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i.mmsX Woch-Nb-UON- Illustrierte Zonntagrzeitung"

38. Jahrgang

Fulda, Dienstag den 28. März 1911

Erstes Watt

„irtgen: Vie ei» fpMge Petitzeile oder deren Raum 15 Pfg. Reklamen drepetitzeil« pfg., be» wieder- qolnngen wird entspr.

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Zeitung

MonatsbeUage: „Fuldaer GeschichtrblStter"

er sein Amt als Präsident der Duma niederlege. Die Fraktion beschloß, gegen die Gesetzvorlage über die Semstwos der Westgouvernements zu stimmen, wenn das Gesetz auf Grund des § 87 der Grund­gesetze durchgeführt wird. Die Frage dcr Nieder- legungderMandate aller Mitglieder der Frak­tion wurde bis zur nächsten Fraktionssitzung offen ge- laffen. — Die Beschlüsse der Oktobristen sind natür­lich nur Schreckschüsse und leeres Gerede; denn sobald es der Duma einfallen sollte, an der Vorlage über die Semstwoverwaltung herumzumäklcrn, würde die Duma einfach aufgelöst werden.

♦ Au der montenegrinischen Grenze hat ein neuer Zwischenfall fünf Opfer gefordert. Vier Montene­griner und ein türkischer Soldat sind gefallen. Die Montenegriner sind die Schuldtragenden.

Deutscher Reich.

** Berlin, 27. März 1911. Das Plenum des Herrenhauses wird in der Zeit vom 4. bis 7. April Plenarsitzungen abhatten. — Der Reichskanzler siatteie dem italienischen Bot- schaster Panza in Berlin einen längeren Besuch ab, um seine Glückwünsche zu dem italienischen Rationalfest auszusprechen. — Zwischen dem Reichskanzler und dem italienischen Minister des Äeußern Giuliano sand aus dem gleichen Anlaß ein Depeschenwechsel statt. — Eine Sensations­meldung, daß der Hamburger Spionagefall yrit dem Juwelendiebstahl im Reichskanzlerpalais Zusammenhänge, wird amtlich als eine Erfindung et» Erklärt. — Der Regierungspräsident von Hannover, v. Philippsborn, hat, wie der .Tag' erfährt, sein Abschiedsgesuch eingereicht. Er will aus Gesundheitsrücksichten am 1. April in den Ruhe­stand treten. In Hannover bringt man diese Angelegenheit mit der Tatsache in Zusammen­hang, daß die Frage der Beteiligung Hannovers U ®en Kosten des Kanalbaues nicht von der Stel^ kommt. — Der Kronprinz unternahm am Sonntag von Kairo aus einen Kamelritt in Pie Wüste bei Heluan. Montag abend fand bei Sir Eldan Gorst ein Diner zu Ehren des Kronprinzen und der Kronprinzesstn statt. — Am Sonntag ist auch der König von Sachsen mit Gefolge aus dem Sudan kommend in Kairo emgetroffen und wird bis zum Freitag bleiben. Auf der deutschen Gesandtschaft fand zu Ehren des Königs ein Frühstück statt. Am Montag chbend gab der Khedive zu Ehren des Königs ein Galadiner.

wurde, beginnt sich immer mehr ein Umschwung der Stimmung bemerkbar zu machen. Nachdem die versprochenen Chauffeen, die billigen Heringe und fetten Ochsen der liberalen Agitatoren nicht eingetroffen sind, beginnt die Bevölkerung zu merken, wie sie vom Liberalismus am Narrenseile geführt worden ist. Recht deutlich wurde, wie die,Kreuzztg.' mitteilt, dieser Stimmungswechsel wieder in einer großen öffentlichen Versammlung, die vom konser­vativen Verein in Lyck einberufen war, und in der vor etwa 500 Zuhörern Generalsekretär Rich. Kunze aus Berlin über das Thema .Die große Gefahr" sprach, bemerkbar. Das konservative Blatt berichtet über den Verlauf der Versammlung:

.Die Zuhörer, die zum Teil erst widerwillig und unter mancherlei Zwischenrufen den Ausführungen des konservativen Redners folgten, wurden zusehends stiller und hörten schließlich mit gespanntester Aufmerksamkeit dem Redner zu, der sie vollständig in seinen Gedanken­kreis zwang. Rauschender Beifall zum Schluffe bewies, daß der Redner seine Zuhörer gepackt und für die konservativen Ideen erwärmt hatte. An dem glänzen­den Erfolge, den hier die konservative Sache davon­trug, änderte auch die Tatsache nichts, daß einige Liberale, die sich im Hintergründe befanden, beim Ver­lassen des Saales nach liberaler Gewohnheit ein Hoch auf ihren Kandidaten ausbrachten."

— Dortmund, 26. März 1911. Das west« fälischeZentrum hielt heute zum ersienmale einen Parteitag für die ganze Provinz ab. Aus den 17 Reichstagswahlkreisen waren ca. 350 Delegierte nach Dortmund geeilt. Viele Abgeord­nete waren anwesend. Die Verhandlungen der Delegierlenversammlung waren vertraulicher Natur. Es kamen Fragen der Organisation, der Vor- bereitungcn auf die kommende Reichstagswahl, der zu beobachtenden Taktik in den einzelnen Kreisen nsiv. zur eingehenden Besprechung. Abends fand unter dem Vorsitz des Abg. Herold im Fredenbaum eine öffentliche Versammlung statt, die von ca. 6000 Personen besucht war. Abg. Fürst zu Löwenstein sprach über die politische Lage, Abg. Giesberts über den kommenden Wahlkampf. Die Versammlung war von einem erhebenden Geist getragen und eine glänzende Kund­gebung westfälischer Zentrumstreue.

Reichstagswahlvorbereitungen.

△ Marburg, 27. März 1911. Eine in Cölbe abgehaltene Vertrauensmänner-Versammlung des Bundes derLandwirte hob den im November gefaßten Beschluß, bei der kommenden Reichstags­wahl für den konservativen Kandidaten, Professor Dr. Bredt, einzutreten, mit großer Mehrheit wieder auf und beschloß, es den Mitgliedern frei zu stellen, wem sie ihre Stimme geben wollen. Maßgebend für den Beschluß soll sein, daß Bredt auch dem Bauernbund freundlich gegenüberstehe.

Ausland.

*♦ Die iuuerpolitische Lage in Oesterreich hat sich während der letzten Tage verschlechtert. Die tschechischen Abgeordneten sind fest entschlossen, den Kampf gegen das Kabinett Bienerth fortzusetzen. Auch der Po'enklub macht Schwierigkeiten. Die Regierung hat sich deshalb entschlossen, den Reich8- r a t zu vertagen. Die A u f l ö s u n g des Reichs­rats wird folgen, die Neuwahlen werden vor­aussichtlich im Herbst statlfinden. Die Mehrheits­parteien sind mit der Vertagung ziemlich unzufrieden, weil alle bisher geleistete Arbeit vergeblich ist und Neuwahlen keine wesentliche Aenderung der Zu­sammensetzung des Rcichsrats bringen können.

** Das ungarische Abgeordnetenhaus nahm eine Resolution an, auf der nächsten Haager Konserenz einen Antrag auf Beschränkung der Rüstungen zu stellen.

** Im französischen Ministerrat unterzeichnete am Samstag Präsident Fallieres das Dekret zur Durch- führung des Gesetzes über die Altersversiche- rung für die industriellen und ländlichen Arbeiter.

** Tie italienischen Zubiliiumsseierlichkeiteu. Mit ungewöhnlichem Glanz fand gestern vormittag im Echaupalast auf dem Kapitol in Rom die Fest­sitzung zur 50jährigen Feier des Königreiches Italien statt. Das Fest mürbe bezeichnenderweise eingeleitet durch eine Ansprache des freimaurerischen Macht­habers in dcr ewigen Stadt, des genugsam bekannten Bürgermeisters Nathan. Darauf nahm der König das Wort zur Erwiderung. Er führte u. a. aus: Italien mit Rom als Hauptstadt bedeutet das ruhige Bestehen der Kirche neben dem Staat, welcher der Religion ebenso wie der Wiffenschast ihre volle fruchtbare Tätigkeit verbürgt. Dieses Werk unserer Väter, der Befreier unseres Vater­landes, erscheint nicht minder erhaben, als das der beiden vorangehenden Zeitalter Roms. Mein ver­ehrter verewigter Vater sagte in einer feierlichen Rede, daß unter den majestätischen Uebeneften der alten Größe die neue Größe uns nicht bescheiden erscheinen dürfe; die alte war kraft des Geistes der Zeit universal, die neue ist national, zur elfteren gehört das römische Italien, zur letzteren das italienische Rom, jene war der Ausdruck der Macht, diese ist der Ausdruck des Rechts, und wie jedes Recht ist das italienische Rom unverletzlich. [$ie Geltendmachung dieses „Rechts" war, wie selbst der liberale Gregorovius sagt, die schwerste Er­schütterung, die jemals die Legitimität erfahren hat.j Hierauf verlasen die Präsiden en des Senats und der Kammer Huldigungsadreffen. Am Abend sand in dem neuen Ausstellungspalais die feierliche Er­öffnung der Ausstellung der schönen Künste statt. Die Stadt war prächtig illuminiert. Eine ungeheure Menschenmenge flutete durch die Hauptstraßen und machte den Verkehr fast unmöglich.

** In Rußland ist die Duma für drei Tage aufgehoben und im Wege der Diktatur die Semstwoverwaltung für die Westprovinzen auf Grund des Artikels 87 der Grundgesetze verkündet worden. Tas bedeutet einen vollen Sieg Stolypins. In der Abendsitzung der Tumafraktion der Okto - drifte »^kündigte am Samstag Gutschkow an, daß

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Preutzischer Larrvtag.

Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 27. März 1911.

Die dritte EtatSberatung wird beim Kultus- etat fortgesetzt.

s' Ein Antrag Dr. Heß, Kesternich und Marx (Ztr.) will die Tagegelder und Fahrkosten von Elementarlehrern und -Lehrerinnen neu regeln für die Teilnahme an amtlichen Kreiskon­ferenzen. Danach sollen u. a. 6 Mark Tagegelder gezahlt werden. M

Ein Antrag Dr. Friedberg (ntlb.) verlangt nachhaltige Förderung der Jugendpflegebestrebungen. v Ein Antrag Aronsohn (Vp.) verlangt die Bereitstellung von Mitteln auch für die weibliche schul- mtlassene Jugend.

Abg. Dr. Kauffmann (Ztr.): Für die weibliche Jugend sind bereits 20000 Mark in den Etat ein­gestellt. Erhöhte Ausgaben zu machen, möchten wir die Regierung nicht drängen, bis wir die Ergebnisse der männlichen Jugendpflege übersehen. Auch den Antrag Dr. Friedberg halten wir in seinen Einzel­heiten für verfrüht. Die Lehrer empfinden es bitter, daß sie bei den zugebilligten Entschädigungen für die Teilnahme an Kretskonferenzen in eine Klaffe yinrangiert werden, die ihrem Stande nicht entspricht. Diese Frage wird durch unseren Antrag nicht berührt. Der Antrag sieht bestimmte Sätze vor, und es ist zu hoffen, daß die Regierung den Antrag akzeptieren kann. Im weiteren verweist Redner auf • das unsaubere Machwerk „Pfaffenspiegel von Corwien", da? in den sozialdemokratischen Bibliotheken zu den am meisten gelesenen Geschichtswerken gehöre. Selbst von sozial­demokratischer Seite sei vor dem Buche gewarnt worden. (Beifall im Zentr.)

Aus Antrag des Frhrn. v. Zedlitz (frt) wird die Diskussion über die erwähnten drei Anträge vor­läufig ausgesetzt. .

Abg. Ernst (Vp.) bespricht Ungleichhelten in den Nehaltsverhällniffen der Seminarlehrer und Kreis- schulinspekwren.

Abg. v. TramezynSki (Pole) führt Klage über die Verdrängung der polnischen Sprache aus den Schulen des Ostens.

Abg. Dr. Lohmann (ntlb.) äußert Wünsche der Vibliolheksbeamten.

Abg. Dr. Schepp (Vp.) klagt über das zu jugend- stche Alter mancher Kreisschutinspektoren und meint, freisinnige Lehrer dürsten sich nach Auffaffung der Verwaltung politisch nicht so betätigen wie kon­servative.

Kultusminister Trott zu Solz: Jugendliche Kreis- fchulinspektoren find meist nur kommissarisch beschäftigt. Politische Betätigung ist den Lehrern nicht verboten, aber sie müffen sich in den Grenzen halten wie die Beamten.

' Abg. Brandhuber (Ztr.) tritt für den konfessionellen Eharakter der Hilfsschulen ein.

Beim Eisenbahnetat wünscht

Abg. Dr. Schröder-Kaffel (natl.) Gleichstellung der preußischen und Reichseisenbahnbeamren.

Abg. v. Hennig» (konf.) äußert einige Wünsche der Beamten.

Abg. Gottschalk (natl.) erörtert die Gefährlichkeit der Gasbeleuchtung in den Eisenbahnwagen.

Abg. Runze (Vp.) wünscht höhere Löhne für die Eisenbahnarbeiter.

Beim Bauetat erörtert

Abg. Hammer (kons.) verschiedene Mißstände auf dem Gebiete des kommunalen Submisstonswesens.

Ein Regierungsvertreter erwidert, daß die Regie­rung nicht in der Lage sei, hier einzugreifen.

Die weitere Debatte dreht sich um den Dorimund- Ems-Kanal.

Zur Justizverwaltung werden zunächst lokale Wünsche geäußert. Dann verlangt

. Abg. Bartsch« (Ztr.) die Herabsetzung des Zeugnis­stempels und des Abschrislenstempels von 8 auf 1 Mk.

Abg. Dr. Mizerdki (Pole) polemisiert gegen die pstmarkenzulage.

Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) bezeichnet das Verbot btS sozialdemokratischen Turnunterrichtes als einen Rechtsmißbrauch und zieht sich dreserhalb einen Ord- nrmgSrnf zu.

! Ein Schlußantrag wird angenommen, ebenso das Etalsgesetz gegen die Sozialdemokraten.

Damit ist die dritte Lesung des Etats beendet.

Mittwoch: Kleine Vorlagen, Pflichtsortbildungs« schulgesetz. .

totales.

Fulda, den 28. März 1911.

E Wilhelm Slöhr f. Heute früh um 7 Uhr starb ein hochgeachteter Bürger Fuldas, der Kauf­mann Wilhelm Stöhr im 58. Lebensjahre. Ein kurzes, schweres Leiden hat seinem arbeitsreichen Leben ein Ziel gesetzt. Herr Stöhr gehörte vom 1. April 1898 bis 1. Januar 1900 der Stadtver- ordneten-Versammlung an; am 1. Oktober 1900 wurde er zum Mitglied des Magistrats gewählt und am 15. Oktober eingeführt. Der Verstorbent hat diese Aemter eifrig und pflichtgetreu ausgeübt, bis ihn Gesundheitsrücksichten zwangen, im Septem­ber 1908 aus dem Magistrat zu scheiden. Wieder­holte Versuche, seine tüchtige Arbeitskraft für die städtischen Körperschaften wieder zu gewinnen, mußten infolge der dauernd ungünstigen Gesundheit des Verstorbenen erfolglos bleiben. Der Handels­kammer hat Herr Stöhr ebenfalls mehrere Jahr« angehört. Wir verlieren in dem Dahingegangenen einen beliebten Mitbürger, einen ehrenwerten Cha­rakter, einen tüchtigen Geschäftsmann mit weitem Blick und praktischem Sinn.

Infolge anderweiter Festsetzung des ortsüblichen Tagelohns hat die Verstcherungsansta t Heffen-Nassau ihre Bekanntmachung über die Höhe der Jnva iden- verstcherungsbeiträge im Kreise Fulda geändert. Vom 1. Juli 1911 ab sind für .alle in sonstiger Weise im Kreise beschäftigten Personen, die keiner Krankenkasse angehören", folgende Marken zu kleben: für erwachsene männliche Personen Marken der Lohnklaffe III — 24 Pfg., für erwachsene weibliche Personen Marken der Lohnklaffe II = 20 Pfg., für Lehrlinge und Lehrmädchen Marken der Lohn­klaffe II = 20 Pfennig. Für den Stadtbezirk Fulda ist neu, daß für die versicherungspflichtigen Lehrmädchen statt der bisher verwendeten 14 Psg.- Marken, solche zu 20 Pfg. zu kleben sind. Für die im Kreise (außerhalb der Stadt Fulda) beschäftigten und keiner Krankenkasse angehörenden Personen ist neu, daß für die erwachsenen männlichen Personen künstig statt der 20 Pfg.-Marken vom 1. Juli ab solche zu 24 Pfg. und daß für Lehrlinge und Lehr­mädchen statt der 14 Pfg.-Marken solche zu 20 Pfg. zu kleben sind.

F. Versetzung. Herr Bahnmeister Heinrich H of von der Bahnmeisterei 2 hier wurde auf seinen Antrag nach Frankfurt a. M. versetzt. An seine Stelle kommt Herr Bahnmeister Bernius in Niedergemünden (Bahnstrecke Fulda—Gießen).

Hk. Bei allen Postpäckereien — nicht mehr bloß bei Paketen mit Wertangabe — nach dem Zollauslande ist vom 1. April ab das für die deutsche Warenverkehrsstatistik erforderliche Doppel der Zollinhaltserklärungen auf einem Formular von grüner Farbe aus- zu'erligen. Die Bezeichnung der Gattung der Ware in dem Doppel braucht mit den Angaben in den für das Ausland bestimmten Zollinhalts­erklärungen nicht übereinzustimmen. Der Ab­sender ist berechtigt, Angaben, die er zur Wah­rung geschäftlicher Beziehungen geheim halten will, dem Doppel in verschlossenem, an die Anmeldestelle gerichteten, mit dem Doppel fest

** Das deutsche Kaiserpaar ist heute von Venedig nach Korfu weitergereist; die Ankunft dort erfolgt Mittwoch mittag. Aus Anlaß der italienischen Jubiläumsfeier hatte gestern das Kaiserpaar eine größere Reihe Einladungen zum Tee auf der „Hohen- zollern" außer an die venezianische Gesellschaft auch an die Spitzen der Militär- und Zivilbehörden mit ihren Damen ergehen laffen. Der Kaiser über­reichte hierbei dem Fürsten von Udine den Schwarzen Adlerorden und verlieh einige weitere Auszeich­nungen. An König Viktor Emanuel sandte der Kaiser ein Telegramm folgenden Wortlauts:

„Die Kaiserin und ich senden Dir vom gastliche» Boden Deines schönen Landes unsere aufrichtigen und herzlichen Glückwünsche, die try mit dem ganzen Deutschland für Dich und für die befreundete Nation zur heutigen Feier des 50. Jahrestages hegen. Wir nehmen Anteil an der Erinnerung, die dem Werk Deines erlauchten Großvater-, des Gründers des Königreiches und der Einheit Italiens, gilt. Wir bitten Gott, daß er all' seinen Segen auf Dich, Dein Hans und das Voll ausbreitet und daß er stets seine mächtige Hilfe leihe zum Gedeihen und Ruhm Italiens. Unsere herzlichen Grüße der Königin. Wilhelm."

Die „Hohenzollern" und die.Königsberg" halten geflaggt. Bei der Flaggenparade gab die .Königs- berg" einen Salut von 21 Schuß ab. Im Auf­trage des Kaisers begab sich Flügeladjutant von Chelius von der „Hohcnzollern" an Land und legte am Denkmal deS Königs Viktor Emanuel einen Kranz nieder. Fürst Fürstenberg überbrachte im Namen des Kaisers dem Präsekten Conte Nasaki die Glückwünsche der Majestäten zur Nationaiseier.

3 Unsere auswärtige Politik erfuhr am Montag bei der Beratung des Etats des Auswärtigen Amtes in der Budgetkommtssion des Reichstages eine vielseitige Beleuchtung. Neben anderen weniger erheblichen Einzelheiten kam eine Angelegenheit zur Sprache, die das Helle Enffetzen der streitbaren Rom- Hasser erregen wird. Auf eine Anfrage äußerte sich der Staatssekretär v. Kiderlen-Wächter über die Zu­stände in Portugal, und dabei ergab cs sich, daß das .Reich Luthers", wie es die Herren von Halle so gern nennen, im Auslande für die Interessen der katholischen Kirche eingreifen muß. v. Kiderlen- Wächter erklärte nämlich: .Die Situation fei uner­freulich. Wir hätten wegen des Privateigentums der ausgewiesenen deutschen Ordensschwestern und eines anderen Deutschen Schwierigkeiten. Die bisherigen Vorstellungen hätten kein Ergebnis gehabt, und man erwäge deshalb jetzt, welche weiteren Mittel anzu­wenden feien." Natürlich kann man sich den Schrecken borstellen, her die „Antiultramontanen" angesichts einer solchen Aussicht durchzittert. — Wetter kam die Versorgung der deutschen Presse mit Nachrichten zur Sprache, die durch das Büro des Geheimrats Hamann besorgt werden. Diese ehemalige rechte Hand Bülows, von dem man anuimmt daß er dem in solchen Sachen weniger „versierten" Kanzler die Wut gegen das Zentrum eingeimpft hat, hat immer wieder zu großen Beschwerden Anlaß gegeben. Von fortschrittlicher Seite wurde dazu betont, daß ein ge­wisses Mißtrauen nicht unterdrückt werden könne, so lange das Nachrichtenbüro des Auswärtigen Amis auch den Dienst in der inneren Politik versehe. Innere und äußere Politik dürsten nicht miteinander verquickt werden. In der Presseabteilung des Auswäriigen Amts müsse ausschließlich äußere Politik getrieben werden, dann erst werde das Mißtrauen gegen den Geheimfonds, der von sozialdemokratischer Seite scharf angegriffen wurde, verschwinden. Staatssekretär b. Kiderlen-Wächter erwidert, er habe bereits für seine Person nach Möglichkeit demgemäß verfahren. Elnc Teilung des Büros und Tremmng dcr beiden Ab­teilungen sei bereits erwogen. Auf Anregung eines nationalliberalen Mitgliedes äußert sich der Staats­sekretär v. Kiderlen-Wächter vertraulich über die Marokkofrage, b. Kiderlen-Wächter erklärt, bon einem Aufheben der Algecirasakte fei keine Rede. Die Akte solle verhindern, daß Marokko von irgend einer Macht eingesteckt wird. Auch die Frage der französischen Fremdenlegion wird des längeren besprochen. Der Staatssekretär erklärte, die Sache generell zu regeln, sei aussichtlos, da man nicht verbieten könne, daß Reichsangehörige in anderen Ar­meen Kriegsdienst nehmen. Frankreich habe hier mil­geteilt, es werde bei der Rekrutierung der Fremden­legion wieder wie früher verfahren. Junge Leute unter 18 Jahren sollen nicht angenommen und wenn dies erfolgt sei, aus Reklamation freigegeben werden. Frankreich habe auch zugesagt, künftig jeden zur Spra­che gebrachten Fall prüfen und verfolgen zu wollen.

* Beteiligung von Soldaten nn öffentlichen Wettspielen. Heber die Beteiligung von Ange­hörigen des Heeres an öffentlichen Wettkämpfen und körperlichen Hebungen erklärte der Kaiser, daß solche Wettkämpfe vortreffliche Anregung bringen tonnten, sich aber nur innerhalb enger Kreise (Garnisonen, Truppenteile, geeigneten Falls auch mit national gesinnten Zivilvereinen) empfehle. Der Kaiser ging dabei von der Er­wägung aus, daß eine Beteiligung in größerem Hmfanve, z. B. an allgemeinen öffentlichen Ver­anstaltungen von sportlichen Heeresmeisterschasten durch die dazu erforderliche ausgiebige Vorbe- reilungszeit leicht dienstliche Interessen leiden könnten. Eine solche Beteiligung würde z. Z. außerdem wegen der damit verbundenen Kosien- srage auf Schwierigkeiten stoßen.

** Für ein Kolonialkriegerdenkmal. Zur dritten Beratung des Etats für den Reichskanzler beantragte der konservative Abg. v. Treuenfels mit Hnterstützung feiner Fraktion, den Beschlüssen des Reichstages vorn 19. März 1908 und vom 3. März 1910 endlich Folge zu geben und die notwendigen Mittel zur baldigen Errichtung eines Kolonialkriegerdenkmals in der Reichshauptstadt bereit zu stellen.

-f- Im R-ichstagswahlkreise Oletzko Lyck, der seiner­zeit von den Nationalliberalen int Sturm genommen^

Aus Kirche unö Schule.

* Frankfurt 27. März 19 l l. Der B i s ch o s von Limburg vollzog am Samstag im Dom die Firmung. Sonntag früh war Pontifikalamt. Am Abend hielt der Bischof die Fastenpredigt.

X Kaffel, 27. März 1911. Stadtschule insp ektor Börse, der jetzt 2 Jahre in der ftäot. Schulverwaltung tätig war, ist zum Stadtjchul- inspektor in B erliu gewählt worden und wird voraussichtlich schon am 1. Juli fein neues Amt antreten.

„8" Eisenach, 27. März 1911. Vom 19. bis 26. März wurde in der hiesigen Pfarrkirche St. Elisabeth durch die hochw. Herren Oblaten- Patres Stöber und Färber eine achttägige Missio n abgehalten. D^.' 21 Missions-Predig­ten wurden auch von den auswärtigen, in mehr als 70 Ortschaften zerstreut wohnenden Katholiken der Pfarrei recht gut besucht und die hl. Sakra­mente zahlreich empfangen. Gleich am ersten Sonntage der Mifsionswoche wurde für die 150 Schulkinder eine eigene Predigt gehalten. Bei der Feier des allerheiligsten Altarssakram erstes und der Muttergottes-Feier erstrahlten der Altar und die Muttergottes-Statue in Hellem Lichtglanze; tS waren dafür über 800 Kerzen geopfert worden. Die Schulkinder fangen das Weihelied und den Schwur der Treue zum heiligsten Herzen Jesu und daS Salve Regina. Der Eindruck sämtlicher Predigten war so wirkungsvoll, daß besonder- bei der Schlußseier und der Armenseelen-Predigt kaum ein Auge tränenleer blieb. Alle Teilnehmer der Mission ohne Ausnahme sind voll des höch­sten Lobes über den glücklichen Verlauf der Mission.