkenzeit lebten. Es pafliert nichts mehr, möchte man Bismarcks Rückzugsparole im Kulturkämpfe ins Neuzeitliche übersetzen. Eine Unmenge Sachen liegen vor, aber Aufregendes haben fle alle nicht an sich, so hie Kaiserreise nach Korfu über Wien und Venedig mit ihren Nebenerscheinungen, die Verabschiedung bet Vorlage über die elsaß-lothringische Verfassung in der zuständigen Reichstagskommission, das Scheitern der neuesten mecklenburgischen Verfaflungsreform-Vorlage, die Krankheit des Zentrumsführers Freiherrn v. Hert- ling, die Einführung von Dauersitzungen im Reichstage zur gewaltsamen Durchpeitschung des Etats. Die Parteien sind in den Parlamenten alle eifrig bei der Arbeit, um möglichst schnell alles zu verabschieden; nachher wartet ja im Lande die fieberhafte Aufregung der Wahlkampagne, die natürlich schon diesem Sorn- zner tijren Stempel aufdrücken wird.
In O e st e r r e i ch hat es die slavische Obstruktion wieder einmal fertig gebracht, das Abgeordnetenhaus lahm zu legen. Um von dem Ministerpräsidenten einige Ministerposten zu erzwingen, traten die Tschechen In eine Obstruktion ein, die Erledigung der provisorischen Budgecheratung vor dem 1. April unmöglich machend. Herr v. Bienerth tat ihnen aber den Gefallen nicht, sondem schlug der Krone vor, den ganzen verfahrenen Zuständen durch Auflösung des Reichsrats und Neuwahlen ein radikales Ende zu bereiten. Das Budgetprovisorium soll mit Hilfe des berühmten Rotparagraphen in Wirksamkeit gesetzt werden. D« Rcichsrat Ist vorläufig vertagt worden, die Auflösung soll unmittelbar folgen. Für diese Entscheidung des Ministeriums ist wohl in der Hauptsache die Erwägung maßgebend gewesen, daß der gegenwärtige Reichsrat nicht imstande sein wird, die bevorstehende große Steuerreform zur Durchführung zu bringen, während ein Parlament, das noch eine lange Lebensdauer vor sich hat, erfahrungsgemäß besser in der Lage ist, solche schwierigen Gesetzgebungswerke zustande zu bringen.
Die italienische Jubelfeier ist mit großem Pomp und unter Beteiligung aller italienischen Behörden, an deren Spitze der König selbst, eingeleitet worden. Die feindselige Tendenz, welche bei den Festfeiern allenthalben gegenüber dem Papste und der 'atholischen Kirche zutage trat, rechtfertigt durchaus die ablehnende Haltung, welche die Katholiken der ganzen Welt der Feier gegenüber eingenommen haben. Die italienische Kabinettskrise hat damit ihr Ende gefunden, daß Giolitti die Zügel der Regierung wieder in die Hand genommen hat. Das bemerkenswerteste Moment bei der Bildung des neuen Kabinetts war das Angebot, daß Giolitti dem Sozialisten Bissolati, dem Führer des reformistischen Flügels der italienischen Sozialdemokratie, gemacht hat. Bissolati zeigte ursprünglich nicht übel Lust, das Angebot anzunehmen, zog aber später seine Zusage wieder zurück, wie verlautet,weil ihm ans seiner Partei heftiger Widerstand angekündigt wurde, von welchem er eine Einbuße an seinem Ansehen befürchten mußte. Gleichwohl stellte er dem Ministerpräsidenten für seine PolM die Unterstützung seiner Partei in Aussicht, was darauf schließen läßt, daß Giolitti eine linksgerichtete kirchenfeindliche Politik nach ftanzöst- schem Muster beabsichtigt.
Die russische M i n i st e r k r i s e hat ein überraschendes Ende gefunden, indem Stolypin, mit dessen definitivem Rücktritt Bereits alle Welt gerechnet hatte, in letzter Stunde vom Zaren bewogen wurde, auf seinem Posten zu verbleiben. Er erhielt auch die Ge- nugtuuüg, daß seine heftigsten Gegner im Reichsrate kaltgestellt und die Semstwo-Vorlage, deren Ablehnung hn Reichsrate seinen Rücktritt veranlaßt hatte, auf dem Wege des Notparagraphen zum Gesetz erklärt wurde. Die Anwendung dieser Verfassungsbestimmung war allerdings nur dadurch möglich, daß die gesetzgebenden Körperschaften für einige Tage suspendiert wurden. Die Folge dieser verfassungswidrigen Maßnahmen war eine scharfe Opposition der Dumamehrheit gegen den Ministerpräsidenten, sodaß man sagen kann, daß die eigentliche Krise und zwar b; verschärfter Form, jetzt erst begitinen wird.
®er Konflikt zwischen Rußland und China ist durch ein Nachgeben der chinesischen Regierung in allen Punkten beigelegt worden. In China ist man mit diesem Ausgang natürlich recht wenig zu-
Reklame»- und Anzeigenteil.
Eine Gewichtszunahme
läßt sich beim Gebrauch von Scotts Emulsion bald feststellen, eine ganz besonders in der Genesungszeit, bei Abmagerung oder gestörtem Wohlbefinden wünschenswerte Wirkung. Erwachsene jeden Alters tun daher gut, in solchen Zeiten den Körper durch den Gebrauch von Scotts Emulsion zur Erhöhung sein« Leistungsfähigkeü wieder aufzusrischen und zu kräftigen.
Scotti «mulfion wird von uns auSUHUeßUch int irotzen »er. tauft und j»ar nt» lofe tu ch Dewicht oder Matz, sondern nur iu verstegelten Origtaalflaschen in Karton mit unserer Schutz- tuart« (Fischer mit dem Dorsch). Scott u. Betone, (S. m. b. .6. Fraulfurt a. M.
Bestaudteti«! Feinster atiedtzincU-Lebertrar 160, o, prima «Hjeria 60,0, mtterphoSvhorigsaurer Bolt ifi. unterpdorphorig. auttj Natron ifi, pale. Tragant »A fetal« arab. «Stimmt jtilo. 8A detttll, St alter tss.o, Alkohol ll,o. tz,e>,n aromatisch, Sntnlflon mit Hirni , anbei« ' nd Ganltheriaöl je - Trmren.
frieden, und eS steht zu «warten, daß die chinesische Regiemng diese unrühmliche diplomatische Niederlage zum Anlaß ein« MilitSrreform in größtem Stlle nehmen wird. In Wahrheit hat nur die mllitärische Ueber- legenheit Rußlands, das bereits umfassende Krieg«- vorb«eitungen getroffen hatte, die chinesische Regierung zum Nachgeben gezwungen.
* Gilgamesch, Moses, Jesus, Paulas: ei« eingesturzler „babylonischer"
Turm
Dor mehr als Jahresfrist war es, da konnte man in den Spalten deutsch« imttchristlich« Zeitungen merkwürdige Gegenüberstellungen lesen von Stellen aus dem babylonischen Gllgamesch-Epos und dem Men und Reuen Testament. Und ein merkwürdiger Kamevalszug bewegte sich durch die Versammlungssäle Deutschlands: Freidenkerhäuptlinge, fteireligiöse Predig«, deren starke Seite Wissenschaft nie gewesen ist und nie sein wird, sah man mit einer Broschüre in d« Hand auf das Podium steigen und von dort herab einem vor Ungläubigkeit denkfaul gewordenen Publikum klar .beweisen", nicht nur, daß C h r i st u s nie gelebt habe, sondem daß das, was im Neuen Testament von ihm «zählt w«de, ein Nachhall des babylonischen Gilgamesch-Epos sei. An mehr als einem Philistertisch wurde eine Broschüre Hemmgereicht und viel babylonischer Unsinn verzapft. Es war die Zeit, da der Marburg« Professor Jensen den Tribut d« Anerkennung, den ihm die Wissenschaft versagt hatte, durch demagogische Agitation zu ertrotzen versuchte.
Heute ist es merk w ü rd i g st i l l geworden. Die Toten reiten schnell, und groß ist die Blamage derer, die jenen babylonischen Karneval mitgemacht haben.
Tödlich war es für den Jensenschen Traum von der weltbeherrschenden Zauberwirkung des von ihm malträtierten Gilgamesch-Epos, als Kugler, der be- rufene mathematisch-astronomische Fachmann, unwiderleglich nachwies, daß die Babylonier die ihnen zuge- schriebenm Kenntnisse des Sternenhimmels, die Imsen doch vorausgesetzt hatte, gar nicht hatten. (Vgl. Kuglers für weitere Kreise beregnete Schrift .Im Bannkreis Babels", Aschendorff, Münster 1910.)
Nicht minder tödlich war der Stteich, den der Leipziger Professor Wundt — beileibe nicht aus Vorliebe für das Christentum, sondem vom Standpunkte der Völkerpsychologie — gegen die Jensenschen Phantasien führte und diese als eine Anhäufung von falsch verstandenen, von der Wsssmschaft längst abgetanen Voraussetzungen an dm Pranger stellte und sie als Ausstellungen behandelte, dir nur möglich feien unter Außerachtlassung der vorab maßgebenden psycho- logischm Gesichtspunkte.
Nunmehr ist ein neues Totengericht an jenen Behauptungen vorgenommen worden von dem B«lin« Universttätsprofeffor H. Greßmann in seiner Erklärung des babylonischm Epos. (Das Gilgamesch-Epos, neu Übersetzt von Artur Ungnad und gemeinverständlich erklärt von Hugo Greßmann. Göttingen 1911.)
Wohlweislich hat Jensen nur auf Nebensachen feine Vergleiche mit der Bibel aufgebaut und nicht, wie man erwarten sollte, auf den Hauptsachen. So muß er sich denn abermals sagen taffen:
»Die Hypothese Jensens stößt gleich am Eingang der Untersuchung auf unüberwindliche Schwierigkeiten. Denn im Alten Testamente sind weder die Einzelsagen vorhanden, aus denen das Gilgamesch-Epos im Lause der Zeit zusammengestochlen worden ist, noch der fertige Kranz. Nirgendwo findet sich die Sage von der Freundschaft eines Königs mit einem Tiermenschen, nirgendwo der Zug zweier Helden zum Zedernwald, nirgendwo die Beschimpfung einer Göttin, nirgendwo ein Kamps gegen einen Himmelsstier, nirgendwo die Wanderung eines Königs an die Mündung der Ströme, um das Lebenskraut zu holen; da die Einzelheiten fehlen, ist auch das Ganze nicht riachznweifen." (S. 185 f.)
Ist so schon der Ausgangspunkt ganz willtür- lich, so erst recht die Beweisführung. Denn Jensen hat einfach die mm einmal im Epos vorhandenen großen Lücken ganz nach seinem Betteten ausgesüllt, was ja für feine Vergleichung der Sagen recht bequem war, was aber'mit wissenschaf licher Respek- tierung des Tatbestandes schlechterdings nichts gemein hat. Das muß um so mehr be out werden, als Jensen zuweilen feine Beweisführung auf die
Deutung einzelner Wörter gründet, die bei einer andern Auffassung sofort alle Beweiskraft verlwren.
Man sollte ferner meinen, daß, wenn Jensen besondern Nachdruck darauf legte, in welch« Reihenfolge die einzelnen Stücke nacheinander sich folgten, et in erster Linie diesen Grundsatz beobachtet hätte. Mft Nichten! Alles, wovon er eine Parallele im Alten Testament oder im Gilgamesch-Epos nicht kon- struieren konnte, das läßt er stillschweigend unter den Tisch fallen, und wo etwas sein« Theorie nicht paffen will, da hat er sogar umgestellt und umge- dichtÄ. Und dennoch ist der Liebe Müh umsonst. Denn was « erreichen wollte, kann er doch nicht erreichen, wett das, was er als Aehnlichketten und damit alS einen Beweis d« Abhängigkeit des Alten Testamentes von dem babylonischen Epos ausgibt, als Aehnlichkeit überhaupt nicht in Frage kommen kann, weil es Dinge betrifft, die schlechterdings so sehr Nebensache, so sehr untergeordneter Bedeutung sind, daß sie einfach überall vorkommen müssen.
Das alles ist damals Jensen und seinen gläubigen Nachbetern vorgehalten worden. Umsonst! Melleicht nützt es jetzt, wenn Greßmann noch einmal die Fehlerquellen aufzeigt, an welchen die Gilga- meschmanie krankt. Er zählt folgende Fehl« der Jensenschen Methode auf:
„Der erste Fehler ist der durchgängige Personenwechsel. Einzelne Vertauschungen mögen wohl vorkommen und unter Umständen glaubhaft «scheinen können, aber wo dies nicht die Ausnahme, sondern die Regel ist, liegt eine falsche Konstruktion vor. — Der zweite Fehler ist d« Nachdruck, mit dem die lleber- einstimmung hervorgehoben wird, während jede Abweichung unbeachtet bleibt. Was nützt alle Aehnlichkeit, wenn die Unähnlichkeiten so groß sind, daß keine Brücke diese Kluft Überspannen kann? — Der dritte Fehler ist die Vermeidung jeder Begründung, wie die Abweichungen der verschiedenen Gestalten, die Lücken in den Sagen, die Umstellungen und Veränderungen entstanden sind. Und doch liegt hier das größte Wunder vor, daß die Gilgameschsage in Israel nicht eine, sondern fcbier unzählige Wandlungen durchgemacht hat, und bald in dieser, bald in jener B«mummung erscheint. Die Sagen sind lebendige Organismen, deren Knospen, Blühen und Absterben nach immanenten Gesetzen erfolgt; ihnen diese Gesetze abzulauschen, ist die Kunst des Sagenforfchers. Wer sie aber mechanisch nach der Elle mißt und zerschneidet, unternimmt einen Versuch Mit untauglichen Mitteln. — D« vierte Fehler ist die allgemeine Verschwommenheit, in die alle Gestalten und Ereignisse aufgelöst werden. Alles Charakteristische wird solange verallgemeinert, bis es überall in der Welt seine Parallele hat. Wenn in zwei Erzählungen Lebewesen geschildert werden, die geboren werden ober sterben, die reden oder handeln, kommen oder gehen, heiraten oder sich befreunden, so wird man um dieser täglichen Einzelheiten willen, und wenn ihrer tausend und noch mehr wären, niemals eine Abhängigkeit der einen Geschichte von der anderen behaupten dürfen. Ein Zusammenhang zweier Sagen kann immer nur da bewiesen werden, wo wesentliche, d. h. charakteristische Züge wiederkehren." (S. 189.)
Damit ist wieder einmol ein babylonischer Turmbau zusammengestürzt. Unter seinen Trümmern ist begraben alles, was so willig an seinem Aufbau nutgewirkt hat, d. h. all' der ganze Trott der Freidenkerei, die das Hauptpublikum zu dem Jensenschen Karnevalszug gestellt hat und zu jeder Narretei stellt, wenn sie nur aussieht, als ob man damit dem Christentum eins anhängen kann! Die Blamage ist groß, aber wohlverdient!
Aus dem Nachbargediete.
o. Kerzell, 31. März 1911. Seit vier Wochen ist hier eine von Ingenieur Eduard Brähler in Tiesengruben ausgesührte elektrische Anlage für Licht- und Kraftzwecke im Betrieb. Eigentümer d« gut funktionierenden Anlage, die bereits 26 An- fchlüsse in unserer Gemeinde zu verzeichnen hat, ist Mühlenbesitzer Gregor Weber. Vielleicht empfiehlt es sich, die elektrische Straßenbeleuchtung, deren Nutzen unverkennbar ist *nnb wozu jetzt die günstigste Gclegenhett gebo en wäre, einzuiühren.
* Kassel, 30. Marz 1911. Eine für die Lehrerwahl in ben Städten wichtige Entscheidung hat die Regierung in Kassel getroffen. Bisher geschah diese Wahl in der Regel auf Grund von Lehrproben. Nun hat ab« die Regierung angeordnet, daß für Ritten zum Ablegen von Lehrproben kein Urlaub mehr gewahrt werden darf. Die Städte werden daher in Zu
kunft auf die Abhaltung von Lchrproben Verzicht« müssen.
* Hana. Münden, 30. März 1911. De, Schmied Henne m Hedemünden wollte die Gas. leitung beim Wirte Ammermann in Ordnune bringen. Als er mit einem Licht in den Raum kam, explodierte die Lampe. Mit schreck- lichen Brandwunden wurde d« Bedauernswert« nach ber Göttinger Klinik gebracht.
* Erfurt, 30. März 1911. Im benachbarter! Ingersleben verunglückte in der Zitzmannschen Mühle ein 19jährig« Müllerbmsche aus Sachsen dadurch tödlich, daß er in das Getriebe bei Zahnradgetriebes kam und mitten entzwei geschnitten wurde. — Verschwunden ist hier seit einer Woche der Bauunternehmer Schuchardt. Die unbefriedigt gebliebenen Handwerksmeister hollen Oefen, Fenster, Türen aus einem Neubau wieder heraus, der am 1. April bezogen werden sollte.
* Butzbach, 30. März 1911. Der Gemeinderat beschloß die Einführung des fakultativen Unterrichts der französischen Sprache an der hiesigen Volksschule und ermächtigte die Bürgermeisterei, die weiteren Verhandlungen über diesen Punkt mit der Kreisschulkommission Friedberg zu führen.
vermischtes.
* Vom Hoboisten zum OpernsSnger. Ein Hobosst im Altenburger Infanterie-Regiment trat vor nicht allzulang« Zeit als Schauspieler in den Verband des Geraer Hoftheaters ein. Jetzt hat ihn Direktor Volkney von dem Leipziger Stadttheater nach Leipzig an dir Leipziger Oper als Tenonst v«pflichtet.
* Land als Armemmierstützung an Stelle von Geldgaben versuchsweise zu bewilligen, haben nun auch di« Städte Lennep und Bielefeld beschlossen.
* Die Kgl. Oper zu Berlin. D« Streit um die Leistungen der Kgl. Oper zu Berlin scheint noch nicht beendet zu sein. D« Abg. Kopsch hat auf die Erklärung des Generalintendanten Grafen Hülsen-Hae- seler, durch die Kapsch's Kritik im Abgeordnetenhaus« zurückgewiesen wurde, geantwortet, seine Kritik habe sich lediglich auf die Leitung des Opernhauses, das heißt also auf den Grafen persönlich, bezogen. Wie der Graf diese Kritik auf das Personal der Oper ab- wälzen könne, verstehe er nicht.
* Taubstumme Meineidige. Vor dem B«liner Gericht standen zwei Taubstumme, die in einer Schul« so wett ausgebildet waren, daß fle auf Fragen, die sie vom Munde ablafen, einem Antwort geben können. So haben sie auch den Eid, der falsch sein soll, geleistet. Sie wurden auf Antrag ihres Verteidigers freigespro- chen, da di« gesetzliche Vorschrift besagt, daß Stumme, welche schreiben können, den Eid mittels Abschreibens und Unterschreibens der Eidesformel zu leisten haben.
* Auszeichnung eines holländischen Militärschriststellers. Wie dem „Tag" aus Rotterdam berichtet wird, hat der Kaiser dem holländischen Oberstleutnant a. D. Van es in Utrecht, dem Verfass« eines WeckeS über die reitende Artillerie, fein eingerahmtes Porträt mit eigenhändig« Unterschrift zugesandt.
ziemlich zuverlässigen Angaben erreicht der Adler zuweilen ein Alter von 100 Jahren, und bei einem anderen Raubvogel, eine > weißköpfigen Geier, soll ein Alter von 180 Jahren beobachtet worden sein. Unter den Säugetieren ist das Durchschnittsatter des Hundes 15 dis 20 Jahre, das der Katze 20; Hasen werden etwa 12 Jahre alt, Eichhörnchen 8, Mäuse 6. Der Löwe erreicht 35 Jahre, der Bär 40, Schafe 15, Rinder stnden mit 30 oder 40 Jahren, Pferde können 40 oder gar 60 Jahre, das Kamel sogar 80 Jahre alt werden. D« Methusalem unter den Säugetieren ist ber Elefant. Er wird zuweilen 150 Jahre alt, und die Inder behaupten sogar, er erreiche ein Alter von 300 Jayren. Aehnliches wird vom Walfische berichtet. Im allgemeinen kann man für das Lebensalter eines Tieres die Reget aufstellen, daß es acht- bis zehnmal so lang ist wie die Zeit dis zur völligen Reife.
— Katholische Inferiorität? In der sranzöstscheu Akademie gab es in den letzten Zeiten einen großen Wettstreit, aus dem die »katholische Inferiorität" siegreich hervorging. Es sollte für den verstorbenen Gerinez ein Mitglied der Akademie gewählt werden. Ein Teil d« Mitglied« schlug vor Madame Curie, die Gattin des Radiumerfinders, und diese Kandidatur wurde von gewissen Seiten eifrigst betrieben, weil der Gegenkandidat, d« berühmte Physiker Eduard Branty, Professor an der katholischen Hochschule Paris, ein überzeugter und eifriger Katholik ist. Zur Klärung der Sache erzählt ,Der Star' in seiner »Französischen Rundschau", Madame Curie habe nur das besondere Glück gehabt, die Gattin eines hervorragenden Gelehrten zu sein. Als Curie sie heiratete, war fie eine einfache Studentin; Curie hatte bereits vorher das Radium entdeckt, nicht mit Hilfe seiner Gemahlin, fonbern mit Hilfe Labordes. Solange Curie lebte, nahmen öte Franzosen unbestritten den ersten Rang auf dem Gebiete der Radioakllvität ein. Jetzt sind sie von England überholt, obwohl Madame Cutte noch immer an dem Werk ihres vnstorbenen Mannes fortarbeitet; jedoch sie kann, wie es scheint, allein
nicht arbeiten und bedarf immer eines tüchtigen Mitarbeiters. Und Branly, der Katholik? Er ist anerkanntermaßen ein hervorragender Gelehrter. Er hat bedeutende Werke über statt che Elektrizität, über sie violetten Strahlen, die Jonen geliefert. Vor allem aber machte er sich berühmt durch die Ent- d.ckung der drahtlosen Telegraphie. Dabei verfügt er über ganz geringe Hilfsmittel und ist ein bescheidener Mann, dessen Güte und staunenswerte Geduld man oft mißbraucht hat; einst suchte man ihm sogar die Erfindung der drahtlosen Telegraphie streitig zu machen, und nur an dem Widerstand Rarcoms scheiterte d« gemeine Berlemndungsfeld- zug. . Als der Nobelpreis den Entdeckern der drahtlosen Telegraphie zufiel, wußte man ihn davon auszufchließen, weil er Katholik ist. — Ein anderer Katholik, noch dazu Geistlicher, wurde am 26. Januar in die französische Akademie gewählt, der große Gefchichtskenn« nnd geistreiche Schriftsteller Monsignore Duchesne.
— Fort mit dem Hosenrock! Die Zeitung,Der Konfektionär' hat ein Preisausschreiben veranstaltet, um eine passende andere Bezeichnung für den Hosenrock zu finden, der gegenwärtig die Modegespräche der Damenwelt beherrscht. Nachstehend veröffentlichen wir eine Zusammenstellung der Einsendungen: Pantalonrock, Kostümbeinkieid, Flügelrock, Zuaven- rock, Sturmrock, Hygienarock, Emanzipationsrock, Suffragetterock, Stimmrechtrock, Herrenrock, Knöchel- schlnßrock, Spaltenrock, Doppelrock, Masculinrock, Pagenrock, Teilrock, Umversalrock, Asphaitrock, Livrörock, Galarock, Weltrock, Pantallonge, Pantal- ttngenkostüm, Männirock, Maleskirt, Palentine, Faoorttrock, Favoritkleid, Pantalarock, Zweiteiliger Rock, Damenbuxen, Pluderrock, Damendemtleio 1911, Schreitlleid, Freischrittrock, Freier Rock, Rennrock, Türkcnrock, Teilrock, Neukleid, Kombinationsrock, Pantalrock, Zweigrock, Spreiz«, Orientrock, Raffrock, Gehrock, Halbrock, Mauurock, Der Emanupierie, Damenpantalons, Reformpatatalons, Stulpcnrock, Rollenrock, Zweirock, Schlankrock, Triumphrock, Clourock, Silhouettenrcck, geteilt« Rock, Zweifußrock, Vunwrock, Qaremsrock, Pantalona, Moderock.
Sultane, Turkos, Pantaljup, Jupotte, Roxgeher, Wadevrock, Schrittrock, Odaliske, Amazonenrock, Kavalierrock, Schreitrock, Zwillingsrock, Beinrock, Rockbeinkleid, Fortschrittsrock, Pantola, Neurock, Kostümbeinkleid, Reifrock, Laufrock, Röhrenrock, Jupe orientale, Rockett, Rock ä, la Turque, Pascharock, Odaliskengewand, Emanzipienne, Orientalisches Kostüm, Oppositionsrock, Schlitzrock, „Er"-Rock, Suleika, Osmanrock, Paulsrock, Damengehrock, Mandarinenrock, Renormalrock, Pumpkleid, „Türkisch-Schoß", „Hansania", „Bonny sott -Kleid", Buxenrock. — Von den Preisrichtern, die hi« ein schweres Amt hatten, wurden die Namen Kavalierrock und Amazonenrock mit je einem Preise bedacht. Am besten wäre es, das Wort samt dieser Modeverirrung verschwände.
— Frühlingslied. Höchst aktuell zum plötzlichen Witterungsumschwung, mit dem sich der Kalender- Frühling angemeldet hat, stellt sich ein Sänger im „Kladderadatsch" mit folgendem Frühlingslied etn:j Blaugefroren ist die Nase Und die Hand erstarrt vor Frost.
Wärmmd dampft ber Grog im Glase, Draußen heult der kalte Ost.
Brmnholz ist willkomume Gabe, Nnd im Ofen glüht's und brennt’3 Sei willkommen, holder Knabe, Sei willkommen, jung« Lenz!
— Unverschämt. He«: „Das ist doch stark. Sie stehen hi« und betteln, und ich erfahre, daß Sie vor kurzem einen Verwandten beerbt haben, der Ihnen ein kleines Vermögen hinterließ!" — Bettler: „Ganz recht, lieber Herr! aber soll ich denn deshalb faulenzen?"
— Selbsterkenntnis „Welcher Esel hat mir meine Feder annektiert?" sagte ein all« Schreib« auf dem Bureau zu fit selbst, und fetzte, als er diese gleich darauf hinter seinem Ohr fand, hinzu: „Das habe ich mir doch gleich gedackit!"
— Anzüglich. Geck: „ . . . Finde, Gnädigste, auf der Welt gibt es eine Menge Idioten." — Tarne: „Ganz richtig — und meistens sogar um einen mehr, als man glaubt."