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66.

vkenrtag den 21. März 1911.

58 Zavraang.

• Tuldacr W Zeitung •

2. Blatt.

Druck und Verlag der Fuldaer Actiendruckerrl in $ul6a.

Ausland.

♦ Zum Kaiserbesuch in Wien. Die "Korrespon­denz Wilhelm" meldet: Der Erzherzog-Thronfolger und Gemahlin, Herzogin von Hohenberg unterbrechen ibren Aufenthalt in Brioni und treffen am 23. Rtarz abends in Wien ein. um das deutsche Km erpaar d-n Prinzen Joachim und dlePrinzeffmV-ttor^Luift ~ fm".. Fitor ui 6earüftcn. 29. A/turz icytcu

vT naÄBrioni zurück Anläßlich des Besuches des Kronv?nzdnp°ares am 9. April wird, der Erzherzog- Thronfolger und Gemahlin wiederum in Wien sein, m/inz Joachim von Preußen fährt am 24. Marz nach der Abreise seiner Eltem vom Nordbahnhof nach Berlin.

♦* Die Winzerbewegung in Frankreich. In den französischen Weingebieten, die der Champagne benach­bart sind, die aber nicht mehr das Recht haben sollen, ihren Wein als .Champagner" zu verkaufen, ist die Gärung, die sonst nur das Landesprodukt erfaßt, nun­mehr, wie angedroht, bei den Winzern selbst zum Aus­bruch gekommen, und nimmt, wie die Nachrichten der letzten Tage beweisen, einen großen Umfang an. Die Abgeordneten und Senatoren des Departements Aube hielten eine Sitzung ab, an der auch der Führer der Bewegung und Präsident des Organisationskomitees Checq teilnahm. Er rief: „Wir lassen uns nicht mehr mit Worten einschläfcrn; wir verlangen Taten! Wenn die Regierung unsere berechtigten Forderungen erfüllt, Samt werden auch die Steuern wieder einlaufen l" Um 2 Uhr am Samstag nahm der Aufmarsch, der aus allen Dörfern mit ihren Frauen und Kindern herbeigekommenen Winzer unter Trompeten- signaleu und Kanonenschüssen seinen Anfang. Die Manifestanten trugen Tafeln mit Inschriften. Eine von diesen lautete: „Preußen den Preußen, die Cham­pagne den Champagneleirten", eine andere: „Man revidiert Dreyfus und Durand, man wird auch die Champagne revidieren; der Hunger rechtfertigt alle Mittel." Andere Winzer trugen Bütten, die mit Steu­erzetteln gefüllt waren. Als der Aufzug vor dem Rat­haus angelangt war, stürzten die Büttenträger ihre Ge­fäße um und schütteten die Seuerzettel über den Platz. Darauf wurden Ansprachen gehalten, und man stimmte die Internationale der Winzer an. Auf der Präfek­tur in Trohes laufen fortgesetzt Demissionen von Gemeinderäten ein. Vor den Bürger­meistereien von einzelnen Gemeinden wurden die Feuerspritzen aufgefahren, um die Bürger an der Ab- lieferung ihrer Abgaben zu verhindern.

** Die englischen Frauenrechtlerinnen fahren fort, die ihnen verhaßte Regierung nach Kräften zu ärgern. Ihr neuester Plan ist, der bevorstehenden Volkszählung so viele Schwierigkeiten wie möglich zu bereiten.

Aus dem Nachbargebiete.

* Offenbach a. M., 20. März 1911. Die Lohnt ar is-Bewegung in der Lederwaren. Industrie ist jetzt in ein neues Stadium getreten. Die Mitglieder des sozialdemokratischen Sattler- und Porteseuiller - Verbandes haben gestern in einer Versammlung Stellung genommen. Eine Resolution gelangte einstimmig zur Annahme, die sich für die Kündigung des alten Tarises und für die Anerkennung des vorgeschlagenen Taris- Entwurfes ausspricht. Weiter wurde ein Zu» sammengehen mit den in den christlichen Gewerkschaften organisierten Leder­arbeitern eistimmig abgeleht, die eben­falls einen neuen Tarifvertrag ausgearbeitet haben.

* Frankfurt a. M., 20. März 1911. Henle abend ist in der Waldschmidtstraße die 80jährige Witwe Vogel aus ihrer im vierten Stock gelegenen Wohnung auf die Sraße gestürzt und mar sofort tot. — In Bensheim (Bergstraße) wur e vorgestern morgen der in Frankfurt-Süd statio­nierte Schaffner Joseph R.ot h beim Rangieren einesGüierzuges überfahren und sofort ge­tötet. Roth ist Familienvater.

Amt Geisa und Umgebung.

* Kaltenwestheim, 20. März 1911. Vor einigen Tagen begab sich der Holzhauer Steube von hier in die Wälder am Ellenbogen, um Weiden zu schnei­den. Steube ist bis zur Stunde noch n i ch t z u rück- gekehrt. Da die angestellten Nachforschungen bis jetzt erfolglos blieben, nimmt man an, daß dem Ver­mißten irgend etwas zugestoßen ist. Vor noch nicht allzulanger Zett fand man die Ueberreste zweier Ein­wohner aus dem benachbarten Frankenheim in diesen stellenweise undurchdringlichen Waldern, die in ihnen auf unaufgeklärte Weise umgekommen warm. Daher ist die Erregung über das neuerliche Verschwindm eines Menschen In der Gegend groß. Daß Steube sich an einem anderen Orte aufhält, erscheint nach Lage der Tinge ausgeschlossen.

* Ostheim, 19. März 1911. In der hiesigen Land­pflegeanstalt soll infolge der günstigen Erfah­rungen, die man mtt der Winterschule gemacht hat, am 1. Mai ein fünfmonatlicher Sommerkursus eröffnet werden.

* Föhlrih (Rhön), 19. März 1911. Am Samstag wurden die Arbeiten zum hiesigen Schulneu­bau vergeben. Es erhielten die Maurerarbeiten: Meß-Neidhartshausen, Zimmererarbeiten Gebr. Hol- lenbach-Neidhackshausen, Tischlerarbeiten Erb-Föhl- ritz, Glaserarbeiten Schuchert-Zella, Schlosierarbeiten Diehel-Brunnhackshausm, Klempnerarbeiten Diel­bach, Malerarbeiten Schwarz-Dermbach.

* Diedorf (Rhön), 19. März 1911. Um dem Wagenmangel, der sich auf unserer Felda­bahn recht fühlbar macht, etwas abzuhelfm, hat sich laut „Eisen. Ztg." die Eisenbahndirektion dazu ent­schlossen, zu den Basaltlieferungen, die von hier aus erfolgen, eine größere Anzahl neue Kippwagen zu stel­len. Es verkehren deshalb vom 22. Mürz ab auf der Feldabahnstrecke zwei Extrazüge, um den Basalt vom Basaltwerk Leimbach u. Co., von der hiesigen Halte­stelle aus in den vorerwähnten Kippwagen (12 ä 200 Zentner Last) zu befördern.

Aus Gberheffen u. den Hess. Aemtern.

* Fraukrnberg, 19. März 1911. Dem Gcudar« merieobetroaditmeifter Hüfner wurde das Kreuz des Allgemeinen Ehrenzeichens verliehen.

* Homberg, 19. März 1911. Dem berittenen Gendarmeriewachtmeister Panse wurde das All­gemeine Ehrenzeichen verliehen.

* Ziegenhain, 20. März 1911. Für den ausge­schiedenen Menge! von hier ist der Kaufmann Schmitt als Vczirksbran dm elfter für den Feuerweürbezirk Ziegenhain bestellt worden. — Das zur Verhütung von Hochwassergefahren aufgestellte Verzeichnis für das U e b e r s ch w e in m u n g s g e - biet der Schwalm in den Kreisen Ziegenhain, Fritzlar, Homberg und Melsungen ist nach «einer Be­kanntmachung des Oberpräsidiums in Kassel endgültig festgestellt worden.

* Amöneburg, 20. März 1911. Daß unser Stadtwald sehr reich an Rehwild ist, kann man jetzt jeden Tag bemerken. Zwi chen der Ohm­talbahn und dem Wald sieqt man häufig größere Rudel Wild, oft 20—30 Tieie auf den Wiesen äsen. Die Rehe lassen sich durch das Ratzen der Züge nicht stören.

* Fritzlar, 20. März 1911. Die Kontrollver­sammlungen im Kreis Fritzlar finden am 3. (Gu­densberg 1 Uhr, Metze 4 Uhr), 4. (Fritzlar 8 Uhr, Zwesten 4 Uhr) und 5. (Jesberg 9 Uhr) April statt. — Bei der vor kurzem stattgefundenen Neuver­pachtung des großen Exerzierplatzes hier zur Weidenutzung wurde gegen früher mehr als das Doppelte erzielt. Die früheren Pächter mußten gegen 700 Mack (statt früher 300 Wk.) anwenden, da dies­mal mehrere Liebhaber austraten.

Märkte.

• Frankfurter Geteidemarktbericht vow 20. März Am heutigen Montagmarkt waren die Preise gegen die Vorwoche unverändert. Für Landweizen war fast gar feine Kauflust vorhanden. Fremde Weizen ebenfalls ,u letziwöchentlichen Preisen käuflich. Die Mehlprette sind zur Zeit äußerst gedrückt, iodaß ein schlechter Nedement vorhanden ist. Das zeigt sich auch irt großer Zurückhaltung seilens der Mühlen, die allem Anschein nach nur das dringendste kaufen. Roggen ist etwas besser gefragt. Geiste nur noch vereinzelt gefragt und nur in hochfeiner Ware für Brauzwecke verkäuflich. Juttergerste ist wiederum höher offeriert und infolge kleinem Angebot stark zu verkaufen. Der Konsum in ßaf ’t ist anhaltend flott. Teilweise frühere billigere Verkäufe führen nunmehr zu Differenzen da guter ge^ iunder, geruchfreier Landhafer unter 17—17.1o Mark franko Frankfurt überhaupt nicht zu stellen ist. infolge­dessen bleiben auch russische leichtere Sorten im Ge­wichte von 50-51 Kilo gefragt und ebenfalls bester bezahlt. Mais ut Mixed Ware war nur verein leit anqeboten. La Plata in gesunder Beichaffenoeit ge­nügend vorhanden. Mehl von suddenttcheii Muhten nicht unter Forderung eilaffen. Fulterarlikel un­verändert. Weizenschalen und Weizenkleie flott im Abwtz. — Es notieiten: Weizen, hiesiger und Wetteraner 20.20—20 40 Mk, auf dem Lande abgeholt 19.40-19.50 Mk., knrhesfischer 2000 -20.20 Mk. nord­deutscher 20.00—20.25 Mk., Amerik. Redwinler 22.25 — 22 75 Mk., Kansas 22.60—22.50 Mk., russischer Nieola-eff 21.25—21.75 M., Soxonsla 21.50—22.35 M., Ulfa 21 25-21.75 Mk., Taganrog 21.50-22.00 Mk., La Plata 21.V—22.00 Mk., rumän. 21.25-21.75 Mark, Wall-, Wallo 00.00—00.00 M. — Roggen, hiesiger, 16.00 bis 16.10 Mk., aus dem Lande abqebolt 15.40—15.75 Mk., Pfälzer 16 10—16 25 M. russischer 17.10-17.25 M. rumänischer 16 90—17 00 Mk. — Gerste hiej. 00.00 bis 00.00 Mark., Psölzer 00 00 -0000 Mk, fränkische 00 00—00.tMMk..R!edgerste00 00-00.00Mk., ungarische c0.00 -00.00 Mk., Futter erste 13.25—14.25 Mk. - fiafer, neuer, hiesiger u. Welterauer 16.50—17.75 Mk., kurhess. 16.75 - 17 75 Mk.. bayer. 16.75-18 25 Mk., La Plala 17.25—17.75 Mark, russischer 16.25-18 50 Mark. — Mais (Mixed) 1370-13.90 Mark, Donau« innig 13.90-14.20 Mark, La Plata 13 90-11.2» Mark, Odessa 14.00—14.25 M„ Einquantine 15.75—16 25 Mk. - Alles per 100 Kilo netto, effektiv loko hier. — Mehl: unverändert. — Es notieren nach Qualität: Weizenmehl, hiesiges, Nr. 0 30.25—30.70 Mk., südd. Nr. 0. 30.25 -30.75 Mk., Hiesiges Rr. 1 28.25 -28.75 M. süddeutsches Nr. 1 23.23 -23.75 M., Hiesiges Nr. 3 25.25 - 25.75 M., süddeutsche? Nr. 3 25.25 -25.75 M , H-esiaes Nr. 4 21 25—21.75 M., süddeutsches Nr. 4 21; 5-21.75 M. — Roggen mehl, hiesiges, Nr. 0 24.00 bis 24.50 M., do. Nr. 01 23.00—23 50 M., do. Nr. 1 22.00—22.50 M. Alles per 100 Kilo inklusive Sack loko hier. Futterartikel: unverändert — Weizenschalen 9.50 bis 9.75 M , Weizenkleie 9 10—9 40 M .Rogaenkleie 10.00—10 25 M., Weizen-Futtermehl 12 75—13.75 M, Biertreber, aetrodnet, 12.00—12.25 M., Malzkeime 1210-12.30 'M., Rapskuchen 12.20—12.40 M , Palm­kuchen 11.40-11.75 M. Alles per 100 Kilo netto effek­tiv loko hier bet Abnahme von 10900 Kilo.

* Frankfurter amtliche Notierungen der Bichmarkt- ptcije vom 20. März Auftrieb: 1192 Rinder, 425 Ochsen, darunterf Oöüerrch., 47 Bullen, 720 Färsen u.Kuhe, 310 Kälber, 272 Schafe, 2381 Schweine, keine Ziegen. Preise für 1 Zentner: Rinder: -1. Ochsen: ».vollfleischige, ansgeniästete höchsten Schlachtiverles höchstens 7 Jahre all ( Lebendgewicht) 50—56 Mark, -'Schlachtgewicht) 91—95 M., die noch nicht gezogenen haben (ungejocht Lebendgewicht) 50—53 Mk., Schlachtgewicht> 91—93 Mark, b. junge fleischige nicht ausgerüstete und ältere mi§qemäftetc (tiebenbgeiv. 46—49 M., (Schlachtg.) 83—89 M., c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere (Lebendgeiv.) 40 -45 M., (Schlachtgew ) 74—83 Atark, d. gering genährte jeben Alters (Lebendgew.) 00— 00 M., (Schlachtgew.) 00-00 M. 13. Bullen: 3. vollfteijchige, ausgewachsene höchsten Schlachtwenes (Lebendgeiv.) 41--48 Mark, «Schlachtgew.) 73 -83 Lll., n. vollfleischige jüngere (Lebendgewichti 40 —43 Mark, (Schlachtgew.) 66—71 Mark, e. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere (Lebendgewicht) 00 -03 Mark, (Schlachtgew. 00 — 00’1»., <1. gering genährte Lebendgew.' 00-00 Mk., (Schlachtgew.) 00 - 00 M. C. Färsen und Kühe: a. vollfleischige, ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes (Lebendgew.) 43—47 Mark, (Schädigern.) 77—81 M., b. vollfleischige, ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren (Ldgew.) 42—46 M., (Schlachtgew.) 78—83 M., c. 1) wemg gtti entividelte Färsen (Lebendgeiv.) 38—42 '1>L, (Schlachtg.) 73—81 M., do. 2) ältere ausgemästete Kühe und wenig |

gut entwickelte jüngere Kühe (Lebendgew.) 34-41 Mk., (Schlachtgew.) 63—76 M., d. mäßig genährte Kühe u. Färsen (Lebendg.) 28—33 M., (Schlachtg.) . 6-66 M., e. gering genährte Kühe und Färsen (Lebendgeiv.' 22 -26 Mk., (Schlachtgew.) 50—59 M. D. Gering genährtes Jungvieh Fresser) (Lebendgew.) 00 —00 M., SchlachlgO tt-0-00 Mk. Kälber: a. Doppelender feinlie Lllaft (Lebendgew., 00—00 Mk., (Schlachtgew; 00—00 Mk. b feinste Mast- (Vollmilchmast > und beste Saugkälber Lebendgew.) 56—60 Mk., (schlachtgew ) 93 - 100 M. i-.. mittlere Mast» und gute Saugkälber (Lebendgew.) 52-55 Mk., (Schlachtgew.) 88—93 Mk., d. geringe Saugkälber (Lebendgew.- 47 50 Mk., (Schlachtgew.) 80-85 Mk. Schafe: A. Stallmaftichafe: a. Mast- läminer und jüngere Masthäinmel (Lebendgew.) 40—41 Mk., (Schlachtgew.) 84—86 M., b. ältere Manhämmel und gut genährte Schafe (Lebendgewicht 00 - 00 Mk., (Schlachtgew.) 00—00 Mk., c. mäßig genährte Hammel und Schafe (Merz-Schafe (Lebendgewicht) CO 00Mk., (Schlachlgwicht) 00—00 Mark, d. Marichschafe.oder Riederungsfchafe (Lebendgew.) 00—00 Mk. (Schlacht­gew.) 00—00Mk. B. Weidmastschafe: —. Schweine: a. vollfleischige Schweine von 80—100 kg Lebendgewicht Lebendg.) 48-51 Mark, (Schlachtgew.) 62-64 Mk., h. vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewicht (Lebendgew.) 48.50-59 M., (Schlachtgew.) 62 64 M., c. vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht (Lebendgew) 49—51 Mk., (Schlachtgew.) 61—63 Mk., d. vollfleischige Schweine von 120—150 kg Lebend­gewicht (Lebendgew.) 48.00 —50 Mk., (Schlachtgew.) 60 — 63 Mk., e. Fettfchweine über 159 kg Lebendgewicht v2ebbgero.) 00 - 00 Mk., (Schlachtgw.) 00-00 Mark, 1. unreine Sauen und geschnittene Eder (Lebendgew.) 00-00 Mk., (Schlachtgew.) 00 -00 Mk. Bon den Schweinen wurden heute verkauft: a. Lebendgew. zum Preis? von 52'-r Mk. 1 Stück, von 52 Mk. 21 Stück, von 511/« Mk. 34 Stück, cun 51 Mk. 131 Stück, von 50'/, Mk. 8 Stück, von 50 Mk. 97 Stück, von 4 0/- Mk. 23 Stück, von 49 Mk. 143 Stück, von 48'/, Mk.53 Stück, von 48 Mk. 80 Stück, von 47'/, Mk. 12 Stück; b. Schlacht­gewicht zum Preise von 66 Mk. 4 Stück, von 65 Mk. 8 Stock, von 64 Mk. 177 Stück, von 63 Mk 248 Stück, von 62 Alk. 224 Stück, von 61'/, U tk. 5 Stück, von 61 Mk. 82 Stück, von 60 Mk. 22 Stück. — Geschäft in Rindern und Schweinen lebhaft. Rmder weiden ganz, Schweine nahezu getäumk. Kälber werden bei gedrucktem, Schafe bei ruhigem Handet ansveikaust.

Reklamen- und Anzeigenteil.

„Starke Söhnchen brachen durch".

Pu Sbutti, e itnbultiroe-i 1 4, 16. Sei. wuS,

„Schon in früheren Jc hr-N haben wir bei unterem Tbu,-eichen EUrirde »le »uSgcz Ichn-lr W.rlu- g vor Scott« Eniustm t-nnen g lernt. DeShaid en chtrsfen wir U16 auch lofort, unserem Sühr- ü en Werner dar g.eilte PrHoarut eine Zelt ang ,u geben, all baä von Eeburt an schwache Kind tn ble Zahi zeii lam. St»' Wirt nfl, die man f.fcrt merken lonntt, tft tatlSchUch flaunentz« werk, denn »er Kie ne 6-t von Tag zu T 0 me,r zugeno innen, die Ichö f'en rrten Bäckchen bciommen, und 6 flaue Zähncheit) brrchen durch, ohne d-r» er d..mtt zu tun haue. (SS ist uteS em, grob r Segen für die Slutter, welche iann auch ihre rublgen Nächte lut." (gez.) Herr und Krau Ealzdr nner. s

Ein erstrebenswertes Ziel für Mutter, und Kind sind ruhige s)lc le in der Zahnzeit. Kinder, deren Körper die nölige Widerstandsfähigkeit besitzt, werden ohne Beschwerden darüber Hinwegkommen, und diejenigen, bei welchen dies nicht zutrifft/ muß durch ein Kräftigungsmittel nachgeholfen

» ;-<,=■ werden. Hierzu eignet sich ScottS Emulsion wie kein zweites Afittel. Mi/ki 'M, Ihre Bestandteile, Lebertran unb' K MLM' Kalksalze, sind vortreffliche Nährwerte '5 und hervorrageich, geeignet, dem tä y 'jjv jungen Organismus Widerstands« /; 1 w- sähigkeit zu verleihen und ihn so kräftigen, daß er mühelos über die Zahnzeit hinwegkommt. Die

. . ; Kinder nehmen Scotts Emulsion

ur-'-e so gern, weil es angenehm süß

i schmeckt.

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Scotti Emulsion wirb von un» aurzchliebllch im irofieii öer«, tauft und iiruir nie loie tu ch Wewlcht ober Matz, sondern nur in versiegelten Origtnalslalchen tn Karton mit unterer schütz« matte (Facher mit »em Dorich). Scott u. Bowne, in. b. tzp äranlfnrt a. M.

Bestandteile: ftetniter Medttztnal-Lebcrtran 1M,", prima, Siegerin M.o, Mlicrphr-Svhortglaurer Statt 4,3. tmterphokpho:ig« au«8 Watten 2,0, pu?a Tragant 8,0, feinster rrrad. «Summt >uiv. 2/), beiiltt. iteai;« 129,0, «ttohot 11,0. tziertzu aromazWtz Emiiifion mit Zimt-, Äiandel- :m» Saultbedeöl je 3 Trochen, ‘ A

Der Erbe von Eberstein.

7] Roman von E d m u n d s)l 0 w a k.

Pater Limenez nahm eine Zeitung zur Hand und las bet lautloser Stille folgendes vor:

,jAus Rio Grande in Brasilien kommt unter dem 22. Januar folgende Nachricht: In der Nähe der Secraben-Felsen geriet bet Dreimaster „Dalmatia" in einem fürchterlichen Orkan bei Nacht auf ein Riff und ging unter. Passagiere und Mannschaften konnten sich in den drei vorhandenen Booten retten. Unter den Geretteten befand sich auch ein Graf Edwin von Eberstein, der auf der Ueberfahrt von Ecuador nach Deutschland begriffen war. Zwei von. den Booten sind verschollen. Tas Boot mit dem Kapitän wurde von einem brasilianischen Dampfer gesichtet. Sämt­liche Jnfaffen sowie die Schiffspapiere konnten in Sicherheit gebracht werden."

Der kleinen Gesellschaft bemächtigte sich eine ge­waltige Erregung. Der Graf war in sich zusammen- aesuiiken. Schwer atmete er. Also, sollte doch noch Roderich leben? Wie sehr hatte der alte Herr das seinem Sohne zugefügte Unrecht bereut und es gut gu machen gesucht, leider vergebens. Und jetzt kommt ein Eberstein nach Deutschland, ein Edwin Graf Eber­stein? Es kann-doch niemand anders als sein Enkel sein. Sollte ihm auf seine letzten Lebenstage Gott noch diese Freude aufgespatt haben? Nein, nein, das Ware für ihn zu viel des Glückes. Es wird sicherlich ein Nachkonmic der österreichischen Linie sein. 'Doch ™ T>r°l lebt nur noch der alte Graf Haffo von Eberstein, und besten einziger Sohn Philipp ist bereits s'lnlzig <zayre alt und noch unverheiratet. Also muß xs ein Nachkomme Roderichs fein.

Gräfin Cacilia überraschte die Nachricht außer­ordentlich. Sie freute sich, daß wenigstens ein Sohn ihres Bruders Roderich lebe und nach Eberstein kom­men totrrbe. Dabei regte sich in ihrem Jnnem ein bißchen die eigennützige Mutterliebe. Graf Tankmar hatte ja ihre und Isoldens Zukunft sorgenlos gestal­tet, gleichwohl würde sie es gerne sehen, wenn ihre .Tochter einmal als Herrin in Eberstein einzöge. Und beim etwaigen Erscheinen eines Eberstein tonnten sich Are Hoffnungen wohl realisieren.

Endlich raffte sich der Schloßherr auf. Mühsam kam es von seinen Lippen: „Wir müffen mit dem Umstande rechnen, daß jeden Tag eine Nachricht von dem jungen Grasen dntreffen kann. Denn ich glaube nicht, daß mir dec liebe Herrgott diese letzte Hoffnung auf einen Erben nehmen sollte. Er hat ja meine Tränen gesehen, mein Sitten, mein Flehen gehört, er wird mir mein großes Unrecht, das ich meinem Rode­rich zugefugt, verzeihen. Ob er noch leben mag? Wohl nicht, sonst würde sein Sohn Edwin die Reife nicht allein unternommen haben."

Es war rührend, wie der alte Greis weinte und klagte. Isolde trat an ihn heran, schlang ihre wei­chen Anne um seinen Hals und bat mit ihrer lieblichen Stimme: „Nicht weinen, Großväterchen,nicht meinen. Dein Enkel wird komnlen und dir und uns allen recht fiel Freude bereiten."

Der Schloßherr blickte seiner Enkelin in die schö­nen, treuherzigen Augen, und ein Lächeln huschte über sein faltenreiches Antlitz. Dann wünschte er allseitig gute Nacht und zog sich in seine Gemächer zurück. Bald wurde es überall still. —--

Die nächsten Tage und Wochm war der Schloßherr wie verändert. Ruhelos ging er umher, als wenn ihm etwas fchltc oder er etwas suchte und nicht finden konnte. Und wenn der Diener die Postsachen brachte, so konnte er sie nicht schnell genug durchsetzen, um sie dann mit einem schweren Seufzer enttäuscht zurückzu­legen. Sein Zustand wurde von Tag zu Tag beäng- stigmder. Man fürchtete für ihn. Und so ließ man den Hausarzt aus Kronberg kommen, der aber nichts weiter als eine seelische Deprestion fesfftellte. Er riet Zerstreuung, die der Graf am besten auf Reisen fin­den könnte. Dazu war der alte Herr trotz Zuredens nicht zu bewegen. Da endlich trat einEreignis ein, das auf den Grafen von heilsamen Einfluß sein sollte. Eines Tages brachte der Briefbote ein Telegramm au8 Hamburg. Mit zitternden Händen öffnete es der Schloßherr.

„Cäcilie, er kommt," kam es jubelnd aus feinem Munde. „Lies, er kommt."

Die fieudige Auflegung war für den Greis zu viel. Erfchöpst sank er in den Seffel und schloß die Augen. Während Isolde sich um ihren geliebten Großpapa Be­

mühte, las Gräfin Trenmarck das Telegramm vor: „Lieber Großpapa, mit Dampfer „Ekkard" gestern abend angekommen. Treffe heute abend mit Schnell­zug 7,25 Uhr in Kronberg ein. In Sehnsucht Dein Enkek Edwin."

Gräfin Cäcilie freute sich schon allein um ihres Vaters willen unaussprechlich über die Ankunft ihres Reffen. „Sieh, lieber Papa, nun wirst du wieder mit uns flöhlich sein."

„Ja, Kinder, Ihr habt Recht' Nun aber heißt es alles auf die Ankunft unseres teueren Gastes borberei­ten, die Zimmer in Ordnung bringen. Edwin soll die Räume seines Vaters bewohnen. Es steht und liegt darin alles so, wie es der arme Junge verlosten hat. Ich werde zur Bahn fahren. Jakob soll den Galawagen zurecht machen unb die Spitzenreiter mit­nehmen. Hubert fährt in großer Gala mit. Der Herr Haushofmeister soll am Eingang in den Park einen Triumphbogen aufstellm taffen, alle Mädchen müssen ran und Kranze winden. Die Beamten müssen sofort zum Empfang benachrichtigt werden. Der Forstmei­ster soll mit seinen Jagern den Wallkommengruß brin­gen. O Gott, diese Freude! Wie soll ich dieses Glück fassen!"

Der Hausherr war nicht wiederzuerkenuen. So wirkte die Freude wohltuend auf ihn. Mit leichten Schütten durcheilte er die Schloßraume, hier Anord­nungen treffend, hort Befehle erteilend, ja er griff selbst zu, um alles zu beschleunigen. So war unter den verschiedenen Vorbereitungen der Abend angebro­chen. Graf Tankmar wur nach Kronberg gefahren. Das Schloßpersonal unter Führung des Haushofmei­sters sowie sämtliche Beamten hatten am Eingänge des Parkes cm der Ehrenpforte Aufftellung genommen, während die Damen und der Schloßkaplan auf der Freitreppe den jungen Grafen erwarteten. Da er­dröhnten Böllerschüsse. Der Viererzug rollte heran und hielt vor der Freitreppe. Aus dem Wagen sprang ein hochelegant gekleideter Herr, der dem alten Grafen beim Ausstergen behllflich war. 5)ie_ Herren stiegen die Freitreppe hinauf, wo der Schloßherr in froher Stimmung ausrief: „Da bringe ich Euch den langer­sehnten Enfel und Erben von Eberstein. Hier, mem Junge meine Tochter, Frau Gräfin Eäcllie von Treu- marck. hier deine Kusine. Isolde von TreumarL Har

Pater Rimenez, unser Schloßkaplan und hier die Gesellschaftsdame meiner Enkelin Isolde, Frau Leut­hold. Der junge Graf verbeugte sich in durchaus welt­männischer Art vor den Damen, küßte der Tante und Kusine, die ihn auf Schloß Eberstein herzlich will­kommen hießen, ehrfurchtsvoll die Hände. Für den Schloßgeistlichen hatte Edwin nur eine steife, kurze Verbeugung, was bei dem lauten Gespräch und bet herzlichen Freude nicht gerade auffiel. Unter lebhaftem Geplauder trat man in das Schloß. Der Schloßhen selbst führte seinen Enkel nach den Raumen seines un­glücklichen Sohnes Roderich, wo Edwin mit Hilfe sei­nes spanischen Kammerdieners Tollette machte. Kaum war er damit fertig geworden, als der Schloßherr ein­trat, um feinen Enkel zum Diner abzuholen. Beim Mahle selbst trat eine sehr lebhafte Unterhaltung ein. Graf Tankmar fragte viel, während der junge Graf nicht genug erzählen konnte von seiner Heimat, von sei­nen lieben Eltern, von ihrem Tode, von seiner Reise unb dem furchtbaren Schiffbruch, aus dem er nichts als nur seine Brieftasche mit den Dokumenten und eini­gem Bargeld habe retten können. Der alte Graf war erschüttert von allem dem, was er zu hören bekam. Insbesondere ergriff ihn sehr der furchtbare Tod seines Sohnes Roderich. Auch die übrigen lauschten atem­los den Worten des Grafen Edwin. Mit Rücksicht auf ihn wurde diesmal die Tafel zeitlicher aufgehoben. Edwin begab sich mit seinem Großvater in dessen Arbeitszimmer, wo er ihm die Dokumente übergab. Der alle Graf umarmte seinen Enkel und hieß ihn nochmals herzlich willkomrnen, worauf er ihn allein ließ. Nachdem Edwin seinen Diener entlassen hatte, schloß er hinter demselben sorgfältig die Tür, unter­zog dann die Zimmer einer eingehenden Besichtigung unb kehrte in sein Arbeitskabinett zurück. Hier zün- bete er sich eine Zigarre an unb ließ sich in einen Seffel nieder. Sein Gesichtsäußere änderte sich nun ganz. Em zynisches Lächeln machte ihn geradezu ab­stoßend. Was er im Herzen fühlte, das prägte sich auch in seinem Gesichte aus. Und angenehme Ge- fühle waren es in der Tat nicht, die fein ganzes In­nere beherrschten. Wenn der greife Schloßherr jetzt das Gespräch seines so langesehnten Enkels Benommen hätte, fürwahr, er wäre bis ins Innerste erschrocken.

Mortfltzung foIflU