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Freitag den 24. Mär; 19H.
38 Zanraanq.
" fuldaer U Zeitung •
2. Blatt.
Vrvck m3 Verlag der Sxlboer LcNesdrackerrl in Selbe.
Wochen-»und ich au.
(:] Fulda, 24. März 1911.
Die deutscheZentrumspartei hat in dieser Woche einen sestlchen Gedenktag erster Ordnung begehen können. An dem gleichen Tage, an welchem der Reichstag auf sein 40jähriges Bestehen zurückblicken konnte, feierte di« Zentrunisfraktion des Reichstags die 40. Wiederkehr ihres Gründungstages. Mit der Feier war verbunden das Jubiläum der Zentrums- sraktion des Abgeordnetenhauses, welche bereits am 14. Dezember des vergangenen Jahres auf ein 40- jähriges Bestehen zurückblickte. Die Beteiligung an der Festfeier war aus allen Kreisen der Partei, aus allen Stämmen des deutschen Vaterlandes sehr zahlreich. Tas Festmahl im Reichstagsgebäude, das die führenden Persönlichkeiten der Partei vereinigte, nahm 'einen glänzenden Verlauf und bewies durch die freudige einmütige Stimmung, von der alle Teilnehmer beherrscht waren, daß der alte Geist, der die Gründer der Partei in Einigkeit und Treue zusammengeführt hat, auch heute noch in der Partei lebendig ist und ihr auch in Zukunft ihren mächtigen unerschütterten Be- (iand verbürgen wird. Die Anwesenheit der Partei- uhrer aus dem ganzen Reiche gab aber auch Anlaß zu wichtigen ernsten Beratungen. Es wurde ein RetchsauSschuß der deutschen Zentrumspartei gegründet, der allerdings vorläufig noch provisorischen Charakter trägt, und damit endlich der ganzen deutschen Zentrumspartei eine gemeinsame Verfassung gegeben. Die weiteren Beratungen betra- ;fen die Stellung der Partei bei den bevorstehenden Mcichstagswahlen. Ms die Grundlinien der Stellungnahme des Zentrums wurden festgelegt: schärfiter "Kampf gegen Sozialdemokratie und Linksliberalismus, Vermeidung falscher Stichwahlen, Unterstützung der J" echtsstehenden Kandidaten. Diese Richtlinien fanden inmütige Billigung.
Zu der gleichen Zeit traten auch die Zentralvorstände der nationalliberalen Partei und der Fortschrittlichen Volkspartei zu Beratungen über die Stellungnahme bei den Reichstags- wahlen zusammen. Bemerkenswert ist der Entschluß -der Fortschrittlichen Volkspartei, möglichst überall mit sden Nationalliberalen zu einem gemeinsamen Vorgehen zu gelangen. Der Zentralausschuß der nationallibe- ^alen Partei betonte besonders die Notwendigkeit, daß die lokalen Wahlkomitees in allen Wahlcngelegenhei- Zten mit der Zentralinstanz Fühlung nehmen sollten. Die Tendenz dieses Beschlusses geht dahin, spezielle -Wahlabmachungen, wie sie u. a. in Hagen und in Wingen-Alzey getroffen worden sind, für die Zukunft itmmöglich zu machen.
Ein erfreuliches Wahlergebnis ist aus dem Wahlkreise Gießen-Nidda gemeldet worden. Die Meichstagsstichwahl zwischen dem sozialdemokratischen ^Kaffenrendanten Beckmann und deni Kandidaten der Wirtschaftlichen Vereinigung, Oberlehrer Dr. Wemer, hat mit dem Stege des letzteren geendet. Von 24191 Insgesamt abgegebenen Stimmen entfielen auf Werner 3.2 569, auf Beckmann 11522 Stimmen. Dieser Sieg Der Rechtsparteien ist umso erfreulicher, als er kaum Erwartet werden konnte. In der Hauptwahl hatte der Sozialdemokrat schon ca. 20 Stimmen mehr erhalten als Wemer. Die drittstärfite Partei, die Fortschrittliche Volkspartei, hatte ihre 5059 Stimmen zur Unterstützung der Sozialdemokratie abkommandiert. Die Leitung der nationalliberalen Partei, die int ersten Wahlgange 2512 Stimmen auf sich vereinigte, gab "die Parole für Wemer aus, aber erst nach einigem SiebenlUdjen Hin- und Herschwanken, und es wurde ogar berichtet, daß der Beschluß auf Unterstützung >es rechtSstehmden Kandidaten nur dadurch möglich gewesen sei, daß zu der entscheidenden Sitzung nur ;$ie Mitglieder des Wahlkreiskomitees eingeladen wurden, von denen man annehmen durfte, daß ihre Sympathien nach rechts neigten. Man mußte demnach befürchten, daß auch ein Teil bet nationalliberalen Wählerschaft für die Sozialdemokratie stimmen oder -wenigstens Stimmenthaltung üben würde. Die Wahl- "ziffem zeigen, daß von feiten der Wirtschaftlichen Vereinigung und des Bundes der Landwirte nicht unbeträchtliche Reserven herangezogen worden sind. In Ser Stichwahl stimmten ungefähr 700 Wähler mehr W als in der Hauptwahl; nimmt man hinzu, daß >7™-..... l "-—--- - _
Unpolitische Zeitkäufe
(N.) Berlin, 22. März 1911.
(Nachdruck verboten.)
Am Dienstag war große Familientafel. Minlich für die weitverzweigte und reichgegliederte Familie Zenttum. Da es sich um das Jubiläum von 4 Jahrzehnten handelte, war das Festmahl auf 4 Dtunden abgemessen. Von 8 Uhr abends bis Mtt- lernacht wurde getafelt. Gegen den Geist der Fastenzeit wurde aber doch nicht gefrevelt, denn das Ohr Patte schließlich mehr genossen als der Magm. Wenn vortreffliche Reden dafür sorgen, daß die einzelnen Küchenerzeugnisse sich in halbstündigen Abständen folgte», so kann von einer Ueberanstrengung der körperli- Hen Eingangspforte keine Rede fein.
Muß denn bei solchen Gelegenheiten ein Fest- Mahl ftattfinden? Allerdings. Es hn idelt sich dabei ■toeniger um die leibliche Erfrischung, als um die Ge- MütSerhebung durch einen symbolischen AN. Die innige ^Zusammengehörigkeit und die festverwachsene Solt- '■barität gelangen zum packendsten Ausdruck in der Kischgemeinschast. Und letztere muß nicht etwa sich beschränken auf das Hin- und Hergehen zu einem Halten Büfett und die Vcrspeisung der Portionen, die Ach die einzelnen ausgesucht haben, fonbem man muß die Füße gemeinsam unter den gedeckten Tisch stecken und die Hände gemeinsam erheben zu dem warmen Mahl, das aus der Küche des Hauses kommt. Das ttnzcrschnittene Tischtuch wirst wie eine Wintel der Eintracht; die Schüffelgemeinschast verkündet, daß wir In Erwerb und Verbrauch, in Arbeit und Genuß, in Freud und Leid zusammenstehen wollen; die Herdge- "meinschast macht die Teilnehmer zu Gliedern einer F a- Mille Darum sind bei einem richtigen Festmahl - bie materiellen Genüsse Nebensache; über dm Tellern und Tischm schwebt der Geist, der aus dem Worte ;ber Schrift spricht: Siehe, wie gut und lieblich ist ii.es, wenn Brüder zusammen wohnen! Diese hauS- ' wirtschaftliche Brüderlichkeit läßt sich durch ein volles Musammenwohnen für Tag und Nacht natürlich nur jiin kleinerem Umfange bei guter Gelegenheit zum Ausdruck briiiflen; aber die gemeinsame Häuslichkeit kann
ein Teil der liberalen Wähler sicher der Sttchwahl femgeblieben ist, fff muß man annehmen, daß die Re- serven für Werner etwa 1500 bis 2000 Stimmen zählten. Die Stimmenzahl des sozialdemokratischen Kandidaten hat sich gegenüber der Hauptwahl um 3646 erhöht, diese Vermehrung ist das Verdienst der Liberalen von der Fortschrittlichen Volkspartei, welche also zu etwa zwei Drittel die ausgegebene Wahlparole befolgt haben. Im sozialdemostatischen und freisinnigen Lager herrscht jetzt natürlich große Enttäuschung und Erbitterung. Bemerkenswett sst auch, daß ein Teil her nationalliberalen Presse die Wahlparole auf Unterstützung des rechtsstehmden Kandidatm tadelt und zum mindesten Stimmenthaltung gewünscht hätte. Bis zu einer RuÄehr des Nattonalliberalismus zur Ge- meinbürgschast der bürgerlichen Patteim gegen bie Sozialdemokratie hat es sicherlich noch gute Wege.
Die Bagdadbahnfrage hat durch das Eni- gegenkommm der deutschen Bagdad-Gesellschaft eine günstige Wendung genommen. Die Gesellschaft Hai mit der türkischen Regierung verschiedene Verträge zur Sicherstellung der Vollendung des Bahnbaues abgeschlossen, deren Zweck darauf hinausläuft, dem Bau eine solcke finanzielle Grundlage zu geben, daß feine Vollendung binnen wenigen Jahren von der Gesellschaft garantiert werden kann. Die deutsche Gesellschaft hat durch Zugeständnisse an die türkische Regierung die Frage der Fortführung des Bahnbaues internationalen Schwierigkeiten entrückt und gleichzeitig die Möglichkeit geboten, daß das englische Kapital, welches 1903 ein ähnliches Anerbieten abgelehnt hatte, jetzt Gelegmheit hat, sich an dem Bahnbau zu beteiligen. Wenn England das neue Stn erbieten ab- lehnt, so nimmt es sich selbst die gewünschte Möglichkeit, auf den Bahnbau Einfluß zu gewinnen, die deutsche Gesellschaft wird den Bahnbau dann allein fertigstellen. Jedenfalls ist jetzt die feste Aussicht vorhanden, daß in wenigen Jahren das gewaltige Werk einer Eisenbahnverbindung von Konstantinopel bis Bagdad Tatsache geworden fein wird, und daß damit ein neues hervorragendes Denkmal deutscher Arbeit, deutschen Fleißes und ausdauernden deutschen Unternehmungsgeistes errichtet sein wird.
Das neue französische Ministerium Monis hat seinen erften großen Erfolg errungen. Es handelte sich um die Bewilligung eines Unterstaats- fefretariaiS int Justizminsterium. Dadurch, daß die Rechte die Frage auf üaS politische Gebiet yinüberspielte, gelang eS der Regierung, für den beantragten Kredit eine Mehrheit zu gewinnen, welche sich aus den Parteien des früheren Kulturkampfblocks zusammen- sehte. Das darin gegebene Vorzeichen für die Politik des neuen Ministeriums ist nicht erfteulidi.
Die Regierung der Vereinigten Staaten hat die Erklärung abgegeben, daß sie nicht beabsichtige, sich in die Inneren Angelegenheiten Mexikos einzumischen, wenn nicht besondere Umstände es unumgänglich notwendig machten, die Entsendung der Truppen nach Texas sei erfolgt auf Grund von Nachrichten, daß Leben und Eigentum der Amerikaner bedroht fei, und bie Dauer ihres Aufenthalts werde von der Weiterentwicklung der Dinge in Mexiko abhängen. Diese Erklärung bestätigt im Grunde nur die Auffassung, daß Amerika in Wahrheit daran denkt, die nach dem zu erwartenden Tode des mexikanischen Präsidenten Porfirio Diaz eintretende Verwirrung für seine Pläne zu benutzen.
Die italienische Jubelfeier.
ist Herrn Nathan und seinen Logenbrüdern ein willkommener Anlaß zur Kundgebung ihres Hasses gegen das Papsttum und die katholische Kirche, sie geben sich alle Mühe, diese Tendenz zur ausschlaggebenden bei der ganzen Feier zu machen. Und sie finden darin die kräftigste Unterstützung seitens ihrer liberalen Gesinnungsgenossen in der ganzen Welt. Insbesondere auch der deutsche Liberalismus wirkt eifrig mit. Der saubere Plan der liberalen Presse, den deutschen Kaiser ihren Plänen dienstbar zu machen, indem sie ihn zu einer Huldigungsfährt nach Rom zwingen wollte, ist ja glücklich fehlgeschlagen. So sucht sie denn jetzt daraus Früchte zu ziehen, daß die deutschen Katholiken es ablehnen, sich an den Sympathiekundgebungen für die italienische Jubelfeier zu
durch die Vereinigung am Speisetisch um die Erzeugnisse des warmen Herdes leicht und in der erbaulichsten Weise auch für Hunderte von Brüdern bekundet werden.
An der Familientafel des Zentrums nahmen etwa 400 Männer teil. Männer aus allen Bundesstaaten und Stämmen, auch aus dem Reichsland, das noch ein Bundesstaat werden möchte, aus allen Ständen und Schichten, im weltlichen Frack und im geistlichen Festkleid, mit vielen ober wenigen oder gar Jenen Orden, weltbekannte Parlamentarier aus dem Reichstag sowie ben verschiedenen Landtagen und weniger berühmte, aber doch hochverdiente Vorarbeiter der Partei in den provinziellen und örtlichen Organisationen, Männer des Wortes und Männer der Feder, Grauköpfe und lockiger Nachwuchs Die äußerliche Buntheit gab ben wirksamen Hintergrund für bie Einheit im Denken, Fühlen und Wollen.
Wenn eine Famllie ein silbernes ober goldenes Jubiläum begeht, so schwebt auch über der rosigsten Tafel im Hause die Wehmut. Man gedenkt derer, die einst da waren und jetzt nicht mehr im Fleische wandeln. Bei dem Rückblick auf die vier ersten Jahrzehnte des Zentrums erscheinen natürlich vor dem geistigen Auge bie Väter unb Helden der Partei, u. a. Savigny, die beiden Reichensperger, v. Mallinckrodt, v. Schor- temer, v. Franckenstein, Windthorst, Lieber, Graf Balle- strem usw. Es wachten wieder auf die stolzen Gefühle, mit denen wir seinerzeit ihre Großtaten verfolgt hatten, unb bie wehren Gefühle an ihrer Bahre. Aber bas Gedächtnis hatte nichts peinliches; denn alle konnten mit freiem Blick und glatter Stirn vor die Ahnenbilder treten unb sagen: Was ihr geschaffen, haben wir nach unseren schwächeren Kräften treulich zu wahren unb zu pflegen gesucht, und der gemeinsamen Arbeit in dem Geiste, den ihr uns vererbt, hat der Segen des Himmels nicht gefehlt.
Darin steckt der hohe sittliche Wert der Jubiläen. Sie sind Anlaß zu einer Gewissenserforschung im großen Stile. Der Rückblick auf die abgelaufene Periode darf nicht in Prahlen und Prunken sich erschöpfen, sondern muß der Wahrheit auf den Grund gehen, um Weisheit zu schöpfen. Die Vergangenheit soll kein lorbeerumkränzter Zierrat und erst recht kein bequemes
beteiligen. Wer dem Empfinden des katholischen Volkes auch nur ein klein wenig Rücksicht entgegenzubringen geneigt ist, der kann uns leinen Vorwurf machen, Wenn wir von einer Festfeier, die den Gedenktag her größten unserem kirchlichen Oberhaupte angetanen Unbill verherrlicht, nichts wissen wollen.
Niemand von uns benft daran, daß der Kirchenstaat dem Papste einmal wieder zurückgegeben werden könnte aber das schließt nicht aus, daß wir die Mit - td die zu der Einigung Italiens gebraucht worden find, auch heute noch verurteilen und verwerfen, daß wir gegen die dem hl. Vater angetane Gewalttat protestieren, so lange als nicht dieses Unrecht wieder gut gemacht wird. Das Königreich Italien könnte seiner Jubelfeier keinen schöneren Glanz verleihen, als durch die Leistung der schuldigen Genugtuung an den Papst, aber leider werden wir wohl vergebens darauf hoffen.
Die Einverleibung des Kirchenstaates in das Königreich Italien ist und bleibt ein Akt der Revolution. des Unreckts, und keine noch so lange Zeit kann diesen Makel heilen. Wir werden niemals das Dogma des Liberalismus anerkennen, daß her sogen. Wille des Volkes die legitime Staatsgewalt zu beleidigen das Recht habe, wie es z. B. bie Voss. Ztg. ver- fünbet:
„38enn der Papst sich dem nationalen Drange des Volkes nicht fügen wollte, mußte über ihn hinweagegang en werden."
Ein Recht zur Revolution gibt es nach unserer Staatsauffassung nicht. Wenn, wie wir gar nicht be- stteiten wollen, die Einigung Italiens eine historische und politische Notwendigkeit war, so gab es a n d e r e Wege, sie zu verwirklichen, als den Weg des Unrechts und der Gewalttat. Auch Deutschland fit 1871 nicht auf solchem Wege zur Einheit gebracht worden. Und es fragt sich, ob nicht auch für Italien eine bessere und glücklichere Einigung geschaffen worden wäre, wenn es ähnlich wie bei uns unter Aufrechterhaltung der legitimen Staatshoheiten zu einem übergeordneten Bundesstaat sich entwickelt hätte. Nicht nur als Katholiken. sondern auch als treue Legitimisten müssen wir es ablehnen, uns an bet italienischen Jubelfeier zu beteiligen Rian wirst uns nun noch vor, daß wir .durch unsere Weigerung an der Huldigung für das Königreich Italien teilzunehmen, eine Beeinträchtigung und Gefährdung des Dreibundes, unseres BundeSver- hältniffes mit Italien verschuldeten: Ms am 17. Mörz 1861 Viktor Emanuel II.. König von Sardinien, das Gesetz unterzeichnete, dessen einziger Artikel lautete ,Viktor Emanuel II. nimmt für sich und seine Nachkommen den Titel des Königs von Italien an. Er schreibt sich: König durch Gnade Gottes und durch das Volk" — gehörten zu dem Königreich Italien noch nicht Nom und der Kirchenstaat, es gehörte weiter nicht dazu Venetien, das unter österreichischer Herrschaft stand. Deshalb bedeutete das Gesetz, das die Einigung Italiens proklamierte, eine direkte Feindseligkeit, einen Angriff auf die Rechte Oesterreichs, unseres besten und treuesten Bundesgenossen.
Wir verstehen nicht den sonderbaren Patriotismus, den gewisse Vertreter des österreichischen Volkes bekunden, indem sie sich berettsinden, den Gedenktag eines beleidigenden Angriffs gegen ihr Land festlich zu begehen, und finden höchstens die Erklärung dafür, daß ihnen der A n t i k l e r i k a l i s m u s mehr gilt, als die Vaterlandsliebe. Aber das ändert doch nichts daran, daß die italienische Jubelfeier zugleich einen traurigen Gedenktag für Oesterreich bedeutet. Wir würden es Oesterreich nicht verübeln hülfen, wenn es in unserer allzu begeisterten Teilnahme an der italienischen Jubelfeier eine Unfreundlichkeit ihm gegenüber erkennen wollte. Gewiß hat man sich auch in Oesterreich mit den Tatsachen der Geschichte abgefunden, aber doch nur so abgefunden, wie man eben das Unabänderliche hinnimnit. Unter solchen Umständen aber möchten wir sagen, daß es für uns richtig fei, bei der Anteilnahme an der Freudenseier des einen Freundes die Rücksicht auf die Gefühle des anderen und besseren Genossen nicht zu vernachlässigen, und vielleicht ist die übermäßige und aufdringliche Art der Sympathiekundgebung für Italien, wie sie unsere liberalen Blätter jetzt zeigen, noch weniger geeignet, unsere wahren Dreibundinteressen zu fördern, als unsere leider so wohlbegründete Zurückhaltung.
Schlummerkissen sein, sondern vielmehr ein Sprungbrett für künftige Erfolge. Das gilt schon für die Jubelfeste im privaten Leben; wie viel mehr erst für ein Parteijubiläum. Denn nichts ist weniger gesichert, als der politische Erfolg, und auf die Vetäigung im öffentlichen Leben läßt sich vor allem das Dichterwort an- toeuben: Was bu ererbt von deinenVätern hast, erwirb es, um zu befitzen!
Saure Wochen, ftohe Feste! Die sauren Wochen gehen den frohen Festen nicht bloß voran, fonbem folgen ihnen auch wieder nach. An das Erntefest schließt der wackere Landmann schnell die Arbeit für die künftige Ernte an. Zu der Tisch- unb Herdgemeinschaft gehört auch die treue, zähe Werkgemeinschaft. Schön sieht die Familie ans im Festsaal; schöner noch, wenigstens für den einsichtigen Beobachter, bei der einträchtigen Arbeit. Unter den Naturvölkern schätzt man die Blutsbrüderschaft hoch. Wir wollen die Schweiß brüderschaft, hegen und pflegen, in der gemeinsamen, zielbewußten, selbsttofen Arbeit mit ben Gleichgesinnten für bie gemeinsamen hohen Ideale unb heiligen Interessen keine Last, fonbem eine Lust sehen. Es ist in der Tat eine Quelle der Freude, wenn man sich als echtes unb rechtes, tätiges unb wirkendes Glied einer großen, erfolgreichen, verdienstlichen Gemeinschaft fühlen kann.
Vierzig Jahre Kaiser und Reich, vierzig Jahre Zenttum. Die Gleichaltrigkeit ist nicht zufällig, sondern beruht auf dem inneren Zusammenhänge der Triebkräfte, welche für die Organisation des Ganzen mid des Teiles zugleich tätig gewesen find. Wer treu der Zentrumspartei bient, der dient damit bestens an seinem Teil dem Vaterland.
Was find vier Jahrzehnte? Im Leben des einzelnen Menschen fteikich ein sehr bedeutendes Stück, oft bereits eine Erschöpfung des Irdischen Einzelda- seins. Aber im Leben der Nationen unb Staaten ein winziges Zeitenstück. Vierzig Jahre Reichsbestand — das ist höchstens der Anfang der Jugend. Und wenn die Zentrumspartei auf die Geschichte ihrer ersten vier Jahrzehnte zuruckblickt, so kmm fie sagen: Nun, das Vorspiel war nicht übel, jetzt soll die Hauptsache losgeheni
Die bisherigen Jubiläen werden weit übertroffen
vermischtes.
• Seit dem Münchener Schenkkellner - Prozeß hat der Besuch des Münchener Löwenbraukeller- kolossal nachgelaffen. Die sonn dichtgesülllen großen Räume sind bei den Abendkonzerlen kaum mehr zum vierten Teil besetz!. Sämtfiche Ver« urteilte1 haben abermals Revision gegen das Urteil eingelegt
* Der deutsche Dampfer „Serben', nach Ostasieu bestimmt, berührte am Mittwoch an bet Riviera» füfte vor San Remo einen unsichlbaren Felsen, kam jedoch sofort mit eigener Maschinen« traft wieder frei und setzte die Reise nach Genua fort, wo eine Un ersuchung durch Taucher verschiedene Beschädigungen der Außenhaut ergab. Das Schiff muß docken, die Ladung wird teilweise provisorisch gelöscht Die Weiterdesörderung der Passagiere, die wohiau' sind, erfolgt so schnell rote möglich durch andere Dampfer.
♦ Automobilunsalle. In der Nähe von Burgstädt (Sachsen) wurde der 43jährrge Kaufmann Spenke aus Oderruppersdorf von einem Privat- automobil überfahren und sofort geißlet. Spenke war von einem Unwohftein befaßen worden und auf der Straße bewußtlos liegen geblieben. Der Chauffeur will infolge des aufgeroirbelten Staubes den Mann nicht habe liegen sehen — Bei Cherbourg rannte ein Automobil mit großer Gewalt gegen eine Mauer, als es einem Radfahrer ausweichen wollte. Alle fünf Insassen wurden schwer verletzt ins Hospital gebracht. Das Automobil wurde total zertrümmert.
* Tausend bewaffnete streikende Bergleute, meist Italiener und Slawen, demonstrierten, von Musik« korps geführt, gegen die Stadt Gillespie in Illinois, wo amerikanische Bergleute wohnen. Diese lagen mit gekannten Büchfen in den Fenstern, zum Feuern bereit. Em Zusammenstoß wurde vermie» Den. Die Streikenden planen einen neuen Angriff. Da viele schon betrunken sind, wird Blutvergießen befürchtet. Em Milizregiment ist zur Stelle, es soll Die Streikenden entwaffnen.
— Nütze bie Zeit Als Georg I1L von England eine Reife nach Holland machte, stieg er in einem Heinen Dorfe aus und verzehrte m der Schenke zwei weiche Eier. Der Wirt verlangte dafür 200 Dukaten, und der König fragte erstaunt: „Ja, lieber Freund, sind die Eier denn in Holland so selten?* — „Nein, Majestät", versetzte der Wirt, „die Eier nicht, aber die Könige."
Reklamen- «nd Anzeigenteil. ",
f Vergessen Sie nicht, daß ScottS Emulfion tausendfach erprobt ist unb Rd> tu allen Fällen von Abmagerung Avvetitmaugel, bei Mattigkeit, b. b überall da glänzend bewährt bat, wo bie barmcherliegenben Wut e»t mit Kräfte einer Wieberbelebung bedürfen.
Äarik - Vergessen Sie Nicht, ausdrücklich dem tyinfirr —
s» -Scotts Emulfion zu verlangen unb lasten Sie sich keine der vielen Rachabmungen anfreden, denn Scotts Emulston ist langervrvbt unb bat sich schon seit mehr als I drei Jahrjchntm glänzend bewährt.
Scotti LmMfion wird von tm$ aurschlieblich im groben berfaujt, und zwar nie lose nach Gewicht oder Maß, fonber.i nur in versiegel len Original flaschen in Karton mit unserer Schutzmarke frischer mit dem Dorsch). Scott & Bowne, &. m. b. £>., Acariksutt (L >
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kenntlich. Darmstadt.
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August Jacobi,
Pf ei Idrei eck-Seifen _
werden von den künftigen — es fei denn, daß eine heillose Katastrophe das Werk und die Hoffnungen vernichten würde. Mtt einer Vernichtung durch höhere Gewalt brauchen aber diejenigen nicht zu rechnen, die redlich ihre Pflicht tun. Und wenn wir selbst bei bas künftigen Jubiläen nicht mehr anwesend sein können, so wird man doch bei dem Rückblick auch unser geben-' ken. Natürlich nicht mit jener Namensnennung, die nur den großen Helden zuteil wird, sondern in Bausch und Bogen, wie der Soldaten in dem und dem Regiment und der und der Zeit. Unsere Nachkommen werden dann fragen, wie sich die Zentrumspartei in den Jahren geinacht hat, die auf das Vierzigjahrfest gefolgt sind, namentlich wie sie die kritischen Neuwahlen von 1911 und 1912 bestanden und was fie untc dem neuen Reichstag geleistet hat. Ob sie allesamt sich würdig und fähig erwiesen hat zur Wahrung und Mehrung der Erbschaft, die auf dem Jubiläum gefeiert wurde. Sollen wir uns nachsagen lassen, daß zu unserer Zeit gut gefriert, aber schlecht gearbeitet worden sei?
Das zu Inhüten, ist nicht bloß Sache der Führer, sondern Sache der ganzen Parteigenoffenschaft. Es ist falsch, toemt man nur fragt, was die andern tun; selber muß jeder her Mann sein; auch der kleinste und schwächste, denn jeder hat fein Plätzchen, auf dem er etwas leisten kann. Auch die Frauen, wenn sie auch kein politisches Stimmrecht haben. Eine tüchtige FraH kann mehr als einen Stimmzettel lenken, kann mehr als einen Träger ihrer Grundsätze unb Wünsche tu das öffentliche Leben schicken.
Das Heil des Vaterlandes, das Wohl einer Partri, hängt ab von der Unmaffe von Einzelleistungen, die von ben kleinen Leuten für daS öffentliche Leben bei- gejieuert werden. Aus lauter Tröpfchen setzt sich bt^ mächtige Welle, das ttagende Wasser und die beftuch. lende Feuchtigkeit zusammen. Trag auch bu eine« Tropfen bei, damit bu sagen kannst, bu hättest balj Deinige getan.
Die Feste sollen zur Arbeit begessiern, und Mt Kleinarbeit verdient ben letztey unb
Toast. ' ;• ='« ä'" -»